MErsolgundLiebe.
Roman von Robert Milch.
Copyright by Carl Dunker. Berlin SW 62.
2o iiorileBunti ’mrfjörud verboten
„Rein, mein Freund — Sie sind der einzige, den mir da» Schicksal gelassen hat.'
Seine Augen flammten sie an, während er leicht die dargebotene fjanb drückte
„Bis — ein anderer kommt, Madonna, der diese — Freundschaft au5loid)en wird."
Sie schüttelte mit leichter Schwermut da» Haupt: „Nie mehr! — Ich werde Sie sehr vermissen."--
Monsieur Lacaze war ein schlanker, großer Herr mit einem Löwenhaupt grauer Locken und einem warmen, etwas melancholischen Bück in den braunen Kunstleraugen — soigniert und elegant, in modischer, stets dunkler Kleidung.
.Je suis instruit — von mein Freund, le doc- tcur ä Milano — Chantez — die Scala, made- monieHe!*'
Nachdem er sie dann noch ein kleines italieniiches Volksliedchen mit halber Stimme hatte singen lassen, ries er schnell, in seiner lebhaften Art
„Va bene, va bene — ick bin zufried."
Und in drei Sprachen durcheinander — der Deutschen zu Ehren flickte er zuweilen auch deutsche Worte mit drolligem Radebrechen ein — versicherte er ihr, daß er die „voce" schon wieder „diggen" (biegen) wurde .....Da» Schmelz ist noch da —
la belle doucenr de votre voix — c’est la principale chose! Ihr' Stimm' war niemals — jamais trfcs grande. mä — von ein süße Anmut — et avec votre bellezza. Signora ... Serr schaden, wenn wir nicht täten corriger la voix — heil maken ... Ick bin Ihr ergebenes Freund: ick werden mir die größten Müen flebben — ei, ei ... Vous chanlerez jedes Morgen ein’ viertel Stund' und jeden Abend — und fein' Cigarettes fiimer und an die mercredi und samedi um zehn heu re Sie komme zu mich pour
l’exercise. Je suis votre ami. madame ... Au revoir, madame!
Mik einer höflichen Bernc.^ung und freundlichem Händedruck brachte er sie bis zur Flurtür. Beschwingt und hoffnungsfreudia schritt Isa durch den ißunberooUen tourten dieses kleinen, Hellen Haus- diene, das er allem zu bewohnen schien. Hoiinung und Freude hoben endlich den schweren Wolkenschleier. der ihre KunsUerlaufbohn so unvermutet beschatte: batte Ein Weg ins Freie zeigte sich. Die Sonne schien ihr nod) einmal so hell, dies weit« g. dehnte paradisische toartentol am blauen Meer dunkle ihr plötzlich noch einmal so herrlich.
Leise uni) beglückt lachte sie über den Professor, diesen drolligen Typ, diese Mischung von Künstler, Arzt und Weltmann, der in drei Sprachen schwatzte, offenbar aber ein guter Mensch war, der seine Kunst verstand und ernst nahm.
Sie übte nun nach Vorschrift. Zweimal in der Woche ging sie zu Lacaze und fühlte auch bald, wie die Stimme an Geschmeidigkeit, Straft und Umfang zunahm. Freilich alles nur bis zu einer gewissen Grenze. Als sie einmal, fortgeri'icn von der Lust am Singen mehr und starker probte (eine italienische Arie aus Norma) fühlte sie sogleich die alte Ermüdung.
Der Professor schalt sie aus.
,Zck' oben Ihnen defer.du, per bacco, j o zu n"
Im übrigen befestigte sich ihre Freundschaft mit dem alten und doch so jugendlichen Künstler immer mehr. Er holte sie zuweilen zu langen Spaziergängen ab und erzählte ihr die Geschichte seines Lebens. Als Konzertsäng.r hatte er große Erfolge gehabt, in Frankreich und den romanischen Ländern bis nach Südamerika. In der Tat sang er noch jetzt mit prachtvoller Technik, musterhafter Aussprache und beseelter Betonung, wenn auch gebrochener Stimme' Er war unvermählt. Irgendein« große Leidenschaft, und ein Schicksal, von dem er nur dunkle Andeutungen gab, schienen ihn aus Paris und Frankreich vertrieben zu haben. Mit finkender
Stimme hatte er sich bann hier ein neues Bewti gungsfeld angebaut das ihn ganz zu befriedigen sch.en. Sänger mit lädierter Stimme schick.e mar. ihm aus allen Ländern zu.
