Ausgabe 
26.2.1927
 
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Gute gerichteten Einfluß schädigt. 3n Treue Ihr W. W."

Der Mann, der so dachte, lieh es über die Lusitania" nicht zum Kriege kommen. Dar­über zerriß das alte Freundschaftsband Wilson- Page.

Grey und Page sprachen einmal über den Typ des Bindestrich-Amerikaners. Sie meinten den Deutschamerikaner. Sie kannten eben den zum Amerikaner gewordenen Deutschen so wenig wie den Deutschen, der in der Heimat geblieben. Eines Mannes Porträt haben sie aber - gegen ihre Absicht - - getreulich gezeichnet. Das Por­trät des Binde st ri ch- Amerikaners Walter H. Page. Der Briefwechsel zwischen Wilson und Page hat diesem Gemälde noch viele starke Lichter aufgesetzt. R.

Verkehr, Reklame, Kunst und Psychotechnik.

Unter diesem Titel hatte die Stadt Braun­schweig im Januar eine Werbepf hcholo- gische Woche veranstaltet. Der zufällige Aus­gangspunkt war ein ursprünglich für sich allein ausgeschriebener Wettbewerb um ein künstleri- sches Werbeplakat für die Stadt Braun­schweig. Es fanden sich dann die Reichszentrale für deutsche Verkehrswerbung, der Verband deut­scher Reklamesachleute, der Bund deutscher Ge- brauchsgraphiker, das Pfychotechnische Institut der Technischen Hochschule in Braunschweig zusammen, um an der Lösung des Problems der modernen Reklame überhaupt, das durch den Wettbewerb aufgerollt worden war, mirzuarbeiten. Damit wuchs man in Braunschweig über den ursprüng­lichen Rahmen weit hinaus. Man beschränkte sich nicht auf den Plakatwettbewerb oder auf eine Belebung des örtlichen Geschäftslebens, son­dern ging neue Wege, steckte sich ein höheres Ziel. Von der Tatsache ausgehend, daß der m o - derne Geschäftsmann ohne Reklame nicht mehr austommen kann, weite Kreise aber dem, was Reklame heute bedeutet, noch vollkommen verständnislos gegenüberstehen, hat Braunschweig versucht, Grundlage und Ziele der Werbung durch erste Redner auf ihrem Fach­gebiet darlegen, und die Wöge, die zum Ziele führen sollen, aufzeichnen zu lassen.

Wie ein roter Faden zog sich durch alle Reden der Grundsatz hindurch: Jede Reklame muß als Grundlage zwei Dinge in sich schließen, Sachlichkeit und Wahrhaftigkeit. Ist Reklame auf irgendeinemfaulen Zauber" aus- gebaut, so verkehrt sich die Werbung über kurz oder lang ins Gegenteil. Richt umsonst ist deshalb Wahrheit in der Reklame von den englischen und amerikanischen Reklamefachleuten jetzt offiziell zur Parole ihrer Berufsverbände gemacht worden. Das Ziel, welches eine gute Werbung vor Augen haben muh, ist ein mehrfaches. Cs ist durchaus nicht dadurch begrenzt, Kunden (ganz gleichgültig, ob es sich um Geschäfts- oder Der- kehrswerbung handelt) zu werben. Sie bedeutet auch Dien st am Kunden. Der Kunde, oder nennen wir es das kaufende Publikum, will wissen, was er Reues auf demGeschäftsmarkt" gibt. Das Publikum hat ein Anrecht darauf, stets auf dem Laufenden gehalten zu werden durch Mitteilungen der Geschäftsleute in erster Linie in den Zeitungen, ferner in Zeitschriften oder Katalogen u. dgl. Einzelne unserer großen deutschen Häuser haben diesen Dienst am Kunden außerordentlich ausgebaut. Die Reklame hat aber noch ein drittes Ziel, nämlich den Geschmack -des Publikums zu beeinflussen und zu bil» den. Immer mehr wehren sich deshalb die wirk­lichen Reklamefachleute gegen die Scheußlich­keiten, die leider noch immer reichlich genug auftauchen. Wie erzieherisch und befruchtend die Reklame auf dem künstlerischen Gebiet sein kann, hat unsere deutsche Plakatkunst zu Beginn dieses Jahrhunderts erwiesen, deren glänzende Leistun­gen den guten Geschmack bis weit über Deutsch­lands Grenzen hinaus förderten.

