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Gießen, den 27. August 192?.

Höfe am Sonntag.

Daß die Straßen am Sonntag ein anderes Gepräge haben als wochentags, ist bekannt und selbstverständlich. Aber auch die Höfe sehen ganz, ganz anders aus, ja mir kommt es oft vor, als strahle gerade aus ihnen die erste und stärkste Sonntagsstimmung, die erst der laute Tag ver­wischt. Es sind die Fenster, die so lebendig ver­mitteln. Wochentags öffnen sie sich schon früh am Morgen, das unfreundliche Schnurren des Weckers dringt aus ihnen heraus schon von $6, 6 Uhr an; dann werden Vorhänge zurückgezogen und ver­schlafene Gesichter sehen mürrisch nach dem Wetter. "Zetten werden ausgclegt, Bettvorleger ausgeschüt- iclt, der Staubsauger brummt, in den Küchen läppern die Töpfe hier wird eine Nähmaschine ans Licht gerückt und in Schwung gesetzt, gegen- über rasselt eine Schreibmaschine ihr aufdringliches Tacken, kurz die Arbeit singt ihr lautes Lied in den Hof hinaus.

Wie anders am Sonntag. Um 6, um 7, um 8 Uhr ingl noch alles im tiefsten Frieden. Ganz vereinzelt mkrd hier und da ein Vorhang, eine Jalousie auf­gezogen, ein Nasierspiegel wird gemächlich am Fensterriegel aufgehängt und wirft ein friedlich ver­zerrtes Männergesicht über blendend weißem Ober- Hemd zurück. Und Fenster werden geöffnet, schön frisierte und ondulierte Mädchenköpfe sehen erwar­tungsvoll zum Sommerhimmel auf: wahrhaftig, er ist blau, man kann das Helle Seidenkleid und die zartgrauen Schuhe unbedenklich anziehen. Kleine Mädchen mit unwahrscheinlich großen rosa Haar- fchleifen gucken heraus, Schulbuben tragen ihr Terrarium an die Sonne, man hört als Arbeits­geräusch höchstens das gedämpfte Klappern, das beim Schneeschlagen (für die süße Speise des Mittags) entsteht, sonst nur lustiges Pfeifen, Sin­gen, Grammophon, Lautsprecher, Harmonium, Klavier, Geige: cantate, jubilate es ist Sonn­tag! Und die Klänge der Kirchenglocken ziehen über die Häuser hin, verfangen sich in den Häfen und wecken die letzten Schläfer: Wie? Gleich zehn Uhr? Herrgott, ich hatte mich ja verabredet ...

Nachmittags aber wird es ganz still im Hofe. Die Fenster stehen geöffnet und lassen die Sommer­luft hinein; ein neugieriger Sonnenstrahl wandert von einem zum andern, guckt in die aufgeräum­ten Kücl)en mit dem blankgeputzten Geschirr, in die leeren Schlafzimmer, die verödeten Kontorräume kein Mensch weit und breit, nur eine Katze liegt irgendwo auf einem Fensterbrett und schnurrt in der Sonne. Die Dämmerung bricht herein, dann die Dunkelheit. Und dann leuchtet hier ein Licht auf, da ein Licht auf, die Fenster werden halb oder ganz geschlossen, die Vorhänge zugezogen, einer immer später als der andere, bis dann nach kurzer Nachtruhe morgens wieder der erste Wecker schnurrt, als Auftakt zur neuen, langen Arbeitswoche.

E. v. M.

Unser neuer Noman.

Wir beginnen in der heutigen Nummer mit der Veröffentlichung eines Romanwerkes, das, wie wir hoffen, unfern Lesern ein willkommener Anlaß sein wird, ihre Bekanntschaft mit einer der gelesensten deutschen Romanschriftstellerinnen unserer Zeit zu erneuern.

