Nus der Provinzialhauptstadt.
Vieh en. den 29. September 1927.
Die Reinigungskur im Herbst.
Der Wunsch der Menschen, den Körper von Überflüssigen und schädlichen Bestandteilen zu befreien. besteht wohl zu jeder Jahreszeit. Doch nicht allein der Frühling ist die Saison der ReinigungSluren, auch im Herbst bietet sich eine vorzügliche Gelegenheit, den Körper von unerwünschten Schlacken zu entlasten. Lind zwar sind es die herbstlichen Traubenkuren, mit deren Hilfe es gelingt, im Organismus mit abgelagerten Stoffen gründlich aufzuräumen.
Die Weintrauben eignen sich für solche Zwecke deshalb ganz besonders gut, weil sie im wesentlichen nur Zucker, aber kein Fett und kein Eiweiß enthalten. Mit anderen Worten: eine Nahrung, die vorwiegend aus Trauben besieht, le cutet eine erhebliche Enteiweißung des Körpers mit gleichzeitiger Beseitigung der überflüssigen Schlacken, die von einer — früher genossenen — übermäßig eiweißhaltigen Kost her abgelagert sind. Zudem enthalten die Trau'.-en reichlich Kali und Kalk und vermögen daher die im Organismus aufgespeichertcn reich- li. cn Säuren zu neutralisieren, d. h. unschädlich zu machen.
In der Praxis gestalten sich die Dinge so, daß man zu einer Kost, die gegenüber der normalen an Ciweißgehatt und Brennwert (Kalorien) erheblich ärmer ist, Trauben in großen Mengen hinzugibt. Dieses Borgehen bedeutet zwar eine Art Hungerkur, bei dem jedoch Gefühle der Sättigung durch die Trauben erzielt werden.
Doch nicht allein als Reinigungskur für die Gesunden dienen die beliebten Weintrauben. Auch für eine Reihe von Stoffwechselkranken sind die Traubenkuren geradezu als Heilmittel zu betrachten. Cs kommen in Frage Gicht und harnsaure Diathese, bei denen die von hornfäurebildenden Stoffen freien Weintrauben vorzügliche Erfolge zu zeitigen pflegen. Weiterhin werden Leber- und Rierenleiden durch Traubenkuren vielfach recht günstig beeinflußt. Lind schließlich eignen sich Traubenkuren auch zu Ent- fettungszwecken, wenn der Zuckergehalt der Trauben nicht zu hoch ist und die Deikost im wesentlichen nur aus genau dosierten Mengen mageren Fleische- besteht.
Lieberhaupt sollen bei den genannten Stoffwechselleiden die Trauben den Hauptteil der Kost bilden, die ansonsten fett- und eiweißarm sein muß. Andererseits eignen sich auch stark zuckerhaltige Trauben in Derbindung mit fettreicher Kost recht gut zur Durchführung von Mastkuren, zumal die Trauben appetitanregend wirken.
Als Traubengegenden sind bei uns das Rheinland, das westl. Süddeutschland, Tirol mit Meran und Bozen berühmt: jedoch kann man auch die Traubenkuren daheim durchführen, wenn man sich die Beeren zuschicken läßt. In allen Fällen jedoch, vor allem bei Stvffwechselleiden, ist die Lleberwachung der Kur durch den Arzt unbedingt erforderlich, sollen unangenehme Lleberraschungen vermieden werden.
Wiefecttcv ’ 'ochenmnrktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt daS Pfund: Butter 200 bis 210 Pfennig, Matte
30 bis 35, Käs« (10 Stück) 60 btS 130, Wirsing 10 biS 15, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 bis 15, gelbe Rüben 12, rote Rüben 10, Spinat 30, Römischkohl 10, Bohnen (grün) 20, Llnter-Kohlrabi 6 bis 10. Feldsalat 80, Tomaten 20 biS 40, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 40 bis 80, Kürbis 8. Kartoffeln 4, Falläpfel 4 bis 5, Aepfel 10 bis 15, Dirnen 8 bis 15, Zwetschen 12 bis 15. Preißelbeeren 50. Rüsse 40. junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 biS 120; das Stück: Tauben 70, Eier 16. Dlurnenlohl 20 bis 130, Salat 10, Salatgurken 10 bis 60. Einmachgurken 4 bis 5, Endivien 10 bis 20. Ober-Kohlrabi 5 bis 15. Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 40; das Dund: Radieschen 15 Pfennig.
gur hessischen Gewerbesteuer.
