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ut. 22 swetres Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Donnerstag, 27. Zannar |92Z
Aus Natur und Technik.
8000
Eignungsprüfzeuge.
Bon Lari Ammon.
(Nachdruck verboten.)
Senn ein Mensch geboren wird, so pflegt man ihm einen Namen -u verleihen, und so geht es ahn- lich in der Technik nach der Geburt irgendeiner neuen Vorrichtung: Leider wählt man dann häufig eine möglichst gelehrt klingende, frenidländische Bezeich- auny, die nur dem Sprachkundigen etwas sagt; erst lm Laufe der Zeit kommt man gewöhnlich dazu, die betreffende Errungenschaft so zu benennen, daß sich auch ein gewöhnlicher Sterblicher unter dem Namen etwa- vorstellen kann. So nannte man da- Fahrrad zuerst Beloziped und das Flugzeug Aero- plan, was dann viele Leute auch noch Äroplan aussprachen, ehe man aus die schönen deutschen Bezeichnungen kam, die sich heute vollkommen eingebürgert haben. Aber manche solche fremdländischen Namen erben sich wie eine Sündefort:Soheißen die Vorrichtungen, mit denen man die Eignung eine- Men- fchen für irgendeinen Beruf sepstellt, immer noch „psychotechnischeApparate", obwohl ja damit nicht nur die Psyche, die Se-le, sondern auch mancherleire in körperliche Eigenschaften geprüft werden sollen. Nun, wie dem auch sei: Vir glauben, mit der Ueberschrist gezeigt zu haben, daß es auch für die „psu- ^-technischen Apparate" einen bezeichnenden deutschen Au-druck gibt.
ftillstehe. Vir erleben dieselbe Täuschung ja so oft auf Bahnhöfen, wenn der Nebenzug fährt: Sir glauben dann, wir führen und der Neben,ug stände still, bis wir unS an den feststehenden Bal uhoss- gebauden vom Gegenteil überzeugen. Tobet wtrkt das Bild auch m seiner Tiefenwirkung durchaus richtig; denn da die Lichtstrahlen zu dem vor dem Prüfling liegenden Tischende einen weiteren Weg zurückzulegen haben als zum Hinteren Tischende, so wird ihre Winkelösfnung nach ihm zu breiter. Straßen, Bahngleisc usw. werden daher nach der Ferne zu immer schmaler; alle Gegenstände wachsen bei ihrer Annäherung an den Prüfstand in ihrer Größe — genau wie dies auch in Wirklichkeit der Fall ist. Tie Täuschung ist vollkommen.
Ter Prüfling hat nun seinen Stand zu bedienen, wie er das auf einem Kraftwagen, auf einer Loko- motive oder auf einem Straßenbahnwagen zu tun hätte. Damit ober steuert er nicht da- Fahrzeug,
Eignung-prülzeug.
Strafpunkten. Will man die Geschicklichkeit verschiedener Prüflinge vergleichen, so kann man da- einsach nach den Fehlerzahlen tun, die untrügllche Ergebnisse liefern.
Tie Bedeutung der Lignungsprüfzcuge gebt aber über die Eignungsprüfung weit k-inaus. Sie sind nämlich auch ein äußerst brauchbare? Lehrmittel. Man kann wohl dem Anfänger alle Fahrrcgeln und 'Vorschriften theoretisch beibnngen und sich durch Abfragen auch überzeugen, daß er sie kennt. £b er sie dann aber auch richtig anwendet, wenn er aus seinen Posten gestellt wird, das ist immer noch die Frage: Gerade da- aber kann man am Eignungsprüfzcug
eine Güterzugsahrt aus dem Ruhrgebiet dis nach Hamburg nur noch 12 Stunden. Auf den anderen Hauptstrecken ist sie in ähnlicher Weise verkürzt.
