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MM* W abzugeben 1618 tz. Denner II.

Selierswea Ä Lud.

Nr. 25 Zweites Blatt

Warum gehen die deutjch- franzöfischen Verständigungs- Verhandlungen n cht weiter?

Bon unserem Pariser W. E.-Berichterstatter.

Pari-, Ende Januar 1927.

Unter diesem Titel veröffentlichte der©atm auS der Feder seines Außenpolitikers einen bemer­kenswerten Artikel, der noch einmal in großen Zügen den französischen Standpunkt zu dem deutsch- französischen BerständigungSproblem zusammensastt. Ter Artikel desMatin" ist um so interessanter, wett der Verfasser, Herr Sauerwcin, allgemein als journalistischer Vertrauensmann deS französischen Außenministers Briand gilt und man nach Lektüre bei Aufsatzes in der Annahme wohl nicht fehl gebt, daß dieser von Herrn Briand persönlich inspiriert sein dürste.

Im einzelnen wird hcrvoraehoben, daß man einen gewissen Stillstand in den dcutsch-französi- fchen Verhandlungen, die zu einer Verständigung führen sollen, nicht leugnen könne. Hauptschuld trage in erster Linie Deutschlands Regierung-- krise. Man will französischerseitS gern weiter mit Deutschland an einer gegenseitigen Verständigung arbeilcn, muß aber wissen, mit welcher künsttgen, politischen Orientierung man nach Lösung der Re- aierunqskrise zu rechnen habe. Die Bemühungen deS bisherigen Reichskanzlers, Zentrum und Teutsch- notwnale zusammenzubringen, bedeuten ein äußerst schivieriged Problem, genau so wie die Unterordnung der Reichswehr, die völlig aus ein Bündnis mit Ruß­land eingestellt sei, unter die Autorität der Zivil- behörden. Die Reichswehr treibe, wie eS der Ao- geordnete Scheidemann gezeigt habe, eine eigene Politik, auS der sich logisch ba4 Festhalten an den Ostbefestigungen ergebe.

Bon Deutschland, so wird weiter gefolgert, müsse der erste Anreiz zu der Wiederaufnahme der Verständigung-Verhandlungen erfolgen. Man rroertc von Deutschland, daß die Verhandlungen über die Restpunkte der Entwaffnung biS zum . Januar endgültig erledigt werden, da das Vor- b igen dieser Fragen vor den VölkerbundSrat - -ir da» Haager Schiedsgericht einen sehr schlechten ini)nid machen würde.

Aus die in Thoiry von Dr. Stresemann gemachten finanziellen Vorschläge habe der amerikanische Markt .war bisher nicht günstig reagiert, aber Deut sc*. la ib brauche sich dadurch nicht kopfscheu machen zu lassen. Tin Blick auf die Ziffern der An­leihen, die im vorigen Jahr von den deutschen Städten und Gemeinden und der Industrie in Amerika ausgenommen worden seien, bewiesen, daß die Reichsregierung mit Unterstützung dieser Faktoren die finanziellen Vorschläge von Thoiry auch ohne den amerikanischen Markt verwirklichen könne.

Hinsichtlich der Sicherheit Frankreichs wird be­tont, daß in erster Linie die Frage der wirksamen Kontrolle der entmilitarisierten Nheinland­zone werden müsse. Der Außenpolitiker deS Watin" hat noch den letzten Verhandlungen in Gens nicht den Eindruck erhalten, als ob hier sich unüberbrückbare Schwierigkeiten in den Weg legten. Aber bisher sei noch nichts geschehen, um Die tech­nischen Voraussetzungen einer vorzeitigen Rheinland­räumung irgendwie zu beschleunigen. Der Weg, bei zu einer deutsch-französischen Verständigung führt da- haben wiederholt Briand und Strcse- mann erklärt, sei steinig und ei bedarf großer Klug­heit, um die Steine wegzuräumen und an daS Ziel zu gelangen.

