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Mittwoch. 50. März 1927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)

Nr. 75 Drittes Blatt

Aus dem Reiche der Frau

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Betrachten wir einmal unvoreingenommen einige gefunbe Ainber. Worin liegt die Eigenart ihres Körperbaus und ihrer Gesichtszüge und worin unterscheiden sie sich vom Erwachsenen? DaS Kind seigt einen relativ gröberen Kops und relativ kürzere Gliedmaben als der Erwachsene. Die pralle Rundung der Glieder läßt die Mus­keln nicht hervortreten, deren plastische Aus- bildung dem Körper des Erwachsenen den Aus­druck der Kraft verleiht. Hände und Füße srnd

Die Schönheit des gesunden Kindes

Don Dr. D. Herrmann.

zart und gut gebildet, die Gelenke fein und von weicher Kontur. Die Haut des Gesichtes und des Körpers ist rosig, elastisch und von jugendlicher Fülle. Dem Körper fehlt jede sichtbare Dehaa- nmg. die Kopfhaare aber haben eine lebhafte zarte Farbe und einen weichen Glanz. Das Ge­sicht des Kindes zeigt weiche, volle Rundung, deren Ebenmah kein harter Zug. keine Falte

schiebungen der Körperverhältnisse und des ®c- ftchtsausdruckes, die jedem Lebensaller ein be­stimmtes Gepräge geben.

Jede Krankheit kann diese Harmonie, diesen Glanz, diese zarte Fülle deS kindlichen Körper- zerstören. Wir finden Kinder, deren Haut welk und blaß ist. deren Gliebmaßen die volle Run­dung verloren haben und unter der dünnen Haut die dürftigen MuSkeln hervortreien lassen, deren Gesichter durchfurcht sind von dem Zug des Leidens, deren Augen tief eingesunken sind und allen Glanz verloren haben. Kinder, die erbärmlich au Bfeben wie kleine Greise. Sie haben die Eigentümlichkeiten be« gesunden kindlichen Körpers verloren und gleichen mehr erwachsenen und allernden Menschen, ilnb damit haben sie für uns ihre Schönheit verloren, die doch gerade in dem begründet fein must, was das gesunde Kind vom Erwachsenen unterscheidet.

Aber bleiben wir beim gesunden Kinde. In­dem wir es freudig betrachten, macht unser Blick nicht Halt vor der Form und der bLoben Er­scheinung. Wir bringen burch sie hindurch in die Seele des Krndes. die sich unS in dieser Gestalt, in diesem Gesichte offenbart. 11 nb so gewinnt die Form für uns an Fülle und Schönheit, da sie uns die keimhafte Seele des Kinde- verrät in ihrer unberührten Zartheit und Harmonie. Wir ahnen hinter der weichen Rundung der Glieder, hinter der Zartheit des Gesichtes und hinter den strahlenden Augen da- geheimnisvolle Werden der Seele, die sich langfam zur vollen Blüte entfaltet und dem Körper feine wechselnde Gestaltung gibt. Und wir ahnen zugleich, daß das gesunde Kind in seiner vollen Kindlichkeit am sOmnsten ist. bah jeder Zug. der erst einem späteren Alter zukvmmt, von dieser Schönheit raubt, da er einer Seele entspringt, die sich zu früh entfallet hat, die nicht lange genug ver­weilte in ihrer kindlichen Geschlossenheit. Denn jede Lebenszeit hat ihre eigene Schönheit, ihre eigene Dollendung.

druck, noch rein kindliche Verhältnisse. Die Kopfe sind zu klein, die Körperhaltung rst zu gesucht, der Gefichtsausdruck zu wenig unmittelbar, frei­lich spielt dabei die religiöse Bedeutung eine Rolle, die der Äünftler ieinem Engel, fernem ChristuSkinde beilegt. Ein Christus soll über­menschlich. göttlich erscheinen soll außer dein Kinde auch den Gott, ber in ihm ist, zwn AuS- brud bringen. So erhall bas kinbliche Gesicht er­habene Züge, bie dem Kinde fremd jinb. ®je Engel werben fromm und erfüllt twm Göttlichen bargestellt. Züge, bie dem Kinderantllh

fern liegen. Aus diesem Zwiespalt siebt sich der Künstler bei der Gestaltung eines Kindes dazu gedrängt, den Verhältnissen des Körpers mehr erwachsene Form zu geben, und manche, wie Lukas Cranach taten dies bewußt.