Zwischen fünf und sieben"

von Liesbet Dill

so heißt unser neuer Roman, jüngste Arbeit zugleich und anmutiges Selbstgeschenk zum 50. Geburtstage der beliebten Autorin; es ist die Schicksalsgeschichte einer schönen, klugen und leidenschaftlichen Frau und eines gefeierten Künstlers, es ist die bis in die letzten Seiten hinein spannende und erregende Schilderung eines großen Geheimnisses, des Rätsels zweier kurzer Stunden zwischen fünf und sieben. Das Ganze ist fein und gepflegt, mit allen liebenswerten Merkmalen des erzählerischen Stils der Liesbet Dill, geschrieben und w'hl drzu angetan, der großen Gemeinde der Verfasserin neue An­hänger zuzuführen.

Kleine Sie a.

Die Reichsbahn hat den Vertrag mit derSiesta"-Gesellschaft gekündigt. D. Red. Wir sind sehr schäbige Leute, wir alle insge- samt, wir Millionen und Millionen von Deut- scheit, die wir neidvoll die Gänge der v-Züge entlang schleichen und mit ehrfürchtigern Blick auf die wohlhabenden Reisenden schielen, die sich Enächlich über die Polster der ersten und zweiten Waaenllasse ^sbreiten dürfen. 3a, da ist noch Wohlstand und Luxus, da muß Reisen eine paradiesische Freude sein, aber wir können es uns nicht leisten, wir müssen auf unserem streng vorgeschriebenen Raum der dritten Klasse Platz nehmen, wir atmen überfüllte dampfige Kupee- lüft, stolpern über Füße Unwilliger. erregen uns über das Geschrei kleiner Kinder und er­götzen uns an den fettigen Wurstbroten des Herrn Rachbarn. Die Reichsbahn hat durchaus r^cksti. daß sie uns unsere Schäbigkeit gründlich fühlen läßt und der Siesta-Gesellschaft ihren Vertrag kündigt. Sie behandelt uns als Leute dritter Klasse. Sie nimmt uns die auch noch so kleine Bequemlichkeit, welche uns die strapaziösen Reisen dritter Klasse ein wenig erleichtern konnte.

3ch habe dich nicht benutzt. Reise- und Ruhe­sitz Siesta, ich bin nicht unter deinen Aktionären, hätte auch nicht die Absicht gehabt, dich in ab­sehbarer Zukunft zu bemühen. Aber trotzdem dir ein kleiner Abschiedsgesang, denn zahllosen Menschen wurdest du Erleichterung und winziger Eisenbahntrost. Gewiß, manche Unbanlbare haben von dir nichts oder nicht viel gehalten und dich nicht gebraucht, aber viele brauchten dich doch, und die dich brauchten, weil sie alt oder krank oder gebrechlich, oder die dich einfach nahmen, weil sie sich im Leben auch einmal einen Luxus (du lieber (Sott, Luxus!) leisten wollten alle diese fanden dich, wenn sie dich suchten.

Die Siesta verschwindet also nach dem starken Willen der Reichsbahn. Offenbar will uns die Reichsbahn veranlassen. Geld zu haben und zwei­ter Klosse zu fahren, mindestens zweiter, sie will uns erhöhen, uns aus dem Staube des Tiers­etat zu dem behaglichen Wohlstände der Men­schen zweiter Klasse hinaufziehen--es ist eine

gute und aufs Soziale bedachte Reichsbahn. Sie wird nächstens verbieten, sich Reisedecken mitzu- nehmen oder sich kleine Luftkissen in den Ab­teilen der dritten Wagenklasse aufzublasen.

Peter.

er.. i:;. vreifc.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 180 bis 200. Matte 30 bis 35. Wirsing 15 bis 20, Weißkrau 15 bis 20, Rotkraut 15 bis 20, gelbe Rüben 15. rote Rüben 15, Spinat 25 bis 30, Römischkohl 10, Bohnen (grüne) 20, Dohnen (gelbe) 20 bis 25, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 30 bis 40, Zwiebeln 15, Meerrettich 100, Rhabarber 20, Pilze 25 bis 30, Kartoffeln 5 bis 6, Frühäpfel 10 bis 25, Falläpfel 8. Birnen 10 bis 25, Pflaumen 20, Zwetschen 20, Mirabellen 30 bis 40, Reineclauden 20, Brombeeren 60, junge Hahnen 100 bis HO, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund'; Käfe (10 Stück) 60 bis 130 Pf.; Eier 13 bis 14. Blumenkohl 40, Salat 10, Salatgurken 10 bis ^0, Einmachqurken 5 bis 6, Endivieji 10 bis 25, Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 15 Pf. das Stück; Radieschen 10 Pf. das Bund.

