Nr. 254 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Samstag, 29. Oktober 1927
Fortschritt und Rückschritt im Minderheitenrecht.
Bem Dr 5t 3underftorff.
'Unnbet^eitcnpolitÜ ftebt in Ouwi>ü noch immer unter hem Zeichen her (Mtung bet machrpolttifchen ^riiuü* Wohl bot Ne 3bet bet autonrmttti14xn Ul -berfe ;tc roll: k. li, bah n gebt, ben reftl^en tr.-- ich -&-*• ich uplfcfctn ©taat unb W.nderh.1'. au’ dem Q&ege her untedtbieb» loten G le ichstrl l u«g aller ötaatibürgrr. zte.L welcher HatUmalllät, ht rechtlicher unb tatsächlicher Bezfehuna unb bet Garantie her kulturellen Sorten!» müfiung in hem THa’x fortschresiet. öle bat In ben «uge6drigen JVvt.ferur.,]; *e.le ber betaut üb ren. bereit» eine beeile Anhängerschaft gcaxmneu ttoch immer aber Ift h< richt start genug, um tolrflam bat machipoluilch Prinzip bdämplen zu können 3nunerbin bad man. tnenn die iSr.i* Wicklung In bem THafw I ortl chrvilet, bat In ben leLten Zahnen bedachtel ux-rben tonnte, wohl mit einiger Sicherheit ertoarten. bati sich bic neue 3bet zu einer schuxren Bedrohu■ g her Herdchast bei Wacht privzips aus br.n (Miete bet Mlnberh?itenpoli 11l auswachs« wirb.
Das imaufbalt’ame Forsichr en ber 3t« her autonom Mischen M i n derheUeM : it k Ht
deutlich edcnnb.ir Doch Im Anian, )ei lauten- ben 3ahrzehnts herdchtt die Anlicht i*or, bah bie lulhireUe Autonomie sia- kaum merbe In bte Praff s umkQtn la*len. un‘> zwar nicht -u.ent tm Hinblick aus bie verrndntliche Tai ache. buh bl» Ti febiet bic
Herrsche- in. nie unb nimmer nie Onttoldlung betortlger Jnft-tuiIonen er . j.iix-i ■;•<•. i bann ber junge Hationalltätenluiat £ fl I a n b an Jahre 1Ö25 zum edtvi Wale bie fu'.turelfe Au toiu»! |ür btt in leinen Gven-e leben tn
Minderheiten unter Schaffung ge.-Hler Aor- mattDbelltmifmngen für bie Ce rabrütig ter staatsrechtlichen OonberlttUung eihtuj:ic. lourbt txn manchen Seiten bte Befürchtung au je» sprochm. hab ei sich b ?r okscn.-u, um c. 1 Tedv-i) hauble. r-er leb: gl ich al« GInzelsall bewertet zu werben Derbicnt unb her im ,vi von vorrcherein zum Sch leim ixrurtcilt IcL Die weiter.- OniuXdeLu u InbeHc zeigte, bei) Mel. Bdür4Xuimtn in fei er TXHe gerecht- fertig' waren 3m Gegen> l tourfe M'en.a., bah man tat äd» ch in ber kulturellen Hu* ru»t.ic einen likg gdv en bitte. uni c .u
als solche In ben t/hialücr.i i;i.6::iu uirb.am einAugllebern, um ic •' >.*-'*»
ber ter Ötaatinailou .< -? 1 *' 3-' • ' >
Staatsbürger m bei- '£>> A.b.-t am
Cloot*orvh r. emui Ml ft ZU 1 '.len.
