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Der fünfte Derhandlungstag.
Rauhe im ve ß der Zeuge nichts Zur Eharak- terificrung ter Persönlichkeit Heinz' sagt Zeuge, Heinz habe in einer „Stahlhelm"-Versammlung in Magdeburg laut einem Bericht an die Polizei eine Bede gehalten, in der er gesagt habe, nun nach der Amnestie über die Diltmar-Beftei- ung könne er tHeinzj bekennen, daß er unmittelbar aktiv an der Diltmar-Dcfreiung mitgewirkt habe. Angell. Heinz erklärte hierzu, dah er viele Aeußerung in der eben mitgetnl'en Form nicht getan habe- er habe gesagt, Offiziere seiner früheren Brigade Ehrhard Hütten Dittmar befreit. Zeuge Klinke erklärt aus Befragen durch Rechtsanwalt Sch link, dah er selbst die Worte Heinz' nicht gehört habe, diese ihm vielmehr nur durch einen Dertrauensmann berichtet worden seien.
Zeuge Kriminaliomm i ar Maslak - Berlin vermag nichts Hngünstiges über den Zeugen Schmidt anzugeben, jedoch ha» er die Glaubwürdigkeit des Schmidt -..Halosckuh" nicht leibet nachgeprüft Zeuge hat im Auf.rage des Berliner Polizeipräsidiums, das vom firan,futter Polizeipräsidium darum ersucht wurde. nach Wagner Rachforschungen angestellt und dabei auch Schwing im Buhbacher Hntersuchungs- gechngniS besucht, wöbe- er Schwing nahezu völ iq zusammengebrvchen vor'and.
Zeuge Regierungsassessor Dr. Schmidt vom Polizeipräsidium Berlin Üuhert sich über S ch m i d t - .H a l b s ch u h" und sagt u. a.: Heber Schmidt haben wir sosort Erhebungen angestellt, da er mehrere Ramen sührtc. Es ergab sich dabei nichts Ungünstiges. Schmidt ist bann häufiger von uns vernommen worden und hat dort Angaben gemacht, die uns manchmal recht verworren klangen. Wesentliche Teile der Angaben Schmidt- Haben sich dann im Landsberger Prozeh al- richtig erwiesen. Es liegen bei uns mehrere Zeugnisse übet Schmidt vor. die günstig lauteten. Kokaingenuh in einem oder in zwei Fällen hat Schmidt zugegeben, jedoch bestritt er. Kokainist zu sein. Bei polizeilichen Rachforschunaen über das Leben Schmidts haben die Ermittelungen nichts Rachteiliges ergeben Heber das Motiv seines Handelns hat Schmidt etwaS verklausuliert gesagt, nach deni Pannicr-Prozeß sei er empört gewesen, dah Führer sreigesprochen und die au-führenden Mannschaften zum Tode verurteilt würden: durch seine Aufklärungen wolle er (Schmidt) bewirken, dah seine Kameraden nicht als gemeine Mörder vor der Oesfentlichkeit daständen und auch in den Genuß einer Amnestie kämen. Ich habe nicht den Eindruck gehabt, daß Schmidt daraus ausging. für seine Angaben Geld zu erlangen. Gr hat an uns in dieser Richtung auch keine Ansorde- rungen gestellt, wir haben ihm aus eigenem Ermessen Erfaß seiner Hnkosten gewährt. Bon einem Verkauf des Feme-Materials Schmidts an den Reichskommissar kann ich aus eigenen Wahrnehmungen nicht- sagen. Seinen LeoenS- unterhalt hat Schmidt u. W. im wesentlichen auschriststellerischer Arbeit bestritten, wir haben jedoch etwas ganz Bestimmtes nicht feststellen können. ES ist mir bekannt, daß Schmidt sich der Mithilfe bei der Flucht FahlbufchS usw. bezichtigt hat.
