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Zusammensetzung dieser Standesoertretung der schaffenden, reproduzierenden und pädagogisch wir­kenden Musikerschaft entsprechend waren die Auffüh­rungen nicht von einer so ausgesprochenen Tendenz beherrscht, wie etwa die derInternationalen Ge­sellschaft für neue Musik". Gerade das personell be­gründete Einmünden aller Richtungen in den ästhe­tisch ebenso wie in anderen Gesinnungsfragen voll­kommen neutralenReichsverband" gibt diesem die Möglichkeit, einen Ausschnitt aus der deutschen Pro­duktion zu bieten, der ein zuverlässiges Bild der Ge­samtlage vermittelt. Dieser weite Radius wird ge­genwärtig nur bedingt durchmessen. Großangelegte Musikfeste ließen sich erst in den letzten Jahren, nach­dem der Bund auf breiteste Grundlage gestellt wurde, veranstalten, und so wird das Ausbalancie­render Programme erst allmählich dem deutlich an­gestrebten Ziel näher kommen. Entscheidend wird immer, gleichgültig, ob jung oder alt,links" oder rechts", die Qualität bleiben: hier ist feftzuftellen, daß in den beiden Orchesterkonzerten kein Werk Platz gefunden hat, das die Präsentation in diesem Rahmen nicht hätte beanspruchen dürfen.

Unter den Neuheiten der Orchesterabende machte ein Konzert für Bratsche von Wolfgang v. Bar­tels gute Figur, ebenso ein Znklus von drei In- strumentalstückenSommergedicyt" von Bernhard S e k l e s. Einen lebhaften Erfolg hatten die Goethe- Lieder von Hermann Z i l ch e r. Waldemar von Baußnerns aus dem Manuskript gespielte VII. (Ungarische) Sinfonie, ein formal meisterlich gear­beitetes, glanzvoll instrumentiertes Werk bildete einen zum mindesten äußeren Höhepunkt. Max von Schillings, der auch die Leitung des ersten Kon- zertes hatte, war mit seinem Frühwerk, dem sin­fonischen PrologKönig Oedipus", Josef Haas mit der eingängigen hübschen Variationssuite über ein altes Rokokothema, Felix Woyrsch mit den Böcklin-Fantasien in wirksamer Profilierung ver- treten. In den Kammermusikoeranstaltungen hoben sich neue Streichwerke von Günther Raphael, Max Trapp und Erich Anders heraus. Aus der langen Reihe von Novitäten sind nochPolyphone Studien" von H. W. o. W a l t e r s h a u s e n , Bal­laden und Lieder von Arnold Ebel, einemissa ad Jugem" von Heinrich Lemacher, Gesänge von Hermann Unger und geistliche Lieder von Max Kowalski, schließlich eine Phantasie für Violine und Klavier von Kurt Schubert als die bemerkenswertesten Leistungen anzusühren.

llr. 20t Zweites Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Montag, 29. August 1927

II, , ...........

Bon Professor Dr. P.

Wenn man in Theorie und Praxis von Konjunk- tur und Konjunkturwandel im Sinne der Marktlage und der Absatzoerhältnisse entweder für die ganze Wirtschaft eines Landes oder für einen einzelnen Industriezweig spricht, so denkt man in der Regel immer nur an eine Verschlechterung der wirtschaft­lichen Verhältnisse. Denn eine günstige Gestaltung der Marktlage nimmt der Mensch allenthalben als etwas Selbstverständliches hin, ohne lange darüber nachzudenken, auf welchen Ursachen sie beruht. Nur die ungünstige Gestaltung der Verhältnisse wird für uns Menschen zum Problem, nach dem Worte Hegels, daß die Eule der Minerva ihren Flug erst in der Dämmerung beginnt.

Wenn sich die Konjunktur nach oben entwickelt, dann zeigt sich dies für den Unternehmer und Kaufmann in einem steigenden Eingang von Auf­trägen, und damit gehen in der Regel steigende Preise Hand in Hand. Aber auch wenn das letztere , nicht der Fall fein sollte in dieser Hinsicht herrscht keine Gleichmäßigkeit, vor allem nicht in den ein­zelnen Erwerbszweigen so müssen sich doch da­mit die Erträge bessern, weil mit fteigender Pro­duktion und steigendem Absatz die gesamten Be­triebsanlagen besser und vollkommener ausgenutzt werden und weil, je mehr dies der Fall ist, die Betriebs» und Dertriebskosten auf einen steigenden Umsatz und Absatz entfallen.

