Nr. 229 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)Zrettag, 30. September 1927
Vie Isolierung Griechenlands.
Don Theodor Blank.
Die Probleme der Außenpolitik Griechenlands sind durch seine geographische Lage deutlich nmrissen: 2lls ausgeprägter Küstenstaat, der sich nicht nur über die Halbinsel, sondern noch weit nach Osten über zahlreiche Gruppen größerer und kleinerer Inseln erstreckt, muh es vor allem auf die Festigung seiner Stellung in den umliegenden Gewässern, besonders im Aegäischen und im östlichen Mittelmcer bedacht sein. Dieses Problem ist so überragend, daß es auch in den zweiten Fragenkomplex hineinspielt, der für die griechisch« Außenpolitik von Wichtigkeit ist: Die Wahrung der Interessen an der Landes- grenze im Norden. Ist doch die Dehaup- tung der mazedonischen Küste mit Saloniki mehr als von wirtschastlrch-handelspolitischer Bedeutung: Sie dient zur Sicherung der Herrschaft Griechenlands über das Aegäische Meer yegen den Norden. Ganz ähnlich ist das Derhältms zu Albanien durch die Frage der Adria - beherrschung bestimmt.
ES erscheint begreiflich, daß eine Außenpolitik, die in diesem Sinne arbeitet, auf die verschiedensten und schärfsten Widerstände stoßen muß. zunächst einmal bei den unmittelbaren Nachbarn des Landes.
Da ist in erster Linie die Türkei zu nennen, deren außenpolitische Aufgabe im Westen darauf hrnauSläuft, erstens die anatolische Küste samt den vorgelagerten Inseln, soweit sie türkisch sind, zu schützen und zweitens den kleinen Zipfel europäischen Besitzes, der ihr noch verblieben ist, zu behaupten. Hierzu fommt die Gegnerschaft in handelspolitischer Hinsicht: Während Konstantinopel als Hafen- und Handelsstadt an Bedeutung wesentlich eingebüßt hat, haben der Piräus und Saloniki einen starken Aufschwung genommen. Ferner ist in der Vertreibung der Griechen aus Klenrafien auch noch ein psychologischer Grund für den Gegensatz gegeben.
Wesentlich besser hat sich, in der letzten Zeit wenigstens. daS griechisch-bulgarische Verhältnis gestaltet, obwohl es auch hier nicht an starken Gegensätzen fehlt. Der Zugang zum Aeaä- schen Meere und das Schicksal der bulgarischen Bevölkerung in Griechisch-Mazedonien werden auch weiterhin ungelöste Fragen und Möglichkeiten zu neuen Streitigkeiten bleiben.
Für di« Beziehungen Griechenlands zu I u g o- flawien ist seit langem der mit dem Sturze Pangakvs' aufgetretene und dann beständig gebliebene Konflikt wegen der Freizone in Saloniki bestimmend geworden. Die Ratifizierung des von dem Diktator geschlossenen Vertrages, in dem Iugostawien eure Vergrößerung seines Freihafens in Saloniki und Erleichterungen für den Transitverkehr durch das griechische Gebiet.zugesagt wurden, verweigerten die Regierungen der Folgezeit, und es hat den An- fchein, daß man alle Hoffnungen aus ein« Verständigung in diesem Punkte aufgeben muh.
Allerdings darf man sich nicht verhehlen, daß bei den verschiedenen Spannungen auch die In« terefsen der Großmächte eine bedeutende Rolle spielen. England sucht grundsätzlich zu verhindern, daß weitere Staaten des BalkanS einen Zugang zum Meere erhalten. Es wird sich in diesem Punkte daher hinter Griechenland stellen. Außerdem kann der .malisch-türkische Gegensatz die britische Außenpolitik nur darin bestärken, sich Griechenland durch gewisses Gnt- gegenkommen, z. B. auf finanziellem Gebiete, zu einem gefügigen Werkzeug zu machen.
Noch mehr gilt dies von Italien, daS sowohl in Verfolgung seiner Ostpolitik als auch bei dem Kampfe gegen Jugoslawien einen Dor- spann wohl gebrauchen kann. Allerdings dürfte den Griechen, wenn es nicht durch das Vorgehen Italiens In Albanien schon geschehen ist, durch hie Tatsmhe. daß Mussolini zwei Inseln der früher annektierten Dodekanesgruppe zu Flotten» stützpunkten auszubauen beabsichtigt, endlich klar geworden sein, was für ein Danaergeschenk sie Mit der italienischen Freundschaft erhalten haben.
