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Nr. 229 Drittes Blatt

Hreitag, 30. September 1927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Turnen» Sport und Spiel.

Die Ergebnisse der deutschen Sonnenfinsternis-Expedition.

Die totale Sonnenfinsternis vom 29. Juni *927 ist durch mehrere deutsche Expeditionen beobachtet worden: drei dieser Unternehmungen wurden von Astronomen aus Göttingen, Ham­burg und Kiel geleitet: dazu kam eine meteorolo­gische Expedition von Prof. Süring: diese alle gingen nach Schweden, während ein anderer deutscher Meteorologe, F. Linke, die Küste des Eismeeres für seine Beobachtungen wählte. Die Astronomen hallen ihre Lager an den nördlichsten dafür in Betracht kommenden Stellen aufgeschla­gen, und auch die wissenschaftlichen Unterneh­mungen- anderer Länder fanden sich hier auf den Hügeln von Gellivare und Malmergel zu­sammen. Vorläufige Mitteilungen über den Ver­lauf der Beobachtungen sind bereits bald nach dem Ereignis in die Presse gelangt. Aunmehr aber gibt der Göttinger Astronom Prof. H. Kienle, der die eine deutsche Expedition leitete, in der Frankfurter WochenschriftDie Umschau einen zu sammenf ass enden Bericht, aus dem wir auch näheres über die gewonnenen Ergebnisse erfahren. Die Einmaligkeit des Ereignisses, die Unmöglichkeit, die Beobachtungen im Falle des Misslingens zu wiederholen, die Notwendigkeit, in den wenigen wichtigen Sekunden sich selbst und die Instrumente unbedingt in der Gewalt zu haben, der Aufbau der komplizierten Appara­turen nur für diesen Augenblick das sind die Dinge, die die Eigenart der Finsternisbeobachtun­gen bestimmen. Die sorgfältigsten Vorbereitungen zu Hause und an Ort und Stelle müssen voran­gehen. Diesmal wurde zum erstenmal,ein Apparat verwendet, der bisher in die Astronomie noch kaum Eingang gefunden hat: das Kino. Man benutzte den Kinoapparat in Verbindung mit dem Spektrographen, irm den Uebergang des nor­malen Sonnenspektrums in das sog. Flachspek- lrum", das Spektrum der äussersten Teile der Sonne, möglichst lückenlos zu verfolgen. In allen Lagern wurden auch Strahlungsmessungen mit grossem Eifer betrieben. Das Flachspektrum" wurde mit den üblichen spaltlosen Spektro­graphen anordnungen mehrfach ausgenommen. Da­neben wurden zwei Versuche gemacht, zu photo- metrischen Zwecken brauchbare Aufnahmen mit Spaltspektrographen zu erhalten. Der Haupt­gegenstand der Beobachtung bei Sonnenfinster­nissen bleibt aber die Korona, denn es gibt ja heute im Gegensatz zu allen anderen Sonnen­

