Ttr. W Erster Blatt
ITT. Jahrgang
Dienstag, 28. Juni (927
Eriche,«» tägltS^aatzer Sonntag» «nb Jttertags-
Beilegen:
'Bte^euer ^omilienMÄtter Helma, im Vlld
The Scholle.
meie!s*Be)eg»frtb: 2 Reichsmark und 20 )krich»pfeAmtg ftr Träger, lohn, and) bei Nicht«, cheinen ei rq einer Thuwmem nfolge höherer Gewalt. Fernfprechanschlüsse:
51, M und 112.
«»schrift ftr vrahtnach. richten: Hnjdqer «letze».
poßscheckkoitt»:
Srarftwr, an mein 1168t.
Siebener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhessen
vnftk inb Derlag: vrüdl'jchc UeiöerSlätpBnd)« und Sletnöriderei R. fangt in Äiefcta. Sdfriftleitnng und StfchäslLstelle: StbnUtra^e L
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ChefrrdaKlear
Dr. Fnedr. Will). Gange. BerantwoNlich für TchtiM Dr. 3r. Wilh. Gange; ftr Feuilleton Dr. H Idyriot; für den übrigen Teil Ernst Vlnmfchei«; für den Sn« jeigenteil ftvN Hillmnnn. iAmtltd) in Dietzen.
Daudets Entführung und das Kabinett Poineure
Lio sich in Srantretd) zuerst bu Nachricht von iwr gelungenen Befterung bet lloiyolrftenHäuptlings Daubet verbreitete, lachte alle Belt vergnügt auf. <£t war rn ber lat ein gut ausgeklügelter und raf- ‘uriert burchaefuhrter Streich ber geeignet roar^ den ftanzösifchen Bureaufratitmus unfierblirt) lächerirch zu machen Ls hat keinen Zweck, hier den Pharisäer fpielen zu wallen unb ju behaupten, bah unbertrun nicht Aehnliches möglich wäre — ber 9urwufrati»mu» ist sich überall in ber Welt gleich. Wan hat auch in Paris fehr halb emqcichen, bah s nicht bamit getan ist, über die i)armlofigleit unb Jeirhiglaubigteu bee betreffenben (Bcfangniobiret- ort unb > brr bie durch ibn blamierte Regierung ju fpotten, fonbem man ist fehr Ichnrll von ber "eiterfelt zum (imft übergangangen. Von allen -eiten wirb letzt betont, bafe bas Ansehen ber Regierung einen schweren Stotz erlitten hat, an dem sie lange kranken wird.
Zweifellos ist da» nicht ber erste Stotz innerhalb der kt)ten CDlonate unb es wird schwerlich der lebte lein. Di» »um Sturz de» Ministeriums Poincarö wird c» trotz allem wohl noch eine Weile bauern, obwohl alle Anzeichen darauf beuten, datz es die Höhe feine« Geben» überschritten hat. In gewisser Hmftcht hat das Kabinett Poincarä sogar eine Lebensfähigkeit bewiesen, wie man sie ihm kaum zu- gclraul hätte ÄoaliÜonÄregierunaen. wie die französische, bie in sich bie einander wider st re- bendsten Elemente vereinigen, können sich nur unter ganz nutzer gewöhnlichen Derhältnissen längere Zeit behaupten, wenn nämlich ein alle Länder Interessen überragendes Ziel vorhanden ist. Da» war gewiß bei der Bildung de» Kabinett» Poincarc- der Fall. X» Außen- und Gc- waltpolttiker Hai Polncart vor dem französischen Boll gänzlich bankerott gemacht, tme seine schwere Wahlniederlage irn Frühjahr 1924 zeigte. Datz et in der Kammer, bie in schärf stet Opposition zu seiner Ruhrpvlitik gewählt worden war. doch wieder wx bie Spitze der Regierungsgeschäfte gestellt werden konnte, hatte seinen Grund darin, datz bte französische Währung in unaufhaltsamem Verfall b.-grillen war und schnell Derhältnissen zutrieb, toic wir sie eben hinter uns hatten. Poincore galt und gilt in Frankreich al» Sach- oerstänbiger auf finanzpolitischem Gebiet, auf feine Fähigkeit und Zähigkeit im Verfolgen eine» fest-testeten Zieles rechnete man. und so konnte er die Regierung bilden, die sich stolz ul» bte des nationalen Tert rauen» bezeichnete und Parteien in sich vereinigte, die sich sonst feindlich wie 5euer und Wasser gegenüberstehen. Da» in Poincare gesetzte Vertrauen wurde ge- I rechtfertigt unb heute ist tatsächlich die französische Währung stabilisiert.
