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ar. 123 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger IGeneral-Anzeiger für Dberheflen)

Samstag, 28. Mai 1927

Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen

Thüringer Frühling.

I Don H Schede.

tic kleine Llabt.

Die fU herb« Nf lle.ne vo blauen Früh- ilQlbänbrm umflattern OtaN Un £)txyn des : juijngcr Lande-? Aoda. Qi cnfrerg Kahla t Aame hat nicht» $u bctbeuten beim fie ftnb i h gleich und seelenverwandt. und wer Ne eine MU. liebt Ile alle.

Der grobe Delterbauer der steile Gipfel |-> abgrundtiefe Meere schul, machte hier zu l rr Atempause halt. Qr war der glzant.schen skegenfütze müde geworden und ennsarf an Land, t dem die Höhen in seligen Harmonien über jblichen Tälern Ringen und die FiüN«. w.e die '^Üchstrah, om Himmel ihr« silbergie.hende Dahn I ben Die Ve ne Stadt sitzt m.Uen im Maien- Hm, breit und wichtig, mit auAaebreiteien i Igeln. w,e eine Gluckhenne. Ober sie Rettert k>nb bergauf und bergab, gutfl eilsertig in hieve Daldgründe. herfutft l>ch verläuft um Hätzlich wieder aus sonn ger Halde zu erlcheinen 6 sich im Dielenbetl von ihren Strapazen Wchuruhen. Durch alte, brüchige Tore schweift hr 2Mid über das goldene Flieh der blühenden Titten, unter denen sanlt und tief die erwachte ahnet Der weihe Kalk der Serge leuchtet rD schiieht einen seltsam phvsphore»zierenden 1 na um die bunte S. n-egthe t der Neinen Ort« fc'itfn Qlne liebenswürdige Anmut das Lächeln Hs Friedens und der AuAgeglichenhe.t ist über si cher und Türme aulgebrntet, als hätten die WrtHtttrten Mauern das Morden und Sengen »kgongener Knege, das Klirren der Dassen und -immem der Sterbenden längst vergessen.

Seltsam genug, doh in diesen stillen, wald- »wuschten Bestem solch lebhast unruhtaes Bölk- 4m ausgebrütet wurde, das in seiner Seele die Sthsfucht der Flüsse und das Hamweh der nahen »rge trägt. Qdüllung ward ihm nicht zuteil. Inmer bleibt im Herzen ein ungdüthgtcr Hunaer wch einem nicht zu greisenden ®lüd, etwas Un« hirsedigtes. das den Oiruelnen in die Ferne bringt unb boch unwiderstehlich in die engfte Hrirnat zurüdtreibt.

Es lebt sich gut in der kleinen Stadt. Das Der. bas hier und dort noch aus Holzkannen gsninken wird. Ist köstlich Die Prominenten des Dies wohnen zwischen blühenden ©Arten in Wnvdtn Dillenvierteln, die die Derge vxe Biiensttäuste an der harten Brust tragen. Der r'.Dige Derkehr wirb eilrig a<pllegt Man be- Mhi Konzerte Dorträge Theater, weih über Öles Bescheid. interessiert sich sur indische Aell- *n und moderne löst alle Probleme, m it i£b spielt Skat mit den entzüdend lust gen Sutinget Karten. Man verliest sich nicht und 14t in argloser Selbstzusriedenheit aus breiter, *ntr Bahn.

Die Einwohner haben unendlich viel Feit und «pstnden die Oilc und Geschäststätigkeit des Landen als persönliche Kränkung. Es ist ein Wag der Unmr .1, in c.ncn ßat^n zwei

I Semmeln zu tauten und ruhig wieder seiner Dea« I zu gehen. Die guilge Deschaits nhaberrn w.U n.cht I nur mtt Darr, sondern mit ireundl.chem Lächeln und teiliiahn.evollen Trä-en aufwarten unb i ter- | überschüttet den ahnunLslolen Käufer auf einen Schwall von jen Aapchläz«.

Die sie nur diese "3rüg*.erbe, d e, es brennende Interesse an dem Tun un> Laven ibrz> Nächsten auf bringen? Mies wird Erlebnis. bas neue Kleid der Aegierungsrätin. bet De n. den der Herr Doktor bestellt, bas Fürst-Püdler-Eis. bas der Landrot sich vom Konditor kommen 116t Der blave Lehrling In der Drogerie spekuliert und bittet den DanLlrektvr um einen .Tip", während er ihm Farbe für seine Dlumenkäst.-n m.icht Beim Krämer erhält man mit jedem Pfund Mehl als besondere Betgabe «in ae Psesserkörner aus der .chromque tcandilcusc . unb beim Friseur er­fährt man die Dermdgensverhältnisse sämtlicher Mitbüro er

Unb doch «Trust man sie lieben die veine Stadt, di« so viel Oarmlo ;n ihren

Mauern birgt. Sie nimmt sich selbst so ernst. Sie merkt es garnlcht. doh aus den schwarzen Gehrodtaschen ihrer Dichtigtuerei der bunte Tafchentuchzipsel eines unendlich seinen, lächelnden Humors herausschaut,..

