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Samstag, r. Dezember <428

lich die staats- und verfasjungsrechtlichen, vor allem die wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen, die den Anstoß zur Neueinteilung gaben, während jene Fragen der Stammeseigenart in geistiger und ma­terieller Kultur von offizieller Seite md)t stark her- vorgehoben wurden. Sie sind auch durch ein Jahr­tausend unberücksichtigt geblieben und wo sie sich jetzt melden, sind sie durch ihre eigene Kraft und durch eine gewisse Abgeschlossenheit stärker erhallen geblieben. Allerdings gilt das nur bedingt, denn in vielen Fällen ist die Stammesart in der ver- schiedensten Weise übertragen worden Hat sich bei den Friesen und Niedersachsen, bei Westfalen und am Niederrhein noch ein Volkstum erhalten, das nach seinen körperlichen (somatischen) Eigenschaften einigermaßen einheitlich ist und sich in seinen Kern­gebieten dieser Einheitlichkeit auch in geistiger und kultureller Beziehung mehr oder weniger bewußt ist, so ist letzteres aud) bei den Alemannen, Schwa­ben, Bayern und Thüringern der Fall, wobei hier allerdings somatisch mehr Fremdes ausgenommen und spater der kulturellen Eigenart unterworfen wurde. Dieser Prozeß der Angliederung vollzog sich im Mittelalter. Ihm liefen allerdings dynastische Grenzen mit ihrem vereinheitlichenden Einfluß ent­gegen und besonders sind die neueren Staatenbil­dungen in Süddeutschland weit über die Stammes- grenzen hinausgegangen und haben ftammlich Fremdes vereint. Dies war in den mittel- und süd­deutschen Gebieten schon im Mittelalter der Fall, doch läßt sich fränkisches von bayerischem und ale­mannischem, auch vom hessischen Wesen noch heute unterscheiden. Dieser Unterschied ist aber im Volks- bewußtsein meist schwächer als das Bewußtsein der staallichen Zugehörigkeit, die hier erst aus der napo­leonischen Zeit stammt. Gerade das ursprünglich fränkische Gebiet ist dabei aufgeteill worden, und in diesem hat sich aus der dynastischen Zugehörigkeit zu dem neuen Staate feit 120 Jahren eine Ge­sinnungszugehörigkeit entwickelt, die stärker ist, als das Bewußtsein der alten Stammeszugehörigkeit, die hier schon früh übergangen wurde. Sie wurde zwar auch in anderen Gebieten nicht gepflegt oder als solche stärker politisch berücksichtigt, doch über­schneiden in norddeutschen Gebieten die heutigen Grenzen die ursprünglichen Stammesgebiete nicht so sehr, wie dies im fränkischen Gebiet von Böhmen bis zur Pfalz der Fall ist. Auf jeden Fall ist dieses Eigenbewußtsein der Bevölkerung, sich von den Nachbarn zu unterscheiden, im Norden und im Süden teilweise stärker, wozu noch manche Gründe beitra­gen, wie z. B. die schon erwähnte geringere dynastische Aufteilung im Norden und vielleicht auch der ge­ringere Verkehr, die geringere Zahl von Städten und durch die Hörigkeit eine längere Seßhaftigkeit. Die Bewohner der fränkischen Gebiete, die zu Bayern gehören, fühlen sich als Bayern, wenigstens in Ober-, Mittel- und Unterfranken, weniger die wesensverschiedenen Rheinpfälzer Die zu Baden gehörigen Franken fühleir sich als Badener oder die zu Hessen gehörigen als Hessen, wobei sie zu den alemannischen Badenern oder den eigentlichen Chatten-Hessen nicht in Stammesbeziehung stehen.

