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gekttmgsschau.

Ausland und Wilmsvrozeß.

Sn derTäglichen Rundschau- beleuchtet Heinrich Rippler einmal die ungeheuerlichen Fol­gen, die die Fememordprozesse für unsere Außen­politik haben müssen. Er schreib!:

Alle furchtbaren Lehren, die die Geschichte dem deutschen Volke in den letzten Jahren gegeben hat. haben es noch nicht aus seiner egozentrischen (Um­stellung herausheben können. Mr sind wir und be­treiben unsere inneren Angelegenheiten so, als ob wir allein auf einer Insel lebten und die übrigen Völker eigentlich gor nicht vorhanden wären. Seit Monaten geben wir dem Auslände das Schauspiel der Fememordprozesse. und toenn Herr Poincare einsichtia ist, wird er merken, daß er die Unsum­men, die er für sein Spionenheer in Deutschland zahlt, eigentlich umsonst hinauswirft, da wir ihm alles Wissenswerte durch unsere Gerichte gratis und freiwillig und in sensationellster Auf­machung servieren. Wir wünschen die Befreiung des Rheinlandes und machen für sie dadurch Stimmung, daß wir alle die Notmaßnahmen, die wir in unseren schlimmsten Zeiten, im Jahre 1922 und 1923, treffen mußten, in immer wieder sich wiederholenden Ge- richtLverhondlungen dem Auslande recht eindringlich ins Gedächtnis prägen. Der Verteidiger im Wilms-Prozeß hatte recht, als er seststellte, daß es kein Land auf der Erde gibt, das eine derartige Selbstschädigung und Selbstbezichti­gung vollziehen würde, und er hätte hinzufügen können, auch kein Land, das gegen Leute, die immer­hin in seiner, schwersten Zeit ihm dienen und ihr Leben für ihr Volk einsetzen wollten, rücksichts­loser, un dankbarer und roher gehandelt hätte. Wie das Gericht urteil im Wilmspcozeh be­sagt, bestanden die Arbeitskommandos, um die Reichsivehr zu stärken und einen Schutzwall gegen­über Insurgenten und Einfällen von außen her zu bilden. Es waren Gebilde einer Ausnahmezeit, die auf Ge Heimhaltung angewiesen waren, weil sonst der Staatsregierung Schwierigkeiten ent­standen wären, und weil jeder Verrat einer Menge Menschen das Leben gekostet hätte. Diese Arbeits­kommandos bestanden aus zusammengewürfeltem Volk, neben Idealisten dienten verlorene Leute, Abenteurer und Draufgänger, die sich nach dem Kriege im bürgerlichen Leben nicht mehr zurecht­finden konnten. Es kamen schwere Untaten vor, die ihre Sühne finden mußten, aber doch nur nach Maßgabe jener Zeit und nach der Maßgabe der Verhältnisse, in die die Leute von der Regierung selbst hineingestellt worden sind. Man hätte die Leute vor ein militärisches Ausnahmegericht stellen und ein Urteil in der Gesamtheit ausspre­chen müssen. In Preußen beliebte man aber, um ja die Volkserregung möglichst lange wach zu hatten und dem Auslande aenügend Hetzstoff für Jahre zu geben, diese Gerichtsverhandlungen vor» bürger­lichen Gerichten, noch dazu vor solchen mit erheb­lichem politischem Beigeschmack, durch Jahre hinzu schleppen, ihnen durch parlamentarische Untersuchungsausschüsse die nötige Resonanz zu geben und die Rechtsprechung mehr oder weniger in die Hände der Linkspresse, für die alles nationale Tun von vornherein ein Verbrechen ist, zu spielen. Wenn das Vertrauensverhältnis des deutschen Vol­kes zu seiner Rechtsprechung erschüttert ist, durch die Fememordprozesse ist es nicht gehoben, sondern bis zur Wurzel vergiftet worden. Das vierfache Todesurteil hn Wilmsprozeß wird nirgends ver­standen werden, und noch viel weniger das Auf- treten der Staatsanwälte, die als Funktionäre der Linkspresse zu sprechen schienen und nicht als Ver­treter derobsekttosten Behörde der Welt". Wenn die Staatsanwaltschaft es mit ihrem Gewissen ver­einigen konnte, das Todesurteil gegen die vier Män­ner zu beantragen, fo konnte sie doch nun und nim­mermehr Leuten, die einen militärischen Befehl aus­zuführen glaubten und nach Lage der Dinge fast ausführen mußten, die bürgerlichen Ehrenrechte für immer aberkennen wollen. Diese vom Gericht abge­lehnte Gehässigkeit hat mit der Findung des Rechtes nichts mehr zu tun, sondern nur mit der politischen Einstellung jener Parteien, die jeden Militarismus, jede Wehrfähigkeit bis zum letzten Keime ausrotten wollen. Der Gerichtshof selbst hat ein Gnadengesuch für die Verurteilten eingereicht; aber was nützt ein Gnadengesuch gegenüber Leuten, die auf jeden Fall " vernichtet sind, und denen ihr Recht nicht geworden ist. Wenig rühmlich war auch die Rolle der Reichs­wehr gegenüber den Leuten, die sie doch schuldig werden ließ und dann ihrer Pein überließ. Mäch­tiger als je aber hat sich der Terror der Linkspresse gezeigt, dem gegenüber sich leider und zu ihrem dauernden Verhängnis unsere Rechtsprechung nicht unverwundbar und unangreifbar zeigte. Wir fürch­ten, daß das Wilmsurteil, bei dem nun auch endlich der meistgehaßte Schutz, wenn auch ohne Beweise, zur Strecke gebracht worden ist, lange und schwer heilende Spuren im Rechtsempfinden des Volkes hinterlassen wird.

