«.Hauptversammlung der SeUchen LandwirtschastSkammer.
Die Forderungen der hessischen Landwirtschaft.
DSD. Darmstadt. 31. Äug. Die Hessische Landwirtschaftskammer hielt heute hier ihr« 6. Hauptversammlung ab. Heben den auS allen Teilen HesserrS et* schienenen Delegierten war auch Landwirtschaf tS- munster Kore11 mit mehreren Herren seines Ministeriums erschienen. Der Präsident der Kammer, Oetvnomierat Hensel, begrüßte die Erschienenen und behandelte sodann die Lage der Landwirtschaft, die gegenüber dem Dorjahre noch keine Besserung zu verzeichnen habe. Was könnten dem Landwirte alle technischen und wissenschaftlichen Fortschritte helfen, wenn seine Erzeugnisse keine rentablen Preise erhielten? Die Spanne zwischen Erzeugerund DeroraucherpreiS sei demaegenüber unangemessen hoch. Der Redner berichtete sodann über die Tätigkeit der Landwirt- schaftSkammer im abgelaufenen Jahr«. Er erinnerte an die Errichtung der Mufteranlage in Groß-Umstadt, Gonzenheim, sowie den Ankauf bcd Windhauser Hofes bei Elsheim zur Schaffung einer Schweinelehrwirtschaft, an die angestrebie Verbesserung der Qualität der land- tvivtschaftlichen Erzeugnisse. der Standardisierung der Gemüse-, und Obsterzeugung und der Welt- tv.rtschaft. Die diesjährige Ernte sei qua- lutatio sebr gut, der Ertrag bei Getreide zufriedenstellend. währet) Hackfrüchte und Futtermittel durch die Trockenheit gelitten hätten. Di« Landwirtschaft sei nicht in der Lag«, di« im Herbst fälligen Rentenbankkredit« zurücktzugeben, die gestundet werden mühten. Man möge höheren OrteS endlich einsehen, bah man den so wichtigen Berufsstand der Landwirtschaft im allgemeinen DolkSinteresse nicht untergehen lassen dürfe.
Minister für Arbeit und Wirtschaft, Korell, begrübt« die Gelegenheit, zu der Gesamtvertretung der hessischen Landwirtschaft sprechen zu können. Er erinnerte an seine Ausführungen in der Stalsrede vor dem Hessischen Landtag. Aus feiner früheren Tätigkeit sei bekannt, wie hoch er die Arbeit der Landwirtschaft im Rahmen der allgemeinen deutschen Dollswirtschaft einschätze. Er ging sodann aus die Biabnahmen ein. die von der hessischen Regierung zur Förderung der Rationalisierung und Standardisierung, der Riedentwässcrung, deS Kulturplanes für den hohen Vogelsberg usw. unternommen worden feien. Gewiß habe die Landwirtschaft und ihre Organisation noch nie so gearbeitet tote heule; trotzdem bleibe aber noch ein großes Sluck Arbeit zu lei fiert, um die Praxis aller Landwirte mit dem hohen Stand der technischen Erkenntnis in Einklang zu bringen.
Rach den mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Worten des Ministers erstattete der Generaldirektor der LandtoirlfchaftSkammer Dr. Hamann sein Referat über die Lage der Landwirtschaft, dessen Grundzüge in den Forde- rungcn der Entschließung, die mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde, enthalten sind. 3n bet Entschließung wird verlangt: Z o l l s ch u tz für di« Landwirtschaft in demselben AuSmaß tote für die anderen Berufszweige. Derwendung der Erzeugnisse der einhei-mischen Landwirtschaft in allen Staatsbetrieben, Senkung der Zinssätze für die von der Landwirtschaft ausgenom
men» tawfr w* kuizfEtzg« XreCfte. 3rsbe» runfl deS ArbeitSlosenversicherungS- gelebt», damit die Abwanderung von ArbettS- kräften auS der Landtotrtfchaft nicht noch weiter begünstigt wird. Senkung der öffentlichen Steuern und sozialen Abgaben, steuerliche Snllafrung der von Unwetter- und Hagelschäden heimgesuchben Betriebe. Der- p'lichtung der Mühlenindustrie zur Aufnahme eines beirlmmten Prozentsatzes einheimischen Weizens Jetoie Förderung aller Maßnahmen, die den Absatz deutscher Erzeugnisse nachdrücklich unterstützen zur Entlastung der deutschen Handelsbilanz. Außerdem verlangt die Hauptversammlung mit allen Mitteln von den ReichS- und Landesregierungen, unablässig sich zu bemühen, eine baldige Räumung des besetzten Gebietes von der fremden Besetzung zu erreichen.