Die Künstler geben den Maßstab für die Schönheit. So ist das Urteil über die Schonheu des Kindes beeinflußt unb vielleicht ge.rubt durch bas, was sich in den Meisterwerken der Kunst spiegell. Wir finden darum im Leben häufig^ day diejenigen Kinder für die schönsten gelten Deren Gesicht dem Maßstab für Erwachsene nahekommt und ein ausgesprochen persönliches ®ebrag? zeigt. Es wäre sinnlos, über die R-erechngung eines solchcni Urteils zu streiten. Doch gtot es zu denken, bah aus solchen Kindern haulig nicht ebenso schöne Menschen werden, day nach der hoffnungsvollen Knospe die RötereBlute ent- täuscht. Man muh sich fragen, ob diese -Durber mit den ausdrucksvollen Zügen nicht nur bar schön waren, weil man -einen falschen Matz- stab an sie anlegte und ob die Schönheit des Kindes nicht wo anders liegt unb wir ihren geheimnisvollen Sinn anbers begreifen müssen.

Oskar Wilde sagt einmal, bah ber Gedanke die Schönheit tötet, dah jeder ausgesprochene xjug die Schönheit eines Gesichtes auslösch:. «Mben wir hier nicht einen Hinweis, bah gerade rn ben ausgesprochenen, feimbaften. meidxn^_ For- men des Kindes wahre Schönheit liegen konnte.

beten Ebenmah fein harter Zua, keine entstellt. Der Gesichts aus brud ist lebhaft, mittelbar, einbeutig unb häufig wechselnd. Man denke nur an ben zufriedenen oder erftaunten

Da« Geheimnis der kindlichen Schönheit . trfaffen, ist selbst der größten Kunstepoche des M^tschengefchlechtes. der griechrschen Dlutezeit, versagt geblieben. Eine der berühmtesten grte- chisch<m Plastiken, ber Hermes bes Praxiteles. MU auf bem linken Arm den kleinen Dwnysos. den er nach Böotien entführen soll. Wir sehen den jungen Weingott nach ^ner Traube hinauf- greisen, die Hermes in feiner Besten halt Äinb- sich ist vielleicht die Bewegung des Dwnysos. die eichtüdend« Gebärde des Verlangens. Aber bie Gestalt der kleinen Gottheit bleibt hinter ber Anmut jedes kindlichen Körpers zurud unb widerspricht den natürlichen Proportionen- der Kopf ist au klein, die Glieder sind zu lang, alle Formen sllld zu klar ausgebilk^t und zngen mehr die harmonische Gliederung des grtc^'fchen Man- rierkörpers als die verhüllte Zartheit kiichlicher Gestalten. Mag es dem Künstler erlaubt sein, die Statur zu korrigieren, etwa die Göttlichkeit eines Krndes durch Vermännlichung seiner <5orin t>er vorzubeben; diese Absicht liegt der Sigcnart an- tiler Kinderplastiken offenbar nicht zugrunde, son­dern reines Unvermögen. Stärker tritt dies noch fai den frühesten Kunstepochen, etwa in der myke Pischen oder in der srühägypttsc^n Kunst am grvteskesten vielleicht in der- Kunst der.Soma. Hier finden wir keine Kinder, sondern kleine^Er wachjaie. Zwerge, darges-.ellt. die allem Lieb tciiä entbehren, da ihnen gerade die Eigenart der kinbllchen Schönheit fehlt

Später sieht man bie Künstler dem Ziele in den gotischen Darstellungen bes CbristuLkstides unb :wch mehr bei ben Meistern t>er Rei aisiance, etwa bei Robbia, Botticelli oder ^ffacL Aber die vielgeruhmttm Rallaelschen Engel ber Sixtina zeigen weder kindlichen Aus

Ein Blick auf die kommende Mode.

Don Leni W ü st.