Tn mein Jena . . .

Oi nahm uns gleich wieder in seinen 'Bann, das alte 3ena_ Goethes .liebes närrisches Tic ff mit seinem Gewinkel von Ströhen und P,ätzen, feinen Giebeln und Fensterrr. aus den.m still und versonnen die grvhe Vergangenheit auf bas aegenwartsfrvhe Treiben herabblidt. Sine ge­lehrte Stobt In der Dichter unb Denker unver­gängliche Derke schufen, mit vielen Denkmälern unb Erinnerungstafeln. b.e wie hohe Stoatsorden am säuberlich geputzten Aod der engbrüstigen Häuser hosten. Aber bas ruhmreich Versunkene schlummert nicht mit erloschenen Augen zwischen Bücherstaub und Aktensvlianten Es blüht in ver­schwiegenen Gärten, durch bk der Mai seine weihen unb rosigen Brautschleier webt, es lodert aus gelben und roten Tulpen und haucht den Dull von Flieder und Goldlad aus 3m Garten, der Schillers Dollenstern entstehen sah. am steinernen Tisch wo er mit Goethe, .gute und grohe Dort« oewech'elt Hot", spielen goldgelockte Kinder mit Puppen und Bällen, firyen junge liebende Paare im zärtlich rieselnden Licht bet Abends.

Schwer und wuchtig steht vor dem Eingang der Stobt das 3ohannistor. ein finsterer Däcbter aus dem 14. Jahrhundert, dem auch der Früh.ing keinMaienstrüuhchen auf die Turm Haube seht. Aber durch die fpinbogige Oessnung lacht buntbewegtes Leben. Auf dem offenen Markt vor der .Zeile" siyen an Holztifchen biedere Bürger und fröhliche Studenten und trinken die Hellen Soale-Delne Grolle unb Drev. unb der bide, behäbige Johann Friedrich der Gründer der Universität, liebt ihnen zu und möchte so gern Kurschwert unb Fibel gegen ein Glas spritziger Bowle eintauschen Enge Gossen laufen die Kreuz unb die Quer. Häuser mit vorspringendem Ober geschah unb schmalen, hohen Giebeln recken unb strecken sich.

bringen sich neugierig voreinander, 'chkden fptbc Kamine «n die Maie-.luft, veripcnen tiger Dtllig die Durchgänge, um plötzlich zuruckzutretcn unb den Bild aus den stolz cj'ragenben Janz.g. Jenas schönsten Berg, tretgeben.

Durch alteBartxftrre bringt man in ver­schwiegene Höfe, in winzige Garten, über Ne irgendein mächtiger ÄaHanifnbaum Irin grünes, von brrnnenbm X<rven durcheuchr.-t?s Daa) aus- brettet Jmmer entbedi tr.c-. neue Schönheiten, von denen ein Führer etwa» nx.k Hier ein ge- schmiedens Gitter das mit Itich^n Aankc>a und hängenden Trauben einen Leinen Balken um- schleht. dort eine Laterne, ein lustiges Schild, ein buntes Blumen relief über der Haustür Un-

: ' < M*K Sclbst-

verständlichkeit lateinisch« Damen unb Jnschri'- ten, ihr« Dände sind mit alten Stichen und Silhouetten bedeckt; Jenas vornehmstes unb be­kanntestes Aotd kennt keine Gaststuben, sondern nur hochic.ehrte .Aubtorien !

Ein lateinisches Distichon zählt stolz xn ver­gilbten Ehron.ken die sieben Dunder der Saale- stadt aus.

Ara. caput, draco, mone, pons, vulpecula turris, weigebana domus septem miracula Jcnae. (Altar. Drache und Kopf, der Berg, die Brücke.

der Fuchs türm.

