Hessischer Landgemeindeiag.
Der Vorstand des Hessischen Land- gemetndetages befaßte sich in seiner in Frankfurt a. M. vieler Tage stattgehabten 6it- »ung u a. auch mit der von dem Reichsarbeits- minister zum 1. April 1.3. in Aussicht genommenen Aufhebung der Bestimmungen über die Gewährung einer Krisenfürsorge Es wandten sich die kommunalen Vertreter mit Entschiedenheit gegen die Durchführung eines derart radikalen Abbaues der genannten Vorschriften, einer Maßnahme, die mit der dadurch für die Gemeinden erwachsenden neuen Belastungen auf dem Gebiete der allgemeinen Wohlfahrtspflege im gegenwärtigen Zeitpunkte durchzuführen eine Unmöglichkeit darstellt. Wenn man berücksichtigt, daß den 3ndustrie- und Vorortgemeinden je nach ihrer Lage und Gröhe plötzlich eine in die Hunderte gehende Zahl von Fürsorgeempfängern zur alleinigen Betreuung zufallen würde, so dürfte allein schon hieraus die große Tragweite eines so schnellen Abbaues der Krisenfürsorge für die r cmeinöcn erkenntlich werden. Gleich dem Hessischen Städtetag hat deshalb auch der Hessische L a n d g e m e i n d e t a g neben dem Hess. Minister für Arbeit und Wirtschaft seine Berliner Vertretung an^erufen^ mit dem dringenden Ersuchen, einer ali^u frühen und schnellen Außerkraftsetzung der Krifenfür- sorgevorschriften mit allen Mitteln entgegen- zuwirlen.
Weiter bildete die von der hessischen ‘Regierung angekündigte erhebliche Beschränkung der für das Jahr 1928 zur Ver
keilung gelangenden staatlichen Wohnungsbaudarlehen Gegenstand eingehender Beratung, als deren Ergebnis die nachstehende Entschließung gefaßt wurde, die der 'Regierung in Vorlage gebracht werden soll:
„Der Vorstand des Hessischen Landgemeindetags nimmt mit Befremden davon Kenntnis, daß amtlichen Mitteilungen zufolge die Zahl der staatlichen Wohnungsbi 'dariehen für das Rechnungsjahr 1928 im Durchschnitt nur ein Drittel der im Vorjahr bewilligten Zahl von Baudarlehen betragen soll. Der Vorstand des Hessischen Landgemeindetags weist als berufene Vertretung von nahezu 1000 Landgemeinden darauf hin, daß eine solche Beschränkung des Wohnungsbauprogramms im Rechnungsjahr 1928 zu einer katastrophalen Auswirkung sowohl hinsichtlich der auf Unterbindung der Wohnungsnot gerichteten Maßnahmen als auch der Lage auf dem Arbeitsmarkte führen müßte. Wenn auch die kommunalen Vertreter zugestehen müssen, daß die Lage auf dem Kapitalmarkt ein starker Hinderungsgrund für die Durchführung eines großzügigen Bauprogramms ist, so müssen sie doch von der hessischen Regierung fordern, daß für das 3ahr ■ 928 mindestens dieselbe Zahl staatlicher Baudarlehen und in derselben Höhe wie im Vorjahre zur Verfügung gestellt werden. Die kommunalen Vertreter sind nicht in der Lage, die Verantwortung für eine so stark beschränkte Bautätigkeit im kommenden Jahr zu übernehmen und bezeichnen es als eine dringende Pflicht der Regierung, kein Mittel unversucht zu lassen, um den Wohnungsneubau im Interesse der Beseitigung des Wohnungs-
elendes und der Hebung unserer wirtschaftlichen Lage entschieden zu fördern." Hinsichtlich der Durchführung der Besoldungsreform für die Beamten der Landgemeinden vertritt der Vorstand den Standpunkt, daß es nach wie vor die Forderung der Landgemeinden sein muß, die Gemeindebeamten in bezug aus ihre Desoldungsverhält- nisse den Staatsbeamten gleichzustel- l e n, auf welches Ziel die Bestrebungen des Landgemeindetags bei den kommenden Verhandlungen mit der Regierung gerichtet sein werden.
Oer „statistische" Mensch.
Statistiken sind im allgemeinen nicht beliebt, die Anhäufung von Zahlenmaterial wirkt vielfach langweilig. Und doch sind sie wichtig und zu Vergleichszwecken sehr interessant. Z. B. die Frage: Wieviel ißt und trinkt der „statistische" Mensch? Natürlich kann man für eine Untersuchung nur einen Durchschnittsmenschen nehmen.
Betrachtet man zunächst unser tägliches Brot, das neben Fleisch und Gemüse die Grundlage unserer Nahrungswirtschaft bildet, jo finden wir, daß der Roggenoerbrauch in Deutschland rotz der Konkurrenz des Weizens immer noch überwiegt. Interessant ist die Entwicklung des F f e i s ch o e r - b r a u ch s , der sich im Jahre 1926 aus 48 kg pro Kopf bezifferte, wovon, wie vor dem Krieae, mehr als die Hälste aus Schweinefleisch entfällt. Der Fleischverbrauch bleibt, (ebenso das Brot) immer noch hinter dem Ergebnis der Vorkriegszeit zurück, zeigt aber seit den Inflationsjahren immerhin einen bemerkenswerten Aufschwung.
Während der Verbrauch der Hauptnahrungsmiitcl einen Rückgang erfahren hat. hat der anderer Nahrungsmittel erheblich zugenommen. In erster Linie ist hier der Zucker zu nennen, dessen Verbrauch sich von 18,99 kg im Jahre 1913 auf 21,9 kg im Jahre 1926 27 hob. Eine Verhältnis mäßig große Zunahme hat der Verbrauch von Südfrüchten erfahren,, der mit 6,8 kg pro Kopf der Bevölkerung im Jahre 1927 um mehr als die Hälfte größer war, als 1913. Das ist wenig erfreulich für unsere Handelsbilanz.
Recht interessant sind auch die Daten über den Verbrauch flüssiger Genußmittel. Hier können wir seststellen, daß trotz der Fortschritte der letzten Jahre immer noch weniger gezecht wird, als in der Vorkriegszeit. An Bier wurde 1913 die beachtliche Menge von 100 Liter pro Kopf konsumiert, 1926 aber nur 76 Liter, 1927 ist eine Steigerung eingetreten, doch bleibt der Verbrauch, wie schon gesagt, hinter bem früheren zurück. Der Weinkon - s u m beziffert sich heute auf etwa fünf Liter pro Kopf, und beim Branntwein steht ein Verbrauch von 1,2 Liter im Jahre 1927 einem Verbrauch von 2,8 Liter im Jahre 1913 gegenüber. Während der T e e - und K a k a o verbrauch im letzten Jahr größer war als 1913, bleibt der Kaffee- verbrauch trotz der in den letzten Jahren zu beobachtenden Konsumsteigerung immer noch hinter dem Ergebnis der Vorkriegsjahre zurück. Da man im allgemeinen nicht annehmen kann, daß der Durst der Deutschen heute geringer ist als in den Vor- kriegsjahren, so muß man aus dem Rückgang des Verbrauches mancher Genußmittel den Schluß ziehen, daß heute mehr die bescheidenen heimischen Ersatzgetränke, wie Malz- und Getreidekaffee genossen werden.
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