Aehnlich sind die Fortschritte bei den Schnell- zug-lokomotivcn, welche schwere D-Züge bis za 15 vierochsige 'Sagen mit über 1OO km Stunden- Seschwindigkclt befördern und z. B. eine Fahrt von öln bis Berlin aus 8 Stunden verkürzen. Bei Reubeschaffung von Personenwagen herrscht der Gruud- satz: leichtes Gewicht, möglichst viele bequeme Plätze, Stablgerippe und verbelsette Puffer zur Erhöhung der Betriebssicherheit. Alle Wagen, selbst die vierter Klasse, werden in Zukunft nur noch elektrische« Licht erhalten. Dadurch wird das scuerge- fübrlidic Gas nach und nach völlig verdrängt werden. Die neuen V-Zugsioane» werden so auSacstattet, daß sie den höchsten Ansprüchen genügen. Bei der Beleuchtung möge hier der Wunsch auS- fesprochen werden, daß sie in Zukunft 0 hell sein möge, daß man auf jedem Platz und in jeder Klasse bequem lesen kann. DaS ioar bisher selbst in den besseren »lassen oft nichtdcrFall. Heute hat jeder Reisende ein Recht, zu verlangen, daß er in jeder »lasse lesen kann, ohne sein Augenlicht zu schädigen.
Im Güterwagenpark sind nicht nur die ersten Großgüterwagen, welche bisher nur zwischen wenigen Stellen regelmäßig liefen, eingestellt, sondern auch seine Ausstattung durch Spezialivagen für die verschiedensten Zwecke weiter
Prüf sitz für einen Straf tfatzrer.
Lisch, auf dem das Bild der Fahrvapn sichtbar wird.
Bildwerfer mit dem Btldstteifen.
Lausbild für di« Pruiung eines Araftiahrer-.
Laufdild für die Prüfung eines VotomoiiDiuvieio.
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Laufbild für die Stufung eines Stravendahnwagenfuhrers.
denn sein da- Fahrzeug vorstellender Stand steht ja fest, sondern er regelt mit seinen GeschwindigkeitS» reglern — im Krastwagenstand also z. B. insbesondere mit den Schalthebeln, aus dem Fahrerstand eines elektrischen Wagens mit der Kurbel — die Geschwindigkeit des laufenden Bildstreifens, also des aus dem Tisch aus ihn zu laufenden Bildes. Ten AuSlauf naej dem Ausschalten kann er durch die Anwendung der Bremse verkürzen, und wenn diese zu seiner Ueberraschung unvollkommen wirkt, mit dem Sandstreuer nachhelfen; dieser streut natürlich keinen Sand, sondern wirkt ebenfalls aus den AuSlaus des Bildstreifen- bremsend ein. In allen Fällen sieht der Prüfling ein Schattenbild seines eigenen Fahrzeug- auf dem Lausbild dicht vor sich, als dessen Insasse er sich fühlt. Dieses Schattenbild bewegt sich in der Fahrtrichtung nicht fort; seine Borivärts- beioegung wird aber durch die Bewegung des Bildstreifens vorgetäuscht. Beim Kraftsahrerprüfzeug wird dieser Schatten durch Drehen des Steuerrades nach rechts und links verschoben, was in Verbindung mit der Wanderung des Lichtbildes aus dem Tisch den Eindruck hervorruft, als wände sich dieser Schatten auf der Straße fahrend um alle Hindernisse herum.
Nun ist die Feststellung von Fehlern des Prüflings aber nicht in das Belieben des beobachtenden Lehrers gestellt: Das Eignungsprüfzeug zählt an einem Zählwerk alle Fehler vollkommen selbsttätig, sei es, daß ein Kraftwagen in den Straßengraben führt — dabei ertönt auch ein Warnsignal —, sei es, daß der Lokomotivführer geschlossene Signale überfährt, sei eS, daß Hindernisse nicht beachtet werden oder Verstöße gegen die Fahrordnung oder andere Polizeivorschriften vorkommen: Alles belegt die Vorrichtung ganz gewissenhaft und unparteiisch mit
die Forschung gerade erst in den ersten Anfängen.
Zunächst ist aber das eine sicher, daß fast alle Stoffe, namenllich die unserer täglichen Gebrauchsgegen- stande, aus Kristallen bestehen. Eine Ausnahme machen hierbei nur Stoffe wie leer, Leim, Glas, diese- auch wenn es sogenanntes Kristallglas ist; aber selbst Glas hat die Neigung zu kristallisieren, zu „entglasen", und dadurch undurchsichtig zu werden, wa- gerade wieder bei Kristallglas nicht vorkommen darf.
