regel hindernd in den Weg treten werde, die auf Veranlassung des Dölkerbundsrates gegen einen Mitgliederstaat unternommen würde, falls er sich gegen die Satzungen des Völkerbundes vergangen hat. Eine solche Erklärung wäre ein wahrer Fortschritt auf dem Wege zur „Aechtung des Krieges".
Die Reichszenirale für Heimatdienst.
Wer ist die Reichszentrale für Heimatöienst? 3n der Oefsentlichkeit laufen nur etwas unklare Vorstellungen um, man denit sich unter ihr eine Art Erziehungsinstitut für die Erwachsenen, eine Art von Hochschule für die Politik für die breiten Massen und manchmal hegt man den trüben Verdacht, daß sie vielleicht der Weg sei zu einer geheimnisvollen, aber wohl beabsichtigten Veein- flussung des Publikums. Dieses Institut feiert jetzt sein lOjähriges Jubiläum. Allerdings ist seine Gründerzeit nicht in allerbester Erinnerung, und die Absichten, die man damals gehegt hat, zumindest heute nicht ganz zeitgemäß. Am 1. März 1918 wurde unter Leitung des Reichskanzlers Grafen Hertling damals die Reichszentrale für Heimatdienst gegründet, mit Absicht, eine Art „Z i v i l a u f kl ä r u n g" für die Bevölkerung neben der Propaganda militärischer Stellen zu schaffen. Die Reichszentrale hat dann die Revolution überstanden, aber erst im Juli 1921 wurde ihr durch eine besondere Entschließung des Reichstages eine neue und bestimmte Arbeitsrichtung zugewiescn. ES hieß damals, sie solle oer »sachlichen Aufklärung" über außenpolitische, wirtschasts- politische, soziale und kulturelle Fragen vom Standpunkt des Staatsganzen aus dienen.
Man hat dann aus den parlamentarischen Parteien eine Art Aufsichts- und Kontra l l b e h ö r d e für die Reichszentrale geschaffen. die auch die Haltung der Reichszentrale in bezug auf Parteipolitik überwachen soll. Ihr heutiger, schon langjähriger Leiter ist Ministerialdirektor Dr. Strahl übrigens von Haus aus ein Gießener, der einzige Sohn des vor einigen Jahren verstorbenen Anatomen unserer Universität Geh. Rat Strahl. Ministerialdirektor Dr. Strahl ist direkt der Reichskanzlei, das heißt also dem Reichskanzler, unterstellt. Auf der anderen Seite arbeitet dieReichS- zentrale eng mit der Pressestelle der Reichsregierung zusammen, die ebenfalls wiederum von der Reichskanzlei direkt abhängig ist.
Die Reichszentrale für Heimatdienst hat sich heute eine umfassende Provinzorganifa- t i o n geschaf en. 18 Landesabtnlungen, die staotS- büraerliche Lehrgänge und Vortragsreihen unter Teilnahme von praktischen Politikern aller Richtungen und von bekannten theoretischen Wisien- scha'tlern veranstalten, versehen neben einem ausgedehnten Apparat von ehrenamtlichen Vertrauensleuten, man zählt etwa 21000 solcher Mitarbeiter, die Aufklärungs- und Dildungs- arbeit in der Provinz. Es ist zweifellos, daß gerade für Städte, die etwas abseits von der allgemeinen Straße der Kultur gelegen sind, wie z. D. Königsberg in Ostpreußen oder Orte in anderen Grenzgebieten, durch diese Vortragsreihen manche wichtige und neue Anregung gebracht wird. Dazu verbreitet der Hcimatdienst auch noch eine Reihe von Druckschriften, wie z. V. billige und oft umsonst verteilte Zusammenstellungen amtlichen Materials über den Dawesplan oder über den Versailler Vertrag.
Das Landarbeiierproblem.
Die Bekämpfung der Landflucht. — Die ausländischen Saisonarbeiter.
