Nr. M Zwsites Blatt
Siegener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)
Biensfao, 28. tnni 1927
Acht Fahre „Frieden".
Von Dr. Otto Bleck.
3um achten Maie jährt lich am 23. 3uni der Tag der Unterzeichnung de» Diktat» von Versailles Aach tu;.jährigem Heiden- mutigen Lingen, im Felde unb? icgt.fcg Dcufch- land physisch erichö, - und innert«.. »•rmürt: die Wa"en nieder in un rl.gerDerblrndung den heuch» lsrllchen Veriprechungen seiner jnnbc trau.nd Ader der v.iheißenc Fnede de» Lochers und der Derechligkeik wurde un» nicht zuteil. Haß und Furcht. 7leib und Habgier Cüge und Verleumdung waren die Dru biogen. aus denen d^S Diktat r»vn Versailles sich aufhiute. Gin Schrei der Empörung gurg durch da» betrogene Dvlk. Aber Wehrlos geinaü): mutzte Deutschland sich den schmacht ollsten Friede, auszwtngen lassen, der je einem Dolle abgeperß: wurde unter dem Drucke waffenstarren^-er ikindlicher Heere und unter der Drohung fortgesetzter AuShun;erung. .Der übermächtigen Gewalt weichend unb ohne damit ihre Aufsassung über die unerhörte Ungerechtigkeit der Friedensbedingungen aus'ugeben. erklärte deshalb die Legierung der Deutschen Lepublik, daß sie bereit sei. die von den alliierten und assoziierten Legierungen auserlegten Friedensbedingungen anzunehmen und au unterzeichnen? so heiß. es In der verhängni»vollen Lote vom 23. Juni 1919
ilnfricben unb Unheil bringend «chwebt seit acht wahren der Geist de» Versailler Teusels- werle» mit allen leinen Fvlgewirkungen in politischer und wirtschaftlicher Begehung über Deutschland. über den Völkern Europa», über der TDcIL Der Dersailler.Frieden" und ebenso die anderen Pariser FriedenSschlüsie, die den Weltkrieg beendigen sollten, haben den Völkern den wirklichen Frieden nicht gebracht, und heute ist die politische Spannung sowohl der curo- päischen. tr ic der Weltlage genau so stark, ja vielleicht noch stärker, al» in dein verhängnisvollen Jahre 1914. Dir geradezu krankhafte Sorge der Sirgerstaaten. sowohl der alten wie der neufle- fchesfcnen um die Sicherheit ihrer Kriegsbeute, die Aspirationen der durch den AuSgang de» Kriege» enttäuschten Länder, die yrrechte und berechtigte Empörung der durch dte ZßnedenSver- träge vergewaltigten und niedergehaltenen Völker ' »en Entwicklung einer Desrie-
ader Welt hemmend entgegen. Die weltpv- Almosphäre ist mit Zünd stoss geladen: an allen Ecken und Gaben der Welt zeigen sich LeibungSflächen. divergieren die Interessen der Mächte und zeichnen sich DeriricHungSmög- H<b(etten ah, deren AuSgang und AuLarirko tg unabsehbar ist. Die große englisch-russische Auseinandersetzung der fugoslawisct)-al.<mische Streitfall, in dessen Hinter irunk. die gröberen Gegensätze, der jugoslawisch-italienische und der italienisch-sv»nzö- sische stehen. daS Adria- und d»t» Balkanproblem, die Lhinofrage halten, zum Teil al» Auswirkung der unheilbaren FriedenSverträge, die Welt in Atem.
Für Deutschland ist der 28. Juni 1919 nur eine Etappe gewesen in dem Kriege den da» deutsche Volk seit dreizehn Jahren zu führen gezwungen ist. Der Kamps gegen Deutschland ist auch heute noch nicht ab^d)!offen. Lur hat ba» Lingen seit dem formellen Friedensschlüsse andere Formen angenommen. Kein Kampf mehr frieg»- flerüfteter Heere im Felde gegeneinander. Aber ein Volk, wehrlo» nach außen, wirtfchasilich geschwächt. politisch gedemütiat. kämpft um Geben und Sristenz. Die politische Entwicklung derLach- kriegszell ist mancherlei Schwankungen unterworfen gewesen, sie weist Wellenberge und Wellentäler auf. DaS Londoner Ultimatum, der Laub Oberschleften». der DaweSvlan. Locarno und Thoiry, der Antritt Deutschland» In den Genfer Bund der Lationen sind Marksteine auf dem Wege de» deutschen Volke» feit dem Tage von Versailles. Zieht man aber die Bilanz der letzten acht Jahre, fo wird man sich bei nüchterner Ueber- iegung und bei reiflicher Abwägung der Aktiv- und Passivposten der Ueberzeugung kaum verschliefen können, datz der Erfolg im Kampfe um den Versailler Vertrag und aste seine Auswirkungen, der die vornehmste Ausgabe jeder deutschen Autzenpolitik fein muh. kein allzugrvher ist.