Insbesondere sind die Metalle durchweg Kristalle. Wenn sie äußerlich nicht so regelmäßige Formen zeigen, wie wir dies von den bekannten Kristallen, etwa dem Berakristall, dem Diamanten, dem Alaun, gewöhnt sind, 10 liegt das daran, daß sich die kleinen Kriställchcn nicht wie bei einem einheitlichen Kristall ganz regellos aneinanderschließen, ähnlich wie wir dies etwa beim Zucker leicht sehen können. Dann aber dürfen wir die inneren Kristalleigenschastcn, nämlich die, daß sich der Körper in einer Richtung anders verhält als in einer anderen, nicht mit der äußeren Form verwechseln. Eine äußere regelmäßige Form kann ohne irgend welche inneren Kristalleigenschaften vorhanden sein, wie etwa bei den Similidiamanten, die einfach auS Glas geschliffen werden und nichts weniger als Kristalle sind. Umgekehrt können sich die Einzelkriställcken, aus denen die meisten Stoffe bestehen, regelmäßig anordnen, ohne daß die äußere Form eine solche Regelmäßigkeit erkennen zu lassen braucht. In diesem Fall spricht man von einem „Einkristall".
Aus den meisten Metallen lassen sich durch ganz vorsichtiges Auskristallisieren der Metalle aus einer Schmelze Einkristalle erzeugen. Man braucht sozusagen nur dafür zu sorgen, daß die lleinsten Teilchen in ihrer natürlichen Neigung, sich ganz regelmäßig
Einkristalle.
Bon Professor Dr. Weilburg.
Der alte Sokrate- erhielt bekanntlich den Nobelpreis für Philosophie oder den Dr. h. c. oder sowas Aebnliches für seine Erkenntnis, daß er nur eins wisse, nämlich daS. daß er nichts wisse. Die heutige Wissenschaft läßt sich diese Erkenntnis, die der alte Herr nur so aus dem Aerme! schüttelte — falls er einen hatte —, etwas saurer werden. Es ist nicht selten, daß daS Ergebnis langer Forschungsarbeiten die Verwunderung darüber ist, wie unglaublich kindlich man bisher die Dinge angepackt hat, und daß man fast mit jugendlichem Leichtsinn Fragen über- sehen hatte, an deren Beantwortung nunmehr ganze Geschlechter von Gelehrten zu arbeiten haben werden.
So glaubte man vielfach bisher, daß man einen Stoff vollkommen kenne, wenn seine chemische Natur bekannt sei. Bei Flüssigkeiten und Gasen trifft die- im großen Ganzen auch zu. Wirllich reine- Wasser, aqua destillata, ist, wenn feine Temperatur bekannt ist, und wenn keine besonderen Bedingungen, Druck, elektrische Spannungen, Strömungsgeschwindiakei- ten und dergleichen dazu kommen, wirklich immer dasselbe. Ebenso etwa auch reiner Alkohol, Stickstoff oder Wasserstoff.
Bei festen Stoffen aber steht die Sache im all- gemeinen ganz anders. Man kann hier keinesfalls sagen, daß etwa ein Kupferstab, auch wenn er auS chemisch reinstem Kupfer besteht, einen anderen Stab auS gleichfalls reinstem Kupfer von gleicher Form und Größe wirllich gleich sei: Zwischen ihnen sind Unterschiede möglich, sozusagen wie Tag und Nacht. Woher das kommt, und wie man diese Unterschiede für die Technik nutzbar machen kann, darüber steht
Mit goni besonderem Geschick sind z. B. die Verkehrsprüfzeuge gebaut, die Prüfzeuge für Kraftfahrer, Lokomotiv- und Straßenbahnwagenführer: Der Prüfling kommt auf einen Prüfstand mit allen den Vorrichtungen, die in Wirklichkeit von ihm bedient werden müssen; der Krastsahrer sitzt hinter seinem Steuerrad, hat seine Schalthebel und die Fußtritte wie auf einem Kraftwagen zu bedienen. Der Lokomotivführer muß alle Hebel und Handräder wie auf der Lokomotive handhaben. Der Fahrer eines elektrischen Wagens steht hinter seiner Kurbel und hat außerdem eine Bremse zur Verfügung, einen Sandstreuer, kann ein Klingelzeichen geben usw. Tie notwendige Beobachtung und Bedienung von Hilssvorrichtungen, wie Druckmessern unb dergleichen, sorgt für die auch in der Wirklichkeit erforderliche Teilung der Aufmerksamkeit.