Bei einer rückläufigen Konjunktur zeigt sich ge­rade das Gegenteil: geringere Produktion und ge­ringerer Absatz, sinkende Preise und unter beidem leiden in gleicher Weise Industrie und Handel. Frei­lich können hierbei wesentliche Unterschiede, je nach der ökonomischen Eigenart des betreffenden Be­triebs austreten. Die ungünstigen Folgen werden um so verhängnisvoller sein, je mehr das betreffende industrielle oder Handelsunternehmen mit sog. eiser­nen, d. h. nicht mit proportionalen Kosten zu ar­beiten hat. Eiserne Kasten sind dabei bekanntlich die­jenigen, die sich unter allen Umständen gleichbleiben, ganz gleichviel, ob Produktion und Absatz größer oder kleiner sind. Diese eisernen Kosten sind im all­gemeinen um so hoher, je mehr ein Industriezweig mit stehendem Kapital, z. B. mit teuren maschinellen Anlagen arbeitet. Wenn eine Maschine nicht voll ausgenutzt werden kann, muß sie langsamer laufen oder sogar zeitweilig stillstehen, und damit müssen die Kosten der Produktionseinheit wachsen. Analoge Erscheinungen kann man auch im Handel beob­achten, wenn man z. B. an die Miete für Laden und Lagerräume denkt. Damit hängt es zusammen, daß vielfach, nicht immer, der Handel weniger unter einem Konjunkturrückgang zu leiden pflegt als die Industrie, weil der Handel im allgemeinen mit we­niger stehendem Kapital arbeitet. Freilich ergeben sich daraus keineswegs bei einem Konjunkturrück­gang irgendwelche Gegensätze zwischen Industrie und Handel, wir werden vielmehr noch sehen, wie eng gerade bei solch ungünstigen Slbsatzverhältnissen beide aneinander gekettet und auf einander ange­wiesen sind.

Angesichts solcher, bei einem Konjunkturrückgang drohenden Schwierigkeiten ergibt sich dann für Un­ternehmer und Kaufmann eine doppelte Aufgabe. Die eine liegt noch in den Zeiten der günstigen und aufsteigenden Konjunktur, die andere bann, wenn der Konfunkturrückschlag eingetreten ist. Denn schon in den wirtschaftlich günstigen Zelten können Unternehmer und Kaufmann für einen kommenden Konjunkturrückschlag eine gewisse Vorsorge treffen. Das neuerdings so weit ausgebaute Gebiet der Kon­junkturforschung, dessen wichtigste Aufgabe bekannt­lich eine Konjunkturprognose ist, soll ja dazu dienen, den Praktiker des Wirtschaftslebens schon in einer Zeit, in der die Geschäfte noch gut gehen, in der Bestellungen und Aufträge noch reichlich einlaufen, darauf aufmerksam zu machen, daß sich bereits Symptome für einen kommenden Umschwung zei­gen und daß ein Konjunkturrückgang über kurz ober lang zu erwarten ist. Angesichts solcher Symptome, die namentlich vom Geldmarkt ausgehen, sich aber

Ulombert, Gießen.

auch in einem gewissen Hochstand der Preise zu zeigen pflegen, ergeben sich dann für Unternehmer und Kaufmann ganz bestimmte Aufgaben, deren Kenntnis für beide von großer Bedeutung ist. Liegt es doch auf der Hand, daß ein Rückschlag in der Konjunktur für die davon Betroffenen in seinen Wirkungen um so weniger verhängnisvoll und ge­fährlich sein wird, je früher sie in der Lage sein werden, sich auf den kommenden Umschwung einzu- stellen und danach ihre Maßnahmen zu treffen.

Es gibt demnach für Industrie und Handel zwei Phasen der Konjunkturpolitik. Das eine Mal handelt es sich um die Maßnahmen, die sie ergreifen müssen, wenn noch in den Zeiten einer günstigen Markt­lage bei noch guten Absatzverhältnissen die Symp­tome eines über kurz ober lang eintretenben Um­schwunges sichtbar werben, bas anbcre Mal handelt

es to um bas geschäftliche Vorgehen, wenn btefer Umschwung nach der ungünstigen Gelle auch wirk­lich eingetreten (ft.