Der Reichshaushatt.

Berlin, 28. März. (VDZ.) Der Haus­haltsausschuh des Reichstages setzte die all­gemeine Aussprache über den Etat der allge­meinen Finanzverwaltung fort.

Abg. Dr. Fischer-Köln (Sem.) begrüßte grundsätzlich die in der Haushaltsrede des Reichsfinanzministers vertretenen Gedankengänge sie ständen in entschiedenem Gegensatz zur Etats­rede des Ministers, wo er erklärt hatte, daß irgendwelche Reserven nicht vorhanden seien. Zu dem von Reinhold hinterlassenen Etat träten noch Reserven in Höhe von mindestens 660 Mil­lionen. Bedauerlich sei, daß Drosselungs- Maßnahmen in erster Linie bei den s o z t a - l e n Teilen des Etats vorgenommen worden seien. Der Redner beantragt, die Streichung der Erhöhung der Dierfteuerentschädigung für die süddeutschen Länder und die Streichung von 10 Proz. im Reichswehretat, mit deren Hilfe Einkommen-, Körperschafts- und Zuckersteuer ge­senkt werden könnten. Pauschaliere das Reich ferner die äleberweisungen an Länder und Ge­meinden auf 2400 Millionen, so ständen für Steuersenkungen insgesamt 300 Millionen zur Versügung.

Reichsfinanzminister Dr. Köhler weist die Auffassung zurück, daß seine Darlegun­gen im Haushaltsausschuß im Widerspruch zu seinen Ausführungen in der Etatsrede stehen und fährt dann fort: Auch damals habe ich schon an- gekündigt, daß wir an den Einnahmen für 1926 einen äleberschuß au erwarten hätten Es trifft ferner nicht zu, daß ich damals eine Er­höhung der Etatsaniätze für 1927 nicht für möglich gehalten hätte. Ich habe vielmehr zum Ausdruck gebracht, daß die Hoffnung auf ein erhöhtes Auskommen eine gewisse Berechtigung habe. Y?i Einziehung derEteuerrück st ändew'

natürlich in jeder Bezrchung schonend auf bte wirtschaftlichen Verhältnisse Rücksicht genommen werden. Hinsichtlich der Reserve des Be­triebsfonds muh ich feststellen, dah ganz ohne ihn nicht auszukommen ist. Rachdem wir anaefangen haben. Mittel deS Betriebsfonds ein­zustellen, werden wir bald gelungen sein, kurz­fristiges Geld aufzunehmen. Wir müs­sen unbedingt darauf achten, daß der Wirtschaft nicht zu viel Geld durch die öffentlichen Verbände entzogen wird. Wir müssen Zurückhaltung üben.

