Nr. 149 Erster Blatt
177. Jahrgang
Mittwoch. 29. Juni 1927
Dnd web Dtrlag: vrihl'sche UwwerttätpBicb’ nö Sieinöniderei B. tauge ie Siezen. SchrifUettnK- und Seichästrßele: StfwlWra^e I.
Deutscher Verbände wird
Herr
den Auhenminister zu Haltung, die die Rei
herzust eilen andere al» spiel, wie bi
Blumschein: für btn 3t- iricentetl Muri ^iBesnw, sämtlich in Drehen.
3n tor sich alS
■tat man dem uns auch jetzt alle«
>pigelinntcn Ausland da» Schau- che Partien und deutsche Politiker
Amerikas Auhenpolitik.
Vor einer neuen englisch-japanischen Allianz?
washlngio», 21. Dunl. (WIB.) Die Ereignisse der letzten Wochen jagten der Welt genau, wie man hier überall hören tonn, daß die vereinigten Staaten ein außenpolitische* Programm »erfolgen, bat nur 1 utzerlich den Anschein eine» positiven «■greifen» In die weltpolitischen Probleme erweckt. Plan lud jer (Genfer Monieren j lediglich ein. weil man Ausgaben j u m weiteren Bau von Kreuzern sparen wollte. Al» jedoch klar wurde, daß England seine eigenen Ziele zu sördem suchte, zog man sich in die bisherige Passivität zurück. Dieser Standpunkt wird, wie Stimmen an» der ganzen Union bartun. von der überwiegenden Mehrheit der Republikaner und Demokraten gutgeheißen. Die Washingtoner Kreise beurteilen die Cage folgendermaßen: wir sind da» reichste Land der weil. Fast alle übrigen Länder sind unsere Schuldner. Iroljbem schlagen wir eine Verminderung der Rüstungen vor. wir lassen uns nicht an ble zweite Stelle drängen, wir haben in der Lhinafrage den Ausschlag gegeben, wir könnten Rußland durch Kredite helfen, wir könnten so viele Kreuzer bauen, daß alle anderen Länder hoffnungslos in» Hintertreffen gerieten. Wir verlangen daher ein Eingehen auf unsere auseichtigen Vorschläge, ober wir brechen die Genfer Beratungen ab. Ein Separaterer trag mit Jranfrcld) hat wenig Aussicht, da der Senat auf die Ratifizierung des Schuidenabkom- men» besteht. Aussicht hoben eher Schiedsverträge mit Europa und Japan, wie sie Shotwell vorfchlägt. da sie nicmanben bevorzugen. Aus den Verhandlungen zwischen London und Tokio und dem verlaus der Genfer Seeabrüftung»-fton- feren j will man In Washington da» Reuerstehen
Der Kamps gegen Versailles.
gur Reichstagung des Arbeitsausschusses deutscher Verbände
Denver, 29. Juni. Reuter. Funkspruch.) einner hier gehaltenen Rede fotberte Eena- Borah die amerikanische Regierung aus, lieber um den Wieberausbau im 3nlanbe im Auslände zu kümmern und sagte: „Wir
zum gemeinsamen Gesahr hin, al» unon- angesehen und behandelt
und Stadtverordneten.
Garlenempsang beim Reichspräsidenten.
Berlin. 28. 3unl (WB.) Der
Unter dem Motto: Ueberp art eilicht eit. Sach- sichkeit und Wahrheit hat der Arbeitsausschuß Deutscher Derbünde bisher sechs 3abrc Lang ben schweren und für Deutschland und de» deutschen Bolte» Zukunft leben-w.chsigen Kamps um die Revision be» Versailler Shttate» geführt. Man sollte meinen, dah in diesem Kamps b a 6 ganze deu tsche Volk ohne Unterschied be» Stande» und der Partei dem Arbeitsausschuß zur Seite stehen müßte Dem ist aber leider nicht so. Die Bedeutung b.ete» Kampfe» ist von der Allgerneinheit nvä) gar nicht recht erkannt worden. Statt alle» daran zu setzen, um eine EinheitSs ront in diesem moralischen Kamps
sprechen Deutschland am 14. Rovember 1925 gemacht worden fei- Der ReichSaußenmnüster scheint hier dieser Rote eine durchaus persönliche 'Auslegung zu geben und deshalb ist es von Bedeutung, ob die französische Regierung dieser Interpretierung beitritt oder sie ablehnt. Unter diesen Umständen wünsche er. Setranetti, interpellieren über die
üeuabee »en Anzeige» für bie Tagtsnmwmct di» jue 'Jia*mittag rerb* Preis für \ mm höhe für ln$eigtn von 27 mm Srvrtt önlich 8, au»mArt» 10 KeichspfenNig: für Re- htomtan>rtgcii ron 70 mm Breite 35 !K<i4i»p‘rmiig, Ptatzvorfchrift 20' web«. Cbefrebaktrur;
Dr. Frredr. Cangc DerantworUich für Politik
sich gegenseitig vorwersen. schuld zu sein an all dem Leid, da» Über* Deutschland hereingebrvchen ist, und an dem da» deutsche Doll krankt.
