Gießener Stadttheater.
(Goethe: „Kaust" I.
Jetzt geht es wieder auf Ostern zu. und also ist die beste Zeit gekommen, ein von der Lheoterleitung ost gegebenes Versprechen ein- sulösen und den „ Faust" herauszubringen Endlich. seit ungebührlich langer Frist, war wieder einmal Goethes mächtiges Wort von der Bühne herab zu vernehmen, und es wurde verkündigt in dem Werk, zu dem die Deutschen seit je (und am liebsten in der Osterzell) gewallfahrtet sind wie zu einem Rationalheiligtum, und in dem sie immer auf- neue wieder ihr wunderbarstes dichterisches Bekenntnis verehren werden.
DaS magische Wesen des im Puppenspiel überkommenen, seltsamen Propheten des deutschen Renaissance-Jahrhunderts zieht schon den Knaben Goethe so unwiderstehlich in seinen geheimnisreichen Bannkreis, daß er sein ganzes gesegnetes Leben hindurch nicht wieder davon lvsgekom- men ist. Die Faustgestalt wird dem Künstlermenschen Goethe zum Wandergcsährten und Le- benSbcglciter. der. oft untertauchend, oft lange verdrängt von der überwältigenden Fülle anderer, fremder Gestalten und geistiger Gesichte, doch je und je wiederkehrt, wachsend mit dem Manne, reifend mit ihm im geistigen Ausmaß, bis er endlich aus den Händen des Greises hervorgeht als Träger einer ins Kosmische vorstoßenden Idee und eines ewig zwischen Diesseits und Ienseits stehenden Lebensgesühls. Die Faust- grstalt wird ein Menschheitssymbol. die Dichtung ein Geschenk an die Welt, das deutscheste freilich. das je über unsere geistigen Grenzen gegangen ist.
Wie nun das Werk seinen Meister tzurchs Qeben begleitet und ihn bis an sein Ende nicht mehr verlassen Hal — noch in den allerletzten Wochen vor dem Tode kehrten Goethes Gedanken zu dem schon versiegelten Manuskript zurück — so hat das Werk auf feinem langwierigen, oft unterbrochenen Werdegang und während seines vielfältigen Sestaltwande^ bis zur endlichen Beise auch die gesamte künstlerische Entwicklung seines Schöpfers mitgemacht und die aus ihr hervorgehenden, einander ablösenden Stilformen in sich aufgenommen: Kindertraum, männliche Deife und Altersweisheil sind in der Dichtung verschwistert. In der legtgültigen Fassung des Ganzen, wie es nach .älrfaust" und Fragment von 1790 als Vollendung vor uns liegt, find die drei geistigen Formen, die Goethes irdisches Dasein mitbestimmt haben — Sturm und Drang. Klassik. Romantik — sehr deutlich wiederzu- stnden, und es ist eines der vielen großen Wun
der. die von der Dichtung ausstrahlen, daß diese drei, die einander ablösend, auseinander entstanden sind urtd gegeneinander sich entwickelt haben, nicht sprödes Stückwerk geblieben sind, sondern vom geistigen Band eines zielbewuhten Künstlerwillens zur überwältigenden Einheit zu- sammengefaht wurden.
Indem wir von dieser äußeren Abrundung und der stilmäßigen Geschlossenheit des Werks sprechen, müssen wir notwendig auch der inneren Einheit gedenken, wie sie über dem mächtig ausladenden Nebeneinander der beiden Teile sinnvoll waltet. Es ist ein oft übersehenes, bedeutendes Verdienst Schillers, die reifste Frucht des spät geschlossenen Freundschaftsbundes der beiden Weimaraner und zugleich die schönste Bestätigung klassischer Geistesgcmeinschaft. dah das Faustwerk heute in der, tiefsinnig Anfang und Ende eines gewaltigen Ganzen zusammenschließenden Form vor uns steht: Schiller hat zum mindesten den ersten Anstoß zu der ideenmähigen Rahmung gegeben, die beide Teile innig verbindet und uns die Dichtung in allen Stücken erst als eine sinnvolle Einheit begreifen läßt. Die Worte des Engel- chores am Ende des zweiten Teiles — „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen ..." — kehren wie ein fernes Echo und eine späte Antwort zum Prolog im Himmel zurück. Die dort zwischen Gott und Teufel geschlossene Wette, und die hier von seligen Geistern gesungene Verkündigung sind wie die äußersten Pfeiler eines weitgespannten inneren Bogens, der die Hälften zur Einheit fügt.
