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bl. Dillenburg. 27. Juli. Die Stadt versucht mit allen Mitteln, den seit dem Kriege stark zurückgcgangenen Fremdenverkehr zu heben. Es wurden bereits eine Reihe von Maßnahmen vorgenommen, insbesondere aber eine Verkehrskommission neu gebildet, der inan die ganze Angelegenheit zur entsprechenden Durchführung übertragen hat. — Die Schulen des Kreises haben zum ötoed entsprechender Vorführungen im Schulunterricht oder im Dienste anderer nützlicher Einrichtungen eine Lichtbilderzentrale geschaffen. 18 Schulen haben sich bislang einen eigenen Vorführungsapparat zugelegt.
Maingau.
LPD. Frankfurt a. M., 27. 3uli. Am Sonntag schwamm die 21jährige Frantsurter Schwimmerin Erika Park, eine Kandidatin für die Kanalüberquerung, die Strecke Eberbach—Heidelberg in knapp sieben Stunden. Es war eine Glanzleistung, welche die junge Schwimmerin zusammen mit ihrein derzeitigen Trainer Adolf Vollrath, dem einarmigen bekannten Langstreckenschwimmer, der schon im 3ahre 1913 von Biedesheim bis Eberbach schwamm, vollführte. — Der in der Börsen- straße wohnende Schneidermeister L. und sein etwa 20jähriger Sohn sind nach dem Genuß einer Dose Kernerbsen unter Vergiftungserscheinungen erkrankt. Während der Vater sich auf dem Wege der Vesserung befindet, mußte der junge Mann ins Stadt. Krankenhaus gebracht werden, wo er schwer krank daniederliegt. Die beiden hatten sich in Abwesenheit der Haus -rau eine Büchse Erbsen zubereitet, deren Inhalt leicht verdorben war.
WSR. Frankfurt a. M., 27. Juli. Dem unter Leitung von Geheimrat Leo Frobenius stehenden Forschungsinsti tut für Kulturmorphologie wurde von der Schatull- Verwaltung des ehemaligen Kaisers eine Summe zur Gründung einer vergleichenden wissenschaftlichen Sammlung zur Verfügung gestellt. Es sind von selten des Instituts bereits sehr wesentliche Gegenstände angeschafft worden, deren Ausbau der sachkundigen Führung einiger Gelehrter der Frankfurter Llniversität untersteht. Der Grundgedanke des so sich neu entfaltenden Museums beruht in dem Bestreben, ähnlich den Herbarien und biologischen Reihenzusammenstellungen, Anschauungsbilder der Entwicklung materieller wie geistiger Kultur auf streng wissenschaftlicher Grundlage und im Gegensatz zu den alten Raritätenkabinettsanhäufungen auszuführen.
Kleine Strafkammer Gießen.
Gießen, 26. Juli.
Ein Dienstmädchen aus Allendorf a. d. L. war wegen Diebstahls eines Brillantringes ihrer Herrschaft im Werte von 500 Mk. zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Sie verfolgte Berufung und bestritt nach wie vor, den Ring gestohlen zu haben. Dieser fand sich, obwohl die ganze Küche gründlich abgesucht worden war, am Tage nach seinem Abhandenkommen, unter dem vor dem Herd stehenden Kohleneimer. Das Amtsgericht hielt für erwiesen, daß die Angeklagte aus Furcht vor Entdeckung den Ring wieder borthin gelegt habe; die Strafkammer dagegen kam zur Freisprechung mangels ausreichenden Beweises.
Wegen Unterschlagung einer Nähmaschine hatte der Kaufmann B. Sch. aus Nidda 1 Monat Gefängnis erhalten. Die Nähmaschine war ihm unter 'I'igentumsvorbehalt verkauft worden; sie ift inzwischen verschwunden. Der Angeklagte behauptet, sie |ci bei einem Einbruch in sein Lager gestohlen worden. Da diese Behauptung weiterer Aufklärung bedarf, wurde die Verhandlung ausgesetzt.
Die Berufung eines Arbeiters aus Friedberg, der wegen Rückfalldiebstahls zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden war, wurde verworfen, da der Angeklagte trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen war.
