Ausgabe 
31.12.1927
 
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Nr. 506 Mistes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten)

Samstag, 5b Dezember 1927

Vas JteparationeproMem.

«tWolitifdK Umschau.

*3on Pros. Dr Ott» -oetzfch TLb.'X

Der 'Xeparationfrcaewt hat den Bericht Lder 6a» dritte A epa rattoitSjah r iptun 1. September 1928 bi» 31. luflult 1927) euer dem 10. Dezemoer oct6iknli:d>: 3» ift M Ö^TirtHüd roa »der 250 Drurffrlrn unb erivrder: 6a» genaueste CtuZnum cu unterer Sett«. genau »i« da» letzte bekannte Memoean- bum de» L«en'en.

Der Beruht 'st in der deutschen Preis« inlo- fmt begrüftt werden, al» er sozusagen wen'ger tni'sch und schars war al» da» Memorandum, al» n einige Anerkennung über die Fvelschritte der deutschem 5inanipo.it.! au«gefproch?n hat. Man vergesse bat*; nicht bau ir.nn w r ha» so ebne weitere» hinnehmen. wir selbst mit dazu Helsen, den Agenten zum Kontrolleur un- <eeer F.nanzen zu machen. Da» ist er nicht' Ta» Wil' er a »t> nicht fein? Er hat das Aecht. unsere Lage zu belprechen und daran Empfehlungen zu knüpfen Aber w.r wollen un» huren ibn selber in einer Ao'.le zu sehen, die Wir doch auch nicht an ihm wünschen

Da» bet un» achst interessiert. hnb seine Betrachtungen zur deutschen Finanzpolitik. Da» aber im ganzen wichtiger war und ist. s'md seine Erörterungen über die Priorität der Re- para Non »schulden vor deutschen Aus simdan leihen, über den Tran»)er und dann über die rienrtal- frage de» ganzen Problem» überhaupt, die Fest- setzung en er Lchlustsumme. einer Gelamt- verpsnchtung Deutschland»

Dir lassen vvrlLusig unser Urteil über diese Wettgrei'enden Gedanken und Aeusterungen de» Herrn Gilbert dahin zusammen, hast sie ein­mal un» noch nicht vollständig zu Onbc gedacht und klar durchgelührt zu sein scheinen, und das, sie' andererseit» »törtenmqen auslösen. für die eigentlich die Zett noch nicht gegeben zu sein scheint. Der Bericht bestärkt un» über­mal» in der Vorstellung, zu der da» Memoran­dum anrcg.e. dast dem Reparat^rmSagenten selbst die Frag« der wachsenden Ausland- Verschuldung Deutschland» an Ame­rika Kopfzerbrechen macht und dast er in dieser 5rage selber noch keinen ganz festen Stand- punn gewonnen hat. Gr sieh«, bah Deut chland produktive Au»landanleihen nötig hatte und gibt »u. dast Deutschland diese auch kün tig nötig bat Or sieht die aros,en Schwierigkeiten, der Ae- paration»schuld Deutschland» eine Pri­orität vor der Derzinlung deutscher Au»- landanleihen einzurüumcn Denn da» ist eine Frag«. die doch nicht nur Deutschland angeht, sondern auch den Gläubiger selbst, den ameri­kanisch, n Privatgläubig«« und Kapitalisten, der Deutschland diese Summen vorgritreckt hat.

'Beiter der 11 a n f e r. Dir bleiben dabei, dast der Aeparation»agent jetzt die Pflichten der deutschen Aegierung gegenüber dem tränket aus-zudehnen beginnt, und erwarten, dast die deutsche Aegierung sich diele Frage einmal ganz genau überlegt.

