Nr. 199 Drittes Blatt
Konfusion in Frankreich.
Don unserem ständigen §-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
P a r i s , im August 1927.
Die Sommerserien der Politik haben statt eine Klärung uni) Entspannung herbeizuführen, für Frankreich die oolltommene innen- und autzenpoli- tische Konfusion gebracht. Die Abbröckelung der Po- litik von Locarno und Thoiry, die widersprechenden Meldungen über die Herabsetzung der Besatzung und endlich der Rücktritt de Jouoenels von der Völkerbundsdelegation sind nur Symptome der inneren Krise der „Union nationale . Ja, es läßt sich nicht mehr verheimlichen, die Regierung der nationalen Einigung ist in das Stadium der inneren Auflösung gelangt. Nachdem sie während der stürmischen Frühjahrsfitzungen ihren innenpolitischen Elan eingebützt hatte, sckeint s,e jetzt an dem Fehlen eines einheitlichen Programms zu scheitern.
Nach dem Mißerfolg des Tardieuschen Versuches einer zentralen Partei zur Unterstützung der jetzigen Regierung und nach der Absage Maurice S a r r a u t s , des Präsidenten der radikalen Partei, für die „alliance democratique" Franklin Bouillons, ist es offenbar geworden, daß die jetzige Regierung nur bis zu den Wahlen lebensfähig sein kann. Das ist schon an und für sich ein harter Schlag für die jetzige Koalition. Die Frage ist nur noch, ob die Regierung genügend Kraft besitzt, wenigstens bis au den Wahlen durchzu- tz a l t e n. Bei dem jetzigen Stand der Dinge muh die Frage verneint werden.
Mit der provisorischen Stabilisierung und der Meisterung der Kammer hat die Regierung der nationalen Einigung innenpolitisch unleugbar Großes geleistet. Sie gewann auch eine große Autorität, mangels neuer Erfolge scheint aber diese Autorität immer mehr zu schwinden. Die Verzögerung der endgültigen Stabilisierung, welche nicht zuletzt eine politische Waffe gegen die linksstehende Opposition darstellte, hat wirtschaftspolitisch keine Berechtigung mehr. Maurice Sarraut hat es ja offen ausgesprochen, daß die „Union nationale" nur zur Rettung des Franken geschaffen wurde. Durch die Herauszögerung der endgültigen Stabilisierung könnte die jetzige Regierung ihre Lebensdauer wohl künstlich verlängern. Aber nachdem sie die Wahljchlacht von 1928 im voraus aufgeben muß, hätte ein solches Verfahren kaum einen Sinn.
Die Mitglieder der Regierung werden immer uneiniger. Bei den letzten Ministerratssitzungen und in den verschiedenen Pressekommentaren ist dies klar zutage getreten. Poincarö ist, seitdem er sich' der Außenpolitik zugewandt hat, keineswegs volkstümlicher geworden. Auch die große Teuerung „la vie chere" wird ihm zu Recht oder Unrecht zur Last gelegt. Und das ist ein vorzügliches Agitationsmittel. B r i a n d verhält sich reserviert und sein Geist ist der französischen Außenpolitik immer weniger anzumerken. Das geht so weit, daß ihm in der Presse offen die Absicht, sich in das Privatleben zurückziehen zu wollen, nachgesagt wird. Ebenso dem Justiz- Minister B a r t h o u , der in der Regierung eine immer kleinere Rolle spielen soll. H e r r i o t hat sich in der letzten Zeit auffallend stark der Unterstützung des Kartells der Linken zugewandt.
Unter solchen Umständen müßte man mit ziemlicher Sicherheit die Krise für das Ende der Ferien voraussagen — wenn eben in der französischen Innenpolitik, auch außerhalb der Regierung, nicht eine so große Unsicherheit herrschen würde. Die Hoffnung, daß vor den Wahlen eine innenpolitische Klärung erfolgt, scheint nicht in Erfüllung zu gehen. Im Gegenteil!
