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trrÄostgkett, Bereich der Hohettsgewäss« und Haftpflicht deS Staates für Ausländern auf seinem (Sebiete zugefügte Schäden behandeln unb tm Iahre 1929 im Haag abgehalten werden soll.

In seiner Schlußrede würdigte Präsident G u a n i die Qlrbeiten der achten Völkerbunds- Versammlung: er hob insbesondere in bezug auf Vie Arbeiten des Abrüstungsausschuss ses hervor, daß die erzielte Verständigung weit größere Tragweite habe, als die Beschlüsse des Abrüstungsausschusses in früheren Jahren. Run- mehr könne man die Prüfung des Gesamt­komplexes der Grundsätze, Schiedsge­richt, Sicherheit und Abrüstung, die die Grund­lagen eines organisierten Friedens sein müßten, aufnehmen. Mit einem Lleberblick über die Ar­beiten schloß der Präsident kurz nach 12,30 Uhr die achte Völkerbundsversammlung.

Gemeinden und Besoldungsresorm. Gegen eine Deckung der Mehransgaben durch die Steuer- und Tarifschraube.

Eigene Drahtmeldung, desGießener Anzeigers".

Berlin, 28. Sept. Es ist wohl nicht zu be­streiten, daß unsere Gemeinden heute ganz an­dere finanzielle Sorgen haben, als vor dem Kriege. Ihr Aufgavenkreis ist wesentlich größer, dagegen ist die Leistungsfähigkeit der Steuerzahler nicht im gleichen Tempo ge­wachsen. Vielfach müssen sogar noch Minderein­nahmen bet den Stcuerarten festgestellt werden, die den Gemeinden verblieben sind, während auf der anderen Seite von den Ländern für einen ent­sprechenden Ausgleich nicht gesorgt werden kann. Wir begreifen und verstehen die Sorge durchaus, mit der so manche Kommunal verwalt img der Be­soldungserhöhung entgegensisht, die sie, wie jeder andere für durchaus berechtigt und notwendig hält, nur daß sie nicht weiß, auf welchem Wege die Mehrausgaben gedeckt werden sollen.

Jetzt ist vom Vorstand des Reichs st ädte- b u n d e s , der hauptsächlich di« mittleren und klei­neren Gemeinden umfaßt, in einer Entschließung auf die Lasten hingewiesen worden, die den Kom­munen aus der Be'foldungsreform und dem Schul­gesetz erwachsen. Sollten Reich und Länder keine Mittel zur Verfügung stellen, so bliebe nur eine Erhöhung der Real steuern und der G e - meindetarife übrig. Wir möchten uns der Er­wartung hin geben, daß wir es hier nur mit einer leeren Drohung zu tun haben. Aber glaubt der Vorstand des Reichsstädtebundes einen Ausweg aus der Finanznot der Gemeinden gefunden zu haben, wenn er die Gehaltszulagen der Beamten auf diese Weise zum Teil illusorisch macht und dazu noch den Anstoß zu allgemeinen Preis­erhöhungen, unter denen alle gleichmäßig zu leiden haben, gibt? Das ijt doch wohl kein Dienst am Volke. Der Vorstand hätte entschieden richtiger gehandelt, wenn er mit einem Appell an die Sparsamkeit der Gemeinden und ihrer Bürger 'hervorgetreten wäre und, was ebenso notwendig ist, von der Reichsregierung energisch- Maßnahmen verlangt hätte, gegen die sich bereits bemerkbar machende Teuerungswelle einen Damm auf- zurichten.

Das neue preußische Studentenrecht.

Die Verordnung des Kultusministers Dr. Becker.