Unb dos Deigelsche Haus Ne sieben Dunder von Jena I

Die alte Eamsdorser Brücke. Ne ihre neun mäch­tigen Bogen jahrhundertelang über de Saale geschwungen hotte, wurde durch eine neue erseht unb bas Hous des berühmten Astronom-n Dei- geL aus dessen ürbgeldx*b man durch einen Trrppenschocht auch bei Tag Ne Sterne am Him­mel zählen konnte, muhte dem neuzeitlichrn Fort­schritt weichen. Aber Ne übrigen Dunder be­stehen noch unb sind der Stolz eines jeden Bür­gers Der Schnapp ha ns über der älhr am Aat- hausturm sperrt leit undenklichen Seiten beim S.undeiischlag fein Aiesenmaul auf. und noch ist es ihm nicht gelungen. Ne goldene Kugel zu erhaschen. Ne ihm ein frommer Pilger ist es nicht om Ende eine verkleidete Eva? feit Menschenalter Nnhält Der sicbenköpsige Drache mit den unheimlich schillernden Glotzaugen, ist nur noch em Museumsstück und vermag Ne naiven Gemüter nicht mehr au schrecken. Mit dem Altar Hot es eine eigene Bewandnis. Der hohe Ehor bet Michaeliskirche steht mit Rücksicht auf das abschüsfige Gelände über einem offenen Strafwn- durchbruch, so bah man buchstäblich mit hoch be­ladenem Heuwagen unter bas Allerheil.gstc fah­ren kann. Der .Berg" ist der Ienzig nnt feinen phantastischen Kalkwänden, die das Abendrot in Purpur taucht, während Jenas sechstes Dunder der Fuchsturm mit hochgestrecktem Arm weithin das Land beherrscht und zum Dahe- zeichen der Stadt geworden Ift

Die engen Gassen halten uns im leise ver­dämmernden Tag nicht mehr, lieber der Saale stehen Ne Berge und Balten in grünen Kelchen bas Geheimnis des Frühlings fest. Sie rufen unb locken unb verheihen tausend blühende Dunder.

C Täler wett, o Höhe»

Die schon ist Neles Land im schwl -nden Ahvthinus. in der harmonischen Bf^< j h.»: der Taler und Höhen. Die Gipset sind l.cj vj tz. ch. fxe sind leicht erreichbar und ragen do^> s? f-Ti. doh der Blick nach allen Seiten In Ne L 4t und F.-rne schweift Dos blüht und buhet, 'i-.jt unb Hingt allerwärts, als wolle der . e Delt aus ihren schweren Angeln in da ?..-.u des Himmels beben.

Jung und zart, mit zitterndem Laub en Ne Birien. Ne schlanken Jungfrauen de^ Da."es »wischen mächtigen, hell schimmernden Buchen u d dunkeln Tannen, aus deren Spi.'en d.. r?Ln Bluten wie warmes Herzblut quellen ilMcu- bembe Bäche rauschen zum Tal brr Sa Je «u. Bienen summen- Lerchen hqaen wie Aak t.n in slimmernde Dolkenlegel. Libellen tnnle.i aus den goldenen Bechern der Sumpfdrtt.-rblumen. Burgen und Schlösser krönen d c Gipfel Ruinen verstecken sich im Laub der Bachen und wichen verzauberte Prinzessinnen. Ne kein Danker r aus ihrem Dornrbschen'chlas wecken kann. Tie Bergangenheit geht aus leisen Sohlen um r. Man Höri ihr Aaunen unb Flüstern In der Leuchtenburg, die wie eine lichtumlpülte Dane über bem sanst auf- und abwvgenden Land sicht, schmachteten einst die deutschTn Burschenfchos 1 r. deren Freiheitsrus wie eine Fansare von Jena aus durch bas Thüringer Land aeflunicn hat e. und aus den verträumten Aokvtoschl "ern unb dlütenbustenden Gärten von Dornbur i bringt Goethes sqhnsuchtsheiher Seuszer an Frau vou Stein

.Ich bin eben ntrgenbs geborgen. Sogar an der trauten Saale hier Dersolgen mich meine Sorgen Unb meine Liebe zu blr."

Thüringer Frühlings Ei ift wie eine sapmr- blaue, vom Dolb ber Maisonne ül'erquel.e de Schale, in bie ein Gott ten Tropfen ewiger Sehnsucht unb unstillbaren Heimweh» mischte...

Wanderfahnen.

Cölbe TtirnstcllkCstrtsicnbcrg und) hfl ii feil.

Hinter 6 6 l b e. bis wohin wir den Frühzug benutzen, seht ber Ausstieg gleich kräftig rin imb führt uns durch herrlichen Dalddestand die Sibenharb genannt s unterwegs hübsche Al icke in bas Lahntal), In zweistünbigem Blarsche zur Stirn Hel le. Der AusNick von hier ist un­beschreiblich schön. Don fern her grüsten u a. ns berg. Frauenberg, bas Marburger Sch!c>st unb Rimberg, während bem Beschauer gegenüber das wundervoll gelegene Mellnau mit seiner hochragenden Auine und dem sich anschlies^ >en Burgwald einen herrlichen AnNick gewähren. Rachbem uns vorher rote Striche den De.i zeig­ten, folgen wir nunmehr roten Kreuzen. Ne un» über Ne Deiershöh« und den vatt.nkopf. unter­wegs immer hübsche Ausblicke geniehend. In 2V« Stunden zum sagenumwobenen tt b 11 ft c n - berg sühren Hier finden wir noch dcullich

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