Soweit der französische Standpunkt, der, wie be­tont, sich im großen und ganzen mit der Auffassung BriandS decken dürfte. Zn Wirklichkeit ließen die Ver- hältnisie doch ein wenig anders. Der Stillstand der deutsch-französischen Annäherung geht nicht von Deutschland aus. Auf dieses Problem ist die deutsche Regierungskrise, in welcher Form sie auch gelöst werden dürfte, ohne jeden Einfluß. Tie inner* politischen Angelegenheiten Deul'chlandS gehen, wie kürzlich die rechtsgerichtete ZeitungGaulois" sehr richtig bemerkte, Frankreich nichts an, und außen­politisch weiß man in Frankreich ebensogut wie in Deutschland, daß aucft in dem künftigen ReichSkabi- nett als Leiter der Außenpolitik Dr. Stresemann verbleiben Dürfte, dessen ureigenstes, persönliches Werk, wie letzthin noch derTemps" betonte, die Politik von Genf, Locarno und Thoiry ist.

Die Hemmungen, die das Derk einer deutsch- französischen Annäherung nicht rneitcr fortschreiten lassen, find in erster Reihe in der Zusammen­setzung deS französischen Kabinetts zu suchen. Gerade, weil die augenblickliche französische Regierung die Parteien aller Schattierungen abgesehen von den Sozialisten, Kommuiiistcu und der äußersten Rechten umfaßt, wirkt die infolge der fortwähren­den Kompromisse, die zwischen den verschiedenen

Walter von Molo und seine Bobenmatz-Trsiogre.

Don Dr. 2L Krauß.

DaS deutsche Voll kennt und Hebt Walter von Molo als Dichter des Heroischen: es ist ihm gleich dankbar für die kühne Verlebendigung dcS titanenhaften Ringens feines Lieblings Schil­ler um menschliche und künstlerische Größe wie für seinen ehernen Prosasang von Fridericus. dem einigen deutschen Fürsten der Neuzeit, der ihm gum universellen Helden geworden ist. Aber wie wenige wissen um das. was in MoloS Schaffen davor und dazwischen und dahinter liegt! Wissen von fernen GcsellschastSrvmanen. in denen er zum allewigen Gros-Problem eigenwillige Stellung genommen hat: wissen von fernen ©e- genwarlSdramen. in denen er sich bereits zum Verkünder einer neuenMoral aufgeworfen hat. Wer Molos Schrislstellerlaufbahn nicht von ihren An­fängen an genau verfolgt bat. wird geneigt fein, ihm sein jüngstes Werk, die V o b e n m a y- Trilogie, zur vollständigen Gcifteswandlung anzurechr.cn. Unt) doch liegen Äcitne dazu schon in eben seinen älteren, weniger bekannten Dich­tungen. wie auch umgekehrt das Heroische seiner Geschichtsromane in einzelnen Tellen seines ,Bv- benmay' an- und nachilingt.

Der ist nun dieser Dobenmatz? Mit zwei Worten: ein neuer Erlösertyp. Der MesfiaS- gedanle ist ja uralt in der Wellliteratur. Gr erstreckt sich vom Alten Testament zum Qleuen, Vvm Parsifalepos biS zur Romandichtung der Gegenwart. Wechselt unablässig ©eftalt und Form: eS gibt unendlich viele Spielarten von Heilbringern. Heilige und H^tuchler, Schwindler und Gläubige, Betrüger und Selbstbetrüger. Wahrheitsfanatiker und Komödianten, Weise und

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Zreitaa, 28, Zanuar 192?

