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Nr. M Zweites Statt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen) Freitag. 26. August 1921

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Der deutsch-französische Handelsvertrag.

Der zwischen Deutschland und Frank­reich abgeschlossene Handelsvertrag, der nach schwierigen Verhandlungen am 17. August in Paris unterzeichnet und von uns in seinen Grundlinien bereits veröffentlicht worden ist, wird jetzt imReichsanzeiger" bekanntgegeben. Sn der durch das neue deutsche-französische Handels­abkommen vereinbarten L i st e B sind die Mini- mal-Sähe eines neuen französischen Zolltarif es festgelegt. Diese Minimal-Sähe kommen vom 6. September an Deutschland zugute und stellen es damit in eine Linie mit denjenigen Ländern, die bereits in Frankreich den Minimal- Tarif genossen und die nunmehr auch die neuen erhöhten Minimal-Sätze der Liste B zu bezahlen haben. Diese Liste B umsaht etwa 75 Prozent des deutschen E x p o r t i n t e r e s s e s nach Frankreich, während der neue Handelsver­trag etwa 85 bis 90 P r oz en t des gesamten deutschen Cxportinteresses. gegen­über Frankreich deckt. Frankreich wird in diesen Tagen seinen neuen Zolltarif durch eine Verordnung der Regierung, die dazu besonders ermächtigt ist, erlassen, und die Minimal-Sähe dieses Zolltarifs bilden die in der Liste B des deutsch-französischen Handelsvertrages enthalte­nen Sähe. Die Folge wird sein, das) Frank­reich mit einer ganzen Reihe von Staaten neue Handelsvertragsverhandlungen füh­ren muh, bei denen weitere Listen B aufgestellt werden. Für alle diese Listen B gilt das jetzige mit Deutschland festgelegte Riveau, dessen Sätze gebunden sind, und das im einzelnen nur mit Zustimmung Deutschlands erhöht wer­den kann. Die ganzen Verhandlungen, die Frank­reich zu führen hat, werden ein langsames auto­matisches Hineinwachsen Deutsch­lands in die Meistbegünstigung zur Folge haben, da alle von jetzt ab von Frankreich anderen Staaten gewährten Zugeständnisse auch Deutschland zufalleir. Die Liste B deckt zunächst fast den gesamten Bereich der drei grohen deut­schen Exportindustrien, nämlich des M a schinenbaues, derChemie und der Elek­trotechnik. Weiter umfaht sie die ganze Op­tik, das Glas, Porzellan und Fayen­cen. Befriedigende Sähe sind vereinbart für das grohe Gebiet der Papiererzeugung und der Papierverarbeitung. Auch für die Lederindustrie ist es gelungen, Sähe auf der Liste B zu verein­baren, die allerdings eine nicht unbeträchtliche Höhe erreichen. Annehmbare Ergebnisse wurden für grohe Teile der Kleinindustrie, für Uhren und Pforzheimer Waren erzielt. Von einzelnen Ge­biete seien noch genannt: das Linoleum, die Industrie der Filze und der Posamenten, end­lich auch die Industrie der Fittings.

Eine Reihe von Waren ist auf die L i st e A gekommen, d. h. für sie gelten die Minimal- Sähe des alten französischen Tarifs. Hier sind zu nennen in erster Linie die Gebiete des Holzes und der Holzwaren, Musikinstrumente, zahlreiche chemische und Textil-Erzeugnisse. Die Liste A wird vorläufig bleiben und enthält wie die Liste B gebundene Sätze. Wenn Frankreich neue Tarifierungen der in der Liste 4 vorhan­denen Waren vornimmt, fallen auch die Minimal- Tarife der neuen Tarifierung Deutschland zu, und Frankreich darf über die bisherigen Sätze nur mit Zustimmung Deutschlands hinausgehen.