Anaesi.ve» fee'MEfe.ingeiis ie» .estläudi'chen •epertm.-r.i»" bildeten lich in fort übrige i eu - LÜlfcheu Aaktonalital<n*i . len IN r o .min CI bedeut« te Gruppen. X« sur ihr 2änb -as gleiche ober ein ähnliches .4.ei erstreiken 2Ln-r auch bte Xegieru.uie > konnd-ni iuf fei Jsm.r an her neue 3bee tm Hinblick <i j* hre -V- beutung nicht vora .. r (bo Hebt > • ‘
erreich im *Segd’1, für bl »enen in Körnte e « 21 nie auf kulturellem» Ge >iei zu schassen, bie über den Aabriieu des cWdnb 1 ■<» ■ iei : r . en.
wohl b-i g» * , .■ •••. CI
stellt. baS t>t< JUinbe ,ik -- C: te 'r- we s. eruKirten unb ■ \ Lx .
nach b gefenge*»cnben f rpe .V ten wahloer. in.gt cid.it».« r < flo -v cher 1- jugebbru'..! bat 2v-<U< d -m, mi» i. ■ • .r Mirtong bie (3hm b.. g ber kulto Im c ’s- Verwaltung zu verlangen.
Bon ben vtaat.ii. bie In jün.dter e flkuorienhening tu er 2)(ri < t . uh. ' ©Inne ter Anlehnung an bie new .-bee 1 m- mei hafe • achtu . i Hier hat .»an bie bte njc.i ." ■ * e
nid) an -,<.i - • )
müht s.ch numnebr. ein'N Leg -X- i ben bevecht glen Sorbe v > c.i i> • ’• xtt.
i^onberheit ber beutf chen 2.ttnNnlxit, >.»
Gießener Gtadttheaier.
»älmän: „tir telarbnbfürftin".
*®te lange das schon her ist Venn uid.i ben Lame» btc'cr bekannte,len Äilmdn-Otxtdlc bßrt ... cs klingt wie em Würchen aus uraltrn Zeiten Aber bann de innl man sich Sommer l 8 aur flüchtigem Sesuch im Alten Lager bei Güler» bog (wer hort war ben schaudert s ned) heut vor bem trostlosen ätnerle. zwischen Ba racken- stabt unb Secr-terplatzöbes — aber oben bi. nach bem Dienst da flötete es aus jeder rauchigen Kantine . Wachen wir s ben Schwalben nach. bau'n wir uns ein Best unb in der Granate" unb tm Garten des .Deutschen Kaisers', da stieh ber Trompeter ins Horn ba siedelten bie Geigei» brausios ..Tanzen möchf ich . stngen möchl' ich unb noch als wtr längst wieder verladen, im überfüll len Trupp, nzug nach b<m Westen rollten, ba ge'chah es. wunderlich genug, zu dieser Zeit an diesem Ort bah einer aus verlorenen, ablrrenbcn Gedanken herai s r?r ich blnfummte, mit halblauter Stimme sich wiegend: ,.®hw nur. das ist die rechte .
Dies war im Sommer 18. bas war bie ..UardassÜrstii.'. unb nun sieht und hört man bas alles heute wieder, unb mar ’inbct. bah sich kaum etwas geändert hat: bic Welod cn Haden ben Är.eg und die bösen 3ahr« nachher Überdauert, und die prickelnbe Esark-aswctse sühn ben Leuten noch wie damals ins Tanzbe-.n. und wetm bie zehn Zvlindermänner ed-cheinen. schwarz-weih. unb die acht Girls, weih-grun. im kurz wippenden Ballettröckchen .die Wadis Dom Ehanton. die nehmens mit der x.icbe nicht io rraaagisch' — bann ha ob daS ganze Parkett gleich mitfingen wollte, und der Gdolg ist eigentlich schon tm ersten Alt gemacht
Zwischen ben sozusagen klassischen unb den allerjüng
unb »Zarewitsch ungefähr hält tic .T’ardas- fürftin“ bic mittlere Linie, ist mutika'..sch so sorg- fältlg gearbeitet wie jene, unb szenisch fo sauber wie dieser, sicherlich eine der gelungenften Schöpfungen Kälmäns. ber wohl wuhte was zu einer wirksamen Operettenpartitur gehört. Die Librettisten Lev Hein unb Deka 3endach sind auch feine Aeulinge mehr unb haben heraus, wie man den Leuten kommen muh. mit ber sorgfältig