Vornotizcn.

Tageskalender für Samstag. Erste Aeichskurzschrickgesell'cha.tGabelsberger": 8.30 Uhr, ^Karlsruhe", Familienabend. -- Pa ast- Lichtspiele:Mitgiftjäger." Astorio Lichtspiele: Ein roter Gentleman."

Taaeskalender für Sonntag. Verein Rudersport 1913: nachm. 2.30 Ähr auf der Lahn Ruderregatta. Gi'steuer Schwimmverein: 3 Ühr nachm., Mnllersche Badeanstalt, Schwi nm- wettkämpse. - Deutscher Bund für chrillich- evongelische Erziehung in Haus und Schule: 3.30 Tlhr nachm.Liebigshöhe", Eommerfest. Ehemalige Leibdragoner: 3 älhr nachm. , Frank­furter Hof", Versammlung. Lichtspieltheater wie Samstag.

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Es sei nochmals auf die Erstaufführung am Dienstag, 30. August, hin­gewiesen. die das reizende LustspielMädel üdn heute" von Gustav Davis bringt. Das heitere Werk, das überall mit dem größten Erfolg ge­geben wurde, ist von Adolf T e l e k y sehr sorg­fältig einstudiert worden. Die weibliche Haupt­rolle eben dasMädel von heute" spielt Alix K r a h m e r. die männliche Hauptrolle Hans Tannert. Auch die Besetzung der übrigen Rollen ist eine sehr glückliche. Die Aufführung hatte in Bad-Nauheim stürmischen Beifall geerntet.

*

Zur Verkehrsregelung im Set­ter s w e g. Die in der letzten Versammlung von Geschäftsinhabern, Hauseignern und Gewerbetrei­benden im Seltersweg gefaßte Protestresolution gegen die zur Verkehrsregelung im Seltersweg er­lassene Polizeiverordnung wurde in dieser Woche durch einen besonderen Ausschuß dem für das Ver­kehrswesen zuständigen städtischen Beigeordneten Dr. Ha m m eingereicht, der in längerer Unter­redung die Darlegungen der Ausschußmitglieder entgegennahm und mit ihnen die Verkehrsangelegen­heit eingehend erörterte. Dr. Hamm erklärte, die Stadt habe hierzu eigentlich nicht viel zu sagen, da die Stadtverwaltung in diesen Fragen nur gut­achtlich gehört werde. Nach Rückkehr des Oberbürger­meisters Dr. Keller lasse sich wohl über gewisse Aenderungen mit dem Polizeiamt verhandeln. An­dererseits habe hier für die Regelung des Verkehrs unbedingt etwas geschehen müssen. Vorläufig sei an eine Aufhebung der Polizeivcrordnung nicht zu denken. Der Ausschuß wurde ferner vom Vor­stände des Polizeiamts, Regierungsrat Wolf, empfangen, der bemerkte, wenn der Ausschuß früher auf das Polizeicnnt gekommen wäre, hätte sich zur Abstellung von Härten manches tun lassen; an eine Aushebung der Polizei Verordnung sei nicht zu den­ken. Es sei aber möglich, nach Rückkehr des Ober­bürgermeisters eine Aenderung oorzunehmen, falls diese dem Verkehrsinteresse nicht entgegenstehe. Er habe Verständnis für die Lage der Anwohner, aber das Polizeiamt fei auch für Leben und Gesundheit der Fußgänger in den Straßen der Stadt verant­wortlich. Auch das rasche Fahren der Straßenbahn im Seltersweg wurde von dem Ausschuß bemän­gelt. Regierungsrat Wolf betonte, daß die Der- kehrsbeamten angewiesen seien, bei der Durchfüh­rung der Verordnung den Anwohnern nach Möglich­keit entgegenzukommen. Mitte September soll

eine neue Versammlung einberufen werden, zu der auch die Stadtverordneten aller Frakttonen einge­laden werden sollen.