Zuletzt und vor allem: au» den Ttorbereitun- 5n »ür den Bericht ist von Mr. Gilbert nun die nregunu Hernc>ra-gangen, dast di« deutsch« Schiustsumme sestgesetzt werden möchte, wo- mU dann Deutschland auf den Schutz de» Trans- fet zu verzichten habe. Dast einmal Deutsch­land» Gefamwerpslichtung festge'etzt werden müsse und würde, unb dast dann D?urfchland bei einer Verwandlung seiner Schuld in eine groste private Anleihe auf den Schutz de» Transfer zu verzichten habe, stand ja fest. Aber bisher wustte man ebenso, dast die mastgebenden Ärtife Nordamerikas eine Erörterung diefe» Problem», d-.e mit einer A « visivn de » Dato«»- plan» überhaupt gleichbedeutend toure, nicht für opportun hielten. Dir haben in Deutsch­land ha rau* Auckluht genommen und un» daran iewöhnt. dast diese Srage"por der Entscheidung bet die Präsidentenwahl nicht zur Erörterung kommen wurde. Dir wustten vor allem dabei, dast bet dieser amerikanischen Einftellimg mit­sprach die Erwägung, wann die Frage der alliierten Schulden bei Amerika ihre Lösung gefunden haben würde. _____

Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....

Roman von Erica Grupe-Lärche r.

». Fortsetzung Nachdruck verboten.

..Doch nicht gany Fritzi? Deine Großmutter war feine voüdlutfranzonn! Dein Vater ifl nicht im fron- zofischen fteer alt Versa,Her Kürassier in der Reiter- attacke gegen bw Preußen gefallen '

Ah geb mir doch mit den Sachen. «Hafte! Dro- wegen hort man doch nicht auf Esiosier zu lein!*, «r erhob sich mit einer impulsiven kräftigen Verne- gung von kaum unterdrückter Ungebaltenbeit, ging einige Schritte über den Teppich und blieb dann om 5enfkr stehen. ..Schau, mon amP Ich bub bw» Gebabbel über die politifche Sache, über die soge- namit« Anmaßung der Preußen. über den Schmerz Frankreich-: um d.e entrisienen Proom.zen. seit Äidr und Tag b 3 hierher genug!* er machte ein« Quer- bewegung über seine Gurgel,ich hilf» desweg« nut denjenigen, tue sag«: Ueberbrückung der Gegen» sätze. indem wir un» auf unser f)eimattum einigen. Und da» heißt: vor allen Dingen einmal Elsässer fein! Desweg« hab ich mir so mel Müh' um das Florieren vom Etsäfser Dtaleftiboiler gegebe1 Und besroege macht ich. dast unfere Kirch­weih ein 'chone» Ballfeft wird! Schad, wenn bu fein verständms bamr hast!*

Der junge Baron lehnte sich in die yeschw^ :< mit reichen Schnörkel- verzierte Sehne seine» Rokoko- feffel» zurück. Die Urwüchsigkeit Wenger5. feine un- «richrockene Dffcnb.'it. btt er sich durch feinen großen Prioatbesitz auch gesellfchaillich ertauben konnte, im­ponierten Licet« immer wieder und zwangen ihn au Sengtr» Ansichten. .Kein Ükrftänbni» dafür! Ich hab doch nicht gesagt: ich hätt kein Verständnis für dein Fest. Lder mit al» EUäsier Baucmburfdj kam' ich mir deplazien vor. Unb deswegen komm Ich wcnn's jeden zugleich ein« Maskerade ganz Sans gene fein fall, lieber in meinem Pierrotkostüm, bas ich mir in Nizza hab machen lasten!*

Fritz Songer war'» Alfrieden. Er war trotz all seiner Onenheik und Gradheit doch auch ein Teil Diplomat. Unb er wußte: es war dosier, den Llcestc für bas SaUfeft zu interessieren und ihn zum Er-

