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Nr. 202 Erstes Blatt

177. Jahrgang

Dienstag, 30. August 1927

Erich eint tögliL,außer Sonntags und Feiertags.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gießen.

Vorschau auf Gens. - Rücktritt Cecils.

Was man in Deutschland erwartet. - Anklagen gegen das englische Kabinett.

Wie den Berliner Blättern offiziös mit- geteilt wird, ist nicht anzunehmen, daß das Reichskabinett, das sich in seiner heu­tigen Sitzung bekanntlich noch einmal mit der außenpolitischen Lage vor dem Zu­sammentritt der Bolkerbundstagung beschüfttgt, eine besondere Entschließung hierzu fassen wird. Das Auswärtige Amt erwartet vorher noch eine offizielle Mitteilung über die Truppenver­minderung, und der Reichsaußenminister wird im Kabinett die außenpolitische Lage noch einmal in einem Referat zusammenfassen. Da in der letzten Kabinettssitzung -bereits völlige Heber- einstimmung erzielt wurde, wird der Reichs­kanzler zu der morgigen Beratung nicht zu­rückkehren. Es werden daher voraussichtlich nur Dr. Gehler, Dr. Stresemann, Dr. Koch, Dr. Curtius und ReichSminister Schiele an­wesend sein.

Bon der Tagung des Völkerbunds­rates werden in Berliner politischen Kreisen irgendwelche Sensattonen nicht erwartet. Don grundsätzlicher Bedeutung unter den Punkten der Tagesordnung ist die Entscheidung in dem Streit­fall zwischen Rumänien und Ungarn, wssil sie die Frage der

Kompetenz der gemischen Schiedsgerichte und die Anrufung des Völkerbundsrats gegen ihr

Votum

betrifft. Diese grundsätzliche Frage spielt hinein in die Anrufung deS Völkerbundsrates durch Griechenland wegen des Streitfalles um den KreuzerSalamis". Die Reichsregierung hat mit der Angelegenheit direkt nichts zu tun. Die Entscheidung soll durch den Ausschuß vorbereitet werden. Besonders hat sich der englische Außen­minister um die Beilegung bemüht. Er hat auch einen Vorschlag ausgearbeitet, der ein Entgegen­kommen von beiden Seiten und eine gewisse Entschädigung an die Vullanwerft vorsieht: Dieser Vorschlag ist aber von keiner Seite ak­zeptiert worden. Ferner stehen eine Reihe Dan­ziger Fragen aus der Tagesordnung. Heber sie ist das Wesentliche bereits in der Presse bekanntgegeben.

Das Volkerbundsplenum, das nach der Ratstagung zusammentritt, wird sich vor allem mit der Weltwirtschaftskonfe­renz. der Durchführung ihrer Ergebnisse und mit der Abrüstung beschäftigen. Wie Dr. Stresemann auf der letzten Ratstagung an- gckündigt hat. wird in der Plenarversammlung von deutscher Seite eine Erklärung erfolgen, die unfern Standpunkt in der Abrüstungs­frage zum Ausdruck bringt.

Daneben werden natürlich auch wieder die besonderen Besprechungen der A u s; en m i n i st e r stattfinden. Diese Bespre­chungen sind früher angegriffen worden, nach deutscher Auffassung ater mit Hnrecht, weil sie doch nicht weitergingen als die Ausnutzung aller Gelegenheiten zur Verständigung zwischen den Völkern. Hebrigens werden auch diesmal solche Besprechungen nicht nur zwi chen den Vertretern der Locarno-Mächte, sondern auch mit den Mi­nistern anderer Länder erfolgen. Das Thema der Hnterhaliung zwischen den Außenministern der Locarno-Mächte wird zweifellos auch die

Truppenverminderung im Rheinland, wie die Fortführung der Locarnopolitik überhaupt umfassen. In diesem Zusammenhang ist es inter­essant, daß Driand seine Auffassung zu ge­wissen Fragen dieser Art noch vor dem Aus­einandergehen der Znterparlamcnlorischen Union klarstellen wird, um so mehr, als die Aeußerungen be Io u v e n e l s sie ziemlich zugespitzt haben. Es muß übrigens vor der in der deutschen Presse häufigen Auffassung gewarnt werden. at£ sei Driand ein politisch bereits toter Mann. 3m Gegenteil hat man aus der Entwicklung der letzten Wochen den Eindruck, daß er sich von seiner Krankheit, durch die er beinahe das Augen­licht verloren hätte, ausgezeichnet erholt hat, und daß er nun wieder eine stärkere Ini- t i a t i v e entfaltet. Das ist auch bei Behandlung der Truppenverminderung in Erscheinung ge­treten.