Der Schalster Eomund Schl, aus Quadrat, der wegen weiter Entfernung feines Aufenthaltsortes vom Erscheinen in der Hauptverhandlung entbunden war, ist wegen Urkundenfälschung, Betrugs, Sachbeschädigung, Unterschlagung und versuchten Ausbruchs aus dem Gefängnis zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt worden; hiergegen verfolgt er Berufung. Es ist ihm zur Last gelegt, die Eisenbahn von Friedberg nach Vilbel ohne Fahrkarte be-
Geld und Erfahrung
Novelle von Max E y t h.
1. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Nur kühl!" rief mein Oberst, indem er auf die Uhr und die zwei internen Zöglinge seines Damen- inftituts sah, die am Nachbartisch Lotto spielten. „Und passen sie auf. Die Geschichte mit Ihrem Obersten in Washington — wie heißt er?"
„Olcott, Oberst Olcott, Kongreßmitglied aus Ohio", antwortete ich mit Betonung, um meinen schwankenden Glauben zu stärken.
„Ich möchte vor allen Dingen wissen," fragte sich Schmettkow nachdenklich, „ob er schon Pulver gerochen hat, Ihr Oberst, ober nur das riecht, das Sie mitbringen. Die Geschichte gefällt mir nur halb."
„Aber sie kann kaum schiefgehen, so wie sie jetzt eingeleitet ist", meinte ich zuversichtlich.
„Es kann in Washington alles schies gehen, seitdem die große Sache schief gegangen tft, versetzte der Oberst mit einiger Wärme. „Sie kennen die Zankees noch nicht. Ein Kongreßmitglied in Wa- chington! Guter Gott! Ehe Sie sich umsehen, hat man Ihnen die Augen von Ihrem Wafserstippchen geschöpft. Vollends ein Kongreßmann, den man Ihnen in der Quäker-City angehängt hat, in der Sie am Sonntag in Gegenwart von sechshunderttausend Mitmenschen verdursten können! Lieber Herr Eyth, es mag ziemlich heiß sein in Ihrem Aegypten, aber Sie sind trotzdem grüner geblieben als Sie es selbst ahnen. Passen Sie mal auf!"
„Hexen tonnen sie auch hier nicht", meinte ich, etwas verstimmt. „Ich sehe wirklich nicht ein, wie —"
„Einsehen! Das ist gar nicht nötig. Das Einsehen kommt immer erst später. Sie werden Ihr Lehrgeld bezahlen wie jeder andre. Zum Glück haben Sie, wie es scheint, einen soliden Kassierer im Hintergrund. Lernen Sie wenigstens den oenutzen! — Uebriaens gebe ich zu, um Sie nicht zu ärgern, daß Sie die Sache nicht ganz ungeschickt angegriffen haben. Wenn Sie so fortfahren, werde Ich Ihnen auch künftig gewogen bleiben."
Er sagte dies im Ton gutmütiger Bevormundung, den wir bei unfern abendlichen Schachpartien
Buntes Allerlei.
Leibwächter und Einsiedler zu vermieten!
Das Schlagwort, daß für Geld alles zu haben ist, bewahrheitet sich besonders in England, wo Einrichtungen zur Befriedigung der seltsamsten Bedürfnisse vorhanden sind? So verrät uns eine Londoner Zeitschrift, daß cs im Bethnal Green ein Institut gibt, das auf Bestellung Leibwächter liefert, die die betreffende Persönlichkeit zu ihrem Schutz überall hin begleiten. Dieses Derleihgeschäft von wahrhaften jungen Männern erläßt zwar keine Anzeigen in den Zeitungen, aber es ist in den Kreisen, die sich seiner bedienen, sehr gut bekannt. Besonders gute Kunden sind die Buchmacher, die ja stets darauf gefaßt sein müssen, in der erregten Atmosphäre der Rennplätze von Leuten angegriffen zu werden, die verloren haben. Ein Buchmacher, der ein schlechtes Gewissen hat, wagt sich daher nur in Begleitung eines tüchtigen Boxers unter seine Kunden, um bei unangenehmen Auseinandersetzungen außer Gefahr zu sein. Auch Leute, die von Erpressern bedroht werden, oder unter krankhaften Angstvorstellungen leiden, bedienen sich dieser Leibwache, und bei den Wahlkämpfen herrscht Hochbetrieb bei der Firma, denn temperamentvollen Politikern kann auf ihren Reisen und in den Versammlungen allerlei zustoßen, wobei eine