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Nr. 2 Zweites Blatt

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefseist

Dienstag, 5. Januar 1928

Oer deutsche Wald.

Neue Wege der Korstwirtschafl.

Don Dr. h c Walter v. Keudell, Reichsminister de» Innern.

Die Forstwir schast darf nicht nur Angelegen­heil eine» o.-rgl lchswil' kleinen Är? le» beruf» lUb Beteil gter bleib n. Di' Erhaltung und Aus- geftaltung des deut e n W Id i ist ein Problem vvil timtgrhender national r B d ulung. Der Wald mu G genst.nd (Datier B lätigung tori- test er Streife d r Ration w rd n. Ihn zu ps .eg n, tote er e- feiner Bedeutung für unser Volks- leben nach verdient, erfordern bie Mitarbeit jedes einzelnen.

Täuschen toir uns nicht Darüber: D.sher ist -zur Pflege des deu sch.n WaldeS viel zu tocntfl geschehen! 3?t es Dnn w.rk.ich eine *11 a: umoltrcnbiglci i, dah er sich toäjrcnD d r ley'-en Jahre so fret^nb-m mugt*, wie er sch lafächlich verändert h t? Ist Der Zuftand. in dem er sich gegrnwar ig befindet, d r höchst er­reichbare? Ainu nich vor allem die F,rstwirt- fchafk sehr viel von Der Landwirtschaft lernen?

3m Zei aller Der ÄameralifLm beginn man. Den miitelalterlichen Wald umgug flalten. Die Ausplünderung des Waldes, DL* bis dahin be­trieben toorDcn war. wurde durch eine ordent­liche Wirtschaft abgelöst. Dadelhvlz Schonungen tourden angelegt, Jungwuchs neben d.m Mutter­eichen gepflanzt. 3m Mittag birge wurdr die Untgfam wachsende Birke von der Fichte zurück- geDräng'. 3n Rorddeutfch'.and entstanden Misch- Waldung m aus Kiefer. Eich.* und Rotb iche. Die Waldwirtschaft war allerdings ziemlich tonfcr- dativ. Vielfach fehlte eS wohl auch an ®:ID. Die Sehnsucht gerade Der b.'flcn Forfll uto ging keineswegs in Erfüllung. Die ®eltip der Fortt- Aefthetik, Die bereit« Amt als bi.* übertragen? (Satlenbauhmfl bezcichnel hall?, tourd.n in Dir deutschen Forstwirtschaft kerneSwegZ voll berück­sichtigt.

Unsere Forstwirtschaft befindet sich heute etwa in dem 3uftanD, in dem Die Landwirtschaft sich um die Mitte des vorigen Jahr- Hunde rls befand. Der bunDer'.'jrige Um trieb, also die Abholzung der Holzbeftäird.* nad> hundert Jahren, hat den Wald In feine grgenwäriige Form gebracht. Zihlrriche Aufforstung v rsuche scheiter:en an der allgnncinen Uebcrxeugung, das), too es Schwierigkeit n gab. ganz einfaH nchks zu machen ist. So btbc auch tch auf mein.m Gut in Den 3ahren 1907/03 die Wiederaufforstung ehe­maliger Aecker ohn? Erfolg v?rsucht. Schließlich hat mich ein alter Kutscher auf den richtigen Ge- Danfen gebracht, indem er mir g raten hat. die Hackkultur Der Landwirtschaft nachzuahmen. Dieser alte Mann hat meine Gäste oft mafelos erschreckt, wenn er sich in seinen nicht gerade gewählten Formen über Tagesfraaen oder über die Dethmann-Hollwegsche Politik aussprach. Tvohdem bin ich ihm, der sich, wie manche treue Seele auf dem Lande, durchaus als Mit­glied Der Familie des Gutsherrn fühlte, gerade für diesen Rat besonders dankbar.