WaL schließlich Frankreich betrifft, so ist dies dadurch, daß cs auf dem Balkan mit Jugoslawien die engsten Beziehungen unterhält, infolge des Konfliktes wegen der Freizone in Saloniki ganz von selbst in einen gewissen Gegensatz zu Griechenland gekommen, abgesehen davon, daß ihm auch der italienische Einfluß ein Dorn im Auge ist.
Nach alledem ist es klar, daß Griechenland in ein« etwas abgesonderte Lage geraten ist. die sich um so unangenehmer fühlbar macht, als die Presse von jugoslawisch-türkischer und von jugoslawisch-bulgarischer Annäherung wiederholt zu berichten weiß. Diesen Llebelstand haben auch die Bemühungen des Außenministers Micha la- kopulus In Paris und London nicht beseitigen können. Angesichts dieser Lage ist es bezeichnend. daß nun auf einmal von griechischer
Seite der Rus nach dem Dalkanpakt in ziemlich eindringlicher Form hörbar wird. Es ist jedoch Sache der griechischen Regierung, durch gewisses Entgegenkommen den Nachbarn gegenüber die für eine solche Politik notwendigen Grundlagen zu schaffen, unbekümmert um die Einflüsterungen, die es von den fremden Botschaftern erhält, nicht nur aus der augenblicklichen Notlage heraus, sondern in der ilcbcr- zeugung, daß nur auf diesem Wege, dem Wege der Zusammenarbeit, die Balkanvölker ihre volle Llnabhängigkeit erringen können
Forderungen des Stüdtetages.
Der Magdeburger Städtetag hat neben einer Reihe von interessanten und aufklärenden Vorträgen Ergebnisse erbracht, die auf manches Lin
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Das sind die zeitgemäß ausgestatteten, auf unsere einheimische Bevölkerung abgestimmten, im eigenen Betriebe bearbeiteten und auch gedruckten Sonderbeilagen zum Gießener Anzeiger
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Das sind die regelmäßig wiederkehrenden, sämtliche Gebiete des modemen lebens, des Geistes, der Technik und der Kultur straff zusammen fastenden Sonderseiten des Gießener Anzeigers
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klare und LlnauSgeglichene in unserem Berfas- sungSleben ein nicht immer erfreuliches Licht werfen. Schon die große Anzahl maßgebender Regierungsvertreter, die sich an dieser Veranstaltung beteiligten, zeugte dafür, daß bet den Reichs- und Staatsbehörden Verständnis, mindestens aber die Besorgnis bestand, die Ausein- andersetzung mit den Städten und der Städte untereinander, möchte nicht immer ganz glatt abgehen. Reichskanzler Dr. Marx, Reichsfinanzminister Dr. Köhler, der preußische Jimen- Minister G r z e s i n s k i. daneben die früheren Kanzler und Minister Dr. Luther, Dr. Scholz. Dr. Külz. Dr. Jarres. Scheide mann, das war immerhin ein Aufgebot, wie es einet bloßen internen Veranstaltung der Städte kaum entsprungen wäre.
Die Hauptforderung ging von feiten der Städte natürlich auf eine Erweiterung ihrer Selbstverwaltung. In dieser Beziehung sind Klagen genug vorzubringen, und das neue Steuervereinheitlichungsgesetz, das der Reichsfinanzminister vor diesem Forum geschickt zu rechtfertigen und als Notwendigkeit darzutun versuchte, soll den Kommunalverwaltungen noch erhebliche weitere Beschränkungen auf erlegen: das gilt vor allem von der Festlegung einer Genehmigungs- grenze f ü r d i e städtischen Budgets, die um 20 Prozent unter ihren Steueraufkommen aus dem Iahrc 1926 liegt. Die zum Teil nicht unberechtigten Beschwerden gehen weiter dahin, daß die an sich notwendige Staatsaufsicht vielfach auf unwesentliche und kleinliche Dinge ausgedehnt wird, ohne in wichtigen und entscheidenden Fragen einwandfrei zu funktionieren. Die Städte fordern deshalb allerhand, um ihre Sell>ständigkeit zu vermehren. So hat der Präsident des Städtetages. Dr. M u l e r t, in einem längeren Vortrage ein unmittelbares Zusammenwirken der Städte mit dem Reich im Wege der Errichtung einer Kommunalabteilung im Reichsminist e r i u m des Innern geforbert, auch Wünsche nach einer unmittelbaren Vertretung der Städte im Reichsrat sind laut ge worden. Aber über manche dieser Fragen bc steht innerhalb des Städtetages selbst keine volle Einheit. Insbesondere sind die Bestrebungen, die auf dem Wege über die direkten Beziehungen zwischen Reich und Kommunen zum Einheitsstaat führen, den Vertretern einiger Städte in süddeutschen Ländern wenig sympathisch. Lind es wird toobl noch einer ganzen Werke bedürfen, bevor sich innerhalb dieser Körperschaft alles zu dem geschlossenen Bekenntnis zum Einheitsstaat zusammenfindet.