Auf die L i st e C, d. h. zu Zwischensätzen, sind ausgenommen u. a. die Schuhwaren und die Halbfabrikate und fertige Erzeugnisse aus Zinn, Zink und Nickel, während für die entsprechenden Erzeugnisse aus Kupfer und Aluminium annehm­bare Sätze auf Liste B vereinbart sind. Auf Liste C befinden sich ferner Textilerzeugnisse, soweit diese nicht auf die Liste A ausgenommen sind, ferner feuerfeste Erzeugnisse und eine Reihe von Stählen und Blechen. Die Liste C enthält meistens Fälle, wo eine Anwendung der Liste B nicht möglich war. Auch ihre Sätze sind gebunden. Für die Erzeugnisse der deutschen Landwirtschaft ist im we­sentlichen mit der Liste A der gegenwärtige Mini- mal-Tarif zugestanden worden.

Die deutschen Gegenlei st ungen bestehen im wesentlichen in Z o l l b i n d u n g e n , die sich über den ganzen Bereich des deutschen Tarifs er­strecken, und in Z o l l h e r a b s e tz u n g e n , die in erster Linie die drei großen Textilgebiete der Baum­

wolle, Wolle und Seide, dann aber auch Neben­gebiete wie Porzellan, Glas usw. treffen. Die Sätze für Seidengewebe sind im Durchschnitt um etwa 15 Prozent gegenüber den niedrigsten mit der Schweiz vereinbarten Sätzen gesenkt worden. Auf dem Baumwollgebiete sind Garne um etwa 1 Reichsmark gegenüber den Sätzen der Schweiz ermäßigt worden, was keinen allzu großen Ein­bruch in das deutsche Zollniveau bedeutet. Größer ist er dagegen bei Baumwollgeweben, deren Sätze von 95 auf 82 Reichsmark gesenkt worden sind, für elsaß-lothringische Gewebe auf 70 Reichsmark, so daß sich für die elsaß-lothringische Textilindustrie die Aussicht auf ein nicht unbeträchtliches Geschäft mit Deutschland ergibt. Die stärkste Herabsetzung haben die Sätze für französische Wollgebilde erfah­ren, woran Elsaß-Lothringen und Nordfrankreichs Textilindustrie ein besonderes Interesse haben. Die

Seitens einzelner französischer Industrien werden natürlich starke Widerstände gegen das Abkommen zutage treten, und die Mehrheit, auf die die fran­zösische Regierung in der Kammer rechnet, wird nicht überwältigend sein.

Der R e i ch s r a t erklärte sich in feiner öffent­lichen Vollsitzung vom Donnerstagnachmittag damit einverstanden, daß der deutsch-französische Handelsvertrag vorläufig in Kraft tritt. Gegen den Vertrag stimmte nur He s s e n, und zwar mit Rücksicht auf seinen Weinbau.

Die neuen 8ttuerrahmengesetze.

Der Text der Entwürfe der neuen Steuerrahmengesetze liegt nun vor. Das Reichskabinett hat ihnen jetzt zugestimmt. Die

Der neueire R-ßna«

Liesset MU nimmt morgen im Gießener Anzeiger seinen Anfang unter der Überschrift

Zwischen UZE und sieben

Dieses letzte Werk der bekannten Schriftstellerin wird der Leserschaft des Gießener Anzeigers sicher nicht weniger gut gefallen als ihr Liebens­würdiger Theaterroman LranziskaE der vor zwei Zähren so beifällig aus­genommen wurde.

Neubesteller erhalten den Gießener Anzeiger bis Anfang September kostenlos. Man bestelle sofort in Gießen bei der Gefchästsstelle oder bei den Trägerinnen, auswärts bei den örtlichen Vertriebsstellen oder bei den Postanstalten.

Sätze für leichtere Wollgewebe liegen etwa ,30 bis 50 Prozent über denen der Vorkriegszeit. Außer­dem sind zwei Expositionen für Cheviots und Musse- line vorhanden. Es muß zugegeben werden, daß der sächsisch-thüringischen Wollindustrie eine nicht unerhebliche Konkurrenz der französischen erwachsen wird.