Noch steht die Frage offen, ob das Kartell der LI n f e n für die nächsten Wahlen wieder auf- leben wird. Aber jede zentrale Parteibildung scheint zum Scheitern verurteilt. Die S o z i a l i st e n , besonders seitdem sie sich zu den Kommunisten geschlagen haben, fühlen sich recht stark. Die bürgerliche Linke fühlt sich zwischen ihnen und der Rechten, deren Aussichten sehr günstig sind, besonders unwohl. Nach der allgemeinen Ansicht wird die bürgerlich Linke — insbesondere die Radikalen — bei den nächsten Wahlen eine Niederlage erleiden.
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»Mensche Hügel beherrschte Diony o;..."
Phantasien beim „Serriger Vogelsang".
Don Curt H o tz e l.
Durch die Ausgrabungen des „Deutschen Delphi", des Tempelbezirkes im Altbachtale am Rande der Römerstadt Trier, führte mein Weg zu eigenen geheimen Abenteuern. Mein Fuß stieß bei dem Tempel des heiligen Stieres an einen bröckelnden Stein. Ich hob ihn auf und fand eine Schrift darauf, erhaben, eine wundervolle Antiqua . . . Die Marke einer römischen Ziegelbrennerei . . . Nichts weiter .. . Tempelschutt!
Aber in meinen Ohren geisterten sogleich Stefan Georges aufwühlende Verse, überschrieben „Pona nigra":
Daß ich zu eurer zeit erwachen mußte, Der ich die pracht der treverstadt gekannt, Da sie den rühm der schwester roma teilte ...
Die Frühlingssonne liegt veraoldend auf den gestürzten Säulchen des neu aufgegrabenen Mi- thrastempels, und die edlen Profile des geborstenen Altars schimmern weiß aus dem braunen Erdreich. Altar der Sonne . . . tausend Jahr begraben! . . . Und vor den Trümmern ihres Tempelchens sitzt dort die Muttergöttin Aveta mit dem Fruchtkorb auf dem Schoß — doch ihr fehlt das Haupt . . .
Da tönt das Angelus von „Liebfrauen", und es lockt mit jenem Klang, von Jugend auf gewohnt, hinein in der Slrdjcn ehrwürdige Nacht. Die Heiligen am Portal Unserer Lieben Frauen lächeln mir zu ... So mögen Königinnen gelächelt haben in Sainte Chapelle an der Seine bei Notre Dame ... Und dann weht es kühl aus der Spitzbogenrunde des edelsten gotischen Zentralbaus. Abendsonne in den Fenstern, purpurn, saphiren, golden und von jenem unirdischen Grün, das die Himmelswiesen darstellt in alten Glasbildern. Kerzenschimmer flackert im Schatten drüben vor einem Altäre . . . Beter knien. Bilder sehn dich an . . . Fremdling, du, mit dem faustischen Drange . . .
Höher steigt das Sonnengold dort an den Pfeiler, dort an der Säule . . . Und plötzlich ist's dir, als spränge eine magische Pforte: ein anderes Jahrtausend tut sich aus. Ruht dort nicht einer aus Rilkes Sippe, oder einer, aufgestanden vom Gast- mahl des Piccolomini? —
Halbaufgerichtet, im Waffenrock und Priestermantel, dazu Wallensteinerstiefel, zierlich das Bärl-
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Göerheffen)
Noch das Beste, was man für sie erhofft, wäre ein Gleichgewicht mit der Rechten; ein wohlbekannter Zustand, dessen Ergebnis adauernde Kabinettskrisen sind. Die radikale Partei weiß weder aus noch ein, die eine Hälfte wünscht das Wahlkartell mit der Linken aufrechtzuerhalten, die andere sympathisiert wieder mit der gemäßigten Rechten.
Es ist bemerkenswert, wie lebhaft jetzt das Problem der kommunistischen Agitation erörtert wird. Die Dritte Internationale soll jetzt Frankreich zum Hauptbetätigungsfeld gewählt haben.
