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Dieber abermals mit sechs Ersatzleuten nngetrcten werden, zudem war ein großer Teil der Spieler verletzt (der Jahn-Platz in Siegen ist so glatt wie der Oswaldsgarten in Gießen, also ohne jede schützende Grasnarbe) und alle sehr ermüdet von den Anstrengungen am Vortage. Nach etwa fünf­zehn Minuten offenem Feldspiel fällt flach und un­haltbar der erste Treffer für Bieber. Kurze Zeit später der zweite. Dieser und das 6., 7. und 8. Tor fielen aus klarer Abseitsstellung, wodurch der Be­weis erbracht war, daß der Schiedsrichter mit der neuesten Rcgelauslegung nicht vertraut war. Er war auch zu unbeweglich und heftete fast stets auf einem Platz, von wo aus er alles entschied. Beim 4. Tor entschied er einfach Eckball, obwohl 1900 keinen ver­wirkt hatte, und der Linienrichter, ein Herr von Bieber, auch Abstoß entschieden hatte. Daß alle diese Momente, gepaart mit dem ganz vorzüglichen ein­heitlichen Spiel des Gastgebern, der übrigens in diesem Jahr als Bezirkspokalmeister um den Auf­stieg zur 1. Klasse mitspielt, die Blauweißen ganz aus dem Konzept brachten, ist nicht verwunderlich. 1900 baute vollständig ab, daran half auch das stän­dige Umstellen nichts. Zudem mußte der Halblinke, der glauvte, den Schiedsrichter auf Fehler aufmerk­sam machen zu sollen, vom Platz, so daß Bieber un­angefochten einen schönen 13:0-Sieg bis zum Schlußpfiff erzielen konnte. Für 1900 soll es aber eine Warnung (ein, in Zukunft auch die verein­barten Gesellschaftsspiele nur mit kompletter Elf auszutragen.

Die Zs-Monnschaft gewann ihr erstes Verbands­spiel in Leihgestern gegen die dortige Elf 4:2, wäh­rend die 3. Jugend Leihgesterns 1. Jugend 3:0 un­terlag.

Die 1. Jugend konnte auf eigenem Platz Butz­bachs 1. Jugend mit 3:0 abfertigen.

Freier

Turn- und Sportverein Wieseck.

£. Nach langen Regentagen endlich am Sonn­tag einmal ein Tag mit Hellem Sonnenschein, der hknauslocktc ins Freie. Cs war deshalb fein Wunder, daß der schon gelegene Wieseck:r Spiel­platz ringsum dicht bevölkert war, zumal bei der Begegnung Wieseck Gießen spannende Spiele zu erwarten waren. Da bem Spiel be­sonders der ersten Mannschaften der Charakter eines Lokaltreffens zukam, war auch damit zu rechnen, daß die Grenzen des Erlaubten hier und da überschritten würden. Unnötig war, bei einem Gesellschaftsspiel den Kampfcharakter des Fußballspiels in so starkem Maße zu betonen, und dem ganzen Spiel die üble Form eines minderwertigen Punktspieles yt geben. Bei den Fähigkeiten der beiden Mannichaften lag hierzu gar keine Veranlassung vor, sie haben beide am Sonntag eine Gelegenheit versäumt, für den Sportgedanken zu werben. Die Frage nach dem Schuldigen interessiert hier gar nicht, unschuldig war keiner. Um es offen und ehrlich zu sagen, derartige Spjele bilden kein Ruhmesblatt. Der Hauptfehler des Schiedsrichters am Sonntag war bei aller Objektivität und Korrektheit das zu große Nachsatz tüben und zu späte Eingreifen. Hätte er von allem Anfang an gemerkt, daß es bei Gießen beispielsweise eine Prestigesrage war, und die ganze Reihe der Ungehörigkeiten schon in erster Halbzeit unterbunden, wäre das Spiel bei den an sich gebotenen Leistungen für alle Teile eine Freude gewesen.

Wieseck I Gießen I.