Auf Grund des nunmehr vorliegenden genauen Wortlauts des deutsch-französischen Handelsabkom­mens erkennt man, daß die Hauptkonzes­sionen Deutschlands auf dem Textilge­biete liegen. Dafür ist von Frankreich Deutschland die Meistbegünstigung zu­gestanden worden, und Deutschland kann mit Frank­reich auf weite Sicht und auf dem Boden der Gleichberechtigung Geschäfte machen. Die Wirkungen des Abkommens werden sich selbstver­ständlich erst nach einem halben Jahre zeigen können. Die Bedeutung der Liste B liegt vor allem darin, daß ihre Sätze einen 40= bis 50prozentigen Abschlag gegenüber dem bekannten französischen Kammerentwurf eines neuen Zolltarifs bedeuten.

Rahmengesetze sind ihrerseits nochmals in einen Rahmen gestellt worden, der die Bezeichnung trägt:Entwurf eines Gesetzes über die Verein­heitlichung des Steuerrechts (Steuervereinheit- lichungsgeseh)". Das Gesetz enthält nur zwei Paragraphen. Im ersten sind die vier Anlagen aufgezählt, und zwar das Grundsteuerrahmen­gesetz, das Gewerbesteuerrahmengeseh, das Ge­bäudeentschuldungsgesetz und das Gesetz über die Vereinheitlichung des Verfahrens in Steuersachen und über die Anpassung der Reichssteuergesehe (Steuerairpassungsgeseh). Eine Begründung ist dem Gesetzestext einstweilen nicht bcigegeben wor­den. Es soll sich hierbei um eine sehr ausführ­liche Druckschrift handeln, die auch wohl Auf­schluß darüber geben wird, warum die ursprüng­lichen Absichten des Reichssinanzministeriums nicht in vollem Umfang verwirklicht werden konn­ten. Den größten Umfang nimmt das Steuer- anpafsungsgesetz an. Hier werden die Aende- rungen aufgeführt, die auf Grund der Rahmen­gesetze notwendig werden.

Gemischtes Doppelspiel.

Erzählung von Werner S ch e f f.

Um Rudolf Kayser drehte sich der Platz mit seinem rotbraunen Boden, den weißen Limen, dem Retz, den langgestreckten, von Menschen dicht- besetzten Bankreihen zu beiden Seiten und mit den drei Spielern, die, wie er, schon fast P/e Stun­den in glühender Sonnenhitze den Schläger hand­habten.

Man war den Fünfundvierzig zu nahe, um die körperliche Anstrengung nicht zu spüren; der Jugend aber nicht so weit entrückt, um das seelisch Erregende dieses Kampfes nicht zu emp­finden. Die reizende kleine Osbeck lieh einen zudem im Stich. Diese zahllosen Doppelfehler beim Ausschlag, der sonst ihre Stärke war. dieses fast plumpe Hochspielen der meisten Bälle, die der Russe dort drüben lächelnd zurückschmetterte, so kraftvoll, so aut placiert, daß keine Rettung mehr war! Rudolf Kayser fühlte sich gedemütigt, nicht nur innerlich blamiert, sondern auch äußerlich. Und Marga spielte neben diesem Abenteurer, wie er Draguteff heimlich nannte, besser als je zuvor. Zum erstenmal hatte man das Ehepaar Kayser getrennt, weil die beiden zusammen kaum zu schlagen waren, und nun kam dieser Russe oaher, gradwegs von der Riviera, wo er Fran­zosen und Engländer im schwersten Kampfe nieder­gerungen hatte, und mit ihm gemeinsam schien Frau Marga erst zu zeigen, daß sie noch immer die beste Spielerin des Landes war.

Die kleine Osbeck wurde immer nervöser, je mehr sich der dritte Sah dem für sie und Rudolf Kayser unheilvollen Ende näherte. Ihr Partner suchte sie auszuschalten. Wahrscheinlich hatte sie in ihrer Che neues Unglück erfahren. Warum auch mutzte sie gerade den leichtsinnigsten von allen heiraten: Reinhold von Osbeck. Ge­wiß: er betrog sie. er hatte ihre Mitgift am Spieltisch durchgebracht, er quälte sie und ließ alle wissen, daß er sich auch in der Ehe seine Freiheit gewahrt habe. Aber darum brauchte man doch nicht so viel Bälle ins Retz zu jagen,

nicht so oft an der ungünstigsten Stelle zu stehen und den weihen Ball vergeblich in letzter Se­kunde zu erhaschen suchen. Sonst spielte sie so sicher, so verläßlich. Und gerade heute war sie Rudolf Kayser keine Stühe, wo er selbst die Rerven verlor.