Rach last drei Monaten — der Februar brachte mit neuen itnoipen und Bluten d.n Frühling in dies Land des nur zeitweilig e.-mattenden Lenzes —
liehen Stimmung und ihrer neu erbl -h.en Stimme. Auch der Mailänder Arzt, den sie dazwischen wieder aufsuchte, war zufrieden. Dieser und Prosesior La- eaje rieten ihr auch, sich ganz dem Konzertgesang zu widmen.
„Peut-ttre eines Tag' — fannen Sie wieder . / ’ auf die s. ine. Mais — c’est plus dii'igue e! artislique, zu fingen concert Die opt-ra ... <h bien, c’est necessaire ... mä ... Sie müssen fein ein Stimmkoloß — und maintenant, oü rLgne vofre Wagner ä la setne ailemande • ...
Er schlug ihr vor. fit später nach Pari» 9U und Mailand zu empfehlen, wo er überall Freunde hätte. Er wolle ihr, wenn ihre Stimme ganz ge- nefen sei — rielleicht in sechs bis acht Monaten — ein italienisch-französisches Konzert-Repertoire ein- studieren.
, Man liebt die Kunst und die Schönheit von die Belladonna mehr in die romanische Länder — und Sie werden 'oben grand succis, si vous 6tc» lancie in die richtige maniire. Je vous lancirai par tous mes amis ... oui. oui ... Man hört auf Lacaze ä Paris et ä Römc“ ...
Gyllenborg redete ebenfalls zu:
„Stimmlich, geistig und seelisch fehlt Ihnen dtc I robuste Kraft, sich die Bühne zu erobern, Madonna, i Ihre Kunst ist zu fein und schwach, um an eines 1 her wenigen großen Opcrntheatcr in erste Stellung au gelangen. Das andere ist nur Enttäuschung und Provinzelend."
Isa fing an, sich mit diesem Gedanken zu befreunden. Sie hatte zu tief die Enttäuschungen der Provinzbühne, die Zurücksetzung gegen robuster Geartete kennengelernt. Der Gedanke, bei dem Ber
liner Tarnten später später bei einem Direktor ..... ... m: ien, flößte ihr Grauen ein. Die, nze Buynentveiden, dem nur einzelne Star»
an — und die L • mungen ihrer alten Freundin in Main; siel: n ihr ein
Mir,n biceir -- d.r Marz brachte wahre Volke:,uge von Engländci.i und De /.;en an di« para- oiefifdie K st« — nun n hinein plagte «ine Depesche ibrir Mutter — ..Vater plötzlih gestern Nacht verstorben, wird Freitag begraben."
Nach einem hastig verbrachten Tage sah sie am enteren Morgen mit Anita in einem reservierten Halbk , ?e. das ihr Gyllenborg be arot hatte. Noch einmal drückte ihr der Freund die Hand, zog sie an feine Lippen und sagte leisem Auf baldiges Wie- dersehen, Madonna!"
Noch einmii logt* Monsieur Lacaze
-.Cest dommage! Mais vous reviendrez bient .t ä notre bcau soleil. madame .. Ich müsse- machen Sie fix und fertig für die con*vrt •
Die Türe knallte zu. — Die Herren schwenkten ihre Strohhüte — addio Nizza! Und hinter ihr versank dieser Traum des Südens.
Der Prediger — es war derselbe Pastor, der Iso konfirmiert — stockte einen Augenblick in seiner Trauerrede, als er e.ne lange Dome in tiefer Trauer, mit einem Kranz weißen Flieders auf das offene
ging es über die Versammelten, als Isa die Mutter in die Arme schloß.