Ich habe also, um beim Beispiel meines eigenen Forstes zu bleiben. Die Waldkult ur geregelt, wie man eS mit Hackfrüchten macht. 3m allgemeinen gilt dieses Verfahren al« zu teuer. Trotzdem bin ich überzeugt, das) es sich m zwanzig Jahren in gairz Deutschland dur ch- qe setzt haben wird. Di? Anfangskosten sind durch rascher wachsendes und besseres Holz rasch herein gebracht. Mit vollSwirilchastlichen F rmeln zur Errechnung der ^Rentabilität deS WaldeS allein ist es eben nicht getan. Die mathematlfche Berechnwtgswcile d.*r Forstwirtschaft war gewiß eine Errungenschaft von Bedeutung: unter gar keinen Umständen darf dab?i jedoch die Füh­lung mit Der Lan dwi rtschast verloren gehen. Wie schädlich übertriebene und falsch an- geweirdete Sparsaml.*it in Der Waldwirtschaft ist, sehen wir am besten an dem ungeheuren Un­heil,, das kranke Bäume anrichten. Die mm stehen läfet, weil sie angeblich noch immer schön sind. Die Rafsenzucht der 'Bäum? ist vin.* unterer

öie Fälschungen von Glozel.

Au« Paris wird uns geschrieben: Seit die ersten Meldungen über die archäologischen Funde von G l o z e l bekannt wurden, ist viel Zeil ver- Smgcn, Zeit, Die mit Streit für und wider die emüter erregt^. Erst jetzt scheint dieser Streit endgültig zum Austrag au kommen, da sich eine internationale Gelehrtenkommifsion der ..Affäre" angenommen und festgestellt hat. daß die Aus­grabungen von Glozel so raffinierte Schwindeleien sind, wie sie seit langem nicht in der Geschichte vorgekommen sind. G« bleibt unverständlich, daß ein so namhafter Gelehrter wie Salomon Reinach. der Herausgeber der Revue arch^olo^ique" und mit ihm viele andere Forscher und Historiker auf diese Fälschungen beteingefallen sind. Der Urheber dieses Schwin­dels waren der Bauer Fradin und fein Sohn. Sie fanden im Jahre 1924 auf ihrem Grund und Boden in GioM zwei mit unlefcriidjen In­schriften beschriebene Ziegelsteine, die sie einer wissenschasilichen Gesellschaft zur Prüfung vor­legten. Die Gesellschaft fällte das Urteil, dah es sich um Funde von hohem Alter handle, und als dieses Urteil in der Presse bekannt wurde, fehlte es nicht an Leuten, die sich für die An­gelegenheit in.erefiicttcn, in der sicheren Meinung, noch weitere wertvolle Stücke in Glozel zu ent­decken. Der französische Arzt Dr. Morlet aus Dichy nahe Gloze^ Archäologe aus Liebhaberei, pachtete von den Fradins das Stück Land, in Dem die Ziegelsteine gefunden wurden, und machte sich gemeinsoin mit Dem jüngeren Fradin Daran. De.i Acker systematisch zu durchsuchen. 3m Laufe der beiden letzten Iahie förderten sie Dann aus Der verhältnismäßig kleinen Bodensläche eine ge­radezu phantastisch anmutende Menie archäo­logischer Stücke ans Dagesiicht. Dr. Morlet be­richtete in einem Aufsatz imMerciue de France über 3500 größere und kleinere Funde, Die bei Den anfänglichen Ausgrabungen aus primitiven Ziegel- und Töpferarbeiten befanden, um Dann immer kunstvoller und umfangreicher zu werden Malereien. Zeichnungen, darunter seltsame nun d)° liebe Darstellungen, und auch Die Wiedergabe eine« ..Renntjers" wurden entdeckt. Die In- schristen zeigten, phönizische Schriftzeichen, die in Verbindung mit der Renntierzeichnung für die

wichtigsten Ausgaben. In der vorsichtigen ©orten- auelek ist noch keineswegs genug g schehen

Dir müssen uns bemühen, DL-jemgen Hölzer auszuwählen. Die möge ihre Kultur auch teuer fein auf Dem Boden, auf Dem ft? stehen. die besten S n t w i ck l u n g « m ö g l i ch l e i t c n haben. Deutschland ist groß, in Ostpreußen lind andere Baumps'.anzungen no w ndig als in Bavern. Für Rorddeu schl mD ist Der Wald Der Zukunft gewiß der Mischwald. Der zu einem erheblichem Prozentsatz aus Äiefern besteht. jedoch mit Buchen und Sichen gern fcht ist.