problemen noch nicht die geringste Möglichkeit, ihr bei andern als diesen seltenen Gelegenheiten heizukommen. Natürlich hing alles von der Klar­heit des Himmels in dein grossen Augenblick ab. An dem entscheidenden 29. Juni konnte die erste Berührung des Mondes mit der Sonne bei wolkenlosem Himmel beobachtet werden. Die Strahlungsmessungen waren bereits seit einer Stunde im Gang. Alles ging gut, da zeigte sich plötzlich ahx Horizont eine kleine Wolkenwand, die sich mit erstaunlicher Schnelligkeit der bereits zur Hälfte verfinsterten Sonne näherte. 20 Mi­nuten vor der Totalität zog das erste Wölkchen über die Sonne weg. Die Lage war äusserst kritisch. Aber als sich die Totalität bis auf eine Minute genähert hatte, stand der letzte schmale Lichtstreif gerade zwischen zwei Wölkchen. Mecha­nisch erfolgten die eingelernten Hand^iffe am Instrument, ein nur sekundenlanger Blick auf den Himmel lieh gerade einen Schein von der Korona erhaschen, und dann überflutete der erste wieder hinter dem dunklen Mondrand hervor­brechende Strahl die Landschaft, der nach der Dunkelheit fast wie ein Meer von Licht wirkte. Die Platten, auf deren Gewinnung so viel Zeit und Mühe verwendet worden waren, wurden erst am folgenden Tage entwickelt und die Be­obachtungen verarbeitet. Die Ergebnisse, die von allen Expeditionen erreicht 'wurden, fasst Kienle folgendermassen zusammen:Die spätrographi- fchan Beobachtungen sind durchweg geglückt, die Strahluügsmessungen wurden durch die kleinen Wolken beeinträchtigt, jedoch nicht so. dass nicht bei guter Anlage der ganzen Beobachtungen der Einfluss der Störungen eliminiert werden könnte wie die Diskussion unserer eigenen Messungen inzwischen ergeben hat: die Koronaphotographien find ebenfalls zum grossen Teil geglückt und zeigen eine Fülle schönster Einzelheiten: ihre photometrische Auswertung dürfte infolge der Unbestimmbarkeit des Einflusses der Bewölkung allerdings nur bedingt brauchbare Resultate zeitigen."

Wut Nummer 6".

Anekdote von Arthur Iger.

Als der Schauspieler Eduard Devrient, der ältere Bruder des genialen Emil, m den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ws Karlsruher Hoftheater leitete, lieh sich bei ihm her Oberregisseur Dr. Carl T o e p f e r meldem Äusser einer schönen Empfehlung von Theodor Döring der gerade in Hamburg gefeiert wurde.

Tag der Hindenburg-Spiele.

Eine einzigartige Ehrung bereiten di« deu t- schen Turn- und S p o r t v e r b ä n d e dem Reichspräsidenten von Hindenburg am 2. Oktober anlässlich seines 80. Geburtstages. Diele lausend Vereine der Deutschen Sport- Behörde f. L., wie der Deutschen Turnerschaft, per Ruder- und Segler-Verbände, wie des Ten­nisbundes, des turniersportlichen Reichsverbandes usw.. ferner die Stadtverbände für Leibesübun­gen bzw. die Ortsgruppen des Deutschen Reichs­ausschusses sind die Veranstalter von ,.Hin - denburg-Spie len", die als kleinere Ver­einsfeste oder als grosse umfassende Sportveran­staltungen unter Beteiligung von Turnern und Sportlern, Wassersportlern und all der anderen durchgeführt werden.

Fürwahr eine Ehrung des Reichspräsidenten durch den Sport, wie sie kaum eindrucksvoller gedacht werden, kann. Sie gilt dem Manne an der Spitze des deutschen Volkes, dessen Wort Leibesübung i st D ü r g e r p f l i ch t" gleich, zeitig Zweck dieser Spiele sein soll, der Zweck, das ganze Volk durch massvolle und freude­spendende Körperübung stark und gesund zu ma­chen. Das ist das Einigende in der deutschen Turn- und Sportbewegung, ob sie nun Turnen, Leichtathletik, Fuss ball, Schwimmen, Rudern, Boxen oder noch anders heisst: der erzieherische Will«. Bei den Hindenburg »Spielen soll dieser Wille zum Ausdruck kommen. So sind sie we­niger auf gross« Aussenwirkung zugeschnitten, we­niger auf Zuschauermafsen eingestellt, als auf das Ziel, Feste der Vertiefung zu werden.