Als Anstoß zur Neueinteilung sind praktische Ge­sichtspunkte in erster Linie zu nennen, wie Ver­ringerung der Verwaltungskosten, Verschwinden innerstaatlicher Reibungsflächen, Zusammenleaen wirtschaftlich zusammengehöriger Gebiete u. a. Die mittelalterliche Zersplitterung, die bis in die Neu­zeit angedauert hat und der Hauptgrund für die frühere Ohnmacht Deutschlands war, hat durchaus nachteilige Folgen gehabt. Ihr ist die konfessionelle Zersplitterung mit zuzuschreiben, die so groß ist, daß sie heute bei der Neueinteilung zur Grenz­ziehung in keiner Weise mit berücksichtigt werden kann. Ferner ist der Mangel kolonialer Betätigung darauf zurückzuführen, denn während in Deutsch­land innere Gegensätze ausgetragen wurden, haben Länder wie England, Frankreich, die Niederlande und andere den Grund $u ihrem Außenbesitz gelegt, der neben tropischen Ländern, die als Wirtschafts­gebiete wertvoll sind, auch wirkliche Siedlungskolo­nien in sich schließt. Wir konnten nur einen Teil der Auswanderer für fremde Kolonialländer liefern und haben für Millionen von Menschen die Er­ziehungskosten getragen, ohne den Gewinn ihrer

gefang dieses Menschen, von dem man eben nicht viel mehr weih als dem Hamen: Theodor Kramer.

Ein ungewöhnliches Buch. Zu den Gedichten ist eine Worterklärung notwendig, denn es kommen südlich beheimatete Mundartausdrücke darin vor und Brocken aus dem Rotwelsch der Zigeuner und Landsahrer. Richt jeder weih gleich, dah einJanker" eine Joppe ist, dah derKotter" mit Dorfarrest, und derSchränker" als Gin* brecher zu verdolmetschen ist. Und einSeiler-' köpf" ist einfach ein Sellerie.

Aber das alles liest man erst hinterher, man versteht" jedes Gedicht wie es bei einem guten Gedicht immer sein soll sofort; erst spä­ter, wenn man alles gelesen hat, schaut man dasRegister" durch und betrachtet sich die Gaunerzinke, das Haus mit der Hand, die als Titelbild, Wegweiser und bildnerisches Merkmal der Sammlung gelten soll.

Muß man noch erzählen, wovon diese Gedichte handeln?Handeln" ist ja in der Lyrik kaum das richtige Wort. Also sie singen und sagen, berichten und musizieren als Bänkelsang, Moritat. Reiselied von den Jahreszeiten, vom Säen und Ernten, vom Korn und von der Trauben­lese, von der Wanderschaft und der Landstrahe und der Schenke und der Heimkehr aus fern großen Krieg.

Die Menschen aber, um die alle diese Verse kreisen, finb Taglöhner unb Pfründner, Gemeinde­kind und Bäckerbub, Donauschiffer und Wein- händler. Schusterlehrling und Maurerpolier, kleine Leute, Landvo.k, Dauern und Soldaten.

Es geht ein starker, frischer, herber Wind in den Gedichten, Landluft, Ackerduft, Kornduft und Weindust; sie sind vollgesvgen vom Geruch, gesätttgt vom Bild, von Farbe und Form der Wanderstraßen, Landschaften, Felder, Aecker, Weinberge und Gehölze, die alle einmal ge­sehen, durchstreift und mit wachen Sinnen erlebt worden sind. Alles ist nah und wirklich, alles kommt aus dem Herzen und aus dem unruhigen Blut, nichts schmeckt nach Schreibtisch und Tin­tenfaß.

Diese Verse sind int Grunde ganz unliterarisch, llnd das ist vielleicht das Beste daran; das macht sie unverdächtig und des Preises so wür­dig wie der QInteilnaI)me einer ernsthaften und geistigen Leserschaft, die sich inmitten unserer wilden und verstörten Zeit die reine Freude am Gedicht bewahrt hat. y

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) Theodor Kramer: Die Gauner­zinke. Gedichte. 64 Seiten 8°. Geh. 2 Mk., geb. 3 Mk. Lütten & Loening, Verlag, Frank­furt a.M.. 1929. (653.)

Ach. ich liebe die Rüsse. Wir werden Sie in Silber wickeln, daß sie funkeln am Weihnachts­baum. Auf dem Tisch steht ein kleiner Ruß­knacker, ein Ungeheuer seiner Art, wild und heid­nisch, mit rotem Maul und blitzendem Gebiß.

