Zretlag, 29. April 1927
177. Jahrgang
Nr. 99 Erster Blatt
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Petl*e<Heale:
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Frankreichund die Schweiz
Ton unterem ©*to «Tenchetrßarter.
Du bet Schweiz bcrrfdX gegenwärtig •<« grilnhr ‘Xufregung ,yeantrct4> dal Mordet einmal Dem tletnrn Nachbarn gezeigt w e* heute um den Schutz bet kleinen Hal tonen beleih II, tue ben begannill* bte Entente ben ;dübrt Hal G< t Nj« «rite Mal unb wird licher auch nicht bat letzte Mal bleiben. ZrobbeT;- ifi man bi bet Schweiz baoon immer 6H<bct br*ft unang-tebm berührt ®» flibl eben gtn-ii-. 7inoe. an d.e man sich auch bei Mieter Wiederholung nicht gewohnt
Es handelt sich bte*nal um einen neuen Art in bem alten Spiel um bte Genfer en. Der »lener Äengte* Hal diese w.n- schatelichen 5 reUm.cn auf heute sranzös.Ichern ®.Ud Idnery.i ae'chassen. um der großen Stabt ohne Hinterland Im e genrn Staat wirifchalliche Beti gungsfrriheit zu getoabren 3m Schuhe dies« Slnr chtung ist Vcn| im Okdaut eines ^'vcbunben* grob geworden Der Ausgang d,s "TMtrncgc* erhob Ne Stadt 8um Sitz de» QHlfertninM unb verietzle ihr zugleich einen schweren wirtschaftlichen Lchlag durch bie Aufhebung ber .innen. Frankreich Hal ja ben günstigen RnegsaaKgang auch dazu benutzt, seine särnt- Uchen Wünsche an bie Lchweu im Berfailler Tkrtrag ebcnlall» nach lener Auffassung rtaeln fcu lallen So gelang es auch 1919 durch stärksten Ihruif und Uebemnnpelung bte Schweiz dahin au bringen. zu brr Aufnahme einet Bestimmung in den Fnedensvertrag bte Zustimmung zu geben, bie eine Heute gelang ber denen um Genf durch lieberdnfomimn der beiden Staaten borfab 3n den daraufhin begonnenen Der- handlui g.-n brachte Frankr.nch durch seine über- leg ei dipiomati che GelchicklichkeU und volle Ans- nuhung seines politischen GtetmdX» es fertig, daß ein Zonenabkommen zustande kam. da» tat- sächlich nach zehn Zähren die Zonenjum Der- fchwinden gebracht hätte, dum großen Ikrfrrul ber Machthaber in Pari» nertoarf je- bexb da» SchlottAetfr-lk in emer Brlk»abstim- mung dieses Abkommen mit wucht:gern Mehr. Aach einigem Zögern schrill daraus bte Hcnicrung Penmars im Ofinber 1923 einfach zur Gewalt. Sie hob die ganzen durch internationale Dtr- trägc gesichert-N 3or«m einfach kurzweg auf. Lider jeder e.Tc^dgfeit Hohnsprechen^ »ill- Türutl war natürlich der Schweiz gegenüber leicht möglich. bat aber ebenso natürlich hier sehr große Mißstimmung erwedt. 3» kam dann ich eßttch zu neuen Verhandlungen. Die beiden Arg erungen tarnen im Herbst 1924 überein, die ganze Angelegenheit dem Haager Schied»- geeicht zur Entscheidung zu uberneben. Diese» neue Abkommen wurde bereit» im Frühjahr 1925 onn dem Schweizer Parlament genehmigt Freilich .irichad das ohne große Freude, da Sranfr rrlch auch diesmal bet der Formulierung der Sircitsrag'' seinen Standpunkt im bollen Umfang- durchgedrückt hatte „ , Ä ,
Aus diesem Punkte ist jedoch die Sache stehen gebln-ben. 3n den vergangenen 3ahren hat Frankreich sich nicht entschließen können, da» Sch,, sabkommen nun auch seinerseits zu ae- nebmtgen. Dieser Standpunkt ist nur zu be- grei'l.ch 3n Wirklichkeit hat sich ja bte Pariser Regierung mit Gewalt ade» vorwegge n o m - men. was sie überhaupt erreichen kann. »eB- halh soll sie nun da» in einen Prozeß von neuem auf» Spie! sehen? Deshalb verichteppi man die Angelegenheit immer weiter und hofft Wohl, daß damit schließlich Gewohnheit# recht geschaffen werde. Da» ist ernsach»die Poltlik rück- sicht»! testet Ausnützung der Macht de» vtär- fervn! Sie lohnt sich in diesem düfie noch besonder» weil die Schweiz bisher immer noch den doncnbetonb.KF! die «allen Vorteile ungestört .zukommen läßt während .rruntrci* Mner- fdt» die Zollsperre bi» ins kleinste durchtuhrt!
