Nr. 48 Erster Blatt
tn. Jahrgang
Samstag, 26. Zedruar (927
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Dr Friede Wilh Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh Lange, für .Feuilleton Dr H.IHynot; für den übrigen leil (Ernft Dlumfchein: für den An« .yeigenteil i.Dertr H.Beck, sämtlich in (Biegen.
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Vie französtsche Besatzung im Saargebiet.
Dos weltpolitische Barometer zeigt HoOrruck an. Unerträgliche Spannungen drängen zur Entladung. Fn unüberbrückbarer Schärfe zeichnen sich die dunklen Konturen de* britisch-russischen Gegensatzes am politischen Horizont ab. Mehr und mehr ordnen sich die Reihen. Ein unerhörtes Schachspiel um die Macht in Asien. Täglich nervöser klingen die Berichte aus London, kaltblütig und berechnend setzt Moskau seine Steine. In sich selbst uneinig, den sich überstürzenden Ereignissen in China gegenüber sich hilflos und isoliert fühlend, bläh das britische Kabinett zum Kreuzzug gegen den Bolschewismus, sucht Berbünbctc, warnt, vermittelt, droht: eine fieberhafte Tätigkeit. Alles andere verliert für die britischen Staatsmänner an Interesse. Die ganze Aufmerksamkeit des (Empire ist auf China gerichtet und auf die, die die Briten im fernen Osten, in Borberafien, im Baltikum, kurz überall, wo sie auf Widerstand stoßen, als Drahtzieher empfinden: die Sowjets.
Das find die Auspizien, unter denen nun Ansang März in Genf der Völkerbundsrat zu- lammentreien soll, um Dinge zu beraten, die für Deutschland von Bedeutung sind. Herr Strese- in a n n, des Reiches Außenminister, soll dieser Ratstagung 3u.11 erstenmal präsidieren. Cs wird ihm nicht leicht fallen, für die deutschen Sorgen in Gens das aufmerksame Ohr der andern zu finden. Die haben anderes im .Hopf als Danzig, Ober- Ichlesien, die Saar. Deutschlands Stellung ist schwierig. aber keineswegs hoffnungslos. Auch das entwaffnete Deutschland ist heute keine quantitf nögligeablc mehr, mit der im großen politischen Spiel rrirfft mehr zu rechnen ist. Das Volk der eure- paischen Mitte ist wieder ein Faktor, den man in Ansatz bringen muß. Man sucht es schon wieder. England verlangt klare Entscheidung für die antibolschewistische Einheitsfront, Rußland drängt auf Abkehr vom Völkerbund und den West« möchten. So zwischen Scylla und Cdarybdis fühlt Deutschland mehr denn je den Wunsch nach einer Verständigung mit Frankreich, als deren Frucht es die praktische Revision des Versailler Vertrages zu bergen hofft.
DaS davon bisher eingebracht werden konnte, ist nicht viel. ES war ein zäher Kampf, bis die Feinde von gestern erst wieder aus den Rechtsboden deS Versailler Vertrages zu- rückgeführt waren. Die Räumung der ersten Zone ein 3ahr nach dem vertraglich zugestan- denen Termin, Milderung der Rheinlandordonanzen. Inhibierung der interalliierten Militär- kontrvlle jahrelang nach der tatsächlichen Entwaffnung Deutschlands, daS ist erreicht wor- den, aber alles andere blieb Versprechung, blieb unverbindliche Zusage, die man sogar ungescheut ableugnete, war man erst einmal wieder im trauten Kreise am Quan d'Orsay oder in der Londoner Downing Street. Es ging langsam vorwärts. Schritt vor Schritt, viel zu langsam für die nun bald acht Jahre unter der brutalen Tyrannis fremder Desagungstruppen schmachtenden Rheinländer, kaum merkbar für sie. aber es ging voran, trotz aller Rückschläge, trotz aller Hemmnisse. Das wird man anerkennen müssen, aber zugleich auch fordern, in der energischen Aktivität um die V r.'iuna der Rheinlande nicht nachzulassen, jede M liichkeit auszunuhen, die die weltpolitische Konstellation dec Mächte bietet, um die freie Souveränität über deutsches Land wiederzuerlangen.
