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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Sbethefsen)

Nr. WO Zweiter Blatt

Mittwoch, 20. Juni (027

Londoner Brief.

Vsn unterem Londoner Berichterstatter.

London. Ende 3uni 1927.

Rauht man sich nicht eins Z.liung. tne de .Tüncs . die Vr-n allen 2>iblfot7rien und 2Ir- chwcu gehalten wird t*U fle eine un-.-erfale A>t»eichnung d r -fllvhf reignil'e bringt. uns t>erlufc man sich lediglich auf bis Blätter, die hier in Millionen ach« 3uflaae gdauft werde" .Daily Telegraph . nun. so wäre man über die Tatsache brr Senser Aatslagung über­haupt nicht unterrid):<L Kein einige» der populären Blätter. weder der Tlütoß»- und Abendprcbc, noch der Morgen au »gaben. Hai auch nur e i n Sterbenswort über bu dreiflniffe in »yenf bericht«. Die Senser Ratstagung bat für b.e englische breitere Oeifentllchteit nicht ut- liiert. Bur ein vorwitziges Abendblatt brachte gestern gerüchtweise eine Pariser Tlachriw«. wo­nach Brrant, die Absicht habe, abzureifen. Diele Rachr.cht aber wurde erst nach genauester Durch­sicht des Bliucu an versteckter Stelle zufällig entbedt.

Mit einem Worte: was in Qknf vvrgegangen ober nicht torgeganaen ist. bleibt dem Bolle lerseldst uoliig einerlei, völlig Luft, völliggleich- gültig. 2» gibt gar fein Wort in der deutschen »der einer anderen Sprache, um diesen Grad der Aichtbeachtung gebührend zu kerrnzrichnen 2Sir gcirehen schamhaft und benommen unter sprachliches Ürwermcacn ein.

Die Rennen in Ascot waren weitaus wich­tige,. Wichtiger als Senf war der schöne Svm- metlag und b<r gesttuge Regenguß, wtch.iger war der neueste Prozetz wegendie Leiche un «ofser auf der itbaring Srvtz Station", die dort von entfetten Beamten vor einem Monate entbedt worden ist. Wia-iiger ist die skandalöse Sehandlung einer englischen Same, die im Slug- *eufl an der italienischen Küste notgelanixi ist und von der Gefolgschaft Mussolini- nicht mit iem Jaszistengruh. sondern mit Getute und Se- löhle empfangen worden ist. coobei mehr ge­droht bat a'.s nur Tkrbalinrunen.

Es Iaht sich gar nicht anomalen, was hier alles mehr interessiert als Gens. Beruleicht man die Dinge rückblickend mit den Verhältnissen vor einem Jahre etwa, bann ergibt sich ein völlige» Erkalten d e s politischen 3 n t e r e f | c <-, sich gleich- mäßig erstreckend auf alle politischen Dinge des europäischen Kontinents. Locarno, gewahrt man, war eine schöne Kulisse, hinter welcher Europa ver­hüllt verborgen, wegeskainotiert worden ist. Es eri stiert nicht. Es wird demnächst, dürfen iu<r hoffen, in einer erweiterten Ausgabe von (Brimtno 'jf.armen wieder erstehen, wie die Sage von dem untergegan­genen Atlantis oder der Stadt Vineta an der Mün­dung der Oder.

Die Frage ist, ob sich hinter dieser scheinbaren Harmlosigkeit etwas verbirgt. Diese Frage >sl schwer zu beantworten. Sicherlich schasst diese poli­tische Lethargie der Oessentlichkeit alle voraussegun- gen AU Hebei raschungr»r'olgen. Ein unvorbereitetes Publikum, das sich tändelnd und spielend an See nnb Fliissen bei Sommers freut, kann zweifellos mit Leictnigkeit in Aufregung und Wut gebracht werben. Nichts ist günstiger zur Auslösung emei Massenpanit ober eines Massenzorns als jene Um­stande. die wir hier staunend miterleben. Als ob die Welt nicht vorhanden wäre.