I und sie erreicht auch lokale Erfolge. Die große Aktion der Regierung gegen die Kommunisten dauert nicht mehr an, besonders der Innenminister Sarraut hält sich neuerdings sehr zurück. Das bedeutet noch nicht, daß man der kommunistischen Gefahr gegenüber untätig bleibt, aber der Kampf gegen die Kommunisten hat seine politische Schlagkraft einge- büßt. Man beschränkt sich auf administrative Maßnahmen. Wie man sieht, scheinen also all die politischen Schlagworte der Regierung ihre Wirkung verloren zu haben.
Die chinesische Agrarrevolution
Don Dr. Günter Keifer.
Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Es heißt die chinesische Devolution völlig verckennen, wenn man annimmt, es handle sich hier um eine rein nationale Revolution gegen den fremden „Imperialismus" und seine „ungleichen Verträge" und gegen seine chinesischen Verteidiger, die Generäle und Militärgouver- neure des Rordens. Die tieferen wirtschaftlichsoziologischen Quellen der Bewegung, denen sie allein ihren Elan verdankt, erkennt man, wenn man beachtet, daß das Programm der Kuomintang, der „Volkspartei", in der sogenannten Theorie des „Samenismus" die untrennbare Einheit folgender drei Ziele postuliert: Befreiung Chinas von der Herrschaft des Imperialismus und seiner Werkzeuge, md Einigung zu einem freien Rationalstaat; — Beseitigung der Militärdiktaturen und unbebin' e Demokratie; — Enteignung und Reuverteilung des Bodens und Verstaatlichung der großen Unternehme n. In der Tat laufen mit der nationalen Revolution vorläufig noch aufs engste verschlungen drei weitere revolutionäre Bewegungen Hand in Hand: eine bürgerliche Revolution gegen Autokratie und Reste des Feudalismus; eine proletarische Revolution gegen die fürchterliche frühkapitalistische Ausbeutung der Massen der armen Kulis und der durch den europäischen Import verelendeten Handwerker, bzw. vor allem ihrer Frauen und Kinder in den modernen chinesischen Fabriken und Verkehrsanlagen; vor allem aber eine agrarischeRevo- lution, ein Bauernaufstand. Diese letzte Quelle der revolutionären Bewegung wird bei uns viel zu wenig beachtet und gewürdigt, während andererseits die Russen nach dem Scheitern ihrer Spekulationen mit der proletarischen Revolution auf diesen in Sturm geratenden „bäuerlichen Ozean", der 80 bis 90 Prozent der Bevölkerung Chinas ausmacht, ihre ganze Hoffnung seyen. Es erscheint daher angebracht, die Ursachen dieser Dauernbewegung, soweit das bei dem Fehlen zuverlässiger, vor allem statistischer Unterlagen mögllch ist, aufzudecken.
Agrarrevolutionen sind für China höchst gewöhnliche Erscheinungen; sie finden sich im Verlauf der chinesischen Reichsgeschichte periodisch im Abstand von einigen Jahrhunderten, und zwar zumeist als Begleiterscheinungen politischen Verfalls. Die Ursache ist naturgemäß immer die Verelendung der Bauernschaft, die in früheren Fällen, wie heute, dem furchtbaren Steuerdruck seitens der Provinz- und Mllitärgouver- neure zu verdanken ist. Diese finb seit je in der Festsetzung der Grundsteuerhöhe völlig souverän und treiben die Leistungen der Dauern natürlich vor allem in Kriegs- und Revolutionszeiten ins Ungemessene. Ihre volle Scharfe erhielt diese alte Bäuernnot nun im heutigen Falle durch die unaufhörliche Zerstückelung des Bodens im Verlauf der letzten zwei Iahrhunderte; sind doch seit dem Iahre 1700 in China über 300 Millionen Menschen auf ein und demselben Acker- boben neu untergebracht worden. Daher kommt es, daß heute vermutlich ca. die Hälfte aller Bauern nur Parzellen bis zu 1,2 Hektar und ein weiteres Viertel nur Gütchen bis zu 2,4 Hektar bewirtschaften. Die wenigen Großbauemgüter, die sich daneben erhalten haben, und vollends der
chen an Lippe und Kinn und auf das Knie ein aufgeblättertes Buch gestützt — so ruht in Bronze Karl von Metternich hier auf seinem schwarzen Marmorsarkophag. Und vor ihm — teuflische Tollheit am heiligen Ort! — tanzt mit dem Füllhorn. dieser Welt ein nackter Bube.