Die hessischen Industrie- und Handelskammern haben zur hessischen Gewerbe st euer folgende Entschließung gefaßt, die der hessischen Regierung, sowie den Parteien des hessischen Landtags übermittelt wurde:
„Die hessischen Industrie- und Handelskammern stehen nach wie vor grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß aus Gründen der Steuergerechtigkeit an der Forderung nach einer endgültigen Deranlagung der Gewerbe- ertragssteuern für die Iahre 1925. 1926 und 1927 festgehalten werden muh. Sollte jedoch diese endgültige Veranlagung aus steuerlech- nischen Gründen nicht mehr durchzuführen sein, so halten sie es für unbedingt geboten, daß baldigst ein Ausgleich der schwer st en Härten erfolgt. Als geeignete Maßnahme schlagen sie vor:
In den Iahren 1925, 1926 und 1927 z u Unrecht gezahlte oder anaeforderte Gewerbeertrags steuern sind aus Antrag zurückzuerstatten bzw. niederzuschlagen, wenn die gezahlten oder angeforderten Gewerbeertragssteuern der einzelnen Iahre im offensichtlichen Mißverhältnis zu den für die einzelnen Jahre bei der Einkommen- bzw. Körperschaftssteuerveranlagung festgestellten gewerblichen Einkommen stehen. Ein derartiges Mißverhältnis ist immer dann als vorliegend anzunehmen, wenn die staatlichen und gemeindlichen Gewerbeertragssteuern eines Jahres zusammen mehr als 20 Prozent des bei der Einlommen- und Körperschaftssteuerveranlagung endgültig festgestellten gewerblichen Einkommens betragen. Für diejenigen Jahre, für welche ein solches Mißverhältnis nachweisbar ist, hat Erlaß oder Rückerstattung der bezahlten bzw. angcforderten Gewerbeertragssteuern insoweit zu erfolgen, als die staatlichen und gemeindlichen Gewerbcerttags- steuern 20 Prozent des festgestelUen gewerblichen Einkommens übersteigen. Die Kammern haben diesen an sich sehr hohen Prozentsatz gewählt, um Im Interesse der Durchführbarkeit ihres Vorschlags den Kreis der Antragsberechtigten auf die am schwersten betroffenen Steuerpflichtigen zu beschränken."
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag. Turnverein von 1846: 8 Uhr, Städtisches Volksbad, Schmimmwettkämpfe. — Modenschau: 4 Uhr nachmittags und 8 Uhr abends, Cafä Leib. — Palast-- Lichtspiele: „Mein Heidelberg, ich kann dich nie vergessen". — Ästoria-Lichtspiele: „Der König der Cowboys".
•* Der PrvvinztalauSschutz für Oberhessen hält am nächsten Samstag, 1. Oktober, vvrm. 8‘/i Uhr beginnend, Im Sitzungssaal deS Regierungsgebäudes zu Dießen eine öffentliche Sitzung ab mit folgender Tagesork»- nung: 1. Klage des DezirksfürsorgeverbandS Hannover-Stadt gegen den Dezirkssürsvrgever- band des Kreises Friedberg auf Erstattung von Llnterstühungskosten deS Ludwig Wengler; 2. Klage des DezirkssürsorgeverbandS der Stadt Gießen gegen den Dezirksfürsorgcverband des Kreises Friedberg wegen Ersatzes von Llnterstühungskosten für Walter Schmidtberger aus Steinfurth; 3. Klage des Dezirksfürsorgeverbands der Stadt Gießen gegen den Dezirksfürsorgever- band deS Kreises Schotten wegen Erstattimg von LInterstühungstosten für WiNi Knauß auS Gießen.
•* Aufhebung einer Kraftpost - strecke. Wie das Postamt Gießen uns mitteilt, wird wegen des andauernd schwachen Verkehrs aus der Teilstrecke Krofdorf—Fellingshausen vom 2. Oktober ab der Krastpostbetrieb zwischen diesen Orlen eingestellt.
** (Eine interessante Fochwerkkon- struktion mit wunderbaren Arabeskenverzierungen wurde jetzt bei dem Ladenumbau und der äußeren Neuherrichtung des Hauses der Firma M c t t e n h e i m e r am Kreuzplatze freigelegt. Beim Abschlagen des alten Verputzes trat dort Fachwerk zutage, das zu den bemerkenswertesten Schöpfungen dieser Art in unserer Stadt zu zählen ist. Im Interesse unseres Stadtbildes wäre es außerordentlich zu begrüßen, wenn dieses denkwürdige Zeugnis alter Baukunst nicht wieder mit einem Verputz verdeckt, sondern in seiner Schönheit sichtbar erhalten würde. Das Haus wäre dann nicht nur eine Zierde des Kreuzplatzes, sondern es würde mit zu den schönsten Punkten unserer Stadt gehören.
’• Hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarken und Gießener Wohlfahrtspflege. Wer bei dem Kaufe von Hindenburg- Wohlfahrtsbriefmarken neben dem Beitrag zu der allgemeinen Hindenburg-Spende noch etwas Besonderes für die G i e ß e n e r Winternothilfe tun will, der laufe die Hindenburg-Wohlfahrtsbriefmarken nur beim städtischen Wohlfahrtsamt in der Gartenstraße. Von dem Llebcrschuß der dort verkauften Wohlfahrtsbriefmarlen verbleiben nämlich 60 Prozent zugunsten der Gießener Winternothilfe dem hiesigen Wohlfahrtsamt. Man sorge also auch auf diese Weise für die Stärkung der Wohlfahrtsmittel unserer Stadt.