Versucht man sich in die Seele, wenn er eine hat »es Engländers hincinzuvei setzen, bann ist natürlich sehr Diel Nettes, auch Wichtige» unb Wesentliches zu berichten. Aber nichts bavon interessiert ein beut idico Publikum. Denn in Lonbon herrscht jetzt eben die Hochsaison. Da ist alles Politische ab geschaltet. Man bebauert höchstens bie armen Narren, die von Berufs wegen genötigt finb, fidj mit Politik zu beschäftigen. Was sich an politischen Nachrichten in ben meistgelesenen Blättern findet ist sorgfältig bohert. Da ist aber beispielsweise bas Schicksal bes Meuchelmörbers bes russischen Ge­sandten in Warschau zu erwähnen. Man registriert gleichsam mit Befriedigung, bah er nicht zum lobe verurteilt wo«den ist. D.'dei hätte «s doch nahegele- gen, ihn zunächst zum Tode zu verurteilen unb bann zu lebenslänglichem Zuchthaus zu begnadigen, was im Endeffekt auf das gleiche herausgekcminen wäre. In jedem anderen Falle hätte man in England min­destens diesen Standpunkt vertreten. Aber da der polnische Nachbar Rußland gegenüber verwendbar erscheint, so enthält sich die englische Oessentlichkeit jeglicher Kritik. Man ist wirklich taktvoll.

Ader selbst die Russophobie ist zur Zeit zurück- gedrängt. Wenn wir das Schicksal stowerdas er­wähnten, so geschah es nur, um zu zeigen, daß eben in der Erwähnung diese» Falles, bei völligem Tot- schweigen der ®enftr Tagung des Rates zweifellos ein Kennzeichen von politischer Bedeutung liegt. Es

liegt darin ein SkrhntfiL Die Angrlegenhe t SL- | werda ifl wuhliger als ine Ratsta -7g. Das <oUu | p« denken ged.n.

Es wäre natürlich em Fehler 'eldst für bie All- I crmtir.hetf, auf ein rolhpts Ettohmen bis ; > I

-d'en 3niereffes *u fchl-.esten. Es liegt der m die- ] tem Ausschalten brr Rolnik eine erainehe 3ab cfetl DertJVper. die stch auch »rherstro brmerf: >.>.icht I und b:t rn Aknvum barftetit W'r Deutsche leben in unterem Beruf in unserem Geschaht, und die meisten von uns lommrn nicht dazu sich über diesen Zustand zu erheben. Sie können keine Ferien vom Ich machen. ute ober macht ganz England bie*e Ferien. ®a» wir mit dem Weekend ober *- 3<hen- <".drummel arü'r.ben sollten, ist nicht so «ehr der Bau bl- berühmten viel zu teuren Wochenend- baufe*. wo angenehme Muckcn zur Erhöhung der Behaglichkeit bmrages, ob vielmehr die Pflege der Fähigkeit, aus der Fachsimpelei

herauszukommen. t?u ollten einmal in der .:*t ns f r ei m ad»e n firren ron dem Alltag.

*:tr b'-hen k.'s Fei rn r-erlernt W r stehen, wie «chrr. ff.'-qt. in dm T n st.": . irr den D-.rv.n.

, Das bat auch für ba» politische Leden feine Be- r< .*?: nm . Da mir ur» nickst ir.r erltd) frt" -chen . i-nb mir ; -etr. : trr nb untereinander so unge'».'. g und L-er.-A ,.i rban". E» liegt aber die Mn't be> i'olu id en .".iiibeln» m der Zack lang vie­ler inr.crtid Fr. -t.- l unb damit UeberlegenbeiL