Gewiß ist er dem Tempel der Heilmutter Aveta entwichen, der tolldreiste Kleine: denn dort sand man solche Bübchen, Weihgaben besorgter Eltern, süß und nackt, der Göttin dargebracht zum Heile des leibhastigen Treverer-Kindes, des Blut nun vielleicht urerblich in der kleinen Kvmmunikantin kreist, die dort zur holdlächelnden Mutter Gottes betet . . .
Und inmitten der gotischen Halle sehe ich plötzlich Aveta vor mir sitzen, die gallische Heilgöttin mit dem abgeschlagenen Haupt, und ihre steinerne Hand streut lebendige Blüten auf die kalten Fliesen . . . und Metternich blickt von seinem Buche auf zu ihr hinüber. . .
Und nun hat sie das Haupt einer der Königinnen draußen vom Portal Unserer Lieben Frauen . . . Gießt da nicht der nackte Bube von Metternichs Sarkophag sein Füllhorn aus zu Füßen der Göttin? —
Das letzte Sonnengold ist verblichen. Blaue Schatten wallen um die Pfeiler. Die Kerzen schwelen .. . Blickt da nicht eine der Masken wilder Eifeljäger, närrische Steinmasken, vom Kyllburger Eifel-Dom, um die Ecke? — Was klingt mir in den Ohren:
„Göttinnen thronen hehr in Einsamkeit, Um sie kein Ort, noch weniger eine Zeit; Bon ihnen sprechen ist Verlegenheit.
Die Mütter sind es! . . ."
Die Schlüssel rasseln draußen an der Pforte.
„Schaudert's dich?"
Tief atmend wanke ich hinaus, am Dom vorüber.
„Die Mütter! Die Mütter! — 's klingt so wunderlich!"
Der Platz liegt öde. Um das tausendjährige Marktkreuz dort vorn spielt der Mondschein. Dahinter ragt ein gotisches Gasthaus, darin speiste Johann Wolfgang Goethe 1792. Ein Grund einzutreten.
„Serriger Vogelsang", Neunzehnhunderteinundzwanziger, soll mir in der Kehle zwitschern ... Ich mag den Metternich nicht mehr vor mir sehen . . . Fort, ihr Buben!
Ah, wie das ins Blut flieht!
Großgrundbesitz, wie er sich in der Mandschurei und sonstigen halbkolonialen Bezirken findet,«bildet unter solchen Umständen leicht einen dauernden Anreiz zu sozialem Mißmut und Empörung.
Dazu kommt, daß die Einbeziehung der chinesischen Wirtschaft in die kapitalistische Weltwirtschaft die für den bäuerlichen Haushalt oft lebenswichtige Hausindustrie (vor allem Seiden-, Stroh- und Bambusverarbeitung) bedroht. Zugleich nimmt der Lebensmittelimport aus Indien und Amerika, durch den minimalen von den ausländischen Mächten kontrollierten Seezoll unbehindert, und durch den billigen Seetransport begünstigt, den durch hohe Transportkosten und Inlandzölle (Linkin) belasteten Waren des chinesischen Binnenlandbauern den Markt gerade in den günstigsten Absatzgebieten weg.