Lach wie vor sind die unhaltbaren territorialen Bestimmungen be» FriebenSvertrageS mit der erzwungenen Abtretung und gewaltsamen Gut-
„Drüben liegt Deutschland..!"
GS wogt da» Korn im Sonnettbrand. darüber die Glocken schallen — Sei mir gegrüht. mein deutsche» Land, du schönste» Land von allen!
Schänaich-Larolath.
Mit dem Freunde stand ich am Fenster meine» Zimmers ich war Gast seine» Hause» — und wir sahen hin über die weite Ebene, die fern am Horizont ein dunster Kiefernwald abfchloh.
<3» war '' dem deutsche» Land! —
.Drüben liegt Deutschland!" sprach der Freund! .Der Wald dort ist deutscher Wald! Kannst du da» ermessen. waS da» für unS heißt: deutscher Wald!"
Ich ergriff nur feine Hand, sagte nicht»: e» würgte mir im Halse. — .Drüben liegt Deutschland!- -
Ta» ist mir seitdem die Melodie de» grohen Heimweh» geworden
Mit einer deutschen Frau stand ich zusammen nicht weil von dem Grenzwege. E» gehörte das Stück Erde, auf dem wir ftanbe.u auch ehemals zu unserem Vaterlande. DaS Töchterchen der Frau lief auf dem Weg entlang — Posten waren zur Zeit nicht zu sehen — und eS trat hier und da ein paar Schritte ins deutsche Land hinüber und pflückte dort Kornblumen. Dann kam e» mit leuchtenden Augen und glühenden Wangen zur Mutter gesprungen. drückte ihr den winzigen Strauß in die Hand und sprach: .Da. Mütterchen, die habe ich in Deutschland gepflückt!"
Die Mutter hob da» Kirch zu sich empor, preßte c» schier ungestüm an sich und küßte e». Dann kifc sie mich mit einem langen, schimmernden Blicke an.
In einem deutschen Hause an der Weichsel war e». Wir sahen durch die Lacht hindurch in tiefen, ernsten Gesprächen
Draußen begann es zu dämmern und plötzlich floß ein wunderbarer Schimmer über die Decke be» Zimmer» hin: der Abglanz der aufgehenden Lonne! Wir standen auf. traten an» Fenster und standen bald in einer Woge goldenen Lichte».
Das zweite Land lag in einem zauberischen Glutduft. Schwer und satt und taufrisch dehnten
rrihung großer Gebiete in Ost und West, wieder Enteignung bet überseeischen Besitzungen in Kratt. Da» Selbstbestimmung-recht der Volker blcibt bier-.it weiter eöcnlv vergewaltigt, wie mit ban Beroot de» A-i'chlusse» der deu.'chen Teile der «hcmjligen Donaumonarchie ar. va» Deutsche Leich. » >e deutschen T.llndcr iten In bm rugcf^asse: vN Staa:en ftnb weiterhin. .er W.ll- tür ihrer Bedrücker preiSgrgrben Durch den DotoeSp'.an !mb dem deutl^-en Volke unermeßliche Lasten ausgedürdet. die e» auf Jahrzehnte bincui in wirtschaftlicher und finanzieller Abhängigkeit halten wer "en. Und beute schon »eigt es sich mi* rillig r S-.cherhe.t. daß die deutsche Wirtschaft btc ihr auseriez en Daw.dia- sten aus die Dauer ncht trieb tragen können Mit der wahnwitzigen S o u I b l ü c c haben un'ere Feinde vvr der Welt ihre Politik der Verr.ichrung und Versklavung gevecht'crligt. De wissenschaftliche Forschung hat längst bu Ur.hailbarkeit d.e- fer LchuldanNagen erwtefen. und »rit ü. er die deutschen ®rennen hinaus hat die Erkenntnis sich Dahn gebrodxn, daß v?n einer Allesnlchuld Deutschlands am Kriege nicht im entferntesten die Lebe fein kann. Aber auch heute noch toeigrrn sich unferc ©egrwr au» dem Weltkriege, aus bi.fer Sachlage die Folgerungen zu z ehen: sie wissen warum. Fällt mit der 5tric -schuldirage der angebliche Lecht»grunb, auf benfte die schweren Frie- stühen. dann müssen sie. wollen sie sich nicht dem Vorwürfe auSschen. datz für sie der Krieg einzig und allein ein großer Lauc;ug gewesen ist. zu einer Revision des Vertrage» schreit m, bi? ihn in Wirklichkeit umfloßen würde.
