Gckhrrn Wurde dem älnwersitäis-Lierseua infti= tut nach Gießen eingesandt Dieses (teil' Mt daß tatsächlich Bornasche Krankheit norlaq. Hofmann tarn hiernach um Gewährung einer (Tu schädigung von Vs des gemeinen W.rcs 32C Reichsmark ein. Der Minister des 3nneui cb am 4. August o. 3. die Entschädigung ab. weil eine solche nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht gewährt werden könne. Gesetzliche Borans- sehung der Gewährung einer Entschädigung für ein an Bornascher Krankheit gefallenes Pferd sei, 1. daß der zuständige beamtete Tierarzt die ansteckende Gehirn-Rückenmarksentzündung am lebenden Tier festgestellt hat. und 2 daß das mit der Seuche behaftete Pferd nicht innerhalb 48 Stunden nach der Feststellung des beamteten Tierarztes verendet. Der Beiitzer verfolgte gegen die Entscheidung des Ministers des Innern Klage beim Kreisausschuß des Kreises Schotten, der am 9. Rovember 1926 zu Recht erkannte, daß der Klage stattzugeben und eine Entschädigung von 313,60 Am. dem Tierbesiher auszuzahlen sei. Das Verwaltungsgericht ging bei seiner Entscheidung von der Erwägung aus. daß den Tierbesiher an der verspäteten Anzeige der Seuche leine Schuld treffe, und daß es auch nicht iin Sinne des Gesetzgebers gelegen sei. den Tierhalter darunter leiden zu lassen, daß ohne seine Schuld der beamtete Tierarzt nicht rechtzeitig die Seuche feststellte. Es entspreche ganz besonders der Billigkeit, daß nach dem hier vorliegenden Falle eine Entschädigung aus Staatsmitteln zu gewähren lei. Gegen diese Entscheidung verfolgte der Minister des Innern Berufung an den Provrnzialausschuh mit dem Antrag, das Kreisausschußurteil aufzuheben und die Klage des Hofmann abzuwcisen.
In der mündlichen Verhandlung vor dem Provinzialausschuß wurde Beweis durch Zeugenvernehmung des Tierarztes Dr K ö m p f und Anhörung des Sachverständigen. Professor Dr. K n e l l. Kreisveterinärarzt zu Gießen, erhoben. Ersterer berichtete über den Verlauf der Krankheit, versicherte, daß er am 4. und 5. April nach dem Verlauf der Krankheit nicht den Verdacht auf Bornasche Krankheit gehabt, und daß er diesen erst am 7. April 1926 abends angenommen habe. Der Sachverständige erläuterte die Bornasche Krankheit und die notwendigen veterinärpolizeilichcn Maßnahmen, insbesondere die gesetzliche Bestimmung, warum der beamtete Tierarzt die Seuche noch an dem lebenden Tier feststellen müsse. 3m Interesse einer rechtzeitigen und wirksamen Bekämpfung der Seuche sei in das Gesetz auch noch die Bedingung ausgenommen worden, daß eine Entschädigung dann nicht gewährt Werdern könne, wenn das Pferd innerhalb 48 Stunden nach der Feststellung der Seuche oder Ausspruch des Verdachts der Seuche durch den beamteten Tierarzt eingeht. Der Vertreter des Staatsinteresses. Deterinärarzt Dr. R o ß k o p f - Gießen, begründete im Auftrag des Ministers des Innern eingehend dessen Stellungnahme. die die Versagung der Entschädigung rechtfertige. Darnach könne aus Billigleitsgründen. wie dies das erstinstanzliche Verwaltungs- gericht erkannt habe, eine Entschädigung nicht bewilligt werden. Die Verwaltungsgerichte seien strikte an die gesetzlichen Bestimmungen, wie sie oben ausgesührt sind, gehalten. Die Verwaltungsgerichte hätten die Pflicht, die für Entschädigungszwecke vorgesehenen Staatsmittel lediglich nach den Weisungen des Gesetzes zu vergeben. Eine Rechtsprechung nach Gesichtspunkten der Billigkeit wäre ein Anrecht gegen die an der Aufbringung der Entschädigungsmittel auf dem älmlagewege beteiligte Gesamtheit der Diehhalter. Der Provinzialausschuß gab der Berufung unter Aufhebung des Urteils des Kreisausschusses des Kreises Schotten statt und ernannte dahin, daß der Entschädigungsan- fpruch des Otto Hosmann abzulehnen ist. Die Kosten des Verfahrens einschließlich derjenigen der 1. Instanz wurden dem Tierbesitzer ■yur Last gelegt.
gusanimenschlusi im hessischen Kaffeehausgewerbe.