helfende Faust nicht zu verachten ist. Die Leibwächter sind nicht etwa ungeschlachte Riesen, denen man ihren Beruf sofort ansieht, sondern elegante junge Männer, die allerdings in allen linsten des Boxens und Jiu-Jitsu erfahren sind. Das Honorar für eine solche Begleitung geht von 20 Mark aufwärts, je nach der Länge und der Schwere der Aufgabe. Vor hundert Jahren, als die Mode der Landschaftsgärten malerische Grotten und romantische Einsiedeleien mit sich brachte, hat man sogar berufsmäßige Eremiten durch Anzeigen gesucht. In der Londoner Zeitschrift „Courier" vom 11. Januar 1810 findet sich eine Anzeige, in der ein Edelmann für feinen Landsitz einen „geeigneten Einsiedler" sucht. So etwas kann sogar noch heutzutage vorkommen, und zwar in einem Lande, in dem man sonst auf Romantik wenig gibt. Ein amerikanischer Hotelier suchte kürzlich einen Eremiten als Bewohner einer malerischen Höhle, die sich im Garten seines Hotels befand. Er bot freie Kost und Logis sowie einen Dollar täglich und gewann ein stattliches Eremitenexemplar mit einem weißen Bart, der bis auf den Tisch herabreichte. Daß Damen, die keine Steigung zum Mauerblümchen haben, jederzeit die elegantesten Tänzer engagieren können, ist ja heutzutage nichts Reues mehr. Reiche Damen machen von dieser Einrichtung in steigendem Maße Gebrauch. In London erhält ein Berufstänzer 40 Mark für den Abend und natürlich auch das Souper frei, das er mit seiner Dame einnimmt. Manchmal werden auch sehr viel höhere Honorare gefordert. So verklagte kürzlich ein Berufstänzer eine südafrikanische Dame auf 250 Mark, weil er sie zu einem Ball begleitet hatte. Der Richter sprach ihm in Anbetracht der Verhältnisse für diese Arbeit 65,50 Mark zu. Damen können aber nicht nur jederzeit einen Tänzer mieten, sondern für Hochzeiten stehen auch Brautführer zur Verfügung, wenn diese wichtige Persönlichkeit im letzten Augenblick absagt oder überhaupt nicht
nutzt, einen fremden Rucksack, den er gefunden hatte, sich angeignet, seine Gefängniszelle in Vilbel demo- liert und bei seiner Einlieferung mit falschem Nomen unterschrieben zu haben. Seine auf Freisprechung gerichtete Berufung wurde oerwor - f e n, doch sah sich die Strafkammer veranlaßt, mit Rücksicht auf die Geistesverfassung des Angeklagten (er ift Psychopath), die Strafe erheblich herunterzufetzen.
Der Kaufmann W. N. aus Gießen, der wegen Körperverletzung, Beleidigung, Widerstands wiederholt vor Gericht gestanden hat, ist diesmal wiederum wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt. Als zwei Polizeiwachtmeister einen Bettler in der Stadt feftgenommen hatten, mischte sich der Angeklagte ein, packte eine Zivilperson, die von der Polizei zur Unterstützung zugezogen war, am Kragen und versuchte, sie von dem Verhafteten hinwegzureißen. Das Gericht erster Instanz verurteilte ihn wegen dieser Handlungsweise zu 2 Wochen G e - fängnis; feine Berufung wurde heute verworfen.
gefunden ist. Die Lieferung eines eleganten und erfahrenen Brautführers kostet 60 Mark, und das ist gar nicht mal so teuer, da ja auf feinen Schultern eine große Tc antwortung ruht; ihm liegt das ganze Arrangement ob, das Auszahlen der Trinkgelder und die Rede auf das Brautpaar. Reiche Amerikaner, die nach Europa kommen, suchen nicht selten durch Anzeigen Damen, der Gesellschaft, die ihnen als Begleiter dienen und ihrem Hause vorstehen. Erst kürzlich las man in einer großen Londoner Zeitung die Annonce: „Ein amerikanischer Herr wünscht die Dienste einer englischen Aristokratin als Begleiterin seiner einzigen Tochter, die für drei Monate nach England kommt. Honorar 5000 Pfund." Man kann sich denken, wieviel Bewerbungsschreiben bei der Redaktion eingingen.