Bei den Abstrichen bei den für soziale Zwecke vorgesehenen Mitteln muß ich darauf Hinweisen, daß diese Abstriche gemacht sind, um gerade andere soziale Zwecke zu erfüllen, so die Erhöhung der Invalidenversicherung, die Un­terstützung der Kleinrentner usw. Diese Abstriche sind auch deshalb gemacht worden, weil sie Der» steckte Ländersubventionen darstellen. Im Interesse der Klarheit des Verhältnisses zwi­schen Reich und Ländern müssen diese versteckten Subventtonen beseitigt werden.

Vas neueWirtschastsprovisorium mit Frankreich.

Berlin. 28. März. Roch am Samstag­vormittag war die Presse voll von Rachrichten über ernste Schwierigkeiten, die in den Pariser Verhandlungen über eine Ergänzung des laufen­den Wirtschaftsprovisoriums und die Grundlagen für einen endgültigen Handelsvertrag aufge- treten seien: der ,Petit Parisien" hatte sich dabei mit einer besonderen Alarmmeldung hervorgetan und einen Einschüchterungsversuch mit dem Hin­weis auf eine wahrscheinliche Kündigung des Provisoriums per 31. März gemacht. In dem Augenblick aber, an welchem diese bedrohlichen Mitteilungen ihren Weg in die deutsche Presse fanden, hatte sich das Bild bereits grundlegend gewandelt: nächtliche Verhandlungen vom Frei­tag zum Samstag hatten eine Verständi­gung in den Hauptpunkten ergeben.

Die Differenz, um die es sich drehte, betraf nicht, wie das von französischer Seite behauptet wurde, das deutscherseits verlangte Kontin­gent an Einfuhrwaren, besonders Chemi­kalien, das in entsprechend höherem Ausmaß als Gegenleistung für das Zugestäiidnis eines französischen Weinkontingents zu den gleichen Bedingungen verlangt wurde, die Spanien und Italien genießen, sondern in der Hauptsache den Verteilungsmodus: die Frage, ob die chemischen Erzeugnisse Deutschlands im freien Verkehr zwischen französischem Verbraucher und deutschem Lieferanten eingeführt werden dürften oder nur durch Vermittlung einerSachlieferungs-Organisation, in der die Konkurrenz, die französische chemische Industrie, eine entscheidende Rolle spielt. Diese Klippe ist umschifft worden, so dah die Gefahr eines vertragslosen Zustandes nach dem 31. März nicht mehr besteht: im Gegenteil ist das bisher bis 31. Mai laufende Provisorium, das die Franzosen einseitig zum 31. März hätten kündigen können, nunmehr bis Ende Juni verlängert. Ob die Einzelheiten in allen Punkten dem deut­schen Wirtschaftsinteresse entsprechen, und ob nicht die eine oder andere Gegenkonzesswn gemacht werden mußte, um eine Verlängerung des Pro­visoriums bis zu einem Zeitpunkt herbeizuführen, bis zu welchem voraussichtlich der neue franzö­sische Zolltarif vom französischen Parlament an­genommen sein wird, steht Im Augenblick noch dahin.

Zugleich sind aber in den jüngsten Ver­handlungen die Grundlagen für einen end - gültigen Handelsvertrag gelegt wor­den, in welchen drei recht erhebliche Konzes­sionen an den deutschen Standpunkt gemacht wurden: die Franzosen haben auf eine vorher verlangte I4monatige Karenzzeit verzichtet, wäh­rend sich die französische Industrie der Ueber- segenheil der deutschen anvassen sollte, sie ha­ben sich bereit erklärt, ihren Minimaltarif selbst auf die Vertragsdauer zu binden und an die­sem vorher als unabänderlich bezeichneten Tarif in einzelnen notwendigen Positionen evtl. 016- str.cye vorzunehmen. Man darf also zusammen- faficm) feststellen. daß sich die außerordentlich schwierigen und langwierigen deutsch-französi­schen Wirtschaftsverhandlungen, die sich zwei Jahre lang mit geringer Aussicht auf Erfolg hingeschleppt haben, nunmehr in einem aus- sichtsreichen Stadium befinden und nach Annahme d<L neuen Zolltarifs in Frankreich voraussichtlich in einigen Monaten zu einem für längere Dauer geregelten Vertragsverhältnis führen werden Das ist nicht nur für die beiderseitige Wirtschaft, sondern auch für die politischen Beziehungen der beiden großen Nachbarvölker von außerordentlicher Bedeutung, und man wird deshalb auch nötigenfalls die eine oder andere nötige Konzession an die uns unerwünschten Erfordernisse der französischen Wirtschaft in Kauf nehmen müssen, wenn sie durch erträgliche Dosierung Schädigungen der beteiligten deutschen Wirttchaftskreisc zu ver­meiden wissen.