cni'prechen Ss verdient in diese« Zusammenhang 2toer!cnmma. hast sich bw Xegieruna em» schlossen Hot. die b.shenge. wenig zuvedä"rge sachliche Grundlage für bw Grnchtung von 2Hm» derhettzenschufen auszugeben unb an thoe Stelle die in diesem ai’.'.c relativ sichere Balls der Statistik ui lenen. Die 2Vt*-:iferung»’la: 1W soll also die Grundlage für die Gnd-cheidung btl» den. ob in einer Gemeinde eine Wbndercheiten-» schule zu entrichten ist oder nicht Auch aus dem Gebiete des Schulrechts leibst steht man m Begriff, insofern eine Jldorm durchzitführen. als man sich '.«emüht, ben dort bevorzugten Top der Bkinderhe tenschufe. den ssgenannten Tdp B. in dem der llnrerncht teils in ungarischer, teils in deutsch r Sprache erteilt wirb, mehr als bisher ui ben Vordergrund zu stellen und den gegenständ, das Ungarisch aber llntrrrichrs- sprache war nach W.-g-'-chfeit aul eituelne Fälle zu be^chrä te Seidstoerständ'..ch gestaltet auch bie Praris hier den lat'ächichen Zustand. Immerhin hat es den Anschin. dah die Aoff- nungen. bw seitens ber Winderchit an diese
tnahgebenb. m rem deutschen Bezirken künstlich tschechische Wehrheiten zu schassen. um bie dntdeutlchungsarvert wirksamer als bisher burchkühreT'. zu können. Sicherlich wird, solange die Deutschen in ber Regierung llHen. das Ge^tz in dieser seiner eigentlichen Tendenz mcht m volleni Wahr aasgrwertet werden. Die wirklich Getahr droht erst in dem Xi*gcnb!iX in beri die einmal aus der Regierung
aus scheiben, ba bann »e»ichs raaebieombe Moment entfälli
Aehnlich steht es in Rumänien, wo man das Mute, ber 5crasiltungirefoem als 3n- strumciu zur Berwirlliching des machtpolut1 chn Gedanfei« schon seit längerer Zell insofern be» nuht. als man eine Reue.nietlung des Landes unter bem leitenden Gesichtspunkt burchaesührt Hai. die bisherige Dezentrali'allvn durch eine g^-radezu ungeheuerlich Zentralisation zu er» sehen und so vor allem bic Selbsti<rwallimg der Siebenbürger Sachten — die übrigens durch einen internationalen Bert rag garantiert ist praktisch zu annullieren 3n der letzten Zeit schim man bur besonders ben Kamps gegen
Kameraden
prei^romon deS Schweizer (Schriftstellers
Felix Moeschlin
beginnt heute im Gießener Anzeiger
Bestellungen nehmen entgegen in Gi.ßen die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers, Schulstraße Jlr. 7, und die Träge« rinnen, auswärts die örtlichen Dertriebsstellen und die Post
Stdorm geknüpft ttx bar Berechtigung nicht entbehren
Auf bet an beten Seitv aber ist das machtvoll t l s che Prinzip auch aul bem Gebiete ter Mtndcrh.iienpv.ltu ui Guropa noch immer stark Man bcnle z B. an 3 t a l i e n. bas saft täglich neue Be vielt ba’ur gibt, wie bie Winderhdten» Ircgc nicht geleit ux'tben kann. ln‘»en< ee näm» sich durch Terror bruta.ster Art die Minder» fic'.tea zum Ausg>.' en Ibrce nationalen Bewuht» eins v»Ingen iö<U, um Id iXm Boden für das enbgüfi ge Ziel ber 2HlimUicnnig unb Gn:- nüfionalilicrunfi zu bereiten. Man denke weiter an die Tschechoslowakei, wo eine Dev- traltun^relorm Tatsache geworden ist. bie das gctchlvlle.'c deutsch.' Sprachgebiet in einer Melle üuftetlt. bte gcra.ezu den natürlichen Grenzen Hohn 'pricht. Hier war offenbar bas Mota»
bie deutsche Intelligenz bzw. gegen die Mull -nulle!.h^enz ül<rhaupl in ben Bar- i»ergt (teilen zu wollen, s.*aä vor allen baraii uetoorge h. tat die Reifeprüfungen, bte ebcnfalL >urch ein min »erhcltenfeindlich's Ge- sev ba» Ion Bukkal ureatsgrsetz geregelt werben, in einer Pfeile erschwert werden, bah noch Nlcht einmal bl« -älfte der Prüslinoe bas Recht zum Besuch der HnloedUüt erhSli.
