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177. Jahrgang Zrettag, 29. Juli <927
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Ein neuer Erlaß zur Kleinrentnerfrage.
Don Direktorin Dr. Matz, M. d. R.
Nachdem die Durchführung der vom Reichstage Im April beschlossenen Hilfsmaßnahmen -u- gunsten der Kleinrentner infolge des Widerstandes der Bezirksfurfvrgeverbände gescheitert war und die vom Reichstag bewilligten 25 Mil- ionen über drei Monate nutzlos dagelegen und ihrem Verwendungszwecke nicht hatten zugeführt werden können, hat sich nunmehr das Reichsarbeitsministerium unter Abänderung seines früheren Erlasses zu einer neuen Maßnahme veranlaßt gesehen.
Durch den neuen Erlaß werden die 25 Millionen Mark unter Verzicht aus die vom Reichstag beschlossenen, den Gemeinden aufzuerlegen- den Bedingungen der gleichzeitigen Erleichterung in dem Verfahren der Rentnerfürsorge an die Gemeinden zur Verteilung gebracht und sollen unverzüglich den Kleinrentnern als einmalige Hilfsmaßnahme zugute kommen. Die einmalige Beihilfe erfolgt in der Höhe eines Monatssatzes, und zwar des vollen Richtsatzes für den betreffenden Dezirksfürsorgeverband. Falls der tatsächliche Rentensatz im Juli über diesen Richtsatz hinausging, so ist dieser letztere höhere Betrag zu gewähren. Mit Rücksicht auf die Tatsache, daß manche Gemeinden außerordentlich geringe Richtsätze für Kleinrentner ausgestellt haben — wie sich mit erschreckender Deutlichkeit aus einer Zusammens!ellung der Richtsätze durch das Reichsarbeitsministerium im Rooember 1026 ergab _—, ist der Mindest betrag der Beihilfe für Einzelstehende auf 30 Mk., für ein Ehepaar auf 50 Ml., für zuschlagsberechtigte Kinder auf 10 Mk. festgesetzt worden. Wichtig für künftige Regelung und im Ausblick auf ein Rentner- Versvrgungsgeseh ist die ausdrücklich ausgesprochene Begrenzung der Beihilfe aus den Kreis der eigentlichen Kleinrentner (Kapitalrentner) ohne Gleichgestellte. Es ist zu erwarten, daß nunmehr die Kleinrentner nach der langen Verzögerung endlich in den Besitz der schon vor drei Monaten bewilligten Reichszuschuhmittel gelangen.
Günstig für die Rentner ist auch, daß auS diesen Mitteln statt der ursprünglich vorgesehenen monatlichen geringen Erhöhung der Rente auf einmal ein voller Monatsbetrag gezahlt wird.
3m übrigen bedeutet der Erlaß aber einen Rückzug- das muh mit aller Offenheit fest- gestellt werden. Festgestellt werden auch nochmals, dah die Bewilligung der 25 Millionen Mark nur einen Teil der Beschlüsse des Reichstages darstellte, und dah nach dem klar ausgesprochenen Willen des Reichstages gleichzeitig die für die Rentner unerträglichen Bedingungen der Fürsorge (Rückgriff auf das Vermögen, Abschluß von Verpfändungsverträgen, Anrechnung des Arbeitsverdienstes u. a.) geändert werden sollten. Was damals zugunsten der Rentner beschlossen wurde, steht fest. Da die Durchführung dieser Beschlüsse in der damals gewählten Form nicht möglich gewesen ist, bleibt diese sich aus den Reichstagsbeschlüssen vom April ergebende Verpflichtung nunmehr auf anderem Wege zu erfüllen. Dieser Weg kann trotz allen Widerstrebens und der großen Schwierigkeiten, die nicht verkannt werden sollen, nur in der Richtung auf eine Lösung der Rentner von der „Fürsorge" und auf ein selbständiges Rentnerv ersorgungsg es eh liegen. Die in dem Erlaß des Reichsarbeitsministeriums am Schluß gegebenen Anregungen an die Länder-Ministerien aus vermehrte Aufsicht über die Fürsorgeverbände mit Benennung einzelner Deschwerdepunkte werden voraussichtlich wenig Gegenliebe finden und sind kein bindendes Recht. Auch die vom Reichstag im April geforderte Denkschrift über die Möglichkeit eines Rentnerversorgungsgesehes hat das R.A.M. bis heute noch nicht herausgebracht.