So wird es auf allen Sportbahnen, Tum- unb Spielplätzen ein fröhliches Treiben geben vorausgesetzt, dass Petrus zum 80. Geburtstag« des Reichspräsidenten ein freundliches Gesicht macht. In zahlreichen Städten sind die Stadt- verbände oder -ämter für Leihesübungen die Veranstalter der Hindenburg-Spiele, die leicht­athletisch« Wettkämpfe, turnerische Vorführungen, Fussball, Handballspiele umfassen werden. Allein über 1000 Vereine der Deutschen Turiierschaft haben weiterhin Turn- und Sportfeste angesagt. Auch in der Deutschen Sport-Behörde werden Zahlreiche interne Veranstaltungen zur Durch­führung kommen, di« weniger den Charakter des Wettkampfes, als den der Werbung tragen. Die Dallspieler werden bei der Durchführung ihrer Wettspiele gleichfalls der besonderen Bedeutung des TageL eingedenk sein, zum Teil haben auch sie im ganzen Reich besondere Veranstaltungen vorgesehen, so z. D. der Tennis-Bund beson­dere Hindenburg-Wettspiele. Im Deutschen Ruder- Verband werden besondere Hindenburg-Regatten durchgeführt, die Vereine des Deutschen Segler- Verbandes haben Hindenburg-Fahrten ausge­schrieben. Der Deutsche Kanu-Verband wartet gleichfalls mit Veranstaltungen im Rahmen des HindenburgspieltageS auf, von denen die gross« RheinstaffelDom deutschen Dom zur Reichs­grenze". ein grosszügiger Kanu-Korso quer durch Berlin besonders genannt seien. Der Reichs- verband für Zucht und Prüfung deutschen Warm­bluts wird eine ganze Reih« rektsportlicher Ver­anstaltungen durchführen.

Etwa« gam Besonderes wird am Sonntag baS Deutsch« Stadion zu Berlin erleben: die Huldigung der Schuljugend für den Reichspräsidenten. Das' Provinzial- Schullollegium hat veranlasst, dass Abordnungen von Jungen und Mädchen aus den Schulen des Reiches im Stadion zusammengerufen werden: an der 10 Kilometer langen geraden Strass« vom Brandenburger Tor bis zum Stadion soll ein durchgehendes Spalier aufgestellt werden, durch das der Reichspräsident am Nachmittag zum Stadion hinairsfahren wird, um dort eine Zeit

Richt vergessen darf die Huldigung werden, die die Motorsportler (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club und Deutscher Motorradfahrer- Verband) dem Reichspräsidenten barbringen. Zu der Huloigungsfahrt des A.D.A.C. liegen 2000 Meldungen mit etwa 8000 Teilnehmern aus allen Teilen des Reiches vor. Der D.M.V. bringt eine Stafette zur Durchführung: von Königsberg, Rostock, Hamburg, Saarbrücken. Freiburg, Mün­chen, Deuthen usw. werden die Fahrer abgelassen, auch aus Wien wird eine von dem Akademischen M.C. Wien, dem Akademischen Club für Motor­radsport München und dem Akademischen M.C. Berlin ausgeführte Stafette eine Huldigung der österreichischen Republik überbringen.

Denn die Reichsgrenzen sind nicht Greifen für Ne Veranstaltungen von Hindenburg-Spielen. Auch nicht mir in dem abgetretenen Nordschles­wig, in Danzig, in Tirol werden die dortigen Vereinigungen Auslandsdeutscher des Geburts­tages Hindenburgs bei entsprechenden sportlichen Veranstaltungen gedenken, nicht einmal auf Eu­ropa wo Mailand, Sofia, Budapest, Madrid usw. Hindenburg-Spiele der dortigen deutschen Sportvereinigungen erleben werden sind sie beschränkt: auch die deutschen Kolonien in den verschiedenen Orten Nord- und Südamerikas, Südafrikas, Persiens, Chinas, Japans werden an diesem Tag« Hindenburg-Bilder und -Pla­ketten verleihen.

Das Hindenburg-Bild, desgleichen die Ehren­urkunde sind nach einem Entwurf des Bildhauers Encke hergestellt, der Entwurf der Diplome er­folgte durch Herrn Doeh land. Ferner hat die Deutsche Hochbild-Gesellschast m. b. H.. Mün­chen, nach sterephotogrammetrischer Aufnahme des Reichspräsidenten eine Hindenburg-Plakett« her­gestellt.

Hindenburgwettkämpfe im Turnverein 1846 Gießen.