Beide Mannschaften traten In stärkster Auf­stellung an; bei Gießen zeigte sich sofort, daß die Mannschaft in ihrem neuen Halbrechten einen talentierten Sturmführer hat. Wieseck lag an­fänglich im Angriff und erzielte bereits in den ersten fünf Minuten drei Ecken, die abgewehrt wurden. Run trat Gießens Sturm in Aktion und beschäftigte den Tormann Wiesecks in reich­lichem Maße, der seiner Sache auch voll gerecht trmrde. Ein grober regelwidriger Angriff des Gießener Linksaußen auf den Tormann Wiesecks blieb leider ohne Sühne. Eine Ecke war die ganze Ausbeute Gießens. Wiesecks junger Sturm trug nun immer neue Angriffe vor das Tor des Gegners, erzielte zwar auch in kurzen Zwischenpausen abermals drei Ecken, aber zu­nächst keine Erfolge. Erst nach 40 Minuten Spiel­zeit fand das Leder im Gießener Tor seinen richtigen Platz, als dessen Hüter im falschen Moment hecausgelaufen war. Rach einer wei­teren Ecke für Wieseck Halbzeit, die beim Stande 1:0 und Ecken 7:1 für Wieseck abgeschlossen wurde. Die bisherige Erfolglosigkeit Gießens äußerte sich von Anfang an in einem überlauten Rufen und gegen Ende der ersten Halbzeit in einem stark auf Sieg eingestellten Spiel.

Rach dem Wechsel dasselbe Bild. Gießen als Kreisklassemannschaft wandte alle Mittel an, um einer drohenden Niederlage durch eine nie­dere Mannschaft zu entgehen. Wieseck seinerseits nahm das Spiel nunmehr etwas leicht, aus freiem Feld täirzelte die Verteidigung auf das eigene Tor zu und erzielte auch glücklich eine Ecke, die, vorzüglich getreten, von Gießen zum AuSaleichstor verwandelt wur.e. Bald darauf verschuldete Wiesecks rechter Verteidiger einen Handelfmeter, ter zwar recht scharf, aber auf den Mann geschossen wurde. 20 Minuten vor Schluß stand das Spiel noch remis, gewann aber demzufolge immer mehr an Schärfe, an der nun beide Mannschaften schuld wareir Als der Schiedsrichter endlich Ernst zu machen schien, war nicht mehr viel zu retten. Wieseck brachte dem wenig schönen Spiel kaum noch Interesse ent­gegen. Einem zweiten Tor Gießens folgte ein drittes, bei dem dec Tormann Wiesecks aber­mals scharf angegangen wurde, ohne den Schuh des Schiedsrichters zu finden. Ohne noch große Gegenwehr zu finden, erzielte Gießen bis zum Schluß ein 4. und 5. Tor.

Wicseck II Gießen II.

Die vorher stattgefundenen Spiele standen im wohltuenden Gegensatz zu dem der ersten Mann­schaften. Vorweg sei gesagt, daß Gießens Id- Mannschaft nicht aufgelöst worden ist, son­dern sich einer zunehmenden Spielstarke erfreut. Die diesbezügliche Bemerkung in der Vorschau beruht aus einer falsch überbrachten Mitteilung urib sei deshalb hier richtiggestellt. Die beiden zweiten Mannschaften überraschten durch eine fertige Spielweise, Wiesecks Sturm schien etwas durchschlagskräftiger zu fein, und sicherte bis Halbzeit seiner Mannschaft die Führung mit drei Toren. Nach dem Wechsel holte Gießen ein Tor auf und hatte in_ der Folge ein fabelhaftes Pech, denn all die schönen Angriffe wurden ver­schossen. Dis zum Schluß konnte Wieseck seinen Sieg auf 6:1 bringen, wurde hierbei allerdings durch leichtsinniges Spielen des Gießener Tor­manns unterstützt.

Wicseck Ju^er.d Gießen Jugend.

Auch hier sollte nach lebhaftem und schönem Spiel den Wieseckern der Sieg werden, aller­dings knapp 2:1. Wieseck übernahm mit dem ersten Tor die Führung, Gießen konnte aber bald darauf ausgleichen. In der zweiten Halbzeit konnten die Jugendlichen Wiesecks ihren Sieges­treffer anbringen, nachdem beide Mannschaften großzügig je einen Elfmeter verschenkt hatten.

Wieseck Schüler Gießen Schüler.

Den Anfang machten die Kleinsten der beiden Vereine; es war in der Vorschau nicht zuviel gesagt, daß dies das schönste Spiel werden würde. Beide Mannschaften zeigten nicht nur anspre­chende Leistungen, sondern auch ein vorbildliches Verhalten. 3n der ersten Halbzeit ging Wieseck in Führung, den Vorsprung holte Gießen in der zweiten Spielhälste auf, die bei beseitigen leb­haften Angriffe konnten an dem unentschiedenen Resultat nichts ändern.