Unter Mitwirkung des Reichsverbandes der Kafseehausbesitzer und verwairdter Betriebe wurde in Den Räumen des Hessischen Automobilklubs zu Darmstadt von namhaften Vertretern des hessischen Kafseehausgewerbes aus Darmstadt. Mainz, Worms. Gießen, Offenbach, Bad-Rau- heim usw. der Kaffeehausbesiherver- Märtyrer der Liebe.
Roman von I. Schneidcr-Förstl.
37 Fortsetzung. Nachdruck verboten
Sie wurde brennenb rot. Er ahnt, weshalb ich ihn gefragt habe, zitterte sie und machte sich mit einer Handarbeit zu schaffen. Da mußte sie ihm dann wenigstens nicht in die Augen sehen.
„Du darfst es natürlich alles wissen, wo ich mich herumaetrieben habe!" Ein paar dicke Wolken, die er zwischen den weihen, festen Zähnen heroorpasfte. machten eine Pause nötig.
Elisabeths ganzes Innere fieberte feinen Worten entgegen.
„Erst war ich im Krankenhaus und habe eine Bruchoperation vorgenommen, bei der es höchste Zeit war. Aber ich glaube, dah nichts weiter nach kommt!" jagte er ohne jede Eile. „Dann lief ich zu dem Landtagsabgeordneten Dander, dessen Kind hat die Matll- und Klauenseuche."
„Nein!"schrie Ella dazwischen.
„Doch! . . . Warum nicht? . Der Junge trank unabgetochle Milch aus einem seuchenverdäch- tigen Stall ... Da ist es weiter gar nicht verwunderlich!"
„Muh er sterben?" Sie Tranen standen ihr in den Augen. Sie vergaß tot die Minute ganz ihres eigenen Leides.
„Nein! . . . Das heißt, ich hoffe nicht . . . Ein striktes Nein darf man niemals geben. Von dort weg bin ich dann nach Regenbach, aber die Nella hat mich am Tove in Ludwigstal abgefangen und gebeten, einen Sprung ins Herrenhaus zu machen. Anne- marie hatte eine geringfügige Verletzung an dem rechten Ellenbogen. Da hat die Mutter Angst gekriegt. Erst zu toenig und jetzt zu viel. Aber für das Extreme hat die Nella immer etwas übriggehabt. Den Mietwagen habe ich heimgeschickt, denn ihr Wagen ging oynehin leer nach Regenbach. Und da sie sich um Annemarie nicht zu sorgen brauchte, ist sie gleich mitgekommen und hat ihren Maim im Hüttenwerk geholt. Don dort bin ich dann heim, die paar masernkranken Kinder hatte ich rafcb absolviert . . Bist du mm zufrieden ""
band Hessen (Sitz Darmstadt) gegründet. Die bebcuttarne Sitzung leitete Paul Tischler - Darmstadt. Er begrüßte die zahlreich erschienenen M Lcgr. der aus den größeren Städten Hessens
i; per’ - ene Gäste, die als Angehörige des Spcaalg xri'cS aus der Reichshauptstadt, sowie -.u- Frc " ri a M. gekommen waren. Für den ,rfr . । ^saerbandspräsidenten Peter
Stuüv war Verbands direkter W.
Geisth . u . V' . "!• zugegen, der in einem längeren Referat die Wirtschaftspolitik des orger _• . j’; Hausgewerbes
auf die schwierige Lag d . > "or.:ilchen Gewerbes und auf die toir: ”■> Schlag
kraft des ReichSverbandes der Kaffeehausb.-sttzer hinwies, dessen vorjährige Derbandstogsbeschlüsse z. B. wesentlich zur Polizei st undenrefvrm in Preußen beigetragen hätten. Die oerlän- gerte Polizeistunde sei für das Kaffeehausgewerbe eine Rotwendigkeit, was neuerdings auch von Funktionären der Angestellten zugegeben werde. Zum 1. Vorsitzenden des neuen Verbandes wurde einstimmig Paul Tischler- Darmstadt gewählt. Das Amt des 2. Vorsitzenden, des Schriftführers und des Kassenwarts übernahmen Alfred Schmitz-Darmstadt. Leonhardt 3 oest--Darmstadt und Wilhelm Doering- Darmstadt. Ferner wurde der Vorstand noch durch Vertreter des Gewerbes aus Mainz. Worms. Gießen und Bad-Rauheim ertoeitert
Oberhessen.