In ersterem Falle ist es die Hauptaufgabe für Industrie und Handel, nicht mit einem zu großen und teuren Rohstoff- und Warenlager in die schlechte Zeit hineinzukommen. Bei der letzten großen Wirt­schaftskrise, die wir in Deutschland hatten, im Jahre 1900, waltete diese Vorsicht noch nicht. Von einer brauchbaren Konjunkturforschung konnte damals auch noch nicht gesprochen werden, und der Kon- junkturrückschlaa trat deshalb damals in der Form einer scharfen Krise mit sehr verhängnisvollen Fol­gen aus. Von 46 Kammgarnspinnereien, die damals bie Form einer Aktiengesellschaft hatten, haben im Jahre 1900 nur 7 einen Gewinn erzielt, während die übrigen 39 bei 13,3 Millionen Reserven einen

Verlust von 25,5 Millionen hatten. Bei 6 Wäsche­reien und Kämmereien ging vom Jahre 1899 bis 1900 die Dividende von 14,44 Prozent auf 1,79 Pro­zent, bei 35 Spinnereien von 6,66 auf 1,91 Pro Zent, bei 8 Tuchfabriken von 4,62 auf 0,81 Prozent zurück.

Daß von einer solchen Entwicklung in der Indu­strie auch der Handel mitgetroffen werden mußte, liegt auf der Hand. Denn der mit dieser ungünstigen Entwicklung nun einsetzende Preissturz aller Textil­produkte mußte auch den Handel, der auf seinen teuer eingekauften Warenlagern saß, auf das schwerste schädigen. Solchen Gefahren gegenüber kommt es nun nicht allein gegen Ende der Hausse, wenn ein Umschwung erwarten ist, auf große Vorsicht beim Einkauf von Rohstoffen und fertigen Waren an, die ja jetzt auch sehr hoch im Preis stehen. Auch die Bilanzpolitik spielt zur Verhütung der nun drohenden Gefahren eine wichtige Rolle. Es handelt sich dabei vor allem darum so weit das aus steuerlichen Gründen zulässig ist die Lagerbestände nicht mit den hohen Preisen der guten Konjunktur zu bewerten, sondern dafür eine ungünstigere Marktlage, bie auch sicher roieber ein­

mal kommen wirb, zur Grundlage zu nehmen. Wenn dies geschieht, bann werben wenn ber Preisrückgang wirklich eintritt bie bilanzmäßigen Verluste auch viel geringer sein.

In einem neueren amerikanischen Report, ber sich mit biefen Fragen beschäftigt, wirb von zwei Be­sitzern amerikanischer Seibensabriken bas folgende berichtet: Der eine von ihnen, der sich eingehender mit ber Konjunkturentwicklung befaßt hatte, war der Ansicht, daß eine ungesunde Entwicklung Platz ge­griffen habe, die bald von einer Verschlechterung der Marktlage abgelöst werden müsse. Er teilte sei­ner Bank mit, daß seine Betriebe zwar noch voll beschäftigt und fein Absatz sehr gut sei, daß er jedoch mit Rücksicht auf den kommenden Rückschlag nicht mehr auf Lager arbeiten, sondern versuchen wolle, dasselbe rasch zu räumen. Der andere Fabrikant,

Die Schicksalsgemeinschaft von Industrie und Handel im Wandel der Konjunktur.

Das große Heimatblatt

der eingesessenen Bevölkerung Gießens, der ganzen Provinz Oberhessen und des benachbarten preußischen Lahngebiets ist der im 177. Jahrgang erscheinende

Gießener Anzeiger

mit seinen drei in eigener Redaktion bearbeiteten und in eigenem Betriebe gedruckten regelmäßigen Beilagen

Gießener Familienblätter

der Unterhaltung und Belehrung dienend durch sorg­fältig ausgewähtten, gediegenen literarischen Lesestoff

Heimat im Bild

der heimatlichen Landschaft, ihren besonderen Eigentüm­lichkeiten und ihrer Kultur in Bild und Wort gewidmet

Die Scholle

vonFachleulen und Kennern der Heimaterde für dieLand- wirtschaft und Gartenbau treibende Leserschaft bearbeitet

Für die Geschäftswelt, Behörde und Familie, für Wirt­schaft, Handel und Verkehr ist der Gießener Anzeiger

Das große Anzeigenblatt

Landschaft von oben.