gehört unter diesen Umständen viel Ueberto'm- öung und viel Liebe zum Daterland dazu, immer wieder mahnend die Stimme zu erheben und immer wieder unermüdlich die deutschen Volks-
Erscheint täglich,außer Sonntag» und Feiertag»
Beitagen:
Gießener Jamil »en blätter Heimat im Bllb Die Scholle.
K»nats>BejBfS|rrets: 2 Reichsmark und 30 Reich,Pfennig flr Tröger» lohn, auch bei Richterschemen ein) einer Dummern infolge höherer Gewalt. FernfprechanschlÜsse: 51, 54 nnb 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Hieße».
einer englisch-japanischen Allianz mit bet Spltzegegen Amerika und eine englisch- japanische Verständigung über China entnehmen Irohbem beabsichtige washingkon. In Gens bi« zum äußersten anszuharren. Allerdings würbe die Washingtoner Regierung gezwungen sein, Ihre Delegation au» Genf abzuberufen, sobald kein Zweifel mehr darüber bcslehm würde, bah die See- abrüstungvkonserenz nicht ba» bringen werbe, was Amerika wünsche, nämlich einen Fortschritt auf bem Wege der Abrüstung.
Dorah für I'olierung Amerikas
Frankreich und die Stresemannrede. Sine Interpellation über die Rheiuland- besctzung.
Pari», 28. 3unt (WTB.) 3n der heutigen Sitzung de» Senat» gab der Präsident bekannt, dah Senator Lemmerh seine vor 14 Tagen eingebrachte Interpellation über die Erklärungen Dr. Strcfcmami» über die Rheinlandräumung durch eine andere ersetzt habe, die sich ganz allgemein auf die Ausführungen Dr ottef ernenn» Im Reichstag zur Rede von Lunöville beziehe. Lemmery selbst hat in einem Schreiben an Briand diele neue Interpellation begründet. S» heißt hierin, bie Derhältnisfe hätten e» bisher n.ch: gestattet, die frühere Interpellation vor bem Senat zu beraten. Seither hätten die wichtigen Ausführungen Dr. Strefemann» vom 23. Juni stattgefunden und eine Aenderung de» Wortlaut» der früheren Interpellation erfordert. Wenn wir, so schreibt Lemmery wörtlich, auch mit
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
genossen auszurusen
Kamps, selbst aus die
genehme Querulanten
zu werden.
Der Arbeitsausschuß
‘Befriedigung festgestellt haben, dah der ReichS- außenminlster darauf verzichtet hat. die Auffassung zu vertreten, die er am 25. März verfochten hatte und absolutes Stillschweigen über da» angebliche Recht Deutschland», die Räumung bcs linken Rheinuser» ohne Gegenleistung zu verlangen, bewahrte, so haben wir doch mit einiger Ueberraschung gelesen. dah bie Herabsetzung der Truppenstärke Im Rheinland ein Versprechen gebildet habe, von dem die Unterzeichnung de» Locarno-Abkommen» abhing. und daß diese» Ver-
ReichSpräsident gab heute im (Barten feine» Haukes einen Tee an dem u. a. der Reichskanzler, die in Berlin anwesenden Reichsminister da» Präsidium und führend: Mckg'ie de» Reichsta'es. preu^ix Minister. Mitg.ieder be» ReichSrateS. b e S.aat-'ekre- täre des Reiche», der Präsident de» ReichSac- richt«, der Generaldirektor der Deutschen Reichs- bahngeselftchasi. der Oberbürgerme;farr und der Polizetpräschent von Berlin, zahlreiche höhere Offiziere der Reichswehr imb Reichsmarine sowie führende Perfönltchkeiten be» Wirtschaftsleben», der Kunst und der Wissenschaft mit ihren Damen teil nahmen.