Berlin, 1. März. (VDZ) Der volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstage- beschäftigte sich mit einem sozialdemokratischen Antrag, der Maßnahmen zur Verhinderung der Landflucht der deutschen Landarbeiter fordert und mit einem deutschnationalen Antrag, worin die Reichsregierung ersucht wird, unverzüglich für die Beseitigung des Mangels an Arbeitskräften in der Landwirtschaft zu sorgen. In der Begründung deS deutschnationalen Antrages verlangte Abg. Frhr. v. Stauffenberg, daß mehr ausländische Saisonarbeiter nach Deutschland hereingelasfen werden sollten.
Die Landarbeiter zögen tn steigendem Matze in die Städte, und die Erntearbeiten seien in gefährlicher Weise In Frage gestellt. Heute und in der nächsten Zeit könne die Landwirtschaft nicht mit den industriellen Lohnen konkurrieren. Rur durch ausländische Arbeiter könnte die nächste Ernte eingebracht werden.
Abg. S ch m i d t - Köpenick (Soz.) nannte die Landflucht eine internationale Erscheinung unter dem Einflüsse der fortschreitenden Jndustrialisie- rung. Der Grund liege in den schlechten Lohn-, Wohnungs - und Arbeitsver- hältnifsen auf dem Lande. Der Großgrundbesitz mit seiner planlosen Schuldenwirtschaft wolle aus Bequemlichkeit polnische Wanderarbeiter, die sich leicht In die Schnitterkasernen stecken ließen. Del dem tatsächlichen Rachweis eines Mangels einheimischer Arbeitskräfte wende sich die Sozialdemokratie nicht gegen die Heranziehung ausländischer Arbeiter.
Ministerialrat Dr. Stephan vom Reichs- arbeitSministerium wies darauf hin, daß daS Arbeitsministerium Mittel auS der produktiven Arbeitslosenfürsorge zum Dau von Eigenheimen und Werkwohnungen bereit- gestellt habe. Zur Zeit könne der gesamte Bedarf an landwirtschaftlichen Arbeitskräften noch nicht aus dem Jnlcmde gedeckt werden. Die Arbeitsvermittlung befände sich in der timgc- ftaltung. Im allgemeinen müsse man vom nationalpolitischen Standpunkt einer Vermehrung der ausländischen Arbeiter die größten Bedenken entgegensetzen, und diese dürfe nur der allerletzte Ausweg fein. Zur Zeit sei das Gesamtkontingent der ausländischen Saisonarbeiter auf 100 000 mit einer Rotreserve von 10 000 festgesetzt.
Abg. Findeisen (D. V.) meinte, daß sich durch Lohnerhöhungen nichts machen ließe, da die Bauern gleiche Löhne wie die Industrie nicht zahlen könnte. — Abg. D e h r e n S (Dn.) führte aus, die Landwirtschaft müsse einfach in die Lage gesetzt werden, anständige Löhne zu zahlen. Man müsse ihr also eine gute Rentabilität gewährleisten. — Abg. L e m - mer (Dem.) erklärte, daß vor allem der Großgrundbesitz ausländische Arbeiter beschäftige. Brächte er es nicht fertig, deutsche Landarbeiter anständig zu bezahlen, so habe er seine Existenzberechtigung verwirkt.
Aue Oer provinzialhaupSstaSt.
Gießen, den 2. März 1928.
Ach was!
Letzter Tage hörte ich dieses Wort in einer kleinen Gesellschaft, die sich in einem Lokal zusammengesunden hatte. Es ging mir nach, ich kam nicht von ihm los. Und im Grunde war es eine ganz einfache Sache. Ein Mann hatte, von der allgemeinen Luftigkeit an-gesteckt, «inen etwas gewagten Witz erzählt, war darauf von feiner Frau ermahnt worden, seine Worte etwas bester zu wählen, uni) er hatte darauf geantwortet: „Ach was!" Die Frau hatte darauf geschwiegen, aber man hatte ihr unschwer ihre 23er- stimmunq angomertt.
Ich glaube, daß dieses „Ach was!" schon viel Unheil angerichtet hat. Es ist das Zeugnis für yen Gedanken: Es sind ja Menschen, die mir naheslchen, Freunde, der Ehegatte, die eigenen Kinder: da werde ich mich doch nicht zufammennahmen, wie bei fremden Leuten! Ja, bei einem Fremden ist es etwas anderes. Da verfolgt man gewiss« Ziele, da will man sich zur Geltung bringen, einen guten Eindruck erzielen. Bei den Nahestehenden kommt e» doch nicht so genau darauf an: schließlich hat man sogar einen avwissen Anspruch auf Rücksicht, aber nicht umgekehrt.