von dem Augenblick an jedoch, von dem es klar 1 wurde, bah der eigentliche Zweck des Kabinett» b?» * nationalen Vertrauens erreicht war, machten sich f auch die Widersprüche bemerkbar, die von Ratnr • vorhanden sind unb durch das Bestreben, itranf- • reich vor de m Währungsverfall zu retten, unterdrückt S morden waren. B.im Regierungsantritt hatte sich Poincarö ancdrücklich sogar in einem protokollarischen Beschlutz des Rabim-it» zu völliger Enthalt- | a m f c 11 in Bezug auf die Leitung der Autzen- Politik verpflichtet und diese ausschliehlich Briand überlassen. Je fefter Pomcarö glaubte, durch seine unleugbaren Verdienste um die franzö- sische Währung im Sattel zu sitzen, um so mehr trat er au» |einer Zurückhaltung heraus, um so mehr folgte er seiner Neigung zur Selbst- unb Alleinherrschaft. E» gab miederholie Zufammenftösie mit Bri.mh. u»ch nun ist dessen Cinflutz mindesten» vor läufig beiseite geschoben. Denn durch diesen Steg über Driand Poincarss Stellung noch gesicherter erscheint. so durste da» ein Trugt chlutz fein, denn cs -ngchen sichRisseundSprungeimFunda- ment immer mehr bemerkbar. E» wird schwer unb heftig um >;c S) 11 r e »o o r < aa e gekämpft, die einen vollständigen Sieg des Militarismus dar stellt. 3mar ift es Toincarö gelungen, einen Teil der Sozialisten dafür zu gewinnen. Aber auf einer Tagung ber Partei ist Pa u 1 - B o n c o u r, der zum eifrigen Parteigänger Poincarös geworden ist, die Frage oorgelegt roorben. ob er es wagen würde, es zu billigen. nx-rm auch Deutfchlanb ein solches Gesetz tür seine nationale Verteidigung annehmen wollte. Diese Frage allein, auf die übrigen» Paul- Boncour die Antwott schuldig geblieben ist, lösit erkennen. wie tief der Ritz bereits innerhalb der ( Regierungsm hrheit geworden ist. Ein anderes Zer- rtjen des Verfalls der Mehrheit liegt in dem Stampf , um den Zolltarif, der auf verlangen der Cppo- \ sition von ber Regierung zurückgezogen werden \ nutzte, um einer Umbcorbtitung unterworfen zu < :uerbcn. D«church ist der Abschiuh eines <>anbcl9ocr- trage» mit Deutfchlanb auf absehbare Zeit verhindert worden. ',um großen Aerbrutz weiter Teile der fron- I w suchen Wirtschaft, vor allen Dingen jedoch der
,Wein- unb Gemüsebauern.
i Alle diese Vorkommnisse lassen deutlich er- Fennen, datz sich die Lebensdauer des Kabinetts ' Poincarü rroh seines Sieges über Driand ihrem fr- n De zuneigt. G» ist möglich, datz die Mchr- hseit noch eine witlang au» Furcht vor einem njeuen Verfall der Wahrung zusammengehalten tchird und datz sich die anderen KabrnettSmit- gjicDer der Fuchtel Poincar^s beugen. Ober je Mäher der Termin der Reu wähl. die spä- rastens im Mai nächsten Jahre» erfolgen mutz, llcrarrrückt. desto mehr fragen sich die Mitglie- i*cr der Parteien, mit welcher Wahlparole sie vor deS Doll treten wollen. Je mehr sie sicd diele Frage vorlegen, desto deutlicher
Driand. Dem Ministerpräsidenten Po ircors spielten die Royalisten jetzt also zum -wei-enmal den- klben Streich. Die Desreiung Daudet» unb Ieiner Mitgefangenen Delest. de» verantwortlichen Letter» der .action fran^ise“ imb i-cs Kommunisten Semard. de» verantwortlichen Herausgeber» der .Humemit^" wurde höchst einfach folgenbermahen inszeniert
Der Direktor der 6-anlv. de» Gefängnisses, in dem die drei ihre Strafe abfiyen. frühstück, g*- stern mittag« ahnungslo» in seiner Privatweh- nung. al» plötzlich da» Telephon klingelt:
.Herr Direktor Eatrh? Hier da» Innenministerium. Minister öarraut selbst wünscht Sie dringend zu sprechen. tSinen Augenblick, bit c'"
Der Direktor putzt sich noch rasch den Mund ab. zieht seinen Rock zurecht, beim tr»enn der Herr Mini ster leibst.