Der Weg, der zu diesen Zielen führt, geht über die P s y ch o t e ch n i k. Die seelische Ein­stellung des Publikums, seine Aufnahmefähigkeit, -der Interessentenkreis, der durch die Werbung erfaßt werden soll, muh studiert werden. Dem Deutschen muh man eine andere Werbung bieten, als dem Amerikaner, dem Handarbeiter eine

andere, als dem geistigen Arbeiter, der Frau eine andere, als dem Manne usw.

Grundlagen, Wege und Ziele der Reklame wurden in der Derbewoche in Braunschweig auf eine praktische Weise, nämlich durch die Aus­stellung, und auf eine theoretische Weise, durch die zahlreichen Vorträge gezeigt.

Die Ausstellung war reich und viel- fettig beschickt worden. Die Plakate. Werbe­schriften, Führer und andere Werbegegenstände füllten sechs große Räume des Braunschweiger Museums. Der erste Raum war den nieder­sächsischen Städten eingeräumt, dann folgten Süd­deutschland. das Rheinland und das übrige Deutschland. Bemerkenswert war besonders die Auslandwerbung der Reichszentrale für Der- tehrswerbung. Ein ganz hervorragendes Mate­rial war in der Ausstellung vorhanden, wodurch manchem Besucher erst ein Licht über die Lei­stungen dieses Instituts aufgegangen fein mag. Ferner war Baden aut vertreten, ebenso aber auch Hessen-Kgssel. Erwähnt seien dann noch die Schiffahrtsgesellschaften und die deutsche Lufthansa. Raturgemäh war Braunschweig stark beteiligt. Im sog. Schulmuseum waren, die Ent- würfe zum Plakatwettbewerb aufgehängt. lieber 470 Entwürfe waren eingegangen. an denen man die Grundsätze des modernen Plakatstils und die Verstöße gegen ihn studieren konnte.

Es ist an dieser Stelle unmöglich, über jeden einzelnen der guten Vorträge zu berichten. Die Hauptstichworte sollen aber doch wenigstens angeführt werden. 1. Reklame als internatio­nales Werbemittel. 2. Reklame als lokales Werbemittel. 3. Reklame und Publikum. 4. Re­klame und Kunst. 5. Reklame und Verkehr. Unter diesen Titeln wurden je zwei Vorträge gehalten und je ein Abend war einem Titel gewidmet.

Zusammen mit der Werbe-Woche wurde ein Lehrgang fürKommunale Wirt- f ch a f f* abgehalten als Auhenkursus des Deut­schen Instituts für wirtschaftliche Arbeit in der öffentlichen Verwaltung. Reben verschiedenen Be­sichtigungen vorbildlicher Betriebe und kauf­männischer Bureaus wurden Vorträge gehalten über die Rationalisierung der kommunalen Be­triebe und Dureauorganisatton, psychotechnische Eignungsprüfung und Berufsberatung, Pshcho- technik im Bureaubetrieb, Städtebau und Ver­kehr, Verkehrsregelung und Verkehrswerbung.

Alles in attem: Braunschweig kann einen vollen Erfolg durch seine Werbe-Woche für sich buchen.

Genossenschaftsbank für Hessen-Nassau.