Fronhausen.

£. Wie erwartet, brachte das Spiel Fron­hausen I gegen Naunheim l zwei ungleiche Gegner zusammen. Naunheim siegte wie es wollte und führte bei Halbzeit bereits 6:0. Nach dem Wechsel waren die Gäste im Tore» schießen verhalten und Fronhausen kam zweimal zu Erfolgen. Bis zum Schluß erhöhte Narm- heirn das Ergebnis auf 10:2. Angenehm emp­fanden die zahlreichen Zuschauer die kamerad­schaftliche Spielweise beider Gegner.

3m vorher stattgefundenen Jugendspiel ging es Fronhausen nicht besser. Auch hier war die ausgeprägtere Spielweise Naunheims un­verkennbar. 6:3 lautet das Schlußergebnis, wobei die drei Torerfolge Fronhausens nur infolge der leichtsinnig gewordenen Jugend Naunheims erzielt werden konnten.

Aus Grohen-Linden.

£ Die erste Fußballmannschaft der Freien Turnerschaft Großen-Linden hatte sich für den Sonntag Saubringen I zu Gast ge­laden. Beide Mannschaften lieferten sich einem flotten, fairen Kampf, bei dem das zcchlreiche Publikum recht schöne Momente zu sehen bekam. Noch interessanter wäre das Spiel geworden, wenn Daubringen statt mit nur 9 Mann komplett angetreten wäre. Der Anstoß sah die Einheimi­schen mit Wind und Sonne im Rücken, sie nutzten den Vorteil auch gut aus und lagen bis Halbzeit bereits mit 4:1 in Führung. Nach dem Wechsel kam Daubringen immer mehr auf, holte, obwohl mit nur 9 Mann und mit Ersah spielend, zwei weitere Tore innerhalb von 3 Minuten auf und konnte bei Schluß des Spiels nur knapv 4:3 unter i.'gen. Ai'e Anstrengurge i Großcn-L n'ens, das Resultat für sich ruxb zu verbessern, schei­terten an der aufmerksamen Abwehrarbeit der Gäste. Der Schiedsrichter leitete zur allseitigen Zufriedenheit.

Großer Opelprefs von Hessen-Nassau.

Durch den Hessisch-Nassauischen Radfahrer­bund wurde der große Opelpreis von Hessen- Nassau am Sonntag auf einer 180 Kilometer langen Rundst ecke in Hessen mit dem S ari in Mainz und dem Ziel in Offenbach aus- getragen. An dem Wettkampf nahmen dreizehn Fahrer teil, die um 7.02 Ahr morgens auf die Reise geschickt wurden und bis zur Hauptkontrolle Erbenheim zusammenblieben. Berger, Hannover, hatte Reifenschaden; D e n z l e r, Bam­berg, und Allgeier, Mannheim, fielen zurück. In einem erbitterten Endkampf behielt Hermann Fischer, Köln, die Oberhand. In der L-Klasse starte en 48 Fahrer. Treusch, Giirshe.m, fuhr einen überlegenen Sieg heraus. Ergebnisse: ^--Klasse: 1. Fischer. Köln, (Opel-Berlin) 5: 50 Stunden. 2. Buse, Alberto-Berlin, l'/2 Län­gen zurück. 3. Hönning, Opel-Mannheim, eine halbe Länge zurück. 4. Heide. Kon.et-Hannover, dicht aus. 5. Fuhrmann, Tornado-Erfurt, dicht auß 6. Basse, Komet-Hannover, dicht auf. 6-Klasse: 1. Treusch, Ginsheim, 5:54:51. 2. Wagrer, Trieb, 6:04:27. 3. Biffon, Bellheim, Deifenstärle. 4. Kaufsmann, Waldhof, dicht auf.

Kunst und Wissenschaft.

Schluß der Ausstellung Musik im Leben der Doller".