.yü7i:ae England UM in t<r Ruttei . rcht statt der­ber zu heben. Nickt, deftou'en.ger wüsten wir uns fragen, ob diefe S)qpnrfe nickt von Leuten bewert- stllligt ist. d e ganz und gcr nickst zu Monomanien oder zu politischen Zwangsvorstellungen neigen. Dieser Frage wird eine bdonbere Unterfuchung vor- bJarüten bleiben. Die ^rcsie Molle der politisch In

terrmene-, ist ,ib<r.faUs ton der Angst ober bem

-1 :. sUaud . . cnüber be'essen. Daraus entsteht «II ^enk-e:. - I ter poliuckcn Gteichgewichttlage m c .rap? Und zwar vor allem für uns Deutsche. - i - tvr b :-:-.!»che ffnglanber an die Pro­bleme .f tine unb ferner po'.inlche«t Umwelt berar.gcbt. so tut! rccki.cn dir mahgedenden streife. £ t hefigen d e Leidensch- t der Leid nschaftslosig-

Da:.:.s lrgid: sich aber der Schluß. bah eine sehe wesentliche Vorauricyung der in Locarno mit starkem mgt.-chen B« ' i.l rin:;dei!eten Politik deute i.icki mehr vorhanden ist. Wir werben prüfen mi "en. cb unb wie wir un* daraus umzustellei, ha­ben. Sie beeinflußt zunächst un'ere Ostpolitik, aber darüber hmau» uns.r ganze» Verhältnis zu jedem unserer Nichdorn. Üonbon. ba» fröhliche. ' nmer- lich vergnügte London, ift zur euwpäischen Wetter- ecke geworden.

Der Gietzener Voranschlag 1927.

Einstimm-ge Annahme nach sünsstündiger Dauersitzung. - Das Diehhosprojekt gleichfaNs genehmigt.

(Bieben, 28.Juni.

Anwesend: Oberbürgermeister Keller, bie Beigeordneten Dr Seid. Dr. Frey, Dr. Hamm. Iusti-rat 'r Rosenberg, .^vm- merzienrnt Ä l i n g f v o r und 41 ßtätnvcrorünete. Der Zuhbrernium ist nur spärlich besetzt.

Rach der Tkreibigung des Derwaltungs- infvckiors Gilbert als stellv. ProiokoUführer tritt das Haus sofort in die

Beratung des Voranschlags für 1927/2X. ein. (Bin sozialbcmokratilcher Antrag auf Eröff­nung einer Generaldebatte wird gegen hie Stimmen her sozialdemokratischen Fraktion und des Äoinniuntfien abgelehni Es beginnt lofort die Einzelberatung, aus der wir nur bie Titel erwähnen, bei denen Anträge vor- liegen bzw. Anregungen gegeben werden.

Beim Etat der Elektrizitätswerke, der in der Betriebs- und Bermvgensrechnung insgesamt mit 1 475 170 Mk., gegen 1 382 480 TJL, abschlirsit. beantragt die Fraktion der Mi t tei­lt an b^oereinigung. den Betricbsüberfchus) von 135 000 Mk. auf 282 00Ö Mt. zu erhöhen. Der Differsnzbetrag von 147 OCO Mk. soll durch Streichungen an einer Einstellung für Puster- baltcricn und am Ernenerungsstod herausgeholt werden. Stadto. R i c o 1 a u s begründet unb be- fürurrid tiefen Antrag feiner Zratnon unb iKtont. fr-Wohl dieser wie auch die iolg.nden Anträge seien von dem Bestreben geleitet, buraj die Senkung der Ausgaben die Steuererhöhung i'bedlülfig zu machen. 3n der Aussprache nehmen die Stv. Mann <Soz ). Dr. Kraudmullcr 15)t. Bp i, Fischer iDem ) und 2 chmabl <5r. Bg) gegen Den Antrag der Mittelstands- Vereinigung Sirllung. Aebereinstimmend wird, be­tont. dasi im 3ntereffe einer vorsichtigen Wirt­schafts- und Finanzgebarung dieser Antrag ab- nelehnt werden<se. Der Antrag, bec den Ausgleich des Haushaltsvoranschlags aus Be- iriebsüberschufle aus .kosten der Belr«cdsrüdlagen ausbauen wolle, führe nur zu einer ungesunden Finanzpolitik, diesen Fehler von früher könne und dürfe man heute nicht wieder machen. Wenn auch die Ansammlung von Reserven in den St öden eine gewisse Grenze sitlden müsse, so dürfe doch fein Oluubbau an den Werken getrieben werden. Die Hauptgrundlage des Haushalts­planes<fc immer die Steuer bleiben. Der Hrneuciunge.fl od des ElektrizitälswerkeS fei durch­aus nicht zu hockh Die Sladlv. Dr. K ra uv- müller, Fischer und S ch m a h l heben im übrigen nut warmen Worten der Anerkennung die ausierordentlich sparsame und vorsichtige Auf­stellung des Haushaltsvoranschiags durch die Lladtverwottung hervor: der Voranschlag mit leinet vorsichtigen und sparsamen Finanzgebarung lönne sich sehen lassen. Der AntragderMit- lelstandsvereinigung wird gegen die Stimmen dieser Fraktion abgelehni.