Die gemischten Waldbestände stellen Die Synthese des Schönen mit Dem nützlichen Dar Ebenso ist Die Ou lli atoWeigerung der Bäume gleich.nähig von toir 'chaftlichem Dörte I und von ideeller B.*d.nttung. D.r deutsche Wald soll schon sein. ®r soll d e n g e Der Ver­gangenheit und Träger D *r Zukunft zugleich, in lebendiger per önlich-r Begehung mit ledern sein, Der ihn b sucht. Und tr r wollen, um an feiner Ausgcst.ll ung mitzuwirken, eines tun: denkend durch Den Wald g Den'

Asien an der Jahreswende.

Don unterem ni-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau, Snde Dezember 1927.

Die lK*rtoi renDe Dielgestalt Der tbpeig.iiffe in Aiien während des lebten Jahres macht e« für den Du ch^ch tittseuropaer schwer, sich ein einwandfreies Bild von De; Bedeutung Der Vor­gänge zu mache i. Äernten doch Die wenigsten auch nur Teile des Nieseakontinents pe.sönlich und sind doch allzu viele noch auf Die al en Formeln eingeschwo.en. nach Denen man in Asien nur zwischen englanDf reunD- l i 4>en und rufelandfreundlichen M ä ch t e n zu unterscheiden brauche, um den Schlüssel für das De ständnis der zum Teil sehr unduechsich igen Dorgänge zu haben. Und doch ist heu e nichts verkehrter als das. Asien ist ein Lieberblick über die Pol.tischen Dorgänge lehrt dleS jetzt stärker als je aus Dem Dege, sich zu emanzipieren, und in manchen Gegenden des Erdteils hat heute der Europäer nicht einmal mehr freien Zrttritt. wie Z. D. in Tibet, in der Mongolei und in Afghani­stan. wo man gewisse Europäer überhaupt nicht, und andere nur mit beit allergrößten Umständ­lichkeiten in das Land hineinläht, während kurz vor dem Kriege diese Schranken verschwunden gewesen waöen. Zwar muß man zweifellos fest­stellen. dah von einer völligen Emanzipation Der Asiaten noch lange nicht gesprochen werden kann, aber andererseits sind Die Anzeichen für Die wachsende Unabhängigkeit der asiatischen Völker so stark, dah man in jeder Tendenz, imb in den Ereignissen, Die sie zu verstärken gee g- net sind. Da« Entscheidende des letzten Jahves zu e.blicken hat. Und nur von diesen Dingen aus kann man zum Verständnis des Bil­des vom heutigen Asien kommen, das Dem Kreml unD der sowjetrussifchrn Politik vorschwebt.

Hier ist zunächst festzustellen. dah Sowjet- rußlanD Die Anlicht vertritt, daß Die wach­sende Selbständigkeit Der.asiatischen Völker in Dec Hauptsache ein Verdienst der totojetrussischen Politik ist. die in stetem Kampfe mit den Unter­jochungsbestrebungen der Angelsachsen einige grohe Fortschritte in dieser Hinsicht im Lause deS letzten Jahres erzielt zu haben glaubt. So sieht man vor allem in den vv rdera s ia - tischen Ereignissen eine Bestätigung Dieser sowjetrussischen Theorie, obgleich ein skeptischer Beobachter wohl auch anderer Meinung fein könnte. Die Tatsache, daß Die Türkei nicht, wie man es Anfang des Jahres erwartete. Dem Völkerbünde bei getreten ist. und daß Mustapha Pascha weiter ein Engländerfeind ge­blieben ist, wird daher fast ebenso hoch gewertet wie Der Abschluß Der Freundschafts- unD Sicherheitsverträge mit Pers ien und Afghanistan, sowie des Handelsabkom­mens in Persien. In diesen Dingen ficht man in Rußland Die Krönung Der Arbeit der Sowjet- Diplomatie, Die, auf Den Grundsätzen der Vleiä)- berechtigung ausbauend, es nach russischer Ansicht zuwege gebracht hat, diese orientalischen Staaten von einem gemeinfamen Büirdnis gegen Sow- jetrußland das eine Zeit lang sehr viel näher gelegey hat, als man in Europa vielleicht glaubte - semzuhal en und darüber hinaus D-.e'e Staa­ten für den Fall eines englisch-.usfifchen Krieges zu neutralifie.cn oder ga» auf die russische Seite zu zwingen. Ein Erfolg, den man, insbesondere

da er zur gleichen Zeit mit einer innerpoliti­schen Konsolidierung dec Drei Mächte verknüpft war. durchaus anerkennen kann. Selbst wenn man sich dabei vor Augen hält, daß vor allem die Poli.ik Der Mäßigung und Zurückhaltung der kommunistische.' 3nternationalc in Dielen Ländern al« Do.bedingung der russischen Erfolge angesehen werden muß.