3m Winter bereitet sich stet- bie kommende Frühjahr-mode vor, aber erst im März kann man mit einiger Bestimmtheit von ihr sprechen. Dann erst ist bie Mode soweit vorgedrungen, dah sie bem groben Publikum zugänglich wirb. Den ganzen Winter hiiidurch arbeiten die Maler- und vchneidcrgebirne an der Geburt neuer Linien: im Frühjahr beginnen bie Atelier- unb Kon­fektion-Häuser den Debanken in bie Tat umzuset­zen. grobe Modenschauen werden überall von führenden Häusern unb Firmen veranstaltet, die Journale bringen Zeichnungen unb Abbildungen, damit die Weiblichkeit über ihre neue Frühjahrs uniform informiert wird. Das ,Wie" unb .Was" macht natürlich du( Kopfzerbrechen. Kann man noch das Complet vom vorigen Jahr tragen? *3leib 1 Rip- modern? Wie ist es mit Dem Smoking-Jackenkleid, unb bleiben die Rode furz? Taufend Fragen, die für den Anzug ber Dame von bestimmender Wichtigkeit sind. Also schön der Reihe nachl Das Kleib-Complet bleibt in ber Mooe. allerdings erscheint da» 3adenllcib alS Rivale auf ber Dilbsläche. Hauptsächlich jetzt int Frühjahr wird es bevorzugt. da es ja auch der allgemeinen Pullover-Mode stark entgegen­kommt und meist sportlichen Eharakier hat. Wir lieben den Sport und lassen ihn bestimmend auf unser Leben und unsere Lebensgewohnheiten ein- toirfen. infolgedessen steht das sportlich gehaltene Kleid überall in grober Gunst. Die neuen 3adcn- kleider, teils uni, teils au« Compose-Ötoffen ge­arbeitet (Stoffe, bie im gleichen Farbton ein­farbig unb gemustert zusammengesetzt werden) haben kurze, meist mit Faltenteilen verzierte Röck­chen, die Faden sind ziemlich gerade, zweireihig geknöpft ober auch mit Gürte! 'erarbeitet, die ausgesprochene Smoking-Jacke tritt in ben Hin­tergrund- man scch sich vergangenes 3ahr müde an diesem allzu häufig auftauchenden Modell.

Die in der Gefolgschaft de« 3ackenkleides vuftauchende 3untperbluie au« Crepe de Chine, ober ein in neuen Mustern gewirkter Pullover aus Wolle mit Seide ergänzen den Anzug. Das Kleib-Coinplet bleibt eleganteren Zwecken und der sommerlichen Saison Vorbehalten. wenn über luf­tig fliehenden Chiffon-Kleidern ein ebenso luftiges Etwas, genannt Mantel, getragen toirb. 2luf dem Osterspaziergang werden wir in der Mehr­zahl 3adeiil(eibern und Mänteln begegnen. Man sieht sehr flotte Modelle aus Kasha in lichten Farben, gemusterten englischen Wellstoffen und larrierten Geweben. Auch diese Mäntel zeigen ziemlich gerade Form, sind durchweg mit Gürtel ober Schliche verarbeitet und zeigen neuerdings abgenähte Säumchengarnitur. Leder- ober Kalb­fellkragen. Überhaupt spielt Kalbfell eine be­deutende Rolle dieses Frühjahr. Arme Kälber, man säht selbst euch nicht geschoren, zu bem Metzger unb Lederhändler gesellt sich Frau Mode unb greift habgierig nach eurem scheckigen Fell!

Da« IumperNeid ersteht mit ber FrühjahrS- fonne in allen möglichen Variationen, man seht efi vielfach auS zweierlei Stoffen zusammen (eine zum Aendern alter Kleider sehr vorteilhafte Modenüanee). DaS Reueste, wa« Pari- als Modeparvle ausgibt, ist Angora-Trikot nut Cripe de Chine. Dieser Anaora-Trikot ist em Gewebe von überau« großer Zartheit unb gleich­zeitig weichhaariger Wolkigkeit. Man wirb die­sem Stoff im Sommer noch häufiger begegnen alS jetzt, denn das Gewebe verspricht bei Wärme ein sehr angenehmes Tragen. Dieser Trikot wird gemustert, naturfarben, ober in leuchtenden Tonen, wie Blau, Rot. Grün mit gleichfarbigem Crepe be Chine verarbeitet. Reu in der Linie sind auch die Dollantröde an Rachmittags- unb Sommer" kleidchen. Hebet die Kür^e soll belebendere Gar­nierung Hinwegtäuschen. Gewöhnlich sind es zwei übereinander gestufte, plissierte Dolants. die ent­weder gerade verlaufen, oder sich vorne fchrag überschneiden. Die Aermel sämtlicher Kleider bleiben bis auf weiteres lang, höchstens, dah sommerliche Sonnengluten eine Umwälzung bnn-$a« Abendkleid angesichts de« blauen Frühlingshimmcl erinnert man sich Nicht gerne durchtaiizter Rächte besteht, ob Dinier, ob kommet auf seinem dekorativen Glanz. Man steht