Der Widerstand gegen ein Rentnerversor- gungLgesetz liegt im wesentllchen in der Schwierigkeit und LIngeklärtheit der Materie und der Rückwirkung auf andere Kreise, daneben auch in der Frage, wieviel versorgungsberechtigte Kapital- renter und damit welche Beträge für das Reich in Frage kommen. Weitere Schwierigkeiten ergeben sich hinsichtlich der Frage, ob das Gesetz auf dem Entschädigungsprinzip oder auf dem Versorgungsprinzip aufgebaut oder in einer Vermischung beider Gedanken gestaltet werden soll. Um die sachliche Klärung der ganzen Frage hat sich der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge besondere Verdienste erworben, der zur Beratung eine Kommission eingesetzt hat, in der Vertreter der Behörden, des Deutschen Rentnerbundes, Abgeordnete und sonstige Sachverständige gemeinsam beraten werden. Jedenfalls wird jetzt nach dem Versagen der bisherigen Methoden di« Frage des Rentnerversorgungs- gesehes nicht mehr zur Ruhe kommen, um endlich eine würdige und angemessene Versorgung der Rentner zu erreichen.
Das Rentnerversorgungsgesetz.
Berlin, 28. Juli. (TU.) Der Deutsche Rentnerbund veröffentlicht eine Erklärung, in der er ein Rentnerversorgungsgesetz fordert, das den durch die Inflation ihrer gesamten Existenz beraubten Rentnern einen klagbaren Rechtsanspruch auf eine nach dem ehemaligen Vermögen gestaffelte Rente sichert. Weiter heißt es, dah die hierzu erforderlichen Mittel der Reichshaushalt unschwer tragen könne. Die beabsichtigte Hilfsaktion des Reichstages — bedingte Dotation von 25 Mil-
die Voraussetzungen der Rheinlandräumung erfüllt.
Eigener Drahtberichl des .Gießener Anzeigers'.
Berlin, 29. Juli. Die beiden Militärattaches, die in Begleitung von General Pawelß die zerstötten Ostunterstände besichtigt hatten, haben nunmehr ihren Bericht vor der Botschafterkonferenz vorgebracht. Damit ist endgültig der R e st p u n k t, der in der Januarnote der Botschafterkonferenz noch angeführt wurde, liquidiert worden. Der anoere Punkt in der Januarnote der Botschasterkonferenz, nämlich das Kriegs gerätege'setz, ist ja bereits vor Beginn der Sommerpause des Reichstages durch fast einstimmige Annahme im Reichtag erledigt worden. Somit hat nunmehr Deutschland in jeder Beziehung den Abrüstungsforderun- g e n, wie sie der Versailler Vertrag oorschreibt. Genüge getan. Daß es von selten der Botschasterkonferenz zu keiner Generalquittierung mehr kommen würde, war oorauszusehen. Sie ist ja im wesentlichen nicht mehr notwendig, denn die Botschafterkonferenz hatte ja schon seinerzeit im Januar festgestellt, daß eben Deutschland mit Ausnahme dieser beiden Punkte die Entwaffnungsforderungen re st los erfüllt hat.