Unb darauf eine t'ese. gewichtige Chmiac.
.Herr Dirck.or. id) komme soeben au» dem kMinisterrat. Dori haben wir die sofortige Degnadigung von Daudet. Dclest und ob* :narb beschlossen. Ich teile es Ihnen schon telephonisch mit. weil uns sehr viei daran liegt, jede Kundgebung unbebir.it zu vermeiden. W llen Qu aOfo bitte bie’ drei Genannten sofort frei- lassen und mir in einer halben Stunde Bericht erstatten I“
Herr Direktor Eatry katzbuckelt rasch noch zweimal: »Ich werde sofort. Hrr Minister ...." unb stürzt in sein Amtszimmer, um ,,b a S Erforderliche zu veranlassen". Ratürlich weih S^crr Catrn genau, was er zu tun hat. So mich einfach anrrlephon.eren, kann natürlich jeder! denkt er Er läßt sich also selbst noch einmal mit dem 3nnenminifternim verbinden.
werden die Unterschiede in der grundsätzlichen politischen Ueberzeugung und desto mehr wird da» Ansehen der Koalitionsregierung erschüttert. Rach Annahme der HeereSvorlage. die trotz allem gesichert erscheint, dürste der Zersetzungs- prvzch noch schnellere Fortschritte machen. Vielleicht werden sich dann zunächst Herr lot unb dessen Anhänger von Potncar^ trennen unb vielleicht wirb bi» dahin Driand nicht nur physisch. sondern auch politisch wieder gesund sein. Die Daudetsche Komödie dürfte geeignet sein, diesen Zerienun^- und Gesundung»- prvzetz zu beschleunigen.
Der Daudet-Komödie zweiter Teil.
(Don unserem Pariser W -Korrespondenten.! Pari» den 26 Juni 1927.
Lange hat Pari» nicht so gelacht wie gestern nachmittag. Aus den Boulevards, in den «Lose», in Straßenbahnen unb Autobussen überall Schmunzeln und Heiterkeit: Dieser neueste Streich der cimelot» du roi, die durch zwei Telephvn- «espräche ihren Abgott Leon Daudet au» dem »efängni» befreit bähen, ist genial, wenn auch nicht ganz originell Denn schon in Jahre 1912 ist ihnen ein ähnlicher Streich geglückt. Damals war auch Poinearö Minister- Präsident. Damal» machten e» zwei Royalisten, Bourgcln und Pinochet genau so. um ihren Freund de Baleine au» dem Gefängnis frlairaur entwischen zu lassen. Der eine tief damals al» Poincars selbst bei Herrn Tissier an. dem KabineltSches de» damaligen Iustizminister»
Dre Stockholmer Tagung der Internationalen Handelskammer.
Die Aufgaben.
Eigener Drahtbericht des ..(Siebener Anzeigers'.
Berlin, 28. Juni. Der .Kongretz der Internationalen Handelskammer in Stockholm, der gestern offiziell begann, verspricht diesmal eine besondere bedeutungsvolle Veranstaltung zu werden. Richt nur wegen der starken Beteiligung — eS lind etwa 800 bi» 1000 Vertreter aller Wirtschaftsgebiete und au» allen Ländern gemeldet — sondern auch wegen der Beziehungen seines Auf- gabegcbietes zu dem kurz vorher abge- wickelten Programm der Weltwirtschaftskonferenz.