Durch den Eintritt in den Völker- bund ist Deutschland formell zwar wieder alS gleichberechtigte» Glied im Rate der Völker anerkannt. in Wirklichfcit aber kann von einer Die ch- berechtigung Deutschland» mit den anderen Lationen solange nicht gesprochen werden, al» immer noch deutsche» Gebiet von fremden Truppen befehl ist und die einzeilige Entwaffnung Deutschland» besteht. Lach dem Frie- denSvertrage tollte die deutsche Entwaffnung nur den Auftakt bilden für die Abrüstung auch der anderen Llächte. Aber bet klägliche Verlauf bet verschiedenen AbrüflungSberatungen hat ^ur Evidenz bewiesen, datz die großen Mächte nicht im entferntesten daran denken, auch ihrerseits den Abrüstungsverpflichtungen im Rahmen der Völ» kerbundsfahung und dc» FriedenSverträge» nach- zukommen. Licht ander» steht e» mit der Läu- mung der Lbeinlante. Obwohl Deut chiand alle feine Verpflichtungen erfüllt und demgemäß nach Artikel 431 de» Versailler Vertrage» ein vertragliche» Lecht auf die vorzeitige Räumung de» gesamten befetten Gebiete» hat. ist Frankreich n'cht einmal zu einer Diskussion dieser Frage bereit Von einer Defamtlösung. von einer Aufrollung be» großen Problem» der Lheinlandräumung ist einstweilen nicht mehr die Lede. Aber auch die Deutschlartd vor mehr al» eimmbeinem halben Jahre durch die Lote der Dotschafterkonferettz vom 16. Lovernber 1925 feierlich versprochene fühlbare Herabsetzung ber Truppenstärke läßt noch immer auf sich warten, ein Dewei» dafür, bc»ß unsere DertragSgegner überhaupt nicht gewillt find, bindende internationale Verpflichtungen gegenüber Deutschland einzuhalten. Aus dem Wege der Locarnopolitik macht sich eine völlige Stagnation geltend und die buntschillernden Seifenblasen, die man m Thviry in die blaue Septemberluft steigen ließ, find längst zerplatzt.
So sind am Tage ber achtjährigen Wiederkehr der Unterzeichnung be» Versailler Diktate» die Aussichten für eine Befreiung unsere» Volke» und für einen Wiederaufstieg unsere» Vaterlands wenig erfreulich. Aber e» gilt, ber Wahrheit in» Antlitz zu schauen, mit ber Wirklichkeit sich abzufinden und nicht nachzulassen in dem heiligen Kampfe um unser Lecht. Der Sieg über Geist und Willen be» Versailler Vertrage» aber kann nur errungen werben, wenn alle Deutschen ohne Unterschied der Partei und des Stande» fest zu- sammenstehen in biefem Kampfe, wenn fic bekunden den geschlossenen Willen zur Freiheit, wenn sie fordern daS Lecht auf Leven und Entwicklung-Möglichkeit. da» jedem Kulturvofke zu- steht. Ein Volk von nahezu 100 Millionen läßt sich nicht dauernd in Knechtschaft halten: em Volk, wie daS deutsche, tarnt nicht untergehen, wenn e»
sich felost aufgib:. auch nicht durch dc. Frie- densvcrtrag van BeriailleS!
Waffenlärm in Tientsin!
von unserer Sv D.-Brru :<rfictNrin.
(Lachdruck. auch mit Dueüer.^nfafcf. v.-rbe.fr.'>
Tientsin. Juni 1927.