Alles wird müde. Sn den Oefen singt das Feuer. Der Wind ist um das Haus. Horche in der Rächt; der ungeheure Atem, der Atem eines furchtbaren Tieres bläst an das Gemäuer!

Am Morgen ist der Weg, der zum Hof führt, mit Blättern und Astwerk bedeckt. Eine kleine Bogelleiche liegt starr unter ihnen.

Die Gebietseinschlusse bzw. Gebietsausschiüsse in den deutschen Ländern

Oie Gaunerzinke."

Ein preisgekröntes Gedichtbuch.

Für die auf einigen sechzig Setten seiner lyri­schen SammlungDie Gaunerzinke'") ver­einigten drei Dutzend Gedichte erhielt der Dichter Theodor Kramer den Lyrikpreis der Stadt Wien für 1928. Vor dieser (übrigens sehr ver­dienten) Auszeichnung wurde Kramers Rame schon einmal mit Ehren genannt: man erwähnte ihn anläßlich eines Berliner Preisausschreibens für Lyrik, das kürzlich von einem reichen Privat­mann veranstaltet worden ist. Eine sehr hohe Summe sollte ungeteilt vergeben werden. Unter 2000 zweitausend! Einsendungen wurden da die Gedichte von Curt Wesse auserwählt. Ein paar lobende Erwähnungen haben sich die selbst­losen uni) wohl bemitleidenswerten Preisrichter noch abgerungen; unter ihnen war auch dieser Kramer, der jetzt seinen ersten Band Lyrik her­ausbrachte.

Ein verschimmeltes gelbes Licht glüht ganze Rächt hinter einem Fenster, über schräg ein Dach fällt

Einmal trete ich vor meine Türe. Es ist nicht fünf Uhr und schon hängt die Dunkelhett herunter. Sch höre die Glocke schlagen, schwer­mütig und weither, aber der Turm steht ganz nahe. Aus dem Flußtal steigt unaufhaltsam der Rebel. Schneegänse schreien in der Luft.

Von seinem Leben wissen wir nichts zu berich­ten, die Aachschlagebücher geben keine Auskunft. Wenn man aus seinem Buche allein urteilen darf, ist er seiner Herkunft nach Oesterveicher, seines Zeichens Landstreicher, und im Herzen ein Dichter, der dazu helfen kann, das heute leider immer mehr entwertete, verachtete, verlachte und außer Kurs gekommene lyrische Kunstwerk, die stille, Helle Freude am Gedicht wieder zu Ehren zu bringen.

Wollte mgn an die Stelle einer biographisch- menschlichen Einführung, die aus Mangel an greifbarem Material nicht gegeben werden kann, eine literarische Wesensbestimmung versuchen, so könnte man sagen, diese Gedichte stehen etwa in der Mitte zwischen Zuckmayer und Bert Brecht. Zwischen der kräftigen, bodenständigen, durch­dufteten Lyrik des Rheinhessen und dem straff rhythmisierten, wachen und wirklichkeitsnahen Balladenton des Augsburger Dramatikers. (Auch an den immer noch wenig bekannten Balten Sieg­fried von Vegesack fühtt man sich öfters erinnert.)

Aber all dies macht den Charakter des Buches nicht aus, all dies wird überwuchert vom Eigenen, vom Reuen, vom Dagantenlied und Landstreicher-

4ES9- Zugleich Enklaven und Exklaven

<o o AtvffiiwEitoven)

<11111111 Exklaven, tfäfiidil Enklaven andirt-n t'ni.

Enklaven (selbständige linderl

Seht, wenn es früh dunkelt, wird alles einsam. Sch sehe eine alte Frau an einem Fenster sitzen, niedergebeugt und wie ein erstarrtes Bild. Sie ist wie eine Statue der Schwermut.

Das Reh wird aus dem Walde schreiten, das braune schöne Reh, und wird herüberäugen, wo das Vieh in den Ställen dampft und vor vollen Raufen steht und laut

Run werden meine Träume samten. Und sie stehen schon auf und kommen über mich, wenn es kaum dunkel ist; seltene Träume. Träume wie verhuschte, verfallene Musik.