Viel Llnausgeglichenes und LlnauSgegoreneS zeigte sich hier, wie bei jeder Veranstaltung des neuen D^ttschland, in der Fragen unseres Der- fassungs lebens umstritten sind. Aber die beiden großen Gesichtspunkte: Abkehr vom Par- tikularismus und Wegrichtung auf einen vernünftigen, allen Gliedern freoe Regung gestattenden Einheitsstaat und die stärkere Selbständigkeit und Selbstverantwortung der großen deutschen Gemeinwesen, wie sie der Städtetag verkörperte, daS find unverkennbare Leitgedanken des deutschen und des ihm angegliederten preußischen Stäotetages gewesen.
Die Gramer Tagung desGustav-Adolf-Dereins
In Graz wurde die 72. Hauptversammlung des Guftav-Adolf-Vereins eröffnet. Der Vertreter der österreichischen Regierung, Ministerialrat Dr. K l a v s i a, erklärte, daß auch die staatliche und kulturelle Verwaltung die Tätigkeit des Gustav-Adolf-Vereins für eine große Zahl verschiedener Wohlfahrtsanstalten der etxmg-c- lischen Kirche Oesterreichs in der rechten Weise einzuschähen wisse. Der Vertreter der Reichsregierung, Generalkonsul Dr. Dey. führte u. <L aus: Immer mehr wächst die Erkenntnis, daß es eine der ersten Aufgaben ist, den Millionen außerhalb der Grenzen Oesterreichs und Deutschlands lebenden Volksgenossen Rückhalt
was ein Sichter werden will...
Von Paul Friedrich.
Daul Friedrich, namhafter Berliner Schriftsteller, Kritiker und Essayist, wird am 2. Oktober fünfzig Iahre alt.
Ein Normalschüler war ich nicht. Ich gestehe meiner Schande, daß ich noch heute darüber froh bin. Es muß auch andere Käuze geben. In meinen Flegeljahren auf dem Gymnasium in L. tixrr ich für meinen armem Lehrer eine harte Nuß: naseweis, vorlaut und stets zu Spott und Schabernack geneigt. Damals wollte ich ein großer Dramendichter werden und hämmerte in der Mansarde, die ich bei meinen Pensions eitern bewohnte, nachts im Sommer, nur mit meinem Hemd bekleidet, donnernde Jamben.
Eines Tages hatten wir ein freies Aufsatzthema bekommen, soviel ich weiß. Ich wollte meine von Schopenhauer genährte Philosophie an den Mann bringen und begann mein Elaborat, auf das ich wegen zahlreicher Anführungen von Namen, wie Rottack, Raumer, Niebuhr und anderen sehr ftoU war, mit dem Apercu: „Jedes Menschenleben ist eine Tragödie."
Der Deutsch-Lehrer war ein rotbäckiger, jovialer, wohlgenährter Marrn, der prinzipiell anderer Meinung war.
Als er nach einigen Tagen die Arbeiten au- rückgab, erlebte mein jugendlicher Ehrgeiz eine bittere Enttäuschung.
Die Einsen, Zweien und Dreien waren schon gefallen und mein Qtame noch immer nicht genannt Es folgten noch Dreien, zwei Vieren und — zum Schluß hielt er noch ein Heft in der Hand, das ich als das meinige erkannte. Ich schoß hoch. Lind ich? „Gänzlich imgenüge<tb. dazu wegen Abschreibers eine Stunde Arrest!" Ich war fassungslos. »Aber, Herr Oberlehrer, ich habe alles allein gemacht!" „Waas?" Seine sonst so luftigen Augen wurden starr vor Schreck ob solcher unverschämten Lüge. Eine Weile sagte er nichts, barm stieß er vor: „Schön! Wenn du mir bis heute nachmittag um 4 Llhr auf einem Möbelwagen all die Bücher vor meine Wohnung führst, aus denen du das da zusammen- gestohlen hast, erlasse ich die Stunde." Ich atmete auf. Nachmittags Schlag 4 Llhr pochte ich an seine Tür. „Herein!"