Berlin, 27. Sept. (WB.) Di« neueVer­ordnung ftfcer die Bildung von Studentenschaften" ist vom preußischen Staatsministerium beschlossen und soeben dem Staatsrat »ugeleitet worden. Vach der Verordnung wird bi« Studentenschaft der einzelnen wissenschaftlichen Hochschulen von dem zuständigen Minister staatlich anerkannt und wird verfassungsmäßiges Glied der Hochschule, wenn die mitglierfchastsberechtig- ten Studenten in einer gleichen und geheimen Abstimmung, die unter Leitung des Rektors bis zum 15. Dnember 1927 erfolgt sein muh, be­schlossen haben, eine Studentenschaft zu bilden. Die dann gebildete Studentenschaft be­steht aus den an der Hochschule eingeschriebenen reichs- und auslanddeutschen Studen­ten. Die Studentenschaft kann sich mit Organi­sationen, die an anderen deutschen Hochschulen bestehen, vereinigen, sofern diese Organi­sationen alle reichs- und auslanddeutschen Stu­denten umfassen und sofern die Satzungen solcher Gesamtvereinigungen nicht imWiderspruch mit der preu ß i scheu Verordnung stehen. Der schon bisher bestehende Dermö- aensbeirat der einzelnen Studentenschaften hat Die Aufgabe, die Vermögensverwaltung und die Kassenführung der Studentenschaft zu über­wachen und die Studentenschaft bei allen wirt­schaftlichen Maßnahmen zu beraten und zu un­terstützen. Der Haushaltsplan der Stu­dentenschaft, auf Grund dessen die Beiträge er­hoben werden, bedarf der Genehmigung des Ministers und des DrrmögenSbeirates.

Vorschüsse für Uriegsbeschäüigte unö -Hinterbliebene.

Berlin, 27. Sept. (Wolfs.) Der Reichs- tagsausschuh für Kriegsbeschädigtenfragen befaßte sich am Dienstag mit der Frage der Gewährung von Vorschüssen auf die nach der Novelle zum Rerchsversorgungsgeseh zu erwartende Erhöhung der Militär- reute. Der Ausschuß beschloß, auch den K r regsbeschädigten und Kriegs­hinterbliebenen Vorschüsse zu zahlen. Zur Dkrmeioung von technischen Schwierigkeiten soll ledoch hier die Regelung in der Wei'e erfolgen, daß die Vorschüsse für die Monate Oktober und Rovember gleichzeitig und zwar zusammen mit der Rente von Ro­vember gezahlt werden. Als Zahlung wird in diesem Falle voraussichtlich der 2 7. Oktober m Frage kommen. Der Vorschuß selbst beträgt bei den Beschädigten monatlich etwa 25 Prozent der bisherigen Rente. In­folgedessen erhalten die Geschädigten Ende Ok­tober zu ihren gesetzlichen Renteubeiügen nicht wie bisher, eine Rentenerhöhung von 22 Pro- -ent. sondern unter Zusammenfassung der Ro° vemberrente und der Vorschüsse für Oktober und Rovember eine solche von 80 v. H der Grundbeträge. Bei den Hinterblie­benen ist für die gemeinsame Zahlung eine Renten erhöh ung von 40 v. H. vorgesehen, Die Zusahrentensahe werden in der bisherigen Höhe weiter gezahlt.

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Dienstag, den 27D. tf27 Wa6endf.

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Hessischer Landtag.

Darmstadt, 27. Sept. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung 10y2 Llhr und teilt mit, daß Abg. Felder sein Mandat niedergelegt habe: sein Rachfolger ist Gewerk- schaftssekretär W e f p. Für den verstorbenen Abg. (Minister) von Brentano ist Rektor Winter in den Landtag eingetreten.

Präsident Adelung

widmet sodann dem verstorbenen Minister von Brentano folgenden Rachruf:

Meine Damen und Herren! Am 21. Iuli d. Is. ist einer der ältesten und bewährtesten Parlamentarier und Staatsmänner des Hessen­landes, der Abgeordnete und Minister des Innern und Der Iusliz, Herr Otto von Brentano, im Alter von 72 Iahren dahingeschieden. Seit dem Iahre 1897, also über 30 Jahre, hat der Verstorbene dem hessischen Parlament angrhört. Mitglied der hessischen Regierung war er un­unterbrochen seit dem Rovember 1918. Aus An­laß seiner 25jährigen Mitgliedschaft und später anläßlich seines 70jähvigen Geburtstages hat der Landckag den Kollegen von Brentano in herz­lichster Weise geehrt und seine Verdienste um Land und Volk gewürdigt. Run ist er von uns geschieden. Wir haben in tiefer und aufrichtiger Trauer an seinem Grabe gestanden. Er war in schwerer und stürmischer Zeit unserem Lande und Volke ein treuer Führer und Vrrater. Uns allen war er ein lieber Kollege. Im Ramen des Landtags habe ich an der Bahre Otto von DrentanoS Worte des Gedenkens gesprochen und unsere Wertschätzung, unsere Verehrung und unsere Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht. Der Rame und das Andenken Brentanos werden im Hessenlande fortleben. Sie haben sich zum An­denken an den Verstorbenen von den Sitzen er­hoben. Ich danke Ihnen.