3r pfingstlichsricbt ü er c iimmi.ng t. nnen wir Zknifinrt unjerci borgen, u.imtl. rü r irautn unseren fluten nicht: lieber Saitn üt au» der rubi* flen. burgerlidxn SLi.:-mann-.|t.;öt <me aue.-segle toamiion exnben. 81 in c r t f a n i | d) e e n 1 ten. wohin man auch bluft! Zn uf\ in Kick» shawr tu Vierbf. in Au:o.. auf Gesa ,rn. :u( Tank»' 3toi;Liu|rnb £Xann im aauzen da» 6. giment Lrr US -Marin»» Zein leben he au», gro.. blond, rojig. ganz mit is:<r Umfona oeriva. cn. Ander» al» die rt/intfifäxn c > da.cn. tif wir ion,l setzen, an bentn die llnilorm tlaglich ht.i ntcibun^i Sie unsoldalisch ist be;cn Hallr.n.-. hr *?!■.*. ihr.- ganze Menlaliwr! Bci ihnen utrh d.e l!r;iorm uile ein schlecht gewah! s beulet bu» *xi l*liUionen noch immer n.J do» r..rb un» mied-, mal so recht fiar beim ’Jn blick dieser ameri.'anischfn Prochu^.mplare.
Und so oergn iqt |mb sie! ,.f)aLc»b 3op. baüob. Girl!', so bforui'.-n sie lochcr.b jede Lfißgeiichr. Au» latiflefübl luchcltz wir ro.cbcr. sre betrachten sich ja wo'il al» uns. re Netter unb ajr.bem sich, doz wir teilen ans Dankbarkeit nicht glri.ch um den )'j!v fallen. Dir seh:n ober vorläufig noch wenig Grund wr Beunruhigung. Unter Tschancstiolinb Herrschaft ist den Fremden noch kein Härchen gekrümmt trorben. Un», 'ie wir ec guter Lahe betrachten, berührt e» fast tr.v.sch, baß eine frembe Macht noch der anderen sich 1 an diesem Mann abwendet urh ihn zum eiten liilen wirft — Und wenn nun „die Dloten* hcrauskamin. n (b;e Snnecn bco Südens sind nun einmc.l aum heute noch für Nordchina „he Noten", trotzdem sie auch aegen die Kommunisten kömps.iri. w'.^ nach dem Zusammenbruch der Nordarmee doch nicht nur möglich. sondern auch wahrschemlich ist? Nun, her europäische Oslnsiote ist imii er Optimist unb wir hosien, bah auch brr Süden au» ber Ncmkinq Asicire aller- Hand zugelernt hat.
Die Oknerälc der Sudarmee mochten den Sieg wohl voll unb fonz ausnutzen, und Tschang» au» Schwäche entstandene Fnedensschalmeien überhören. Doch auch F e n g - y u h s i a n g hat ein Auge auf Peking geworfen und ber neu gewonnene Syansitupan ist nicht zu übersehen. (Feng hat sich, wie wir inzvüichen etwa» Harcr überfeben können. wohl dem Silben angeschlosten, liebäuaelt aber auf der anderen Seite mit Moskau, das ihn gern
nach dem erwart.ten Sieg hr sudch.nesijchen Nerw- luli.n al# iterrn tn Nortzchina sähe, um hort In
■ ter. r kunst Sonderg.ichäße zu mawen. Der
c 1 : hat ich eher fall» bei Süden onge*
. a. er 1. b. nur um seine ♦ rownj yi be- b , er ir<rb h ’ Ib a den Generälen be» c .:t v nn! rauen d.ir.m tet D Nrd.t (F# tmb ali» ber^ idjih.;: noch viele, de saft alk ge- canb. rmunldx haben. Jeder nistet nach 'iiästen. aber 1 iriieidi kommt e* n r zu einer Kampfpause. t>.c ben d r.uchen Bauern der ir r n r c wegen lehr zu wünschen wäre vielleicht .ersucht man erst im rerb’i ber. enttcheidenden Schlag zu fuhren und vielleicht kommt et dann zum Zusammenprall aller Gegner gerade in unlerer bisher Io friedlichen Gegend
Doch nur keine Prophezeiungen in Chtna! In d .sem Lande ist lebe Zakunst ui gewiß unb zum Oluck <ntuft nuaj gcr de d»e Staadwolke
i. dlose *.ruil .• schwerer Lastauto», r olldcpackt mit
I: n. ßelbbctkn. T.jct-ea. St Men u.i) Mod)- a! n i'.-rrjanbelt unsere p ingstUch weihe Ktci- pauien. die die Lmerikäner un» noch lassen, ruion» nieren wir über sie: die P.ck|ha.r i ihnen werden letzt unerfchwi» :>ch werden, die Lebensmittelprrife