Anschauungen geschlossen werden müiien, auf eine positive Außenpolitik, beionders Teutichland gegen­über, lähmend. Wenn auch Herr 'Soincar-J und seine Anhänger im Kabinett nicht so wett gehen, die Außenpolitik Briands öffentlich ;u bekämpfen, so machen sie auch nicht den Reinen Finger krumm, um die Politik von Locarno. Genf und Thoiry zu fördern. Und die l.nISgcrichteten Mitglieder der Regierung Poincares? Tie guten Absichten Briands und viel­leicht aum Painlcoes tollen nicht verkannt werden, aber cs bat doch allen Anschein, alS ob auch diese Politiker vor den weitesten Folgerungen, die sich an» der Locarnopokitik ergeben, zurückschrecken. Zn dieser Hinsicht waren die letzten Ausführungen BriandS vor dem auswärtigen Ausschuß der Kammer bezeichnend. Briand gibt zioar zu, daß Deutschland das Recht f)abi, nach Erlediauna der militärischen Reftpunktverhanolungen den Art. 431 des Versailler Vertrages zur Diskussion zu stellen. Detter geht der französische Außenminister aber auch nicht. Er ver­mag sich mit Rücksicht auf seine Kollegen im Kabinett und die Presse nicht zu der Erklärung dnrtt'zuringcn, daß Deutschland auf Grund des Art. 431 des Ver­sailler Vertrages einen klaren Rechtsanspruch auf die sofortige Räumung der Rheinlandc hat, sondern der französische Außenminister zieht d vor, immer wieder davon zu sprechen, daß er keinerlei persönliche Verpflichtung ein­gegangen sei an der Rechtslage gemessen und durchaus unerheblich, verlangt unklare Znfatz- garanticn von Deutschland, das allein Vorschläge zu unterbreiten habe, damit die französische Re­gierung immer bequemablehnen" könne. Was Briand vorschwebt, ist einaußergerichtlicher Vergleich" mit Deutschland, in dem natürlich für Frankreich sehr viel abfaUen soll. Mit dieser Politik hofft vielleicht Briand taktisch denn man kann nicht annehmen, daß Briand die durch den Art. 431 ge­

schaffene Rare Rechtslage unbekannt ist Zeit zu gewinnen und mit den neuen deutschen Zuge­ständnissen denjenigen Politikern und Generälen die am liebsten, tvie sich der französische Außen- min st er auSdrückte, bis zum Jahre .

verbleiben möchten, den Mund zu stopfen. Cb das letztere gelingen dürfte, ist aber sedr zweifel- haft uno vor diesem Experiment scheuen auch Politiker wie Briand, Painleve nsw. zurück, "erade Herr Bnand hat m den letzten Wochen und Monaten eine Äonorobe" von der Hetze und den Feldzug all der Politiker und Generäle erhalten, die gegen ihn erst tvirklich losgelaffen werden dürften, wenn Deutschland die formelle Forderung auf sofortige Aufhebung der Rhcin'.andvcsatzung stellt. Denn Maria,a'i Foch und alle seine Generäle von denen einer erst kuttich inScho de PanS" betonte: sechs Divisionen am Rhein seien ihm lieber alS das gante Geschwätz von Genf erklären, die Verantwortung für die Sicher­heit Frankreichs nicht mehr übernehmen zu können, falls das Rheinland geräumt wird, dürste sich der Leiter der französischen Außenpolitik einer recht schwie­rigen Lage gcgeuübersehen. Deshalb sucht er Zeit zu gewinnen und sieht es wahrscheinlich nicht allzu ungern, daß die deutsch-französischen Verständigungs- Verhandlungen nicht recht vom Flecke kommen.

Zusammenfasjend kann man sagen, daß die Hemm­nisse für einen guten Fortgang der deutsch-franzö­sischen Bersiändigungsvcrhandlungen hauptsächlich in folgenden beiden Momenten zu suchen sind. In dem passiven Widerstand, der von dem einen Tctt deS französischen Kabinetts Poincare an der Spitze gegen eine Vcrständigungsvolitik ausgeht, bann aber auch das Zurückschrecken derjenigen Politiker, die ehrlich eine Verständigung mit Deutsck)- lanb wünschen, den in Locarno begonnenen Weg weiter und zu Ende zu gehen.

Wie grotz ist das Weltall?

Von Dr. Adolf Marcuse, Professor an der Universität Berlin.