Staatspräsident Ulrich

Meine Damen und Herren ich schließe mich den ehrenden Worten des Herrn Präsidenten unseres Hohen Hauses an. Die Regierung hat mit dem Ableben des Herrn von Brentano ein schon von Anfang an, seit der Llmwälzung im Lande, tätig gewesenes Mitglied der Regierung verloren. Sie wird dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken bewahren. Run habe ich in Ergänzung dessen eine Art redaktioneller Aenderung meiner Erklärung vom 27. Iuni 1927 vorzunehmen. Ich habe nach dem Ableben des Herrn Ministers von Brentano seinen Stellvertreter, Herrn Mi­nister Kirnberger, in gleicher Weise wie bisher ins Gesamtministerium berufen: sodann habe ich den Herrn Finanzminister Henrich zu meinem Stellvertreter berufen. Ich bitte das Hohe Haus, diesen Berufungen beizutreten.

Hiergegen erhebt sich kein Widerspruch. (Sine Reihe von Regierungsvorlagen wird hierauf dem Hause zur Kenntnis gebracht. Der Regierungs­vorlage bett, die Rachweisungen über die Staats- Einnahmen und -ausgaben für das Haushalts­jahr 1922 wird debattelos zugestimmt.

Es folgt die Beratung des Gesetzentwurfs über die Ruhegehaltsverhältnisse und die Hinter­bliebenenversorgung der Mitglieder der Regie­rung sowie des Antrages Glaser und Gen. über die Abänderung des Mintsterpen- sivnsgesetzes.

Abg. Kindt lDntl.) spricht gegen die Vor­lage, die dem hessischen Volke große Lasten auf­erlege. Gegen die Stimmen der Deutschnattonalen und der Kommunisten wird die Vorlage ange- genommen.

Eine Regierungsvorlage über die Beset­zung von Kreis- und Stadtschul- ratSstellen wird ohne Aussprac^ angenom­men, ebenso eine Regierungsvorlage über Staatszufchüsse zu Kraftwagen- ltnien in Hessen (40 000 Mark statt bisher 20 000 Mark). Ferner findet ein Gesetzentwurf über die Grund st euer der Gemeinden und Gemeindeverbände für das Rech­nungsjahr 1927 in zwei Lesungen gegen die (Stim­men der Kommunisten Zustimmung. Rach diesem Gesetzentwurf soll die Steuer nochmals nach dem Modus von 1926 erhoben werden, da das Reich im Iahre 1928 eine Reuordnung vornimmt. Eine Regierungsvorlage, die

120000 Mk. Slaatsbeihilfe für den notleidenden Eisenerzbergbau in Oberhessen

verlangt, erregt den Widerspruch der tommuni» stischen Abgeordneten Galm und Frau Roth, die heftige Angriffe gegen die Sozialdemokratie richten. Minister Raab schildert die Ver­hältnisse des oberhessischen Bergbaues, die zu dieser Vorlage führt. Der oberhessiichr Bergbau war am Erliegen, viele Gruben mußten still ge­legt werden, und zwar wegen der auslän­dischen Konkurrenz. Dem einheimischen Bergbau war eS nicht möglich, aus eigener Kraft gegen diese Verhältnisse anzukämpfen und alle Bemühungen, die Arbeitslosen unterzubringen, scheiterten, bis schließlich die Reichsregierung sich bereit erklärte, eine Mark für jede geförderte Tonne zuzulegen, wenn die Länder den gleichen Vetrag zuschießen. Preußen hat sofort zage- stimmt. Was wäre nun In Hessen geschehen?.' Die Gruben wären gänzlich still gelegt und sämtliche Arbeiter entlassen worden, außer­dem hätten Staat und Gemeinden die Gewerbe­steuer verloren. Hessen hat dieselbe Regelung angenommen, sämtliche Arbeiter haben wieder Arbeit gefunden und die Industrie ist wieder aufgelebt. Am 30. September hören die Zuschüsse auf, weil die Industrie jetzt so weiter arbeiten kann. Der Minister bittet, die Vorlage anzuneh­men, dem Lande und den Arbeitern werde damit ein Dienst erliefen. Der Ausschuß antrag wird gegen die Sttmmen der Kommunisten an g e - nomm en.