Zentr. m und Bayerische Dolkspartei

Berlin, 28. März. (Tel.) Die Verhand­lungen zwischen dem Zentrum und der Bayerischen Vonspartei über Bildung einer parlamen­tarischen Arbeitsgemeinschaft mit dem Ziel der Wiedervereinigung haben in den letzten Tagen erhebliche Fortschritte gemacht. Rach dem in gemeinsamer Stellungnahme zwischen den führenden Persönlichkeiten der beiden Reichs­tagsfraktionen die Hauptfragen so gut wie gc- Härt worden warem fand in der vergangenen Woche eine Sitzung des Reichs Parteivorstand es des Zentrums statt, die sich noch einmal mit der Angelegenheit beschäftigte. An der Sitzung nahm auch Dr. Wirth teil. Die allgemeine Ansicht ging dahin, daß neben der Behandlung getoifier organisatorischer Fragen auch eine gemein­same geistige und politische Grund­lage gefunden werden müsse. Als diese Grund­lage wird das von der Zentrumssraktion ge­legentlich der Regierungsneubildung aufgeftdlte nationale und sozial-politische M a n i f e st an­gesehen. Der Vorstand beschloß, hiervon derBaye- rischen Volk-Partei unverzüglich Kenntnis zu geben. Er soll die Regelung für eine Arbeits- | gemeinschast sowohl der beiden Fraktionen, als auch der beiden Park eien Vorschlägen. Es wurde audi eine Kommission eingeseyt. die mit der Führung der weiteren Verhandlungen oeauftragt ist. Ihr gcT'^r."; die Olbq. Stege rwald. Guörard

Joost, Weber und der Generalsekretär der Zen- trumssraktion Dr. Frockel an. Man hofft bereits in aller Kürze zu einem praktischen Ergebnis zu gelangen.

Großmächte und Kleine (Entente.

Poris, 28. März. (111.) In einem Aufsatz im Petit Parisien" beschäftigt sich der frühere Direk- tor des Quai d'Orsay. Seydoux, mit der Aktivi­tät Englands und Italiens gegen die Kleine Entente. Eine Aussprache zwischen Rom und Bel­grad über das albanische Problem sei zu einer Not­wendigkeit geworden. Eine gemeinsame Politik der Großmächte aus dem Balkan müsse zustande kom­men. Frankreich unterstütze die Kleine Entente, weil dies« den Frieden auf dem Balkan erhalten solle. Frankreich fei deswegen auch Oe st erreich und Bulgarien in ihren Wiederoufbaubestre- bunacn behilflich gewesen. Ungarnsei selbst daran schuld, wenn seine Beziehungen zu Frankreich nicht ebenso gut seien wie die feiner Nachbarländer. Das Vorgehen Ungarns in der Banknotenfälschcraffäre habe keine andere Haltung zugelassen. England und Italien dagegen ständen der Kleinen Entente feindlich gegenüber. England verfolge im Osten nichts weiter als eine Finanzpolitik, bte alle Staaten von der City abhängig machen solle. Italiens Poli­tik im Osten Europas sei dagegen eine besonders aktive. Rumänien und Ungarn besäßen bei Italien eine Vorzugsstellung. Italien ließe eines Tages Frankreich wissen, daß, wenn es eine H c - gemonie am Rhein verlange, Italien eine solche Hegemonie an der Donau für sich beanspruche. Es wäre daher begreiflich, daß die italienische Presse ständig davon spreche, daß Frank- reich sich der italienischen Politik auf dem Balkan widersetze. Es sei höchste Zeit, daß sich di« Groß­mächte verständigen.