Schmerzlich wird eine Harfe schwingen. Keiner weiß, welcher Finger sie rührt. And wir glauben alle, daß es der beinfarbene zarte Finger einer verzauberten Frau ist ...

Bald steigt der Rebel schwer und mächtig her­ein. ilnb kein Gesicht ist mehr zu erkennen und alle Schrttte werden Schrttte von Lautlosen. Fester schließen wir die Fenster. Eher riegeln wir die Türen zu. Frühe Rächt ist da. Wäre Mademoi­selle zu Haus, so Länge das Spinett. So bleibt es schweigsam in den Stuben und nur der Kater schnurrt.

Kastanien Pottern in den Gang und ich fühle mich wie ein Knabe.

Früh ist es Rächt. Spät ist es Tag.

Hinter den Fenstern bewegen sich lautlose Schatten.

Ein Gesicht ist voll Trauer.

Die Geliebte, die wett über den Bergen und hinter den Wäldern wohnt, heißt Wa. Bevor du schlafen gehst, nennst du diesen helligen Ha­men. And es ist wie Wärme, die aus dem kalten Dunkel kommt.

So vergeht eine Rächt nach der anderen. Mondlos. Sternlos. Bis du eines Morgens deinen Laden öffnest und geblendet zurückfährst: es ist Schnee ...

Hessen «d die Neugliederung des Reiches.

So überschneiden sich die Grenzen für Volks- ftämme, geistiges und materielles Kutturgut und wirifchaftllche Eigenart und decken sich auch nicht mit den Grenzen der natürlichen Landschaften. Eine neue Grenzziehung wird deshalb immer gegen meh. rere der oben erwähnten Einteilungsmöglichkeiten verstoßen, und sicher Widerspruch erfahren, was der Lösung der ganzen Frage nur förderlich sein kann. Denn je nach Heimat, Beruf, persönlicher Einstel­lung, nach Gemütsart, Stammesbewußtsein usw. wird bei einer Neueinteilung bei dem einzelnen die­ses oder jenes Register seines Inneren stärker ge­zogen werden und ungewollt dieses oder jenes Ein­teilungsprinzip für das richtige gehalten werden. Da über die historische, staatsrechtliche und volks- wirtschaflliche Seite des Themas von berufener Seite hier noch gesprochen werden wird, fasse ich mich absichtlich kurz, kann aber einige Hinweise auf die|e Gebiete nicht entbehren.

Sind vorher teilweise die Gesichtspunkte gestreift worden, die bei einer Neueinteilung Berücksichti­gung verlangen, so sind es unter ihnen hauptsach-

nicht zusammenfallen müssen, sondern auch von ihnen gequert werden können. Betrachten wir unter diesem Gesichtspunkt die mitteldeutsche Gebirgs­schwelle, so ist der Rhein als Verkehrslinie zu wer­ten, zumal heute doch ist er nicht die ausgesprochene Siedlungslinie. Diese läuft im rheinischen Schiefer­gebirge quer zum Strom, wie H. Aubin so deut­lich nachgewiesen hat, von dem Mosettal über das Koblenzer Becken ins Lahntal. Hier befindet sich durch die beiden Täler Mosel und Lahn ein Quer- streifen stärkerer Siedlung, wie auch kulturelle und sprachliche Grenzen, der Gebirgsrichtung folgend, quer zum Rhein gehen, wie denn auch bte Engtal- strecken des Rheins von Bingen bis Koblenz und unterhalb bis Bonn wesentlich schwächer bevölkert finb. Nicht so einfach ist bie Quertellung in der Hessischen Senke, die sich sowohl als Verkehrslinie wie als Siedlungsstreifen über Kassel nach Norden zieht, doch sind auch hier Trennungslinien geo­graphischer und kultureller Art in der Ostwestrich­tung gegeben, wenn sie auch gegen die Nordsüd­linie zurückstehen.

Da werde ich mich hineinkuscheln in die frühe Dämmerung, nahe am Ofen, in dem dis Fichten­scheiter knallen. Wir haben Bohnen geerntet, der Stümmel steht vor mir, ich greife hinein und hole mir eine Handvoll; die blauen lege ich zu den blauen, die Weißen zu den weihen, die brau­nen zu den braunen, und die gesprenkelten zu den gesprenkelten. Da höre ich den Wind mit großen Zügen gegen die Fenster fahren, unb der Degen rauscht ununterbrochen gegen die Scheiben. Bis in die Rächt hinein. Tagelang. Nächtelang.