** Fällige Steuern. Folgende Zahlungen können noch bis einschließlich 3. September ohne Kosten an die Finanzkasse des Finanzamts Gießen geleistet werden: Einkommensteuerabschlußzahlung 1926, Umsatzsteuerabschlußzahlung 1926, Vermögens­steuer, Augu.strate 1927, und Hundesteuer zweite Rate. Nach Ablauf der angegebenen Frist wird die Zwangsvollstreckung eingeleitet. (Näheres in der heutigen Bekanntmachung.)

Steuergericht für Hessen. Für den Dolksstaat Hessen ist jetzt ein Steuergericht als Be­rufungsinstanz in Steuerbewertungslachen mit der BezeichnungOberbewertungsausschuß bei dem Landesfinanzamt Darmstadt" ins Leben getreten. Er besteht aus drei Kammern. Diese entscheiden in der Besetzung von fünf Richtern (je einem Neichs- und einem Landesbeamten und drei ehrenamtlichen Mitgliedern). Die Geschäftsräume des Oberbewer tungsausschuffes sind mit denen des Finanzgerichts vereinigt und befinden sich im Alten Palais in Darmstadt.

** Morgen nachmittag für den Durchgangsverkehr gesperrt. Anläßlich der am morgigen Sonntag stattfindenden Herbst- regatta des Lahn ° Regatta - Verbandes wird der Feldweg am Bahndamm vom Bootshaus der Gie- fjener Rudergesellschaft bis an den Durchgang nach der Ederstraße (Bahnüberführung) am Sonntag­nachmittag von 2 bis 7 Uhr für den Durchgangs­verkehr jefperrt.

** Straßensperre. Wegen Ausführung von Pfiasterarbeiten ist die Frankfurter Straße zwischen Klinikstraße und Straße Am Steg vom Montag, 29. August, ab bis auf weiteres gesperrt.

** Eine große Geländeabsperrung an der Ecke Lessingstraße-Goethestraße bei der Ab­zweigung der Stephanstraße erregt gegenwärtig die Aufmerksamkeit der Passanten. Es handelt sich da­bei um die Absperrung der Bauplätze für die neu zu errichtenden Gebäu^ eines Finanzamts und eines Versorgungsamtes. Die Bauarbeiten beginnen, wie schon mitgeteilt, in den nächsten Tagen.

** Ke i n Sonderzug nach Heidelberg. Der für Sonntag, 28. August, von Wetzlar über Gießen, Gelnhausen nach Heidelberg vorgesehene Sonderzug fällt wegen ungenügender Beteiligung aus.

** Die Güterabfertigung Gießen t.ilt mit, daß die Annahme dcr Frachtstückgüter täglich bis 16.30 Uhr erfolgt.

** Der Sei (ft reif b e i Buderus, Lollar, beendet. Nach einer Versammlung am gestrigen Vormittag, an welcher der Bezirkslciter des Metallarbeiterverbandes aus Frankftirt a. M. teil- r.ahm, haben die streikenden Former der Radia­torengießerei der Buderusschen Eisenwerke in Lol­lar die am Mittwochvormittag plötzlich niedergelegte Arbeit wieder ausgenommen.

**VomBotanischenGartcn. Im großen Kaktcenhaus blüht zur Zeit eine Agave (Agave americana). In mitteleuropäischen Gewächshäusern kommen Agaven zumeist erst nach 30 Jahren zur Blüte; nach der Fruchtreife geht das Exemplar zu­grunde. Blumenfreunde seien auf diese einzigartige Pflanze aufmerksam gemacht.