Die Lage aus dem Balkan.

Belgrad, 29. Mär;, (haoas. Junlfprud).) Die jugoslawische Regierung soll ohne Einschränkung die Absicht der Großmächte einer Untersuchung der militärijcyen Vorbereitungen angenommen hoben. Es ist aber möglich, dah die Frage durch unmittelbare Verhandlungen zwischen Rem und Belgrad geregelt werde. Der Grundsatz solcher Besprechungen ist ebenfalls bereits von Bel­grad angenommen worden. Die Belgrader Regie­rung soll den Außenministern der Großmächte zur Kenntnis gebracht haben, dah nach Meldungen aus Albanien die boctige Lage c t n ft sei. Die albanische Mobilmachung werde talkräslig fortgesetzt, und zwar unter Leitung italienischer Offiziere.

Tfchangtsoiinunddrezremdmächte

Eine gemeinsame Front gegen den Bolschewismus.

Peking, 28. März. (Reuter.) Tschangdjotin sagte in einem Presse-Interview, die M ä ch te feien in erheblichem Maße für den gegenwärtigen Stand der Dinge verantwortlich. Sie seien wegen ihrer un­sicheren Politik gegenüber China und wegen der Unterlassung von Schritten gegen den Bolschewis­mus und auch deshalb zu tadeln, weil sie sich bereit gezeigt hätten, angesichts der Angriffe und Drohun­gen der Santonefen mit diesen zu verhandeln. Er werde in der Bekämpfung des Bolschewismus fortfahren. Nächste Woche beabsichtige er mit den auswärtigen Gesandten die Frage des Abbruchs der Beziehungen zu S o w j e t r u ß l a n d zu erörtern. Die Mächte sollten seinen Kampf gegen die für die Vorfälle in Nanking und anderswo Ver­antwortlichen unterstützen. Er ermatte mehr von ihnen als Worte und gute Wünsche im Kampfe gegen den ge-meinsamen Feind. Tschangtjolin er- klarte ferner, er habe eine energiscye Jnterventton der ausländischen Mächte auch seinerseits gegen die fowjetistischc Aktion in China - und namentlich gegen die Absendung kommunistischer Delegierter nach Südchina, so die des franzö­sischen Abgeordneten Donot und englischer Kommu­nisten gefordert, aber die Nationen hätten auf diesen seinen Ruf nicht geachtet. Er könne folglich für die künftigen Ereigniis« nicht verantwortlich gemacht werden. Er wolle Nordchina verteidigen, indem er eine Offensive auf Nanking uorbereite. Er weigere sich, mit Tschangkaischek und 'flenn Pu-Hsiang zu verhandeln. Er werde Maßnahmen ergreifen, um die revolutionären Agitatoren, gleichviel um welche Personen es sich handele, verhaften und hin­richten zu lassen. Die Nationalisten feien in der Hand Moskaus nur ein Spielzeug. Das Schicksal Chinas und das der dort wohnenden Ausländer hänge von einer energischen gemeinsanien Aktion der europäischen Möchte und Am-nkas ab, wobei den berechtigten Forderungen des chinesisd)en Volkes Rechnung zu tragen sei, die in Ordnung und Frieden geregelt werden mühten.

Die Ausschreitungen in Nanking.