Bei den folgenden Wahlen werben Direktor S b e r l e. Lorsch, LandwrrtschaftSrat Dr. Kraft, Gau-Algesheim, und Direktor Schad, Friedberg, neu in die LandwirtfchastSkammer gewählt. Die seitherigen Mitglieder im Deutschen Landwirt- schaftSrat werden auf die Dauer von drei Jahren erneut bestätigt. Heber die Frage der Hagelversicherung entspinnt sich eine längere Debatte. die zu dem Ergebnis führt, daß der Vorstand beauftragt wird, die Möglichkeit eines alle Landwirte umfassenden Dersicherungsschutzes zu prüfen und mit dem hessischen LandwirtschaftS- miniflerium in Verhandlungen zu treten.
Rach kurzer Unterbrechung berichtet Generaldirektor Dr. Hamann über die künftigen Versuche mit den Glashauskulturen in Groh-Mmstadt, die z. B. auf dem Frankfurter Markt die ausländische Konkurrenz stets zurückschlagen konnten. In der Aussprache wird von fast allen Rednern die Leistung der Versuchsanstalt in Groh-Mm- stadt anerkannt, deren Ergebnisse aber auch von den hessischen Landwirten befolgt werden müssen. Die IabreSrechnung von 1925 und 1926 wird nach dem Bericht der Prüfungskommission angenommen und dem Rechner Entlastung erteilt. Rach längerer Aussprache wird der Etat der Landwirtschaftskammer, der mit 1 431 085 Mk. balanciert, genehmigt. Die seitherige Umlage von 4,7 Pf. wird auf 5 Pf. erhöht. Roch der Beratung zahlreicher, weniger bedeutsamer Anträge war die Tagesordnung erschöpft, so daß Präsident Hensel die Delegierten mit einem lebhaft auf genommenen Schlußwort verabschieden konnte.
Oie Neuregelung der Eisenbahngütertarife.
Das Reichsbahngericht hat entschieden, daß die Deutsche Reichrbayngesellschaft berechtigt sei, zu einem vom Neichsoerkehrsrninister zu bestimmenden möglichst nahen Zeitpunkt ab die seit längerer Zeit beabsichtigte Tariferhöhung mit einer Mehreinnahme von 250 Millionen Mark durc^usühren.
3m Interesse der deutschen Volkswirtschaft und um die allgemeine Lebenshaltung möglichst wenig zu treffen, werden in die notwendige Erhöhung nictzt etnbezogen die Frachten für Ü e v e n s m t t t e l, die xur Zett nach dem Nottarif für Lebensmittel befördert werden. Darunter fallen Getreide, Hülsenfruchte und Mühlenerzeug- Nisse der Klasse C, frische Feld- und Gartenfrüchte der Klassen C und F, Oelfrüchte und Oelsaaten der Klasse C, Frühmohrrüben und Karotten, sowie frische Kohlrüben der Klasse O und Käse der
Klasse B. Archertzem wird von brr Lchö^rng nWht betroffen der Lusnahmetarif für frische Kartoffeln zur Verwendung Im Deutschen Reich.