Wenngleich das qu. itative Ausmaß der Herabsetzung der Besahungsstärle in Berliner politischen Kreisen keineswegs voll befriedigt, so ist die Tatsache der V e r m i n d e r u n g auf der anderen Seite doch von besonderer Be­deutung unter dem Gesichtspunkt des Prinzips der Fortsetzung der Locarnopolitik und der Erfüllung der hiermit zusammen­hängenden Zusagen. Diese Angelegenheit muß an Hand ihrer ganzen Entwicklung gesehen wer­den. Als der Reichsaußenminister im Reichstag von unscrm Recht auf Truppenverminderunig sprach, erfolgte seinerzeit in der französischen Kammer sofort eine Interpellation, die dieses Recht bestritt. Aachdem Poincare ihre Be­antwortung verhindert hatte, stellte die fran­zösische Presse allgemein die Behauptung auf, daß in dieser Frage kein Recht Deutschlands, sondern nur ein besonderes französisches Wohl­wollen in Erscheinung treten könne. Roch vor kurzem hat dann der angebliche Bericht des Generals Guillaumat, der übrigens nicht direkt von ihm, aber aus seiner Umgebung, den leitenden Kreisen der Besatzung stammte, die These aufgestellt, daß die Sicherheit Frankreichs

jede Verminderung ausschliehe. Gegen diese These hatte Driand angekämpft. Der Verlauf hat dann gezeigt, daß seine Stellung er­heblich stärker geworden ist. Er wurde da­bei durch die ehemaligen Alliierten unterstützt, die die Auffassung der militärischen Kreise als eine Absage an Locarno bezeichneten. Rachdem jede Verminderung von französischer Seite zuerst überhaupt abgelehnt worden war, gestand man 5000 Mann zu, und schließlich ist das Kompromiß zwischen der französischen und der englischen Fvr- rung die sich auf 15 OOO Mann belief zu- standegekommen, indem man sich auf eine Zahl einigte, die zwischen 10 000 und 11 000 Maim liegt Dabei ist zu beachten, daß in der Art der Durchführung der Verminderung auf die Erleichterung der Wohnungslage im besetzten Gebiet besonders Rücksicht genommen werden soll. So soll z. B. ein großer Stab verlegt werden, der sehr viel Räume beansprucht. Hervorzuheben ist, daß Chamberlain sich während der letzten drei Monate sehr energisch und zäh dafür eingesetzt hat, daß die Truppen- Derminberung bis zur kommenden Genfer Tagung geregelt werde.

Außerdem werden sich die Unterhaltungen der Außenminister diesmal zweifellos auch mit der Frage der

Rheinlandräumung

beschäftigen. In Berlin ist man freilich der Auf­fassung, daß eine Einigung hierüber vor dem nächsten Jahr nicht zu erwarten ist, schon allein deshalb nicht, weil vor den französischen Wahlen niemand die Verantwortung für die Re­gelung dieses großen Problems übernehmen wird. Auch hier arbeitet die Zeit nur für den deutschen Standpunkt. Die Anhänger einer langen Besetzungs­dauer sind schon jetzt so isoliert, daß sie nirgendwo in der Welt unterstützt werden. Sowohl England als auch Belgien legen auf die Fortführung der Be­setzung keinen Wert. Was de Jouvenel hierzu gesagt hat, ist nur eine Anklage gegen die franzö­sische Politik. Es liegt aber kein Grund zu dex An- nähme vor, daß auch die offiziellen Kreise Frank­reichs den Standpunkt Englands nicht teilen, wonach die O st f r a g e n ebenfalls durch Locarno geregelt sind, und zwar in einer Form, die die schiedsrichter­liche und friedliche Lösung von Streitfragen ge­stattet.

Die Reichsregierung belrachtek die Frage der Rheinlandräumung unter einem Gesichtspunkt.

der irgendwelche Gegenleistung ausschließk.