Le.fer muh In diesem Zusammenhänge auch auf Öübf tarnten hinge- iden werben, bas nach wie vor. troy gelegen!'.ixber Schwankunani. an dem machtpvlitischen Pdnzip sesthält. Srft kürzlich Ist man dort dazu über gegangen, eine !drf*n im vorigen Jahr erlassene Verordnung burchzusühren. die praktisch das Aeckg der Eltern vcrnich:et ülxr die Aationalltät Ihrer Ätnber zu entscheiden unb die damit das Beicht des
freien Bcfemnnnlfes ber Aatumalität. das 5w dämm» ber M inderche-.tenrechte, auf das Schwerst« verletz» Tiefe Windcrdcnenpo!i:ll SüVNaw'.enA Ktgt auf* txw, >rs beweisen vor allem auch e Itorgängc tn 12a Ncöcnttcn unb ihre Auswir» iungei a*4 pol.v.'chem Gebiet nv bte her Stoatsnatwn t*64T.l4) nicht zugehörige Bevölkerung durch den geradezu muteialteriich grau» kamen Terror zu Verzwetflungsaksm grtrtebce rurfe-, welch ges ührl icher Konflikt» stoss tn der falsche Bcpanblung ber Mlnkwo- bettmfrege liegt
Die Gießener Anleihe-Aufwertung.
fltnem Be'ch^.lse der L btvervrdneten-Bcr- 'ammlung vvm K*. September entsprechend hat die Stadtverwaltung am T rn.->-z ben 7NugHebern des vtadtparlamenls eine Vorlaac ul-er dis Auswertung der Anleihen allen Besitze» der Stadt G.ehen zugehrn lasten. Dir halben die Dorlage ihrer auhcrorbcntstchen Michi glct: wegen am Mntwoch «n Wortlaut peröflerulicht. Brnch den pe'ck.luh tkr ©labt» verordn eien unb den daraufhin noiwrndigen Schritt der Stadtverwaltung w.rd lebt eine An» gelegenheit zur veraniworiung»'chweren Aussprache unb Beschlustfalsung gestellt, über bie bisher die Meinungen noch sehr weit auseinander am gen. Auch wenn man — w e wir den Stanbzunkt oertr.t: bah es für d.e Lösung biejer lehr schwerwiegenden Zrage hohe Zeit ist. must man doch bedauern bah bas Aufwer- tungsprodlem gerade jetzt, w.nige Tage vor ber Landtagei^ahl. In ben Dvrbergrund der kommunalpvlit 'chen Schaubühne gerüd: wird Der Beschluß des Stadtparlameniz i'om 30. September duvch ben die Derwaltung aufqesvrdert wurde, noch bis cknde Oktober ihre Auswer- tungsvor'chmge mit^uteilen, kann tm Hinbl.ck auf die Wahl jedenfalls n.cht al» glücklich ^zeichnet werden SS lst zu befürchten, bah die Angelegenheit. d.e eine völlig leiden'chaftslole Behandlung erfordert, allzu lrcht in das Heuer des Mehltampses g.btutb: w.rd wöbet natürlich eine Odrt.gung n ich te.n achlichen Gellet»! punkten unter ll.u'iSnden Not leibta kann. A> r weiten nur hosten unb wünichen. dah man au* allen Se.i. . b.r pvl.il chen Partllen sich äußerste Sellstkiszipttn btch Zrag. g aenüber auferlegt unb c n i. partcip» ist :n 21>. :t. itif unter Aa>- 'chlust der k' hl wagenden Sach:».dlett unuriOstt. Ader auch der Berwalwi.t g.-g-nAber kann em Tdorl be; Bebauern» nicht un:.r. rückt w.r eit, bei Bed derni bar n.-t ba i sie c» erst b s zu bem De'chlust des Stadtparlau ents l. muim l <st. < ü wne d. llcr gewesen, wenn dlese Dor läge schon vor e n.gen Di^naien heraukaekonunen u>-xrc, wobei He von vornher. in den Dor.eil für Ich gehabt hüll, da- bei 'ircr T banbluBg parkt- poldll'che Nützllchk. 11 sg<danken nicht jo nahegelegen Hütten vi« jeyt