Dor mir stand der Lchrer, ein rotbäckiger Radamanthus mit rollenden Augen: »Wo ist der
Möbelwagen?" „Hier", sagte ich und deutete auf meine Stirn. „Was soll das bedeuten?" „Daß ich seit fünf Jahren dichte, einen Roman „Die Goten" habe ich halb fertig, ein Trauerspiel „(Sumunr aus der Edda ganz, augenblicklich lese ich Mignet, für einen RobesPierre...' „Wie — was — Edda — Robes Pierre — sehr interessant, erzähle mehr, bitte seh dich." Ich nahm Platz und redete tote ein Wasserfall. „Das ist allerdings überraschend", sagte er ehrlich, „du kannst gehn." .Lind die Stunde?" „Ist geschenkt" Am nächsten Tag erhielt ich mein Heft. Die rote Fünf war durck^estrichen und darunter stand: „Da ich mich von der Unrichtigkeit meines Llrteils überzeugt habe: Eins!" Nur, daß das Menschenleben eine Tragödie sein sollte, lleß er nicht gelten, der Brave!
Bei einem andern Deutsch-Lehrer hatte ich weniger Glück. Als ich ihm gegenüber einen Ausdruck zu verteidigen wagte, rief er ärgerlich: „So werde doch Zeitungsschreiber! Aber mit deinen Büchern werden deine Kinder Fangball spielen." Das Erste ging in Erfüllung, das Zweite vielleicht deshalb nicht, well rch ferne Kinder habe, die Fangball spielen könnten.
Als ich das Gymnasium verlieh, um Musik zu studieren, sagte der mit meiner rechnerischen Vernageltheit höchst unzufriedene Machematiker zum Gaudium der Klasse: „Dann können wir Gotllob sagen: Friedrich ist flöten gegangen!“ Lind flötet heute noch, wenn auch nut Verse!
Achtzigjährige Staatsoberhäupter.
„Linser Leben währet fiebengig Jahr, und wenn'S hoch kommt, so sind's achtzig Jahr, und wenn's Dstlich gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen." Reichspräsident von Hinden- b u r g, der am 2. Oktober seinen 80. Geburtstag feiert, widerlegt dies Wort, das dem Menschen nur das biblische Alter zubilligsn will. Er steht seinem hohen Amt vor, als seien die „ Jahre spurlos an ihm vorübergegangen, er tragt die Last der Verantwortung, die ihm. das deutsche Volk in einem Alter aufgebürvet hat. in dem dem Verdienten ein otium cum dignitate zu gönnen gewesen wäre, mit demselben Pflichtbewußtsein, das sein ganzes Leben auszeichnet, das köstlich war, weil es Mühe und Arbeit gewesen ist. Dieses hochentwickelte Pflichtgefühl teilt
er mit einem anderen Staatsoberhaupt, mit dem er häufig verglichen worden ist, und mit dem er nicht nur viele Züge des Wesens, sondern auch das hohe Alter gemeinsam hat: mit Wilhelm I. nämlich, der als Sinundneunzigjähriger starb, nachdem er dreißig Iah« die Regierung geführt und siebzehn Iah« Preußens Krone getragen hatte, und der noch im hohen Greisenalter lebendigsten Anteil an allen Staatsgeschäften nahm. Sechsundachtzig Iah« war auch Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, der als achtzehnjähriger Jüngling den Thron bestieg, der wahrend einer achtundsechzig Jahre dauernden Regierung Europa sich von Grund aus verwandeln sah, der alle Stürme seines Jahrhunderts überdauerte unb die furchtbarsten persönlichen Schicksalsschläge verwinden muhte, bis ihm der Tod die Feder aus der Hand nahm und das Lebenslicht verlöschen ließ, daS in diesem gebrechlichen Körper längst mir noch zaghaft flackerte. Ein Nestor unter den Staatsoberhäuptern war auch Friedrich 1. von Baden, jener deutsche Bundessürst, der im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles dem neuen deutschen Kaiser das erste Hoch entgegenrief, der an den politischen Ereignissen, die der Einigung Deutschlands