Am kommenden Sonntag veranstaltet der Turnverein 1846 sein alljährlich als Abschluss des Turnjahres stattfindendes Abtu rnen. Ein- geleitet wird es durch ein Wetturnen der gesamten Turnerjugend des Vereins ab 9 Ubr vormittags Der Verein folgt damit einer An­regung des Deutschen Reichs ausschusses für Lei­besübungen und der D. T., den Geburtstag un­seres greifen Reichspräsidenten durch Spiele und Wettkämpfe zu feiern. Am Nachmittag findet in der Turnhalle ein Schau turnen aller Iugendabteilungen statt, während die Turner zwischendurch um den Wanderpreis der Gesell­schaftTurnklub" an den Geräten kämpfen. Freunde des Turnens. Mitglieder und Eltern der Jugend sind eingeladen: sie werden sicher einige anregende Stunden im Turnverein 1846 verleben. Am Abend treffen sich die Mitglieder des Vereins in der Turnhalle zur Ehrung der Sieger des Turnjahres 1927. Aus die Anzeigen in bet gestrigen und der morgigen Ausgabe sei aufmerksam gemacht.

Hindenburgspiele des M. T. V.

Am 2. Oktober finben zu Ehren unseres Reichspräsidenten von Hindenburg Veran­staltungen turnerischer und sportlicher Art statt. Der Männer-Turnverein Giessen hat in bet DerbandSpflichtrunde den Turnverein Alsfeld zu Gast. Dieses Handballwettspiel der Meisterllasse findet als Hinbenburg- spiel statt. Der Reinertrag wird restlos der Hindenburgspende zugeführtz Schülern wirb freier Eintritt gewährt. Das Spiel findet, wie schon die Anzeige in diesem Blatte sagte, auf dem Tum- und Spielplatz des Mtv. am Schiffenberger Weg nachmittags um 3 Uhr statt.

lieber die 1. Mannschaft des Mtv. ist nichts mehr zu sagen: sie hat in den letzten Spielen Können bereits unter Beweis gestellt. Im

Spiel am kommenden Sonntag tritt die Elf zum ersten Male völlig komplett an. Sie will die Punkte unbedingt erringen, doch wäre es be­denklich. den Meisterklassen-Neuling zu unter­schätzen. Schon oft haben diese die schönsten Vor­aussagen über den Haufen geworfen. Es steht ein schönes Handballspiel in Aussicht. Hoffent­lich wird durch einen zahlreichen Zuspruch auch ein finanzieller Erfolg erreicht, denn die aus Dankbarkeit und Verehrung ins Leben gerufene Hindenburgspende soll auch durch dieses Hindenburgspiel nach Kräften unterstützt werden.

Reichshuldigungsfahrt des A. D. A. C. zu Hindenburg.

Der Aufruf des Allgemeinen Deutschen Auto­mobil-Klubs an feine Mitglieder zur Teilnahme an einer Huldigungsfahrt nach Berlin anlässlich des 80. Geburtstages Hindenburgs hat lebhaftes Echo gefunden. 2500 Kraftwagen und Krafträder mit ca. 12 000 Personen werden im Lauf« des 1. Oktober in Berlin eintreffen, um dem Reichs­präsidenten am 2. Oktober nachmittags auf seiner Fahrt zum Stadion die Huldigung des A D. A.-C. darzubringen. Aus allen Gauen Deutsch­lands eilen sie herbei, jeder Landesteil Deutsch­lands i-st vertreten. Brandenburger, Mecklen­burger, Pommern, Ostpreussen, Sachsen, Schlesier, Thüringer, Lausitzer, Schleswig-Holsteiner, Rhein­länder, Hessen, Franken, Bayern, Pfälzer wer­den am Samstag die Zielkontrvlle von den Toren Berlins passieren, auch Danzig und das Saar­gebiet werden mit mehreren Fahrzeugen ver­treten fein. Diese Kundgebung einer so riesigen Menge von Kraftfahrzeugen hat nicht nur nicht Berlin, sondern fein« Stadt der Welt bisher gesehen. Sie ist würdig des stärksten Verbandes der Kraftsahrzeugbefiher des Kontinents. Ein imposanter Anblick wird es sein, wenn all« Fahrzeug«, teilweise mit Blumen in den LandeS- farben geschmückt, zum Korso auffahren. Die Korsos ahrt beginnt am Sonntag, 2. Oktober, um 9 Uhr vormittags beim Brandenburger Tor und geht auf der Strasse Unter den Linden bis zum Schloss und wieder zurück nach dem Platz der Republik. Von dort fahren die einzelnen Gaue zu in Sammelplatz auf der Avus, um von dort aus die ihnen polizeilich zugewiesenen Plätze zur Spalierbildung anzufahren. Als Spalierplätze sind dem QL D. QI. C. der Pariser Platz am Bran­denburger Tor und die Heerstrasse beim Bahn­hof Heerstrasse zugewiesen. Eine künstlerische Pla­kette mit dem Bildnis des Herrn Reichspräsi­denten wird den Teilnehmern eine dauernde Erinnerung an diese Fahrt fein.