Da» alle» ist un» schon immer zwar tür Deutschland nicht lehr bequem, aber wohl über­legt voegekommen. Licht nur wir. sondern auch bi« Aeui-vllcr Press«, z. B. ein den führenden Kreisen so nahestehende» Blatt we die -Lew Bork Zune»-. t1t deshalb Überrascht, dast nun der Reparationtagent leibst diese D s- kuflwn eröffnet. Da» Aeuyorker Blatt <20. 12.) sagte, dast diese Disku-.vn unvermeidUch ge­wesen In. aber wenige hätten sie so halb erwartet Der Reparation Aage nt. der die gan­zen Zusammenhänge am besten übersieht, weist natürlich, warum er die» getan hat. Un» da­gegen fehlen einige Glieder in der Kette dieser lieber kgung. Denn die Diskussion, die fo er­öffnet wurde kann schlechterding» im Augenblick und in abfehbarer Zeit zu keinem Polinnen Ergebni» fuhren. Dann aber weist jeder in der Politik Erfahrene. dast eine solche Di-Iu'sion gefährlich werden kann Die sollen w.r letzt Die Stage der Festsetzung der Endsumme wirk­lich prüfen und gar entscheiden? D.e wirrtchast- lichen Zustände nicht nur Deutschland», son­dern Europa» überhaupt, lind alle» andere al» stabil und auf längere Zeit berechenbar. Auf längere Zeit aber müssen die Wirt chafts- zustände unsere» Vaterland«» berechenbar fein.

wenn wir nun wirk! ch eine Verp'sicheung in der gedachten Form au! Jahrzehnte auf un» neh­men sollten. Denn die BerpUtchtung de» Dawe»- plan» war und konnte keine Verpflichtung au< Generanvnen lein. Da» haben die Männer die diesen Plan geschahen haben, von vornherein gewußt. 3nWem ist aUerding» der neue Dxr.cht von Bedeutung und Dort. aU er da» Provi - | forische de» Plan» Io nachdrücklich ausgespro­chen bat.

Saft spürt man etwa» wie Ungeduld eine», ttr.e gesagt, die Zu'aimnenhänge üder'edenden Manne», dast biete Aic'enfrage langsam vor- wärtsgehi Unb dies« Ungeduld gilt natürlich auch bei ihm im 3nnmv, ohne dast er davon spricht, weil er dazu nicht berufen ist. dem Lb- schlust der Verhandlungen über die internationa­len Schulden, mit einem Dort der Stag­nation in der französisch-amerikanischen Ver­handlung durch Frankreich» Schuld.

Die Art. wie die Pariser Presse den Bericht aufnimmt, beweist un» da» auch. Auf den ersten Blick muhte man annehrnen. dast di« Sestfeyung der Schlufsiurnme in Frankreich mit

| der Begeisterung darüber ausgenommen werden würde, ic eher desto lieber ein so grOste» Stück

| Geld zu erhalten, da» auf diele Weile unter

Deuten Ebert die wärmsten Sympathien in Deutschland erworben hat. nicht zuletzt dadurch.

E» gehör! zu den unbeschriebenen Satzungen de» internationalen Völkerrecht», dast sich am Morgen eine» jeden neuen 3abre» da» bei einem

Die Neujahrsfeier der Diplomaten

Von Legatu».

Staatschef akkreditierte Äorp» vollzählig und in 0roher Gala zu ihm begibt, um durch den Mund seines rangal.eften Witgsi.b?». de» sogenannten .Doyen»", seine Glückwünsche darzubringen. Da» ist rin sehr frierüch.r und zugleich maler scher Akt. namentlich dort, wo noch immer die Botschafter, die im Gegensatz ,ra den Gesandten nicht nur ihr Land vertreten, sondern auch die Perlon ihre» Sraat»vberhaupte» repräfenh r.-n. tnaltmoM chen. schwerfälligen Kutschen angriahren kommen, einem behäbigen Dagenlenker <Kutscher sollen, einer alten Tradition zufolge, dick fein) mit Dreimaster. Perücke und Zopf auf dem Bock und zwei ent- fprcchend kostümierten Lakaien die htnt n auf dem Gefährt stehen. 3m Dagen fitzt, -wischen Glas- f en ft em für jedermann f ich'brr. der auhervrdent- liche und bevollmächtigte Bot'ch-.fter in einer m t goldenen Ornamenten bestickten Uniform, die schräg durchquert ist von einem breiten, bunten Ordensband, einem .Grvsikordan". glinernb und strahlend von sech- oder achtspiyigen S.ernen, die manchmal so zahlreich find, dast fie vom Hal» bt» zum Gürtel kein Plätzchen frei lassen. Ge­sandte. Ministerresidenten und Geschäsisträg r be­gnügen sich mit korrekten Equipagen. Landauern oder Coupes. deren Kutsche und Diener nur durch die Kokarde an ihrem Zvllnderhut anzeigen, welchen Staat der Diplomat in Der Equipage vertritt.