Dieses Verhalten Frankreichs wurde befon- ders von G c ns au», wo man das »rgednte im Wlrttchaflslebcn deutlich suhlte, mit legen- ber Ungeduld beobachtet, 0» kam dazu, daß Franke. iÄ durch ben dian einer hohen fahr- TidKi*. Mop’'teuer (60 Mark» auf die in Frankreich lebenden zahlreichen Schweizer weitere Mißstimmung fchu' Dagegen war e» der -Regierung Prnncars sehr willkommen. durch bte
Großbanken immer neue Anleihen auf- legen zu la«en die bei der Währung»! amerung merklich mitdatten. Alle diese Dinge sühnen schließlich dazu, daß man gerade in Dens sehr <char' gegen diese sranzöfifche Politik «üsrvnl machte und mit ber Anrufung des Völkerbundes drohte. Daraufhin entschloß man sich endlich in Pans, wieder etwa» vorwärts zu machen unb da» Schiedsabkvmmen in der riontnlragc nun auch durch den Senat genehmigen zu lassen. Sr- leichtert atmete man bei uns auf und boHte nun. daß jetzt bald einmal der Rechtsweg belchrikteN werden könne, ber ja bis zur Entscheidung noch viele Jahre dauern wird
Da kam nun plötzlich von Paris die Aach- richi. daß die betreffenbe SenaiölommiNion mchr au’ da» Srickxi't eingehen wolle Deshalb? Man erklärte, daß ein anderes Abkommen mit der Schweiz von bieder auch noch nicht erledigt sei 'S» handelt sich hier um den ebenfalls tm HedaiUer Vertrag vorge'ehenen Verzicht der Schweiz auf bte kintQrd auch vom Wiener Kongreß geschaffene Neutralität Hc-chfavoven». also des sranzöll’chen Gebiets unmiitclhir am Sndrand des Genfer Sees. Die beiden Angelegenheiten haben zwar nnteinanber gar nichts ju tun. Aber offenbar möchte man in PanS die Geiegcnheit benutzen, um von ber Schweiz noch rofd) etwas herauszupreffen oder
Strefemann über Weltwirtschaftsfragen.
3m Lause ber nächsten Loche »irb bte erste LellWirlschasfkonferenz in Senf er- öffnet werden Gegen 800 DelrgleNe unb Sachverständige sollen dort zu Gehör kommen- auf drei Lochen mindesten» bemißt man bie Dauer ber Ion-
Die Schwierigkeiten dieser Äonferrru liegen in dem Fehlen eine» vorherigen ttinoerfiänbnfhee über die Probleme, bte man tm verlaus dieser Konferenz Hären will, denn die vier großen gragenkomplexe. bie die Summe der Aufgaben barstellen, würben zu einer Klärung bie zu praktisch brauchbaren Ergeb- nissen edensomele Monate ober vielleicht Jahre brauchen, wie hier Lochen zur verfüauna stehen. Sie umfassen der veihe nach- 1. eine Prüfung ber weltwirtschaftlichen L'uae im allgemeinen; 2. eine Prüfung der Verhaltmste be» internationalen Han- bei» und der Hanbelebcziehungen ber Länder unter« einander. 3. bte Probleme ber Industrie und 4. diejenigen ber Landwirtschaft. In den Vordergrund de» Interesse» scheint sich aber bas Problem ber Lirtschaft»angleichung mit seinen verschie- benen verzweigunaen schieben zu wollen. Hier handelt t» sich zunächst einmal um den Abbau b e * slehender W i r 1 s ch a s t , h i n be r n t s s e , wie der (Ein- unb tiuefuhrüerbote, ber Paß- und Wie- deriafsung»schtvierigkeiten. der nach rein nationalen Gestchtepunkten betriebenen Verkehr»- und Eisen- babnpolitif usw. Endlich stehl in diesem Spezial- komplex die Frage der Zollpolitik und der Zolltechnik Im Vordergrund Die Wünsche sind sehr verschiedenartig, die hier vertreten werden; sie Jrhen von dem vorichlag de» Vbschlufse» einer uropäischen Zoll-Union oder qar einer vellzoklunion über die Schossung eine» Eu- ropäifchen Zoll verein» mit stusenweisem Bbbau der Zollgrenzen bi» herunter zu der Schaffung eine» einheitlichen Zolltarif-Schema», mit dessen Hilfe vor allen Dingen der Abschluß von Handel»vertrag»- Verhandlungen erleichtert und vereinfacht werden soll