Entscheidend für die heutige Rotlage und damit Hauptansahpunkt der Dauernrevolution ist aber der Umstand, daß der- Heine überteuerte Parzellenbauer mit Rotwendigkeit immer tiefer in die Abhängigkeit feines dörflichen oder städti-i schen Händlers gerät, der ihm die Ernte bevorschußt bzw. verpfändet. Der Geldverleiher, den man — bei einem Minimalzinsfuß von 3 Proz. per Monat — richtiger als Wucherer bezeichnet, steckt dabei den Hauptertrag selbst ein. Da Händler und Wucherer zumeist eine Person sind, so pflegt das letzte Ergebnis dieser Entwicklung das zu sein, daß -der Dauer Haus und Hof an den Händler-Wucherer verliert, um es in Pacht zu unsagbar strengen Bedingungen — sehr häufig Halbpacht, d. h. Abgabe der halben Ernte in Ratura — zurückzuerhalten. So sollen heute 50 Prozent der chinesischen Bauern nur noch Pächter fein, und man versteht, daß das doppelte Ioch von Steuer und Pacht und die daraus rasch folgende neue Derschuldungi diese Schicht in ein namenloses Elend reißen muß, das durch die allen Elendsklassen anhaftende Reigung zu Glückspiel und Rauschgiftgenuß (Opium), die die Militärmachthaber noch dazu wegen der damit verbundenen hohen Steuereinnahmen eifrig fördern, weiter verschärft wird. Die Zerrüttung des Bauernstandes resultiert dann im Verein mit den Kriegen in einem Verfall der für die chinesische Landwirtschaft lebenswichtigen Bewäs serungs Anlagen und -Organisationen, sowie der Dammbauten, wodurch in einem Circulus vitiosus Dürre, Hungersnot und Aeberschwemmung die Verelendung auf den Gipfel treiben.
Politisch gesehen kommt hierzu noch daß die uralte dörfliche Selbstverwaltung in den Händen einer Art Dorfbourgeoisie, einer „Gentry" aus den Großbauern und Händler-Verpächtern, liegt. Auf die Dauer muß dieser Zustand, zumal er in Llnruhzeiten Machtmißbräuche begünstigt, auch von den an der lieber!ieserung hängenden einfachen Chinesen als unleidlich empfunden werden.
Gegen diese Dreiheit: die Steuer erpressenden Militärmachthaber, den mittelalterlichen und urchinesischen Kapitalismus der Händler, Wucherer und Verpächter und die Dorfaristokratie der Gentry richtet sich der Stoß der aufrührerischen Dauern. Zunächst äußerte sich die Bewegung ganz chaotisch und icnpolitisch als Landflucht, als Bettler-, Räuber -und Banditenwesen, dann entstanden ebenfalls nach uraltem
Ein Büchlein hat mir der Freund, der Musikus, zugesteckl. gestern um Mitternacht, bei demselben „Serringer 2 ageigcsang". Nun schlag' ich's auf ...
„Trierische Hügel beherrschte Dionysos, aber der Bischof
Dionysius trieb ihn und die Seinen herab;
Christlich lagerten sich Bacchanten-Scharen im Tale;
Hinter die Mauern versteckt, üben sie alten Gebrauch."
Johann Wolfgang, Wahrtraumdeuter du! Dir dies Glas! Und Metternich, dir, reisiger Domherr! Und: Evoe Dionyse! ...
Wenn unsre Fischer Glück haben ..
Von Dr. Iohannes K l e i n p a u l.
Dermaleinst, in der „guten allen Zeit", bedang sich das Gesinde in seinen M.etverträgen aus, nicht mehr als zweimal in der Woche mit Lachsfleisch gefüttert zu wer. en. lind im Iahre 1871 wu,rde an die auf dem Gracauer Anger bei Magdeburg unie.gebrachten französisi' en Kr egs- gefangenen Storfleisch um 2 Groschen das Pfund verkauft. Damals hatte man dort an einem Tage vierzig große Fische dieser Art gefangen und wußte sie nicht besser zu verwerten.
lins Heutigen Hingt dergleichen wie Sage und Märchen. Aber auch jetzt werden bisweilen reiche Lachssänge vorn Riederrhein gemeldet, während im Stromgebiet der Elbe der Lachs und gar erst der Stör eine Seltenheit geworden ist; aber ab und zu gehen da und dort den Fischern doch immer noch wahre Riefenfische ins Garn.