In beiden Fällen handelt es sich um die Feststellung der internationalen HandelS- Hemmnisse unb um die Auffassung von Mitteln und Wegen zu ihrer Bekämpfung und Be- settiaung. Deutschland ist überall auf diesem Gebiete b o r a u » g e\j a n g c n. So hat ReichS- wirtschafiSminister Dr. E u r t i u » in ferner gehaltvollen Rede vor der Hambtftger Tagung des Industrie- und Hanbelstages die Ausführungen, die der ReichZauhenminister kurz zuvor m Dens programmatisch festlegte, mit umfangreichem Material weiter erhärtet: und sie wird auch von den Vertretern der deutschen Handelskammern in Stockholm, unter denen sich Ramen linden wie Franz von UlcnMSfobn, Staatssekretär Bergmann. ReichSmftnster a. D. Hamm, von Raumer und Demburg. Reichskanzler a. D. äuno. Louis Hagen, Dr. Melchior. LammerS, Revene. Dr. Gllverberg. Witthoefft unb andere, besonder» unterstrichen werden. 'Denn es ift unmöglich. bei einem Zusammentreffen führender Wirtschaftler an der Beobachtung vorüber zu geben, die auf allen wirtschaftlichen Veranstaltungen der jüngsten Zeit zu machen war. datz die Grundaufgabe elfer Welt Wirtschaftsführung eine Umkehr auf dem Wege vom Prvteftionts- mu» -um weitestgehenden Freihandel ist. Unter den Verhandlungsgegenständen in Stockholm spielt die Frage einer Subventionierung von Handel und Industrie werter eine Rolle, da sie auf Anregung Gustav Sallel» zum erstenmal bei einer derartigen Veranstaltung auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Sie hängt aufs engste mit der grundsätzlichen Entscheidung über die freihändlerische Wirtschaftsführung zusammen, denn Protektionismus kann schlietzltch ebenso aut mit Hilfe von Ausfuhrprämien. wie mit Hilfe von Einfuhrsperren durch übermäßige Zölle betrieben werden
Für unS selbst sind die Fragen, die in Stockholm behandelt werden, von höchst akutem Interesse. Man braucht nur an die Schwierigkeiten ■3u denken die dem Adschlusi von Handelsvcrträ- <ym Deutschlands mit Frankreich und mit Polen seit Jahr und Tag im Wege stehen um diese Bedeutung zu erkennen. Da die internationale Handelskammer sich autzerdem seit geraumer Zeit mit dem Funktionieren des Dawesplane». der Transfer-Frage und unmittelbar auch der Repa- rationsfrage beschäftigt, und da es sich hier um eine freie Vertretung der Wirtschaft ohne regierungssettliche Bindungen handelt, so wird man überdies ziemlich automatisch zu einem Durchsprechen der ganzen wirtschaftlichen und wirtschaftSpolttischen Probleme gelangen, die für uns im Augenblick und in naher Zukunft brennend erscheinen. Man darf an die IntelligeTrz. dre Sachkenntnis und den Freimut der in Stockholm versammelten Wirtschaftsführer der ganzen Wett
die Hoffnung krüpfen. das) sie auf dem Wege, ber von der Wettwirtschaftskonserenz vorgezeichnet wurde, die grobe Aufgabe eines innercuro- päIschen Wirtschaftsausgleichs nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch ein guteS Stück weiter tragen.
Die (Eröffnung.
Stockholm. 27. Juni, sWolff.) Der olcrt? intemationa'.e HandelSkammerkvngretz wurde heute in Anwcfenheit König Gustavs. deS Äron- prinzenpaareS. der Prinzen Eugen und Wilhelm von Schweden. deS Ministerpräfi- dentcn und mehrerer anderer Minist?r fc erlich eröffnet Der Vorfitzenbe de» Kongresses. Bank- direktor T. A. Allenberg, begrüßte die Anwesenden in einer kurzen Ansprache. An die deutschen delegierten richtete er in deutscher Sprache folgende Worte: »Ich erlaube mir. bie deutschen Delegierten besonders zu begrüben, da eS da» erste Mal ift. datz Deutschland sich auf unserem Kongreß bat repräsentieren lassen Wir hofsen alle, das) unsere Arbeit durch die Erfahrung und die tiefen Kenntnisie. Die Sie. meine Herren, uns zuführen, erleichtert wird, und darum sagen wir Ihnen ein herft'.che» Willkommen." Daraus sprach er den Wunsch au», datz Die Ergebnisse Des Kongresse» in Stockholm Derjenigen Der Kongresse von LonDon. Rom unD Brüssel würdig sein würden. Bei Dem Programm des Kongresse» hanDle e# sch nicht nur Darum. Die Handelsverhältnis'e zwischen Den verschiedenen Ländern zu bessern, sondern auch in erster Linie darum. ..Die herzlichen Beziehungen zwischen Den Rationen zu erweitern unD Den Frieden zu erhalten." Der schwedische mteri- mistische Minister des Aeuhern. P e 11 e r s s e n. wies Darauf hin. Daß feit Den letzten Kongressen in Rom und Brüsiel sich vieles ereignet hatte, das auf eine günstige Entwicklung auf Dem Gebiete des wirtschaftlichen Austausches zwischen den Rationen schiietzen lasse. Die Weltwirttchafts- grunDlage habe eine feste Diskussionsgrundlage geschaffen. S-s bleibe ajer viel zu tun übr;fl. und es fei namentlich nötig, fich Die Unterstützung Der öffentlichen W inu ng zu '.i .rn.