Spielücreinigung 1900 Gießen,

hindenburgspiele.

ö. Am kommenden Sonntag trägt die Spielver­einigung 1900 ihre Spiele als Hindenburgspiele aus.

Vor heimischem Publikum empfängt die ß i g a elf die 1. Els des Fußballoereiiis 1920 Mar- burg-Ockershausen. Den (' ftcn geht ein guter spielerischer Ruf voraus. Erst m vergangenen Jahre aus der 8-Klasse zur Kreisliga aufgcftieaen, verstanden sie es oftmals, die ältesten und besten Vereine aus dem Lahngebiet mit überraschenden Niederlagen zu bedenken. Die Gästeilf ist äußerst flink und stabil, sie verfügt über einen schnellen, gut eingespielten, schußsicheren Sturm. Das Rück­grat der Mannschaft bilden die alten Ligakämpen vom früheren Marburger SportvereinKurhcssen". 1900 Gießen wird bemüht sein, Schwächen vom Vorsonntag in der Mannschaft noch auszumerzen. Die stärkste Vertretung Gießens muß zur Stelle sein, wenn der Kampf mit Aussicht auf Erfolg aus­genommen werden soll. Ein spannendes Spiel ist zu erwarten, in dem auch 1900 Siegeschancen hat. Die letzte Begegnung beider Mannschaften in Gießen endete 0:0. Die Spielleitung ist dem Schiedsrichter

brachte Toepfer, ber auch dramatischen Unterricht erteilte, einen Eleven namens Pfeil mit. Er wollte dem Oberhaupt« der Karlsruher Hof­bühne zeigen, was der junge Pfeil bei ihm ge­lernt, und möglichst ein Anfangsengagement durchsetzen.

Obgleich Devrient alle Hände voll zu tun hatte, liess er den Hamburger Gast nebst seinem Schützling doch ins Direkttonszimmer bitten.

Pfeil, hier mache ich Sie," begann Toepfer, mit dem berühmten Schauspieler, Rezitator und Regiekünstler Eduard Devrient, dem kongenialen Bruder Emil Devrients, bekannt. Nun zeigen Sie mal, was Sie bei mir gelernt haben."

Devrient sah wie auf Kohlen. In zehn Mi­nuten sollte die Probe beginnen, und draussen antichambrierten" noch etlicheProminente". Aber es nützte nichts: er hatte QI gesagt, also musste er auch B sagen.

Also, Achtung, losI" begann Toepfer,Hass Nummer 51"

Pfeil schnitt ein zorniges Gesicht.

Gut. Hass Nummer 71"

Pfeil schnitt ein noch fürchterlicheres Gesicht.

Ich lasse nämlich," wandte sich Toepfer zum Direktor,alle mimischen Nuancen nach Num­mern ausführen."

Das hab' ich schon gemerkt."

Sehr gut Also, Pfell, jetzt Wohlwollen Nummer 2."

Pfeil lächelte schüchtern.

Und nun Wut Nummer 3."

Pfeil ballte seine Fäuste.

Und jetzt Wut Nummer 6."