Zeuge Iustizfetretär Ranft- Gießen bestätigt. dah die Protokoll-Riederschrift des Landgerichtsrats Keller so aut wie ganz den Angaben Schwing - entspricht, der das Protokoll selbst diktiert habe, Was in dem Protokoll auf Grund der Aussage Schwings enthalten lei. entspreche der Wahrheit. Auch das Protokoll über die Vernehmung deS Dr Klotz entspreche der Wahrheit da Dr. Kl oh nach seiner Erinnerung seine Angaben selbst diktiert habe. Bei der Feststellung der Protokolle sei korrekt ver- fobren worden.
Zeuge Weiher- Gießen deznchnel Schmidt als Phantasten. Don feinen Erzählungen müsse man 90 Prozent abziehen, und den restlichen 10 Prozent müsse man mit Mißt rauen geacn- überfteben Die Erzählungen Schmidt- yabe et (Zeuge) nicht geglaubt Heber Salomon äußert sich der Zeuge günstig
Zeuge Kapitünleutnant a. D Kauter, jetzt In Offenbach wohnhaft, lagt aus. unter .Feme" fei niemals mehr zu verstehen gewesen als eine Einschüchterung und Drohung. Mord fei nicht in Betracht gekommen .Unbedingter Gehorsam" sei nur für den Fall gefordert worden, daß bei inneren Unruhen und flfo.en den erwarteten vierte.: polnischen Aufstand das Regiment zur militärischen Abwehr aufgerufen werden mußte. Sic Entwürfe der Satzungen feien lediglich Entwürfe geblieben, aber nie in Kraft getreten Der Staats- yerichtshof zum Schutze der Republik hat da» bestätigt
Zeuge Kaufmann Schröder - Aßlar stellt Salomon, mit dem er in Oberfchlefien zusammen war. daS beste Zeugnis auS.
Angell Schwing läßt nun durch feinen Verteidiger erklären, er könne den Verhandlungen nicht mehr folgen. Es tritt eine Pause ein, in der der Angeklagte von dem Sachverständigen. Medizinalral Dr. 6 < r i b a . untersucht wird. Während dieser Pause berät der Gerichtshof über die vor! elenden Beweivanträge des Staatsanwalts und der Verteidigung
Staatsanwalt Weidemann bemerkt, be- vor sich das Gericht zur Beratung zurückzieht, er feinerfeits lege kein Gewicht auf die Anhörung des von der Verteidigung benannten Zeugen für die oben wiedergegebene gestrige Aeuherung des Zeugen Schmidt-„Halbfchuh". Auf derartiges Geschwätz gebe er nichts, im Saale seien sicherlich eine ganze Anzahl Personen, die ihm (dem Staatsanwaft)'noch mehr wünschten.
Rach Wiederaufnahme der Sitzung teilt der Vorsitzende mit, daß die Beweisan- träge abgelehnt sind. Der Sachverständige erklärt, Schwing sei in seinem Krästezustand so geschwächt, daß er den Verhandlungen wohl nicht mehr folgen könne. Gr sei aber noch in der Lage, der Vorlesung von Hrkunden beizuwohnen, jedoch müsse man davon absehen. die Sachverstgntig ngulachten jetzt vor- zutragen. Daraus werden Hrkunden aus dem Prozeß gegen die Rathenaumörder verlesen. Die Verlesung weiterer Beweisstücke wird gegen 2 Hhr auf Montag früh verschoben und hieraus die Sitzung für heute aufgebober. Weitervcrhand- lung am Montag
Der Vorsitzende erklärt, ei wolle den Prozeß unter allen Hmftänben b i s Dienstagabend zu Ende bringen. Hiernach dürfte die H r- teilSverkündung am Dienstagabend zu erwarten sein. e
Im Anschluß an unseren gestrigen Bericht fei noch mitgeteilt, daß Staatsanwalt Weide- mann zu den Anträgen der Verteidigung über die Hntcrrebungen des Staatsanwalt- mit den Angeklagten und deren Angehörigen eine Erklärung dahin abgab. daß er dabei In loyaler Weise und im Rahmen seiner Befugnisse vorgegangen sei. Eine Deeinflussung habe ihm fern- gelegen und fei auch in keiner Weife geschehen. Die Verteidigung bemerfte hierauf, daß sie sich mit dieser Erklärung deS Staatsanwalt- befriedigt gebe. RA. ßütgebrune sagte namens des Angeklagten ».Salomon, daß dieser an der Tatsache oer Huterrebung des Staatsanwalts mit Frau v. Salomon, der Mutter des Angeklagten, nichts auszusetzen habe. Die Verteidigung zog dann die gegen die Unterredungen des Staat-anwalks gerichteten Bewei-anträge zurück.
vierter lag.