Ob Botschafter, Gesandter, Minister-resident oder Grichaf: «träger. jeder überfliegt wohl wäh­rend Der Fahrt noch einmal die Worte, Die er Dem Staatschri mitteilen soll. 3m Vorhof zum Palai« de» Deutschen Reichspräsidenten hält sich Die Wache, parademätzig au«gestattet, bereit, in« Gewehr zu treten unb mit Trommelt!ang Die Ehrenbezeugung zu erw isen, so oft ein Wagen in den staatlichen Hof dnblcgt, um <rx Dem Haupt- portal zu halten. Am Fast der 5rcitrepp' w rden Die Mäntel abgelegt, di? mit Quaft rn und Federn verzierten Hüte unter den linken Arm geklemmt, und oben an der Mündung der Treppe Darren der al« .Ehes de» Protokoll«" unD .Sinfühver Drt diplomatischen Korp«" fungierende txertra­gen De Aak Der Reichskanzlei. sowie die Herren Der unmittelbaren Hmg bung De» AeichSPräsi­denten Der Ankömmling. um sie in Den zu ihrem Empfang bestimmten Stal zu geleiten.

3hre Aufstellung geschicht ftrmg nach Rang. WürDe und Dienstaller Den Dortritt hat überall her päpstlich« Aunttu«. in Berlin Monf gnore öugenio Pac « Hi. Ttttilar-Trzbifchof ven Sar­de». der fich während feine» fievenjährigen W r- ten» er legte am 30. 3uni 1923 fein 'Bcglaubi- gung-fchrrib«n in die Hände de» A-ichsprüfi-

datz er im Auftrage be» Papstes mehr al» einrmal in da» besetzte Gebiet reifte und Die B.fchöse dort veranlahte. »m Aahmen ihrer Befugnisi« französi- fchen Ucbcrgriffcn enlgegenjutreten. Zum letzten Male wirD Monsignore Pacelli dein Deutfchen Aeichtzpräjiden'.en Di? ArujahrSgratulativn do» vielköpfigen Diplomatischen Korv» vertrag n. Denn mit Bestimmtheit verlautet, e» sei ihm der Kar- Dinalöhut zugedacht. so Das) er. mit einem der obersten Rein er Der Kurie b.sicidet. seinen Wohn­sitz in Aom nehmen wird. Aich! im Wafsenrock De» Feldmarschall», im schlichten Frack, auf Dem Der Schwarze AdlerovDen unb D r B.'ü j)or-2tevn leuchten, hört Der AeichspräfiDont die Ansprache De» päpstlichen Auntiu» an. Er ertoiDcrt fie aus Der S elle mit Naver Stimme, au» dem GcDächt- ni« Doch sind die Teffte von Aede und Gegen­rede vorher genau vereinbart, vielleicht abgeän- Dert oder ergänzt worden: dann unterhält sich Der Aeich«Präsident mit den einzelnen Diplo­maten. und wär« her Augenblick auch für di« Gesandten wenig geeignet. Wünsch? Ihrer Aegie- rungen statt beim Auöwärl.gen Amt v-im Siaats- chef anzubringen, so läht Doch die Wärme der kurzen Glückwünsche einrn SHlusi auf die herz­lichen Beziehungen der beiden Staaten selbst zu.