Die Besichtigung der zerstörten Ostfestungen
Die Einladung be* fikneral* Pawcls;.
Eigener Drabtbrridjt be» (Siebener flningtr»*.
Berlin, 29. Juni. Die Me-duna, be ■< (Bereril -
S nunmehr die Berliner militärischen E d d) o e r • nbigen ungkmb», Frankreichs, Brtgkn» und liens etngelaben bat. einen oder jrvri von ihnen autzzuwuhten. die mit dem General zusammen die zerstörten 0 ft b c f e ft I g u n g c n besichtigen sollen, hat namentlich in der ausländischen Preffe Bcranlassung gegeben. Kommentare daran anzuknüpfen, die, iwnn sie auch Sn unb für sich kaum geeignet fein dürften, den allgemeinen Sach- verhalt im wesentlichen zu entstellen, doch immerhin Insofern einer Berichtigung bedürfen, üi» uno bie ganze Angelegenheit in keiner Weise für fo wichtig erscheint, an bie mysteriösen RombinMionen onj.i- knüpfen, co schreibt der biplomatifdx Rorrefpor* nt des „Daily Telegraph", daß Dr. 6tr«f ernenn nach feiner Ankunft in Berlin einen Brief an Chamberlain geschrieben habe in bem er ihn ersuchte, bie In (Ben* getroffene mündliche Verständigung in eine praktische Vereinbarung zu ocriDcnbeln. Zu gleicher Zeit hatte Dr. Slrefcii. nn in (einem ‘Briefe betont. Hoß ba» Zugeständnis an bie Alliierten nicht a l» B.rusungssall aus- gefaßt roerb.n dürfe. Diese Mitteilung entspricht n»>e wir von zuständiger Seite erfahren, in keiner U' -ile ben Tatsachen. Die Genfer ^krtinbarungen tznd vielmehr bereit» in Genf schriftlich fixiert worden, fo daß gar kein (Br.inb oorlag, sich noch einmal brieflich an Chamberlain zu wenden. Noch diesen Vereinbarungen. bk oolllommen der beutfehen Initiative entfprungen sind, ist vorgesehen wor>n. ein b i c- jtnei militärische end)- verständige einzulaben, gemeinsam mit General von Pawelß die zerstörten Dftuntrrftönbc zu be- sichtigen. Diese (Eintabunfl ist nunmehr im Verlaufe einer Rtmserenz, an der dte mililSrlscl en Sach- oerflänbigen Englands, Frankreich». Belgien« und Italiens- teilgenommen haben, durch General von Pawelß erfolgt. Die Vertreter der änderten Mächte haben jedoch zunächst nur diese Einladung zur Rcnntn'.s genommen, sie konnten aber noch keine enbflültigr Antwort auf btefe Sintadung geben, bi sie von ihren Regierungen und der Botschaiterkonse- renx eine neue Instruktion ein holen wollen. Bereit» in Genf wurde vereinbart daß General von Pawelh gemeinsam mit den Militär- fachoerstöndiaen noch Abschluß der Reise ein Com- m u n i q u e heraus geben wird, in dem noch einmal das Resultat der Besichtigung feftg^telft werden soll. Cs steht somit bl» setzt noch nicht fest, wann die Besichtigung unternommen werden kann.
______b. ... ... cgicrung nach den Ausführungen Dr. StrescmannS ctnzunehmen gebenle und auch über die Interprer.crung. die der Rote der Botschafterkonferenz vom 14. Rovember
Elsaß-Lothringen vor dem Dö'sterb'tnd.