Fedor Draguteff," ging es ihm durch den Sinn, während er den verderblich geschnittenen Aufschlag-des Gegners erwartete.Fedor Dra­guteff. was für ein Schuft bist du! Seit vier­zehn Tagen kennst du meine Frau, meine aller­dings um siebzehn Jahre hinter meinem Alter hertänzelnde junge Frau, warst mehrmals Gast in meinem Hause, hast dort unseren Jungen ge­sehen, an dem wir beide hängen, Marga und ich, hast mir beim Wein und beim Sekt in diesen Tagen oft versichert, daß du freundschaftliche Gefühle für mich empfindest, und nun must ich gerate zwei Minuten vor Beginn der Schluß­runde in der Iackentafche meiner Frau diesen Brief finden!"

Flugs ... da kam der Ball daher. Spielen konnte der Kerl. Kaum zu nehmen, so scharf, so knapp an der Mittellinie. Aber gottlob, man war auch nicht ohne Grund jahrelang Meister, man gab ebenso zurück. Aber dann schlug Draguteff den Ball dorthin, wo er Dora von Osbeck wußte, tat es sicherlich mit schlauer Berechnung, und sie vergab die Chance, drosch ins Out!

Fedor Draguteff," sagte sich Rudolf Kayser wiederum, diesmal mit noch mehr Ingrimm, ist es nicht närrisch, daß ich dir hier gegenüber­stehe. daß ich überhaupt noch zu diesem Schluh- spiel angetreten bin, anstatt zu erklären: gegen einen Mann von der Art dieses russischen Hoch­staplers hebe ich kein Racket, fonbern nur die Pistole oder ... die Hundepeitsche! Ist es nicht reinster Wahnwitz, Ausgeburt verrücktesten sport­lichen Anstandes, daß ich unsere Affäre so lange ruhen lasse, bis du deinen Willen hast und ich auch hier besiegt bin, so wie du mich gestern un Einzelspiel geschlagen hast! Bin ich ein sar- matischer Lump wie du oder ein übertrieben emp­findlicher, feinnerviger Europäer, daß ich sogar

daran denke, dich und Marga ungehindert eurer Wege ziehen zu lassen! Ich weiß es nicht mehr, Fedor Draguteff, aber ich weiß, daß du auf dem Zettel, den ich vorhin in der Jacke meiner Frau entdeckte, meine Marga deine ge- liebtefte, angebetete Göttin genannt hast! Eine Geschmacklosigkeit an und für sich, aber offenbar der wirksamste Köder für die Frauen, die keine Grenze ihrer Eitelkeit kennen und immer an­gebetet fein wollen."

Hnö wieder der Ball. Gottlob, diesmal ging der Erste des Aufschlags ins Reh, der Zweite ist sanfter, sanft wie das Lüftchen, das heute weht, und keine Kühlung bringt. Rudolf Kayser schlägt zu. der Russe bekommt den Ball unvorbereitet an die linke Seite, der Punkt ist ge­rettet. Der Linparteüsche sagt:Fünfzehn beide!"

Fort mit den dummen Gedanken, so will sich Rudolf Kayser bezwingen. Er weiß, jetzt geht es auf Biegen oder Brechen. Im Spiel zuerst, nachher im Leben! Den ersten Sah hat er mit feiner Partnerin verhältnismäßig leicht an sich gebracht, len zweiten haben Marga und der Fremde gewonnen und um den dritten kämpfen sie schon lange. Zehn Spiele hat Rudolf Kayser gebucht, elf die Gegner. Der Matchball naht. Man muh sich zusammenraffen. Kaum möglich bei diesem Spiel der Osbeck. Schon wieder ein Fehler, ein hoher Ball, den Draguteff am Retz erwischt. Dreißig zu fünfzehn. Gleich darauf ein Aufschlag des Russen, den sogar er, Rudolf Kayser, nicht mehr zurückgibt. Das Spiel scheint verloren. Damit die Partie.