Die drei Kommlsfionen der Internationalen Handelskammer begannen bann ihre Sitzungen. In der ersten Kommission, die sich mit den Hindernissen des freien Handelsverkehrs besaht. hielt Proi. Gustav Gaffel eine Rede über StaatSsubveniionen an den Handel. — In der Kommission für Luftverkehr beschloß man. verschiedene Schritte zu unternehmen, um den Luftverkehr für ganz Europa einheitlich zu regeln. Die Kommission für Wechsel und Scheck beschtotz. daß ein internationaler Kongreh von Regierung-Vertretern zusammenberufen werden solle, um eine fortschreitende Vereinheitlichung der Scheckgesetzgebung in den verschiedenen germanischen und lateinischen Ländern durchzuführen.
Die Tellnehmer der Konferenz wurden am Rachmittag vom König und dem KrvTtprinzen- paar im Schloß empsarrgen. Arn Abend gab die Internationale Handelskammer den Pressevertretern ein Essen im Restaurant Ha' ^backen. Die Begrüßungsansprache hielt der Präsident der Internationalen HimdeiSkaTMner Sir Alan Anderson Redakteur Walter liroli <Kölnische Zeitung) dankte im Ramen der deutschen Pressevertreter.
um sich genau zu vergewlllern Die Verbindung w.rd bcrgefttlh und der arme Hcrr D^reltor Cazrn zuckt vrdrntl.ch zusammen, als er Da fcn Anschnauzer bekommt: .Ja. haben Sie denn nicht ßcrCanöcn was Ihnen der 27k.nister selbst eben gesagt hat? Allo woraus warben S.e denn n o 4)T*
Also Die Geschichte hat lerne Rüstigkeit, beruhig: sich Herr öatrb. geht selbst in tic Zellen Der Drei Inhaftierten unb teilt ihnm .hre Begnadigung m.t. ..Bitte, meint Herren" liebt he der Ge ängr.isdirektor noch an, „axr beeilen S i e sich. Sie müssen unbedingt dl ».n 30 Minuten draußen sein"
Die Drei lassen sich das natürlich zweimal sagen, packen ihre Sachen und machen, baß f i e rau »kommen. Vor der Gefängnis- tüt warten schon zwei Auto». In da» eine Neigen Daudet unD Delest, um zur art.on fran^aik“ au fahren, und in da» zweite Pierre Senmrd, cor fernen erstaunten Frmndet in Der Re7>tttion Der ..Humanite" seine BegnaDigung mllteili
Erst nachmittags um 5 Ufjr kommt der ganze Schwindel heraus. Der Inncmninister Sarraut erfuhrt davon durch reinen Zufall, al» er nachmittags bei einer Feier die Regierung vertrat. Als er sofort eine Untersuchung änorbnete, Wae» natürlich zu spät. Dre drei war<n verschwund.tt, und alles Rachforschen nach Ihnen bl.cb bt6 zur Stunde dergeben». Um 7 Uhr rief Po n- care fchlcunlgst e.nen KabinettSrat ein der enthob wohl den unglückseligen Gelängn.s- MrcFtor Cann fofort feine» Amte», aber die Drei Befreiten schaffte er damit nicht wieder zur Steile. Die Regierung aber liebt mit Grauen der nächsten xammerfttzung am Dienstag entgegen .