(Eigene Drahtmeldung de» „Gießener Hnacigere*
Berlin. 29.3uni. Wie verlautet. Laben die Leute de- elsässischen OppositionSblocta vor etwa 14 Tagen sich an ben Völkerbund gewendet, um dessen HUse zur Orlangung ihre» SelbstbestimmungSrechtS in Anspruch zu nehmen. Da» bekannte Straßburger Blatt .Wahrheit" das das Organ dieser Bewegung ist und um da- sich seit Jahr und Tag bet Kampf dreht, veröffentlicht nunmehr den Wortlaut Der Eingabe. die von dem Fall des Baron» Zorn von Bulach auSgeyt.
Zorn von Bulach hat eine mehrmonatige Gefängnisstrafe abzubüßcn. bie über ihn verhängt wurde wegen Beleidigung der franzöfi'chen Justiz. Diese Beleidigung wird darin erblickt, daß der Baron (der übrigen» au» der deutschen Zeit Llsah-Lcthringcns au» Anlässen begannt ist, bei denen er gleichsallS schon in jungen Jahren recht lebhaft für die Eigenart de» elsässischen Volke» eingetreten war) erklärte, solange leine Volksabstimmung da» Elsaß französisch gemacht habe, sei für ihn der Spruch eine» französischen Gericht» genau so bindend wie derjenige eine» chinesischen. Man kann nicht recht erfinden, worin hier die Beleidigung liegt, denn objektiv hat Bulach zweifellos recht, und überdies beleii igt die französische Justiz die chi- ncsifche, wenn f>e in ihrer Gleichsetzung mit dieser eine strafbare Beleidigung erbl’dt. Aber nicht um diesen Fall handelt e» sich hier, der schließlich eine inner-eisästifche oder vielleicht inner* französische Angelegenheit ist, sondern um die immerhin bedeutungsvolle Tatsache, daß nunmehr zum ersten Wale der Völkerbund. und zwar in sehr bewegten Worten, angerufen wird, al» Schirmherr de» elsässischen SelbstbestimmungSrechtS zu wirken. Der Appell, der im Rame i Taufender, die wegen drohender Verfolgung ihren Romen nicht darunter sehen, von einem einzelnen Mitglied der Bewegung unterzeichnet wurde, beruft sich daraus, daß Die „Wahrhe 1' in wenigen Monaten 75 003 Abonnenten gefunden habe, daß, würde die französische ^Regierung nicht durch Dewaltmahnahmen die off ent iche Meinung Niederhalten, der Erfolg der Freiheitsbewegung heute schon ein überwältigender wäre.
Wir befürchten. daß der Völkerbund, durch die Form, in der hier an chn herangetreten wird, die Aufgabe sehr leicht gemocht bekommt, jede Beschäftigung mit der Materie al» einer innenpolitischen eine» Mitgliedstaate» von der Hand zuwei» s e n. Aber e» ist ein bedeutsame» Memento, dah die Bewegung im Elsaß, die in den verschiedensten Formen und unter den verschiedensten Benennungen al» Autonomistenbewegung. al» Heimatbund,
1925 gegeben werden müsse.
Strefemann in Oslo.
Oslo. 28. 3uni. (®olff.) Der deutsche Reichs- außettminifter Dr. Strefemann. der uir (Entgegen- nähme des Nobeipreifes hter eingetroffen ist, nxirtte heute vormittag vom <löntg empfangen, woran sich ein Besuch des Reichsministers beim Mmpterprasi- benten unb Außenminister Lykke sowie bei ben beiden Präsidenten des Parlaments anschloß. 3m
fleinen Kreise fanb bei Gcfandtschaftsrat Jordan ein Frühstück statt. Um 3 Uhr empfing bie norwegische Königin ben Reichsau ßemninistcr mit Gemahlin. Am Abend gab der deutsche Gefanbte Dr. R h o m ■ berg einen großen Gmpsang zu Ehren des Ministers. Etwa 300 Gäste hatten der Einladung Folge gefeilt«, u. a. bie Lionincpräsibenten, Premierminister Lykke, Profesior '.Hänfen, eine Reihe Mitglieder der Regierung, die Mitglieder des Robel- Komitecs, der amerikanische, britische, franv>si'che und italienische (9efanbte, Vertreter der meisten anderen Gesandtschaiten. bervorragende M tglieder der Akademie der Wisienslyasten, Vertreter von Industrie, f)anbei und Finanzen, der deutschen Vereine
unter dem Deckmantel der wisicnschastsichen Forschung die Kriegsschuld Deutschland» und seiner Verbündeten feststellte unb dadurch den Gewalthabern in Versailles die geuhh-.’djie moralische oder vielmehr höchst unmorali'che Rückendeckung gab?