Das Projekt von T h o i r y steht für sic als durch die Entwicklung überholt, außerhalb der De­batte. Nach der Rückkehr der deutschen Delegation aus Gens wird das Reichskabinett sich, wie üblich, erneut mit der außenpolitischen Lage beschäftigen und seine Stellungnahme bestimmen.

Von der deutschen Delegation.

Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".

Berlin, 30. Aug. Die parlamentari­schen Mitglieder der deutschen Völker­bundsdelegation, Graf Dernstorff, Prof. Hoehsch, Kaas. Dreitscheid und Frei­herr v. Rheinbaben, werden, wie dasB.T." berichtet, Berlin erst am Samstag verlassen, da das Plenum des Völkerbundes, an dessen Be­ratungen sie teilnehmen, erst am Montag der kommenden Woche zusammentritt.

England gegen Frankreichs Locatno-Sadotage.

London, 30. Aug. (WTB. Funkspruch.) Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­grap h" schreibt: Chamberlain und Briand würden vielleicht in Paris oder in Genf die

neue französische These über die Rheinland- besehung als Garantie für die augenblicklichen Grenzen zwischen Polen. Deutschland und Dan­zig 4inb als Garantie gegen den Anschluß Oesterreichs an Deutschland

erörtern, falls diese Frage von der französischen ober deutschen Seite aufgeworfen werden sollte. Britische Kreise bezeichneten die Darlegungen der französischen Presse über die Notwendigkeit eines Ostlocarno als Bedingung für die endgültige Räumung des Rheinlantzes alsWechselreiterei". Groß­britannien würde sich auch weiterhin derar­tigen Forderungen nicht anschließen. Das Recht Deutschlands ober Oesterreichs, an den Völkerbund um die Erlaubnis, sich zu vereinigen, zu appellieren, sei ihnen aus­drücklich vorbehalten worden, sowohl gemäß dem Verttage von Versailles, als auch dem Vertrag von St. Germain, und auch in allgemeiner Art ge­mäß Art. 19 der Völkerbundssatzung. Die britische Regierung würde heute den Anschluß für in­opportun und gefährlich erachten und würde wahrscheinlich dagegen stimmen.

Dies habe jedoch nichts mit dem versuch zu tun, Deutschland oder Oesterreich zu zwingen, ein Recht, das sie vertragsgemäß besitzen, auszu­geben.

Einem solchen Verfahren roücbe London nicht zu- ftImmen.Westminster Gazette" schreibt:Die überwältigende Ansicht in England ist, daß d i e Rheinlandbesetzung s o rasch wie mög­

lich beendet werden müßte und daß ihre Fort­führung eine Quelle der Bitterkeit ist, die die Sicher- Heft vermindert, statt vermehrt."

Amerikanisches Zeugnis für Deurschland.

Nenyork, 29. Aug. (Wolff.) In derWorld" wird an Frankreich die Frage gerichtet, warum es sich nicht durch eine wesentliche Verringerung der Rheinlandbesetzung an der freundschaft­lichen Geste Englands beteiligen wolle. Der Appell an die Furcht sei zwar gute nationalistische Politik, doch sei die größere Weisheit einer weitherzigen Haltung unter großzügiger Beurteilung der fron» .zösischen und deutschen Interessen offenbar. Deutschland halte sowohl Geist wie Buchstabe des Locarnovertrages und gewinne dadurch mehr als durch Nadelstiche.

Die Beziehungen zWischen Besatzung und Bevölkerung,

Paris, 30. Aug. (WTB. Funkspruch.) Heber den Besuch des französischen Delegierten bei der Rheinlandkommission. Tirard, beim bayeri­schen Ministerpräsidenten Held berichtet Agence Havas, Tirard habe bei seiner Unterredung mit Dr. Held besonders die Frage angeschnitten, mit welchen Mitteln man die Beziehungen zwi­schen den französischen Behörden und den Bewohnern der Pfalz, die, da sie in der dritten Besatzungszone liege, bis zum letzten Augenblick besetzt bleibe, erleichtern könnte. Er habe erklärt, daß es nach seiner An­sicht im Interesse aller Beteiligten liege, eine ständige Verbindung zwischen den beiden Parteien herzustellen, um örtliche Konflikte und besonders auch die Schwierigkeiten, die sich durch Presse-Erörterungen ergäben, leichter beheben zu können.

Der Rücktritt Cecils vollzogen. Mit der Abrüstungspolitik des Kabinetts nicht einverstanden.