Die Frankfurter Internationale Ausstellung Musik im Leben der Völker" und der damit verbundeneSommer der Musik", der eine Reihe von musikalischen Genüssen und le- deutende Persönlichkeiten der ganzen musikali­schen Welt nach Frankfurt brachte, fand am Sonntag ihr offizielles Ende in Form einen festlichen Schlußfeier, in der durch eine An­sprache des Direktors des Dölkerbundinstituts für geistige Gemeinschaftsarbeit in Paris, Lu - djaire, noch einmal die Bedeutung unterstrichen wurde, die die Ausstellung für die Verstän­digung der Völler gehabt habe. Oberbürger­meister Dr. Landmann schloß dann die Aus­stellung mit einer längeren Ansprache, in der er betonte, daß in einer noch zu beschließenden Form ein Niederschlag der Ausstellung erhalten bleiben solle zum Zeichen und zur Erinnerung für künftige Geschlechter, daß in einer Zeit starker äußerer Rot sich eine Bürgerschaft gefunden habe, die opferbereit und verständnisvoll genug gewesen sei. um ein solches Werk zu ermög­lichen. Die Feier war umrahmt von einem Orgelvortrag von Professor Wilhelm Kempfs- Stuttgart und von Darbietungen der trefflichen Banda Municipal de Barcelona unter Leitung ihres Dirigenten De G r i n o n und klang aus in eine Ovation für Richard Strauß, unter dessen Taktstock seine symphonische DichtungDon Juan" von den Spaniern meisterhaft wiedergegeben wurde.

Schöffengericht Gießen.

Gießen. 26. Aug. Ein 20jähriger Land­wirtssohn war eines Sittlichkeitsverbrechens an einem zehnjährigen Jungen angeklagt. Wegen Gefährdung der Sittlichkeit war während der ganzen Dauer der Verhandlung die Ooffentlich- keit ausgeschlossen. Das Gericht sah rn subjektiver Beziehung den Tatbestand des angeklagten Ver­brechens nicht für enviesen an und verurteilte den Angeklagten nur wegen vollendeter Nötigung zu einer Geldstrafe von 80 Mark, die im Aneinbringlichkeitsfall mit 10 Tagen Gefängnis zu verbüßen sind.

Ein vielfach vorbestrafter Arbeiter hatte in Gegenwart schulpflichtiger Mädchen unzüchtige Handlungen trorgenonrmen und mußte sich daher

Schoch-Eeke.

Bearbeitet von W. Orbach.

Alle für die Redaktion bestimmten Mit­teilungen, Lösungen usw sind zu richten an die Schachredaktion desGießener Anzeigers".

Problem Nr. 124.

Don K. ©ran, Wien.

Schwarz.

a b c (l - £ h

a b c u e r h

Weiß.

8

6

5

4

3

2

6

5

4

3

2

Weiß zieht und setzt in drei Zügen matt.

Weiß: 10 Steine Ka7; Da6; Lc8, f6; Sg5; Ba2, b3, c4, e5, H2.

Schwarz: 8 Steine KH4; Tf5, H6; Lg6; Bb5, f7, h5, h7.

Endspielftudic Nr. 38.

Don Dr. H. K.idsrsii, Reicher!.

6

2

4

b

g

h

6

2

3

4

Schwarz.

d e Weiß.

Weih zieht an und gewinnt.

Weiß: 3 Steine Kg3; Lfl; Sc4.

Schwarz: 3 Steine Khl; Ldl; Bb5.

Losung des Problems Nr. 121. Don 6. Gold.

1. f5-f6, Kg4-g5 2. Sd3- e5 Usw.

1...... Kg4g3 2. Kc4f5 usw.

*

Richtige Lösungen.

Zum Problem Nr. 116: Arthur Fuld, V. Loos, L. Philipp, Gießen; H. Nanz, Dietzhausen.

Zum Problem Nr. 117: Arthur Fuld, V. Loos, Gießen; H. Nanz, Tletzhau'en; W. Langs­dorf.

Zum Problem Nr. 118: Arthur Fuld, V. Loos, Gießen; Sy" Nanz, Tlctzhausen.

Zum Endspiel Nr. 36: H. Nanz, Tletzhausen; Arthur Fuld, Gießen.

Weißgerber Sieger im Rheinmeisterturnler.

Das am Sonntag, dem 14. August, nach achttägigem, harten Kampfe beendete Rhein- meiftertumier ergab den sicheren Sieg des kaum 22jährigen Saardrückers Gerhard Weiß? ec-, er mit einem Punkt Vorsprung vor Dr. v. Tiuß. Deih- gerber ging aus dem Turnier ohne Verlust­punkt hervor (+ 6, 3), was in Anbetracht der Stärke der Teilnehmer als besonders günstige Leistung anzu'ehen ist. Dr. v. Nüß kann mit dem 2. Preise zufrieden fein, seinem hazardieren- den Spiel zur Folge hätte er eher weiter unten landen sollen. Multhaup ist ein guter Positions­spieler, gegen Ende des Turniers holte er erst entscheidend auf. Prof. Deichmann ist zu alt, so daß er einem ernsten Kampfe nicht mehr ge­wachsen ist.