London, 29. März. (WTD. Funkspruch.) Der Dormaligc Vizekonsul in Kanton, Wallis, ist von Schanghai nach Rauling abgereist. Er hat Auftrag, soweit möglich, festzustellen, wie weit nationalistische reguläre Streit- f r ä f t c an den einzelnen Ausschreitungen be­teilig'. waren. General Tschang-Kai-Schek erflärtc, dah die Plünderungen und Mordtaten durch zurückgehende Rordtruppen und durch Gesindel begangen wordeit seien und dah die Ordnung bei Ankunft der nationalistischen Soldaten wiederhcrgesteklt worden sei. Der Vize- konsul ist beauftragt, den dem britischen Eigentum zugefügten Schaden festzustellen und der Kan­tonregierung eine Entschädigungsforde­rung zu überreichen. Der Oberbefehlshaber Tschang - Kai Schek hat im Bureau für Aus­wärtige Angelegenheiten unweit der französischen Konzession Wohnung genommen. In einem Presse-Interview sprach er ^leberraschung und Bedauern wegen der Bcrleidigungsinahnahmen in der Fremdenniederlassung aus. 6r stellt in Abrede, dah eine Spaltung innerhalb der Kuo­mintang besteht und sagt, alle Fragen bezüglich Schanghais würden der Hankauer Regie­r' ung überlassen bleiben, deren Diener er sei. Er habe den Außenminister T s ch e n gebeten, unverzüglich nach Schanghai zu kommen.

Die Stimmung in Peking.

Paris, 28. März. (WB.) Der Sonder­berichterstatter des ..Temps" in Peking be­richtet innerhalb des Gesandtschastsviertels von Peking herrsche Beruhigung. Die Olmert» fancr, die bisher die A^itaton der Süd­truppen und besonders die Drohungen der Ex­tremisten nicht ernst genommen hätten, seien nunmehr die ä r g st e n Peslimisten Die Engländer warteten ab. welche Reaktion die Ereignisse von Ranking in London auslösen

würden. Sie seien für eine allgemeine Flotten- demvnstration der Mächte gegen die Haltung der Sowjets. Um den General der Südtrupven zu kompromittieren und unüber­windliche Schwierigkeiten hervorzurufen, hätten die Extremisten die fremde ns erndliche Haltung Der Truppen in Ranking provoziert. ES handele sich jetzt nicht darum, zu wissen, ob China aus dem Choas drS Bürgerkrieges herauskomme, sondern darum, ob man zu geben tolle, dah es in den Händen einer ausländischen Macht ein Kriegswerkzeug gegen Europa und sogar gegen Amerika werd«. Der Rahmen der östl'chen Interesien sei wett überschritten und das Problem betreffe jetzt den Weltfrieden.

Gefälschte Dokumente im ameri­kanisch-mexikanischen Konflikt.

Reuhork, 28. März. (TU.) Wie der amt­liche amerikanische Funkspruch meldet, haben die letzten amerikanischen Geheimnoten an Mexiko einen außergewöhnlichen Inhalt gehabt. Sie stell­ten nämlich fest, dah die mexikanische Regierung gefälschte amerikanische Roten mit der gefälschten Unterschrift von Staatssekretär Kellogg erhalten hatte, die nichts weiter be­zweckten. als Die Mexikaner gegenWashing- ton z u erbittern und die amerikanisch­mexikanischen Beziehungen damit zum Bruch zu treiben. Bisher ist man den Urhebern der Fälschungen noch nicht auf die Spur gekommen.

Kleine politische Nachrichten.

Bundespräsident Hainisch gab aus Anlah der Beethoven-Zentenarfeier ein Früh­stück. wozu der apostolische RuntiuS, Die Minister v. Keudell. Hcrriot. QkmDenxIDe, Hvdza. Hierlsiefer. ferner die Spezialdelegierten der fremden Regierungen sowie die m Wien akkre­ditierten Gesandten der an der Beethovenfeler beteiligten Staaten, Bundeskanzler Seipel. Bundesminister Schmitz und ander« Persön- lichketten geladen waren.

Das Ehrenprotektorot der vom 21. bis 26. Mai in Bonn stattfindenden offiziellenDeutschen Beethooenfeier" hat nunmehr außer dem Reichspräsidenten von Hindenburg auch der österreichische Bundespräsident Hainisch übernommen.

Gegenüber der Meldung eines Berliner Mittags­blattes teilt das Reichsjustizministerium mit, daß von einer Borbereitung eines aus Anlaß de» 80. Ge burtstages des Reichspräsidenten zu erlassenden Amnestiegefetzes nichts bekannt ist.