London, 29. Aug. (WTB.) Wie Reuter mitteilt, bestätigt es sich, daß Viscount Ce­cil aus dem Kabinett ausgetreten ist, weil er mit dessen Abrüstungspolitik nicht einverstanden ist. Er wird infolge­dessen nicht nach Genf gehen.

Lord Cecil erklärte einem Pressevertreter: Ich bin wegen der Abrüstungsfrage zu­rückgetreten. Mein Rücktritt tritt sofort in Kraft. Die Gründe für meinen Entschluß sind in der allgemeinen Geschichte der Abrüstungs­frage zu finben und gipfeln in dem Scheitern der Genfer Konferenz. Ich fühle, daß ich in der Lage sein werde, bessere Arbeit für die Sache der Abrüstung außerhalb des Kabinetts als im Kabinett zu leisten. Daher werde ich nicht nach Genf zur Teilnahme an der Sitzung der Völkerbundsver­sammlung als einer der britischen Regierungs­delegierten gehen. Es ist natürlich möglich, daß ich in Zukunft nach Genf als Vertreter Groß­britanniens gehen werde, ohne Mitglied der Re­gierung zu sein. Aber darüber kann ich mich noch nicht äußern. Ich bin überzeugt, dlah eine er­hebliche Einschränkung der Rüstungen nur durch eine i nternationale Vereinbarung er­zielt werden kann. Auf die Herbeiführung einer solchen Vereinbarung sollte nach meiner Auf­fassung das Hauptbestreben der Regierung ge­richtet sein.

Die Abrüstung ist wertvoller als jedes andere politische Ziel, wenngleich sie nicht um jeden Preis erkauft zu werden braucht.

Vieles was sich auf der Frühjahrstagung der vorbereitenden Abrüstungskonferenz er ijnet hat, mußte beunruhigend wirken. Immer wieder war ich durch meine Instruktionen gezwungen, für An­träge einzutreten, die mit dem ernstlichen Wunsch nach einem Gelingen der Arbeiten der Konferenz schwer zu vereinbaren waren."

Cecils Rücktrittsbegründtmg.

Anklagen gegen das Kabinett.

London, 29. Aug. (WTB.) Discount Cecil führt in seinem Schreiben an Baldwin, in dem er seinen Rücktritt erklärt, aus, dieser Rücktritt erfolge nicht aus irgendwelchen persönlichen Schwierigkeiten, und fährt dann fort: Die Schwieri^eiten sind leider viel ernster, denn ich kann mir nicht verhehlen, daß über die großen Züge der Abrüstungspolitik die Mehrheit des Kabinetts und ich nicht wirklich übereinstimmen. Ich glaube, daß eine allge­meine Herabs etzung und Einschrän­kung der Rüstungen für den Frieden der Welt wesentlich ist, und von dem Frieden hängt nicht nur der Bestand des britischen Reiches, sondern auch der Bestand der europäischen Zivi- lisatton selbst ab.

Ich betrachte die Einschränkung der Rüstungen als die bei weitem wichtigste öffentliche Tages­frage.

(Hieran schließen sich die in der oben registrier­ten Meldung enthaltenen Ausführungen über die

Abrüstungsfrage an, beginnend:Ich bin Über­zeugt, daß eine erhebliche' Einschränkung dcr Rüstungen" usw.). Dann heißt es weiter: Die Gesamtwirkung dieser Instruktionen war sehr unglücklich und hat in hohem Maße zu dem relativen Mißerfolg der Konferenz beigetragen. Ich .glaubte, daß wenig Zweifel darüber be­ständen, daß auf der jüngsten Flottenabrüstungs­konferenz eine Einigung erzielt werden f o n n t e in der Heberjeugung, daß eine Einigung auf dieser Dreimächte-Konferenz eine große Er­leichterung für die Bemühungen der Abrüstunos- konserenz im Hinblick auf die allgemeine Ab­rüstung bedeuten würde und daß ein Miß­lingen der Flottenabrüstungskonfe- renz in demselben Maße ein Hnglück wäre. Leider ist der Mißerfolg cingetrezcn, dessen Gründe das Parlament bei seinem nächsten Zu­sammentritt zm untersuchen haben wird. Im Augenblick genügt es, darauf hinzuweisen, daß ich mit den erhaltenen Instruktionen nicht einverstanden war und daß ich glaube, daß eine Einigung unter Bedingungen hätte zu­stande kommen können, durch die kein wesent­liches Interesse Großbritanniens geopfert worden wäre.