Nachstehend der Schlutzstand:

Weißcerber, Saarbrücken, 7*/? Punkte, 1. Preis; Dr. v. Nüß, Düsseldorf, 6V2 P-. 2.Pr.; Multhaup, Essen, 5 P., 3. Pr.; Hussong, Lud­wigshafen; Ruh, Karlsruhe; Walter, Koblenz; Kemper, Krefeld, je 4l/2 P-, 4. bis 5. bis 6. Pr.; es folgen: Prof. Deichmann und Heider, Köln, je 31/® P-: Hillesheim 1 P.

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom Redakttons tisch.

Max Regers Kampfruf.

Als Reger einmal eine feiner großen Orchester- Kompositionen selbst birigierte, betrat er das Diri- genten-Podium, indem er dem Orchester zuries:Also nun los, meine Herrschaften, frisch, fromm, fröhlich, frech!"

Kinderscherze.

Else kommt angestürmt, als alles bereits zu Tisch sitzt:Mutti Mutti." Mutter:Jetzt setzt du dich hin und ißt artig deine Suppe und schweigst." Else setzt sich gehorsam, beginnt aber sofort wie­der:Mutti die"Du schweigst jetzt", wird sie streng angerufen. Beim Aufträgen des zweiten Ganges fragt die Mutter:Nun sag meinetwegen, was du auf dem Herzen hast." Und Elfe meint ver­schüchtert:Ich wollte nur sagen, daß die Bade­wanne überläuft."

*

Ein kleines Mäderle fragt nach dem Namen eines Bernhardinerhundes.Er heißt Widu", erklärt die Besitzerin freundlich.Ach," meint die Kleine, die Löns noch nicht kannte, erfreut,er heißt auch Annelore-Chriftiane?"

Das Kaninchen.

Niemand wird es für möglich halten, und dennoch ist es die lautere Wahrheit, dah Schulz- Meyer mit einem Kaninchen in der Tkeberzieber- tasche zum Abendschoppen kam. Es war ein kleines, weißes Kaninchen mit einer Schnur um den Hals, die von einem dicken Knäuel ausging.

Nu sagen Sie uns um Gottes willen, was tun Sie mit dem Kaninchen in der Tasche?"

Das svlln Sie ganz genau wissen. Bei mir im Hause eine Treppe unter meiner Wohnung, da ist jetzt so eine meschuggene Person einge­zogen, eine Schlangenbändigerin. Hat ein En­gagement in der Scala, wissen Sie, bleibt bloß einen Monat wohnen. Nu ftelln Sie sich vor, Die Frau bringt sich jeden Abend in einem Strohkorb ihre Schlange mit nach Hause, das ist so ein Biest, wie von hier nach dem Büfett. Also, nun wäre es doch möglich, nicht wahr, daß die Schlange mal ausreißt. Vielleicht komm ich nachts nach Hause, und die Schlange liegt auf der Treppe. Nu, da nehm ich eben mein Kaninchen, schmeiß es ihr hin, sie schluckts runter, ist satt und zufrieden und läßt mich ruhig die Treppe raufgehn. Ist Ihnen alles klar?"

Ja. Bloß das eine möchten wir wissen, warum haben Sie das Kaninchen an ferner langen Strippe?"

Nu, wenn ich oben bin an meiner Tür, zieh ich an der Strippe, und dann krieg ich mein Kaninchen wieder." Lust. Bl.

wegen Erregung öffentlichen Aergernisses ver­antworten. Auch diese Verhandlung fand hinter verschlossenen Türen statt. Mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte reumütig versprach, für die Folge von derartigem Tun abzulassen, ließ das Gericht Milde walten und verurteilte ihn zu einer Gefängnisstrafe von 2Mvnaten.

Amtsgericht Gießen.

Gießen, 26. August. Freigesprochen wurde ein Landwirt aus H. Er war auf der Landstraße bei Abendstern über das Geleis der Bahn nicht auf der linken Straßenseite gefahren. Es stellte sich jedoch heraus, daß er hierzu ge­zwungen war. da die Schienen links an der Straße damals frei standen und die Fuhre schwer be­laden war.

Wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schuh der Republik war augetlagt der noch sehr jugendliche Arbeiter R. aus Gießen. Er kam nach einer Kneiperei nachts auf der Straße in ein politisches Gespräch mit unbekannten Per­sonen. Dabei machte er eine die Reichs färben beschimpfende Aeußerung. Zwei Polizeiwacht­meister, die vorbeigingen, stellten den Namen des Angeklagten fest. Sie selbst sahen den Vorfall zwar nicht für bedeutsam an, hielten sich aber, insbesondere auch mit Rücksicht auf das nach­trägliche rüpelhafte Benehmen des betrunkenen Angeklagten zur Anzeige verpflichtet. Dieser gab an, er sei einige Zeit zuvor von Mitgliedern des Reichsbanners verhauen worden und habe deshalb die Aeußerung aus Wut getan. Jugend, Hnbeftraftfjeit, Trunkenheit und Mittellosigkeit des Angeklagten, sowie der Umstand, daß cs sich lediglich unT ein etwas lautes Privatgespräch gehandelt hat, lieben ihn mit einer Geldstrafe Dan 5 Mk. davonkommen.

Der Schäfer I. P., der einen Strafbefehl auf zwei Monate Gefängnis wegen Sachbeschädigung erhalten hatte, war nicht er­schienen. Sein Einspruch wurde kostenpflichtig verworfen.

Ein hiesiger Chauffeur hatte vor Weih­nachten 1926 in einem Zigarrengeschäft einen 50-Markschein verloren. Er bemerkte bald den Verlust, kam zurück, der Schein war aber nicht mehr zu finden. Der Geschäftsinhaber wußte nur von einem jüngeren Mann zu erzählen, der sich gebückt und irgenb etwas aufgehoben habe. Nach einiger Zeit bekam der Angeklagte Sattler O. B.

aus G. Streit mit feiner Frau. Diese warf ihm die Unterschlagung vor und drohte, ihn ins Gefängnis zu bringen. Hausbewohner hörten dies. Weiterer Streit im Haus und Gerede der Mit­bewohner machten die Sache für den Angeklagten nicht besser. Schließlich kam es zur Anzeige. Der Angeklagte gab zwar zu, um die fragliche Zeit in jenem Laden gewesen zu sein, sich auch dort gebückt zu haben. Er will eine hingesallene Zigarette aufgehoben haben. 3m übrigen ober bestritt er hartnäckig die Tat. Trotz seines Leug­nens hielt ihn der Richter für überführt. Der Angeklagte ist schon mehrfach wegen Diebstahls erheblich vorbestraft. Alm die 50 Mark war ein Mann geschädigt, der sie sich sauer verdient hatte und durchaus nicht im Tkebersluh lebte. Teshalb lautete die Strafe auf zwei Monate Gefängnis.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber F?inr"'e V .mf Hortung.) Klage aus der Jranffurfer Straße.

Die 5 r a n f u r t e r Straße, von der Klinik st raße bis zur Unterführung bei Klein-Linden, befindet sich zur Zeit in einer derartig mangelhaften Verfassung, daß es sehr angebracht erschcint, eine Neubefestigung, evtl, mit Kleinpflaster oder einer guten Asphalt­decke, vorzunehmen. Die recht? S rahcnscite nach der Stadt ist mit dem Fahrrad überhaupt nicht mehr benutzbar, und die linke Seite darf nach den bestehenden Vorschriften nicht benutzt werden. Es bleibt also dem Radfahrer nichts anderes übrig, als balanzierend zwischen tiefen Löchern die rechte Seite einzuhaltcn und hierbei feine Gesundheit aufs Spiel zu sehen, oder auf der linken Straßenseite mit der Polizei in Kon­flikt zu kommen. Aber nicht nur Radfahrer, sondern auch Autler und Fußgänger können hier Schaden nehmen, und bei etwaigen Schaden­ersatzansprüchen wäre die Stedt Gießen die Leid­trägerin. Ohne Zweifel ist die Frankfurter Straße gerade in diesem Teile diejenige, die den stärk­sten Fahrzeugverkehr auszuwci. en hat. Wir hoffen, daß dieser Hinweis genügt, um bei der maßgeben­den Stelle einer Behebung dieses Mißstandes näherzutreten. Einer füf viele.

Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein.

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