Einzigartig in der Geschichte Der Diplomatie steht noch heut« nach achtundsechzig Jahren der Äeujahrserrtpsang de» diplomasischrit Korps bei Ra pol ton III. im 3ahre 1859 in den Pariser Tuilerien da. Unter Dem Druck der ttasien sch-n Da.rioten, Die Den fallet der Franzosen durch Da« Orslnf-Attentak Daran erinnerten, D* er In 1 einer 3ugenD geschworen hatte, sein ganze« Leben an die ®irrigimg Italien« zu setzen unter diesem nicht «bm sanften Druck ertoiDerte Der von Ratur toortLirge Rapoleon III. dem Botschafter Oesterreich-Ungarn». Baron Hüb­ner. auf Dessen Reujahrswunsch: er bcDmicre aufrichtig. Dast die Deziehungen D?r beiden Län­der nicht mehr fo gut wären, wie er es ge­wünscht hätte. Da« bedeutete denn auch den bald beginnenden Krieg. Böse Zungen raunten. Rapoleon III. oder zumindest Irin Halbbruder. Der Herzog von Tbrnn. habe in Erwartung der Dervule. die deZ Kaiser» Worte an der Börse hervorrulen muhten, vechtz-itig s.ine Mahnahmen getroffen und rin riesige« Verrnöam verdient. Heute erwartet man fall« sich der unbe- rechenbar« temperam-mtvolle Mussolini nicht einen ©ettenfprung I ifl-*t nirgend» von dem diploma ifchcn Reu'ahrSempfanq in Landen. Pari». Berlin. Rom. Washington etwa« anDcrc« als eine diplomatische Versicherung all­gemeinen Willens zu Eintracht und zu fried­lichem Ausgleich der Gegensätze.

scheinen zu überreden, al» wenn Hkrfte her ganzen Sache abgeneigt war. Denn der jung« Voran be­sah einen immerhin nicht ganz zu unterschätzenden Einfluh bei seiner Tante i)riene drunten im Hause, urrö würde es vielleicht gar fertig bringen, auch seine Kusine TOriufine Hammerschlag Welzin von der Te,lnah7n« der Feste» adzuhalfen, nwm er seiber nicht daran feilrwhm.

Und er lag Fritz Wenger kn stillen viel, viel dar­an. die reizenO« junge Baronesse Melusine auch mit, beim Feste zu haben!

De:wegen brach er jetzt auf. Er bot dem Freund« die honD: ..Dann kochm ob Pierrot. Mich sinbest fribftnerftänölid) al» Bauern bursch an dem Abend. Ich denk, drin« Kusine, hx Baronesse, kommt auch. Sie hat mir zugesagt. auch in Tracht zu formrum.*

aicefle geleitete ihn au» Der Tür. über Den Gang, der direkt in da» breite schön« Trrpprnhau» mündete, und bi» an die ersten Stufen.

Während fie sich derbe die Hand reichten, lieh der Gast leinen Blick über den Gang und den Lor- raum gleiten. Wie doch biefe eine Treppe zwei Sei­fen, trotz ihre» äuhersich verbindenden Charakters, so zu ttennen vermochte! Derm man oben bas erfle Stockwerk erreichte, empfingen einem olle Aqua­rell«. Kupkrinche ja fcfbft Heinere Gemälde die nur cbtxhlich c*lad**enbubfr aus der franzoiilchrn Geschichte darftellfev.. Px Gesichter von bekannten »ran^o sichen Generalen aruhren herab, und selbst Kupferstiche aus der arohen iranzösischen Rroolu- hon mit ihren verabicheuung»würdigeit Kreaturen waren in der Trauer des Urgrohoaters um enthaup­tet Freunde rrn französischen Bdd unter den Bil­de rreihen. Ein Diener, in der gleichen dunkel­braunen Tuchliore«. wie im Schloss« oraußcn bei der alten Baronin als Frei herrlich Harnrnerichtaglche ßioree bekannt, trat einem ijrit seinem glcn rasierten Domeftikengesicht entgegen und fragte den flnfom- mcnben nach seinem Brgehr. Seldstverständsich in französischer Sprache. Senn, wer Baron Camille Hammerschloa imh leinen Sohn Hlcefte besuchte, war ganz bestimmt bes Französischen geläung mächtig.