Mil dieser Bemerkung rührt man zugkich an eines der ersten Probleme, denen das Werk uns bis auf den heutigen Tag immer wieder gegenübergestellt hat. Es handelt sich um die äußerliche Kardinalfrage der sinnfälligen Wiedcr- gabe einer Dichtung, die schon während ihrer, über ein Menschenalter sich erstreckenden Enlste- hungszeit den Rahmen des eigentlichen Dramas gesprengt hat. und über die Möglichkeiten des Theaters (nicht mir zu Goethes Zeiten» weit hinausgewachsen ist. Das Problem besteht in der engen Zusammengehörigkeit und in netten Verbundenheit der beiden Teile, wovon oben gesprochen wurde, und in der Unmöglichkeit, beide als Ganzes auf dem Theater darzustellen. Schon feit langem und bis in die jüngste Zeit hinein hat man sich um eine befriedigende Lötung dieter Grundfrage der .Faust"-Dramaturgie bemüht. Alle Ve^uche find aber ebenso zum Scheitern verurteilt wie das berühmte Experiment der .Wallenstein"-Trilogie an einen Abend: sie können bestenfalls zu einem Kompromiß oder einer Rotlösung führen, da nur mit gewaltigen Strei-
Hl 75 Zweites Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Luftfahrt in Spanien.
Don unserem S. W.-Berichterstatter.
Madrid. 27. März 1927.
(Rochdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. >
Von großem Interesse für Deutschland ist die Gewährung der Konzession seitens der spanischen Regierung zur Errichtung eines Zeppelinverkehrs zrvischen Sevilla und Buenos Aires. Der Vater deS Projektes ist der spanische Oberstleutnant Emilio Herreta, der 1920 zu diesem Zwecke die Sociedad Eolon Trasaerea Sspanola gründete, ohne bei der damaligen Regierung Verständnis für seine Pläne au finden Erst Primo de RiveraS Staatsstreich brachte das Projekt aus den Schubladen zweier Ministerien wieder anS Licht, und durch Verwendung des dem Direktorium angehörigen Generals Hermosa wurde es erneut geprüst, um schließlich durch königliche- Dekret vom 15. Februar dieses Jahres aenehrnigt zu werden. ES handelt sich im wesentlichen um folgendes:
3n Sevilla, dem Ausgangspunkt der neuen Fluglinie, auf der ein regelmäßiger Zeppelinverkehr mit Südamerika stattfinden soll, wird ein großer L u s t h a f e n allermodernster Ar! mit sämtlichen dazugehörigen Einrichtungen gebaut. Die Eompania Eolon hat vor Ablauf von vier Monaten der Regierung die Projekte für den «euen Lusthafen zu unterbreiten, mit dessen Bau drei Monate nach Bestätigung der Vorschläge begonnen wird. Die Regierung erteilt der Evm- fcania Eolon das ausschließliche Recht des Luftdienstes zwischen Spanien und Argentinien. Für jede mit Erfolg durchgeführte Reife zahlt der Staat der Gesellschaft 500 000 Peseten bis zu einer Höchstsumme von sechs Millionen Peseten jährllch. Sobald aus diese Weise 30 Millionen ?ezahlt sind, geht der Lustbasen in dasSigen- um deS Staates über. Falls ein regelmäßiger Luftverkehr nicht zustande kommt, erlegt der spanische Staat der Eompania Eolon Den Betrag von 30 Millionen Peseten in Rctten- Fahlungen gleicher Höhe.