Zn dem größcn Spiegelteleskop der Erde, das sich auf der nordamerikanifchcn Bergstcrnwarte Mount Wilson befindet und das eine Leffnung von 2% Meter hat, ist neuerdings ein besonders interessanter Nebelfleck photographisch ausgenommen worden. Dieses neue Weltsystem eröffnet aber auch eigen­artige kosmogonischc Ausblicke, die durch Unter­suchungen jener Rcbclphotographien auf der nord­amerikanischen Haward- Sternwarte veranlaßt sind. Tort hat man nämlich herauSzufinden geglaubt, daß dieser kleine und ganz lichtschwache Nebelfleck ungefähr eine Million Lichtjahre von unserem Sonnensystem abstcht. Ta ein Lichtjahr, paradox aber richtig definiert, den Raum darstellt, den das Licht in einem Jahre mit seiner Fortpflanzungs- Geschwindigkeit von 300000 Kilometer in der Se­kunde durchläuft, so bedeutet ein Lichtjahr die Ent­fernung von rund 9',4 Billionen Kilometer. Ter nächste Fixstern, Canopus, am südlichen Himmel, ist 4 Lichtjahre 37 Billionen Kilometer von uns criTfemt und die bisher am weitesten von der Erde abstehenden Nebelwelten zeigten eine Entfernung von etwa 250000 Lichtjahren. Nun soll der neue Nebelfleck noch viermal so weit von uns entfernt fein, nämlich eine Million Lichtjahre, gleich rund 45 Quintillioncn Kilometer, d. h. eine Zahl mit 30 Nullen hinter der 45. Diese Entfernungs-Bestim­mung, z. T. auS Analogieschlüssen ermittelt, ist natur­gemäß nicht genau; aber zweifellos stellt der neue Nebelfleck ein Weltsystem dar, daS an der Grenze unserer Wahrnehmung von den Femen des Weltalls liegen dürfte.

Di» Frage nach den Dimensionen bei Uni­versums ist eine der interessantesten und zugleich eine der schwierigsten in der Astronomie. Unser größter theoretischer Astronom, der Münchener Professor Sceligcr, kommt bei seinen Untersuchungen über den Bau des Universums zu folgender, sicherlich richtigen Schlußfolgerung:Ebenso wie die An- nähme eines unendlichen Raumes, der mit mehr oder weniger dicht oerteiltcr Masse erfüllt ist, von unserem Verstände unbedingt gefordert wird, müssen wir die Endlichkeit der Reichweite un­serer Sinne anerkennen." Schon Giordano Bruno, der 1593 aus dem Scheiterhaufen als Ketzer verbrannt wurde, weil er daS heliozentrische Welt­system deS KopcmikuS verteidigte, betonte, daß die Betrachtung des Himmels uns einen Einblick in die Unendlichkeit deS Seltenraumes gewährt. Tie Grenzen unserer Erkenntnis sind eben auch mit Bezug auf den Bau des Universum- jeweils relativ, nnd sie schreiten fort mit der Vervollkommnung unserer optischen Meßmittel sowie mit der Ver­feinerung unserer Bcobachtunqsmethoden. So dürs­ten nach unseren bisherigen Kenntnissen die in den größten Fernrohren noch wahrnehmbaren, schätzungs- schweise etwa 10 Milliarden betragenden Fix­

sterne bi .- in die Weiten von mindestens 16000 Licht­jahren reichen, während die Nebelflecke noch fchr viel weiter hinaus liegen können.

Im allgemeinen unterscheidet man nach ihrer physischen Bcschafscnheit drei Arten von Rebeln, nämlich Spiralnebel, GaSnebcl und dunkle Nebel. Die am häufigsten vorkommcndcn Nebelgcbildc sind die spiralförmigen, deren Zahl man auf etwa eine Million schätzt, und die )u den weitestentsernlen Gestirnen dcS ganzen HcmmelS gehören. Außer­dem zeigen die Spiralnebel eine ausfallend große, spektroskopisch festgcstclltc Eigenbcwegung in Rich­tung der Gefichtslinic, also voll der Erde fort und nach der Erde hin. Diese hohen Geschwindigkeiten gehen sogar biS zu ungefähr 1100 Kilometer in der Sekunde, ein Betrag, der felbst im HimmelSraume eine ganz ungewöhnliche Bewegungsgröße barftcllt. Durchschnittlich haben die Spiralnebel Geschwindig­keiten von 500 Kilometer-Sekunden, und zwar be­wegen sie sich zumeist von der Erde fort. Endlich weisen die Spiralnebel deutliche Rotation-vorgänge innerhalb ihre- System- auf, wobei die Nebel­teilchen vom Zentrum nach außen fliegen und erst in vielen tausend Jahren einmal ganz um den Siem herumroteren.