3m Kampfe gegen die Zahnlockerung.
Anläßlich der Generalversammlung des Reichs- verbandes der Deutschen Dentisten, die vor einiger Zeit in Stuttgart tagte, hielt neben anderen auch der Dentist Josef Vachuda aus Wien einen Vortrag als vorläufige Mitteilungen aus seinen langjährigen Arbeiten über die „Statik des natürlichen Gebisses". Es ist ihm gelungen, wie in der „Deutschen dentistischen Wochenschrift", Berlin, mitgeteilt wird, in der Stellung der Zähne statische Systeme zu erkennen. Er weist auch gleichzeitig an der Hand wissenschaftlicher Belege nach, daß sich jede Unvollkommenheit dieser statischen Systeme an dem Ursachenkomplex der Zahnlockerung und dem damit verbundenen Zahnausfall beteiligt. Besonders wichtig ist diese Erkenntnis über die statischen Systeme unseres Gebisses für die Prophylaxe ober Vorbeugung gegen die Zahnlockerung, was wieder einen Schritt nach vorwärts auf diesem strittigen Gebiet bedeutet.
Wirtschaft.
Der Kampf
um den Chilesalpeter.
Von Prof. Dr. Hermann Großmann, Berlin
Obwohl der Verbrauch an Chilesalpeter in Deutschland seit dem Weltkriege gegenüber der früheren Zeit außerordentlich gering geworden ift, besteht trotzdem in landwirtschaftlichen und industriellen Kreisen ein lebhaftes Interesse für die zukünftige Gestaltung des Weltmarktes für Chilesalpeter. Dieser ehemals so große Markt ist allerdings auch in anderen europäischen Ländern sehr starken Rückgängen ausgesetzt gewesen. Während nämlich noch in der Zeit vom Juli 1913 bis Ende Juni 1914 der Salpeterverbrauch in Europa und Aegypten sich auf fast 2 Millionen Tonnen belaufen hat, konnten in dem Düngerjahre 1924/25 nur noch 1,17 Millionen Tonnen zur Ablieferung gelangen, wobei sich der starke Rückgang im folgenden Jahre 1925/26 noch weiter verstärkte, da zu dieser Zeit noch nicht einmal eine Menge von 1 Million Tonnen erreicht werden konnte. Von Deutschland abgesehen, hat sich demnach auch ih den anderen europäischen Ländern die Lage recht erheblich zuungunsten des Chilesalpeters verschlechtert, während allerdings der Verbrauch in Aegypten gegenüber der Zeit vor dem Kriege eine Verdreifachung erfahren hat.
Die schwierige Lage der chilenischen Salpeterindustrie spiegelt sich am deutlichsten in der dauernd zunehmenden Sttllegung der chilenischen Salpeter- offizinas, von denen Ende 1926 nur noch 32 von 149 in Betrieb gehalten wurden, während gleichzeitig die Vorräte ständig anwuchsen und auf den Markt drückten. Als ein Zeichen der Zeit darf ferner auch das außerordentlich ungünstige Ergebnis der Versteigerung von Salpeterfeldern, die sich im Besitz der chilenischen Regierung befanden, gewertet werden. Nicht mit Unrecht weift daher auch der Jahresbericht der bekannten Londoner Salpeterhandels- flrma 211? man darauf hin, daß die Lage der chilenischen Salpeterindustrie nicht nur als sehr ernst, sondern geradezu als kritisch anzusehen ^ei. Dabei kann man eigentlich nicht sagen, daß die Salpeterproduzenten sich etwa ganz plötzlich einer gänzlich veränderten Lage gegenübergeftellt gesehen hätten, denn schon seit mehreren Jahren mußten sich die technischen Sachverständigen in der ganzen Welt darüber klar sein, daß mit einer weiteren außerordentlich großen Steigerung der Produktion an Etickstoffoerbindungen auf künstlichem Wege gerechnet werden müsse. Da jedoch weder die chilenische Regierung noch die Vereinigung der Salpeterproduzenten aus dieser dauernd schwieriger werdenden Situation die notwendigen Konseguenzen zu ziehen
unter dem Hickorybaum gegenseitig gebrauchten, um eine drohende Niederlage zu beschönigen. Die Sache aber, um die es sich handelte, war die folgende:
Ich war vor zwei Monaten mit dem Auftrag der Fowlerschen Fabrik ans Land gestiegen, unfre Dampfpflüge in Amerika einzuführen. Das war fast die einzige Weisung, die ich mitbrachte. Man steht mit einer solchen Aufgabe etwas zweifelnd am Strande eines neuen Weltteils; doch scheint der Zeitpunkt, aus der Ferne gesehen, nicht ungünstig. Die Südstaaten, die nach dem furchtbaren Kriege und nach der Befreiung der Sklaven in irgendwelcher Weise weiterleben mußten, hatten sich irgendwie den neuen Verhältnissen anzupassen. Für die Sklavenarbeit auf den Plantagen mußte ein Ersatz gefunden werden. Hier konnte die Dampfkrast ein- greifen und nach der blutigen eine friedliche Revolution einleiten; wieder aufbauen helfen, was jene zerstört hatte. Ich war nicht ohne einige Begeisterung bei diesem Gedanken, wenn auch sehr seekrank, über den Atlantischen Ozean getommen und suchte so rasch als möglich Angriffspunkte für meine Ausgabe zu finden. Leicht sand ich es nicht — nach einigen Wochen —, einen Weltteil zu erschließen: man mußte offenbar an die Arbeit im kleinen und einzelnen gehen. Doch hatte die Firma Fowler Freunde und sogar Verwandte in Neuyork und Philadelphia, ein Haus, das „in Blei" groß geworden war, und zur alten Aristokratie der Quäkerstadt gehörte. Hier fand ich wenigstens Ratschläge, auf die ich mich verlaßen konnte.
Eines wurde mir sofort klar: mit dem Eingangszoll von fünfundoierzia Prozent des Maschinenwertes, der für jeden Dampfflug viertausend Dollar in Gold, siebentausend Dollar in Papier jener Tage aus machte, war die Einführung der Damps- fultur von England aus eine augenscheinliche Unmöglichkeit. Dieses Verhältnis mußte vor allen Dingen geändert werden. Mit einem Brief der Gebrüder Tatham, meiner Berater in Philadelphia, ging ich nach Washington und stellte mich am Schenk- tisch des Hotels Villard einem Herrn Oberst Olcott vor. Ich fand In ihm einen klugen, energischen Mann, der im Tone biederer Offenheit den kitzstch- ften Verhandlungen den wohltuenden Schein der Ehrkichkett zu geben wußte. „Der Zweck heiligt die Mitel", war für ihn ein über alle Zweifel erhcckener
Grundsatz. Es schien ihm völlig ausgeschlossen zu sein, daß in unserer Zeit noch Menschen geboren werden könnten, die in diesem Punkt nicht völlig fapitelfeft waren. Was aber die Heiligkeit des Zwecks anbelangt, so kam es eben hauptsächlich darauf an, wieviel Dabei zu verdienen war.
Ein gemeinsames Frühstück, zu dem ich mir erlaubte, ihn sofort einzuladen, genügte, ihm das Wesen und die Vorzüge eines Fowlerschen Damps- pflugs zu erklären, ein Mittagsmahl, ihn von der Notwendigkeit der Einführung und Verbreitung dieses großartigen Fortschritts auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Technik zu überzeugen. Mit Papieren aller Art war ich wohl vorbereitet. Ein begeisterter Aufsatz, noch im Manuskript, stellte fest, daß namentlich der wirtschaftliche Wiederaufbau des Südens, dem durch die Sklavenbefreiung die Haupl- guelle von Kraft und Arbeit entzogen worden war, nur durch Fowlers Dampfpflüge möglich fei, die in Aegpten in der Hand halbwilder Fellachin Wunder geschaffen hätten und in Indien — hier dichtete ich beträchtlich — die vertrockneten Riefenflächen entlang des Ganges in blühende Teegärten zu verwandeln in Begriff stünden. Ist es nicht die patriotische Pflicht einer erleuchteten Gesetzgebung, fragte ich in einem Wald von Ausrufungszeichen, die Einführung eines derartigen, menfchenbeglückenden Apparates mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu fordern?; jeden Schritt freudig zu begrüßen, der den von ihren Irrtümern befreiten, aber heute darniederliegenden Bruderstaaten ihre materielle Wohlfahrt roiebergibt und fie gleichzeitig dem Fluch einer sündhaften Ausbeutung der Menschenkraft entzieht? Darf nicht erwartet werden, daß die weitsichtige 'Vertretung des größten Volkes unserer Zeit mit Freuden das einzige Hindernis entfernt, das der Erreichung dieses herrlichen Zieles Schwierigkeiten bereitet, und ohne Verzug die Abschaffung oder wenigstens die zeitweise Aushebung eines Prohibitivzolls auf Dampfpflüge beschließen wird ?