Pfeil erhob die Fäuste und schwang sie mit giftiger Gebärde gen Himmel.

Und jetzt Verzückung Nummer 8."

Der Schüler verdrehte die Augen, zu Devrient gewandt, als ob er ihn anhimmeln wollte.

Nun aber riss dem Vielbeschäftigten doch der Geduldsfaden.

Genug für heute, meine Herren. Sie werden von mir Horen. Zum Dank für Ihre Mühe sollen Sie auch von mir noch eine Nuance zu sZhen bekommen."

Devrient reckte sich in seiner ganzen Länge empor, strich sich die Haare wild ins Gesicht, verkrampfte di« Finger ineinander und richtete irre Blicke ins Leere.

Als er die Starrheit der Mask« gelöst hatte, sagte er:Das war Verzweiflung Num­mer 2 7, meine Herren! Leben Sie wohl und grüßen Sie mir meinen kongenialen Bruder!"

Berdrow - Fulda übertragen, der damit erstmals in Gießen an die Oeffenlltchkeit tritt.

Die 3s-Mannschaft hat die 1. Els vom Sportverein Fronhausen a. d. L. zu Gast und müßte auf Grund der seitherigen Leistungen Sieger bleiben.

Die 3b fährt zur 2. Mannschaft der Sportabtci lung des Turnvereins Lollar. Diese Elf 1900s hat bisher enttäuscht.

Die 1. Jugend- und 1. Schülerelf weilen beim Wetzlarer Sportverein. Es wird in der zur Zeit geschwächten Ausstellung schwer fallen, dort Lor­beeren zu ernten.

Die 2. Jugendmannschaft spielt nach dem Spiel der Ligamannschasten auf dem 1900-Sportplatz gegen die 1. Jugend von Steindorf (Kr. Wetzlar), wahrend die 3. Jugend ihr erstes Diplomspiel zum Austrag bringt. Gegner ist hier die 1. Jugend von Großen'Buseck. Die körperlich schwache Els Gießens hat wenig Aussicht auf Erfolg, zumal das Spiel auf fremdem Platz stattfindet.

V. s. B.

Am nächsten Sonntag muß die 2 i g a m a n n schäft zum zweiten Male die Reise nach Kassel antreten; sie trägt gegenIura" Kassel ihr letztes Spiel der Vorrunde aus. Beide Mannschaften verloren am vergangenen Sonntag mit dem gleichen Resultat Spiel und Punkte und werden sich nun mit allen Kräften bemühen, verlorenes Terrain wieder aufzuholen. D. f. B. hat besonderen Anlaß hierzu, da seine Stellung in der Tabelle alles andere als günstig ist. Iura hat ein Spiel weniger und bereits einen Punkt mehr als V. f. B., und wird sich mit der gewohnten Härte und Energie dagegen wehren, an das labellenende verdrängt zu werden. Ob es V. f. B. gelingen wird, die Punkte mit nach Gie- ßen zu bringen, hängt von der Aufstellung der Mannschaft ab. Wenn sie in bestmöglichster Be­setzung fährt und sie mit demselben geschlossenen Willen ins Spiel geht wie am Sonntag vorher, sollte ein knapper Sieg im Bereich der Möglichkeit liegen. Nach drei verlorenen Spielen wäre ein Sieg dem Ruf der Mannschaft und damit auch dem des Vereins sehr nötig.

Während die Ligareserve und Dritte spielfrei sind, hat die 3a-Mannschaft auf eigenem Platz H e u ch e l h e i m s Z w e i t e im Ver bandsspiel zum Gegner und wird Mühe haben, sich die Punkte zu sichern.

Ebenfalls auf eigenem Platz tritt die 1. Ju- gendmannschafl gegen die gleiche vom D. s. R. Butzbach zum fälligen Diplomfpiel an. Dem der­zeitigen Stärkeoerhältnis beider Mannschaften nach zu urteilen, wäre ein sicherer Sieg der V. f. B.-Elf zu erwarten, wenn sie in ihren letzten Spielen eine beständigere Form gezeigt hätte.