Was nennt der Fischer einen respektablen Fisch? Für einen Rapsen gelten 70 Zentimeter als anständiges Ducchschnittsmah; Zander und Flußkarpfen erreichen nur se.ten diese Länge. Für einen Hecht gelten 80 Zentimeter als Regel und ein Meier für einen Aal und Lachs, während Stör und Wels dreimal so lang werden. Ein solcher Mels wird seine fünf Zentner schwer, und Plinius berichtet von den Welsen des Mains, daß sie mit Ochsengespannen aus dem Wasser gezogen wurden. Lachse bringen es bis auf 40 Pfund; Hechte auf nahezu ebensoviel; der größte Hecht, von dem die Geschichte meldet, 37,5 Pfund schwer, wurde im Iahre 1707 unterhalb Dresdens erbeutet.
Ein nahezu ebenso schwerer 35pfündiger Hecht ist — in seiner stattlichen Länge von fünf Ellen —
Sreitag, 26. August 1927
chinesischen Brauch Geheimgesellschaften und Schwurbünde, so die bekannten „Roten Lanzen" (auch Rotspeerbünde genannt), und neuerdings haben die Kuomintang und ihre russischen Instrukteure versucht, die Bewegung aufzufangen und in ihre Dahnen zu [enten. Sie haben Auf- klärungskomitees in die Dörfer geschickt, Dors- sowjets errichtet, Provinzbauernbünde organisiert — so soll der Dauernbund der Provinz Kwantung 4000 Ortsgruppen mit 700 000 Mitgliedern zählen — und Dauernwehren geschaffen, die sehr bald in Kampf mit von der Gentry errichteten Milizen, dem „Mintuangs" gerieten. Man hat zusammen mit diesen Bauernbünden ein Agrarprogramm aufgestellt und vor allem die Herabsetzung des Pachtzinses um 25 Prozent zunächst einmal von Kanton aus dekretiert. Tschiang Kai Schek, den man häufig als Vertreter des chinesischen kapitalistischen Bürgertums bezeichnet, scheint bemüht gewesen zu sein, die Bewegung aufzuhalten. Demgegenüber suchten die Russen als Gegenmaßnahme mit allen Mitteln die 'Hankauregierung zu einer Radikalisierung ihres Agrarprogramms und zu engstem Paktieren mit den Bauernbünden zu bewegen.
Roch befindet sich die ganze Dauernbewegung in unllaren Ansätzen, aber für das zukünftige Gesicht Chinas ist es entscheidend, ob sie, wie es mit unteren Bauernaufständen und Kriegen im 15. und 16. Iahrhundert geschah, an ihrer mittelalterlichen Chaotik und Primitivität zerschellen wird, oder ob sie, sei es mit Hilfe der sich eifrigst darum bewerbenden Russen und bei jungen Proletariats, fei es, was zu hoffen ist, aus eigener Kraft den Weg zu einer grundsätzlichen sozialen Reform der Ägraroerhältnisse bahnen wird. Denn diese ist allein in der Gage, China der großen inneren Markt zu eröffnen, den es zu seinem Aufstieg braucht.
Buntes Allerlei.
Wildwest bei Berlin.
Die Romantik ist trotz des realen Zuges der Zeit noch nicht ausgestorben. Sie treibt, wenn auch versteckter als ehedem, nach wie vor ihre Blüten. Am schönsten und unverdorbensten aber finden wir sie auch heute noch in den Kreisen der Pennbrüder, der Landstreicher und der Verbrecher. Erst kürzlich konnte die Polizei wieder einmal eine Räuberhöhle im wahrsten Sinne des Wortes entdecken, die noch vor ganz kurzer Zeit als Llnterschlupf und Magazin für nachtscheues Gesindel gedient hatte. Sie enthielt alles, was man sich nach den Vorstellungen aus den Abenteuern Robinsons nur wünschen kann. Die Höhle hat die Ausmaße eines großen Wohnzimmers, die Wände sind sorgfältig versteift. Das Dach ist aus dünnen Baumstämmen gebildet und mit Gras belegt. Das Eingangsloch war mit einem Kistendeckel verstellt, so daß es nicht zu sehen war. In der Höhle waren mehrere Lagerstätten aus Heidekraut hergerichtet. Sogar eine Beleuchtungsanlage in Gestalt einer Stallaterne wurde gefunden. Cinbruchswerkzeug aller Art, Schlingen und großkalibrige Waffen vervollständigten das Inventar. Da die Höhle seit Tagen nicht bewohnt war, kann man nur annehmen, daß es sich um eine Art Weckendhütte der Pennbrüder handelt, die von den „Sorgen des Alltages" sich um eine Art Weekendhütte der Pennbrüder Kräfte für ihr „Tagewerk" sammelten Man nimmt auch an, daß die Höhle einer berüchtigten Einbrecherbande, die lange Zeit in der Gegend von Birkenwerder bei Berlin ihr üln- wesen trieb, als Unterschlupf gedient hat.