®ieben, 25. März 1927.
Die Nachmittayssihung.
Kurz nach 31/, Hhr wird die Rachmittags- fitzung eröffnet und die Zeugenvernehmung sor.gcführt. Zeuge Kapitänleutnant a. D Dietrich spricht sich lobend über Kem und Salomon auS. die er beide im Marinedienst fennengelernt hat. Zeuge Student Brandt- Kiel teilt mit, Kern habe ihm von der Rau- tzeirner Sache erzählt und habet gesagt. eS sei einer von der Dittrnar-Defreiung. der den Mund nicht richtig gehalten habe, verhauen worden, unter der Einwirkung des Alkohol- sei die Sache nur etwas schlimmer geworden, als beabsichtigt war. Zum Glück sei von Salomon dabei gewesen und habe ihn (Kern) vom Schlimmsten abge- halten. Zeuge hatte den Eindruck, daß Kern die Sache bedauerte. Ausgeschlossen fei es. daß Kern sich von Hein» habe beeinflussen lassen. Zeuge Wende- Kiel kann über die Beziehungen twi- schen Kern und Salomon so gut wie nichts sagen. Hebet Kern äußert er sich in bester Weise. Zeuge Syndikus Kloy- Frankfurt erklärt — und legt das in Einzelheiten dar — er fei bei feiner Vernehmung von dem Hnterfuchungs- richtet. Landg.-richtsrat Keller« Gießen, unerhört beeinflußt worden. 3m weiteren Verkaufe feiner eingehenden Vernehmung nimmt der Zeuge feine Aeuherungen gegen den Unter» suchungsrichter bis auf einen Punkt jedoch wieder futüd. Der Vorsitzende stellt nach der gründ- ichen Prüfung der Dinge fest, dah das Protokoll von dem HnterfuchungSrichter in allen Teilen sorgfältig bearbeitet wurde. Zeuge Ohl- Rüdes- heim stellt v. Salomon ein gute- Zeugnis aus. Eine lange Reihe weiterer Zeugen bringt nichts Reue» zur Sache vor. Der Staatsanwalt verzichtet auf einige Zeugen, ebenso die Verteidigung.
Degen 6 Hhr wird die Sitzung abgebrochen. Weiletverhandlung Samstagvormittag.
Fünfter Tag
Gießen, 26. März.
Die Verhandlung wird um 8$/< Hhr fortgesetzt.
RA. S ch 1 i n k stellt zunächst einen neuen BeweiSantrag zur Kennzeichnung des Verhalten- deS Zeugen S ch m i d 1 - ..H a l b s ch u h". Dieser habe gestern auf die Frage nach dem wahrscheinlichen AuSgang des Prozesse- zu einem vom Verteidiger genannten Herrn gesagt: .Wissen Sie. wer die meiste Strafe verdient, das ist der Staatsanwalt, der müßte auf 2 bis 3 Jahre ins Gefängnis." Das Gericht wird über tiefen Antrag beschließen.
Hieraus gibt der Hntersuchungsrichter. Land- gerichtsrat Keller, eine örfläning gegenüber den gestrigen Bemerkungen des Zeugen Dr. Klotz ab. Der Untersuchungsrichter betont in seinen Ausführungen, daß bei dem Zustandekommen des Protokoll- in vollkommen einwandfreier Weise verfahren worden fei und daß in keinem Punkt Grund zu Beanstandungen bestehe UebriaenS habe ja der Zeuge Klotz den größten Teil seine- Protokoll- selber diktiert. Um Anschluß daran wird noch Über verschiedene Einzelheiten der Voruntersuchung gesprochen.