So ungefähr sind die Gedankengänge, denen man vielfach begegnet. Welch verhängnisvol er Irrtum liegt darin! So manche Ehe, die glücklich sein könnte, ist durch solche Gedanken in die Brüche gegangen. Gerade bei manchen fremden Menschen kommt es nicht so sehr darauf an, sich zusammenzunehmen obwohl es auch da nicht empfehlenswert ist, sich gehen zu lassen. Qlber bei Rahestehenden, bei Menschen, mit denen man täglich oder doch öfter zusammenkommt, ist es notwendig, jene Rücksicht zu üben, die im Verkehr mit Menschen überall vorhanden sein sollte. K.'eine Rachlässigkeiten, die man ein- und zweimal entschuldigt, können, wenn man sie täglich über sich ergehen lassen muß. so deprimie- rend wirken, daß das Zusammensein zur Qual
Gießener GiaStthsaier.
Münchener Marioncttenspiele.
Gestern war das Marionetten-Theater Münchener Künst'er (Gesamtleitung Paul Brann) im Stadttheater zu Gast. Gegeben wurde am Nachmittag: „Die Zaubergeige", ein Märchendrama in fünf Akten oder neun Bildern mit Gesang und Tanz von Franz Gras von P o c c i, Musik von Richard Trunk, ... und wenn es nicht schon auf Ostern zuginge, dann hatte man denken können, man wäre im Weihnachtsmärchen.
Graf P o c c i, der Klassiker des neuen deutschen Puppenspiels, hat m t dieser „Zaubergeige" ein reizendes Marionettenspiel geschaffen, ganz kindlich, beiter und märchenhaft, — man denkt an die deutschen Hausmärchen der Brüder Grimm („Der Jude Im Dorn" und „Hans im Glück"), und man konnte auch an Grillparzers „Traum ein Leben" sich erinnern und überhaupt an den tieferen Sinn des Puppentheaters, in dem, wenn es gut und echt und künstlerisch gemacht ist, wie hier, stets auch die Menschenbühne sich spiegelt, und immer ein Abglanz vom großen Welttheater wirklichen Lebens durch- chimmernd spürbar werden muß. Wie steht getrieben bei Theodor Storm im Nachwort zu der ch 'nen Erzählung von „Pole Poppenspäler"? „Wenn du für die Jugend schreiben willst, ... so darfst du nicht für die Jugend schreiben! — Denn es ist unkünstlerisch, die Behandlung eines Stoffes so oder anders zu wenden, je Nachdem du dir den großen Peter oder den kleinen Hans als Publikum denkst".
Die Männer, die hier am Werke waren, haben die tieffinn g-einfältige Weisheit des Husumer Meisters begriffen und sowohl für den großen Peter wie für den kleinen Hans geschrieben, musiziert, gemalt und gebastelt und aus vollem Herzen Märchen gefabelt und Theater gespielt. Der alte Pocei hat's verstanden und der jüngere Musilus Trunk hat ganz entzückende, zarte und graziöse Melodien dazu ersonnen, die oft aus dem Notenbuche des Wunder- kindes Wolfgang Amadeus Mozart zu kommen scheuen. Professor Jakob Bradl hat die Figurinen geschaffen und bekleidet, wie sie für ein Stück passen, welches „um die Mitte eines Jahrhunderts" spielt, in einem Märchenbücherrokoko der Phantasie. Die
Dekorationen von Prof. Leo Pasetti waren mit soviel Geschmack und kürstlerischem Ernst gestaltet, als wären sie für ein „richtiges" Theater best rnmt Ön. (Aber man muß bedenken, daß ein gutes nettenspiel viel wichtiger und wertvoller ist als ein „richtiges" Theaterstück, bas schlecht und oberflächlich gegeben wird.)
Es wurde sehr hübsch gespielt, und es waren viele kleine Hänse da. denen es Herr! ch gefiel, aber wenige große Peter, die sicherlich auch ihre Freude daran gehabt hätten.