vorausgingen, einen so hervorragenden Anteil nahm, und der in der Geschichte seines Landes a6 echt deutscher Fürst und hoch sinniger Regent toeiterlebt. Im Jahre 1826 geboren, übernahm er im Iah« 1852 als Prinzregent die Regierung und wurde vier Jcch« später Großherzvg. Volle 52 Iah« hat er an der Spitze seines Latches gestanden, bis er am 28. September 1907 vom Tod abberufen wurde. Ein anderer hochbetagter deutscher Dundesfürst war Prinzregent Luitpold von Bayern, der. 1821 geboren, 1886 Bayerns Staatsoberhaupt wurde und im Alter von 91 Jahren im Dezember 1912 starb. Ein Alter von 88 Jahren erweichte Groß- Herzog Adolf von Luxemburg, vormals Herzog von Nassau, der, 1817 geboren, als Zweiundzwanzigjähriger die Regierung hi Nassau antrat Die Einverleibung Nassaus in Preußen im Jahre 1866 machte seiner Regierung ein Ende: ba er auf feiten Oesterreichs in den Kampf gezogen war, wurde er durch Preußen abgefetzt und ein Jahr darauf abgefunden. Als dann Wilhelm 111., König der Niederlande, im Iah« 1890 starb, folgte er diesem als Großherzog von Luxemburg in der Regierung. Im Iah« 1902 entsagte er dieser Würde und übertrug seinem Sohn Wilhelm aus
zweiter Ehe mit Prinzessin Adelheid von Anhalt die Regentschaft. Er ist 1905 gestorben.
Auch auf den andern europäischen Fürstenthronen haben Staatsoberhäupter ein hohes Alter erreicht 82 Iah« wurde Viktoria, Königin von Großbritannien und Irland. Kaiserin von Indien. 1819 hatte sie das Licht der Welt erblickt, als 18jährige bestieg sie den Thron. Sie hat die Geschicke Englands volle 64 Jahve geleitet, eine Zett, die für eine schnellet,ende Gegenwart geradezu unvorstellbar lang ist, und sie hat. wie Sterna Joseph von Oesterreich, einem aaiuen Zeitalter ihren Stempel aufgedrückt und Den Namen gegeben. Auch König Oskar II. von Schweden und Norwegen ist fast 80 Iah« alt geworden. Gr wurde 1829 geboren und beftiea als 43jähriger den Thron. Er spielte in der Geschichte insofern eine Rolle, als er im Jahre 1906 auf die Krone Norwegens verzichten mußte, womit die Personalunion zwischen beiden Ländern aufhörte. 88 Iah« wurde auch König Ehri- stian IX. von Dänemark, der Gatte der Pvin- jeffln Luise, die man die „Schwiegermutter Europas" genannt hat. Für die deutsche Geschichte ist er als Vater des deutsch-dänischen Krieges von 1864 von Bedeutung. Er ist im Jahre 1906 gestorben.
Wenn von den Staatsvbechäuptem dieses Jahrhunderts und der zwecken Hälfte des vergangenen die Rede ist, von Persönlichkeiten also, an die sich die Aelteren der lebenden Generation noch lebhaft zu erinnern vermögen, müssen auch die Päpste erwähnt werden, die auf dem Stuhl Petri ein hohes Greisenalter erreicht haben. 93 Jahre war Leo XIII., der 25 Iah« an der Spitze der Kirche gestanden und also länger regiert hat als die meisten anderen Päpste, die erst in späten Jahren ihre hohe Würde erlangten. 86 Iah« wurde sein Vorgänger Pius IX.. der in seinem wechselvollen Pontlfisttt den Verlust des Kirchenstaates und den Kulturkampf in Deutschland erlebte. Auch Leos XIII. Nachfolger, Pius X., ist fast 80 3afrre geworden.
Fast vergessen von ihren Zeitgenossen leben noch heute zwei ehemalige Staatsoberhäupter, und zwar ehemalige Präsidenten der Republik: Emlle Loubet, der. 1838 geboren, heute 89 Iah« ist. Er war von 1899 bis 1906 Präsides der frattzösischen Republik. Auch fein Nachfolger, Clement Armand Falliöres, der von 1906 bis 1913 Frankreich Staatsoberhaupt tixrr. ist, 1841 geboren, heute 86 Jahre alt. Ar. D.