„Sehr gut!" sagte Olcott, als Ich ihm mein Me- moranbum vorgelesen hatte; „was bezahlen Sie
Obgleich selbst nicht Amerikaner, war ich in einen patriotischen Schwung geraten, dem ich so rasch als möglich Einhalt tun nmßte, um antworten zu können.
gewagt haben, so mußte trotz der vorzüglichen Düngewirkungen des Naturproduktes Salpeter, die in landwirtschaftlichen Kreisen stets anerkannt worden ist. em weite Rückgang des Absatzes eintreten, der schließ.> ,ur Sprengung der Salpeter- Vereinigung in Chile geführt hat, bzw. führen wird, wenn sich die Nachricht bestätigt, daß in nächster Zeit der freie Salpeteruertauf zur Einführung gelangen soll. «
Es kann wohl als zweifellos angesehen werden, daß unter diesen Umständen die recht beträchtliche Spannung, die z. Z. noch zwischen dem Salpeter» preis und demjenigen von Ammoniaksalzen herrscht, erheblich vermindert werden wird, und daß dieser Preisunterschied noch geringer werden dürste, wenn sich schließlich die chilenische Regierung dazu entschließen müßte, die hohe Ausfuhrabgabe auf Salpeter aufzuheben bzw. stark zu ermäßigen. Das würde naturgemäß zuerst eine beträchtliche Vermin- derung der chilenischen Staatseinnahmen bedeuten, jedoch auf die Dauer wohl zur mindestens partiellen Gesundung der leistungsfähig bleibenden Salpeter- werke führen, die durch Rationalisierung ihrer Pro- duktion imstande bleiben, auch bei verminderten Sal- peterpreifen eine ausreichende Rentabilität zu erzielen.
Es ist in den letzten Wochen auch außerordentlich viel die Rede von dem Guggenheim-Ver- fahren für Chilesalpeter gewesen, und obwohl man über den endgültigen wirtschaftlichen Erfolg dieses Verfahrens z. Z. noch nichts Bestimmtes aus« sagen kann, ergibt sich doch allein schon aus der überaus sorgfältigen und eingehenden deutschen Vatentbeschreibung, die übrigens schon aus dem Jahre 1921 stammt, daß der kapitalkräftige große amerikanische Kupferkonzern Guggenheim außerordentliche Anstrengungen gemacht hat, seine bedeutenden Salpeterinteressen in durchaus rationeller Weise auszunutzen. Deshalb ist auch wohl mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß Werke, die nach ähnlichen technischen Gesichtspunkten geleitet werden, auch in Zukunft bei geringeren Preisen in der Lage sein dürften, der scharfen Konkurrenz der synthetisch arbeitenden Stickstofflndustrie Europas und Amerikas wirksam zu begegnen.
* D i e Anleihe der Vereinigten Stahlwerke. Die öffentliche Auflegung der 30-Millionen-Dollar-Debenture-Anleihe der Vereinigten Stahlwerke ist durch das Bankhaus Sil- Ion Read & Co. in Reuhork am Mittwoch vormittag zum Kurse von 98'/.% zuzüglich aufgelaufener Zinsen erfolgt. Sie wurde bereits itmerhalb 90 Minuten überzeichnet.