-rden um stmiundzivanzm Prozent (teigen.... Über sie lächeln so selig, die Jicrle. nun kann ihnen nii i bök sein, und sie singen, und ihre Beine bau- m.ln v 11 ‘.uutofenfkr hinauf.... Mein Gott sie sind beschwipst' Natürlich, sie kommen |a aus dem traifuicn Ämerika! Unb Io zahlen sie mhitkhstrah- knb für eine 10-Centr-Lickshair fahrt ein. zwei, drei
- greifen den nkNidyen '.Hu- freundlich unter» Sinn und klopfen ihren eigenen Borg» segren looial auf die Schulter
Da sind einem Choleriker offenbar die Dollar» aufcflencngen. Der !stickshawkuli fliegt in weitem Dog.n in den Linnstein. Hin Colonel greift ein; Zahl lieber zu rief, aber bau' dich nicht mit dem Chinesen beatm!’ und bekommt zur '21 rumort: .1 »in not herc for peore. 1 am 1, _rr tor !.«!)'.'•
Cchiuierig ist die üinqunrtierunp, feder freie Platz ist mit Zelten belegt, und die f).iu»toirte fttoh- len, denn die Häuser b. r geflohenen Qngiänber unb Amerikaner sinb im Nu von den Ossizieren gemietet. cogor vor den ..Spu' Häusern’ schrecken jle md’t zurück, in die fein Chinese seinen Fuß setzt, und die auch der Europäer meidet, weil dort lein chinesifcher Diener bei ihm bleibt. — Wir Deutschen bewundern etwa» wehmütig die tadellose, geradezu lururiöfe Stuorüftung ber Amerikaner Alle» neu, beste Qualität! Der stüchenzetrel scheint auch nicht übel zu fein: Wir enidecken Jionferocn mit kolisor- nifchen Früchten. Reiche» Amerika, bu kannst e» dir ja leisten?
Turnen, Sport und Spiel.
Feldbergfest.
Erfolg« unserer heimischen Turner.
(Eigene Meldung de» .Dießer«r Anzeiger»".)
Das 7 4. F e l d b e r g s e st. das am Sonntag auf dem höchsten Taunusgipfel stattfand, lltt leider Mieder unter dem fast traditionell gewordenen Legentoelter. da» die meisben Feldbergfeste der letzten Jahre cruSzeichnete. Di« schlechte Witterung bcrinttächtigte aber nur wenig den Besuch de» volkstümlichsten Feste» Mitteldeutschland». da» durch feine geschichtliche Der- aangenheit schon längst ein« Veranstaltung von historischer Bedeutung geworden ist und daher mit jedem Jahre wieder alte und neue Verehrer und Freunde anzieht.
Lund 1200 Turner und Turnerinnen waren in den einzelnen Stufen und AlterSllafsen zum Vierkamps angetreten, der unter erfahrener unb erprobter Leitung reibungslos duichyesührt wurde. Die ftürmifajc Witterung beeinträchtigte in erster Linie den Lauf, der gegen den Wind ging. So kam ei. daß beispielsweise einer her besten Läufer der D. T.. Hel big, Tv. 1617 Mainz, der bei einwandfre.«m Wetter und guten Dahnverhölwissen di« 100 Meter in 11 Sek. ober in noch besserer Zeit bewältiat. diesmal 13.5 Sek. brauchte. Die schlechten Lausvrrhält- nifse veranlaßten auch ben sonst nicht gcrabe
.nachsichtigen" Feldbergfestuusschuß. jedem Teil» netmKr 5 Punkte im Lauf gutzufchrerben. d. h. die 20-Punkt-Zeit von 122 auf 13.2 zu verlegen. Der Ausschuß ist damit nicht zu toelt gegangen, wurden doch auch di« 13.2 Sek. von keinem Läufer erreicht
Günstig war ber Weitfprung. ba da» Gelände fiel und auch mit Lücken wind gearbeitet wurde. C» kamen daher auch viele Sprünge mit weit über 20 Punkten (6 BieterI vor. Kurt (Bieber) erreichte 29 Pmtkte (6,90 Meter) und die deullche Meisterin G. Müller vom Tv. 1817 Mainz kam mit 32 Punkten weil über Lekvrd^
Sturm. Lebel. Legen und Kälte konnten den Turnbetrieb nicht stören, erschwerten aber da» Durchbalten unb stellten hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit, fo daß eS nur erfahrenen, mit den Tücken eine» Bergtetz^s vertrauten Wettkämpfern gelang, den wohlverdienten Sieg zu erringen. Duichschniüiich 50 Prozerrt ber ange- tretenen Teilnehmer mußten ohne Eichen kränz da» Kampffeld verlaffen.