Die Auswertui.g»vvri.ige b?r Si-ll» Verwaltung erforl .-ri em'tdtc Heb rl-guug. ntcht nur ht b*»uu tiul die Auf.. .rt.ing an |i . sondern auch hinlichllich unterer -plum cn komu.unaleu Sir.» schaltspxil/eiln l |c. Ml Aecht fa, die Stadtverwaltung )te Begründung ihr*.1 duhoertnnge- üntrage» zu euwm n.nfalsenben *3»pof« über die städtische Mir.schall läge ge'talt.-t Durch btd« überzeugendem Dur'e.^ungen otrb tnwr.l<m Optt- mlften nid Maller tn den Dfe'.n gegolten. Untre TDürbigung ber bered,ttg en Iklar g der Büigar- a e f a m t b e I t ist d.e S abtv-' 'n i zu bem er^.lrtj gekommen, bast unter 1'.i . i B.-r- hültn tm nur die ...tetlllche W n> u u> rtuna von 12.5 Pioz. tc< f. ur ti! Sir lp ll.. arkkchuld hxt 2: Jb d. s- -r: it.n • | 21. 531 Wk fiüt
diese Schuld ist nne A u >g, tnleih. von 2.5 Prozent tkzug e^n. deren 7lewik> rt sich auf ranb 630 000 JRt belauft. Die Gdamiaufwen« buitgen an 3tn’m und Tilgung b-tragen bei Tilgung in 30 3ahren imb bei Nuckzahlung des |it:f a i<n Ölet n Nes (2li.ltocf.ung 12^ Proz 1 5 325 000 Mk. Nimmt man t><jg*-.| - eine Nück- zahiung des k^iachen Nennw.-rtrs (2lu|axrtung
abgewogenen Wi chung zwischen sprihigem unga- nschen Tanzrhh'.hmus. wtencdlchem Plauderton und einigen sentimentalen Lbschiedswvrten. ioo da» ’düüunigc Lachen auf einmal tn ftohweiles Schluchzen übergeht — das ist gerade da» Aich- iige, unb die Hondiung im übrigen, sie ist zu bekannt, als bar man sie erzählen mühte, und zu unbedeutend, als dah cs lich lohnte, viele Morte zu verlieren fw ist. wie Operettenhandlungen zu Dutzenden find: es kommt auch nicht daraus an. wenn die MuNk nur gut ift (Gin gutes Libretto tn schwacher Vertonung hat noch nie ben ckdvlg getragen ) Die Suchorte sind gegeben, toenn man tm ersten Akt erfährt, wie k-hr die fürstlichen Gliern dagegen sind, dah ihr Lohn. Gentleman und Offizier. Nch an .eine vom Tingeltangel" hängt, tvo er doch mit einet 3ugcnMicbe. einer Ebenbürtigen, einer wahrhaftigen Komtesse so gut wie verlobt Ift... und wenn man am Ende befriedigt fest stellen bad. dah trotz übler Aspekte und kollernder Abschiedstranen zuletzt doch alles zurn Besten gekehN wirb, bah. über» Kreu.z. zwei Paare glücklich unter die Hoube gebracht ftnb. unb tausend kleine Engel dazu fingen: habt euch lieb!