Der Verkehr zwischen Sevilla und Buenos Aires wird von zwei Lustschissen unterhalten. während ein drittes Luftschiff jederzeit als Reserve zur Verfügung steht. Zunächst soll monatlich j e eine Hin- und Rückreise Kattsinden; steigt der Verkehr, dann finden die Flüge vierzehntägig oder wöchentlich statL Zur Verwendung gelangen Zeppelin-Lustschisfe von 100 000 Kubikmeter Gasinhalt, 250 Meter Länge, 30 Meter Höhe und 33 Meter Durchmesser, die mit neun 400-l>8-Motoren, von denen zwei zur Reserve dienen, ausgerüstet sind. Jedes Luftschiff kostet 12 Millionen Peseten. Der Luftschiffver- kehr soll zwar in erster Linie dem Brieftransport bienen, außer der 60 Mann starken Besatzung mit den notwendigen Rahrungsmitteln, Brenn- stoss, Post und Waren von 10 Tonnen Gewicht können die Zeppeline aber auch 40 Passagiere besordern: für die im Luftschiff entfprechende Schlafkabinen vorgesehen find. Die Reisedauer wird bei einer Entfernung von 10 000 Kilometer auf 88 Stunden von Sevilla nach Buenos Aires und für die Rückreise wegen des Vorhandenseins von Gegenwinden auf 96 Stunden veranschlagt. Die Luftschiffe, die mit allen zur Ravigatton er- fdrderlichen Einrichtungen, wie Radiotelegraph ufto., versehen find, können bis 132 Kilometer m der Stunde zurücklegen; ihre durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt jedoch etwa 110 Kilometer. Als Brennstoff soll das neue Etan-Gas verwandt werden.
Die Eompania Eolon hat gleichfalls die Verpflichtung, zu gegebener Zeit einen wöchentlichen Luftschisfverkehr für 16 Passagiere, Waren und Post von einer Tonne Gewicht zwischen Sevilla und den Kanarischen Inseln einzurichten. Bei Richtersüllung dieser Bedingung kann der spanische Staat mit einer beliebigen anderen Gesellschaft abschließen und den Flugplatz Sevilla auch für den kanarischen Dienst verwenden.
Rach Vereinbarung mit der Regierung sollen die ersten Probeslüge, wenn möglich noch in diesem Jahre vor sich gehen. Der für diele bestimmte Zeppelin befindet fich in Friedrichshafen m Konstruktion; die anderen beiden Luftschiffe sollen in den neu zu errichtenden Werkstätten in Sevilla konstruiert werden. Dieser Tage weilte auch Dr. Eckener mit Ingenieur Scherz in Sevilla, um mit Oberstleutnant $errera und den anderen Herren der Eompania Eolon daS Gelände für den neuen AervHasen auszuwählen, der voraussichtlich im Rorden Sevillas, einige Kilometer von der Stadt entfernt, errichtet werden wird. Emilio Herrera hat bereits Probeflüge für Januar 1928 in Aussicht gestellt und glaubt, daß biS zur Lrösfnung der Iberv-Amerikanischen Ausstellung in Sevilla der regelmäßige Verkehr gesichert ift
Man rechnete hier allgemein mit der tatkräftigen Unterstützung der argeminischen Regierung. aber dieser Tage wurde die Oeffentlich-
führt. daß ihm weder seitens der Eompania Eolon noch sonst irgendwie konkrete Vorschläge zur Errichtung eines Lust-Post- und Passagierdienstes gemacht worden wären. ES sei daher nicht einzusehen, warum Argentinien nicht die sehr aünftigen Vorschläge von Lat^co^re -- u. a. braucht Argenttnien keinerlei Subvention zu geben, während die französische Regierung dies in sehr ausgiebiger Weile tut (!) — an nehmen solle. Außerdem hat sich Argentinien im Vertrage mit Latscoere daS Recht Vorbehalten, diesen zu kündigen, sobald die Leistungen der Firma sich technisch nicht auf der Höhe zeigen. ES handele sich keineswegs um ein Monopol, und Argentinien sei bereit, jederzeit Vorschläge anderer Gesellschaften, spanischer, deutscher ober welcher Rationalität auch immer, in Erwägung zu ziehen.