" Verbesserungenfür den Wintersport auf dem Hoherodskopf. 3n Ergänzung unserer Rotiz vom 26. September sei noch bemerkt, daß neben den dort genannten Interessenten insbesondere noch als Förderer des Baues eines neuen Sprunghügels sich bewiesen hoben der Herr Rektor der Landes- Liniversität, sowie die Gießener Studentenschaft bzw. der engere akademische Ausschuß für LeibeS- ü6ungen. Vor allem ist es dem tatkräftigen Eingreifen deS letzteren zu verdanlen, daß dem Plan, der erhebliche Kosten mit sich bringt, so bald schon nähergetreten werden konnte.
** Einbrecher am Werk. Der Polizeibericht meldet: Am 20. September, abends gegen 8 Uhr, wurden aus einer Parterrewohnung in der Goethe- straße mittels Cinsteigens durch ein offenstehendes Fenster nachstchenoe Sachen gestohlen: ein blauer
Anzug, «in Paar schwarze Herrenhandschrchc und eine grüne 3agb)oppe. In der Zelt vorn 20. bis 22. Sept, wurden aus einem städtischen Marktkeller im Turmhaus am Brandplatz zum Nachteil einer Gemüsehändlerin li Zentner Zwiebeln gestohlen. In der Nacht 3um 21. d. M. wurden In der Südanlage das Wetterhäuschen sowie die Reformationslinde vor der Iobanneskirche durch Schneiden mittels Messers beschädigt. In der Nacht zum 23. d. M. wurde in der Gewerbeschule in der Kirchstraße ein Diebstahl aus- geführt und 1400 Mk. entwendet. In der Nacht zum 24. d. M. wurden im Asderwea und in der Steinstraße zum Nachteil von zwei Lebensmittelgeschäften zwei gleichartige Einbrüche ausgeführt. Der Dieb stieg in beiden Fallen durch das über der Ladentllr befindliche Oberlichtfenster ein und entwendete das in den Ladenkassen befindliche Bargeld. Am 23. d. M., abends gegen 8 Uhr. wurden aus einem Hofe bzw. ©arten eines Hauses Ecke Asterweg-Steinstraßc mehrere Vorl)änge und ein Ueberbandtuch entwendet. Sachdienliche Mitteilungen yicrzu nimmt die Kriminalpolizei Gießen entgegen.
** Krankenkassen-Ersatzwahl. Am Sonntag, 20. November, findet die Ersatzwahl für die Mitglieder des Ausschusses der Allgemeinen Ortskrankenkasse für die Landgemeinden des Kreises Gießen statt. Für die Arbeitgeber sind zehn und für die Versicherten zwanzig Vertreter zu wählen. Die Interessenten seien auf die heutige Bekanntmachung besonders hinaewiesen.
RDD. Die Reichsbahn sorgt für gute Heizung. Am 2. Oktober tritt bekanntlich ter Wiwerfahrplan ter Deutschen Reichsbahn in Kraft. Schon jetzt hat di« Verwaltung der Reichsbahn Vorsorge getroffen, um eine einwandfreie Heizung der Züge sicherzustellen. Abweichend von den bisher geltenden Vorschriften sollen im kommenden Winter die Llbteile auf eine Wärme von 15 bis 18 Grad gebracht werden. Das Lieberheizen, d. h. eine Temperatur von mehr als 20 Grad, wird unbedingt vermieden werden. Ferner ist vorgesehen, die Heizvorrich- tungen bis zum 31. Mai zu belassen, damit die Züge bei niedriger Auhenwarmc auch noch in den Llebergangsmonaten geheizt werden können. Sämtliche Dienststellen sind auf die sorgfältigste Regelung der Stell- und Drosselventile, sowie auf die Einstellung der Heizkesselwagen besonders hingewiesen worden.
IBeitcre Lokalnachelchlen im 2. Blatt.
Berliner Börse.
Berlin, 29. Sept. (WTD. Funkspruch.) Die im Heutigei, Frühverkehr genannten Kurse weisen überwiegend Abschwächungen auf. Man nennt Farben mit 295,5 Dries, Siemens 291 und Gessürel 292 Dries. Destimmend für diese Abgabeneigung dürsten unbestätig.e G rst/>te betrcfss Ablehnung der Preuslen-Anleihe fein. Am Devisenmarkt nennt man Paris gegen London 124,02, Mailand 89,15, Madrid 27,83 und das Pfund gegen Kabel mit 4,8665.
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Dieter Teil
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wurde noch gefteigert, nachdem wir unseren FabriIc~Neubau bezogen haben. Neuefte Mafchinen find aufgeftellü, die Arbeitsmethoden vereinfache und dadurch die Itnkoften auf ein Minimum herab gedrückt: worden . Die Qualität des Tabaks konnte abermals erheblich verbessert werden . Je mehr wir Unkosten sparen, desto mehr können wir die Güte der verwendeten Tabake heben.
D\e hervorragende Stellung unteres JTaufesÄn der Zigaretten-Induftrie rechtfertigt allein eine/Marke wie
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die an Milde, Aroma und Bekömmlichkeit unüber troffen ifc.