Daneben geht die stete Sorge um die deut- bie der Versailler Vertrag aus dem Vaterhaus trieb und dem Schutz des Völkerbundes unterstellte. Wie dieser Schuh ausge- sehen hat. haben sie alle bitter erfahren müssen.
^an^mer, die Oberschlesier, die Saarländer. Der Wunsch ihnen eine bessere Stütze sein zu n b,l?.6cr- war ein Beweggrund für Deutschland, feine Aufnahme in den Völker- Attisch in Genf wird s letzter Instanz über ihr Geschick entschieden.
eberi diesem Ratstisch hat nun auch Deutsch- iGnö Platz genommen, wird Deutschland auf der diesjährigen Märztagung voraussichtlich den Vor- sitz fuhren. Cm Grund mehr, sich noch einmal kurz über den wichtigsten Punkt der großen aus dein Versa.Iler Vertrag entsprungenen Pro- b lernte, he zu vergegenwärtigen, der dort unter Deutschlands Mitwirkung zur Sprache kommen durste. Es ist die Frage des Saargebiets speziell das vertragswidrige Verbleiben französischer Truppen im Saargebiet, eine Frage die durch den Rücktritt des Präsidenten der Regierungskommission des Saargebiets des Kanadiers Stephens und durch den Bericht eben dieser Kommission an den DölkerbundSrat Dieder höchst aktuell geworden ist.
Rach den unerhörten Drangsalen, die die Bevölkerung des Saargebiets unter dem Regime des Franzosen Ra ult, von Februar 1920 bis 2lpril 1926 zu erdulden gehabt hatte, erhofften die Saarländer von dem Wechsel im Präsidium der Regierungskommission eine endliche Besserung fjrer Lage. Sie sahen sich bald bitter enttäuscht.
war gewiß nicht Schuld des neuen Präsi- deuten, dessen Persönlichkeit im Saargebiet großes Bertxauen genoß, und der persönlich auch gewiß elles getan haben mag, um das Los des seiner Obhut unterstellten Landes zu erleichtern. Aber <r war eben nur Vorsitzender einer Kommission, in der neben dem einen Saarländer Kohiüann. ein Franzose, ein Belgier und ein Tscheche sitzen, in der also die frankophile Richtung stets die Oberhand hatte und alle Beschlüsse mühelos im Sinne Frankreichs umbiegen konnte. Der Can-
Englands Kampf im Osten.
Rußsand zur brittschen Rote.
Moskau, 25. Febr. (Russische Tclegraphen- agentur.) Die „3 swestija", das offizielle Organ deS ZentralexckutivkomiteeS der Sowjetunion hebt in ihrem Leitartikel hervor, daß die brittsche Rote das Ziel verfehlt und keinerlei begründete Beschuldigungen enthält, die sowohl die Absendung der Rote wie auch die Drohung mit der Aufhebung des Handelsvertrages und selbst mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen rechttertigen könnten. WaS die Beschuldigungen der Staatsmänner der Sowjetunion anbelange, die zur Weltrevolution auf gef orbert und Erklärungen abgegeben haben sollen, die angeblich Großbritannien schmähen, so habe die Sowjetregierung s i ch niemand gegenüber verpflichtet, irgendeinem ihrer Bürger, einerlei ob es sich um Privatpersonen oder um Regierungsmitglieder handelt, zu verbieten, in Reden die Ucber- jeugung von der nabwendbarkeit der Weltrevolution auszusprechen, soweit diese Reden auf dem Boden der Sowjetunion gehalteii werden. ..Jswestija" führt Stellen aus den Reden Ehur- chillS und Birkenheads an. die eine Reihe von Beschimpfungen und Beleidigungen von Mitgliedern der Sowjetregierung enthalten, und weist darauf hin, gerade die Sowjetunion fei berechtigt, von systematischer Schmähung der Sowjetunion durch englische Staatsmänner zu reden. Falks die Rote ein Zugeständnis an die Sie» Hards darstellen soll, vermag dieser Umstand wohl ihren Ursprung zu erklären, jedoch keineswegs ihre Anwendung zu rechtfertigen.