Landkreis Gietzen
!—! Daubringen, 29. März Der G e - sangverein Dau brigen veranstaltete jetzt als Abschluß seiner Winterarbeit ein gut besuchtes Konzert Die Dortragsfolge brachte eine vortreffliche Auswahl schöner Chöre, die von den Sängern unter der bewährten Leitung ihres Dirigenten. Fortbildungsschullehrers Eberle- Treis, sicher und gut aufgefaht au Gehör gebracht wurden. Frl Gärtner-Kl.- Linden trug mit geschulter Altstimme Lieder von Beethoven und Brahms vor, die mit großem Beifall aufgenommen wurden. Bereichert wurde die Vortragsfolge noch durch einige Musikstücke «Herr Eberle und Frau) und einen kleinen Frauenchor, der einige alte Volkslieder sang. Am Schluß des Abends wurden die Mitglieder Heinr. Hofmann und H e i n r. Zecher für 25jährige Zugehörigkeit zum Verein durch Heber- rcichung von Diplomen zu Ehrenmitgliedern ernannt.
' Mainzlar, 29. März. Am Samstagabend veranstaltete der hiesige Spar- und Darlehnskassen-Veretn (Raiffeisen) feinen diesjährigen Familienabend. Die Mitglieder des Vereins waren mit ihren Angehörigen vollzählig erschienen, auch viele Freunde und Gönner der Ra'ff eisensache hatten sich eingefunden. Rach einer kurzen Ansprache des Dereins- vorstehers Moos sprach Geschäftsführer Haack, Gießen, über: „Raiffeisen und seine Bedeutung für das Genossenschaftswesen", und ermahnte die Zuhörer zum festen Zusammenschlüsse. Einige sehr aut auf geführte Theaterstücke wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Zum Schlüsse gab es Gebäck und Kaffee. Beste Stimmung hielt die Teilnehmer bis zum frühen Morgen beisammen.
z. A l l e n d o r f a. d. Lda., 29. März. 3m Auftrage des hiesigen Kriegervereins sprach Herr W. 3. B e ck e r - Marburg, im Saale des Gastwirts Eberh. Ranft über die Kämpfe um Ppern, an der Somme, in der Champagne, Vormarsch und Rückzugsgefechte 1918. Der Redner, der als ehemaliger Stabsphoto- graph beim Stabe des 26. Reserve-Armeekorps den Krieg mitmachte, zeigte eine große Anzahl schöner Originalaufnahmen aus den Kampfstellungen, sowie Ernstes und Heiteres aus dem Kriegsleben. Der Vortragende erntete lebhaften Beifall.
$ Grohen-Buseck, 29. März. Der De- zirksverein Gr.-Duseck des hessischen Landeslehrervereins hielt am Samstag nachmittag seine letzte Konferenz im lausenden Schuljahr ab, wozu sich saft alle Mitglieder des Vereins eingefunden hatten. Rach der üblichen Begrüßung durch ben Vorsitzenden hielt Lehrer F a h - Alten-Buseck einen lehrreichen Vortrag über das Thema: „Pestalozzi und seine Lehve". Die Ausführungen des Referenten wurden mit großem Interesse ausgenommen. Anschließend fanb eine Besprechung der von den einzelnen Dezirksvereinen zur
„Lehrer-Dertreterversammlung in Offenbach" gestellten Anträge statt. Auf einstimmigen Beschluß soll die erste Konferenz im neuen Schuljahre in Rödgen stattfinden.
t Harbach. 29. März. Jost Scheid von hier und seine Ehefrau Katharine, geb. Bopp, feiern am 2. Avril ihre goldene Hochzeit. Der Ebemann ist 85. die Ehefrau 75 Jahre alt: beide können sich noch einer guten Gesundheit erfreuen.