Das ist nicht unlntereflant angesichts zweier anderer Gebiet-komplexe Asien-, in Denen Ruß­land im letzten Jahre erst zu arbeiten begonnen hat. Arabien und Indien, wo man sich zunächst jedenfalls nicht an diese Regel gehalten hat, sondern mit kommunistischer Propaganda auch geschästliche Methoden verguicken zu können glaubte. Was denn auch in Arabien dazu- führte. daß vorübergehend ein russisches Zucker- dumpw.g Arabien zum Z.ickeriunden Rußlands machte, während in Indien infolge dieses Ver­haltens auch nicht ein einziger Sowjetemissär zum Betreten indischen Bodens gelangte. Die be­rühmte Propagandaschule für die Verbreitung Der Wellrevolution unter Den islamitischen Völ­kern in Moskau wird also ihre Schüler wohl nod) eine Weile avSbilDcn müssen, ohne sie verwenden zu könnet - trotz der fulminanten Drohungen Bucharins, die Da« Gegenteil Vor­täuschen möchten.

Schwieriger ist es hingegen für die Bolsche­wisten, auch sür die öeeigniffc des letzten Jah­res in China eine Formel anzugeben, die Die Vorgänge im fernen Osten auch nur zum Teil als Erfolg Dec Russen hinzustellen vermöchte. Denil die Tatsache, daß Ruhlmtd nunmehr auch mit Der f ü d chinesischen Bewegung gebrochen hat. nachdem im Anfang des Jahre- Der ulorDen mit Rußland b.ach, kann auf keine Weise geleugnet werden. Die letzte Rote Tschi­tscherins mao')t daS unmöglich und Die Behaup­tung. Daß Der kommunistische Bauernaufstand in China eine Aeirdernng wieder zugunsten Ruß­lands herbeiführen werde. Hingt selbst in MoS» kau so qciragt. das, niemand ernstlich Daran glaubt. ReinM wenn irgendwo Sowjetruhland eine endgültige und entscheidende Riederlage erlitten hat. dann ist dies zweifellos m CH na im Lause DeS letzten Jahres der Fall gewesen, wo Die kommunistischen Intrigen selbst Den in dieser Beziehung gewiß nicht überempfindlichen Südchinesen zuviel wurden, so daß sie sogar Den treuen Borodin an Die Luft setzten, der an sich mit diesen politischen Machenschaften Der Komintern am wenigsten zu belasten war. Wobei man sich vergegenwärtigen muß, daß Die Eng­länder an diesen, Spiel unbeteiligt waren, weil sie sich infolge der unglaublichen Dumm­heiten ihrer eigenen Politik sozusagen selber aus China hinausmanöverie.t hatten. Die Bilanz her rullischen Politik nach dieser Seite Asiens hin ist De.;n auch geradezu e-fchütternd: sie haben nicht nur jedes moralische Prestige verloren, sondern haben auch ihre besten Agenten zwecklos geopfert, da diese bei den letzten mißglückten Kommunistenputsch *n hingerichtet wurden. Wenn die russische Presse diese Dinge auf englische Machenschaften zu- rüctsühren möchte, so ist da« nur albernes Siu- schuld igungsgestammel der volitifch Verantwort­lichen. Die hinter diesem Mäntelchen das Schei­tern Der kommunistischen Politik in CH na ver­bergen möchten.

Deshalb ist endlich auch eine Bilanz der russi­schen Position gegenüber Japan nicht erfreu- lieb für Rußland. D»e Schwäche. Die h.e russische PvlltU im lernen Dilen tüt die nähere Zukunst auezeichnen wird lommi den Japanern nur zu gelegen, um enhlid) Die gänzliche Beseiti­gung de- rulh'd)cn Etnslusseo in Der Mand­schurei und die Uebernahme Der mandschurischen Dadn in japanischen Besitz zu bewerkstellige», wa» ja bisher elanntUch nicht möglich war Die freundschaftlichen Delstcherr.n^.eit Der lapani- schcn. Industriellen in Moskau Dürfen Daher auch nicht ernster genommen werden als sie sind: Die freundliche Rlaoke Dee Tigers. Der im SüDen Ehina« ten ruf i'chen Einfluß zerschlug 1