Die 2. Jugendmannschaft muß zum Diplomspiel nach Werdors.

Die Verbandsspiele im Arbeiler-Turn- und Sporlbund.

Die Kreisklasse.

£, Das interessanteste Spiel m ber ersten Gruppe ber Kreisllasse am kommenden Sonntag dürste auf dem Giessener Trieb stattfinden, wo sich Docrenheim und Glessen gegenüber­stehen. Beide Mannschaften sind sich in ihren hauptsächlichsten Mannschaftsteilen gleich, dies gilt ganz besonders für die beiderseitigen Hinter­mannschaften. Im Sturm hat Giessen seine stärkste Stühe im Innentrio, während die Flügel recht oft zu wünschen übrig lassen. Bei Dockenheim sind es gerade die Aussenleute, die es vorzüglich ver­stehen, Angriffe vorzubereiten. Diese Umstände werden es mit sich bringen, dass das Spiel offen und recht lebhaft wird. Der Sieger ist im Vor­her schwer bestimmbar. Giessen sollte die meisten Ausfichten haben, nicht allein aus plaheigenen Gründen, sondern auch deshalb, well sich bei

Kleist und Hindenburg.

Hind enburg erscheint uns in seinem Leben und seinen Taten als die Verkörperung des alten Preuhengeistes, der durch seine Herkunft und seine Laufbahn ihm besonders eingeprägt war. Sein 80. Geburtstag fällt nun in denselben Mo­nat, in dem 150 3afjre seit der Geburt des gröss­ten Preussendichters, Heinrich von 5? lei ft, verflossen sind. Dass zwischen Kleist und Hinden­burg Beziehungen, wenn auch entfernter Art, vorhanden sind, darauf hat einmal Alfred Hein­rich imArchiv für das Studium der neueren Sprachen" hingewiesen. Heinrich von Kleist war nämlich einem Vorfahren unseres Reichspräsi­denten freundschaftlich verbunden. Auf einer mit feiner Schwester Ulrike unternommenen Reise lernte Kleist in Leipzig den Professor der Mathe­matik Karl Friedrich Hindenburg kennen. Ulrike erzählte später, der berühmte Gelehrte habe an dem Bruder besonderes Gefallen ge­funden, die beiden Männer seien einander nahe getreten und Hindenburg habe grosse Erwartun­gen auf Kleists Reise nach Paris und feine künftigen Leistungen gesetzt, ihm auch Empfehlun­gen mügegeben. Kleist selbst bekannte, dass ihm der Professorwie ein Vater so efjrtoürbig ge­wesen sei. In Paris wurde freilich nichts aus den mathematischen Studien, die Kleist mit Hinden­burg besprochen hatte. Aber als der Dichter im März ' 1803 wieder in Leipzig war, konnte er doch an dem verehrten Mann« nicht vorüber­gehen, wenngleich «s ihm peinlich war, dessen Hoffnungen enttäuschen zu müssen. Ueber diesen Besuch berichtet er an sein« Schwester: Vor­gestern saht« ich ein Herz und ging zu Hinden­burg. Da war gross« Freude.Nun, wie steht's in Paris um die Mathematik?" Ein« alberne Antwort von meiner Seite und ein trauriger Blick zur Erde von der seinigen.So sind Sie bloss so herumgereist?"Ja, herumgereist." Er schüttelte wehmütig den Kopf. Endlich erhorchte er von mir, dass ich doch an etwas arbeite.Woran arbeiten Sie denn? Nun, kann ich es denn nicht wissen? Sie brachten diesen Winter bei Wieland zu; gewiss I" Und nun fiel ich ihm um den Hals und herzte und küsste ihn so lange, bis er lachend mit mir übevein kam: der Mensch müsse das Talent anbauen, das er In sich vorherrschend fühle. Kleist arbeitete damals an feiner Tra­gödieRobert Guiskard", war aber von den schwersten Zweifeln über feine dichterische Be­rufung gequält; da tat ihm das 'Verständnis des väterlichen Freundes besonders wohl.