Rochmal»: Hand aus» Herz! Wer weiß da» alle»? Rur wemae werden e» sein I Aber jeder Deutsche mühte e» wissen! Dann würde auch jeder Deutsche von der lleberzeugung durchdrungen sein, daß die Krieg--1chuidfrage die Schicksal»frage de» deutschen Volke» ist. Denn die KriegS^chuldlüge ist dis (Snmblage de» Versailler Diktat»! Wird diese Grundlage erschüttert. bann wird da» ganze Dertrag»instrument zu- fammenbrechen, und bann wird ba» deutsche Volk frei werden von den materiellen und morali'dyn Fesseln, bie ihm am 23. 3uni 1919 im Sptegelsaal von Versaille» angelegt worden sind
Mit Genugtuung wird der ArbeitSouSsrhuß Deutscher Dervände in GvLlar daraus hinweiseir können, daß e» ihm gelungen ist. im Auslands langsam, aber ständig den Krei» derer zu erweitern. bie au» Heberjeugur.g vsfen von der Krieg»- schuldlüge abrücken und bie ösfen kiche Meinung ihrer Länder in diesem Sitme ' eu'.slusseu E» wird noch langer und schwerer Q .eit bedürfen, um bie Gesamtheit der uns einst feindlichen Ra- rionen davon za überzeugen, daß bem deutschen Volke in Versailles Unrecht angetan worden ist. unb daß bie’e» Unrecht wieder gut gemacht lrerben nnkh Richt nur Arbeit wird dazu nötig (ein. sondern Kamps! Für dielen Kampf Rüst- zeug und Waffen zu schmieden, für diesen Kampf tätige Mithilfe be» ganzen deutschen Volke» zu erlangen, soll bie Aufgabe der GoSlaer Reichs- tagung sein. Möge e» bem Arbeitsausschuß Deutscher Derbänbe gelingen, diese Aufgabe zu erfüllen I
Die studentische Kundgebung gegen die Isriegsfchuldlügr.
Berlin, 28. Juni. (XU.) Die Deutsche Studentenschaft Dcranftaltclc heute i n Plenarsaal de» Herrenhauses eine Kundgebung gegen die Kriegsschuldlüge anläßlich be» Jahrestage» der Unterzeichnung bei Versailler Vertrag. Rach den BegrüßungSwvrten be<i Vorsitzenden der Deutschen Studentenschaft behandelte Professor Dr. Karo-Halle in ausführlichen Wor- ten die SntWicklung der (Becoegung gegen den Schuldspruch von Versailles, wöbet er ba» ungeheure Material schilberte. ba» sich in ben letzten Jahren zur Widerlegung der Ärleg»- schuldlüge angesammelt habe. Rach ihm sprach Großadmiral von Tirpitz au» seinem eigenen Erleben der geschichtlichen Vorgänge heraus über »Die Stellung der deutschen Politik zu der Frage be» Kriege» ". Er betonte, daß ohne eine Aenderung ber Weltmeinung über bie Kriegsschuldfrage eine Aenderung der Lage Deutschlands nicht zu erreichen sei. Er richtete an die akademische Jugend die Forderung, als Hüter der deutschen Zukunst auf der geistigen Wacht um die Erhaltung des deutschen Volkstum» zu stehen. In seinem Schlußwort legte ber Leiter de» Amts für politische Bildung der Deutschen Studentenschaft, cand. jur. H e e s ch, eine Kundgebung der Deutschen Studeittenschaft gegen die KriegSschuldlüge vor. in ber bie Rotwendigkeit ber Fortführung be» Kampfe» gegen die KriegSschuldlüge gerade auch durch die akademische Jugend betont wird. Aehnliche Kundgebungen sanden an allen deutschen und österreichischen Universitäten statt. — lieber bie Gießener Versammlung, in bet Prosesior Dr. Rolosf sprach, werden wir morgen eingehend berichten.