Alles fertig?"3a. Der Beamte auf dem Gießener Flugplatz gibt das Zeichen zum Abflug. Der Motor donnert an. Das Flugzeug hüpft mit dem Wind bis zum Ende des Flug­platzes, wendet dann scharf und startet gegen den Wind. Langsam klettern wir empor. Das Auge sieht es, aber für das Gefühl ist die Trennung vom Boden noch nicht vollzogen. Wie von einem hohen Baume aus erwidern wir die Grüße der Zurückbleibenden. Scheinbar ganz dicht gleiten wir über den Wald dahin, die Wipfel der Bäume bilden eine Ebene, auf der wir zu fahren glauben. 2luS Turmhohe sehen wir auf die Dächer von A ö d gen herab. Aoch eine leichte Kurve und dann bringt uns der starke Druck des Bodens gegen die Füße das energische Steigen der Ma­schine zu Bewußtsein. Sie schwankt noch einmal leise m der Horinzontale, und läßt sich dann tragen von den auf unh niedergehenden Wellen des Windes die sie ruhig und sicher nimmt wie das Schiff die Wogen des Meeres. Wir emp­finden erlebnismäßig die nahe Verwandtschaft von Wasser und Luft, die Achnlichkeit der Ge­setzmäßigkeit, der beide Elemente unterworfen sind.

Wälder unter uns, rauchende Schornsteine zur Linken, Lollar. Aoch immer steigen wir Auf einmal senkrecht unten ein gerader Schienen­strang, ein paar Häuser: Das muß der Bahnhof von Allendorf an der Lumda sein. 3a da hinten grüßt auch der Turm von Burg Vordeck. Schon sind wir über den Wäldern des Toten­berges. Aun ist die Trennung von der Erde endgültig vollzogen. Alle gewohnten Sehvor­stellungen sind wertlos. Wir schwimmen über einer unendlichen, einheitlichen Fläche, dem Grunde des Luftineeres, der überall am Rande unvermittelt in die Wollen übergebt. Alle Ein­zelheiten verschwimmen zunächst vollkommen. Man niuß sich erst an die neue Synthese der Schau gewöhnen. Man sieht keine Bäume mehr, sondern nur Wälder, keine Häuser, mir Ortschaften und Städte, keine einzelnen Felder, nur die Gesamt­heit der bestellten Flur, deren verschiedenfarbige Streifen sich voneinander abheben, üleberall tritt an die Stelle des 3ndividuums der Typ. Das einzelne läßt sich wohl durch gedanlliche Analyse rekonstruieren, aber der entscheidende visuelle Ein­druck ist immer typisch. Die Orte erscheinen tote auf den ersten Landkarten, wo man immer das­selbe. ein wenig variierte bildliche Schema für sie

anwandte. Alle unmittelbare Beziehung zu Men­schen wird lediglich durch die Mitfahrenden re­präsentiert. Es ist selbstverständlich, daß sie, wenn auch zufällig, sich sehr wesentlich von der unter­scheidet, deren Grundlage die Zufälligkeit des Zusammenseins in einem Schnellzug-Abteil tft Ganz persönlich ist auch das Verhältnis zum Pi­loten, den man durch die Luke der Zelle, das Steuer in der Hand, immer vor sich sieht.

Wir fliegen über den Ebsdorfer Grund, gerade liegen die Basaltbrüche Dreihausens unter unS. Der Frauenberg erhebt sich durchaus nicht selbständig und eigenwillig in seiner Dasalt- kuppe, wie wir es gewohnt sind, sondern ist nur ein wenig merkbarer Aussatz auf die Kammlinie. die das Becken vom Lahntal trennt. Ein Kirchturm unter uns. um ihn Dächer, auf einem aus Fel­dern und Wiesen aufsteigenden Kegel, Amöne­burg. Einen Augenblick später sind wir über Kirchhain. Wir kreuzen die Main-Weser- Dahn und fahren dann längere Zeit über das Waldland der Wasserscheide dahin. Lichtungen sind darin eingestreut, hellgrün die Wiesen, gelb die Kornfelder. Ortschaften grüßen herauf mit rotleuchtenden Ziegeldächern. Am Horizont der flache Schild des Vogelsberges, übergreifend zu den stärker aufgelösten Kuppen der Rhön, des hessischen Berglandes und des Sauerlandes. Die Landschaft liegt da wie auf einer Relieftarte, die einzelnen Aiveau-Llnterschiede verlieren ihre Selbständigkeit und scharfe Betonung und ordnen sich ein in den Rhythmus der schwingenden, fallenden und steigenden Bodenwellen. Klar He­gen die großen Linien da, die die Kräfte deS Erdinnern und der Atmosphäre dem Antlitz der Erde aufgeprägt haben, im einzelnen dann wieder modelliert durch die Hand des Menschen, der von seinen Zentren aus seine Kraftlinien auS- strahlen läßt.