Ausbrud bes Heinen Säuglings ober an den liebreizenden Wechsel im Mienenspiel bes älteren Kinbes; etwa an den köstlichen AuSbrud des schmollenben Kindes mit den aufgeworfenen Lip­pen. dem gesenften Kopfe und den halb scheu, halb zornig blickenden Augen, ein Ausdruck, der im nächsten Augenblick durch ein Helles Lachen weggewllcht wird. Und man vergleiche damit bie von Letbenichaft entstellten ober im Schicksal erstarrten, unburchdringlichen Gesichter ber Er­wachsenen. Was dem Gesicht eines jeden Krndes eine besondere Schönheit verleiht, ist bie Gröhe bet Augen. Unter allen Organen des Körpers zeigen bie Augen das geringste Wachstum; sie sind frühzeitig in ihrer endgültigen Gröhe aus­gebildet. und wüsten um so gröher wirken, je kleiner der übrige Körper noch ist. Und zu dieser Gröhe gesellt sich ihr reiner Glanz, ber bem Geftchl etwas Strahlendes gibt. All diese Merk­male sind dem gefunden Kinde ganz allgemein eigentümlich, aber das Wachstum bedingt Der-

QUatcrial auS verschiedenen Räumen herbeigeholt werden. Sinngemäh. d. h. so, dah sie tm gege­benen Moment zur Hand finb. sollen alle Ge- btauchsgegenstände auf bewohn fein; auch tor^c man dafür, dah fie wirklich verwendung-fähig sind unb scheide darum alles "Beschädigte fofort au«, um es in Reparatur zu geben.

Don besonderer Bedeutung ist endlich die Arbeitsverrichtung selbst. Da soll kein Schrttt und kein Griff unnütz getan und nicht- über­sehen werden, wo« eine Erleichterung der Arbeit darstellt. Sine genaue Tage-cinteilung ist dazu unerläßlich. Speisenfolgen, die für eine Woche festgesetzt werden, errnögllchen planvoll«- Gin- holen und svstematifche Verwertung der Reste. Dah man haltbare Lebensrnittel vorteilhafter in größeren Mengen einlauft, versteht sich von selbst. Eine Herne, sichtbar in ber Küche angebrachte Tabelle, in ber Datum des Einkaufs und Quan- tum ber Ware verzeichnet finb. gibt einen fichercn Uebcrblid über beten Verbrauch und verbinden, dah Dorräte unbemerkt zur Reige gehen.

Cs braucht heute also, wie man sieht, auch die geplagteste Hausfrau nicht zu verzagen. Denn über das hier Erwähnte hinaus gibt es. nament­lich auch bei der Zubereitung der Spellen selbst, .zahlreiche Möglichkeiten ber Arbeitsverminderung. Und sofern sie den Willen besitzt unb die Energie aufbringt, ihre Hausarbeit im Sinne Taylors zu reformieren, ohne dabei in UebeNreibung zu ver­fallen. die wiederum eine nutzlose Kraftverichwen- dung bedeuteten, kann sie das Mah ihrer Mühen unb ber dem Wirtschaftsbetrieb zu opfernden Zeit beträchtlich verringern. Und welche mit Küchen- unb Hausarbeit beschäftigte Frau wollte baS nicht? ...

was die Hausfrau beim Milchkauf beachten muh.

Don Dr. Dibbern.