Beim Titel , M ä r k t e" regt Stadtv. Mann -Sozi.die Schafsung weiterer überdachter Ber- laufsstänbe aus dem Wochcnmarkt an. Die Stadtv. Schmiedet <D. Vp.) und Sch mahl lFr Vg.) .mtctstützen diele Anregung M *

Zum Titel . FriedhÖse" legt die sozial» demoltatische Ftattion einen Antrag auf Einsüh- rung der unenlgeltlichen Totenbestattung vor. Der Antrag tvird gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehni.

Den Haushalt det Volks-und Fortbil­dungsschule begleitet ein Antrag der Sozial­demokratie auf a) Uebernahme der kosten der

Lernmittel für alle Schüler, b) ,10 Proe der Ein- I nahmen an Schulgeld in der B-misichule find | bereit-usteUen unb daraus Be:h Ifen zum B.'uch von .Fottbildungskutien an Handwerksmeister 'Lchtlräste- und Lehrer zu gewähren" Stadtv Schmidt iSoz.i begründet den Antrag und macht habet u. a aum Gründe erziehlicher An und Erwägungen her fchulischen. d. h handwerks- untcttichtlichen Fortbildung fer Lehr-Handtverks- m eist er geltend. Stadtv. Fischer «Dem.) würdigt hie Dedeulung ber Argumente des Vorrehners zu a i. bringt aber el-enlalls au» Erwägungen erziehlicher Art. noi) irifcgere ®cgcngrünb; noi b) tzlnflchitia) der Lehr-Handwerksmeister stellt er sich auf den Standpunkt, duft die Stzidt auch bei einem Objekt von 700 RN. keinen Grund habe, dem Staat eine Verpflichtung abzunehmen, zumal her Vorredner den Weg zum Staat bis jetzt noch gar nicht bis zu Ende gegangen Ift. 3m übrigen macht der Redner die bedeutsame Mitteilung, hast nach langem Hin unb Her etne gute Lösung her Schulhaussrage bevorstehe E5 sei di- Hoffnung vorhanden, bah das H«^us in aller Aürge zu ben letzten Beschlüssen in dieser Frage kommen werde, und er glaube, hast diese Beschlüsse einstimmig gesatzt werden könnten. Nachdeui sich die Stad.v. Dr. ^rausmftller iD. Dp.> und G o e r ; (Fr. Bg i der Stellungnahme des Stadtv Fischer hinsichtlich des Antrages ber soz. Frak­tion völlig angeschlvssen haben, ocdallt dieser An­trag gegen die Stimmen der Aviragsteller ber Ablehnung.

Beim Lyzeum und der ötubien- u n ft a 11 enthält sch bie soz. Fraktion ber Stimme.