Zu einem Antrag bet Abg. Dmgeldey u. Gen. über die Besoldung der Hauswarte, Amtsgehilfen usw. in Gruppe 1 und 2 bet Besoldungsordnung hat der zuständige Aus­schuß beschlossen, den Antrag der Regierung zur Berücksichtigung zu empfehlen: das Haus tritt diesem Beschluß bei. Ein Antrag der Abg. Weckler, Blank und Heinstadt über die Reu- ausstellung der Rentenbankgrund'chuldbescheide wird durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Ein Antrag der Abg. Blank. Weckler u. Gen. wegen Beseitigung dec Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen w.rd ebenfalls für erledigt erklärt.

Inzwischen ist ein kommunistischer Mißtrauens an trag gegen den Minister für Arbeit und Wirtschaft eingegangen, der durch ftine heutige Rede die Arbeiterschaft provoziert hätte. Präsident Rutz macht darauf aufmerksam, daß der Antrag nicht sogleich, wie ii, Kom­munisten wollen, sondern nach Artikel 41. Abs. 2. bet Geschäftsordnung erst morgen beraten und

darüber abgestimmt werden kann. Ein Antrag der Abg. Freiherr von Hehl und Ruh auf

Befreiung aller Berufsfischer von der Zahlung des Aischereipacht-Luxusslempeis

wird jetzt beraten, worüber Abg. Lux Bericht er­stattet. Die Regierung hat hiernach eine Ant­wort erteilt, nach der sie gewillt ist, bei Härten entgegenzukommen, aber ein allgemeiner Steuer­erlaß könne nicht befürwortet werden. Der Aus­schuß hat beschlossen, den Antrag durch die Re- giern ngs antwort für erledigt zu erklären. Abg. Freiherr von Heyl (D. V.) bemerkt hierzu: Es handelt sich hier um eine grundsätzliche Frage. Die Fischer zahlen Pacht und Einkommen­steuer. außerdem werden sie noch mit einer Luxus steuer belegt wie die ILger. DieIagd ist ein Sport, ein Luxus, während es sich hier um Berufssischer handelt, alles mittellose Bürger, die auf ihren Beruf angewiesen sind. Von diesen darf man nicht noch einen Luxus­stempel verlangen. Andere Länder, wie Bayern, Württemberg und Preußen kommen den Berufs» fischern steuerlich sehr entgegen; zumeist erheben sie gar keine Lurussteuer. In Hessen ist auch der Begriff Beruf sfischrr" eigenartig gefaßt. Ist unter einer Vereinigung von mehreren Fischern einer, der nicht Fischer im Hauptberuf ist, so haben sie 20 Prozent Luxussteuer mehr zu zahlen. Die Beträge, die von den Derufs- fischern erhoben werden, sind als Einnahmequelle nicht so wesentlich, daß sie für den Staat ins Gewicht fallen. In Worms werden 370 Mark erhoben: das macht für den Staat nicht viel aus, wohl aber viel für die Berufsfischer. Der bayerische Staat hat 9 Fischereisachverständige im Hauptberuf, Hessen feinen; bei dieser Sachlage sollte man den Berufssischern doch entgegen* kommen, da sie ganz geringe Ansprüche an den Staat stellen. Der Staat könnte ganz gut auf diese Einnahme verzichten. Der Redner bittet am Schluß seiner Ausführungen, seinen Antrag an* zunehinen.

Abg. Ruß (Zentr.) erklärt, es handelt sich um eine soziale Llngerechtigkeit, wenn Leute, die einem Gewerbe nachgehen, mit einer Luxussteuer belegt werden.

Abg. Lux (Soz.) meint, was hier von der Luxussteuer der Beruf sstscher gesagt sei, gelte auch für viele andere Berufe. Wenn eine Rot­lage vorliege, so könne ja nach den Vorschlägen der Regierung verfahren werden.

Abg. Dr. Werner (Dittl.) unterstützt einen Antrag, die Sache an den Ausschuß zurückzu- verweisen. Das Haus beschließt, den Antrag an den Ausschuß zurückzuverweisen.

Bei einem Antrag des Abg. Glaser unb Genossen zur

Erhöhung des Zuckerzolls

weist Abg. Dr. Müller (Bbd.) auf den Hack­fruchtbau hin, der an dem Zoll sehr intereffiert sei. Hessen habe im Reichsrat gegen den Kar- tvffelzoll und zunächst für den Zuckerzoll, dann aber gegen ihn gestimmt un? d..durch gegen die Interessen der Laudwi'tfchast.