Mir konnten, anderweitiger Derpflichtuna halber .der Auführung nicht bis zum Schluß beiwohnen: wenn ffe dis zuletzt die Form der ersten Szenen dewahNe. bann muh sie lobenswert genannt werden Kapellmeister Aess biri- gtene mit edreulicher Verve. Becker» Aegfe hatte Stimmung unb ein flüssiges gut verteiltes vu'ammentofel Die Sylvia Barden gab als jft (vvm Olationaltheater Mannheim 5rteM
T a n n nicht gerade ber weibliche Typ. ben man hier erwartet, aber mit einem stimm!.chrn Einsatz, der über die Anlorderungen dar Partllur beguern hinausgeht, mit einer vollen klaren Höhenlage. und temperamemvoll-rvunnierten TarstellungSmitteln. Steinbrecher lGdwin Nonald) als Partner schien nicht minder in Form unb bei Ssardaslaune wie das AIederskreuz. Pärchen Gras Boni—Komresie Stasi, das von Fr. Lchroeder und Käthe 3 11 e r sehr bübkch gdptclt wurde. E-S machten sich ferner tnn die Aufführung verdient: Hechinger. Lauer (a.G.'. Palik unb Aippolb (a. ® ).
Der Besuch war glänzend: bic ehnnnungbtä Hauke» lieh mchiS zu wünschen übrig. Dr. Th.
Vortragsabend Gustav Wilibald Freytag.
3m Saale ber Buchhandlung Kc.hner gab geflem abend Pros Gustav M. Freytag, der Sohn des Dichrers. aus Manche., etrxni Nezi- tationsabend. der dem edlen Teile der Goethe- scheu Faustdichtung gewidmet war. Der bestimmende Eindruck, den man von ber Veranstaltung mit Helm brachte, ging von ber gewöhnlichen, entschieden bedeutenden rrmemvtechri'chen Leistung des Vortragenden aus. auch wer nicht antodenh war. wird sich llarmachen können, was dazu gestört, die entscheidenden Telle der Tragödie in zweistündigem Vorträge Dollfexmnen frei (ohne Die Hilfe von Buch ober Souffleur) au* dem Gedächtnis -u sprechen und eben nicht nur zu sprechen, sondern als eine lebendige Einheit zu gestalten. Mir schreiben bie Sprvchtolqe ab: Zu- c gmmg — Prolog im Himmel — 1. unb 3. Stu- dierzimmedzene — k. Stzrahenszene — Bei Marche Schwerdtfein — Mold und Höhte - Gretchen cm Spinnrad - 2 Garten'zene ( Äate- w:'a..on»'^ne"> — Zwinger - Dom — Zrüber Ta«, Fell» — Aache, offen Feld — Kerfer
Ml? einem Blick auf diese Szenenveche wirb mar. übedetMi, welche Anforderungen unb welche Schto.edgkeiten ihre veziratodfche Bewältigung verauSketzt unb yu überwind« bat: der einzelne Sprecher nruh die Vielfalt von Figuren. Stimmen und Lienen, den Mechtel der tnnerei Akzente unb äuHeren Schaupläne, die Sinn- ffll'.igfrt räumlich-farbiger Gestaltung der Bühne tn lich verein« und von sich au-strählen laften. er ba? vor ben Thea.