Der Haushalt des Stadttheaterv loll nach einem Antrag. der Fraktion der M.ttel- standsverelnigung von 337 252 Mk um 15 000 Mk. auf 322 252 Mk. gekürzt werben. Ltabtv. R i c v- laus begründet den Antrag nut allgemeinen Orfpamisbefirebungen feiner Fraki on (Wie oben fchon mitgctei(t). De Stabto. Hornberger «603.) unb Dr. Borgmann (Fr Bgg > wen- ben sich gegen den Antrag und bestreiten die fachliche Berechtigung ber Möglichkeit feiner Durchführung. Stabto Ric 0 lauS habe ja aud> gar nichts darüber gesagt, wie er diele br- fvarnis feines Antrages erniöglichen woile. Diefer Antrag fei ein Alt ber Willkür. Hiergegen verwahrt sich ber Stadtv. 71 ic o l a u ber her- vorhebt, feine Fraktion stütze sich bei ihrem Vor­gehen auf bas Urteil von Sachverstänbigcn. e- fei nicht schwierig, eine Umstellung im Theater- nen OverettcnpersviialS könne baS erreicht wer­den. Dieses Argument, da- dein Haufe keine Ueberrafchung ist, wird mit einer aetmlfen Heiterleit ausgenommen, unb veranlayt ben Stadtv. Pros. Dr. Borgmann zu ber Bemer­kung. bie von dem Stabto. 71icolaus bean­tragte Schafsung eines eigenen Opercttenperfo- nals sei bet ungiürffeligfte Gedanke. Unser Stabt- tHeater fei nicht für gewiffe 3ntereslentenkreise eine Berforguiigöanstali. Der Antrag wirb a b g e lehnt, für ihn stimmen die Antragsteller

Zum TitelDenkmäler" liegt ein fo- zialdemokratischer Antrag vor. der sordert,bie Versetzung deS vcrkehrshindernden Kriegerdenk­mals am Marktplatz zu beschliesten". Gin Teil der Mitglieder deS Hauses ist nicht abgeneigt, dem Antrag stattzugeben, toenu vorher in eintoanbfteict Weise ein würdiger Platz lichergestellt wirb, währer.d andere Mitglieder fordern, diese Frage von dem Delichtspuntt auS anzusehen. bah I baS Denkmal doch entsprechend dem Rahmen

(einer jetzigen, Umgebung geschaffen wurde und bementsprcchenb zu betrachten wäre. S4>licfV- lich wirb ber fozialbemokrailfch»' Antrag ber Tkr« ualtung als Material ü benotet en. bie Boe schlüge her T^waltung in bttfe 21 n gelegen beit werben noch in Meter 1 3ah re erwartet

Beim Titel .Gemeinnützige Zwecke" beantragt Mc Sozialbemokrati« a) bem Arbeiter- Simamerbunb bie gleiche Summe wie ^bem Roten Stn-ut zur 2krfuaung zu stellen: im Falle ber Adlehnuna wirb Streichung be» Bell rag« an Mc Freiw Sanitätskolonne beantragt; b) bem A. D G. B.-Onsauefchuft Giehen zur Unterhal- tung bc6 Arbeuerfekretariat» einen Zufchust i*tm 2XO TSU zu gewahren Tkach ber 7^e«ründung horch Stab," Moosborf (S03.). ber für Ne beiben Anträge wirbi Nmerkt C!.*erbunKrmcifter Ä11- 11 r bah Mc Stabtvenvalwna bie Frage eines 3uf»u|fc* für ben TIrbelter-Oamartterbunb er­neut prüfen unb bem Haufe hierüber eine Vor­lage machen werbe, deshalb könne heute in b-.efer Hinficht wohl von einer 'veschlubfäffung abgesehen werben 2kl ber Abstimmung treten für ben ersten Dell bes Antrages .1, b h Be­willigung des Zufchusses. bie Antragsteller und Me Demokraten ein. ba sie bie Blinderbeit sind, ist ber Antrag abgelehni. bei zweite Teil von > G>. b die Streichung des Zuschusses für Me FreiAv Sanitötskolonne, wirb mit allen Stimmen gegen Me ber Sozialbemokralen adgelehnt; bas- sell-e Schicksal hat ber Antrag b. her den Zu- ichusi für bas Arbeitersekretariat fordert Für ben Berk ehrSve rein ftnd In diesem Titel bar 1000 Mk vorgefehen. Stadtv Schwleder iD. Vp.» sorbert m fc.iter Eigenschaft als 73or- frtzender des Verein» groben» Zu schuh mittel. Oberbürgermeister Kelle 1 bemertl. der 7krein werbe au» ben für bas städtische Verkehrsamt vorgesehenen 10CKK) Mk einen erheblichen Betrag erhalten.