Was bietet die Zukunft? Ich blicke zurück auf die Richtannahme des Vertrages über gegen­seitige Hilfeleisttmg. auf die unbedingte Ver­werfung des Genfer Protokolls und auf die ministerielle Erklärung gegen die obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit, auf den teilweisen Miß­erfolg der vorbereitenden Abrüstungskonferenz und jetzt auf den Zusammenbruch der Dreimächtc- Konserenz. In jedem Falle ist die vor mir be­fürwortete Politik mehr oder weniger vollstän ig abgelehnt worden. Wie in der Vergangenheit, werden auch in der Zukunft g le i ch eH r s a ch e n gleiche Wirkungen haben. Da ich zu der Erkenntnis gezwungen bin, daß ich in die'en Fragen mit meinen Kollegen nicht überein- stimme, sehe ich keine Möglichkeit, im Kabinett dieser Sache weiter dienen zu fönnen. Cecil kündigt zum Schluß an, daß er sich mit aller Kraft der Ausgabe widmen wolle, die Oef - fentlichkeit aufzurütteln und zu unter­richten.

Baldwins Antwort.

Premierminister Baldwin hat an Lord Robert Cecil ein Antwortschreiben ge­richtet, in dem es heißt, er sei der Ansicht, Cecil übertreibe die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und anderen Ministern. Im wesent­lichen unterscheide sich die Politik der Regierung augenscheinlich nicht besonders von Cecils An­sichten, und die Ergebnisse ihrer Politik, zu denen die Locarnoverträge zu rechnen seien, feien nicht unbeträchtlich gewesen. Baldwin weist ferner darauf hin, daß Cecils Instruktionen für die Abrüstungskommission tatsächlich von Cecil selbst ausgearbeitet worden seien. Baldwin er­klärt. er könne keinen Tadel wegen des Fehlschlages der Marinekonferenz annehmen, die, wie er hoffe, trotz ihres schein­baren Mißerfolges v .. l e i ch t doch iwch zu einer baldigen Herabsetzung der Flottenrüstungen und zu einer besseren Verständigung führen könne. Er teile nicht Cecils Pessimismus, obwohl er die Schwierigkeiten auf dem Wege zur Abrüstung anerkenne, die zahlreich und groß seien. Aber dies sei fein Grund, alle Bemühungen aufzu­geben.

Der Desatzungsabbau.

Brüssel, 29. Aug. (Wolff.) Wie die Belgische Telegraphenagentur mitteilt, wird die Stärke der Besatzungstruppen um 600 Belgier, 900 Engländer und 8500 Franzosen vermindert werden.

Flottenparade

vor dem Reichspräsidenten.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 30. Aug. Wie wir bereits vor längerer Zeit melden konnten, soll auch die deutsche Flotte zu den diesjährigen M a - novern auf Rügen mit zugezogen werden, wobei der Reichspräsident v. Hindenburg teilnehmen wird. Das Progrannn dieser Flotten­parade ist nunmehr, wie wir erfahren, fest­gesetzt. Am 14. September wird der Reichs- p r ä s i d e n t in Saßnitz an Bord des Flottenflagg­schiffsSchleswig-Holstein" gehen, das sich dann auf hohe See begibt, um zwischen Rügen und Swinemünde die versammelte Flotte zu treffen, und zwar die Linienschiffe ..Hessen", Schlesien" undElsaß", die KreuzerBerlin", Münster" undAmazone", sowie zwei Tor­pedobootsflottillen mit insgesamt 22 Torpedo­booten und eine Minensuchhalbflottille, be­stehend aus 5 Minensuchern. Beim Eintreffen des Reichspräsidenten wird die Flotte einen Salut von 21 Schuß abfeuern, worauf die Vor­beifahrt der Schiffe mit Evolutionen statt findet. Die Parade steht unter dem Befehl des Flotten­chefs Vizeadmiral Mommsen. Für die Gäste, die Reichstags- und Reichsratsmitglieber. sowie die Pressevertreter ist von der Marineleitung der Seebäderdampfer des Rorddeutschen Lloyd Roland" gemietet worden.