ES scheint, als ob diese Spiralnebel gelegentlich so weit entfernt sind, daß sie sogar al- eigene Welt» systeme gelten können. Tieselbcn würden dann außerhalb unseres eigentlichen Weltsystems liegen, das durch den großen Weltennebel der Milchstraße begrenzt wird. Zu solchen Spirainebcl-Gcbttden dürfte wohl auch der neue Weltennebel gehören, dem die Haward-Stemwarte nach Untersuchung der auf dem Mount Wilson aufgenommenen photo­graphischen Platten eine Entfernung von einer Million Lichtjahren zuschreibt. Bestätigt sich diese Schlußfolgerung, für die erst noch weitere genaue MefsungSergebnissc abzuwarten find, fo wäre aller­dings unsere Erkenntnis des unendlichen Weltalls um einen gewaltigen Schritt erweitert. Trotz so großer Fortschritte sollten wir aber niemals die zur Bescheidenheit mahnende Einschränkung vergessen, daß das, was wir wissen, immer nur wenig, was wir nicht wissen, aber noch unendlich viel ist.

Strenge Strafe für einen Steuerjünber.

WSN. Frankfurt a. M., 27.3an. Das Finanzamt Frankfurt a. M -O st verur­teilte den Geschäftsführer eines hiesigen großen Llntemehmens wegen vorsätzlicher Hinterziehung von 35 000 Marl persönlicher Einkommensteuer zu einer Geld st rase von 35 000 Mark. Das Urteil ist rechtskräftig.

Narren lösen einander ab. Molos Bobenmay fällt unter keine dieser Gattungen. Er haust nicht in einer Höhle, predigt nicht in der Wüste, wirbt nicht Anhang auf abenteuerlichen Zügen durch die Lande. Er tst Großstadtmensch. mehr noch künftiger als moderner, und schwimmt im breiten Strom des Alltags. Besessen von der sozialen Leidenschaft, überall dabei zu sein und mitzu- wirlen, alles zu bessern, jedem zu helfen. Er mischt sich in alles, berät alle, ob g:beten oder ungebeten, ist überall zuhause, kennt jeden und wird von jedem gekannt und doch weiß nie­mand Näheres über ihn zu sagen. Er gerät mit der Polizei, mit den Behörden, mit dem Ge­richt in Konflikt. Die einen halten ihn für eine harmlose Straßenerscheinung. die andern für einen gefährlichen Aufwiegler. Für kine_ näheren Freunde ist er der Heiser, der Tröster, der Netter, der Heiland. Seine Macht über die Men­schen ist fast unbegrenzt, zumal über die Frauen. Sie drängen sich mit ihren Seelen wie mit ihren Leibern an ihn. Und et scheidet Ehen und fügt sie zusammen nach neuen Gesetzen, d.e sich ledig­lich auf fein persönliches Gefühl vom Rechten und Guten stützen.

So ungefähr erscheint Dobenmatz in dem ersten der drei Nomane. den MoloAus der rollenden Erde" (1924) betitelt hat. Noch ist et ganz ans Irdische gebannt und von keinem übersinnlichen Schimmer umflcibeL Dielleicht wollte sich der D chter ursprünglich überhaupt daran genügen lassen; vielleich', hat sich ihm der innerlich notwendige Gedanke einet Fort­setzung erst im Verläufe der Arbeit aufgebtängL

Diese Fortführung bringt bas Mittelstück .Dobenmatz" (1925). Molo läßt barin seinen Helden den Weg des Leidens gehen. L.iden durch eigene Schulb. Et sieht fein Werk zufammen- btechen, well bie Leidenschaft übet ihn Macht

gewinnt, fo bah er fein Ich nicht mehr auS feinen menschenbeglückenben Träumen ausschallen kann. Die eble Frau, mit bet Dobenmatz lange in heimlicher Ehe gelebt hat und beten beibe Kinder die |einigen find, räumt sich auS dem Wege, damit et sich mit einer anderen, bie er mehr liebt alS sie, zusammensinben kann. Umsonst bas Opfer. Denn jene ander? überliefert fich einem banalen GefellschastSmenschen, obgleich ihre Seele nach Dobenmatz schreit. Et aber flüchtet fich anS dem Schmerz über dieses und anderes Unheil, das er angetichtel. in die Atme bet ©ottcrgd>en$?lt bet Herr lieh es geschehen, also wat es wohl­getan 1