Wester steht das Problem Mitteleuropa im Vorder gründ, da» in seiner geacn- värtigen Form au» der Zerschlagung ber öfter- neichitch-ungarischen Wirtschaltsefnheil entstanden ist 3n weiterem Zusammenhang mit der Aufgabe der Wirtschaft»- und zollpolitischen Angleichung von Staaten und Staatengruppm wird die Frage der internationalen Kartelle u n b X ru st s behandelt werden, die sa in neuester Zeit burch bas Kalisyndikat. die internationale Aohstahlgemeinichaft, das Glüblampen-.<kartell und andere überstaatliche Organisationen eine aktuelle Bedeutung gewonnen haben und von bestimmten Gruppen der Wirtschaft und der Wirt- schaftswistenschast als bat hanbhdifie Mittel zur Herbeiführung bet Wirtschastsvercinheitlichung. zunächst Suroha», angesehen werden
Die Landwirtschaft, die erst nachträglich mit auf das Programm der Genfer Konferenz gesetzt wurde, kommt als da» unerläßliche Äorrelat zur Industrie und als ein häufig in r.itgcl-,cngcfeni<m Sinne interessierter Wirtschaft»'aktvr für die meisten ber vorgenannten Fragen edenfalls in Betracht 3nvieweit sich international rin Ausgleich solcher Interessen- wgenläne zwilchen den einzelnen Zweigen der Produktion und des Handels herbeiführrn läßt, das zu ermitteln, wird schon eine der bemerkenswertesten Aufgaben der Aonferenz sein. Zur weltwirt'chaftlichen Lage im allgemeinen werden Berichte von Deutschland. Frankreich, der Schwerz. Schweben usw oorgelegt werben, die wahrscheinlich allein schon Material genug für eine große Konferenz abgeben würden
Die Rede Stresemanns.
Berlin. V. April. sWDB) Hei her heutigen Eröffnung der dte»,Lhr.gen Xogung be» Tkrein» Deutscher Maschlne7st»auanstalten hielt Hetchsmin.ster Dr. Strefemann et ne Hebe, in der er sich mit modernen Problemen ber Wirtschaft beschäftigte Aachdem er die Gruße be» Reichswinschaftsn-. nister» überm.ttrit hatte, wies ber M in. st er auf die Bedeutung hin. die Nc Zusammenarbeit ber wirtschaftlichen Faktoren rml den Behörden angesichts ber jetzigen Lage habe, in ber wir vor schweren Entlche.bun^en stehen. Dr. Stresemann betonte bann die Notwendigkeit der Erkenntnis, daß nur In der gegenteiligen Derpslichtung des Staatenverkehr» unb de» G ü lerausla usche« der Auhen unb Gewinn aller Dollswirtschaflen gesunden werden kann. Wir müssen uns. so fuhr er fort, frei machen von dem Gedanken al» gäben Verluste und schlechte Abfatzverhältnlsse Im Er- pvrrhandel den 3ndustrien der Länder ein ausdrückliche» Recht aus den heimischen Markt. Wollten wir die inneren Märkte durch Einfuhrverbote unb Zollschranken vollkommen abschließen. so würden sich die europäischen Qänbrr halb bi den tiessten und engherzigsten Prvtektionrs- mus verstricken.
Vie wrltwlrischast ist ein einheitliche» Ganze», unb c» ist eine ««»Wirkung dieser oou wirt- schafUichrn ©riehen beherrschten 3roang»gemrin- fd)»lt aller Glieder der heutigen lDellmlri|Aali. baß ein »ebe» an dem n>irl|«ha,llid)cn Gebetben be» anberm rin Interesse und Anteil hat.