•
Am Abend gab eS: „Das lastervolle Leben und erschröckllche Ende deS weltberühmten, jeter- männiglich bekannten Ertzzaulerers Doeto.is Johannis Fausti", das ist das älteste deutsche Faustspiel (sog. Puppenspiel vom Doktor Faust), in vier Akten nach Texten des 17. Jahrhunderts bearbeitet und in Szene gesetzt von Paul Brann. Volksbuch und Puppenspiel vom Faust sind die frühesten Formungen des toeltlitetari- schen Sto fes in Deutschland und Hauptquellen zugleich für die unvergänglichste Gestaltung in der Gcethe'chen Dichtung. In dielen vier Akten, die in Wittenberg und in Parma spielen, sind In primitiver Weise der Kern der alten Magiersage und die Grundelemente der späteren Tragödie enthalten und vorgebildet, daneben allerdings finden sich interessante Anklänge an den englischen „Faust" des Christopher Marlowe, wie er durch wandernde Komödianten bei uns bekannt wurde, und an das „Faust"-Fragment LesckngS.
Es fehlen noch, um daS Wichtigste zu nennen, die gesamte Gretchentragodle, die sog. akademische Satire und vor allem der ErlüsungSgedanle des späteren zweiten Tecks, der daS Vorspiel im Himmel ausnimmt, anliphoniert und daS Ganze innerlich, ideenmäßig abschließt. Das Puppenspiel endet kraß, mittelalterlich-realistisch und unversöhnt mit der Höl ensahrt: Faust wird vom Teufel geholt. Aber schon wird gestaltet und in einer motivisch zusammenhängenden Szenen olge vorgesührt: Wise.sdrang und Erlebnissehnsucht des Wi tenle gcr Magisters, Beschwörung, Pakt und Weltwh-t (zum Hochzeits- sest des Herzogs von Parma) und im Schlußakt dir an die mittelalterlichen Weltgerichts- und „2edermann"-Spiele e.innernde Wandlung, Der-
wirtz. Solche kleine Rachlässigketten schaufeln der Liebe das Grab, tinö mehr noch. Sie können, wenn länger vergeblich dagegen gekämpft wird, und der Mensch zu schwach ist, sich mit einem entschiedenen Schlußstrich loszulösen. zur Abstumpfung führen, so daß aus einem wertvollen ein wertloser, aud einem charaktervollen ein gleichgültiger Mensch wird. Lind was dann kommt, braucht man nicht erst auSzumalen.
ist ein schweres und leichtsinnige; Wort, dieses „Ach was!', und man sollte sich hüten, es zu o t anzuwenden. Es kann manch nal nützlich sein, dann zum Beispiel, wenn ein kleines tin- gl üd über einen hereinbricht und die Hoffnungen auf einen niedrigen Barometerstand sin.e.i. Dann kann es sehr gut einmal heißen: Ach was, ich werde mit den widrigen Verhältnissen schon fertig werden! Aber gegenüber sich selbst sollte eS niemals angewendet werden. Eher schon da in, wenn man an dem andern ein wenig Kritik üben zu müssen glaubt. Ein Ach waSl nach dieser Richtung bebeulet Duldsam'eit, und sie ist auch ein Teil der LeberrLklugheit. Aber Duldsam'eit gegen sich selbst ist das Gegenteil von Lebens- ttugheit. tind das »Ach was!' zeigt sehr v t, daß man recht wenig über die Folgen seiner Handlungen nachdentt. Er.
Vorbereitung des Volksirauertags.