Außer den erften Siegern in jeder Stufe nennen wir nachftel-end auch die Preisträger au» unserem engeren Heimatgebiet mit der erreichten Rangfolge.
V umer-Db er ft ufe (504 Teilnehmer. 267 Sieger): 1. L. Weber. Tv. „Eintracht". Wiesbaden. 89 P; 2. K Kurt. Tv. Bieber (Of-
sich die Wiesen. Unb drüben fern zackten bic Türme und Brustwehren der Marienburg in den flutenden ®laiu, eine Silhouette von ergreifender Schörrheit unb Bedeutung empor. —
(Sine große Andacht füllte unsere Seelen.
Wir standen auf altem deutschen Lande, da» jetzt einem fremden Volke gehört.
Wir hatten un» alle, dem gleichen Impulse folgend, die Hände gereicht, und sie lagen ineman- der in einem festen, warmen Drucke, unb durch unsere Kette hin schwang die verhaltene Glut der Sehnsucht.
Dom Fenster meine» Hause» schaue ich nun wieder hinaus über den Strom in» liebe Berg- land. Glocken läuten ihren Svnntagsgruh von der Stadt her. C3 wogt mit ehernem Schalle in die offenen Fenster hinein. Alle» liegt in Sonne unb traumhafter Schönheit.
Frühling deutscher Erde! Von einem Hochzeit- hau'e grüßt eine Fahne mit den deutschen Farben. Frei sthwingt sie bn Wind. Frei ist die Heine Scholle, auf die ich lebe. Deutsche Lieder Hingen da» Tal heraus. Uebaoll spricht man deutsch.
.Ser mir gegrüßt, man deutsche» Land, du schönste» Land von allen!"
Meine Gedanken schweisen zu den drei Grleb- nissen der vergangenen Tage zurück. Mein volle» Herz denkt der Freunde jenfeit» der Grenze ....
.Wir heißen euch hoffen!"
.Und die Treue ist kein leerer Wahn..."
50 Jahre Neichspalenlamt.
Wir sind, wenn wir un» auch dessen nicht immer recht bewußt werden, von Patenten ein- geschlossen, sie drängen sich in unsere Tage, helfen am Komfort ber Zivilisation mit unb finb unentbehrliche Freunde be» Menschen geworden. Hebcrall aber sitzen die Erfinder, die großen unu die kleinen, die planmäßig-glücklichen wie Edison und die, die von einer fiffen Idee besessen sind unb immer noch ba» Perpetuum mobile erklügeln möchten. Ihrer aller Gedanken aber umkreisen ba» Leichspatentamt in Berlin. daS zu entfcheiden hat. ob eine Sr- fiirbung wert ist. patentiert, b. h. urkundlich und
gesetzlich geschützt zu werden, daß dem Patentinhaber allein das Lecht zur Verwertung seiner Idee zusteht.
Man sollte glauben, daß ba» Patentwesen sich erst seit ben Zeiten einer gewissen technischen Blüte entwickeln konnte: aber schon am Anfang deS siebzehnten Jahrhunderts hat man in England, um die Mitte deS ack^zehntcn Jahrhunderts in Amerika den Erfinderschutz grsetzllch geregelt, in Frankreich veranlaßte bie Lefolu- tion eine Ordnung be» Patentwe-enS, in Deutschland begann man gleichfalls schon im achtzehnten Jahrhundert mit landesherrlichen Privi- legien. Preußen hatte danml» ein so strenge» Prüfungsverfahren, daß nur sehr wenig Patente erteilt wurden, in Mecklenburg unb in ben Hansestädten kannte man Patentierungen überhaupt nicht. Erst nachdem bie ReichSversassung von 1871 die Eriindun-zspatente unter bic ©egen» ftänbe bet Leichsgeseygebung ausgenommen hatte, erfolgte aus Anregung be» Deutschen PatetU- schuhverein» der Erlaß be» Patcnrgesetze». D e Behörde, bie diele» Gekey auSzufähren hat, ist da» deut'che Leichspatenlamt. da» Aufammen mit dem LeichSgericht dem LeichSjustizminifterium untersteht: fein erster Präsident war der Wirk- siche Oberregierung»ral. spätere Staatssekretär Dr. Jacobi.