auf seiner diesjährigen Reichstaguna» die vom 5. bis 7. Juli in der allen Kaiserstadt Goslar am ^arz stattfindet, an dieser bedauernswerten Tatsache nicht noriibergehen können, (fr wird betonen müssen, wie bitter nötig dieser Kampf gegen das Berjailler Diktat ist. um welche Belange es in diesem Kampfe geht, mit welchen Mitteln dieser Kampf geführt worden ist, welche Erfolge bereits erzielt wurden und in welchem (Sinne dieser Kampf weiter durch- geführt werden muß, wenn er das gesteckte Ziel erreichen soll: die Revision des Versailler Vertrages und damit die Befreiung des deutschen Volkes, der lebenden unb zukünftigen (Generation von ben materiell drückenden unb moralisch entehrenden Bedingungen, die uns in Versailles auferlegt worden sind.
Hand aufs Herz! Welcher Leser weiß, bah e» einen Vor sriebcnSvertrag vom 5. Rovember 1918 gibt, der ba» von allen kriegführenden Mächten angenommene Programm Wilsm^S enthalt unb bah Deutschland auf Grund diese» Dor- sriedenSvertrage» seine Wassen niebcrgclcgt hat? Wer ist sich noch dessen bewußt, daß ba» Versailler Diktat nichts, aber auch gar nicht» mehr enthält von diesem Wilsonschen Programm. bah Deutschland also um seinen Rechtsanspruch betrogen worden ist? Rur eine kleine Anzahl Deutscher wird wissen, dah unsere Feinde aus bem Weltkrieg die in der Geschichte unerhört harten Bedingungen de» Versailler Vertrage» vor ber Meinung unb bem Gewissen ber Welt damit erklärt und entschuldigt haben, bah sie die Lüge von der Allein- schuldDeutschland» am AuSbruch deS Kriege» erfa nr.cn, daß sie die Lügen über die deutschen Kriegs» und Kolonialgreuel, durch die sie die öffentliche Meinung ihrer Länder während de» Kriege» aufgepeitscht hatten, in dem Versailler Vertrag verankerten und dah sie ba» wehrlose Deutschland durch die Drohung mit Fortsetzung ber Feindseligkeiten und durch den Druck der völkerrechtswidrigen Hungerblockade zwangen, sich all dieser ihm angedichteten Verbrechen schuldig^ubekennenund dafür al» Strafe die Versackter Bedingungen auf sich zu nehmen. Unß ettdlich: Wer weiß, dah sich in den unS damals seindlichen Staaten emsthaste Politiker und Historiker gefunden haben, die an Hand der gefälschten Farbbücher der Sntenl« auf Bestellung ein Gutachten verfertigten, da»
helfen den Völkern Europa» nicht, wenn wir ihnen ihre Schulden erlassen ober ihnen Geld leifren. Wir heften damit nur den europäischen Frieden zerstören. Die Geschichte Europa» während der letzten Monate habe dieselben feindlichen Elemente gezeigt, die die Zeit vor AuSbruch de» großen Weltkriege» charasierisierten." AIS Beispiele führte er an die Rede, in der Mussolini eine Armee von fünf Millionen Mann forberle. den Bruch zwischen Großbritannien und Ruhland, die Ermordung russischen Gelandten in Warschau, bie Seerüstungen in Rußland und die Rede Poincarö» in Lunöville. die durchtränkt von Erbitterung gewesen sei.
Die Dreimächtekonferenz in Gens.
G e nf. 29 Juni. (WBck Am Dienstag begannen die Sachverständigen ber SeeabrüstungSkon- fcrciu mit der Vorprüfung ber Vorschläge über die Kreuzer. Die britische Delegation schlug vor, die Kreuzerkl ässe in zwei Kategorien zu teilen und »war erstens Kreuzer mit einem Höchsttvnnengehalt von 10 030 Tonnen, bewaffnet mit Geschützen von 20 cm Kaliber, -weiten- Kreuzer mit 7500 Tonnengehalt und Ausrüstung mit Geschützen von 15 cm Kaliber. Die amerikanische und die japanische Delegation verlangten Bedenkzeit zur Prüfung be» Vorschläge» unb der Wirkungen. Die seine Annahme auf die Flotten der interessierten Mächte hätte.