Damit ist nun der Zustand eingetreten, der für die Rheinlandräumung zur Voraussetzung gemacht wird. 3m § 431 des Versailler Vertrags heißt es, daß es zu einer vorzeitigen Räunrung der Rheinland« kommen kann, toerm Deutschland auch früher als vorgesehen, seine Abrüstungsverpflichtungen erfüllt hat. Deutschland könnte somit jetzt unbesorgt an Den Völkerbund, denn so geht der Weg, den Antrag stellen, die Rheinlandräumung zu beschließen. An und für sich dürfte es gar nicht notwendig sein, daß Deutschland noch einen Antrag stellt, denn wir haben nach Versailles bereits ein Locarnv gehabt. Es bedürfte also keineswegs eines solchen Schrittes seitens Deutschlands, vielmehr wäre es jetzt reichlich Zett, wenn die Geste von Frankreich ausginge, das damit am eindeutigsten beweisen würde, dah es ihm um den Geist von Locarno ernst sei. Poirr- car6S Reden allerdings sprechen nicht sehr dafiir, und es wird Wohl Deutschland auch nicht« anderes übrig bleiben, als einen solchen Antrag unter Berufung auf § 431 des Versailler Vertrags zu stellen. Die Zett ist jedenfalls jetzt gekommen. Die nächsten Monate werden deshalb in dieser Hinsicht toeittragenbe Entscheidungen zu bringen haben. Welchen Schritt die deutsche Reichsregierung unternehmen wird, steht noch dahin, sie wird aber kaum umhin können, schon im Interesse der deutschen Oeffentlichkeit, nunmehr auf das Energischste auf eine Räumung der Rheinland« zu dringen. Diese Tatsache muß man unbedingt festhalten, will man die Situation, die sich, nachdem die Botschasterkonferenz den Bericht angehört hat, ergeben hat, begreifen. Die Rheinlandräumung ist jetzt die Forderung des Tages.
England gegen die Räumung?
Eine merkwürdige Nnterhauserklärung.
London, 29. Juli. (TU.) 3m Unterhaus erklärte aus eine Anfrage des Abgeordneten Kenworthy im Auftrage der Regierung Locker- Lampson, die Lolschafterkonferen; habe den Bericht der militärischen Sachverständigen, der durchaus zufriedenstellend gewesen sei, gutgeheißen. Die Abmachungen jedoch, die zum Rückzug der interalliierten militärischen Kontrollkommissionen aus Deutschland sührten, hätten sich n i ch t n u r a u f die Schleifung dieser Fe st ungen bezogen, sondern auch aus gewisse andere Punkte in der Entwaffnung Deutschlands. Diese punkte seien noch nicht zur völligen Zufriedenheit durch geführt, und bis zu ihrer Durchführung könne nicht erklärt werden, daß die im Frie- densvertrag vorgesehene bzw. beabsichtigte deutsche Abrüstung vollendet sei. Locker-Lampson fügte hinzu, die Besetzung des Rheinlandes sei unter Artikel 428 des Versailler Vertrages eine Garantie für die Ausführung dieses Vertrages, und die Räumung dieses Gebietes sei auf Grund der Art. 429 und 431 des Vertrages abhängig gemacht von Deutschlands Erfüllung feiner Vertragsverpflichtungen im allgemeinen und nicht nur derer, die sich auf die Abrüstung bezogen.
Militärattaches.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Änzeigers'.
Berlin, 29.3ult. Das Reichswehrministerium hat beim Reichskabinett den Antrag auf Wiedereinführung der früheren 3nftitution der Militär- und Marineattachös gestellt. Das Kabinett hat sich noch nicht entschieden, sondern die Frage bis zum Herbst auf Eis gelegt. Aber der Gedanke, dah Deutschland wieder Militärattaches entsenden könnte, hat in gewissen Kreisen schon einen Sturm der Entrüstung entfacht. Weshalb eigentlich? Run, es wird gesagt, wir hätten früher mit den politischen Offi
zieren^ nicht immer gute Erfahrungen gemacht und es hätte auch an Reib ungen zwischen den Ressorts des Militärs und des A u sw artigen Amtes wegen der Attaches und ihrer Berichterstattung nicht gefehlt. Das mag zum Teil zutreffend sein, aber schließlich kann man doch nicht eine Institution deswegen zerschlagen, nur weil sie in einzelnen Fällen versagt hat: versagt hat auch nur deshalb, weil die Persönlichkeiten, die an der Spitze der Aemter standen, den Ausgleich nicht fanden oder die sachlichen und persönlichen Möglichkeiten der Attaches nicht entsprechend auszunuhen wußten.