f Grünberg. 29. Marz. Bei der staatlichen Holzversteigerung der Ober- försterei Grün berg in Atzenhain wurden für Rutzholz per FÄtmeter bezahlt: Eiche 1. Kl. 61. 3. Kl. 60, 4. Kl. 50. 5. Kl. 48 und 6. Kl. ol Mk. Buche 1. Kl. 30. 2 Kl. 32.50, 3. Kl. 44.20 Mt. Kiefern 3. Kl. 35.60. 4. Kl. 38.60 und 5. Kl. 24.40 Mk.: Fichte 3. Kl. 35.60. 4. Kl. 36.94: 5a. Kl. 37.62. 5b. Kl. 30.30 Mk.: Brennholz (Scheitholz) Buche 12.60, Eiche 8.80 Mk Kiefern 8.85, Fichte 6.50 Mk.: Knüp- pol: Buche 8.15. Eiche 5.60, Kiefern 5.50, Fichte 7.40 Mk.: Reisig: Buchen 1.35, Stöcke: Buche 3.60. Eiche 2.40, Fichte 1. Kl 1.45 und 2. Kl. 1 Mk. per Raummeter
Kreis Friedberg
WER. Riederflorstadt, 29. März. Mit einer weiteren Abschreibung von 25 Prozent schließt das zweite Geschäftsjahr des Zweck- verbandesKraftwagenbetriebWet- t e r a u. Die Gesamteinnahmen betragen rund 73 000 Mk.. die Ausgaben 57 000 Mk. Die ver> bleibenden 16 000 Mk. dienen der Abschreibung für die Wageii. die in vier Jahren erneuert werden müssen. Bis jetzt ist es gelungen, die Garan- tiegemeinden vor Zuschüssen zu bewahren. Anfang April wird ein neuer Benz-Autobus in den Betrieb eingestellt, der ungefähr 60 Personen faßt.
* Wohnbach. 29 März. Am Sonntag fand im Saale des Gastwirts Philippi eine Abend- unterhaltung des Vogelsberger Höhenklubs, Zweigverein Horlofftal. statt. Rach der Begrüßungsansprache durch den Vorsitzenden. Kaufmann Acker, folgten in munterer Reihenfolge zwei Theaterschwänke. Lieder und Vorträge. — Der neugegründete Schützen- verein hielt am Sonntag sein erstes P r o beschießen auf den neuerrichteten Schießstän- den ab.
CO Staben. 29. März. (Einem Landwirt wurde eine große Menge Kartoffeln aus einer Miete gestohlen. Cs wurden nach Schätzung 25 bis 30 Zentner entwendet und nur ein kleiner Rest zurückgelassen. Der Diebstahl wurde mit einem Wagen ausgeführt. Hoffentlich gelingt die ileberfübrung des Täters, dem man auf der Spur ist.
Kreis Büdingen.
(j Büdingen, 29. März. Die Landesabteilung Hessen der Rei chszenl rale für Heimat d i e n st veranstaltete hier im Rathaussaale eine von mehr als 100 Personen besuchte Versammlung für alle politisch und wirtschaftlich interessierten Persönlichkeiten des Kreises Büdingen. um wichtige Lagesfragen in ihren geschichtlichen unZ) ursachlichen Zusammenhängen klar und parteilos darzustellen. Es wurden drei Vorträge gebalten. Der erste Redner, Studienrat Stemmer- Kassel, sprach über .Die großen Mächte im Wandel der Rachkriegspolitik", Dr. Meier aus Frankfurt behandelte „Deutschland, Europa und die Weltwirtschaft": zuletzt hielt Reg.-Rat a. D. Dr. Keck, Syndikus der Industrie- und Handelskammer Frankfurt über „Wirtschaftliche, soziale und politische Betrachtungen zum Anschluß Deutsch-Oesterreichs" einen zweistündigen Vortrag. Die Redner fanden großen Beifall bei den Zuhörern. 3n den anschließenden Aussprachen, an denen sich besonders Bürgermeister H i l d n e r und Professor Dr. Fr. Müller, beide von hier, beteiligten, wurde noch manche Frage geklärt. Die Tagung wird sicherlich zu sachpolitischer Llrteilsbildung und Bereicherung staatsbürgerlicher Kenntnisse vieler Teilnehmer förderlich wirken.