Das bat nicht« zu DeDcuien? Soll alle« nur * eine Episode lein ? Doch uobl kaum. Denn trenn au« ten Ereignis en des letz.en Jahre« eine febre au ziehen ist. Dann ist es doch wobt die. daß die W e 11 r c i> o l u 11 o n al« Mittel zu r Macht Schiffbruch erlitten Hal in Asien in Vorderasten verschleiert Dafür aber in- asien ganz offen! Und zwar nur dank Der kommui.iiiilchen Propaganda! Und daß die ge­samte russische Arbeit nur einer Tendenz zugute gekommen ist: dem Wunsche Der asiatischen Völker nach Selbstvestimmungl

Hessens Tote im Jahre 1922.

Januar: 12. Geb. Schulrat. Prof. Dr. Theodor Schweisgut zu Darmst-adt. geboren zu Birsenborn. 23. Pfarrer ibduard ctriba zu Wetlersel). -- 24 Oberlehrer i. R. Professor Dr. Richard OuarD Ott mann in Gießen. Faorikdirektor Dr. IVilb. Mengerll' zu Friedberg. 26. Hauotmann a. D. und Sturblref tor von Bad Nauheim i. R. Hermann von (Brolmann Zu 'löeilburg, geboren in Gießen. Geh. Schulrat Dr. Philipp Wiederholt aus Gießen, gestorben in Perljn- «vriedrictzshagen: Fabrikdirektor Heinr. Philippi zu Offenbach. 28. Apotheker Karl Sander zu Aloscld

Februar: 2. Lehrer Friedrich Guter zu Gießen. 3. Intendant a. D. Mar Behrvnd .zu Cberstadt. 5. Lehrer Gustav Eichelmann zu Ruppertsburg. 9. Sanitätsrat Dr. Artur Karfunkel zu Pad-fltait' heim. 10. Marie Gräfin ju Erbach-Fürstenau yi Michelstadt. 16. Kommerzienrat Karl non Opel in Rüssel »heim. 18. Oberrechnungsrat Karl Heinrich Keutzer zu Darmstadt, geboren zu Blitzenrod; Kreis tlerarzt a. D. Dr. med. vet. Gottfried Schäfer zu Friadberg. 19. Geh. Forftrai t. R. Aug. Schwarz zu Darmstadt. 24. lifarrer Otto Adam zu Llßbera. 27. Landgerichtsrat Emil Wlllenbucher zu Gießen.

März: 1. Sanitatsrat Dr. Wilhelm Orth 11 Darm­stadt. 2. Fabrikdirektor i. R. Wilhelm Wolf zu Darmstadt. 9. Päpstlicher Hausprälat Dekan Dr. Johannes Baptist Weckerle zu Seligenstadl. 16 Lehrer i.91 Start Lenz aus Friedberg zu Gießen. 18. Professor i.R. lTheoiogie) D. Dr. Emil '-Walter Tlaper zu Gießen: Pfarrer Heinr. Dreves zu Dann- stadt. 21. Oberstleutnant o. D. Egon Mohr'zu Gießen. 24. Pfarrer i.R. Artur Rombeld zu Gießen.

April: 1. Beigeordneter und Fabrikant Friedrich Zöller II. zu Schlitz. 2. Regierungsro! Hans Freiherr «chenck zu Schweinoberg au Darmstadt. 5. Geh. Riedlzinafrat Dr. Heinrich Weckerling zu Friedberg. 25. Rechtsainoatt Iuftlzrat 5)ermann Katz zu Gießen. 2fl. Geh. Schulrat Dr. Otto Derich zu Darmstzidt, geboren zu Ortenberg.

Tllai: 2. Kunstmaler Heinr. Hotz zu Offenbach. 5. Stadtmissilmar Friedrich Hermann zu Gießen. 6. Generalmajor a. D. Georg Theodor von Rode xu Darmstadt. 11. Forstmeister i. R. Karl Sameo In Gießen: Regierungsrat Otto Dächter. Vorstand Deo 'Uolizeicnnto zu Gießen. 14. Ministerialrat a. D Dr. Albert Lucius zu Darmstadt. 21. Oberjustiz, rat i. R. Dr. Will). Linß zu Darmstadt. 22. Ober- poftdirektionspräsident a. D. Ferdinand Milkau zu Darmstadt. 26. Dekan Gotthilf SMcbcrger zu Friedberg. 28. Landgerichtvdirektor i. R. Philipp Obenauer zu Mainz. 2V. Pfarrer i. R. Friednch sommerlad zu Gießen, geboren zu Rieder-Wollstadt