Was ist Milch? Unter Milch versteht man nach der Definition des Rahrungsnüttelchemikers das volle Gemelk einer Kuh. Die Milch ist ein Raturprodukt und muh daher in der Beschaffen- hcit in den Handel gebracht werden, in ber sie baß Euter versäht. Wer biesem©emclfc" auf bem Wege vom Erzeuger bis zum Konsumenten etwas zusetzt oder entzieht, macht sich der Rahrungs- mittelsälschung schuldig Wie eine Milchfälschung (Wasserzusatz, Entrahmung oder, was gleichbedeu­tend damit ist. Magermilchzusah) wissenschaftlich nachgewiesen werben kann, soll an dieser Stelle nicht erörtert werden. Der Milchkonsument kann aber versichert fein, dah der Milchchemiker über genügend Hilfsmittel verfügt, eine Milchfälschung nachweisen zu können. ,

Eine Hausfrau beurteilt die Güte der Milch in erster Linie nach ihren physikalischen Eigen- schäften. Sieht ihre Milch blauT h au«, so wirb sie sie das nächstemal zurückweisen. Cie wünscht eine Milch, die beim St«</enlassen eine gute Rahmschichl absetzt. Für sie ist al|ö_ nicht in erster Linie der Geschrnad, sondern bie Hob der Rahm­schicht maßgebend für die 'Beurteilung der Milch Hat diese Art der Beurteilung ihre Berechti­gung? Diese Frage ist nur bebingt zu bejahen. Die bläuliche Farbe beutet in ber Tat barauf hin. dah wir eS mit einer wenig gehaltreichen Milch zu tun haben. Die Undurchsichtigkeit unb bie weihe, manchmal schwach in« Gelbliche, oder bei wenig gehaltreicher Milch ins Bläuliche spielenbe Farbe rührt hauptsächlich von den in ihr schwebenden, mit freiem Auge nicht erkennbaren Fettlügelchen, und auherdcrn von dem. im schwebenden Zustand vorhandenen Anteil ihrer Eiweihkörper und Mi­neralsalze her. 3e fettärmer also eine Milch ist. desto durchsichtiger unb bläulicher Wirb fie. Der Franzose Donn6 hat 1843. von biefer Beobachtung ausgehend, eine Fettgehaltsbestiinmungsmethobe auizubauen versucht. Rach seiner Meinung ist bie Undurchsichtigkeit birekt proportional bem Fett­gehalt. Diese optische Prüfungsmethode auf Fett­gehalt hat sich in unserer Zeit nicht halten können, weil sie von falschen Dorausseyungen ausging. Abgesehen davon, dah auch der kolloidal (im Schwebezustand» befindliche Teil der Eiweiß- unb Mineralstoffe bie Durchsichtigkeit ber Milch ver- änbert. spielt die Gröhe der Fettkügelchen eine große Rolle. 3e feiner die Fettkügelchen einer Milch finb. desto mehr Licht sind sie imstande aufzuhalten. Da aber bie Fettverteilung von

Milchen mit gleichem Fettgehaft zum größten Teil verschieden ist. muh die Methode unsichere unb unzuverlässige Werte ergeben. Sie wirb des­halb in der heutigen Zeit wohl kaum noch au«- geführt.

WaS nun bie Beurteilung einer Milch nach der Höhe der Rahmschicht betrifft, so ist diele fast ebenso unsicher und unzuverlässig. Selbstverständ­lich muß jede Mllch aufrahmen, da da« Fett spezifisch leichter ist al« bie anderen Milch- bestandteile Doch ist die Ausrahrnfähigkeit ber Milchen verschieden. Eine Milch rahmt schnell, bie anbere langsam auf. Es gibt Mächen, deren höchste Aufrahmfähigkeit bei 62 Grad Lelfiu« liegt, um bei einer Temperatur von 65 Grad Eelsiu« an ihre höhere Aufrahmsähigkeit zu ver­lieren Diese Beobachtung ist wichtig für ben Flaschenmilchveririeb von pasteurisierter Milch Wird die Milch bei der Dauer Pasteurisierung (eine halbe Stunde auf 63 Grab) über 65 Grad erhitzt, fo ist die Höhe de« RahinpfropsenS in der Flasche wesentlich niedriger al« wenn sie bei 62 bi« 64 Grad S erhitzt wird. Sine gute Temperaturkontrolle ist für eine solche Anlage also Vorbedingung, jebenfalls solange, bi« da« kau­fen be Publikum aufgeflärt ist.

Für die Küche.