Die bedrohten Handelsbeziehungen. London, 25. Febr. (WB.) Der Stellvertretende Vorsitzende der amtlichen russischen Handelsorganisation Sorokin sprach heute nachmittag vor Pressevertretern die Ansicht aus, daß die britische Rote an Rußland die bestehenden geschäftlichen Beziehungen zwischen den beiden Landern nicht stören wird, ileber die Möglichkeit eines Abbruches der Beziehungen zwischen den beiden Ländern befragt, sagte er, ct könne nickt sagen, was in diesem Falle geschehen würde, aber was auch gesch^e, die Russen würden ihre Rechnungen bezahlen. Allerdings würde es zweifelhaft fein, ob tm tfalle eines Abbruches der Beziehungen weiterhin britische Waren bestellt werden wurden. Er persönlich halte einen Abbruch nicht für wahrscheinlich. Während des Geschäftsjahres 1926 27 solle Fabrikmaterial und elektrisches Material im Werte von 15 Millionen Pfund Sterling im Auslande bestellt werden. Man würde am liebsten die Bestellungen auch an Gnglanb vergeben, aber die englischen Firmen müßten Rußland Bedingungen gewähren, die nicht schlechter als die Bedingungen seien, die
eS in Deutschland, der Tschechoslowakei. Schweden, Amerika und Oesterreich erhalte. Die Zusammenkunft mit den Pressevertretern war schon vor der Deröfsentlichung der britischen Rote vereinbart.
Englisch-polnische Verhandlungen in Danzig?
Danzig, 25. Febr. (TU.) Die „©aiuigCT Landeszeitung" berichtet, daß in letzter Zeit A n - gehörige deS englischen Generalstabes in Danzig gewesen seien und Der- houdlungen mit polnischen Stellen xur Anbahnung engerer Beziehungen zwischen ■llentrUt England gepflogen hätten, die sich nicht bloß auf Handels- und wirtschaftspolitische fragen bezögen, sondern auch, und vielleicht in erster Linie, aus ein Militärbündnis gerichtet seien. Die Verhandlungen werden damit in Zusammenhang gebracht, daß man die angebliche Entwicklung der deutsch-französischen Beziehungen, wie sie von der englischen Presse in letzter Zeit dargestellt wurde, in England wie auch in Polen nicht mit günstigen Augen betrachte. Auch daS Verhältnis Englands zu Rußland veranlaßten England, den Plan einer großzügigen Einkreisung Sowjetruh- lands zu verfolgen, in dem auch Polen als mitwirkendes Glied gegen Rußland einbezogen werden solle.
Litauens Ziele.
Die Regierungserklärung Woldemaras'.
K 0 w n 0 , 26. Febr. (Wolff.) Die gestern im Sejm abgegebene Erklärung der neuen litauischen Regierung betont, daß das Ziel der litauischen Außenpolitik in erster Linie ein unabhängiges Litauen mit Wilna als Hauptstadt fei. Die Regierung strebe die völlerrecht- lich garantierte Reutralität Litauens an. Die sogenannte KriegSzvne gegen Polen müsse unter eine Art internationaler Verwaltung gestellt und auf diese Weise besonders neutralisiert werden. Die Durchführung eines derartigen Programms werde natürlich längere Zeit erfordern, aber Litauen werde Verhandlungen mit Polen nicht ausweichen. 3m übrigen sei es Grundsatz der Regierung, zu keinem der großen Rachbarn Litauens engere Anlehnung zu suchen. Hinsichtlich der angeblichen Pläne, Litauen als Austausch gegen den Korridor Polen zuzuteilen, sagt die Regierungserklärung, diesen Plänen würde Rußland kaum ruhig zusehen, und da sie zu sehr die Gefahr eines europäischen Krieges in sich bergen, feien sie nicht ernst zu nehmen. Inner- politisch kündigt die Regierung die Rotwendigkeit einer Reihe von Verfassungsänderungen an, die auf Stärkung der Regierungsgewalt und Schwächung des Parlamentseinslusses hin- zielen.
putschgerüchte aus Kowno.