* Ri dda, 29. März. 3m Anschluß an den gestrigen Bericht über dieSchluhprüfungan der Aesigen Landwirtschaft l. Schule sei noch mitgeteilt: Direktor Dr. Schad gab w einer Ansprache einen kurzen Rückblick auf das verflossene Schuljahr. Er dankte dem Bürgermeister und dem Gemeinderat der Stadt Ridda für das weitgehende Entgegenkommen, das sie bei der Eröffnung der Schule bewiesen haben
Ein brennendes Rot lag über ihrem erst so bleichen Gesicht. Sie schlug beide Hände vor das Gesiclst und meinte. Weinte aus Scham und Reue und Mitleid mit ihm. So sehr hatte sie ihn erniedrigt. Und er war so gut . o. so gut, und wußte nicht, wie schlecht sie war.
„Nun habe du einmal die Freundlichkeit," jagte er ungehalten, „und erkläre mir, warum du weinst. Ich kann mir's ja denken. Komm, sei vernünftig, mein Häschen," lenkte er ein und zog sie auf seinen Schoß. ,3ch habe dich ein bißchen zur Seite gesetzt die letzte Zeit . . . Sag' nicht nein, Liesl, ich weiß es selbst sehr gut. Mer im Grunde genommen ist dock mein ganzes Arbeiten und Schuften nur für dich!
„Du sollst nicht schuften!" meinte sie auf. „Ich will ja gerne hungern. Ich hab's doch früher auch getan!"
..Und ich und die Hanna und der Chauffeur? Sollen wohl habet mithalten? . . . Was? . . . 'Jlein, mein Häschen. Also du siehst em, daß ich verdienen muß. Das, womit ich als Junggeselle reichte, genügt nun selbstverständlich nicht mehr. Ich will haben, daß jedes satt vom Tische aufstehi . . . Ergo . . . Kannst du dir das nicht zusammenreimen, kleine Frau?"
„Meine Toilettejachen haben ein Riesengeld verschlungen", wandte sie kleinlaut ein.
„Hm. Ist gar nicht einmal so arg. Ich habe mit mehr geregpiet. Schass' dir nun aber auch so nach und nach alles, was du brauchst. Dann reißt es nicht auf einmal ein solches Loch."
Sie griff nach seiner freien Linken und druckte sie gegen ihre heiße Wange.
„Ich will sehen," sprack er nachdenkend, „ob es sich nicht machen läßt, dich hin und wieder mitzunehmen. Aber du langweilst dich tödlich. Das weiß ich schon im vornhinein. Und zumal jetzt im Winter erfrierst du mir ja, wenn du jedesmal im Wagen matten mußt, bis ich zurückkomme!"
„'Jlein, Georg! Ich will nicht mit!" wehrrc sie.
..Das denk' ich mir. Mach' du deinen regelmäßigen Spaziergang alle Tage, das ist entschieden norteilbaftcr für dich. Und nun geh' zu Bett und schlaf dir rote Backen. Dein Weinen heute mar eigentlich nichts als Nervosität. Du sängst etwas zu früh damit an!“
Sie wäre zu gerne noch geblieben. Aber sie fürchtete sich vor sich selbst. Schließlich gestand sie ihm doch noch die Ursache ihrer Tränen und erzürnte oder kränkte ihn dadurch. Also lieber zu Bett.
Am nächsten Abend kam Reichmann verstimmt und wortkarg nach Hause. Elisabeth umsorgte ihn nur um so mehr mit fast hündischer Demut. Er aß kaum ein paar Bissen und schob den Teller beiseite. Als Hanna den Tisch abräumte, wollte Elisabeth ihr beim Hinauslragen des Geschirrs behilflich fein.
„Bleib hier, ich habe mit dir zu reden!" gebot er.
Sie wurde rot und blaß und bot ein Bild grenzenloser Verwirrung. Ähr Anblick wirkte wie das leibhaftige schlechte Gewissen in Person. Kann er meine geheimsten Gedanken erraten? ängstigte sie sich.
„War Hilbertt gestern bei dir?" forderte Reichmann barsck Auskunft und sah unablässig in chr Gestüt. >
Ihre Hände legten sich, stützesuchend, auf die Ecke des großen Ecktisches.
„Und?" fragte er, beide Hände auf den Rücken faltend.
Sie sah ihn verständnislos an. Was wollte er mit dem „Und?"
„Solch eine Schlittenpartie ist wohl schöner und amüsanter als eine mit mir? . . Wie? . . ."
„Georg", bat sie erschrocken und würgte die Tränen hinab.