Die M i l ch s r a ch t e n werden einer mit den Interessenten abgestimmtcn systematischen Neuordnung unterzogen. Dafür werden sie von der allgemeinen Tariferhöhung ebenfalls ausgeschlossen bleiben. Die aus dieser Regelung folgenden Erhöhungen lassen indessen auch zuküns- tig die Frachtsätze noch aus etwa 80 v H. der preußischen Dorkriegshöhe.
Die sogenannten Wettbewerbstarife, namentlich gegenüber anderen Verkehrsmitteln und Verkehrswegen, bleiben von der Tariferhöhung ganz oder zum Teil ausgenommen. 3m sonstigen Güterverkehr bedingt der Tarif- erhöhungsbeschluß eine allgemeine (5 r • Höhung der derzeitigen Frachten um 11 o. f)., die am 1. Oktober d. 3- in Kraft treten wird. Der Reichsoerkedrsminifter hat einer verkürzten Deröffentlichungsfrift, bie normal auf zwei Monate läuft, zugestimmt. Gleichzeitig mit der angemeinen Tariferhöhung sollen ferner folgende von der Wirtschaft lebhaft gewünschte und seit längerer Zeit beschlossene, ober aus Mangel an Mitteln bisher zurückgestellte Tariferleichterungen durchgeführt werden:
Die Abfettigungsgebühr des allgemeinen Kohlen- ausnahmetarifes wird von 11 auf 9 Reichspfennige für 100 kg herabgesetzt werden. Dic allgemeine Erhöhung der Kohlenfrachten wird sich dadurch fühlbar mildern. Für Eisen und Stahl, sowie Eisen- und Stahlwaren der Klasten A bis D, sowie für unedle Metalle und Metallwaren wird ein Au?- nahmetarif eingesührt werden, der für die Ausfuhr über die trockene Grenze Frachtermäßigungen gewährt. Für Heu und StrdH wird ein weiterer Aus- nahmetarif gegenüber den künftigen Frachten der Klosse F einen Nachlaß von 15 o f). zugestehen.
Rundfunkprogranim
deS Frankfurter SeuderS.
(AuS der „Radio-Umschau".)
Sonntag, 2. September.
8 bis 9: Morgenfeier. 10.30 bis 11: @[6em- stunde. 11 biS 12: Alarm in der Feuerwache. 12 bis 13: Von Kassel: MittagSlonzcrt des Rundfunkorchesters. 13: Zehnminutendienst der Landwirtschastskammer Wiesbaden. 14.30 bis 15.30: Stunde der Jugend. 1530 biS 16.30: Aus der Festhalle: Desangfest des Evang. Sängerbundes anläßlich des Bundessestes von 1. biS 3. Sept. 16.30 biS 17.30: Dom Stadion: Leichtathletischer Ländertoettkampf Deutschland — Schweiz. 17.30 bis 18.30: Konzert des Rundfunkorchesters. 18.30 bis 19.30: .Staat. Volkstum und Volksbildung", Vortrag mit Vorlesungen von Dr. HanS Steinacher. 20 bis 20.30: Sportnachrichten. 20.30 bis 22.30: Konzert des Rundfunkorchesters. Anschließend Tanzmusik.
Montag, 3. September.
11: Eröffnungsansprache deS finnischen Außenministers zur Tagung deS Völkerbundes. 15.40 bis 16.05: Lesestundr. 16.15 bis 18: ÄachmlttagS- tonyrt deS Rundfunkorchesters. 19 bis 19.15: . Allerlei vom Ortsgesprächs verkehr", Vortrag von Telegrapheninfpektor Born. 19.15 btS 19.45: -Die neuen Bezüge der Kriegsbeschädigten und der Kriegerhinterbliebenen'. 19.45 biS 20: Englische Ltteraturproben. 20 biS 20.30: Englischer Sprachunterricht. 20.30 Kammermusikkonzert. Anschließend: Schallplattenkonzert.
Dfcnvtag. 4. Straftet.