Kriminalsekretär Sieber- Frankfurt gibt Auskunft über die Vernehmung der Angeklagten »>nd die Protokollierung der dabei gemachten Feststellungen. Weiler verbreitet sich der Zeuge über die politische Tätigkeit des Heinz. Betastende Schlußfolgerungen daraus für den Rauheimer Fall kann der Zeuge nicht ziehen.
Zeuge Kriminalkommissar Klinke von der Landeskriminalpolizei Magdeburg sogt auS über die Verhaftung des Heinz. Von der Sache in
Der Gießener Femeprozeß.
Weitere Ieugenaussagen. - Eine unglaubliche Aeuherung Schmidt-,,Halbschuhs
Eingesandt.
t Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber (einerlei T«* . i'oirnng
Jlodmat» die Bäumr am früheren Garnisonlazarett
Dem Verfasser des .Eingesandt" in Rr. 70 deS .(Siebener Anzeigers" vom 24. März d IS mag es in seiner Besorgnis um die .Vaumriesen am früheren ®arni(onla*arctf zur Beruhigung dienen daß im wesentlichen nur Airei vor dem Haupteingang stehende Bäume beseitigt werden mußten, weil sie einen Teil der Institutsräume so stark beschatten daß die daselbst auszuführen- ben Arbeiten wie z B mikroskopische Untersuchungen. beeinträchtigt werden.
Es bleibt somit immer noch schattenspendendes »Grün' in der Braugasse übrig, das ausreichend ist. da- schöne Straßenbild vor einer Verunzierung durch den .geschmacklosen Olcit- bau" zu schützen
Vielleicht sieht sich der Einsender den Reubau. der übrigen- dte Braugatse gar nicht berührt, einmal von der Oft anluge an.
Wenn er ihn dann auch noch für . geschmacklos" hält, bann wollen wir mit ihm über .Geschmack nicht weiter streiten unb ihm auch seinen Glauben an die .Baubureaukratie" nicht verkümmern. B
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Sonntag, den 27. März Lätare
Gießen. Stadtkirche. 9* Pfarrvikar Hertel 11: Kinderkirche f. d. MatthäuSgm. Pfarrvikar Hertel. 6: Pfr. Becker. Beichte und heilige- Abendmahl für Matthäus- u. Markusgemeinde. Mittwoch, den 30. März, abend- 6; 5. PassionSandacht. Pfr. Becker - IohanneSkirche. 9' Pfr BechtolSheimer. 11: Kinderkirche f. die Lukasgem. Pfr. BechtolSheimer. 2: Vorstellung und Prüfung der Konsirmanden (Knaben) d. LukaSgm Pfr. BechtolSheimer. 6: Pfr. Ausfeld. Sich. 7.10: StistSdechant Lenz. 7,1: Kindergottesdienst. 2: StiftSpfarrer Schorlemmer. Mittwoch 8: Passionsandacht. - Watzenborn- Garbenteich. Watzenborn-Steinberg ■ ,10 Konsir- mandenprüfung. 77, Passtonsgottesdienst. Garbenteich: 1 Konsirmandenprusung. - Kirchberg. 10. Saubringen: 17,. Mainzlar: 17,. Wir-ieck. Rur Abendgottesdienst 7'/,:Pfarrasi.Schultheis, Gießen.
Katholisch« Gemeinden.
Gießen. Samstag, den 26. März 47, u.7 Deichte Sonntag, den 27. März. Vierter Fasten-Sonntag.
6‘ , Beichte. 7 Messe, Rom. der Frauen, 8 Rom.. 9 Hochamt m. Pr»d., 11 Meße m. Pred., 57, Ehristen- lehre und Andacht. Dienstag und Freitag abends 67, ist Fastenandacht. Donnerstag 6 ist Beichtgele- genhelt. Freitag 67, ist Segensamt. - Grünberg. 9' Meße m. Predigt. — Hungen 97, Hochamt m. Predigt- - Sich. 7', Messe mit Predigt.
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