Dr. Stresemann skizzierte dann einen Abschnitt aus ber DenNchrist. bie brr Verein sür die Dritwirtschaftskvnserenz vorbereit.l hat und worin gesagt wird, .daß der gegenteilige Austausch der maschinenerzeugenden Länber imter- einanber wrientlich wichtiger ist al» die Ausfuhr nach ben sich industrialisierenden Ländern . Leider Hai sich, fuhr bet Minister fort, btricr Gedanke der internationalen Verflechtung und Arbeitsteilung noch nicht überall bei der Industrie Europa» durchgesctzt. 3m Gegenteil schzine eine große Anzahl, insbesondere junge © t a a • t e n durch hohe Zolltarife ihren Markt abschließen zu wollen, um neue Industrien groß- zuzießen, zu denen ihnen die Grundlagen fehlen. Der bekannte französische Wirtschaftler und Staatsmann Louchcur habe unlängst einmal griagi. baß die politische Befriedung ber Welt erst burch bie wirtschaslliche Befriedung ihr- wahre Festigung erhält Sr Stresemann Pofst, baß man diesem Ziel durch di? Wellwirtschaftskonferenz ein gut 2eil näherkommen werde Die di-utsche Sach^-rftändigcngruppe ist feine Vertretung der deutschen Otegierung. vielmehr gehen ihre Mliglieder als Effponenlen ber deutschen Wirtschaft nach Genf. 3n diricm Gedanken des internationalen Meinung», austaufches zwilchen ben hervorragendsten Ver- trriern au» Handel, 3ndustrie unb Landwirtschaft aller Länber liegt ein großer Fortschritt Wenn bic Äonfcreni gewiß auch nur ein Anfang ist. so kann sie doch helfen, bte Schwierig keilen bte heute bestehen, burch ein besseres Verständnis für die gegenseitigen Höte unb Wünsche zu beseitigen.
Dr Stresemann beschästigte sich bann auch noch mit unserer wirtschaftlichen Vage. Er führte hierzu u. a aus
Da» Kernproblem ist bie Beschaffung her Arbeiternöglld)felt selbst.
Die ist außerordentlich schwer, da wir uns. ver- glichen mit der Derknegszeit. unzweNelhati auch beute noch in einet Periode wirtschaftlichen Niedergangs und starker wirtschaftlicher Deprrifien befinden Es ist mir unbegreiflich wie man bei irgendeinem Vergleich unterer einstigen Vage mH der gegenwärtigen mit dem Schlager von einet deutschen Prosperität oder einem wirt chafilichen W»«beraulftieg kommen kann Sinnbild unterer wirischastUchen Vage ist die mangelnde Fundierung an Hohstossen. ist die mangelnde finanzielle Fundierung unterer ganzen Wirtschaft. Und die schweren so - »laten unb steuerlichen Lasten, die aus ihr ruhen Es werde brt allergrößten Anstrengungen bedürfen, um diejenige Ausbalancierung unserer Bvikswittschasl wieder zu erreichen, die uns einst auch im Verhältnis von Ein'uhr zur Aussuhr die Stellung gab. die Deutschland vo> den, xriege aus bent Wei.markt eingenommen bat Er ist bekannt, daß diese wirlschaftliche Weltmachtstellung aulgebaut war aus bei .deutschen vc rar bei lenden 3nduslrie. und qeflatlm Sie mir. dies als meine versöniiche Aussassung hinzuzufügen. daß sie aufgebaut war aus bet
gesunden Situation ber Cln)rigri<Mfte unb Einzel Persönlichkeiten.