Huhn auf italienische Art. Sin gut gereinigte« Huhn wirb zerteilt, in einer Kasse­rolle mit Butter anlaufen gelassen unb bann auf eine Schüssel gehoben. Zwei Sßlössel gehackter Zwiebel, ein Kaffeelöffel Schalotten, zwei Eßlöffel fein gehadter Champignons sowie ein Kaffee­löffel Petersilie werden in Butter gebünftet. mit etwas Wehl gestäubt, mit Suppe ausgeqossen. mit Salz unb Pfeffer gewürzt unb mit einigen Tropfen Suppenwürze im Geschmack gehoben Dann werben bie Hühnerstüde in biefe Soße zurüdgelegl. weich gebünftet. auf einer Schüssel alS Ragout angerichtet, mit ber Soße übergossen unb mit Butterteig ober DrvtkrvutonS über­zogen.

Weiße Kalbsbrust. 3 Psunb schöne Kalbsbrust wirb in kochenbern Wasser blanchiert, in kaltem abgekühlt unb in eine gut passende Kasserolle gelegt. Dazu fügt man zwei geschälte in Scheiben geschnittene Betersilienwurzeln. einige Selleriescheiben, etwas Zitronenschale. Salz. Ge­würzkörner. sowie 50 Gramm Butter unb soviel dünne Brühe, daß ba« Fleisch eben bebedt ist. und läßt auf gleichmäßigem Feuer langsam weich- dünsten. Hin und wieder muh etwa« Brühe nachgefüllt werden. Wenn bas Fleisch weich und herausgenommen ist, wirb die Brühe durch ein Sieb gerührt, mit einer Hellen Mehleinbrennc sämig gekocht unb mit einem Eßlöffel Weißwein unb Vt Teelöffel Maggis Würze Dollen bet Dann legt man bas in Scheiben zerlegte Fleisch wieder in bie Soße, es barf aber nur darin heiß werben, nicht mehr kochen.

® ebadene Seezungens helfe. Die abgezogenen Seezungen werben von ben Gräten gelöst unb jebe Hälfte in zwei Teile zerleat, die man kurze Zeit rn etwa- Del, Zitronensaft und Gewürzen einlegt, bann abtrocknet. Ganz kleine Champignon- putzt man und schmort sie in Butter im eigenen Safte gar. Eine feuerfeste Form wird bid mit Butter bestrichen, mit ben Seezungen- filet« unb ben Champignons bi« zur halben Höhe gefüllt. Ein helle- Buttermehl wirb mit Kalb­fleischbrühe unb viel saurer Sahne zu gebunbencr Tunke gekocht, mit Salz unb Pfeffer abgelchmeckt. mit bret Eidottern abgezogen unb über Fisch unb Pilze gleichmäßig verteilt. Man legt Butterflöd- chen obenauf, streut eine Mischung von Par­mesankäse unb Semmelkrumen darüber unb bäckt die Speise bei langsamer Hitze lichtbraun.

K a r t o f s el s ch m a r r e n ohne (8 t 500 Gramm gekochte Kartoffeln werben burch bie Presse gebrüdt. bann mittels zweier Gabeln leicht und vorsichtig mit entsprechend Salz unb brei gehäuften Eßlöffeln voll Mehl vermischt unb in Zett knusperig heraus gebacken, wobei bie sich ballenben Kartoffeln mit bem Backschäufel- chen zerkleinert unb zerstoßen werben. Roch besser und audgiebiger al« gewöhnliche« Mehl ist zu diesem Zwecke das stärkchalttge Mondamin. Auch im Geschmacke zu den Kartoffeln paßt das Mondamin sehr gut. Dieser Kartosselschmarren paßt besonders gut zu Sauerkraut.

mitunter sehr aparte Modelle mit seitlichen Schleppen. DaS Stlllleid. weitbauschig mit län­gerem Rock. Complets (Toilette unb Cape aus gleichem Material) und sehr reizvolle, zweifarbig zusammengesetzte Qlbenblleiber au« einer neuen, fliehenden StoffartFleur de soir**, bie den Crepe Georgette noch an Weichheit unb Durch­sichtigkeit übertrifft Für ben Hochsommer wirb bie Epiye bevorzug! werden, in ihrer umschmei­chelnden Duftigleft wirb sie zur gegebenen Som­mert oilettc.