W l c die Royalisten ihren Streich voll- führten'.' Aber angesichts solcher Schlarnperei unb solch leichtfertiger Beamten nichts leichter q!» bat. Der erste fingierte Minister-Anruf bet D.rektor Satry war natürlich ganz einfach. Und die Vcslütigung? Run. da» 3nnenminiftc* lium verfügt über zwölf Teltphonleitungci,. Cif hatten die. Rovallsten abgeschnitten unb die zwölfte durch einen ihrer Leute besetzt. Und um jeDvn Zweifel bet bem Herrn Ge- 'önantSdireftor 6atm zu beheben hatten Daudet» HefterShelfer auch den Kommunisten mit eitt- wischen lassen.. Eine entzückende Köpenickiade. Rur in der französischen Regierung herrscht Katerstimmung. Denn .wer den Schoden bat, braucht für den Spott nicht zu sorgen" ...
Ergebnislose Untersuchung.
Pari-. 28 3unl (WTU. Funkspruch ) Der UnterfutiungSrichter hat ses^stellt. daß tat- 'iichllch die ganze Angelegenlxlt der B-ftx-i»lng Daudets au» dem Gefängnis sich so abgespielt hat. wie die .Actton sran^alse" sie berichtete und daß der Camelot bu Rol. der den Befehl vom Innenministerium au» erteilte. 40 Minuten lang bie Verbindungen aufrecht erhielt, damit alle Rückfragen wieder an ihn zurückgelangten. Die Sntführungsge^chichte war bi» in» einzelne auskalkuliert, datz gerade In dem Augenblick, in dem Daudet au» dem Gefängnis herauStrat. ein Auto anfubr mit Früchten für ihn. die angeblich eine bekoamte Famllie ihm wfanblc In diese» Auto ist Daudet eingestiegen. Als nach ihm auch der Deneraksekretär ber Kom- nninistischen Partei. S4mard. da» Gesängni» verlassen hatte, rief der Direktor nochmal» Un Innenrnrnistier ium an. Gr erhielt nunmehr endlich die ''"^b in Dung mit dem Referenden De» Justizministerium» für da» Straftoefen. der Im Innenministerium fein Bureau hat und mußte erfahren, datz er da» Opfer einer Mystifikation geworden war
Die Staat»ünwallschasl. her Uuterfuchung»- richter und auch die Polizc, haben denAuf- enthalt Daudet» bis jetzt noch nicht feststellen können. Der Staatsanwalt hat daher erneut einen Haftbefehl gegen ihn erflaffen. Der Gencralfekre.är der Kommunistiichen Partei, 6 <? m a r b . her von den Camelot» Du Roi mit Daudet au» Dem (Scfängnt» befreit wurde, und den der Iustizminister aufgefordert hatte, zehn Tage nach der Verwerfung feiner De- ] rufung durch den Kassationsgeuch'.shof feine Strafe anzutretcn, hat hd> erneut an Die Strafkammer gewandt, um die V.ngerecbfiglcit ferner Dei'haf.una fesistcllen zu lalfen Der Antrag ift icdoch abgtlcbnt und er dementsprechend aufgeforbert worben, sich innerhalb zehn Tagen ',ur Verbüßung feiner fünfmonatigen Gefängni»- trafe zu stellen
Sojialiiten unö heeresresorm.
Pari,. 27. Juni. (LTB.) Der „I e m p 6* uerun<itt in jcharj.r Weise Die oom Nationalrat der 'ozioliftifchen Panei angenommene Resolution hinsichtlich Der Haltung, bie Die sozialistische Fraktion nunmehr gegenüber Der fxereereform einnehmen soll. Cr imreibt: Die sozialistische Partei hat sich unter dem Druck ber Kommunisten selbst be-avouiert. Unter dem Drängen der Männer in Moskau er- keimt sie mir eine bedingt oermirberte und auf die Rapitaliftenfreife beschränkte nationale Verteidigung an. Sie befrei« das Proletariat von der Pflicht, dem 3akrlanb zu dienen. Sie lätzt zu, daß mitten im Krieg? die Gewerkschaften sich der Vorbereitung her Reoolution widmen, zum mindesten gewährt sie >h en das Primleg. neutral zu bleiben. Zwischen ber 8ili jna des Entwurfs Paul voncours durch die loziali'tischen Abgeordneten unb ihrer Desavoui«» rang bes gleichen Entwurfs wirb der Weg erfenrt»