„Es wäre zum mindesten am Platze gewesen, daß du mir gegenüber eine Erwähnung gemacht hättest," fuhr er fort. ,Lch mußte es erst von Hilbertt erfahren. Was ich davon denken soll, weiß ich nicht. Ich will nicht hoffen, daß das öfter vorkommt!"
Daß sie in ihrer Ratlosigkeit und in ihrem Suchen, wie sie ihn besänftigen könnte, um eine Antwort verlegen war, reizte chn. Eine dunkle Röte kroch seine Stirne hinauf. Seme Hände ballten sich langsam zusammen.
„Es sieht ganz danach aus," warf er ein, „als ob du dich schämtest, dich mit mir auf der Straße zu zeigen. Das hättest du früher bedenken sollen, wenn du findest, daß HUbettt besser zu dir paßt."
Ein paar schwere Tropfen rannen ihr die Wange herunter.
„Heul' nicht schon wieder!" sagte er ärgerlich. ..Wenn du ausfahren willst, dann (ag's, m Hckunst
und durch das erst die Existenz der Schule gesichert wurde, sein Dank galt ferner dem Kreisamt und Kreisausschuß von Büdingen, die durch einen Zuschuß es ermöglichten, die Anstalt auch auf eine finanziell gesicherte Grundlage zu stellen. Die Schule war im vergangenen Winter in der in diesem 3ahre nur bestehenden Unterklasse von 27 Schülern besucht, die sich auf die einzelnen Gemeinden wie folgt verteilen: Ober- Widdersheim 5. Llnter-Widdersheim 5. Ulfa 3 Rabertshausen 3. Wallernhauten 4. Fauerbach 3. Dauernheim 1, Ridda 1, Borsdorf 1. Stornfels 1. Besondere Anerkennung verdient, daß auch Schüler in höherem Lebensalter den Unterricht besuchten, um ihre zu Hau'e erworbenen praktischen Kenntnisse durch eine gediegene Fachbildung zu ergänzen Direktor Dr. Schad ging weiter näher auf den Lehrplan ein und gab einen eingehenden Ueberblick über die Arbeiten des Landwirtschafts- amtes während des Sommerhalbjahres.
„T Ridda, 29. März Die Allgemeine Ortskrankenkasse des Kreises ist bau übergegangen, ob 1. April d. 3 die f»eiv ärztliche Behandlung durch die Kassen- ärzte auch auf die Familie no lieber der Versicherten auszudehnen. Außerdem vergütet sie ein Viertel der Krankenhauspflegekostei, bis zum Höchstbetrag von 100 Mk. MoL hofft mit einer Deitragsleistung von 61/2 Prozent des Grundlohnes auszukvmmcn.
y. A u s d e m R i d d a t a l, 29. Mörz. In bei letzten Tagen zogen täglich größere Schafherden durch unsere Gegend, die von der Winterweiden aus der Mainebene auf die Som- merweiden im nordwestlichen Vogelsberg unk Schwalmtal getrieben wurden. Auch in unserer Gegend bleiben die Schafe schon von nächster Woche an nachts auf dem Felde im Pferch, was als verhältnismäßig früh bezeichnet wird. Das milde Wetter hat aber schon hinreichend Futter für die Herden hervorgebracht. Werkwürdiger- weise geht auch in unserem Tale die Schafzucht immer mehr zurück. Gemeinden, die sonst eigene sehr große Herden Schafe hatten, können nun hundert und mehr Schafe fremder Züchter zu ihrer Herde aufnehmen, damit bi' Kosten der Gemeindeschäferei gedeckt werden. - Ganz plötzlich ist der Preis sürSpeisekar t 0 f f e l n hier gestiegen. Der Zentner kost, jetzt 6 Mark, im Herbst wurden nur 3,50 *2Hc bezahlt
Kreis Schotten.