Prakttsch kann doch kein Zweifel darüber bestehen, dah die Attaches für Heer und Marine nützlich und notwendig find: lediglich aus Prestigegründen würden die übrigen Großmächte an der Einrichtung zweifellos nicht festhalten, und die Tatsache, daß gerade England uns zur Wiederherstellung dieser 3nstitution auch bei den deutschen Botschaften aufgefordert hat, läßt doch mancherlei Rückschlüsse zu. Der unmittelbare Verkehr der Offiziere ergibt oft genug Gelegenheiten, Mißverständnisse auszugleichen, und wir tonnten uns vorstellen, daß Sie ganze Erledigung der Entwaffnungsformalitäten wesentlich anders verlausen wäre, wenn ftuge deutsche Offiziere an der Botschaft in England gesessen und dort Gelegenheit gehabt hätten, in regelmäßigem Verkehr mit englischen Offizieren ausklärend zu wirken.
Für die Zukunft kommen nach Abschluß der ganzen Entwaffnung solche Möglichkeiten nicht mehr in Frage, dafür bieten sich aber andere Aufgaben: Die Versailler Bestimmungen haben uns auch technisch in der Bewaffnung und zum Teil sogar in der Verteidigung starke Beschränkungen auferlegt;
Die Wiederaufnahme der Besprechungen.
Genf, 28. Juli. (Wolff.) Der brittsche Mariue- miniffer öridgeman und Lord Lecll sind heute wieder in Genf dngekoffen. Die Besprechungen zwischen den Führern der drei Delegationen sind bereits wieder ausgenommen worden. Der britische Marlneminister gab den beiden anderen Delegationen offiziell Kenntnis von den letzten Vorschlägen der britischen Regierung, welche in ihren Grundzügen den Anträgen entsprechen, die bereits auf Grund der britisch-japanischen Verständigung der amerikanischen Delegation zur Prüfung unterbreitet worden waren. 3in verlaufe der Diskussion mochte der Lhef der amerikanischen Delegation verschiedene Linwände gellend, so daß es nicht möglich war, ztz' einer Einigung zu qciangcn. Die Delegierten beschlossen daher, am nächsten Montag eine öffentliche Vollsitzung abzuhalten, welche der ösfentlicyen Meinung der Welt Gelegenheit zur Beurteilung der verschiedenen Standpunkte der drei großen Seemächte geben soll.