die das Veste dazu beigelragen haben, um uns diele Stellung zu schassen 3ch mochte wünschen, daß der durch die Hol der Aachkriegszett vor Nck> gegangene Prozeß der Verstärk ng des Veibän e treten» in ber deutschen 3nduftrle uns noch Pla> läßt sür diese Form deutscher Unternehmung
Die deuisch-sranzöfilchen Handelsverlragsverhandiung
Eigener Drahltzerichl hes „Gießener Lnzetgers'
B e r l i n , 28. April. 3m verlauft ber h c u 11 d> französischen 1) a n b e l • o r r t r a a 6 o e r • honblungen haben nunmehr bie Besprechun gen de» deutschen B 0 11 ch afi » raIe » in Pari» mit bem französischen Hanbelsmimster Vokann w s k g ftniiflelunben, über deren Ergebni» unb Inhalt zur Zeit noist nicht» an hiesiger Sielte vor- liegt. Ob biefe Bespt,chui,„«ii bie augenblickliche Situation in ben beutsch-iranzvs'schen Wirtfchasi»« Verhandlungen wirNich erleichtern werben, steht noch sehr bahin. Iebensall» ließ bie Hebe de» Heid)»- außenminister», die er heute bei brr Qr6ff« nuna der bie»|dbrlflen Tagung be» Verein» Deutscher Maschinenbauanstalten hielt, erkennen, baß auch et noch ketne»weg» optimistisch über ben Au»gang bieser Wili chalteoethanblutigen benfi. Dr. € I r e fern a n n bofli leboch. baß bie Weliwi.t- schastekonseren, nicht unmeifniltdi dazu b<Hingen wirb, bie politische unb unn chaftliche Bestiebung der Ltelt herbe,zufuhren. E» ist aber unzuttef- f e n b , daß, wie (*eruAte besagen, in ö r n f bie Absicht beftunbf, die beutschsranzSstschen Handelsoertragsoerhanblungen hort roeiterjufuhrtn Angesichte be» Programm» ber Lteltw>rtschas»»konterenz und ber borfiflen außer- orbenllid) schwierigen Situation bürtir bie» auch allerblng» nicht ohne Einfluß auf bie d.ut'ch französischen Hanbel»«rlrag»oerhanblungen bleiben werben, bürste zu erwarten sein. Immerhin laßt sich trog be» v elsach geäußerten Dpilmitmu» auch in der sranzößlchen Presse noch keine»weg» lagen, wann die Verhandlungen zu einem positiven Abschluß gelangen werben.
dann in der Zvncnsrage eine neue Verschleppung auf ganz unbestimmte Zeit zu «reichen. Es ist wohl kein Zufall, daß dies« Stre.ch gerade unter der neuen Minifterpräfidenrichast Poin- carss erfolgt, der ja schvi früh« in der Jonen- ftuge zur offenen Gewalt und »um Aechtsdruch gegriffen ha: Die Entrüstung über dieses Verhalten ist bearriflich. Wa» wird fie ab« nützen? Entweder schluckt Ne Schweiz die neue bittere Pille und hoste daß dann Frankreich endlich geruhen wirb, da» Abkommen zu genehmigen. Ober e» wird wieder einen unabsetzbaren Stillstand in der Zonensrage geben, währenddem Frankreich ruhig rm Besitze des umstrittenen Gegen- ftandes bleibt. Das eine wie das andere ist wenig erfreulich unb muß zu allerlei Betrachtungen über die wunderbare Lage der kleinen Staaten gegen über den immer cttel mutigen und hilfsbereiten s.egreichen Großmächten anreizen!
Strefemann - Briand.
ein relcgrammivcchsel.
Paris. 28. April. (SS) Hridtsaufeenminrfter Dr. Stresemann hat ü-i her. 8uynmmrftfr Brionb anläßlich kmes- 25jährigen parlamentarischen Jubiläum» bä» folgende Glückw irvchtelegrsrnm gendtict:
..Sehr geehrter Herr Srianb! Sn dem heunaen Tage, an dem e» Ihnen bkfch.eden Ist. auf 25 3?hre eine» an Ehren reichen pollNlchen Leben» yirüdju- blicken, überienbe ich Ihnen -eine ausrichtig. sten Glückwünsche unb spreche bie Hof'nung au* daß Ihnen nocd viele Jahre sruchtbringender Tängfn: belieben fein mögen.'
Außenminister Briand bat Srichsaußenrnmi- fter Dr. 6 t r r f e m a n n mit folpenbrrn Telegramm geantwortet:
„eefar gerührt über Ihre Dünsche barfr ich Ihnen dafür sehr ausrichng. Denn ich den während
25 Jahre politischen Leden» durchlaufenen weg zurückblicke, z-hie ich bie letzten beiden Jahre zu den teuchtbrmgendsten meiner Tätigkeit, während welcher wir im Intereste unserer beiden Länder und be» Brlhriebm» in gprneinsamer Verftanbigung da»felbe Ziel versolgt haben.'