# Der Ae r z tev erein für Ober- Hessen hielt dieser Tage im Kurhaus zu Bad Salzhausen eine außerordentliche Oeneralver- samml,'mg ab. 11. a. wurde der Beschluß gefaßt, den Berforgungsverband Oberhesten auszuheben und sich der- Versvrgnngskasse des Deutschen Aerzteverbandes anzuschließen.

** Einheitskurzschrift. Der Gabelsber- ger Stenographen-Verein von 1861 eröffnet in Ge­meinschaft mit dem Damenverein(Babelsberger" am 5. September in der Goetheschulc roieberum einen Anfängerlehrgang in der amtlichen deutschen Einheitskurzschrift. Gleichzeitig beginnen auch neue Fortbildongs-, Diktat- und Redeschrift Kurse. Man beachte die heutige Anzeige.

** Personalie. Ernannt wurde am 28. Juli der Schulamtsanwärter Karl B o p f aus Lang- Göns, Kreis Gießen, zum Lehrer an der Volksschule zu Obbornhofen, Kreis Gießen.

** Erledigte Stellen. An der Volksschule in Gießen sind vier Schulstellen mit evangelischen Lehrern und zwei Schulstellen mit evangelischen Lehrerinnen zu besetzen; die Beschaffung von Woh­nungen für verheiratete Lehrer ist schwierig.

** Der hessische Volksfest verein von Neu york, dessen Reisegesellschaft am 16. Juli unserer Stadt einen Besuch abgestattet hatte, wurde an diesem Tage hier so freundlich empfangen, daß bei einigen seiner Mitglieder der Wunsch wach wurde, noch einmal einige Stunden in Gießen zu fein, zumal der Reisenmrschall des Vereins, Herr Wilhelm Strauß, eine Zeit seiner Jugend in unserer Stadt verlebt hat. Am Mittwoch traf dieser nun mit dem Vorsitzenden des Volksfest­vereins, Herrn Ries aus Neuyork, hier ein. In Anwesenheit einer Reihe Herren von der Univer­sität, der Stadtverwaltung und der Stadtverordne­ten fand im RestaurantHindenburg" im Kreise des Freundschaftsbundes Bavaria, dem Herr Strauß angehört, eine kleinere Feier statt. In schönen Ansprachen wurde das Zusammenarbeiten der Universität mit der Bürgerschaft betont und den Amerikanern der Dank füv ihre Hilfsbereitschaft zu­gunsten der Studentenhilfe und der städtischen Wohl­fahrtshilfe abgeftattet. Der Vorsitzende, Herr Ries, versprach in feinen Abschiedsworten, auch ferner da­für einzutreten, daß der Gießener Studentenhilfe

weitere Beittäge übermittelt werden. Der Verlauf des Abends gestaltete sich so herzlich, daß er allen Teilnehmern in schöner Erinnerung bleiben wird.