* Eichelsdorf, 29. März. Unser au. dem 13. Jahrhundert stammendes, daugeschichtltck sehr interessantes Bergkirchlein ist schvi seit Jahrzehnten innen und außen erneut' rungsbedürftig. Da man im Jahre 188' vom Kirchenvermögen 10 000 Mk. als Kirchbau fonds ab trennte und diesen bis 1914 auf rum' 40 000 Mk. gebracht hatte, rechnete man mit de baldigen Aufführung eines Kirchenneubaues um” unterließ alle Derbesserungsarbeilen an der alte, Kirche. Durch die Entwertung der Kirchbaukapitalien ist jedoch der Reubau in weite Fern gerückt und die alte Kirche muh wieder ei' würdiges Aussehen erhalten. Verbesserung bei Heizung, Troctenlegung der Rordmauer, Aus besserung des Fußbodens und Frauengestühls Anstrich des Holzwerks, der Wände und Deck, und Bewurf der Mauern gelten als unaufschiebbare Arbeiten, deren Ausführung das Kreisbauamt Schotten auf 8500 Mk. veranschlagt. Kirchenvorstand und Kirchengemeindevertretung habei nunmehr beschlossen, der Erneuerung der Kirche im Innern und AeuHeren näherzutreten, sofern die bürgerlichen Gemeinden Eichelsdorf und Ober-Schmitten die auf 500 Mk. geschätzten Koste,' der Verzinsung und Abtragung der benötigten Bausumme zu -/, und Va übernehmen.
-i- Rainr 0 d. 29. März. Die Wasser- genossenschaft Oberwald, die das Ziel verfolgt, durch Entsumpfung des an die Ridda grenzenden Geländes die Erträgnisse zu steigern, außerdem aber der Ridda größere Wassermengen zuzuführen, hat jetzt auch für unsere Gemarkung ein Entwässerungsprojekt ausarbeiten lassen, das in der nächsten Zeit ausgeführt wer- den soll. Die Gemeinde übernimmt vorlagsweist die entstehenden Kosten, die später auf die beteiligten Besitzer ausgeschlagen werden. Die von der benachbarten Gemeinde C i ch e l s d 0 r f vorgenommenen Drainagearbeiten sind fast beendet.
—s— Hartmannshain, 29 März Dieser Tage fand hier eine Besprechung des Kreisamts Schotten mit den Gemeinde-
nehm' ich bann einen Mietwagen ober geh' zu Fuß!"
Sie schluckte tapfer ihre Tränen hinab, während er aufftanb und bas Zimmer verließ. Die Tür fiel heftig hinter ihm ins Schloß. Sie verspürte keinerlei Kränkung durch seine Worte. Es war ihr nur recht geschehen. Weshalb hatte sie ihn so grundlos ver bächtigt. Darüber hatte sie vollkommen vergessen, mit ihm von der Schlittenfahtt mit Jörg zu sprechen. E» war ihr eine ganze Entlastung, daß er sie gedemütigt hatte.
Gegen zehn Uhr trat sie in sei« Arbeitszimmer, ihm den Gutenachtkuß zu geben.
„Verzeih' mir, Georg", bat sie, sich über ihn neigend.
Er sah flüchtig auf. ,La, geh' nur!"
„Bitte! Ihre Lippen brannten den jeinigen entgegen.
Das entwaffnete ihn. Er suchte gleichgültig zu bleiben, dog ober in der nächsten Minute doch ihren Kopf zu sich herab unb küßte sie.
,3ch habe ja sonst keinen lieb als dich!" flüsterte sie unb drückte ihr Gesicht beschämt an seinen Hals.
,Lch will's hoffen!" Er lachte schon wieder. „Morgen ist großes Wettrobeln vom Falkenstein. Ich habe Nella ersuckt, dich mitzunehmen, bamit du nicht immer $u Hause sitzt. Wenn ich's ermöglichen kann, hol' ich dich im Waidhaus ab. Außerdem fährst du mir Renkells nach Ludwigstal. Ich erwarte bidj bann im Herrenhaus."
„Danke!" sagte sie darm sttahlend. „Darf ich mit rodeln?"
„Du?" kam es erstaunt.
„Es war nur ein Scherz'." sagte sie hastig.
„Wenn du willst!" Er zuckte die Achseln. . Ich nehme bann gleich den Sanitätswagen mit unb den großen Verbandskasten. Denn mit heilen Gliedern kommst du ja doch nicht herunter von der Höhe. Laß es fein. Es ist gescheiter. Geh' um Gottes willen schlafen jetzt. Was so eine Frau einem Zeit weg nimmt!"
„Komm mit," bettelte sie. „Du bist jo übermüdet, und ich sorge mich so sehr wenn du so angegriffen aussiehst."
Er stieß einen schweren Seufzer aus, erhob sich aber und ging mit ihr in das Schlafgemach hinüber.
(Fottsetzung folgt.)