(Eine Schreckensnacht in den Alpen.
Eins der gefährlichsten Alpendramen, die sich in den letzten Iahren abgespielt haben, ereignete sich kürzlich bei einer Besteigung des „Pierre Caboh", eines überaus schwierigen Felsgipfels in den Alpen oberhalb des Rhone-Tals. Ein holländischer Beamter des Völkerbundes Dr. van Waise de Bordes unternahm mit einem bekannten Führer von Gryon, Francois K v h l y, den Aufstieg. Die Spitze selbst ist so steil und bietet so wenig festen Halt, daß sie barfuß bezwungen werden muh. Bei dieser Erllimmung
im Rathause zu Heilbronn abgebildet, und ein beigefügtes Gedicht vermeldet seine noch viel längere — Geschichte. Gr wurde nämlich im Iahre 1230, wohl schon als stattliches Tier, von „Friederico dem Andern" in den Böcklinger See gesetzt und im Iahre 1497 wieder herausgefischt und Kaiser Maximilian zu Füßen gelegt. Beweis dafür ein hinter feinen Kiemen gefundener Messingring mit griechischen Schriftzeichen und erstgenannter Jahreszahl; er wurde sonach etwa zehnmal sovie.'e Iahre alt, als er Pfunde wog. Richt der einzige Fischriese, dem man ein Denkmal setzte. In der Greifswalder Marienkirche wurde im Iahre 1545 das Bild eines „Bluts- kopfs" aufgehängt, wie man dort die Welse bezeichnete, die man anderswo „deutsche Walfische" nannte. Im Rhein bringen diese mitunter bis in den Oberlauf vor; beispielsweise wurden im Jahre 1688' ihrer mehrere bei Bakel gefunden und im Juni 1918 einer sogar im Starnberger See erbeutet; er wog 80 Psund und brachte dem glücklichen Fischer einen Erlös von weit über 500 Mark.
Zu derselben Zeit wurde bei Wien, nachdem sich das Hochwasser verlausen, ein 42 Pfund schwerer Spiegelkarpfen aus der Donau gezogen. Er maß von der Kopf- bis zur Schwanzflossen- spihe 102 Zentimeter und war 47 Zentimeter hoch und war Wohl von allen seinen Artgenossen der schwerste und größte, während das bis dahin von einem andern galt, der zwei Jahre vorher aus dem Zugersee gefischt wurde; von 92 Zentimeter Länge, 75 Zentimeter Brustumfang und 35 Pfund Gewicht. Leider war er prall mit Rogen gefüllt, nach dessen Entfernung er immer noch 22 Pfund wog. Ein Gipsabguß dieses kaltblütigen Riesen wird im Zuger Fischere-Museum aufl enahrt; ein Prachtstück mit 40 Schuppen in der Mittelreihe, von denen die größte einem Fünffrankenstück in Silber gleichkommt.
Begreiflicherweise ist es -nicht immer leicht, derartige Deutetiere in Sicherheit zu bringen. Schon mancher Seeadler, der sich mit seinen Krallen in ihrem Panzer verfing, wurde von ihnen in die Tiefe gezogen. Desser kommt ihnen der Fischotter bei, doch nicht immer zu seinem Heil. Im Frühjahre 1918 brachte ein Thüringer Fischpächler einen 20 Pfund schweren Hecht mit heim, und gleichzeitig einen Fischotter, den ec erschlug, gerade, als der vor seinen Augen den Fisch ans Ufer zog.