Das gan e Haus Nettebohm mit dem alten und dem jungen Ehef an der Spitze umstand das offene Grab des alten, treuen Faktotum» und staunte sie an.
„Die Tochter — das Ischen!" flüsterte es ringsumher. Und die jüngere Generation der Angestellten, die sie noch nicht kannte, blickte bewundernd, die ältere verwundert auf diese schlanke Orchideenschön- beit, wie ein poetischer Lehrling sagte, deren Antlitz bleich und fteinem unter dem Schleier hervorftrahlte.
(Fortsetzung folgt)
I Kommandeur des Kreuzers „Königsberg“ an der Küste Deutsch-Ostafrikas, spricht am Samstag, dem 29. Oktober,
Ulf g lillj I abends 8 Uhr in der neuen Aula zu Gieben über das Thema
9057 U
In anschaulicher, freier Form spricht Vizeadmiral Looft über den von ihm geführten Kreuzerkrieg im Indischen Ozean, den heldenhaften Untergang der „Königsberg und den heldenhaften Verteidigungskampf mit Letto w-Vorbeck in Deutsch-Ostafrika. Der Vortrag wird unterstützt durch eine große Anzahl vorzüglicher Lichtbilder. Preise der Plätze: 1,50,1,-, -,75 RM. Vorverkauf bei Challier (Neuenweg), Hermes (Bahnhofstr.), Keißner (Schulstr.), Löb (Bahnhofstr.). Studentenkarten bei Sekr Ritter. Für Mitglieder und Militärpersonen Karten zu ermäßigten Preisen gegen Ausweis nur bei Papierhandlung Hermes, Bahnhofstraße.
Deutsches Volk, vergib nicht deine Kolonien!
Bund der Koloniaifreunde / Marineverein
Die glückliche Geburt eines gesunden Sonnfagsbuben zeigen hocherfreut an
Prof. Dr. Stepp
und Frau Margarete geb. Krüger $
Äreslau, den 24. Oktober 1927 Zwingerplah 3
________ W3D |
Gießener Konzertverein
Donnerstag, den 27. Oktober 1927, abends 71/, Uhr im Stadttheater
ERSTES KONZERT
Symphonie Konzert
des
Frankfurter Symphonie-Orchesters
Leitung: Dr. Stefan Temesvary Solist: Prof. Friedrich Wührer (Klavier), Wien Weben Obcron-Ouvcrture, Schumann: Klavierkonzert A-Moll, Brahms: Erste Symphonie in C-Moll Der Blülhner-Konzertfhigcl ist aus dem Pianohaus Robert Schönau, Gießen, Selters weg 91
Eintrittskarten! Zu M. 5 —, 4.— und 2.50 bei Emst Challier und abends an der Kasse. Studentenkarten M. 1.50 nur im Vorverkauf bei Herrn Sekretär Ritter. 9529c
Achtung Mitglieder!
Miiiwoch Öen 26. Oktober, abends 8.30 Uhr stndei für die
VerieiluWstelle Frankfurter Straße im Gasthaus „‘Juni Gambrinus'Bräu", (kcke Klinik- und frankfurter Straße, cine außcrordent. liche wichtiae
UlieöMkWMg
Bericht über das Geschäftsjahr 1926 27.
Wir bitten die Mitglieder um zahlreiche
Beteiligung. -Oer Vorstand.
Konsumverein
Gießen u.Llmg.
e. G. m. b. H.
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V?