Auf diese Erklärung hat Oberstleutnant Herrera erwidert, er sei schon 1921 mit einer technischen Kommission zum Studium dieser An
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feit in Spanien mit her Rachricht überrascht. daß die argentinische Regierung mit der f ranzöfischen Gesellschaft Latöcoöre ein Abkommen über einen Post- und Passagierdienst zwischen Toulouse und Buenos Aires vorbehaltlich der ©endjmigung durch die Volksvertretung unterzeichnet hat. Die Beförderungsdauer von Toulouse nach Buenos Aires und umgekehrt durch Latecoäre beträgt acht 'Tage; der Dienst wird durch Land- und Wasserflugzeuge und zwischen Kap Verde und Sao Paolo durch einen Schnelldampfer besorgt. Auf die spairifchen Proteste gegen dieses Abkommen veröffentlicht der argentinische Gene- ralpostdirektor eine Erklärung, in der er aus-
gelegenheit in Buenos Aires gewesen und hätte auch bei der letzten Anwesenhell des arpentini- schen Präsidenten de Alvear in Spanien mit diesem ausführlich übet die Sache gesprochen. Herrera weist darauf hin, er erkenne zwar an. dah in dem Vertrag mit Latscoöre alle Vorteile auf feiten der argentinischen Regierung feien, es könne aber sein Projekt und den spanisch-argentinischen Luftschissverkehr stark beeinträchtigen. wenn die argentinische Regierung den Lufttransport der Post nach Brasilien. Afrika und Europa gemäß dem Vertrage mit Latecoöre nicht anderen Unternehmungen mit übertragen dürfe, solange letztere Gesellschaft nicht 40 Prozent der Post nach den genannten Gebieten er-
chungen, die der ursprünglichen Gestalt der Dichtung Gewalt antun, der ganze »Faust" in einen Theaterabend hineingepreßt werden kann. Und sell»st dann noch würde die Aufführung von Schauspielern und Zuhörern zuviel verlangen. ES bleibt also nichts anderes übrig, alS jeben Teil für sich zu geben. Man wird sich nur darüber Flor sein müssen, dah jede Ausführung des bevorzugten ersten Teils -- Pakt, akademische Satire, Gretchentragödie — im. Grunde ebensosehr bruchstücchaft wirken muß. wie jene früheren Fassungen, die man alS .Ursaust" und Fragment von 1790 bezeichnet.
Die Aufführung — Bühneneinrichtung und Regie: 3ntcnbant eteingoetter — hinterließ zwiespältige Eindrücke. WaS zunächst toe dramaturgische Fassung angeht, so wurde lobenS- werterweise mit nur geringen Streichungen gearbeitet; von größeren ebenen oder Szenengruppen fehlte nur die Walpurgisnacht, die. obwohl ein nicht unwesentliches Glied des ersten Hauptstückes, gewöhnllch ausgelassen wird und auch am ehesten vermißt werden kann. Slein- goetter ließ ferner die Tragödie mit dem ersten Fausttnonolog beginnen, verzichtete also auf das (motivisch uralte) Theatervorspiel, wie auf den Prolog im Himmel; welche Gründe hierfür bestimmend toaren. wissen wir nicht, können es aber nach dem oben Gesagten nur gutheihen.
Die regiemäßige Behandlung lieh keine klare Entscheidung für eine der beiden möglichen Stil- formen erkennen, überwiegend hatte man die Szenen nach 2Irt des alten Illusionstheaters angelegt: stellenweise war aber dazwischen unvermittelt eine Wendung zur modernen andeutenden und phantasieanregenden Stilbühne wahrzunehmen. Möglich ist im . Faust' beides, man muß nur eine bestimmte Wahl treffen.