3uni: 10. Divifionopfarrer D. Gg. Büttel zu Schics wtg, geboren zu Biebesheim. 14. Pro». Dr. thcol ^cter Bruder. Geistlicher Rat Zti Dieburg: Pfarrer Theodor Weber zu Holchrim: Rektor und Beiqeord neter Georg Selbst zu vopenheim. 19. Oberland

archäologische Forschung Die bis Dahin für un­möglich gehaltene Feststellung ergaben. Daß Die Phönizische Schrift bereit« im Jahre 4000 v. Chr im westlichen Europa bekannt gewesen fei. also lange bevor cs in Phönizien eine Schrift gab. Dem­nach müßten also Die phönizischen Schristzeichen vom Westen nach Dem Osten gekommen sein, und Das erschien Den Forschem fo verdächtig, daß Die Stimmen Der Skepsis sich mehrten. Ein wahrer Presseseldzug gegen Glozel begann, und man erfuhr, daß einer Der Forscher eine ver­blüffende Aehnlichkeit der Renntierzeichnung mit einer Abbildung des Renntieres inBrehms Tierlebe n, ein anderer Archäologe aber das in Glozel gefunDene zweigeschlechtliche Götzenbild mit der Abbildung eines Hermaphroditen in einer französischen Zeitschrift für Gvnäkologie identifiziert haben wollle. Daß diese Funde außerdem in ganz geringer Tiese unter der Erd­oberfläche, an einigen Stellen kaum einen halben Meter tief, entdeckt wurden, war ein letzter Grund, an Der Echtheit Dielet angeblich 6000 Jahre alten Stücke zu zweifeln. Der einzige. Der bei feiner Tieberzeugung blieb, war T-. Wor- lei selbst. Die Leidenschaft des Sammlers muh es gewesen sein, die chn blendete. Die ihn sich jeder objektiven Tlnterfuchung verschließen liefe. Das ging so weit. Dafe er zuletzt jedem Skeptiker das Betre.en des Ausgrabung^seldes untcriagte. Die ganze Angelegenheit hatte sich aber in der Oessentlichkeit so zugespitz:. dafe der Anthrv- pologenkongrefe in Brüssel im Interesse der exakten Wissenschaft den Beschluß fafe:e die Aus- fitabungen von G.ozel einer eingehen, en Unter» uchung zu unterziehen. Herr io t. der fran­zösische älnterrichtsminisler, unterftü^ie i);e en Be­schluß mit allen Mitteln, und die auf Grund dieses Beschluss^ -usammengestellte internatio­nale Kommis ion, die die älnteriuchungen mit Der gröfeien Gewis erchastigkeit untemafem, verössent- lichte nun kürzlich die Ergebnisse ihrer Unter- suchungen. Die einwandfrei ergaben. daß es fich bei den Funden von Glozel um Fälschungen Plumpester Art handle. Die .Affäre Glo- zel", in Der zwei schlaue Dauern Gelehrte von Rus Jahre hindurch an Der Rase herumführten, wird sobald nicht Dergef.cn werden fie bedeutet lein Ruhmesblatt für Die französische archäolo­gische Forschung. A.

Hochschulnachrichten.

Der bisherige a. a Professor an Der Bres­lauer älniverii äl Dr. Lothar Koschmleder ist zum ordenilichen Professor der Mathematik an Der deutschen Technischen Hochschule in Brünn (Tschechoslowakei) als Rachfolger Des nach Wien berufenen Professors von Echrutka ernannt worden. Der Kunsthistoriker Der Heidelberger älnio rfi ät G h imrat Prof. Dr. Karl Reumann ist von Der theologischen Fakul ät Der Univer ität Hrid lb rg zum Ehr m- doktor Der Theologie promoviert worden. Die Ehrung erfotgie, weil Reumann sein ganzes Leben hindurch Den D zi hungm zwi'ch n Kunst und Religion nachgegangcm ist und Di? eigen­artige Schönheit Der deutsch-christlichen Kunst verkündet hat.

