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Am der Provinzialhauptstadt.

® t«n, den 26. September 1927.

Herbststimmung.

d« ist ein« seltsam« Jett, bi« Zeit der Vorberei­tung eines Neuen, das nicht mit Hoffnungen und kühn voraussegelnden Wünschen begrüßt wird. Etwas ganz anderes ist cs, aus dunklen Winter- tagen in den lachenden, blühenden Frühling hinein- zuschreiten. Auch der Gang vorn Maien in den Som­mer hinein ist leicht. Rosen stehen am Wege und Erfüllungen, an die man nur scheu gedacht, auf die man bangend gehofft hat. Anders, ganz anders, wenn es gilt, aus der Fülle in den Verzicht zu gehen. Das goldene Korn, das wie ein wogendes Meer war, ist gefallen. Geblieben ist nur das kahl« Feld mit seinen grauen Stoppeln und dem eigen- artigen Erdgeruch, in dem die Melancholie gedeiht. Wo freundliche, liebliche Farbensinfonien prunkten, kommt das Grau der abgemähten Wiesen. Wo der Wind mit dem Reichtum des Blattgewirrs in Wipfelkronen spielte, reißt er jetzt nieder, was welk und müde geworden ist.

Natürlich ist es in jedem Jahr dasselbe. Aber wir erleben es doch in jedem Jahre anders. Was (iinimert uns der Herbst, wenn wir jung sind, wenn die Welt um uns noch so reich an kleinen Freuden ist, die uns groß dünken! Auch dann werden wir feiner kaum gewahr, wenn wir in den lagen der ersten Liebe wandeln, denn auch diese Welt kennt keinen Herbst, sondern nur Sonne, Frühlingsläuten und Sommerluft. Aber es wird anders, wenn wir uns selbst dem Herbst nähern, wenn das Haar an den Schläfen zu bleichen beginnt und wir an dem und jenem Anzeichen merken, daß wir nicht mehr im Frühling, nicht mehr im Sommer stehen, sondern daß die ersten Blätter fallen, weil sie müde und welk geworden sind wie wir selbst. Vielleicht wollen mir es uns noch nicht gestehen; denn es fällt auch nicht leicht, sich zu sagen, daß der beste Teil unseres Da­seins bereits hinter uns liegt. Wir sträuben uns yeute noch und wohl auch morgen. Aber übermorgen BBMMWPMWBMBMMWM' II MIHI »I H «W

werden wir es nicht mehr können. Dann find die Zeichen zu deutlich, die uns sagen, daß der Herbst da ist, der Herbst unseres Seins. Und die andern lassen es uns fühlen. Unbewußt vielleicht, denn wir blicken mit Argwohn aus, ob man unfern Herbst bereits erkennt. Wenn sie lachen und ihre Kräfte meßen im freudigen Spiel, dann stehen wir beiseite und denken ein wenig an die Zeit, da wir das auch vermochten und Freude daran hatten. Aber wir wissen, daß der Herbst über uns gekommen ist, jene Zeit ist vorüber, und es beginnt das stillere, an Freuden ärmere Leben. Die Tage brechen dann her­ein, die immer dunkler werden. Immer einsamer wird es um uns. Ein Freund um den andern stiehlt sich von uns fort auf Nimmerwiederkehr, bis wir selbst auch die Weisung erhalten, unfern Abschied zu nehmen.

Herbst! Sein Sinn ist, einem andern Platz zu machen. Wohl uns, wenn wir sagen können, daß wir unsere andere Zeit richtig genützt und den Späteren den Weg geebnet, so gut wir das ver­mochten. Sr.

LZornotizen.

Tageskalender für Montag. Palast-Lichtspiele:Mein Heidelberg ich kann dich nie vergessen". 21 storia-Lichtspiele:Der Zu­sammenbruch".

* Eine Sitzung der Stadtverord­neten findet am kommenden Freitag, nach­mittags 5 Uhr beginnend, im Sihungssaale des Stadthauses Bergstraße statt. 2luf der Tages­ordnung steht u. a.: Bewilligung einer Hinden- burgspende, weiterer Kredit zur Schaffung von Notwohnungen. Arbeitsvergebungen zur Herstel­lung von Straßen. Festsetzung des Gaspreises für die Baumheizung.

* Der GießenerHerbstpferdemarkt findet am 5. Oktober statt. Mit dem Markt ist eine Prämiierung des besten Pferdematerials verbunden. Räßeres in der Anzeige vom Samstag.