Drunten im Parterre grünten eintig Arrange­ments von immergrünen »lattgtmädn'er! auf Eck- ftciOem den Gasi. Das Haus harre ein« lang, gezogene Front vorn nach 0*r Safitqeik des

Schiffl«utsstad«n. Aeuherlich nicht eben prunkvoll, zeigt es doch im Innern ganz den Charakter der vornehmen Patrizierdäuler aus der Rokokozetl. Als die rohen Iakobinerfäuste der großen Revolution hie Rückkehr von Adelsfamilien auf unabsehbare Zeit nach Pari» unmögiich unb unratsam erscheinen lie­hen. hatte der damalige Baron ron Hammerschlag neben dem schmucken Rokokoschloh vor den Toren Strasburgs auch diese» stattliche Haus m her Stadt selbst erworben, um rm Winter und auch während anderer Jahreszeiten nach Belieben in der Stadt wohnen unb die dortigen Vergnügungen unb Veran­staltungen mlt-nachen zu können.

Fetzt bewohnten seit langen Jahren die beiden Kinder der greifen Baronin das Gtoblhaus. Die verwitwete Majorin Helene von Welzin-Hammer- schlag da» Parterre, der ebenfalls verwitwete Baron Camille, ihr Bruder, do» erste Stockwerk. Unb jedes von ihnen hatte sich hier seinen aaheren Rahmen grfchai«en -mb sein Leden aufgebaut, wie es sei­nem Charakter unh feinen Ansichten entsprach.

Da» ji)au5 zog sich innen um einen hübschen. Hellen, geräumigen Hos hn Viereck in Dem Winter unb Sommer ein Eseu grünte, unb in dem zur guten Jahreszeit sogar einige »tagge Blumenbeete ihre erquickenden, leuchtenden Farben m diese Um- oebung von Mauern trugen. Um dieses Viereck des Hofes lief ein geschloffener, ziemlich breiter (Bang, besten Fensterreihen genügend. Licht heremfalkn liehen, und von dem aus die Flucht von Zimmern abgmg.

Durch die Reche Heller Glastcheiben sah jetzt Fritz Wenger bx varonesie Melusine Den Gana unlen zufällig herankommen. als er die Treppe mit ihrem reich verschnörkelten Gitter herabgestiegen war. Sofort Hieb da» junge Mädchen stehen und lachte Dm Besuch entgegen. Ein Schimmer der Freude ging über Bengers Gesicht

Ach. Melusine hatte es dem ruhigen, gediegenen, äuherlich viclleich: etwas ichwerialligen Wenger schon als Sind angetan! Mit ihren schönen, tiefblauen Marchenau-en, mit ihrer natürlichen, erquickenden Heiterkeit, ihrer grayäkn Eleganz, neben der er sich oft <o unbehosien Dorf am. und di« ihn immer wic- der h nderte. ihr auch jetzt nachdem sie beide ins heiratsfähige Alter tarnen cwch nur mit einem Hauch von »einer Verehrung und Bewunderung zu jageu. ux ex jur anppoA.