Wie schrieb der frühere zaristische Ritt­meister an Marga? Ihr Zug ginge gegen lOUtjr. Waren sie also schon so weit? Lind in ein Land wollte er sie bringen, wo es nur Farbe und Freude gab? Abgedroschene Phrase! Roman­haft, aber wohl noch immer zugkräftig. Lind fie sollte unbedingt im Abschiedsbrief an ihren Mann mit keinem Wort das Ziel der Reise verraten.

Wenn diese Komödie vorbei ist, schlage ich ihn vor all diesen Reugierigen nieder," mur­melte Rudolf Kayser in sich hinein.

Die wichtigsten Aenderungen beziehen sich aus das Finanzausgleichsgeseh vom 27. A p r i I 1 9 2 6 und das Gesetz vom 9. April 1927. Hier werden die Realsteuerii (die Grundsteuer und die Gewerbesteuer) ausdrücklich als Landes- steuern bezeichnet, die lediglich nach Maßgabe der Rahmengesetze erhoben werden können. Die Grundsteuer (und zwar die Anteile von Ländern und Gemeinden) sollen nur unter gewissen Er­schwerungen über den Sah von 100 Steuer­einheiten erhöht werden. Von 100 bis 125 Steuereinheiten müssen die Gemeindebehörden die DertrelUngen der Wirtschaftszweige zuvor gut­achtlich anhören. Bei Erhebung von mehr als 125 Steuereinheiten ist die Genehmigung der Landesregierung einzuho.e.r. Für Beträge zwi­schen 125 und 140 Steuereinhe.lcn kann eine von der Landesregierung besonders bestellte Behörde die Genehmigung erteilen. Wichtig ist auch die Bestimmung, wonach eine Gemeinde stets dann zur Einholung der Genehmigung der Landes­regierung verpflichtet sein soll, wenn der Vor­anschlag, dem der Beschluß zugrunde liegt, das um 20 v. H. gekürzte Aufkcmrncn in Rechnung per 1926 übersteigt. Für die Gewerbeertragssteuer gelten diese für die Grundsteuer festgesetzten Be­stimmungen in entsprechender Weise. 2).c Kapi­tal» und Lohnsummensteuer darf nur dann über, den Satz von ICO Steuereinheiten erhöht werden, wenn die Gewerbeertragssteuer mit mindestens 100 Steuereinheiten erhoben wird. Das Auf­kommen aus der Gebäudcentschuldungssteuer soll zur Deckung des allgemeinen Finanzbedarss der Länder um) Gemeinden, zur anderen Hälfte zur Förderung der Bautätigkeit dienen.

Der Entwurf wird zweifellos starke Kritiken Hervorrufen. Er wird den Reichsrat erst im September beschäftigen.

Oberhessen.

Landkreis Gietzen.

ck. Heuchelheim, 26. Aug. Tödlich verunglückt ist gestern abcnb um 1/26 Lkhr der bei der Firma Berken Hof und Tre bus in Kinzenbach (frühere Ziegelei) beschäftigte Schlosser O. Reuschling von hier. Der im 26. Lebensjahr stehende Mann war allein in einer Werkstatt mit autogenischen Schwerstarbeiten beschäftigt. Beim Schweißen eines eiser­nen Kessels explodierte dieser auf noch unaufgeklärte Weise; der mit aller Wucht hoch- gefchleuderte schwere Deckel riß dem Llnglück- ti d) en d i e Hirnschale weg, so daß der Tod auf der Stelle eintrat.

* Klein-Linden, 26. Aug. Die in der jüngsten Gemeinderatssihung aufgetauchten Be­denken gegen die Abhaltung der Kirmes in diesem Jahr wegen Steuerrückständen sind be­seitigt. Die Steuerangelegenheit ist erledigt, so daß die Kirmes in unserem Orte wie all­jährlich stattfinden wird.