Unter ben Hüten kämpft wiederum ba« Stroh in ben verschiedensten Arten um fein FrühjahrS- unb Sommerrecht. Reben exotischen Strohgeflech- ten lieht man hauptsächlich Bangkok )üte. bie Form wird breiterranbig. bie Linie bewegter, schattierte Samtbänder unb Blumen bilden die zur jeweiligen Toilette abgestimmte Garnierung. Als Uebergangshüte werden Heine, bunte ©ei­benformen getragen. Filz unb Stroh verbinden sich, im übrigen wirb für viele ber biegsame, leichte Filz in farbenfrohen Tönen ber Liebling bleiben.

3m allgemeinen bevorzugt bie Mode Farben. Blau. Rot. Grau in allen Schattierungen, neuer­dings berinftuht Marine unb Schwarz das Mode- bild dieser Saison. Rach diesen Richtlinien wird sich die Modesilhouette von 1927 farblich unb stofflich entwickeln.

Hrbeitsücrmiiiberung im Haushalt.

Don Anne-Marie M a m p e l.

(Rachdruck verboten.)

Geheimer Widerwillen gegen die sich etoig gleid/blcibenbe. eintönige Hausarbeit erfüllt die meisten Frauen und gibt Anlaß, zu erwägen, auf welche Weise diese Arbeit erleichtert., ver­einfacht und angenehmer gestaltet werben könnte. Denn offen sei es getagt auf keinem Tätig­keitsgebiet wird soviel Zeit unb Kraft durch un­zweckmäßige unb gedankenlose Handhabung ver­geudet wie gerade in ber Hauswirtschaft.

Höchste Leistungsfähigkeit bei geringstem Kraftaufwand, dies Ziel ber Wirtschaftlichkett. dem das Arbeitssystem bes Amerikaners Taylor zustrebt. sollte unb müßte auch auf Haus unb Küche Anwendung finden.

Gewiß wirb manche Hausfrau zunächst vor bem Begriff ber restlosen Mechanisierung zurück- schrecken, der mit dieser Methode verbunden ist. Aber wenn sie erst ihre Arbeit durchdacht und vom Heinftcn anscheinend belanglosen Handgriff unb Gerät angefangen, auf ihre Zweckmäßigkeit hin geprüft hat. wirb sie schaudernd erkennen, wieviel Mühen fie sich tagtäglich sinn- unb nutzlos auf erlegte. Beschränkt man biefe Betrachtungen auf die Küche, fällt als erstes bereu oftmals recht ungeeignete Einrichtung auf: Dorbe unb Küchm- rahmen mit Ziergegenständen, die keine andere Ausgabe haben, als immer wieder umständllcher Reinigung unterzogen zu werden: Gebrauchs­geräte wie Reibeisen, Siebe, Kellen und Koch­löffel, die offen auf bewahrt, ebenfalls dem Staub preisgegeben und daher höchst urchygienisch finb; gestickte Borbftretfen und Ueberhandtücher. Kurz lauter Dinge, bie nur als Hindernisse bezeichnet werben können, während bie wirklich moderne Küche, das Laboratorium des Hause«, glatte, leicht zu säubernde Möbel ohne alle Derschnörke- [ung zeigt, staubsicheren Verschluß alles Geschirr-. Linoleumbelag des Fußbodens, der Tisch- und Schrankplatten was leichtestes Aufwischen ver­bürgt einen praktischen, wenn möglich, an die Warmwasserleitung angeschlossenen Aufwaschtisch unb dicht schließende Müllbehälter.

Genaue ilebetlegung fordert auch die Wahl der - Küchenbedarssariikel. Dah sie ben ihnen zu- gedachten Zweck völlig erfüllen, muh schon tm Augenblick ihreS Ankaufs bebaut werden. So weit bie Mittel eS erlauben, müssen Maschinen herangczogen unb Elektrizität nutzbar gemacht werden. Born elektrischen Kaffeekocher biS zum Staubsauger unb von der elektrischen Brot- schneide- bis zur Waschmaschine liefert ja d:e einschlägige 3nbustrie ber modernen Hausfrau unschätzbare Hilfsmittel. x _ n.

Viel gesündigt wtrd ferner durch dte An­ordnung der Geräte. Wie oft muß ein Stuhl erklommen werden, um biefe« ober jene« zu er­reichen; wie häufig bas für eine Arbeit benötigte

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men unb Solo- tn, Aum novl' eines 8eboti8* be Angeb. unter Imelger._______