Hinter uns ballen sich schwere, schwarze Wollen zusammen. Sin paar Tropfen klatschen gegen die Scheiben und gleiten bedächtig hin­unter, einen nassen Streifen hinter sich lassend« Deutlich ist 7 bis 800 Meter unter uns an seinen hohen Schornsteinen das Elektrizftätswerk von Borken zu erkennen. Bald aber liegen die Wollen weit in der Ferne und ein breiter, gold- ner Streifen sonnenbeschienenen Landes leuchtet herauf. Sin hellgrünes, gewundenes Band glänzt, eine alte Stadt zusammengedrängt daneben, Fritzlar und die Eder. Plötzlich wendet sich der Pilot nach uns um und zeigt nach rechts in die

Tiefe. Bei genauerem Zusehen entdecken wir ein paar hundert Meter unter uns ein graues 3nsekt, in derselben Richtung gleitenb wie wir: Es fft das dreimotorige Großflugzeug der Linie Frank­furtHamburg, das uns eine Strecke das Ge­leit gibt

Eine charakteristische rote Eisenbahnbrücke taucht auf, Guntershausen. Schon reckt sich der Herkules auf dem Habichtswald in die Höhe. Wir gehen langsam tiefer. Der Pilot stellt den Motor ab und schnallt sich los. 3n wundervollem, ruhigem Gleitflug geht das Flug­zeug herunter. 3n der Kurve macht der Körper instinktiv bie. 3nnenr.eigung des Apparates mit, ganz hingegeben der Gesetzmäßigkeit dieser Be­wegung. Ohne daß es einem zu Bewußtsein ge­kommen wäre, ist man plötzlich wieder auf dem Doden. Das sonst so selbstverständliche feste Elemerck, das Fehlen des leichten Vibrierens des Apparates, ist einem im ersten Augenblick etwas ungewohnt.

Der Lustboy in Kassel öffnet die Türe, man steigt aus, gibt seinen Flugschein ab, plau­dert noch einen Augenblick mit dem Piloten, einem ruhigen, sehr sympathischen Schwaben, und verabschiedet sich dann von ihm. Vorbei an an­deren Flugzeugen, die startbereit vor den Hallen des Luftbahnhofs aufgestellt sind, neugierig ge­mustert von laffeetrinkenden Ausflüglern, kom­men wir zum Ausgang. Wir drehen uns noch einmal um nach unserem D 366 und sehen gerade, wie ein großer Albatros landet. An der Sperre treffe ich zufällig einen Bekannten, Kriegs­flieger, ber vom Rhön-Segelflug kommt und nach Hause fliegen will. Eine Viertelstunbe später seht uns bas Auto vor dem Kasseler Haupt- bahnhos ab. Dr. H. O. V.

Heftwoche des Reichsverbandes deutscher Conkönftler.

Die Tagung ber Hauptvorstänbe besReichs- oerbanbes deutscher Tonkünstler unb Mul 1 klehrer" in Frankfurt a. M., ftanb Im Zusammenhänge mit einer großen Reihe von Konzerten unb aktuellen, rnusikpädagogifche Fragen behandelnden Referaten. Sie ist dadurch zu einer der bemerkenswertesten Veranstaltungen des an un­gewöhnlichen künstlerischen Ereignissen gewiß nicht armenSommers o e r M u fi t geworden. Der

ber fjd) um den weiteren Gang ber Konjunktur keine Gedanken gemacht hatte und ihr vollkommen ahnungslos gegenüberstand, ließ sich in derselben '»eit von der gleichen Bank zur Ausdehnung seiner Produktion einen größeren Kredit bewilligen. Bald kam der Umschwung und die Preise brachen zu­sammen. Der erste Fabrikant hatte fein Lager ziem- uch geräumt, er hatte noch wenig Außenstände, er war also liquide genug, um der ungünstigen Ent­wicklung ruhig entgegensehen zu können. Der andere dagegen, der noch auf dem Höhepunkt der Hausse seine Produktion ausgedehnt hatte, saß nun auf feinem teuren Lager fest, was für ihn um so schlim­mer war, als nun ein großer Teil der bei ihm ge­machten Bestellungen annulliert wurde. Er war vollkommen illiquide, nicht imstande, den' ihm ge­mährten Bankkredit zurückzuzahlen und mußte Äon- fürs anmelden.