Auch bie Stabt Locarno hat Sußenminisler Briand ju jemem Jubiläum (Blutfrounldje übermittelt.
XationaüNifdfr «rschichtslliiterung.
B a r i » , 28 Sprit. (»TB.) Zu bem Telegramm, ba» Außenminister Briand an stteichraußen- Minister Dr. 6 t r e le m o n n richtete unb in brm er bu tep.ten beiden Jahre seiner Tätigkeit al» die fruchtdringenbsten bezeichne, hat. wa» be- beulet baß er sich glücklich schätzt, im Interesse be» europäischen Fneben» mit dem verantwortlichen Vetter der brutschen Außenpolitik unter g!e-chrn Bebingungen arbeiten zu können, glaubt ba» Journal be» Debet»* seststellen zu müßen, ans welche Schwierigkeiten « bei Fortsetzung birsrr Politik stoßen werbe Da* Blatt schrubt namlid} Der Fehler Brionb» 'st. mit ber Begründung zu arbeiten unb so zu hanteln.^L» wenn Deui'chrind sich im gleichen Gc steszustanbbe fände. Der F riebe ist für Deulschlanb nur ein ®,ttcl « onzessionen zu erholten, ein »it< tcL feine S«ar.tn>ortlid3’fi: unb fein Unrecht in vergef fenheil ;u brmger. ein SRitleL ferne Riederla.e ju c-erwiichen. cd wünschen»wen auch lonefif SezÜbungen mit Deulschlanb sind, so be- daurrluh find Abkommen, bet benen wir alle 6 oft t n tragen mü'ter. Die Ereignifle haben un» feit einigen Wochen Gelegenheit gegeben, unsere Belnif zu revidieren. Der von Bnonb unternimmt ne Beriudj bat nur zu lange gedauert. E» ist bemon strativ: Deutschland ist keineswegs zu der Annäherung bereit, die Bnant ins Buge gefaßt hatte. Alle unsere Interesten unb unsere
Geschichte in ben letzten zehn Jahren zeigen un», daß ber Friede im Westen mn durch eine englisch-französische Verständigung möglich ist, wa» ai'dq brr stampf gegen be? Bolschewi»- mus unb die Möglichkeit einer eingehenben Nach- orüsung unterer auswärtigen Loge gebietet Der Supenbbif ist allo nicht geeignet, sich dem Deutschen Gleich zuzuwenden, da» mit wowjetrußland ein dunkle» Spiel treibt, dessen Absichten un» keine«w,g» aünltigt sind unb besten Folgen für un» unhrif- bringend sein können
Der Kamps um bie Rheinland» räumung.
Die französische Linkspresse harte es bieder vorgezogen, «ufr an der wiederaus geflammten Debatte über das Thema der Ahonlandräu- mung nicht allzu stark zu beteiligen. Sie üb«- ließ es in ber Hauptsache den rechtsstehenden TI Altern, uns den Standpunkt der maßgebenden politischen Kreise Franfrrichs auseinankter zu setzen Jetzt ab« «greift plötzlich die links Orient irrte ,Ere Houoelle“ das Wort, nutzt um unt zu lagen, daß sie unsere Fvrb«ung nach Zvrück- i‘.ebung der Bef atz ungs truppen für berechtigt halte, sondern um festzufteLen daß b-t Räumung von der rrhloten Erfüllung der Sicher « he', tsklausel abhängig sei Wir haben in tr.riem Punkte nicht LnerhÄHche» geleistet, Haber tr.e griamte Rüstung zerstört, bie Locarno-Ber- trägt abgeschlossen unb un# auch w-ri<chaftli: und finan-'eU so festgelegt, daß Ärieasvorber. hm gen unlereritits auf 3ahr^eßntt heraus t Ding der Unmöglichkeit lind Da» alle» w jedoch tr.e Ere Houodle“ nicht geilen lasten. L bringt vielmehr die Ahrinlandräumung. die dock, erne rein dcutfch-franzö'ilchc Angelegenheit ist. überrollenbertorte mit der europäischen Entwaffnung m Dkrbtn- dung Weirn ein französische» blatt so weit