Abg. Kindt (Dntl.) bemerkt, die Regierung hat versagt, wo sie den kleinen Landwirten hätte helfen können. Die Landwirtschaft wird sich das merken müssen.

Abg. Ängermaier (Komm.) führt aus, daß nur die Großlandwirte ein Interesse am Kartosfehzoll hätten.

Minister Raab erwidert, die Regierung hätte das Allgemeininteresse der Volksgenossen wahrnehmen müssen, nicht bloß das der Land­wirte. Damals, als eine reiche Kartoffelernte erwartet werden konnte, stimmten wir gegen den Kartoffelzoll. In der ersten Beratung deS Zuckerzolls stimmten wir dafür, weil die Inland­steuer gesenkt werden sollte; als das nicht geschah, haben wir dann dagegen gestimmt.

Aba. Dr. Müller (Bbd.) legt bat, daß auch der kleine Dauer und auch der Land­arbeiter an der Zollhöhe interessiert ist.

Der Antrag Glaser und Gen. wird dann gegen die Stimmen bet Rechtsparteien ange­nommen.

Es folgt als wichtigster Punkt der Tages­ordnung die Beratung über den Entwurf eines zweiten Gesetzes zur

Abänderung der hessischen Verfassung

vom 12. Dezember 1919. Abg Kaul, der hier­über Bericht erstattet, verliest die Verfassungs­änderungen. Dem Artikel 20 der Verfassung soll der Satz angefügt werden:Die Wahl des neuen Landtags soll vor Ablauf dieser Zeit ftattfinben. Der Artikel 22 der Verfassung soll folgende Reufassung erhalten:Set Landtag tritt kraft eigenen Rechts am 18. Tage nach der Reuwahl am Sih der Landesregierung zusammen. Fällt einer der vorgenannten Tage auf einen Sonn- oder Feiertag, so tritt der Landtag erst am darauffolgenden zweiten Werktag zusammen." Fetner liegt ein Initia-ivgesehentwurf d:r Abg. Schreiber unb Gen. vor, der statt dreijähriger vierjährige Wahlperioden einführen will. Dieser Entwurf ist vom Ausschuß gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen worden: da eS sich um eine Verfassungsände­rung handelt, ist eine Zweidrittelmehrheit nötig. Weiter teilt Abg Kaul den Entwurf eines Ge­setzes mit, um zu verhindern, daß Splitter­parteien sich an den Wahlen beieiligen kön­nen. Die Wahlvorschläge müssen von 7000 Wäh­lern unterzeichnet fein' und 5000 Mark sind bei dem Wahlleiter zu hinterlegen, wenn eine Partei I noch nichi im Land:ag vertreten war.

In der Abstimmung wird die Abänderung der | hessischen Verfassung einstimmig angenommen, lieber den Antrag Schreiber (Demokrat) wird namentlich abgestimmt. Es wird festgestellt, daß 55 Abgeordnete anwesend sind, wovon 35 mit Ja und 20 mit Rein stimmen; die Zweidrittelmehrheit ist damit nicht erreicht und der Antrag a b g e - lehnt. Der Regierungsentwurf über die Abände­rung des Landtagswahlgesetzes wird gegen die Stimmen der Kommtmisten angenommen.

In beiden Lesungen wird die Regierungsoor- lage angenommen, in der dis Regierung ermäch­tigt wird, Staatsanleihen im ©efamtbetrage von 12,6 Millionen Mark aufzunehmen, wovon 8 Millionen für Bodenverbesserungen, 4 Millionen für Wohnungsbau und 600 000 Mark für Früh- gemüfefulturen verwendet werden sollen Nächste Sitzung Mittwoch.

Die Landlagskandrdalen des Bauernbundes.

Frankfurt a. M., 27. Scpt. Der erweiterte Landesausschuß des Hessischen Landbundes beschloß, keine Landesliste, sondern Provinzlisten auf­zustellen. Für die Provinz Oberhessen werden an den ersten Stellen der Liste kandidieren: Dr. yon Helmolt, Nieder - Wöllstadt, W. Fenchel, Oberhörgern und Dr. L e u d) t g e n s , Friedberg.

In der Provinz Starkenburg sind die Spitzenkandi­daten K. Glaser, Nordheim, Dr. Müller, Darmstadt, und Joh. G u ß m a n n II., Eberstadt. Die vollständige Aufftellung der Liste wird dem­nächst erfolgen.