* Die Bewerbungen um den Stadt- theater-Intendantenposten. Um die

Rachfvlge Hofrat SteingoetterS habrn sich inL- gesamt 195 Interessenten beworben. Die Bewer­bungen stammen von 17 Intendanten, 61 Direk­toren. 53 Oberspielleitern, 44 Spielleitern, 3 Dra­maturgen und 17 anderen.

' Personalien. Ernannt wurde der Ehe- miker Professor Dr. Äldols Kreutz zu Darmstadt, Wirkung vom 1. Oktober 1927 an, zum Direktor der chemischen Prüfungsstation in Darmstadt. Am 19. September wurde der 2lmtsvorstand des Forstamts Romrod, Forstrat Karl R i c o - lauS zu Romrod, in gleicher Dienste:genschaft in das Forstamt Schiffenberg verseht. Durch die Kirchenregierung wurde übertragen: dem Pfarrer Karl Knodt zu Wimpfen die evange­lische Pfarrstelle an der StadtkirchengemeinDe zu Offerrbach, Dekanat Offenbach; dem Pfarrer Wilhelm Weimar zu Gonterskirchen die evan­gelische PfarrsteUe zu Gonterskirchen. Dekanat Schotten, und dem Pfarrverwalter Emil le­bet ju Holzheim die evangelische Pfarrstelle zu Holzheim. Sefanat Hungen.

Photo-Wettbewerb des Ver­kehr svereins. Wie im heutigen Anzeigen­teil bekanntgegeben wird, ist der Einsendungs­termin für Bilder mit Rücksicht auf evtl. Herbst- aufnahmen bis zum 15. Oktober verlängert worden.

Verbesserungen für den W inter- sport auf dem Hohervdskopf. Dieser Tage fand auf dem Hoherodskopf unter der Lei­tung des Gießener Schiklubs eine Besprechung mit den interessierten privaten und amtlichen Stellen über die Anlage neuer, moderner Sprung­hügel für den Schneeschuhsport statt. Der alte Sprunghügel in der Rahe des Klubhauses ist für Anfänger gut geeignet und soll auch für diese erhalten bleiben. Um größere Sprünge aus- führen zu können, wird ein weiterer Hügel in der Rahe errichtet, der viel steiler ist und einen besseren Absprung gestattet. Das Forstamt Schot- ten sagte weitgehendes Entgegenkommen zu. Die erheblichen Kosten will man durch Spenden und Kapitalausnahmc decken. Die Qkbeiten sollen

baldmöglichst tat Angriff genommen werden, da­mit die neue Sprungschanze noch im tommenben Winter benutzt werden kann. DHE., Stadt Schot­ten und mehrere Interessenten werden die Sache unterstützen.

RDB. Die schnellsten Züge In Deutschland. Die Deutsche Reichsbahn-Ge- seNschast ist in steigendem Maße bestrebt, die Fahrtgeschwindigkeit der Schnellzüge zu erhöhen. In diesem Sommer haben bereits wieder 18 O-Züge Geschwindigkeiten von 80 Stundenkilo­metern und darüber erreicht. Die höchste Stunden- Geschwindigkeit erreichen die BerlinMünchener Ö-Züge, die die 161,7 Kilometer lange Strecke zwischen Halle mtd Berlin in 117 Minuten durch­fahren; das entspricht einer Durchschnittsae- schwindigkeit von 83 Kilometer In der Stunde Fast die gleiche Geschwindigkeit 82,8 Kilometer die Stunde errreicht ein Schnellzug auf der 164,4 Kilometer langen Strecke LeipzigBerlin, die in 119 Minuten durchfahren wird. Auf der gleichen Strecke und auf der Strecke Hannover Hamm (176,4 Kilometer) erreichen zwei weitere Züge Stundengeschwindigkeiten ovn 82,4 bzw. 82.2 Kilometer. An sechster Stelle kommt ein Zug auf der 286,8 Kilometer langen Strecke Berlin- Hamburg; er erreicht eine Geschwindigkeit von 82 Stundenkilometern, während der Gegenzug HamburgBerlin im Durchschnitt 81,1 Kilometer in der Stunde fährt. Eine Etundengeschwindigkeit von 80 Kilometer und darüber wird außerdem auf den Strecken HannoverOsnabrück, Dort­mundHannover, Branden bürgM a g deburg,

BremenHarburg, LehrteHarburg. Rümberg Bamberg und BielefeldHannover erreicht.

" Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 375 Ochsen. 79 Bullen. 526 Kühe. 336 Färsen, 436 Kälber. 151 Schafe. 5728 Schweine..

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