Die britischen Vorschläge
Genf, 28. Juli. (WTB.) Die neuen englischen Vorschläge für einen bis 1936 gültigen Vertrag sind in elf Punkte eingeteilt. Die G c - samttonnage an Kreuzern, Zerstörern und Unterseebooten für England und Amerika sollen je 590 000 Tonnen und für Japan 385 000 Tonnen nicht überschreiten. Darüber hinaus können 25 Proz. der Tonnage der überalterten Schisse bei» behalten werden, wobei die Altersgrenze für 10 000-Tonnen-Kreuzer 18 Jahre, für alle anderen Kreuzer 16 Jahre und für U-Boote 13 Jahre ist. Die Kreuzer werden in zwei Klassen von 10 000 Tonnen und von 6000 Tonnen eingeteilt, wobei die zweite Klasse höchstens Sechs-Zoll-Geschütze haben darf. Die 10 000-Tonnen Kreuzer werden für England und Amerika aus 12, für Japan auf 6 be» schränkt. Weitere Bestimmungen regeln die Höchsttonnage der Z e r st ö r e r und Unterseeboote und ihre Bestückung und sehen für England und Amerika eine U-Bootsflotte von je 90 000 Tonnen und für Japan von 60 000 Tonnen vor, wobei die U-Boote in zwei Klass en von unter 600 Tonnen und zwischen 800 und 1000 Tonnen eingeteilt werden. Außerhalb der oorgeschlagenen Bestimmungen kann die Gesamttonnage von jeder Macht beliebig verwandt werden. Eine besondere Bestimmung sieht die Beibehaltung von namentlich erwähnten Schiffen vor, die noch voll leb stunysfähig sind, aber weder in die 10 0OO Tonnen- Klasie, noch in die 6000-Tonnen-Klasse sollen. Die britische Delegation anerkennt in einer besonderen Anmerkung, daß durch Annahme dieser Bestimmung Amerika ohne Schiffe mit Acht-Zoll-Geschützen in der Kreuzerklasse bleiben würde. Sie ist deshalb
wir leiden also in unserer Defensive darunter, daß wir in unserer Kenntnis der Technik auf dem Stande von 1918 ft eben geblieben sind, während inzwischen alle anderen Mächte ungeheuerliche Geldmittel zur Vervollständigung ihrer technischen Waffen bereitstellten und sich auf dem Gebiete des Gaskrieges, des Luftkrieges, wie auch des Unterwasser- krieges erheblich vervollkommneten. Das Wettlaufen ist uns auf diesem Gebiete schon aus finanziellen Gründen nicht gestattet, desto wichtiger aber ist cs, daß wir wenigstens einigermaßen über die Fort- schritte, die in den Vereinigten Staaten, in Eng- land, in Frankreich und in Italien gemacht werden, im Bilde bleiben. Denn auf die Dauer kann es nicht angehen, daß Deutschland waffenlos dasteht, während rings um uns mit Hochdruck gerüstet wird. Es kann also einmal der Zeitpunkt kommen, wo die Fesseln fallen, die uns heute festhalten.
Schon aus Gründen unserer Sicherheit müssen wir daran denken, daß zum mindesten unsere Kenntnis der modernen Kriegswaffen auf der Höhe bleibt, und das kann nur durch regelmäßige Beobachtung an Ort und Stelle geschehen. Wir sind natürlich nicht so naiv zu glauben, daß die Eng- länder oder Franzosen andere Offiziere in ihre Ge- Heimlaboratorien führen würden. Indessen, ein sachverständiger Beobachter kann aus der Nähe sehr viel mehr sehen, als wenn er auf Berichte aus zweiter und dritter Hand angewiesen ist. Niemand weiß, ob nicht eines Tages eine kriegerische Welle gegen unseren Willen über unser Land hinweg geht. Und da ist es für die Landesverteidigung, mehr noch aber für den Schutz der Zivilbevölkerung notwendig, daß wir wissen, wie wir uns auf die Abwehr der modernen Kriegsmittel einzustellen haben. Wenn die Militärattaches diese Aufgabe erfüllen, dann machen sie sich für Ihr ganzes Volk bezahlt.
bereit, dem Bau von Schiffen durch die Vereinigten Staaten zuzustimmen, welche nach der Meinung der Marinesachverständigen der drei Delegationen die Stärke Englands und Amerikas in dieser Klasse ausgleichen.
Geringe Hoffnung in London.