amerikansicher Mtthille ki Fvankvetch» Raffen strömen wurde Statt besten Zurückhaltung und Mahnung zur Befonnenhen! 2Kan fühlt natür­lich. dast. wenn die Frage Io jur Erörterung gestellt w.rd. damit auch die Xert on de» Dawesplans zur Diskussion steht, und man fühlt, dast die Fest'evung Der deustchen Schlustlu n >ie. mag man da» in Amerika ostiziell «o bdtimmt abweisen wie man will, zur Diskussion de» Schuldenproblem» führen must. Da» aber »st wiederum adhan^g. fvwett Frankreich m Frage kommt, vom Ausfall der Wahlen, und auch von biefer Seite wundem wir uns barüixr. daf» «in« .Frage durch d«n Bericht von autort- tattvster Stelle ins Rollen gebracht wurde, die angeficht» der fetzigen <iufiun?x Chiropo* in Wirt- IchafiUcher und po'.it. cher Beziehung und an- gelicht» finrt 3ahre». da» ast überall von Wahlkämpfen erfüllt fein w.rd. gar n.ch: zu einem Ablchluf, gebracht werden lann. Auch nicht, wenn RorDamenfa da» mit allem Aach- druck wollte. Unh Dalvi ist gar kein Zweifel, dast Rorbamertla das tm Jahre 1D28 mit allem Rachdruck auch nicht will!

Sie neuen(6Lif®aacn Der Den Men RelL-dadn-SescNschast. Die neuen Schlafwagen der Deutfchen Reichsdahn-Gefellfchaft. die, fünf an Der Zahl. Der Abteilung Frankfurt a. M. nun zur Verfügung stehen, find feil dem 15. Dezember bereit» im Betriebe auf den Strecken Frank­furt a. M Chur. Frankfurt a. M. - Lugano und Fransturt a. M 3ntvr',afen. und haben fie ihre Feuertaufe im besten Sinne übcrfianDm. Dast die Mitropa für die Bequemlichkeit her Eisenbahn reif en den keine Kosten scheut, beweist schon äuherlich der Kaufpreis eine» Wa­gens von 105 000 Mark, eine Zahl, hie erst ins Bewusstsein kommt, wenn man erfährt, dast seit einiger Zrit 50 dieser Wagen und dazu noch 40 Speisewagen in derselben Preislage, also julammen im Werte von über 9 Millionen Mark, von deutschen Waggonbausir",en gebaut wurden. Schon äuherlich bie.cn diele Schlafwagen dn elegante», geschmackvolle» Bild. Anstatt der bisher üblichen olivgrünen Farbe sind fr« in schönen borbeaurrotem Ton gehalten und mit Tvldlinien aeschmackvvtt abgr'*nt. Cte sind 23 , Vieler lang und somit 2 Meter länger als die bisher üblichen l)-Zuawägen. 3«Der der Schlafwagen enthält 11 ö&afabtdk. die al» 1. ober 2. Älafk benutzt werben, wobei für 1. Klaff« gdvöhnllch ble mittleren Abteile bevor- ifrgt werden, ba diese weniger schlagen. Da» 3imere ist nach Entwürfen bev Deutlchen Werk­stätten hergestellt Sein gestreifke. frlDenäbnll- Gobdin-Wandbezüg«, mobem geslreiste Litz- bezüg« unb ein. ba» Ganze abnmbenbet Teppich geben ben Abteilen Den Anblick eines bequem unD geschmackvoll au»geftaftrtcn Salon». Beson­dere Sorgfalt Ist auf geräuschlosen, ruhigen Dang der Wagen und gut« Enksüsi.rng Der Abteil« ge­legt. Zur Entlüftung werben hier zum ersten Mak« bri El'enbahnwagen die Flettner-Sauger verwenbei. Begrühenöwert Ist bie bequem f Waschgelegenheit, ba In leDrrn Abteil fliehende« warme» unb stalf«» Waifer Vorständen ist. Ein« weitere R«u«runa besteht auch barin^ bah Mt Gülafabtdl« durch ein der Mitropa oeschützte» Sichersteitsschloh von innen gegen un­befugte» Oeftnen gesichert werden to;mcn. Da- bei Dürfte allerdlng» nicht Daran gedacht worden sein, dast bri irgendwelchen UnglüJ»fJIlm auch Dem Schaffner unb sonstigen Hil »persanen bie Türe verichlossen bleibt. Sehr geschmackvoll unb reich ist bie Beleucht ung ber Abteile unb De« ganzen Wagen« Di« Lichtverschwenbung ist fast zu reichlich, ba heute 98 Lampen Int Wagen leuch, en statt 30 in den bisherigen Schlafwagen. Belonbere öridampen unb Walch­ti schbrieuchtung bieten ben Reifenbcn alle Be­quemlichkeiten während ber Fahrt. Auch auf besonder« gut« Herrichtung der Betten, die breiter al« bl« bisherigen sind, ist grober Wert gelegt worden. Die jetzt angdteferten Wag n die alle Bequemlichkeiten de» Reisenden ver­sprechen. sind von den Linke-Hosinann-Werfen Breslau hergestellt. Weitere Wagen werden von der GörLttzer Waggonfabrik unb ber Firma Wegmann in Kaff« gebaut