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Dem Reichstagsabgeordneten Dr Mittel­mann, der auf Einladung von sudetendeutscher Sette am l. April in Karlstadt eine BiSmarck- rede halten wollte, ist das tschechische Ein­reisevisum verweigert worden.

Aus aller Welt.

Rückgabe von Goethe-Reliquien durch dl« Franzosen.

Die französische Regierung hat, wie unS aus Frankfurt gemeldet wird, die Beschickung der Frankfurter Messe durch Me Lyoner Setdenindu- strie dazu benutzt, einer Olbordnung der Chambre Syndicale des Fabricants de Soienes unter Füh­rung des bekannten Wirtschaftspolttikers Etienne F o u g e r e den Auftrag zu erteilen, dem Ober­bürgermeister der Stadt Frankfurt die offizielle Mitteilung von der Rückgabe der seit Dem Jahre 1914 zurücktzchaltenenDoelhe^ Reliquien zu übermitteln. Fougöre entledigte sich dieses Auftrages bei einem Empfang Im Kursürstenzimmer des Römer und teilte gleich­zeitig mit, daß die französische Regierung den Wunsch habe, die Reliquien einer Olbordnung Der Stadt Frankfurt zu übergeben, die des gleichen herzlichen Empfanges sicher sein könne, den die französische Olbordnung selbst in Frankfurt a. W. gefunden habe. Oberbürgermeister Dr. L a n d - mann versicherte, dah alles, was fein Borredner über die Pflege der Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland gesagt habe, in Frank­furt stets den lebhaftesten Widerhall finden toer>e. Auch der Direktor des Goethe-MuseumS, Dr. Beutler, nahm noch Anlah, der Olbordnung im Ramen des Museums den Dank für die Rück­gabe der Reliquien zum Olusdruck zu bringen.

Der Fall Schnoor.

Berlin, 28. März. (Itolff.) Der Polizei- Präsident hat gegen den Generalsuperintendenten der Kurmark, Dr. Dibelius, Der in der An­gelegenheit des des Morde- beschuldigtenPfarvers öchnoor in Königshorst Vorwürfe gegen bit Polizei erhob, eine Beschwerde beim Ober- Kirchenrat eingereicht. Der Generalsuper­intendent hat mitgetetlt, dah die in den Ber­liner Blättern veröffentlichten Aeuherungen teilweise nicht von ihm stammen, sondern dah es sich um einen Kommentar deS evangeli­schen Presseverbandes Brandenburg handele, den man ihm irrtümlich in den Mund gelegt habe.

Sechs Kinder verschüttet.

Am Sonntag nachmittag zwischen zwei und drei Uhr wurden sechs Kinder des Arbeiters Sebastian Hirsch von Ludwigshafen im Alter von 5 bis 15 Jahren, als sie in einer Sandgrube hinter dem Schlachthaus spielten, von sich loslösenden Erdmassen verschüttet. Das jüngst« der Kinder fand den Tod durch Ersticken. Die anderen Kinder konnten, nachdem sich der ältere Bruder fteigemacht und um Hilfe aerufen hotte, ausgegraben werden, ohne dah sie be­sonderen Scfjaben erlitten hatten. Die Eltern der Kinder waren in chrem in der Rähe befind­lichen Pachtgarten beschäftigt, während di« Kin­der in der Sandgrube spielten.

Tleuer Weltrekord im Höhenflug.

Der französisch« Leuttrant zur See S> e m o u - g e o t hat einen neuen Weltrekord im Höhenflug mit einem Wasserflugzeug ausgestellt. Er er­reichte eine Höhe von über 9000 Meter. Der früher« Weltrekord betrug 8980 Meter.

136 japanische Bergleute bei einem Grubenbrand ums Leben gekommen.

Bei einem Grubenbrand tarnen 136 Bergleute ums Leben. Bisher tonnten die Leichen von 60 Berg­leuten geborgen werden.

^cttcrvorai'ssagc.

Wechselnd bewölkt, milde, mtt vereinzelten Riederschlägen ist zu rechnen. Gestrige Tages- tempcraturen' Marimum 13,5 Grad Cefiius, Minimum 4.5 Grad Celsius: heutige Morgen- iemperatur 0.4 Grad Celsius.