Beim Titel .Straßen Unterhaltung bringt Stadtv. Dr. Krau emulier (D. B.) stb>- gen vor über mangelnde Straßensprengung und fordert in dieser Hinsicht Ndhilsk. Ferner macht er -21)1111 (die hinsichtlich der Stroßenunterhaltung gel­te nb. Beigeordiieter Dr. 1) <i in m erkennt die De- kechiigling der «lagen über die Straßensprengung an und betont, der Mangel komme daher, daß die Fuhriinternehmkr, die bisher die Sprengwagen be­wegten, jetzt der Stabt ferne Gespanne zur Berfü- gung stellten, well sie bei den Fuhren für Bauzwecke mehr verdienten, ul» beim Sprengwageniahren; die Äkkordsotze hierfür feien eben nicht fo hoch. In- olqebcMen -eien die Sprengwagen zur 3eil still- nelfot. Sobald der neue automobile Sprengwagen komme, merde eine Besserung eintreten. H'nsichllich her Straßenunierhaltung beinertt Stadtv. Mann (Loz.l, bah mit ben vorgesehenen 40 000 Mark für diesen Zweck nicht allzuviel anzufangen fei.

Zum Voranschlag der S t r a h e n r e i n i g u n g und Müllabfuhr beantragt die Fraktion der Mittelsiandsoereinigung eine Herabsetzung der Aus- gaben von 12!» .360 Mark auf 105 340 Mark. Stadtv. Nicolaus bcanftanbrt hier die maschinelle Stra- henreinigung. Der Antrag wird gegen die Stimmen ber Antragsteller abgelehni.

Beim TitelOe s s e n t 11 ch e Anlagen" be­grüßt Stadtv. Pros. Dr.Borgmann (Fr. Dg.) die Errichtung neuer Ruhebänke und die Echassung von stiiiderfpielpkätzen in den Anlogen. Er wünscht aber, daß nicht alle Banke von «indem unb ihrer Begleitung in21 nfprud) genommen werden, sondern bah glich einige Bankenur für Erwachsene reser­viert bleiben unb dementsprechend mit Aufschrift versehen werden. Ferner regt der Redner bie Er-

Gietzener Konzertverein,

r. van Bcekhovcn: Lqmphoutc Rr. 9.

So oft man der 9. Symphonie im Konzert- faal begegnet, so verschieden ift das Blld, ha» man von ihr erhält Einiyal sucht man den Realismus zur Geltung zu bringen und ver­nachlässigt über her äußeren Wirkung bie Gnt- jltung her gruuhlcgcnhcn 3bce hes Bk ries, Oer der Schlußsatz wird im Tempo derart über- '.cigert, haft er seine wuchtige Klarheit ein- . ätzen mutz.