WSR. Wiesbaden, 25. Jebr. Gestern fand hier unter außerordentlich starker Beteili­gung die 3 3. Generalversammlung der Genossenschaftsbank für Hessen- Rassau statt, in der auch die im nördlichen Teile des Regierungsbezirks, hauptsächlich in der Wetzlarer Gegend, gegen die Zentralver­waltung in Wiesbaden erhobenen schweren Vorwürfe ausgiebig zur Sprache kamen. Der Verbandsdirektor P e t i t j e a n , der übrigens mitteilte, daß et im Laufe dieses Jahres aus seinem Amte ausscheiden werde, er­stattete dem Jahresbericht und äußerte sich ein­gehend über die gegen die Leitung erhobenen Vorwürfe. Er wies nach, daß die in der Oeffent- lichkeit aufgestellten Behauptungen von Direk­torengehältern in Höhe von 50000 und 40 000 Mart unrichtig seien. Sein Gehalt betrage 30 000 Mark, das des Direktors Marx 24 000 Mark: letzteres werde mit dessen Einver­ständnis auf 18 000 Mk. reduziert. Das Unter» nehmen habe sich im letzten Jahre sehr gut entwickelt und sei durchaus gesund. Der Vorwurf der Bilanzverschleierung sei durchaus unberechtigt. Leider sei infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Lage die Erzielung eines Ge­winnes in diesem Jahre unmöglich gewesen. Der entstandene V e r l u st stehe buchmäßig noch nicht lfest, werde aber voraussichtlich den Betrag von 180 000 Mk. nicht überschreiten. Ein eittspre- chender Sanierungsplan, in dem haupt­sächlich der Abbau des Lagerhaus­wesens vorgesehen sei, werde vorbereitet. Der Verlust, der der Bank durch die Manipulationen eines Weinhändlers in Hohe von 60 000 Mk. er­wachsen fei, konnte wieder ausgeglichen werden. 3n der Debatte wurden von den Rednern den

Rätsel-Ecke.

Silbenrätsel.

Aus den 36 Silben:

a den e em en fe ge

ger ha ib la le ling man me mi mon nau nau now ri ro - ruh sa falz far scheid schlirf sen ftranz tau ter za zc

bilde man 15 Wörter mit folgender Bedeutung: 1. Lied, 2. Stadt in Westfalen: 3. deutscher Dichter: 4. Fluß in der Schweiz: 5. holländischer Seeheld; 6. Bad in Hessen: 7. römischer Staats­mann und Feldherr: 8. Stadt im Unterelf: 9. Hostienschrein: 10. Insettenlarve: 11. erzäh­lendes Gedicht: 12. Stadt in Pommern: 13. nordischer Dramatiker: 14. Erzeugnis der Schläch­terei: 15. Sakrament. Hat man die Wörter richtig gebildet^ ergeben die Anfangsbuchstaben von vorn nach hinten, und Endbuchstaben von hinten nach vorn ein Zitat von Ludwig Gang­hofer.

.aftuniürträtfc«

5

13

Vo

8

Vt_

17

2 6

1. Von links nach rechts: 5. männ­licher Personenname: 6. römischer Kaiser; 8. Gat­tungsbegriff: 9. Fluß in der QHcrL 12. Stadt in Belgien; 14. Genußmittel; 15. Flächenmaß; 16. Frauengestalt aus dem Ribelungenlied; 17. tierisches Produkt; 18. Sumpfvogel; 20. Fluß in Sibirien; 21. Aufbewahrungsraum für Wert­gegenstände; 23. Märchen gestalt; 24. biblische Person; 26. großer Schmerz; 27. Kartenblatt; 29. bergmännische Bezeichnung; 30. Rame eines bekannten Verlegers.

2. Von oben nach unten: 1. Abgesand­ter; 2. große Tür; 3. Rebenfluh der Donau; 4. Lebensgefährtin des Mannes: 5. weiche Speise; 7. männlicher Personenname; 8. Lebenshauch. 10. andere Bezeichnung für Eigentum; 11. Teil des Auges; 13. Göttin der Jugend; 18. weib­licher Personenname; 19. biblische Stadt; 21. Bruchstück; 22. Vogel: 23. Pelzwerk; 25. fran­zösischer Marschall: 26. Fluh in Italien: 28. französische Insel.

Scherz-Bilderrätsel.

Aitatenversteckrätscl.

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1. Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder.