Welchen ungeahnten Aufschwung diese Behörde zugleich mit dem Emporblühen aller technischen Zweige und mit ber wachsenden Teilnahme be» ganzen Volke» an t. chnischen Dingen genommen hat, veranschaulicht bie Tatsache, daß unter dem Präsidenten zunächst nur drei ständige rechtskundige nebenamtliche Mitglieder be» fdjäftigt waren, während diese Behörde heule einen umfangreichen Beamtenstab von in»gcfamt achthundert Beamten beschäftigt. Mit ber Masse ber Menschen sind die Läurne gewachsen: zunächst half man sich mit Mietsräumen in ber Akten Koniggrätzer Straße, gegenüber ber Doh- straßc. bann bezog man ein eigenes Dienst- gebäube unb seit 1905 bewohnt man ben großen Palast im Südwesten Berlin», ber auf 12 300 Quadratmeter bebauter Fläche ruht und an ben sich ein Kesselhaus von fast 900 Quadratmeter anschsießt. De Korridore diese» Liesenhause» haben insgesamt bic Länge von sechs Kilometer.
Auch von dem steigenden inneren Betrieb be» Patentamt» mögen einige Zahlen anschaulich berichten Bi» 1913 wurden für Beschaffungen zur Ergänzung der Bibliothek 1.3 Millionen Mark verausgabt, ber Krieg erforberte Einschränkungen, unb ber Leichshauthalt von 1927 sieht 91 000 Mark im orbenllichen unb 60 000 Mark Im außerordentlichen Haushalt zur Auffüllung ber durch ben Krieg entstandenen Biblio- thek-lucken vor. DaS Patentamt birgt heute bie ungeheure Zahl von 6,5 Millionen Patentschriften. bie mit sonstigen Verösientlichungen 80 000 Bände füllen; dazu kommen noch weitere 80 000 Bande Bücher und nicht weniger als 90 000 Zeitschriften bände.
Diese Zahlen sprechen wohl lauter als theoretische Erörterungen über bie wichtige Wirkt am- feit des Leichspatentanues. daS sich aus aller- kleinsten Anfängen zu einer ber imposantesten deutschen Behörden ent wickelt hat, deren Tätigkeit tief in da» praktische Leben mit seinen Erfordernissen und Erfindungen eingreift
Hochschulnachrichlen.
Der Prioaldozenl ber klassischen Philologie, Dr. Ernst Ä a p p in München hat den Luf nach Ham- bürg als Nachfolger von Professor Pfeiffer angenommen. — Pros. Dr. med.-^ermonn F. O. Hatz e r la N d von ber Universität Köln hielt in der Akademie o| Medicine, Neuyork, einen Dortrag über experimentelle Chirurgie. — Der Honorarprofessor in der philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt a. M., D. Dr. phiL h. c. Richard Wilhelm ist zum ordentlichen Profeflor ernannt wor- den. Pni. Wilhelm ist zugleich die durch die Stiftung der (Bräftn von Franken- Sierstorpsl errichtete ordentliche Profestur verliehen worben mit ber Der- «tung, bie Chinakunbe unb bie Chinoforschung orlesungen unb Uebungen zu vertreten. — Der Assistent am pathologischen Institut ber Universität München, Dr. Rar! Fahrig, ist als Prioaldo^nt für allgemeine Parholoaie und pathologische Anatomie in die medizinische Fakultät der dortigen Uniotrfitat ausgenommen worden. — In Berlin verschieb ber Wirkliche Geheime Oberbergrat, Minrsterlalbirigeat 0. D. 2>r.-3nfl. h. c Mar Reuh, Honorarproseffor für Bergbau!unbe unb (khrkschürger ber Charlolten- burger Techn. Hochschule, im Älter von 71 Jahren.