Ohne zu übertreiben, kann man die Gietzener Ausführung als eine der klarsten bezeichnen, bie nan mit trieben konnte Kein Gedanke im gro- cn Zufu ..nicuhang blieb unberüd ichtig'.. unb ? muhte sich ba» Werk jedem voll etfMichen; , enn IlnnivcrsitLk-ii'.u ill ircktor Dr. T e me s - vary ist eben ein Orchestcrleiter. her toc-h, was er w 11, unb dessen Endziel bie Auswirkung 7es Wcrk'S selbst ist. Es würde zu weit füh­ren, auf jebe Einzelheit einzugehen, deren er lich' mit Liebe und Vergeistigung annahm. Die dynnm.schen Steigerungen und die Ritardandi als Einhal'.epunkte wuchsen organisch heraus. Da war keine Forcierung ber Tempo- nähme zu verspüren, weder im zweiten Sah. der in sich eine grobe Entwicklung sowohl im Dynamischen als auch im Rhythmischen dar- stellte, unb ber durch seine Artikulation inneres Durchleben bis zum Einzelftcn kündete. Voll Weihe strömte daS 'Adagio hin und mit er- pressiver Hingabe an bie Kantllene. Das toqrcn Augenblicke ber Bersunkcnhrit, denen sich um so gegensätzlicher b'.e mieberertoa: e bc Lebe S- kraft deS letzten Satzes cntgegenste'.l:e. Waren cs nun bie an den menschlichen AuSdruclSwiücn heranreichenden Re-itative her Kontrabässe und

Celli, waren eS bie wechselnben Themenbilder. bie ihre Sätze typisch charakterisierten, ober war cd bai aus ber Tiefe unb dem verhaltensten Pianifi'imo sich erhebende Freudenlieb. baS im Orchester aufstrahlte unb daS Dr. TemeSvary auf bas Lintrcicn ber menfchlichen Stimmen hin zufpitzte: alle» Momcn.c grob,er GestaltungS- traft.

Das Srftaunlichste'-^ider war. dah in ver- hältnismätzig kurzer Zeit ein chorischer Klang­körper geschaffen werden koMic. der trotz seiner Grobe und ber verschiedenartigsten 3ufdmir.cn- »ctzung ein willfähriges AuSdruckSmittel wurde. Sowohl in ber Deklamation als auch in der Itlarbeit des THematifchen, wie in dem Doppel- iugato. unb dem innerlichcn Beben deS ver­haltenen Pianiffimo f.3hr stürzt n.cder. Mil- licncn"als auch in dem ekstatischen 3übel des Schluffes wurde der Lhor zu einer physischen Klangintensikdt. zum lebendigen, überzcugenben Träger der 3dee. Das war eben nur möglich, weil eine starke Persönlichkeit alles mit einheit­lichem Willen zusammensabte und zur Begeiste­rung cm Gelingen des Werkes jeden einzelnen hinritz.

An die Solisten stellt der letzte Sag sehr hohe AnsordcruTigen, da dieser Gesangstil Beet­hovens nicht mehr dem Kanlablen Rechnung trägr. sondern die menschliche Stimme als 3nstrument für den bis zum äutzcrften gespannten TluSdrucks- willen ansiehl. Was im Eher npch durch die Zahl der Sänger ausgeglichen werden kann, ist hier der Einzelftunme übcriaHen, die ganz auf ihre eigene Krast gestellt ist. Darum werden wir nur selten ein Soloquartert anrressen, daS alle Anforderungen zu erfüllen vermag. Das Frankfurrcr Sologuartett Ria D 1 n st er (Co- pran) Ruth Arndt (2Ut), Alfred Wilde (TenorX 3oh. Willy (Bah), gelangte zu seinem

Höhepunkt klanglicher Ausstrahlung in ber letzten Soloftclle l.Wo dein fanster Flügel weilt"). 3m einzelnen neigten besonders der Tenor unb Baß zu einer beschleunigten Tempvnahme. Der Basfist gestaltete bie AnsangSrezitattve wohl aus bem Assel, heran», vermochte ihnen aber nicht eine letzte Prägnanz der Fassung zu geben.