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Kranz rätsel:

Liebeszeichen. Dilderrälsel: Gerechtigkeit ist Weisheit.

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2. Stark ist des Menschen Arm, wenn ihn die Götter stützen.

3. O, hat der Himmel keine Engel mehr?

4. Gehorsam ist des Christen Schmuck.

5. Die Fabel ist der Siebe Heimatwelt.

6. Hoch über der Zeit und dem Raume webt lebendig der höchste Gedanke.

Obigen Zitaten Spitlers entnehme man je em Wort derart, dah die entlehnten Wörter ein weiteres Zitat desselben Dichters ergeben.

Auflösungen.

Silbenrätsel:

1. Kobalt; 2. Erato: 3. Irnich: 4. Relson: 5. Minute; 6. Adjektiv: 7. Raphtha; 8. Reidhart; 9. Grande; 10. Ecuador. 11. Deichsel; 12. Elba: 13. Ichneumon; 14. Heupferd.

Kein Mann gedeiht ohne Vaterland. Anfügungsaufgabe:

Kleid; Arom; Ruhr; Rerz; Elias; Viper; Aar; Lotto.

Karneval.

Rätsel: _ _

Treue Reue

Kreuzworträtsel.

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Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedaktionSttsch.

Der Seehund.

In der .Deutschen Rordsee" erzählt CarlDulcke diese idyllische Geschichte:

Grünes, mövenüberffattertes Land. Gegend zwischen Jörn und Uhl. OheiligeRaturl Die Pferde wiehern, die Wildenten schnattern, die Hunde haben Flöh' und die Mücken beißen. Und der Mensch trinkt Grog.

Die Sprinaflut im Juli hatte einen toten See­hund an den Strand gespült. Dott lag er nun, der tote Seehund, dicht am Deich, und die Leute, die Haus an Haus im Schuhe dieses Deiches wohnten, kamen, besahen stch das verendete Tier und sagten zu einander, daß es ein toter Seehund sei, der dort läge.

Im August lag der tote Seehund noch immer da, und wenn Fremde des Weges kamen, so wuhten sie es zuerst auf einen Kilometer Entfernung, dann auf zwei, daß da im oberen Koog ein toter Seehund läge. O heilige Ratur, der Seehund stank grausam.

3m September traf ich bei Marx Tönnies in der Wirtschaft den alten Herrn Claudius Rissen und trank mit ihm Grog. Herr Claudius Rissen war der Strandpächter.

.Herr Rissen, sagte ich, .Herr Rissen, wie soll das werden mit dem toten Seehund im oberen Koog? Der liegt nun schon drei Monate da und stinkt wie die Pest."

.Tja," sagte Herr Rissen,das wollen wir bald haben. Den holt im Rovembec die Springflut, da­rauf können Sie stch verlasten. Das hat alles feine Ordnung in der Ratur. Tönnies, schall ick nc . ?en Grog hebben?"

Ich bin wieder zu Hause. Ich denke an Sommer und Herbst. Grünes, mövenüberflattertes Land, Gegend zwischen Jörn und Uhl. O heilige Ratur. du riechst nach totem Seehund.

Opposition die gegenwärtigen Gehälter als völlig untragbar für die Genossen­schaft bezeichnet. Für einen von dem Führer der Oppositton, Lehrer Gaß »Dutenhofen, ein- gebrachten Antrag auf Enthebung des Aufsichts­rates von seinem Posten stimmten 167, dagegen 127 Mitglieder. Da satzungsgemaß aber eine Dreiviertelmehrheit erforderlich ist, ist das M i ß-

trauensvotum damit abgelehnt. Auch die beantragte Satzungsänderung verfiel der Ab­lehnung. Die Aitträge des Vorstandes bezüglich der künftigen Zusammensetzung von Vorstand und Aufsichtsrat wurden dagegen mit einer Drei­viertelmehrheit angenommen. Dem Verbands­direktor Petitjean wurde schließlich fast ein­stimmig das Vertrauen am>L svrochen.

WA