Der russisch-englische Gegensatz in Litauen.
Kowno. 25. Febr. (TU.) Hier find Gerüchte im Umlauf, wonach ein kommunistischer Putsch in Vorbereitung ift; bereits gestern find hier erneut sieben Kommunisten verhaftet worden, bei denen Dokumente gesunden wurden, die auf eine Verbindung .Unabhängiger" litauischer Kommunisten mit einer auswär
tigen Macht deutenk. 3n diesem Zusammenhang gewinnen die scholl seit einigen Tagen vorliegenden Rachrichten y on einer ständigen erhöhten Alarmbereitschaft in den ruffifchen Militärbezirken an der polnischen Grenze erhöht Bedeutung. Diese Maßnahme war von sott'jelrusfischer Seite mit der Rotwendigkeit begründe t worden, schon in dem Augenblick Zuschlägen Nu können, in dem Polen kommunistische Putschttorwände als verstärktes Druckmittel gegen Litauftn auSspiclcn würde. Aus früher schon gcfunbcndi Druckschriften geht hervor. daß Die Kommint ern entschlossen sind, ein von Polen beseheS older auch nur geleitetes Litauen mit allen Mij teln zu verhindern, da ein solches eine D v'r p f l i ch t u n g Polens zugunsten der englischen Pläne bedeuten würde.
Jloröen in zunehmetki
er Zahl eintcessen. In dein
Die Schau tungarmee in Schanghai.
Schanghai, 25. Febr. (Wolfs.) Ischaug- t s 0 l i n . der durch Diel Besetzung Schanghais durch die Schantungtruppou einen wichtigen politischen Trumps in die Hand bekommen Hal. beabsichtigt, demnächst auf dein Wkfte über die Pekinger Regierung eine diplomalipsche Offensive gegen England zu eröffne»' und bas gesamte Problem der Konzessionen auhuijoUen. Tur die internationale Riederlassung in Schanghai dürste eine Regelung verlangt werden, die "flen von den Engländern für hankau gemachten ZHzesländnissen entspricht. Eo werden für die nächste jjeif feine Kämpfe zwischen der Schantungarmee imb den Kanloneftu erwartet. Schwerbewaffnete Iwppenkilc der Schantungarmee haben sich d em englischen Truppen gegenüber, die apßerhalb der internationalen Siedlung Stellung btrogen haben, gelagert. Die britischen Truppen lüilten die Verteidigungslinie außerhalb der GtcnzcLi der internationalen Riebet-
von den britischen I Wappen außerhalb der Niederlassung besetzten (öebid wohnen ungefähr 4000 Ausländer. Auch die italienische und britische Abteilung haben die Stellungen zur Verteidigung der fion- teffionen von Schanghai bezogen. Man erwartet, daß die Rinerifaner unb bie Japaner ebenfalls bald in Stellung gehen Mer den. General Tschang- tsungtschang, <bpr Führer der Schanluug- truppen, hat eine PnN.'lamatiou veröffentlicht, in der er dem Kommuts ismus die Schuld an dem Chaos juN)reibt unb erklärt, er fei entschlossen, ihn auszurolten. Jn der Prokla- mation wirb ber kj mtonesische Oberbefehlshaber Tschangkaischek als ein „millcibslofer Räuber unb als eine brufafc Bestie" bezeichnet. Tausende von Arbeitern veraittlalteten anläßlich bcs 24flün- bigen Streiks eine B unbgebung gegen bie ZusammenzlehU ng britischer Truppen in Schanghai. In ber Eingeborenensladt unb in ber britischen» Konzession wurden abermals antibritische Plakate ungeschlagen. Die Kundgebung verlief ruhig. In Rqnfing streiken die Händler, weil sich bie Schantity.glruppen weigern, für waren Geld zu bezahlen otj.’r wenn sie sie bezahlen, bies in 2H i l i tä r geI b ihm, bas ungefähr nur 70 Prozent feines TlormahtA des hat.