Die 21 Verwandlungen wurden erfreulich schnell bewältigt. In der räumlichen Anordnung hatte man den nunmehr schon zur Genüge besannt en Bogen in der Mittelachse bevorzugt: dagegen ist an sich nichts einzuwenden. Aber man sollte ein einmal mit Glück angewandtes Prinzip nicht mechanisch wiederholen; zumal hier nicht, wo der Rund bogen peinlich störend aus dem Rahmen der gotischen Szenerie fällt. Uebrigens wäre für fast alle Bilder der abschließende, obere Bühnenrahmen niedriger und in einigen auch die seitliche Begrenzung lein enges gotisches Zimmer!) mehr nach der Mitte zu verlegen. Ansonsten, eine ganze Anzahl farbig und räumlich glücklich gefaßter Bilder (Löffler; Keim); z. B. vor dem Tor. Gretchenzimmer. Garten. Dom. Straße und CBnrnnen.
Mittwoch, 30. März (927
halte. AuS diesem Grunde möchte Herrera die Klausel durch den Ausdruck »LufttrairSport mit Flugzeugen" ersetzt haben. Aus diese Weise könne ein den Interessen der Allgemeinheit dienender Wettbewerb zwischen der französischen und der spanischen Fluglinie ftattflnben und es dem amerikanischen und europäischen Publikum überladen bleiben, sich der spanischen oder der französischen Linie zu bedienen.
Dieser Interessenkonflikt zwischen der sva- nischen Eompania Eolon und der französischen Latöeoere-Gesellschaft und ihr Buhlen um die argentinische Freundschast bat natürlich für Deutschland insofern Bedeutung, alS Eolon und ihr geistiges Haupt Herrera ihre Projekte auf der Verwendung von Lenklustschisfen nach dem System Zeppelin aufbauen und den Standpunkt vertreten, daß ein regelmäßiger Verkehr über den Ozean, wie er für den Postbienst notwendig wäre, mit Land- oder Wasserflugzeugen zurzeit noch nicht ausführbar ist. Was die Beteiligung der Zeppelinwerft an dem spanischen Projekt anbetrifft, so find auS Deutschland verschiedene Pressemeldungen hierher gelangt, die insbesondere in Verbindung mit der Spanienreise des Dr. Eckener die Vermutung aufkommen ließen, alS ob die Zeppelingesellschaft direkt an dem hiesigen Unternehmen beteiligt wäre. DaS ist von fpanischer Seite dementiert worden, und zwar soll die Friedri3'shafener Werft nur einen Bauauftrag auf ein Luftschiff von 105 000 Kubikmeter für die spanische Heeresverwaltung haben. Dieses Luftschiff soll bereits seiner Fertigstellung entgegen (eben und dann dazu dienen, die erste Versuchsfahrt von Spanien nach Südamerika zu unternehmen, und jedenfalls in den Besitz der Gesellschaft Eolon übergehen. Die späteren für den regelmäßigen Amerikadienst Vorgesehenen sollen unbedingt in Spanien selbst, wenn auch nach den Erfahrungen und Patenten der deutschen Zeppelingesellschaft gebaut werden.
Sine andere LeSart kursiert in Madrid, die allerdings nicht sehr wahrscheinlich Hingt, wonach die Baukosten deS ersten für die Eolon- Gesellschaft bestimmten ZeppelinS auS deutschen Reichsmitteln und dem Ertrag der Eckenerspende bestritten werden. Die Ansicht hat einen Beigeschmack französischer Propaganda.