12.30 biS 1330: MlttagSkonzert M Rmüff«nk- orchesterS. 15.40 bis 16.Ä: Lesestand«. 16.35 biS 18.05: Konzerr deS Rundfunkorchesters. 18.30 bis 19: .WaS ist schon jetzt für di« künftig« BerufS- toahl zu beachten?" Vortrag von Stubienrat Dr Hackler. 19 bis 19JO: Funkhochschule: .Biologie und Erziehung-, Vortrag von Dr. Gerum. 19.3) W« 19.45: Französisch« Litera turproben. 19.45
20.15: Französischer Sprachunterricht. 20.15 biS 21.15: DeS Änab«n Wlmderhorr_ 21.15 bi» 22.15: Davrischer Abend Anschlreßend Spät- Konzert des Rundfunkorchesters Wagner- Bruckner.
Mittwoch. 5. September.
12J5 bi» 12.45. Schulbrnk: Fraiyöfisch, 15.05 biS 15.30: Stunde der Jugend. 15.40 bis 16.05: Bücherstundr. 16.35 bi» 18.Ä: Konzert des Rundfunkorchesters: Reue Tanzmusik. 18 30 M» 19: .Der SufiSmuS. Babtsmu» und BakatSmuS". Vortrag von Pfarrer Siemens TaeSler. 19 bi» 19.30: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene. 19.30: Vom .-frankfurter OpernbauS. Samson und Dallln Drohe Oper in drei Akten.
Donnerstag. S. September.
13.30 bi» 14.30: Mittagskonwrt: Moderne kran- tosische Musik. 15.05 bis 15.30: Stunde der Tugend. 15.40 biS 16.05: Lesestunde. 16.35 bi» 18.05: Konzert deS Rundfunkorchesters: Reue Operetten. 18.15 bis 18.30: .Fünfzehn Minuten Ratschläge für Mutter und Kind". 18.30 bis 19 Stunde Der LandwirtschaftSkanmer Kastel: .Tie Bedeutung der preußischen Destütsverwaltuna für die LandeSpserdezucht'. 19 bis 19.30: Schach- stunde 19.30 biS 19.45: Senckenbergviertelstunde 20.15 bis 21.15: Orgelkonzert. 21.15 bis 22.15: Bon Kassel: Dichterstunde Manfred HauSmann. Anschließend: Spätkonzert deS Runbfunkorchester»
Treilag, 7. September.
13 bi« 14: Schallplatten'onzert. 15.05 M« 15.30: Jugendstunde. 15.40 bis 16.05: Lesestunde. 16.35 biS 18.05 HauSfrauennack-mittag. 18.33 bi» 18.45: Fünfzehn Minuten Ratschläge für den Gartenfreund: »Pflanzenvermehrung . Vortrag von Gar- tening. Karl Hinze. 18.45 bi» 19.15: Stunde de« Südwestdeutschen Radioklubl. 1915-19 45: Espe- rantv-Mnterricht. 19.45 bis 20 05: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und ö'echnik. 20.05 biS 20.15: Film-Wochenschau. 20.15: Gastspiel Betty Fischer-Wien: .Die lustige Witwe". Operette in drei Akten.
Samstag. 8. September.
12.15 bis 12.45: Schulfunk. 13 biS 14: Schallplattenkonzert. 15.05 bi» 15.30: Stunde brr (fugend. 15.40 bis 16.05: Lesestunde. 16.35 biS 18.05: Konzert deS Rundfunkorchester» Anton Dvorak. 18.30 bi» 13.45: Briefkasten. 18.45 bl» 19.15: .Tolstoi« VvlkSerzählungen . Vortrag von Prof. Dr. Hillmann. 19.15 bi» 19.45: Funlhoch- schule: .Die deutsch« VolkSballade, zweiter Teil''. Vortrag von Professor Dr. HanS Qlaumaim. 19.45 bis 20.15: .Tolstoi al» dramatischer Dichter", Vortrag von W. Thmelnitzky. 20.15: Tolstoi-Deden kfeter. Arckchließend bis 0.30: Tanzmusik.
Konst und Wissenschaft.
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