Und nur die Kuckucksuhren schlagen.

Sonst ist es ft Ule. Eine graue schleichende Katze glüht dich an, mitten auf dem dunklen Flur; chre Augen sind grün. Da geht ein Stück Geheimnis an dir vorbei, ein Glanz aus einem Märchen. Die Türe, an der du horchst, ist alt Oeffne sie nicht, vielleicht tritt ein Licht über die Schwelle das dich wie ein blutrotes Feuer an­glüht und hinter den Svinden verzischt.

Sn der Luft ist ein Geheimnis. Bald wird der Schnee fallen. Dann geht durch den Garten die alte Gräfin und ein schweigsamer Diener folgt ihr im 2lbstand mit den großen Doggen, die es friert ...

Die Neugliederung muß auf die natürlichen Landschaften Rücksicht nehmen, aber auch das histo­risch Gewordene berücksichtigen, das in vielen Fällen über die natürlichen Grenzen herausge- griffen hat, ferner muß der Wirtschaft Rechnung ge­tragen werden, deren eigengesetzliche Entwicklung sich nicht immer an den Rahmen der natürlichen, geschweige denn an innerpolitische Grenzen halten kann. Ferner spielen volksstämmige Unterschiede eine Rolle, die sich in körperlicher und geistiger Stammeseigentümlichkeit zeigen, in Mundart und lutturetter Eigenart. Aber gerade die neuesten For­schungen von Frings (s. Artikel Mundartforschung von 21. Götze imGieß. Anz.", Dir. 271 vom 16. No­vember) haben gezeigt, daß die Sprache sich mit ihren Wandlungen teilweise an spätmittelalterliche Herrschaftsgrenzen gehatten hat, die in den meisten Fällen keine Stammesgrenzen waren.

GkvgrWsche MMschWen.

VonDl-L.Slute,o.-.Prosi/sor defGographie an der W'verM Gi'e^n,

I.

Die Neugliederung des^ciches tarn nicht dik­tiert werden, fic muß au°wlkifchen md kulturellen Gesichtspunkten, aus rstchast/ichtt Zweckmäßig­keiten, aus historisch ©ebenem in die natürliche Gliederung bei Lands'* hineinwachsen. Sic ist ein Gebot der Entwich und daß sie nicht schnell zustande kommen tar bat seinen Grund in dem Zwang, den man d/wtürlichen Entwicklung an­getan hat, so daß j zuerst vieles aus dem Weg geräumt werden inroas durch sein jahrhundert­langes Bestehen Weiterexistenz zu

besitzen glaubt ' im mittelalterlichen Feudal- wesen begründ-^wstaaterei konnte sich in Deutschland eherDcn unö holten als im benach­barten granfrei menn auch die geographischen Gründe für die-ntwicklung binter den historischen zurücktreten tr^ Immerhin ift Paris und die He de Franc111 geographischer Mittelpunkt, das Zentrum eii oerkehrsfreundlichen, fruchtbaren Landschaft f das Stromwege und Gelände- Neigung z'ulen. Die gebirgigen Landschaften Nordfrankl-5 legen sich halbkreisförmig um das Pariser B^ und eine günstige geschichtliche Ent- Wicklung die staatliche und kullurelle Macht hier fest Mobei Klima und Rassengegensatz den Norden onkreichs als rühriger gegenüber dem Süden hwrtreten ließen.

In D-Iehland ist die landschaftliche Gliederung anders, en weniger fruchtbaren Norden, der als vcrkehr-eundlich bezeichnet werden kann, durch­ziehen orallel geschaltete Flüsse mit nördlicher Nichtig. Es fehlt jenes konzentrische Zusammen­kaufe' welches das Pariser Becken auszeichnet, und zude> lag am norddeutschen Flachland nicht der Sch«-rpunkt kultureller und wirtschaftlicher Cnt- wicstng, wenigstens nicht in seinen östlichen Tellen. In ieser Beziehung war der fruchtbare und mildere 5ß,ten und Süden von der Natur begünstigt und w-rde dieser Begünsttgung gerecht.