Sin grctzer Anteil an dem Erfolg fällt auch dem Darmstädter LandeStheaterorchester zu, bat mit seltener Hingabe dem Dir.genlen bis zum Einzelnsten folgte und in allen feinen Klang- Gruppen eine hohe musikalische Kultur bewies, elor.berS in t;;i Holzbläsern und den Hörnern, bie Bcei hvoen m'1 Verliebe vor rech! et monierte Klippen stell.

Eine nach Tausenten zählende Hörerseyar, batte t:e VtlkShalle b auf ben lebten Platz gefüllt Durch ben groben Kreis der aktiv Be­teiligten war daS 3nttreffe in die weitesten Streik getragen und fo dielem gewaltigen muft» kali'chen Werie eine Breite Auöw.rkungsba'is verliehen worden. Möch? diefe musikastfche Kulturtat ein rerheitzu.gsvvlleS Symbol für Me Weitere Tätigkeit Dr. TemeSoarvs al» llniterfl- tätsinullkdirektor bedeuten! -'Q-

Hochschulnachrichlsu.

Der bisherige Prioaidozenl und Assistent cm Dhysikalilchen Institut ber u.'arburger Unioer- (ität Dr. phiL Hermann Senf Heb en ift in der philosophischen Fakultät der Universität Breslau eis irii-aiboyent für das Fach ber Physik zugelasten worden. Im Winter 1926 27 war er stellvertretender Direttor des genannten Instituts der Universität Marburg. Der Prosekior am A.-.awmifchen In­stitut in Breslau Dr. EriH. H e i d s i e ck ha! sich in der dorttgen medi,mischen Fakultät für bas Jach der Anatomie habilitiert In Wien ftorb der Universnätsprr "?r Dr. Friedrich Lvithlen

im Alter von 57 Jahren. Der verstorbene war erst vor kurzem von einer amerikanischen Studienreise zurückgelehct. Der ordentliche Prosesfor für prok- tische Mathematik und barftcllenbe Geometrie in Hannover Dr. Erich S »1 k 0 w s k i ist zum Or­dinarius in der Fakultät für Allgemeine Wissen« schasten der Technischen Hochschule Berlin er­nannt worben.lieber die Erlösungsreligion In­diens im Vergleich mit dem Christentum" wird der Marburger Proiessor ber chstematischen Theo­logie Dr. iheol. et phil. .Rubolf Otto dieser Tage eine ltza st Vorlesung an ber Universilet Münch en halten. -- Dtr Direktor bes Evangelischen Preste- oc rbanbes für Deutschionb Lic. theol. August f/inberer ist \um Honora rprosestor in ber Berliner theologischen Fakullöt ernannt wor­ben. Hinbeter, dem vor zwei Jahren em Ufhrauf- trag zur Vertretung bes protsstantischen Presse­wesens erteilt wurde war bis 1917 Pfarrer in württemdergischen Gemeinden, zuletzt in Stuttgart, gleichvitig Leiter der Literarischen Abteilung bes Ev. Presseverbanbes für Württemberg. Seit 1918 ist Hinderer Direktor des ProtestantIfchen Pressever- bandes m Berlin. Im Alter von 62 Jahren starb aw dem Lehrgut Bollhagen ber Geheim« Re- pierunflsrat Profestor ber Lanbwirtschost, Dr. zi;<ranbtr Badbau. Profestor Backbau begann seine akademische Lauibahn im Jahre 1891 als Prosesior der Landwirtschaft in Göttingen. 1696 übernahm er die Direktion des Landwirtschaft­lichen Institut- der Unioersttät Königsberg. 1903 übernahm er di« lirehum der stöbt. Riefeigü^r in Berlin. 3m Jahr« 1906 erhielt er einen Rus nach Uruguay zur Gründung einer Landwirtschastlichen Hochschule. Die Preußische Akademie der Dis- kn'chaiten hat aus ihren Fonds 4000 Mk. zur Fort- 'ührung des Werkes des Liwrarhistorikers Geh, Rats Prof. Dr. B u r d a ch,vom Mittelalter zur Refarmotion", bewilligt.