Die deutschnationalen Landtagskandidaten.

Vom Landesverband Hessen der Deutschnatio- nafen Volkspartei wird uns geschrieben: Der Lan­desvorstand der Deutschnationalen Volkspartei in Hessen hat in seiner Sitzung zu Frankfurt a. M. am 24. d. M. beschlossen, bei den Landtagswahlen mit Provinzlisten vorzugehen und hiernach, indem er den Provinzoertretungen die Vervolkständigung der Listen überließ, die folgenden Kandidaturen aufgestellt.

Für Starkenburg:

1. Landtagsabgeordneter Kindt, Darmstadt.

2. Frau Landtagsabgeordnete Heraeus, Offen­bach a.M.

3. Forstmeister Die r sch, Erbach i.O.

4. Kaufmann Keifer, Offenbach a. M.

Für Oberhessen:

1. Reichs- und Landtagsabgeordneter Prof. Dr. Werner, Butzbach.

2. Landwirt und Bürgermeister Vissel, Griedel. 3. Studienrat Dr. Lenz, Gießen.

4. Landwirt und Altbürgermei ter Knecht, Mittelgründau.

Für Rh ei nhes sen:

1. Amtsgerichtsrat Böhm, Mainz.

2. Landwirt Schoenfeld, Wendelsheim.

3. Berussfeuerwchrmann Groß (Deuischnatio- na (er Arbeiterbund), Worms.

4. Landwirt Schach-Werntz, Offstein.

5. Lchrer Flach, Mainz.

Sämtliche bisherig? Abgeordnete der Partei wurden mit Einstimmigkeit wieder aufgestellt, mit Ausnahme des Herrn Abg. Prälaten Diehl, der lediglich wegen der Verdoppelung seiner amtliä-en Arbeitslast infolge des Todes des Herrn Geheimrats Bernbeck von feiner erneuten Nominierung a b - zusehen bat.

Aus aller Welt.

Wo steckt Könnecke?

Bei den Berliner zuständigen Stellen sind noch keine Rachrichten über den Ver­bleib K önn eckes und seiner beiden Begleiter cingcgangc-n, so daß die Dermu tung, daß das Flugzeug zur Rotlandung in einem unwirtlichen Gebiet gezwungen worden ist, an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Als auffällig wird bezeichnet, daß auch die tür­kischen Funkstationen kein Zeichen empfangen haben, obwohl das Flugzeug mit einem Sende­apparat ausgerüstet ist. Während auch Kon­stantinopel keine Rachricht über den Aufenthalt der Flieger erhalten hat, meldet die Anatolische Telegraphen-Agentur, daß Könnecke seinen Wei­terflug von Angora aus überhaupt noch nicht angetreten habe.

Rach einem soeben eingetroffenen Funkspruck deS Reuterbureaus soll Könnecke entgegen den von der anatolischen Telegraphen-Agentur ge­meldeten Dispositionen am Dtenstagvormittag von Angora abgeflogen und Im Laufe der Rächt in Bagdad etngetroffen sein. Don hier aus gedenke er am Donnerstag den Weiterslu g an^utreten.

Die Wetterlage.

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'L-ckttervorarr-sage.

Der Vorstoß des Azorenh-ochs von Südwesten erstreckt sich heute über ganz Mitteleuropa und das Barometer ist auch in unserem Gebiet bis auf fast 770 Millimeter angestiegen. Reben viel­facher Rebelbildung ist heute in Deutschland auf» heiterndes Wetter vor^rrschend. Das über Is­land schon gestern erkennbare neue Depressions* aebiet hat sich weiter vertieft und mehr an Ausdehnung gewonnen, so daß seine Ausläufer heute morgen bereits bis nach Irland und Schottland vorgreifen.

Wettervoraussage: Rach kühler Rächt und stellenweiser Rebelbildung tagsüber Erwärmung, vielfach aufheiternd und trocken.

Witterungsaussichten für Freitag: Wetter­lage unsicher.

Lufttemperaturen am 27. September: mittags 14,2 Grad Celsius, abends 7,6 Grad Celsius; am 28. September: morgens 4,2 Grad Celsius. Erd­temperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 27. Sep? tember: abends 12,6 Grad Celsius: am 28. Septem­ber. morgens 8,9 Grad Celsius. Maximum 14,2 Grad Celsius, Minimum 3,2 Grad Celsius. Sonnen­scheindauer: vier Stunden.