Sie ging In ihren schnellen, graziösen Schrittca um die »wgunfl de» Ganges unb öffnete bie gleich­falls mit hohen Glasscheiben versehene Tür zur In­neren Parterrewohnung.Fritz Wenger! Daren Sie beim fllcefie droben? äch hoffe. Sic waren auf oll# Fäll« zu un» herringffommen unb nicht ou» d?m Hau» gegangen, ohne un» (Buten Tag zu sagen!"

,^M) bin sogar eigentlich «rpreh wegen Ihnen heut ms Haus gekommen! 3d) hao mich erst vergewistern wollen, ob Ihr Cousin, ber Alcefte, bem siwhltalig- kritssesl gnädig gefirmt ist, unb ob er kommt "

Sie hatte mzwsicsten lächelnd bie Tür zum Wohn­zimmer geöffnet. Er trat ein. Als er sich kurz um- (ah. stockt« er unwillkürlich In bem Gedankens wie doch da» Lahnzimmer hier in seiner Einrichtung von den oberen Räumen abftad). Dort Rokoko unb Empire als einzige Stilarim der französischen 3 n n e n f u n ft. Zierliche, kostbare Möbel, ober zum täglichen Gebrauch nicht eben ausfchliehlich auf» Pvaftsiche oder Bequeme eingerichtet Hier empfing ihn ein geräumige» Gemach mit grosiem. io ich .n, dunkelblauem Delourteppich, der in seiner Farben- tonung vollendet zu den dunkelbraunen, gebeizten Eichenmöbeln tzarmonxrte. 3n der Ecke ol» Runbsitz ein vollständig in Polsterarbeit gehaltener Sitz mit brau- mb blau-gemustertem Gobeünbezug. Einiae tiefe, bequeme bunfribraune Lehnsessel in Kluv- fonr. Em großer runder lifd) trug eine Decke aus Kochellemfn mit moderner, wirkungsvoller Stickerei in lebcndigen Farben unb Fransengarnierung. An einem ber Fenster rin« groh«. auch ^tzt im Winter bfriid) gefüllt« Blumenkrippe m Schmiedeiiev. an einer Wanb rin« (Blasoitrine, hinter Deren geschiifff- nm Scheiden man Kristallpokale und Stücke ou» altem Mei sine r Porzellan sah. Kurz, alles har- moniid), gemütlich, gebieaen, wie eben seit 3ahr und Tag die mobeme Wohnunpskunst und 3nncn- kimst in Deunchtand sich chr«n Weg grichosien batte

Si« brannte vor Neugierde über ben (Brurb fei­nes Aommens, bmn er war es, der ben Besuch des Ball'rites bei ihrer Mutter unb Ragmonb an­geregt und ermöglicht hatte! Der erste Ball nach ihrem Pensionsjahr, unb obendrein ein Kostümfest! Deswegen legte sie plötzlich, während sie noch beive raahe der Tür flanben, ihre Hände auf feine Schul­tern. obgleich sie 'ich ein wenig aufrecken mußte, unb bohrte ihre hübschen Augen funkelnd vor Span­nung unb 5reuDe in irine 3üge. (Foujetzung joigt)