'* Neuregelung der Amtsbezeich­nungen für Polizeibeamte. Rach einem Erlaß des hessischen Ministers bes Innern sind die Amtsbezeichnungen der hessischen Poli ei- beamten neu geregelt worden. Wer in iyie Be- reitschastspolizei (früher Schutzpolizei) eintritt, ^rt die AmtsbezeichnungPolizeianwärter". Durch Beförderung erhält er die Bezeichnung Polizeiunterwachtmeister" und später ..Poli-ei- wachtmeister". Wer von der Dcreitschastspolizei zur Einzeldienstpolizei übertritt erhält die Be­zeichnungPolizeioberwachtmeister" und später die BezeichnungPolizeihauptwachtmeister". Die Polizeihauptwachtmeister unterscheiden sich äußer­lich von den Polizeioberwachtmeistern dadurch, daß jen$ einen versilberten S em auf den Schulterstücken tragen. Die früheren Polizei- oberwachtmeister führen künftig die Bezeichnung Polizeimeister"; sie tragen zwei Sterne auf den Schulterstücken. Die früheren Revierlommistare haben die DienstbezeichnungPolizeuommistarc" erhalten. Die BezeichnungenPolizeuns c.-or" und "Polizeioberinspektor" werden auch wei.erhin geführt. Die Schulterstücke der Poli-eitomn.i fere, Polizeiinspektoren und Polizeiober nspe'.toren äh­neln den Schulterstücken, die im alten H?ere die Leutnants, Oberleutnants und Hauptleute trugen; die Polizeikonnr.issare tragen keinen Stern, d'e Inspektoren einen vergoldeten Siem, die Ob:r- inspe'ctt>ren 2 solcher Sterne. Auf einer ro ea Patte am Kragen tragen die Polizeiberwachtmeister und Polizeihauptwachttneister einen Rickellnopf, die Polizeimeister ein oeefilbet e5 Eichenlaub­blatt, die Polizeikommissare, Polizeiinspektoren zwei versilberte Eichenlaubblätter. Die bist er gen Kriminalwachtmeister heißen künftigKriminal- Hauptwachtmeister". Die Kriminalsekretäre haben ihre Dienstbezeichnung beibehalten. Rea einge­führt wurden auch die AmtsbezeichnungenKri­minaloberinspektor" undKriminalkommissar".

** Der deutsche Luftverkehr im ersten Halbjahr 1 927. Nach den Zahlungen der Deutschen Lufthansa wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres 3 806 191 Kilometer geflogen. Insge­samt wurden 39 586 Personen, 331 443 Kilogramm Gepäck, 276 368 Kilogramm Fracht und 138 034 Kilogramm Post (xförbert. Während in den ersten Monaten des Jahres der gegenüber dem Sommer­fahrplan eingeschränkte Winterflug erlehr in Kraft war, setzte der Sommerluftverkehr mit 70 Prozent der für die Hochsaison vorgesehenen Strecken ein. Infolgedessen haben auch die Monate April bis 3uni den größten Anteil an diesen Zahlen. Der Anteil dieser drei Monate an der geflogenen Strecke betrug rund 75 Prozent, nämlich 2 847 911 Kilo­meter, und an den beförderten Passagieren 31 624 oder 81 v. H. Ebenso überragen auch die Ziffern für Gepäck, Fracht und Post die der ersten drei Monate des Jahres beträchtlich.

Vermischtes.

5ernsprechversuche mit Buenos Aires.

Gestern abend fanden im Fernsprechamt in Hamburg auf Veranlassung des Reichspostmini­steriums Fernsprech-versuche mit Buenos Aires statt, die von vollem Erfolg begleitet waren. Die Verständigung mit der Hauptstadt der argentini­schen Republik war während der ganzen Dauer der von 20,30 Uhr bis 21 Ahr währenden Ver­suche ausgezeichnet.

Die Opfer von Chamonix.

Havas berichtet aus Chamonix, daß nunmehr endgültig die Zahl der Toten bei dem dortigen Eisenbahnunglück mit 21 festgestellt worden sei. An Verwundeten zählt man gegen 38. Rach der Auskunft des P.äse.ten werden die Arbeiten zur Identifizierung dec Toten erst heute nachmittag abgeschlossen sein. Auch über die Ramen der Verwundeten konnte heute noch nichts mitgeteilt werden. Rach Auskunft des Präfekten werden leider auch einige Deutsche unter den Toten sein. Ramen können jedoch noch nicht angegeben werden. ________________________

Verantwortlich |.ir Politik: I. V. Ernst Blumschein.

Nur einmal Saat, nur einmal Ernte

Welche Caat ist falsch:

Die schon bei leichten ß- ten auörointert.

Die bei Trockenhen und auf trockenem Boden verfaat. Die in na ff en Jahren leicht lagen und rostanfallia ist. Die mchi in laugjährlgem Anbau als alte Hoch- ' zücht bewährt ist.

Die in einem Jahre höchste und irn nächsten Miß­ernten bringt.

Nichtig ist die Eaat:

Die in strengen Wintern aushält und Kahlfröste verträgt.

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