« .oraue nur hie Möglichkeit einer ganz urneaeilwn geistigen Durch- >r -.Eina unb den in feiner P«fon yulammen» gefaßten, einheitlichen Milfen ui der tn viele widerstrebende, notwendig gegensätzliche Efemeille g 7'p .Irenen Miedergabe einer Dichtung, die auf dem Theater nie ihr Letztes hergidt. nie sich ganz edchlieh? und eni'chldert. Dabei ist thrn. was zu bedenken unb zu werten ist. mir dn cinzages Mittel gegeben, mit bem er wirken, mit dem er gestalten bad feine Stimme Alle Hilf«, afle Künste, aller Stimmung»zauber ber Bühne bleibt dem Dramenfpoechm auf ban Podium vedagt: selbst bie bescheidenste, hier -ast von selber sich anbieiende llnferstützimg ber M*mrk muh vorn Bortrogstiich verfem« bleib«
Menn man nach dies« Bemerkung« erwägt, wuS etwa ^nem solche- Unter ymm gegenüber ber freie Bortraz einer tt> schm Dichtung bedeutet, z. B. einiger Gesäng. ber Obylfee. wird man bem überreichend ge.ilüdt« Versuch, bte Faust-Dichtung als E.i , i p'echer in einem ben Zul'immxnhang wahrenden, gn>b« Aahmen zu verlebendigen, feine Qtocrfen-ruiv, nicht Derfog«. foimen. Freptag ist ein sehr Intel igeater Sprach- felbner, ber zunächst über die rdvektadlen Voraussetzungen einer überleg*en « riyrrfe- tung und vollkommenen geistigen Vesterrtchung des Neffe gen Stoffes verfügt, er verbindet damit Tragfähigkeit. Umfeng unö bedeutende Mandelbarkett eines Organs, das sprachiechnifch tadellos ge- bilde! ist unb tn zücht roller Schulung ohne Hemmungen gemeistert wird. Unb er besitzt end- l.ch auch was seirven Vortrag über eine rein artistisch zu wertende 'Paradelei ftung hin» auShebt — die Gabe, geistige Dinge eine phan- tal'.canrcgcnbc Gest all gewinnen zu lassen. Gefühltes fühlbar zu machen, also getr1.Ilmnaben Ichruspielertsch zu sprechen ohne die Mittel des Schauipielers: mit einem Mort die Gabe, nickst nur ein Drama mit unterteilten Vollen routiinczt zu monoLoat liercn. lonbem die zeitto» dichterischen Kräfte diefe» Dvamas. fee nicht ans Theater, an Vollen unb ergründe gcJunö« sind, tm durchblutet« Mort -um Jtimgen Mi bringen.
Eine 3ufammenfaffung des Geiamtfeldes, bas bet Abend hinterlfeh. in diesem O'Jtm schein! uns beiangvoCer, al» auf S.n^heite» e-.n-ugehen. wozu überles der Aaam fehlt: es .st fast selbstvedtändllch dah e n Vortrag tote feder mch! auf e-ner ganz aleichmahig« fiutfte ertschen Hohe steht vorn Anfang fe» zum Ende, bah er L-chv> ■ .^rn jen unterworfen ist, beten sich der Sprecher vielleicht selbst kaum betoicht wurde, es ist gerechter, an das zu erinnern, toas mi? unb stellentoeise hervorragmd geriet tn ba Miedergabe: vor allem fee -as'ckJwingende feierliche aSetobil :m Rezitativ der »höre, d« stellenweise verblüffend r-erwirklichten Aollsn wechfel (Studterzimm«, Strahe unb vor allem d.e glänymö gcbahre Szene bei Marthe Schwerdt- lein), sehr fein empfundene sinmnungen, tn ba Dom'zene etwa und im zweiten Teil von .Mald und Höhle". —
Der Bduch feefes DcrtrogSabenbs toae dürft.g: ber heutigen Veranstaltung ist eine beffere Beteiligung fehr yi gfemew. -y-