Zwischen Norddeutschland und Süddcutschland legt die mitteldeutsche Gebirgsschwelle, die weniger kurch ihre Höhe als durch chre Ausdehnung und Zewaldung einen Querriegel bildete. Sie war schon den Römern ein Hindernis, an dem chre Aus­dehnung Halt machte. Hier liegen in das Gebirge eingelassen kleine Beckenlandschaften, wie z. B. die Wittlicher Senke, das Koblenz-Neuwieder Becken, das Limburger Bocken und eine Reihe von kleinen Senkungsgebieten, die sich von Gießen über Kassel nach Norddeutschland ziehen. Don Norden greift die Kölner, Münstersche und Leipziger Bucht in das Gebirasland hinein, wie auch Schlesien.

Diese Beckenlandschaften im Gebirge sind klein, und wenn sie auch die Kernlandschaften für die Besiedlung der umliegenden Gebirgsteile waren, deren Mittelpunkt sie noch heute sind, so sind sie durch sehr schwach besiedelte Gebiete voneinander getrennt, es fehlt ihnen mit einem Wort die Groß­räumigkeit. In Süddcutschland sind die Gebirge höher, aber die sie umgebenden Ebenen und Flach­länder find ungleich größer, als die mllteldeutschen Beckenlandfchaften, und mit den größeren Lebens­räumen sind die Bedingungen einer kräftigeren kul­turellen und wtttfchaftlichen Entwicklung auf breiter Basis gegeben.

Im Süden sind die Oberrheinebene, das fchwä- bisch fränkische Stufenland, die oberdeutsche Ebene als besondere Lcbensräume herauszugreifen, mit mannigfachen natürlichen Verkehrsmöglichketten, die in ihrer Bedeutung je nach dem Austauschbedürfnis, auch nach politischen Gesichtspunkten, gewechselt haben, aber infolge der Macht ihrer geographischen Begünstigung nie zur Bedeutungslosigkeit herab­finken konnten. Die burgundische Pforte, der Kraich- gau, das Maintal im weiteren Sinn und ebenso die Donau u. a. waren verkehrsgeographisch richtung-

Lage vor dem Schnee.

Von Anton Schnack.

Biele sagen, der Herbst mache sie voll Schwer­mut; besonders im Rovember, wenn die Däm­merung schon am frühen Rachmtttag sich über die Erde hinzieht, werden viele von einer un­säglichen Traurigkeit und Derschlasenheit be­fallen.

Aber ich war, wenn die schweren langen Abende mit ihren Dämmerungs-- und Rebelfittichen ka­men, immer voll einer guten Heiterkeit gewesen, von einer verspielten Träumerei, voll einer klaren Lebhaftigkeit der Sinne, weil alles sich verborgen gab, versteckt hinter einer blauen ge­dämpften und leichten Zartheit ...

gebend, wenn auch die Straßen bei der Durch- gänaigteit der Landschaft in vielen Fällen nicht den Flüssen, sondern nur ihren Richtungen folgten.

Die Nordwestrichtung, die durch die Flusse Nord dcutschlando vorgezeichnet ist, wird in Süddeutsch­land nur nofn Rhein eingehalten, stößt aber auch in der übrigen Landschaft kaum auf Berkehrsschwierig- ketten. Der Rhein behält diese Richtung auch durch die mitteldeutsche Gebirgsschwelle bei. Aber hier müssen wir zwischen Verkehrslinien und Siedlungs- ftreifen unterscheiden. Erstere haben ihre Bedeutung für den Verkehr, letztere sind Gebiete, in denen sich der Mensch ausbreiten kann. Bei den ersteren können die Siedlungen, die dem Verkehr dienen, zahlen­mäßig gering sein und wie die Perlen, die auf einer Schnur aufgereiht sind, dem Verkehrsweg folgen. Bei den Siedlungsstreifen handell es sich um lang­gestreckte Landschaften, die mtt den Verkehrslinien

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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)