Lichtspielhaus
Bahnhofstraße 34
Gießen
Telephon 277
S71L
Zum Besuch ladet höflichst ein:
Der Besitzer des Lichtspielhauses A. Henrich
Anfang 4,6,8S0Uhr/ Preise der Plätze von 0.80—2.50
Donnerstag, 27. Okt, nachmittags 4 Uhr, offizielle Eröffnungs-Vorstellung nach erfolgtem Erweiterungsumbau u. vollständ. Modernisierung FESTPROGRAMM
1. Triumphmarsch von Fauchey, gespielt vom Lichtspielhaus- Orchester, unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Karl Stork
2. Papa spielt Mama, Lustspiel
3. Spezial - Filmberichterstattung der Vereinigten Lichtspiele Gießen und Bad Homburg v. d. H.
4. Gesangsvortrag von Frau Friedel Hellmer, von der Volksoper Wien
5. Der Fürst von Pappenheim. Nach der gleichnamigen Operette von Arnold und Bach. Eichberg-Film der Ufa.
Brennholzversteigkrung
Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen am 9737B
Montag, dem 31 Oktober 1927 vormittag» Uhr
aus den Abteilungen 5a, 6b und c (Stol- zenmoraen), 43, 44 — Bezirk des Forster» Bruck, Rödgen —, aus verschiedenen Abteilungen des Fernewakdes — Bezirk de» Försters 21 »ft, Forsthaus Hochwar« - , und aus den Abteilungen 56, 58, 50, 65, 109, 113 und 116 — Bezirk de» Forsters Geisel, Gießen — versteigert werden
13,9 rm Kiefern-, Dirken- und Fichten- scheiter
43,4 rm Eichcnknuppel
2,0 rm Eschenknüppel
22,2 rm Kiefcrnknüppel
.33,1 rm Fichtenknüppel
0,7 rm Dirkenknüppel
870 Wellen Eichcnrcisig
0,8 rm Kiefernstöcke
44,4 rm Fichtenstöcke
Das Hol; aus den Bezirken der Förster Arft und Geisel und aus den Abteilungen 43 und 44 wird nicht vorgezeigt Vorherige Besichtigung empfohlen.
Zusammenkunft: Am Flugplatz (Wirtschaftsgebäude,.
Gießen, den 25 Oktober 1927.
Der Oberbürgermeister.
I. D: Dr. Rosenberg.
3lrbciti»ucrßebiiiig.
Für die Feidbereinigung Großen Linden sollen auf dem Rathaus zu Großen Lind«n Verschleifungsarbeiten, zu 2123 Reichsmark veranschlagt, vergeben werden. 9726D
Die Verdingungsunterlagen liegen auf Hessischer Bürgermeisterei offen, wohin die Angebote in Prozenten de» Voranschlag» verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, postsrei bis zum Eröffnungster- min am Montag, dem 31. Oktober 1927, nachmittag» IS rlhr, einzureichen sind.
Zuschlagsfrist: drei Wochen.
Gießen, den 20. Oktober 1927.
Hessisches Kulturbauamt H. Steinbach, Reglerung»baurat.
GMMklveHleigelW
donnereta.z. den 27. Oktober, btr- steigere ich tm Löwen, Tkeuenwea 28, ab 2 Ubr <>736D
eine Ladeneinrichtung, bestehend au» Theke mit Glasaufsay, drei Schranken mit Schiebetüren, einen sileiderjchrank. ein Dcrllfo, ein Sofa mit zwei Sesseln, einen Waschtisch, einen Schreibtisch, zwei Trumeauspiegel. einen Zimmerspiegei, zwei Zimmertische, mehrere Stühle, drei Sthreibmaldjinen, eine llahmasthine. nne Ständerlampe, komplette knchen- schränke, mehrere gut erha lene Offen, einen fall neuen Dauerbrenner, iwl Badewannen mit Ofen, einen Vritschen- wagen, ein Büfett, eine ftrebenj, einen Au»ziehlisch, mehrere Vellen, Herren- und Damenräder, einen Sattel mit ftan- dare. ein Vferdegeschlrr, mehrere Herren und Damenmäntel, Herren-Hemden, Hasen und Strümpfe (neu), warme Schuhe. Zigaretten, einen Ltnoleumlep- pich (3 X 2 Meter», einen krassenschrank, Holzriemenscheiben in allen Größen und noch verschiedene Hau»- und Gebrauch»- gegenstände.
Versteigerung bestimmt.
Ludwig Hartmetz
Auktionator und I oraler Neuenweg 28 Telephon 14M