Es liegt auf der Hand, daß in dieser Hinsicht die Verhältnisse für die einzelnen Zweige von In- dustrie und Handel recht verschieden liegen. Denn es macht für die Fratzen, die in dem obigen Beispiel behandelt worden sind, einen großen Unterschied, ob es sich um Stapel- ober Luxusartikel und vor allem bei den letzteren um solche handelt, bie einem star­ken Mobewechsel unterworfen sinb.

Man sieht aber deutlich, daß dabei die Interessen von Industrie und Handel durchaus gleich gelagert sind. Der Handel, der sich in der Hochkonjunktur im Einkauf übernommen hat, wird dann in der De­pression um so weniger kaufkräftig sein. Das, was der Handel der Industrie im Wandel der Konjunktur abnehmen kann, wird der Menge nach um fo gleich­mäßiger sein, je vorsichtiger er beim Einkauf wäh­rend der Hausse gewesen ist. Denn auch das Inter- esse des Fabrikanten geht ja nicht dahin, nun in der guten Zeit so viel Aufträge zu erhalten, daß er kaum mehr liefern kann, und daß er sich zu Be­triebserweiterungen gezwungen sieht, um über­haupt noch liefern zu können. Je mehr eine Unter­nehmung ihre Leistungsfähigkeit auf die anormal große Nachfrag? einstellt, wie sie bei einer über­triebenen Hausse auftritt, ein um so größerer Teil des Betriebes muß dann in der Depression unge­nutzt brach liegen, was alsdann die Rentabilität in der ungünstigen Zeit wesentlich beeinträchtigen muß. Daß aber dann umgekehrt auch von einer gleich­mäßigeren Gestaltung der Konjunktur der Handel ebenfalls wesentliche Vorteile hat, liegt auf der Hand, wenn wir bedenken, daß damit auch eine gleichmäßigere Gestaltung der Preise gewährleistet ist. Beide, Industrie und Handel, haben das aller­größte Interesse daran, daß die Wellenbewegung des Konjunkturablaufs eine möglichst flache wird und daß eine möglichst tzroße Stabilität in die Ab- satz- und Preisverhältnisse kommt.

So sehr aber auch Unternehmer und Kaufmann zu ihrem Teil zu einer ruhigeren Bewegung des Konjunkturablaufs beitragen können, so ist es klar, daß das doch nur innerhalb gewißer Grenzen ber Fall sein kann. Der Wandel guter und schlechter Konjunkturen kann zwar auf diese Weise für die Beteiligten erheblich gemildert, aber er kann nicht beseitigt werden. Die Kräfte, die auf den Wandel der Konjunktur einwirken, es sei nur auf den Wan- del am Kapital- und Geldmarkt verwiesen, sind zu stark, als daß sie durch die Maßnahmen der Wirt­schaft selbst vollständig außer Wirksamkeit gesetzt werden können.

Wenn nun bie Konjunktur umschlägl, bann be­ginnt für Unternehmer unb Kaufmann eine neue Periode ber Konjunkturpolitik. Jetzt müssen alle Be­strebungen bahin gehen, zu vermeiden, daß sich der Absatz zu sehr verringert. Es handelt sich hier Haupt- sächlich darum, eine richtige Preispolitik, von der ja der Absatz entscheidend beeinflußt wird, zu treiben. Um was es sich dabei handelt, das hat ein so er­folgreicher und erfahrener Unternehmer und Kauf­mann, wie H. Ford, in den folgenden Worten ausgedrückt:Es hat keinen Zweck, zu warten, bis die Geschäfte wieder von selbst anziehen. Will ein Produzent seine Auftzabe wirklich erfüllen, so muß er seine Preise herabsetzen, bis das Publikum sie zahlen kann und will. Irgendeinen Preis gibt es immer, den die Käufer, mag die Lage noch so schlecht sein, für irgendeinen Gebrauchsartikel zahlen können und wollen; ist nur der Wille vorhanden, so läßt sich der Preis auch einhalten."