* Kapitalerhöhung der Vereinigten Glanz st offwerke. Die Verwaltung der Vereinigten Glanzstofffabriken A. G. in Elberfeld beschloß, der auf den 27. August nach Elberfeld einberufenen außerordentlichen Generalversammlung die Erhöhung des 42 600 000 Mk. betragenden Grundkapitals um 18 300 000 Mark auf 60 900 000 Mark vorzuschlagen, durch Ausgabe von 6000 Stück auf den Inhaber lautender Stammaktien zu je 300 Mark und 5000 Stück auf den Inhaber lautender Vorzugsaktien zu je 60 Mark mit vierfachem Stimmrecht. Das Bezugsrecht der Aktionäre soll formell ausgeschlossen werden; jedoch soll den Aktionären durch ein Bankenkonforttum ein Dezugsrecht dergestalt eingeräumt werden, daß auf fünf alte eine junge Stammaktie zum Kurse von 120 Proz. und auf Vorzugsaktien eine junge Vorzugsaktie zu pari bezogen werden kann. Das neue Kapital soll zum Ausbau der Werke des Konzerns und zur Erweiterung der Finanzierung der verschiedenen in» und ausländischen Unternehmen der Gesellschaft Verwendung finden.
* Preiserhöh ung für Textilfertigerzeugnisse. Die Mitglieder des München-Gladbacher Tuchfabrikanten-Vereins, des Fabrikantenvereins zu Forst und des Verbandes der Fabrikanten halbwollener und wollener Stoffe, Berlin, teilen ihrer Abnehmerschaft mit, daß infolge Erhöhung der Gestehungskosten für Rohstoffpreise und der sozialen Lasten, sowie der sich aus der Aenderung der Verkaufslieferung und Zahlungsbedingungen der Deutschen Tuchkonven- tion ergebenden Mehrbelastung eine erneute Erhöhung (vor etwa 2 Monaten wurden die Preise um 5 bis 8 Prozent erhöht) der Preise für Fertigerzeugnisse notwendig geworden ist. Man hat deshalb der Kölnischen Zeitung zufolge beschlossen, die Preise hierfür um 10 bis 15 Proz. zu erhöhen.
1 Textilarbeiter st reik in Kaiserslautern. Die in Kaiserslautern in Streik
„Wofür?" fragte ich, ein wenig nach Lust schnappend, um Zeit zu gewinnen.
„Nun — für das Spezialgesetz, für die Aufhebung des Zolls auf Dampfpflüge, sagen wir auf ein Jahr."
„Sagen wir auf fünf Jahre", schlug ich vor, nach Fassung ringend.
„Gut! Nehmen wir an auf fünf Jahre. Wieviel?"
Ich schwieg. So nahe Halle ich mir das Ziel nicht gedacht. Das fchien ja über alles Erwarten einfach zu fein. Aber die Frage kam mir doch mit gar zu betäubender Wucht über den Kopf.
Olcott sah mich verwundert an. Nach einer Pause bemerkte er:
„Ihr Dampfpflug mag vortrefflich sein. Das müssen Sie am besten selbst wissen. Auch was Sie da auf Ihrem Papier haben, ist nicht übel. Jedenfalls läßt sich etwas damit machen. Aber Sie glauben doch wohl selbst nicht, daß man eine wertvolle Verordnung wie die, die Sie brauchen, durch den Kongreß drückt ohne Schmiermaterial. Da hat man zunächst alle möglichen Kosten: Druckkosten, Trinkkosten, Reisekosten, Konferenzkosten, Reklamekosten, — alle möglichen Kosten, die sich nicht spezifizieren lassen! — Doch kommen wir zum Geschäft — Zeit ist Geld — Wieviel?"
So rasch ging es nun doch nicht, wie ich es voreiligerweife vermutet hatte. Die Verhandlungen dauerten drei Tage. Ich wand und krümmte mich, so flut Ich konnte; Olcott hatte viel Geduld mit mir. Am zweiten Tag war ich nahe daran, in einem Anfall heiligen Zornes abzureisen: er half mir selbst, meinen Koffer wieder auspacken. Ich sei furchtbar grün; das sei kein Wunder, meinte er, mich entschuldigend, bei meiner kurzen Anwesenheit in diesem großen und freien Lande; aber ich sei sichtlich ehrlich. Beides würde sich wohl mit der Zeit geben; dann könne noch ein tüchtiger Allmn aus mir werden. Jedenfalls werde er meine Laufbahn mit großer Teilnahme verfolgen. Ich habe ihm vorläufig viel Spaß gemacht. Das einzige, was er bebau re, fei, daß ich mit ihm auf politischem Gebiet nicht ganz übereinzustimmen scheine. Dann formulierte er den zehnten Vorschlag etnejs Abkommens, das ihm die Dampfkultur Amerikas zinspftichUg machen sollte.
(Fortsetzung folgt.)