Vor dem so ausgestatteten Führerstand befindet sich ein niedriger, länglicher weißer Tisch, der nacb dem Prüfling zu etwas geneigt ist. Auf diesen Tiscy wirft ein dahinter stehender Bildwerfer — auf deutsch heißt et „Episkop" — ein Bild, wie es vom Führerstand in der Wirklichkeit zu sehen ist: für den Kraftfahrer also eine Straße mit allerlei Verkehrshindernissen, für den Lokomotivführer eine Eisenbahnstrecke mit Signalen, für den Straßenbahnfahrer die Gleise der elektrischen Bahn mit ihren Haltestellen und ihrer Umgebung, selbstverständlich ebenfalls mit den verschiedensten Fahrterschwerungen.
Run stehen aber diese Bilder nicht still. Im Bildwerfer wird ein bunter Bildstreifen von einem Deinen Elektromotor fortbewegt; da- Bild diese- Streifend wird so auf den Tisch geworfen, daß es auf den Prüfling zuläuft. Tas erweckt in ihm die Täuschung, daß er selbst sich bewege und daß daS Bild
erkennen und man kann immer noch ohne Gefährdung belehrend eingreifen, wo Verstöße vorkommen. Gerade die längere Prüfung gelegentlich de- An- lernens an solchen Vorrichtungen macht eS möglich, den Prüfling wirklich kennen zu lernen. ES ist eben verschieden: Mancher reißt sich bei einer einmaligen Prüfung zusammen und taugt nachher doch nicht so viel wie ein anderer, der vielleicht zuerst aus übertriebener Gewissenhaftigkeit befangen ist, sich aber hinterher dem ersten überlegen zeigt.
Die technischen Zortschritte bei der Deutschen Reichsbahn.
Bon Dipl.-Ing. Mangold.
(Nachdruck oerboten.)
Wir find heute in der Lage, aus Grund von Mitteilungen des Generaldirektors Dr. Ing. Dorp- müller der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft einen kurzen Uebetblid über die Fortschritte, Leistungen und Ziele der Deutschen Reichsbahn, welche ja bekanntlich daS größte wirtschaftliche Unternehmen der Welt darstellt, zu geben.
Im vergangenen Jahre hat die Zugkraft der Lokomotiven weiter zugenommen. So ist heute eine der modernsten Güterzugslokomotiven tm Stande, bis *u 3000 Tonnen in einem Zuge und mit einer Stundengeschwindigkeit von 40 km (also eine- Personen- zugeS) zu schleppen. Dadurch wird die Laufdauer für die Güterbeförderung, insbesondere für die regelmäßig zu befördernden Massengüter in einer früher ungeahnten Weife beschleunigt, und der Güterwagenpark viel besser au-genutzt. So dauert heute
aneinander zu schließen, nicht gestört werden. Ist dies geschehen, so kann man aus einem solchen Stoff selbst eine Kugel drehen. Sie ist und bleibt ein Kristall, wenn auch nur ein sogenannter Einkristall. Ebenso lassen sich Drähte auSziehen, rechteckige Stäbe gewinnen und andere beliebige Formen Herstellen, bei denen zunächst kein Mensch an einen Kristall denken würde.
Uno doch zeigen sich bei einem solchen Einkristall schon bei flüchtiger Betrachtung merkwürdige Eigenschaften. Zunächst in der Zurückwerfung des Lichtes, auf der ja das Aussehen der Körper überhaupt beruht. In bestimmten Richtungen zeigt sich ein hoher Metallglanz, dem dann wieder Mattstellen folgen. Es sieht beinahe auS, als ob künstlich einige Streifen poliert seien; aber man erkennt natürlich sogleich, daß das unmöglich der Fall sein kann. Ja, man erkennt häufig die geometrische Grundform de- zugrunde liegenden Kristalls, siebt also z. B. ganz deutlich durch die Art der Licytzurückwerfung auf der Kugel das als häufige Kristallform verkommende Lktaeder. Werden solche metallenen Einkristall- körper geätzt, so zeigen sich ähnliche Aetzfiguren, die ganz deutlich die Kristallform, die dem Körper zugrunde liegt, erkennen lassen.