Ter Vol Sbund Deutsche Kcleg-grllber ürforge, unter dessen Führung auch in diesem Jahre der Volkstrauertag im Reiche begangen wird, — in Gießen findet die Feier am nächsten Sonntag mittag in der Reuen Aula statt — hat keine Mühe gescheut, um die Durchführung von würdigen, der Bedeutung und dem Ernst dieses TageS entsprechenden Veranstaltungen noch einmütiger und wuchtiger zu gestalten, als je zuvor, tim vor allem den Mangel einer gesetzlichen Regelung, der hier und da immer wieder zu Schwierigkeiten geführt hat, einigermaßen auszugleichen, sind die Verbände und Gruppen des Volksbundes an die einzelnen Stadtverwaltungen herangetreten mit der Ditte, ihren Einfluß für eine möglichste Einschränkung aller Vergnügungen geltend zu machen. 3m Hauptausschutz des Preußischen Landtages wurde beantragt, auf die Staats» und Privattheater einzuwirken, daß sie wie an den anderen Totengedenktagen auch am VolkStrauertag nur Stücke ernsten Inhaltes aufführen. Die Lichtspieltheater wurden ebenfalls geboten, ihr Programm dem Ernst des Tages anzupassen. Die zuständigen Reichsministerien und die obersten kirchlichen De- bordcn haben entsprechende Ver ügungen erlassen, oie erfreulicherweise ein tiefes Verständnis für die allgemeine Begehung des DolkStrauertages erkennen lassen.
DaS Heft 3 der Bundeszeitschri't „Kriegs- g r ä b e r f ü r s o r g e" ist dem Volkstraueriag gewidmet. Weiter bringt es zahlreiche Berichte, die ein Bild von Der praktischen Bauarbrnt des Volksbundes an den zahllosen deutschen Krieger- friedhölen des Auslandes geben. Vor allem ist dem Kriegerfriedhof Cheppy in Frankreich ein ausführlicher Artikel mit Abbildungen gewidmet.
Durch den Volksbund Deutsche KriegSgräber- fürsorge beweist das deutsche Volk, daß eS gewillt ist, 8um Zeichen seiner Dankbarkeit für unsere im Weltkriege gefallenen Helden deren letzte Ruhestätten vor dem endgültigen Verfall zu bewahren. ES beweist weiter, daß es den Volkstraueriag alS den einen Gedenktag für seine im Weltkriege gebliebenen Söhne verlangt. Als äußeres Zeichen hierfür sollen an diesem Tage in Stadt und Land die Fahnen auf Halbmast wehen.
Flaggen ans Hall Hast l
Das deutsche Dolk ehrt am Dollstrauertag seine gefallenen Helden. Pflicht aller Dottskreise ist es, diesem einzigen Gedenktag de» Jahres, dem Andenken unserer gefallenen Brüder gewidmet, die Ehre zu erweisen und auch nach außen hin zu dokumentieren, daß das deutsche Volk in Treue seiner Gefallenen gedenkt. Der Volksbund Deutsche Kriegs- gräberfürforge richtet daher an alle Volkskreise den Appell: Am nächsten Sonntag Fahnen aus H a l b m a st!
Daten für SamStag. den 3. März.
Sonnenaufgang 6 42 Uhr, Sonnenuntergang 17.43 Uhr. — Mondausgang 14.01 Uhr, Monduntergang 5 51 Uhr.
zweiflung und Reue des um d e Seligkeit betrogenen Menschen, sein leide ischaftlicher Kampf zwischen Gut und Böse, sein Gebet zwischen Himmel und Hölle, Gott und Teufel.
Aber schon wird die Helenackgur eingeführt, die hier einen Teil der späteren Gretchenrolle übernimmt, bei Faust ist schon WagNer als Famulus, man hört Stimme und Gegenstimme des guten und bösen Geistes, „Mephostophiles" gebietet über vier tinterteufel und niedere Höllen- trabanien, und endlich treibt alS derblustige Person die eulenspiegelhacke, volkstümliche Figur des HanS Wurst ihre Harlekinaden und heiteren Intermezzi, die In ihrer drastischen Komik in schroffem Gegensatz stehen zu der ernsten und zu eht merkwürdig erschütternlen Haupthandlung.
Die szeilische Gestaltung war ausgezeichnet, voll Phantasie und Stimmung: die geschmackvollen Figuren wiederum nach Dntwür en von Prof. Bradl, die Dekorackonen von Paul Reu: zumal daS Studierzimmer und der altdeutsche Markt im Schlußakt Wieden bei aller Schlichtheit stilrein und mit suggestiver Eindring.ichkeit. Die musikalische timrahmung war der Lassenschen Faust-Musik entnommen.