Das durfte kein Mesfias-Ende fein! ES wat unerläßlich, daß Dobenmatz in einem Schluh- bande fich über sich selbst und bie Welt erhob. .3m ewigen Licht" heißt bet britte Roman. Die Läuterung beS unheilvollen Heilbtingets geht wiebet auf ganz eigenartige Weife vor sich: bunt) eine heroische Tat im Sinne bet neuen Dobenmah-Motal. Et sieht die Geliebte in un- wütdiaen, ihre Seele hetabziehcnben Ehebanden schmachteTi, und, nachdem er alle sonstigen Mittel erschöpft Hot. um die Willensschwäche daraus zu befreien, knallt et kurzweg Ihren Mann nieder. Ein SensationSptozeß entsteht. 3n feiner ein­dringlichen und ausdrucksvollen Art, mit fast dramatischer Schlaokraft die Spannung immer höhet treibend, führt der Dichtet Unterfud&ung, Zeugenvcthöt, SchwutgeriH:soerhonblung durch. Et läßt die vielen, denen der Angeklagte ge­holfen und Gutes erwiesen hat, auf treten und zu feinen Gunsten sprechen, und die ihm seindlich Gesinnten müssen doch widerwillig für ihn zeugen. DaS Publikum nimmt leidenschaftlich sür ihn Partei, den GerichtShos zwingt er in den "Bonn seiner faszinierenden Persönlichkeit, der jetzt auch übersimlliche Fähigkeiten verl'»ehen sind.

Turnen, Sport und Spiel.

bas Kochten in der deutschen Lurnerschast.

Schon die ersten Turner, die liq) unter 3 a fc rt auf dem Turnplatz in der Hafenheide bei Berlin sammelten, pflegten bc5 Fech:en. und Friedtlch Friesen, der 'Besten einer unter dcn Mit­arbeitern Zahns, hat sich ganz besonders feiner Vervollkommnung und V.rdrcttung angenommen. Die Art deS Fechtens ist nicht immer dieselbe geblieben. Das alte deutsche Hieb- und Stoß­fechten und das studentische Mensursechten haben zeitweilig im Fechtbetrieb der Turner Anhänqer- fchast gefunden 3n den letzten Jahrzehnten aber hat sich endgültig da- sogenannte sportliche Fech­ten durchgesetzt, und in den Fechtabteilum^n der deutschen Turnvereine wird heute Florett, Degen und leichter Säbel gefochten

Das Fechten findet in den deutschen Turn­vereinen erfreuliche Anhängerschaft. Der Fecht- betricb in der Deutschen Turnerschaft ist der weitaus größte in Deutschland überhaupt. 3nS- gesamt 330 Zechtableilungcn mit 6283 Mitgliedern pflegten am 1. 3onuar 1926 daS Fechten. ES gibt jetzt [einen deutschen TumkreiS mehr, in trin nicht daS Fechten ausgenommen wäre. Ganz all­gemein besindet sich die Ausbreitung deS Fech­tens in aussteigender Linie, und eifrige Werbe­arbeit wird von den zuständigen Sech ttoart en ge­leistet. um den Kreis der Fechter immer mehr Au erweitern. Mit welchem Ersolge, beweist am besten die Tatsache, daß im 3ahre 1925 allein 72 Fechtriegen zu den bestehenden hinzugekcm- men sind, und der Gesamtbestand an Fechtern sich um 1073 vermehrt hat.

Die Organisation deS Fechtens ist sowohl in den Kreisen, in denen Kreisfechtwarte und Kr^iS- sechtauSschüsse ihres Amtes walten, durchgeführt, als auch in der Spihenverwaltung der 'S). T. selbst, die einen Fcchtwarl (Staffen in Hanau) und einen Fechtausschuh aufweist und für ihre Zwecke eine eigene Fechterzciluna herouSgibt. Eine Wettfechtordnung regelt bie Austragung von Fechtwett kämpfen bei Deutschen Turnfesten und turnerischen Fechtveranstaltungen. Diele finden in reichlichem Maße statt. MelstcrichaftSsechten. Alt­mannenfechten. 3ungmannenfcd)t?n werden in großer Zahl in allen Teilen des Reiches auS- qetragen. Vielfach finden auch Werbefechten statt. Recht erfreulich entwickelt sich auch daS Turne- .rinnenfechten, dos in letzter Zeit immer mehr in Aufnahme gekommen ist.