Ungleich wichtiger sind freilch die FestigkeitSeigen- schaften der Em.ristalle. Im allgemeinen weisen sie eine weit geringere Festigkeit auf als gleichartige Metallkörper, bei denen die Kristalle unregelmäßig angeordnet sind. Auffallend ist folgender Versuch: Von zwei völlig gleichen Einkristallkupferstäbchen wird einer an einem Ende eingeklemmt und am andern Ende um 360 Grad herumgedreht, wodurch natürlich seine Einkristalleigenschaft großenteils zerstört wird. Klemmt man nun die Stäbe an einem Ende ein und belastet sie am freien Ende, so zeigt sich, daß
verbessert worden. Sehr wichtig für den Güterverkehr sind die Fortschritte in der Rangiertechnik. Wenn auch hier zur Durchführung deS Betriebes in maschineller Arbeit noch viel zu tun ist, und auch wir erst in den Anfängen hierzu stehen, so besitzt die DeutscheReichSbahn hier doch Einrichtungen, welche sie an der Spitze aller Länder marschieren lassen. Wir weisen u. a. auf die zentralen Gleisbremsen hin, welche den Laus der vom Ablaufberg rollenden Wagen so regeln, daß sie an den gewünschten Stellen in den Rangiergleisen stehen bleiben, ohne daß wie früherMenschenhände mühselig und unter ständiger Gefahr mittels Hemmschuhe, sie »um Stillstand bringen müssen. Dadurch wird die Leii.unaSfähig- keit der Rangierbahnhöfe so gesteigert, daß selbst in den Zeiten des Rekordverkehrs infolge des englischen KohlenstreikS noch Rangierbahnhöfe stillgelegt werden konnten. Durch die zcnttale Gleisbremse toirb nicht nur Menschenkraft gespart, sondern auch daS rollende Material viel mehr geschont.
In der Zugbremsung für Güterzüge ist jetzt in wohl allen Wagen die Kunze-Knorr-Bremse eingebaut; sie gibt die Möglichkeit, die Güterzüge mit erhöhter Geschwindigkeit laufen zu lasten, wodurch nicht nur ihre Laufdauer vermindert wird, sonder» auch die den Betrieb so störenden Ueberholungen durch Personenzüge in den meisten Fällen wegfallen. Dadurch sind Strecken und Bahnhöfe let> stungsfähiger geworden.
Nach wie vor legt die Deutsche Reichsbahn größten Wert auf höchste Sicherheit. ES sind hier einmal verbesserte Zug- und Stoßvorrichtungen und dann ganz besonders das Signalwesen $u nennen, dos in den letzten Jahren ein Schmerzenskind der Reichsbahn war. Auch die Reichsbahn ist sich darüber Dar, daß
der Stab, der die Drehung erfahren hat, dessen Ein- kristalleigenschaft also aufgehoben ist, etwa die -wanzigfache Belastung verträgt, ehe er eine größere Durchbiegung erfährt als der Einkristall. Wird auf einen Einkristallstab auS Kupfer vorsichtig ein gleichmäßiger Zug auSgeübt, so läßt er sich saft auf bte doppelte Länge auSdehnen: bann endlich reißt er, aber in einer ganz bezeichnenden Weise, nämlich so, daß an der Rißstelle scharfe Schneiden entstehen.
Solche und ähnliche Versuche zeigen, daß die Festig- leit der Metalle keine chemische Eigenschaft ist, also nicht etwa von chren Atomen ober Molekeln herrührt, fonbem nur von ber Art, wie sich diese aueinander- schließen. Manche Metalle, wie z. B. Blei, zeigen nur eine geringe Neigung zur Verfestigung. Es ist die Frage, ob man durch tiefere- Eindringen in die Bedingungen dieser Verfestigung schließlich auch lernen wirb, solche Metalle in größerer Festigkeit ober in härterer Form herzustellen.
Der ganze Zweig ber Wissenschaft, von dem wir hier sprechen, steckt noch in den ersten Anfängen unb stellt noch kein geschlossenes Gebiet dar; aber seine Bedeutung kann kaum überschätzt werben, denn keine Rohstoffe spielen in der Technik eine so überwältigende Rolle wie die Metalle. Tie neueren Arbeite« haben gezeigt, daß wir gerade übet ihre Eigenschaften unb insbesondere über eine so wesentliche Eigenschaft wie die Festigkeit bisher noch ziemlich im Dunkeln tappen. Erst langsam beginnen bie Früchte bet neueren Untersuchungen zu reifen. Man hat z. B. schon gelernt, wie man daS lästige Reißen ber Metallfäden unserer Glühlampen, daS auch auf Einkristalleiaen- schasten beruhte, vermeiden kann. Ungleich größere Ergebnisse sind von der Fortführung der arbeiten für die Zukunft zu erwarten.