Leider war der Besuch am Abend, infolge gleichzeitiger anderer Veranstaltunaen, sehr schwach. Sollte sich noch eine Wiederholung ermöglichen lassen, so sei jedermann ein Mksuch der Spiele wärmstens empfohlen. Dr. Th.
Nie Nnnzessin auf der Erbse.
Von Zo Hanns Rösler.
ES war einmal ein Leineweber. Er wohnte in Beie sdorf in der Oberlausitz, tind hatte sich In den Kopf gesetzt, nur eine richtiggehende Leineweberstochter zu heiraten. Er reiste deshalb in der ganzen Welt umher, um eine so.che zu finden. Er war im Elsaß, er war in der Plauener Pflege, er kam nach Rordhausen und auch nach Reichenberg in Böhmen. Leineweberstöchter gab cd genug, aber ob es so eine richtige Leineweberstochter war, wie man sie in der Ober- lausih brauchte, dahinter konnte er nicht so recht kommen, tind er fuhr wieder nach Beiersdorf und webte fein Haustuch mit zwölf gaben Kette und sechzehn Faden Schuß.
1861: Alexander II. von Rußland hebt die Leibeigenschaft auf; — 1878: der Präliminarfrieden zu San Stefano beendet den Russisch-türkischen Krieg, die Dobrutscha fällt an Rumänien; — 1918: Friede von Brest-Litowsk, Kurland, Livland und Estland werden unabhängig von Rußland.
Hessische
kommunale Gasfernversorg^. .
Wie Lpd. von zuständiger Stelle in Darmstadt erfährt, ist In Aussicht genommen, neben den in der am 29. Februar In Darmstadt gegründeten ..Hekoga", (Hessische Kommunale Gas.ecnversor- gung) bisher vertretenen Städten auch sämtliche übrigen hessischen Städte, wie Friedberg und R a u h e i m, sowie de kleineren Gemeinden Hessens zentral mit Gas zu versorgen. Die Versorgung soll von den bestehenden Vaswerlen der hessischen D.ädte Darmstadt, Mainz, Worms und G ehen aus geschehen. Man rechnet mit einem Geiamtbedarf von 63 bis 70 Millionen Kubikme.er im Jahr für ganz Hessen, die von diesen Wer.en zunächst betoältic-t werden können. Es besteht die Möglichkeit, daß durch Verhandlungen mU Frankfurt später die Lieferung zum Teil von Frankfurt auS geschieht.
Äornotizen.
— Tageskalender für Freitag: Stadttheater: 7.15 Uhr, „Der Bettelstudent" (Ende gegen 10 Uhr). — Deutsch-Oesterreich.scher Alpen-Verein: 8.15 Uhr, Großer Horsaal der Urnoersität, Lichtbil beroortrag, Prof. Dr. Erhard: „Die Berchtesgadener Alpen". — Handels- und Gewerbebank: 8 Uhr, Hotel Hindenburg, Generalversammlung. — Smgsaal des Realgymnasiums: 8 Uhr, Vortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der große Unbekannte". — Astoria-Lichtspiele: „Mit Tomahawk und Büchse".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In der heutigen Vorstellung „Der Bettelstudent" wird die Rolle des Obersten Ollendorf Herr Alois R e s n i zur Darstellung bringen. Herr R e s n i dürfte wohl zu den erstklassigsten Vertretern dieser Partie gehören.
** Reifeprüfung nm Gymnasium. Am Mittwoch fand am hiesigen Landgraf • Ludwigs- Gymnasium die diessähriae Reifeprüfung unter dem Vorsitz des Leiters der Anstalt, vberstudiendirekwrs A11 e n d o r f, statt. Es waren 21 Prüflinge, darunter eine Schülerin und zwei Nichtfchüler, die fämtiid) die Prüfung bestanden.
** Ernennungen. Der Landgerichtsdirektvr bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, Ludwig R e u r o t h, wurde zum Staatsrat bei dem Ministerium der Justiz und der Staatsanwalt bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg, Dr. Max May, zum Oberstaatsanwalt bei diesem Gericht ernannt. Ferner wurde der ständige Hilfsarbeiter im Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, RegierungSrat Benjamin Karcher, zum StaatSrat bei diesem Ministerium ernannt. Den Ernennungen kommt politische Bedeutung zu: Reuroth und Karcher sind Sozialdemokraten, May ist Demokrat.