Q] ß o 11 a r, 25. Aug. Eine erfreulich günstige Geschäftslage zeigen gegenwärtig die hie­sigen Betriebe. Insbesondere trifft dies für den größten Betrieb, die Buderusschen Eisen­werke, zu. Während dieses Werk tm Jahre 1924 seine Belegschaft bis auf 600 Mann ver­ringern muhte, ermöglichten es die Geschaftsauf* träge des letzten Jahres, daß dauernd Reuein­stellungen von Arbeitskräften vorgenommen wer­den konnten. Es werden heute rund 1700 Arbeiter beschäftigt. Die dadurch bedingte Steigerung der Produktion wirkt sich ebenso günstig auf den Eisenbahnverkehr aus. Die Verladestellen der beiden Abteilungen des Werks, der Kessel- und der Radiatorenfabrik, arbeiten mit voller Ausnutzung; die erstgenannte Abteilung hat feit 8 Sagen noch eine zweite Ladekolonne eingestellt, fo daß die eine Kolonne von 6 bis 15 Llhr, die andere von 15 bis 24 Llhr den Verladebetrieb vornimmt. Der Versand an Gütern ist entsprechend groß, wie auch ein ebenso großer Empfang von Rohmaterialien, wie ins­besondere Roheisen, Koks und Formsand (Rhein- und Mainsand), bedingt ist. Cs kommen im Tagesdurchschnitt etwa 180 bis 190 Tonnen La­dungsgut und 25 Tonnen Stückgut zum Ver­sand, während der Eingang an Materialien sich auf etwa 350 Tonnen beziffert. Weniger günstig ist die S t e i n i n d u st r i e beschäftigt. Der Daustersche Steinbruch am Loklarer Kopf mit Klopfwert liegt feit Wochen wegen Fehlens von Aufträgen still. Die hier zur Entlassung ge­kommenen Arbeitskräfte haben fast durchweg in

Er sieht böse über das Retz hinweg, wo sich Fedor Draguteff anschickt, den entscheidenden Ball abzusenden. Ein schöner Kerl, gewiß! Ein schlanker, muskulöser Körper, ein sympathisches, von der Sonne des Südens gebräuntes Gesicht, beinah russisch-gutmütig! Lind doch einer solchen Gemeinheit fähig: spricht von Freundschaft und nimmt einem die Frau weg.

Dann ist das Ende da. Den Ausschlag kann Rudolf Kayser wohl noch parieren, aber schon hat Marga den Ball bis an die Grundlinie zurückgeschickt, wo ihn Dora von Osbeck schlecht nimmt. Wieder ins Retz!

Der Schiedsrichter verkündet den Ausgang des Spiels, man klatscht, man erhebt sich. Marga und der Russe treten vor. Die Frau reicht dem Gatten lächelnd die Hand. Er berührt sie flüch­tig, weicht ihrem Blick aus. Draguteff und die Osbeck schütteln sich die Hände und lachen seli- sam gezwungen. Dann streckt sich die Rechte Draguteffs Rudolf Kayser entgegen.

Darum keine Feindschaft," sagt er mit einem tiefen, natürlichen Lachen. Rudolf dreht sich auf der Ferse herum, übersieht die Hand.

Man hat es bemerkt. Die Rächst steh end en stutzen. Marga fährt zusammen, die kleine blonde Osbeck erschrickt. Aber Rudolf Kayser geht un­bekümmert davon, wirft das helle Tuch um de» Hals und verschwindet in der Richtung nach dem Klubhaus.

Ich bin ein Feigling," sagte er sich eine Stunde später,ober ich besitze zuviel Kultur."

Er hat sich schnell umgetleibet. Lind als ihn der Strahl der kalten Dusche traf, ging die große Veränderung in ihm vor. Er wurde hart, oder vielleicht auch weich: jedenfalls beschloß er, sich meßt durch den Skandal zu rächen, Draguteff nicht zu züchtigen, wie et es verdiente, Marga nicht blotzzustellen, wie er es zuerst beabsichtigt hatte. Mit aliebem hätte er sich selbst zu schwer getroffen. Er wollte klüger sein: Marga sollte ihre Strafe in dem finden, was sie an der Seite dieses Ruhelosen erwartete. Denn wo4 erzählt«