Die Entschädigung bei Dorna'scher Krankheit. Der ProvinzialauSschuß der Provinz Oberhefsen verhandelte am 26.März außer den an anderer Stelle unserer heutigen Ausgabe berichteten 2Ingelegenbeiten auch über einen Entschädigungsanspruch des Otto Hofmann in Stumpertenrod für ein an an- steckender Dehirn-Rückenmarksent- zündung gefallenes Pferd. ES handelt fich um ein am 9. April 1926 eingegangene» Hengstfohlen. DaS Tier kam am 4. April in Behandlung deS Tierarztes D r. Kömpf in Kestrich. Da es schlecht fraß, entschloß sich dieser Arzt, die festgestellten spitzen Zähne abzufeilen Er behandelte eS am 4. und 5. 2h>ril. ohne den Verdacht zu haben, dah ansteckende Gehim- )lückenmarksentzündung (sogenannte Dornafche .Krankheit) vorliege. Am 6. April wurden auf Anordnung dieses Arztes MaulauSspülungen vorgenommen, und erst am 7. April abends nahm der Arzt an, daß Verdacht auf Bornasche Krankheit bestehe. Cr machte dem 'Veterinäramt Schotten hiervon schriftlich Mitteilung und wies den Tierbesiher an. ebenfalls den Seuchenverdacht anzumelden. Dies tat der Tierbesiher am 8. April früh morgens. Der beamtete Tierarzt in Schotten hatte bereite für jenen Tag über feine Tätigkeit verfügt und konnte erst am 9. April morgens nach Stumpertenrod zur Untersuchung deS Fohlens kommen. Etwa eine Stunde vor Ankunft des Deterinärarttes war daS Tier eingegangen. Danach sand Obduktion des Tieres statt, und das
Schauip, Icrifd) wirkten besonders die ersten Szenengruppen ausfallend schwach. Die Beschwö- rungsverse gaben Anlaß xu ausgiebiger Entfaltung von Donner und Blitz; der Osterspaziergang geriet in den Gruppenauftrinen ziemlich nüchtern und stimmungSloS; auch spätere Teile voll lyrischer Feinheit und starkem inneren Gewicht flössen malt vorüber Und hier ist eindringlich zu wiederholen, was schon bei früheren Klassikeraufführungen zu sagen war: die Regie wird sich angelegen sein lassen müssen; alle Kunst, alle Sorgfalt und unermüdliche Arbeit an die Pflege des Wortes zu wenden. Wo die Aufführung enttäuschte und der Dichtung nicht gerecht wurde, laa eS ganz überwiegend an unzulänglich gesprochenen Versen.
Erst in der dritten Szene, mit dem Erscheinen Mephistos, erhielt die Darstellung Format und inneren Auftrieb; und es ist mehr ate eine Geste der Höflichkeit, wenn wir (Sirrt West ermann (Darmstadt, a. G > aus dem Ensemble heraus- heben und feine Leistung zuvörderst würdigen, hier stand ein Schauspieler von sprühendem Temperament und glänzendem sprachlichen Können zwischen den Kulissen; dieser Beelzebub war bei aller dämonischen Unheimlichkcit ein lebendig erd- Hafter Geist; erstaunlich zu sehen, wie vielfältig das schillernde Wesen de« Untertoeltsfürsten entwickelt wurde. Witz, Spott, Ironie und gallige Satire amgen von dem Rvtgekleideten aus; weltmännischer Geist glitzerte, Verführung lockte, Hohn und Verneinung strömte erkältend aus funkelnden Tiraden und glatten Gesten.
Geffers war Faust; zu feiner Darstellung wurde oben schon einiges bemerkt; für unser Ge- war die ganze Rolle zu schwer angelegt; wohl schienen Wandlung und Verjüngung glaubhaft, aber die in den herrlichsten Versen sich verströmende Flügelsehnsucht deS allzeit zwischen Himmel und Erde schwankenden Zweiseelenmenschen konnte man nur ahnen. Auch der Eingangs- monolog befriedigte nur teilweise. Das Beste bot er in den ersten Gretchenszenen. — Sehr fein und zart die blaffe, blonde Margareten gestalt der Susanne Hehm; sie hatte das ganGlück und Weh der tragischen Mittelfigur auf schmalen Schultern zu tragen und ertastete mit der in- ftndtbaften Sicherheit weiblichen Gefühls die durchbrochenen älmrisfe, Licht- und Schlagschattenflächen ihrer Rolle. Zwei gute Chargen: Dolck (Wagner) unb Jüngling (Marthe); Hanke als Valentin dagegen zerhackte seine Verse, auch Eisig (Schüler) spielte ziemlich primisiv.
Das Haus war erfreulich briucht und bei* sallsfreudia, aber von einer anhaltenden, störenden Anruhe erfüllt. Dr. Th.