*• Prüfung künftiger Derwaltungs- oberfefretäre. Rach einer Bekanntmachung des Ministers des Innern werden nach Ostern d. I. etwa 15 Anwärter zum Vorbereitungsdienst für die Prüfung der Verwaltungsobersekretäre zugelassen. Die Ablegung der Prüfung ist als Voraussetzung für eine Anstellung als mittlerer Derwaltungsbeamter vor- geschrieben. Gesuche um Zulassung sind bis $um 28. März bei dem Minister des Innern einzureichen. Den Gesuchen müssen bas Abgangszeugnis einer Real- schule mit siebenjährigem Kursus oder der Nachweis der Reife für die Unterprima eines Gymnasiums, Realgymnasiums oder einer Oberrealschule tn Urschrift ober in beglaubigter Abschrift, ein von dem Bewerber verfaßter und handschriftlich gefertigter Lebenslauf, ein Leumundszeugnis und der Nachweis der R"ichsangeharigkeit beigefügt werden. Inhaber des Reifezeugnisses einer Dollanstalt (neunflaffigen höheren Lehranstalt) werden bevorzugt. Die einstweilige Einreichung von Gesuchen ohne Zeugnisse und Nachweise ist zwecklos, do für die Auswahl der demnächst in den Vorbereitungsdienst einzuperufenden Anwärter der Zeitvunkt des Eingangs der Gesuche nicht maßgebend ist. Gesuche, denen die Zeugnisse und Nachweise nicht angeschlossen sind, werden ohne weiteres zurückaew'esen
EineS Tages kam ein Mädchen, das auf der Leipziger Messe von deS Beiersdorfers Wunsch erfahren hatte.
»Ich bin eine Leineweberstochter," trat sie in< Zimmer.
Der Leineweber, der gerade Garn scherte, schaute nicht auf, ließ sie eine halbe Stund« stehen und sagte dann: ,WaS soll eS denn sein?.'
»Ich bin eine LelneweberStvchter und möchte gern Ihre Frau werden."
Da ging er um sie herum, besah sie von oben bis unten, prüfte der Stiefel Leder und nickte:
.Ordentlich angezogen sind Sie ja wenigstens. Tragen keine so dummen Stadtstrümpfe, womit man sich das Leben erfrieren kann, haben einen Mantel, wie sich's gehört und sch ne derbe Schube. Sogar Haare haben Sie noch auf dem Kops. Ra, wir können ja sehen." tind da seine Mutter gerade im Hause war, bot er ihr an, eine Rächt hier zu schlafen.
Das Mädchen war einverstanden.
Heimlich ging nun der Le newebrr in das Zimmer, wo das Mädchen schlafen sol't?, nahm ein leineneS Bettuch aui dem Schrank und legte es glatt über daS Unterbett.
Daraus sollte die LeinewcberStochter nun die Rächt liegen.
Am nächsten Morgen fragte er sie, wie sie geschlafen habe.
»Ich habe die ganze Rächt kein Auge zugemacht", klagte sie da.
.Ich habe auf einem leinenen Bettuch gelegen, das unregelmäßig gewebt war und sicher aus einem Berliner Ausverkauf stammt. Men Rücken sand keine Ruhe. Sicher fehlte ein Fadm Schuß auf den Zentimeter. ES war ganz schrecklich."
Daran konnte der Leineweber sehen, daß sie eine richtige Lauscher Lein:wrbers!o'Zer war. Denn so empfindlich kann nur O'cVauflfcet Leineweberblut sein, tind er nahm sie mit Freuden zur Frau. DaS Bettuch ab'r ka n wieder in den Schrank und wurde, wie schon früher atten als Beweis gezeigt, wie schlecht andere Weber alS die Oberlausiher weben, und ''aß s.e auf den Zentimeter wohl zwölf Faden K.tle, aber nur fünfzehn Faden Schuß nehmen.
Siehe, daS ist eine wahre Geschichte.