Der technischen Entwicklung dienen Fecht- toarteherfammlungen und FechtauSschußsihung en in den Kreisen und in der D T. Zahlreiche AuS- bildungSlehrgänge wurden abgehalt<m. und viel- sach wurden allererste Meister mit ihrer Leitung beauftragt, ein Beweis für den Wert, den man auf die Ausbildung des fechterifchen Könnens in der D. T. legt.

Bei verschiedenen Gelegenheiten wurde auch festgestellt, daß die besten Fechter aus Turner­kreisen denen der Sportsechterkreise, mit denen ein auteS freundnachbarltcheS Verhältnis anqebaljnt ist. ebenbürtig und durchaus einen Vergleich auS- zuhalten in der Lage sind.

Alles in allem ergibt sich ein erfreuliches Bild angefbarmter Arbeit an der Vervollkomm­nung deS Tumerfechtens. Fördernde; Verständnis der Tumerfübrer für die Notwendigkeiten des Fechtens ist überall vorhanden und angefpann'e Arbeit bient zur Vervollkommnung und Aus­breitung der eblen Waflenkunst.

Aus dem Turngau Hessen.

--- Butzbach 26. 3an. Der 5. Bezirk im Turngou Hessen hält am kommenden Sonntag hier eine Tagung der BereinSvorsitzen- b en ab. Au fber TageSorbnung steht außer b?r Berichterstattung und einer Aussprach? über die turnerische Arbeit des 3ahres 1927 auch die N e u- wahl der Bezirksleitung. Ein Dortrag über . Die Sendung 3ahns" wirb ben Höhepunkt bet Zusammenkunft bitten.

(Bau Welterau.

00 Die erste Gauvorturner st unde des Gaues Wetterau fanb am Sonntagvormi ttag in Friebberg-Fauerbach im Tereinslolcll beS Turn- und Sportvereins unter Leitung deS neuen Gauturnwarts Nies- Fauerbach statt, Durchgeturnt wurden zunächst Vorübungen am Barren. Reck und Pferd. Dabei zeigte sich« daß Nies nicht nur ein vorzüglicher Turner ist. sondern baß er auch den Stoss In übersicht­licher Form bringt. Die Bortumer zeigten sehr gute und schwierige Lei tungen, es muß jedoch

Er wird sreigesprvchen. Aber wo ist er? Die jubelnden Menschenmasfen suchen umsonst nach ihm: er ist und bleibt verschwunden von der rollenden Erde im ewigen Licht!

Der Dichter dieser merkwürdigen Trilogie ist sich seines kühnen Unterfangens wohl bewußt gewesen. Er hat dem zweiten Band als Motto die Worte vorgesetzt: .3d) weiß, daß ich für dieses Buch von rohen und trägen Herzen Achsel­zucken und Spott einernten werde. ich muh daS tragen sür die, die leiden, glauben und hosfen, bie von Gott wissen, wie ich." llnb ben britten Teil toibmet erdenen, durch die ich litt, bie Lett tragen burch mich, die mich lieben", die These hinzufügend: .Die Reinheit der Seele steht über allem. Den Forderungen der Ewigkett muß baS Vergängliche weichen." Danach ist kaum zu bezweifeln, bah Molo eS verschmäht, hinter der Gestalt seines Helden Deckung zu suchen, und für das. waS dieser will und erstrebt, die volle persönliche Verantwortung übernimmt.

Seine neue Umwertung aller sittlichen Werte hat mit dem. WaS bisher Geltung gehabt hat, kaum noch etwas gemein: sie gründet sich auf bie Urtriebe in ber Menschennatur, forberl Ein­fühlung unb Einfügung in bie ganze Schöpfung, nicht bas Ausgehen im Kosmos zur Losung. Die Gefährlichkeit ber operativen Eingriffe, bie Bobenmatz sich lei stet, hat bet Dichter selbst bargetan; aber baS kann ihn nicht abhalten, ihre Notwenbigkeit zu verfechten. Wie man sich nun ober auch zu bieser Frage stellen mag: eS geht Molo sicherlich um eine heilige Sache, für Die er mit all feiner Aufrichtigkeit unb Ehrlichkeit kämpft. So ist biefe Dodenmah-Trilogie nicht bloß eine aufrührerifche unb aufwühlenbe Dichtung, fonbem ergreift unb erschüttert auch, zu welcher Wirkung Molos wuchtige Darftellungstunst nicht Wenig beiträgt.