Der durch Die Berufung des Prof. Erich Sx- berg nach Berlin in Der theologisch.n Fakultät der Universitär Halle erledigte Lehrstuhl der Kirchengeschichte ist D m a. o. Professor Lic Her­rn arm Dörries in Tübingen angebo' n wor­den. Der Münchener Kirchen- und S aats- rechtslehrer, ord. Professor Dr. jur. Karl R o - thenbücher hat einen Rus auf Dm L hrstuhl für öffentliches Recht an Die llnio rhtät Bonn erfeal en. -- Der Lchrftuhl Der klastischm Philo­logie an der ilnitnr t ä: Göttingen (ar. Stolle von Geheimrat Pro^. R. Reitzonstein) ist dem orden licken Professor Dr. Johannes 61 r o u « in München angeboten worden. D:r durch Die Emeri ierung des Prvi P. Heilborn an D r älniver i ät Breslau erledigte Lehrstuhl für öffentliches Recht ist d m ord. Prof off or Dr. Johannes Qlaglcr in Freiburg L B an- gebv'en tocrDert Der L hrstuhl D r Wirtschaf', lichen S aatswillenfchaften an der Univ ri ät Hülle (an S elle von Geheimrat H. Weentig- ist dem ord. Prokellor Dr. rer pol. Fritz Terhalle in Hamburg angcbo'en worden. Der durch das Ableben des Gth. Iustizrats Prof. E. Lands- berg in Der Donner juristisch m Fakultät er- ledig e Lehrstuhl für Stra recht und Etriiprozeß ist dem orden'lichen Professor Dr. jur. Mar ©rünfeut in Jena angeboten Worten. Der durch die Berusung des P os. A Löwen nach Königsberg an Der ilnioe.fität Marburg er- lebigte Lehrstuhl Der Chirurgie ist Dem außer­

ordentlichen Professor Dr. med. Rudolf Klapp an Der Universität Berlin angeboten worden.

Sranffurfer Theater.

Earl ZuckmaherS Schauspiel .Schinder- Ha n n e S" hat nun auch Den Weg auf die Frank­furter Schauspielbühne gefunden. Zu.kmayer hat, es verstanden, dem volkstümlichen Räuberhaupk- mann Johann Buckler, dessen Gestalt und Taten in Der Volk-Überlieferung fortleben, starke drama­tische Formung zu verleiben. Tie dichterische Krast Zuckmayers wurzelt im Raturhaften Menschen in ihrem triebhaften, ungehemmten Lebenswillen zu schildern und den Grund ihrer Sceien bloßzulegen in Den Bränden des Blutes, m das in diesem Schauspiel fast durchweg erreichte Ziel seines künstlerischen Schaffens Die Tra­gödie deS Johann Bückler wächst in stellen Kurven aus Den neun Bildern Der Handlung empor. Grob ist die Sprache, aber Dem Vvlks- munD abgelauscht und fern aller heroischen Pa'hetik: mitunter verdeckt allzu große Lauthrit Ergreifendes, aber aus allen Szenen fühlt man Die zusammenlchweißende Hand, den Schöpfer­willen deS Dichters. Richard Weichert wußt.' dem Werk Die mitreißende, darstetterllch präch- tige Aullührung zu geben. Seine Inszenierung traf in bunter Lebendigkeit und dramatischer Be­wegtheit den Ton des D'lksstückes. Einen eben- solchen SchinderhanneÄ. brutal, verwegen. bc(- di.fch und wiederum gutmütig, mit allen Fasern feine« Leibes am Leben hängend, gestaltete Leo- vol> Biberti. Sein EchinderhanneS war um­strahlt von dem legendären Glanz, Dc-n das Volksmärchen nach der Hinrichtung um ihn ge* spönnen hat. ein Kerl voll strotzender Lebens­kraft. Das Iulchen in der Darstellung von Kon' stanze M e n z gehört zu einer Der refften und einDrirglidjften Lcistungen Der begabten Kunst- lerin. Sie Au'zählung Der übrigen Mitspieler tcütDe zu weit führen. Da das Programm un-

Aamen au'LDcift; aber all? waren an Der künstlerischen Intensität Der Au führung beteiligt. Ser Beifall des Publikums wuchs von Bild zu Bild, un^ am Schluß mußte 'ich Zuck.-nnyer mit Weichert und seinen Darstellern wie' er­holt auf der Bühne zeigen. L. \X'.