London, 29. 3ult (W. T. D. Funkspruch.) Der größte Teil der Morgenpresse äußert sich über die Aussichten der Genfer Konferenz sehr düster. Die meisten Blätter sprechen bereits von einer endgültigen, teils von einem au befürchtenden Zusamrnenbruch der Verhandlungen. Eine Ausnahme bildet nur die „Times", die schreibt: Soweit festgestellt werden konnte, sehen die amerikanische und japanische Delegation in den neuen britischen Vorschlägen geeignetes Material für weitere Erörterungen. Der Genfer De- richterstatter des „Daily Telegraph' klagt über die Haltung der Amerikaner, spricht aber trotzdem von der Möglichkeit eines provisorischen Abkommens. Der Reuter- hertreter telegraphiert. Obwohl die Amerikaner und Japaner Zurückhaltung zeigen, wird doch aus dem Wortlaut des Eommuniques geschlossen, daß die Konferenz erledigt ist und dah am Montag nur der Richterfolg bekannt gegeben wird, wenn die Amerikaner bis dahin nicht nachgeben. Der Genfer Korrespondent der .Daily R e w s" berichtet, Bridgeman habe die Richtigkeit des Grüchtes von einem Abbruch der Genfer Konferenz in Abrede gestellt und geraten, die Ereignis! e vom nächsten Montag a b - zuwarten. Der Korrespondent sagt, die bri- tischen Vorschläge gingen noch weiter, als man erwartet hatte. 3hr Annahme würde die völlige Einstellung des Baues schwerer Kreuzer für 10 3ahre bedeuten. Einer der schon im Dau befindlichen Kreuzer würde abzubrechen fein, die Vereinigten Staaten, die nur zwei solcher Schisse im Bau haben, würden dann die Möglichkeit haben, 10 weitere zu bauen und 3apcm, das 4 besitzt, könne vier weitere bauen. Der englische Vorschlag für die Gesamttonnage der Kreuzer, Zerstörer und LI-Doote von 590 000 Tonnen gehe nur um 40 000 Tonnen über den amerikanischen hinaus.
Ameriko-.s Auffassung.
N e u y o r k, 29. Juli. (WTB.-Funkspruch.) In politischen Kreien hat man sich, besonders noch den zusätzlichen Erklärungen Chamberlains damit abgesunden, daß die Genfer Marinekonferenz ergebnislos enden wird. Re (log trifft am 7. August mit Baldwin in Buffalo zusammen, wo man die unveränderte englisch-amerikanische Freundschaft betonen wird. Die Schwierigkeiten beginnen erst im Winter, wenn viele Abgeordnete mit Rück- sicht aus den Genfer Fehlschlag mehr Kreuzer verlangen werden. Hierauf wird die Regierung jedoch nur wenig eingehen, da sie entschlossen ist, nicht ein Wettrüst en gegen England zu beginnen.
Keine (Einigung in Genf.
Honen Mark an die Bezirksfürsorgeverbände — fei in dieser Form vom Deutschen Rentnerbund auf der Bundestagung in Dresden im April 1927 geschlossen und einmütig abgelehnt worden, da die Rentner dadurch in der völlig unzureichenden Fürsorge mit ihrer drückenden Abhängigkeit belassen würden. Diese 25 Millionen Reichsmark hätten nur für eine einmalige Beihilfe von ca. 30 Mk. pro 3ahr ausgereicht. Daß die Bezirksfürsorgeverbände die mit der anfänglichen
Dertragsosserte verbundenen Bedingungen aus fürsorgerischen, finanziellen und rechtlichen Bedenken nicht annehmen würden, sei von Anfang an au erwarten gewesen. Der Deutsche Rentnerbund habe eine solche Hilfe, die ein wahres Danaer-Geschenk bedeutet, ablehnen müssen, um sv mehr, als dadurch die Verhandlungen über das immer erneut geforderte Rentnerversorgungsgesetz auf unabsehbare Zeit vertagt werden sollten.
BeamtenunLerstützungen in Preußen.
Berlin, 28. 3ult (WTB.) Der Amtliche Preußische Pressedienst gibt ehren Erlaß des preußischen Finanzministers bekannt, in dem es u. a. heißt: Die gegenwärtige schwierige wirtschaftliche Lage der Beamten läßt es gerechtfertigt erscheinen, die Anttäge auf G e- wäh cutig v-vn Änt er stü Hungen kn der