laffung, weil deren Slesitz als unentbehrlich für die Derlei bqgung der Jlicberla : - lang betrachtet wird.. Diese Maßnahme ist aus Er- suchen des ©emeinbdrdfr getroffen worden mit Rücksicht darauf, daß die chinesischen Truppen uon
desrat, der die Interessen der Saarbevöllerung gegenüber dieser landfremden Regierung vertreten sollte, ist nur ein Scheinparlament ohne leben Einfluß auf die Geschicke der von ihm vertretenen Bevölkerung geblieben. Die wirtschaftlichen Röte des Saargebiets haben wir an dieser Stelle früher schon eingehend behandelt, sie haben sich leider auch nach dem 1926 zustande- gekommenen deutsch-faarländischen Wirtschaftsabkommen trotz mancher Erleichterungen tm einzelnen im großen ganzen doch nur wenig gebessert. Zweimal hat das Land die Schrecken einer Währungsinflation durchgemacht und die nicht minder großen Erschütterungen einer Währungsstabilisierung.
Aber am drückendsten wird doch wohl die Fortdauer der französischen Besatzung empfunden. Der Paragraph 30 des Saar- l-atuts (Anlage zu den Artikeln 45 bis 50 des Versailler Vertrags) bestimmt, ,3m Saarbecken- gebiet findet kein Militärdienst statt, weder pflicht- mäßiger noch freiwilliger. — — — Rur eine örtliche Gendarmerie wird zur Auftecht- erhaltung der Ordnung eingerichtet. — — —“ Obtmrhl also das Saarstatut llipp und Har aus- svricht. daß kein Militär im Saargebiet staito- niCTt werden dürfe, sondern lediglich eine örtliche Gendarmerie zu bilden sei, verblieben die französischen Truppen, die nach dem Wassen- stillstand das Land beseht hatten, auch nach dem Inkrafttreten der Versailler Vertrags und nach dem Regierungsantritt der vom Völkerbund als Treuhänder des SaargebietS eingesetzten Regie- Qingskvmmifsion an der Saar. Durch die langen 3ahre _ hindurch hat sich die Reichsregierung, unterstützt von den saarländischen Parteien, in endlosem Rotenwechsel bemüht, den Völkerbunds rat zur Abstellung dieses vertragsw:drigen Zustandes zu veranlassen. Sie betonte, daß die Anwesenheit französischer Truppen über einen Zeitabschnitt, der mehr als ein volles Drittel der für die Gesamt dauer des Sonderregimes für
das Saargebiet vorgesehenen 15 Jahre beträgt, sich in keiner Weise mit dem Charakter des Saargebiets als Abstimmungsgebiet verträgt, da doch Frankreich in hohem Maße an dem Ergebnis der Absttmmung interessiert sei. Fruchtlose Muhe. Der Völkerbundsrat beschloß zwar im März 1925 die Zurückziehung der französischen Truppen und Schaffung einer Saar-Gendarmerie. Aber tatsächlich geschah nichts. Die Errichtung einer Gendarmerietruppe wurde von 3ahr zu 3ahr hinausgefchoben. Die Berichte d:t Regierungskommission klangen wenig vertrauenerweckend. Man wollte eben keine Aenderung und vertagte eine Entscheidung von einer Ratssitzung zur anderen.
Der Kanadier Stephens war schon im 3uni vorigen 3ahres mit seinen Kollegen in der Regierungskommission in Konflikt geraten, weil er den Vorschlägen nicht zustimmen konnte, die auf ein verschleiertes Verbleiben der französischen Truppen abzielten. Die neuen Vorschläge. Die nun vor wenigen Tagen dem Völlerbundssekre- tariat zur Weiterleitung an den Rat zugegangen sind, bezwecken nichts anderes. Man Darf deshalb wohl mit Recht annehmen, daß die Rücktrittsabsichten des Präsidenten Stephens mit diesem neuen Plan zur Verewigung Der französischen Militärherrschaft im Saargebiet im engsten Zu- sammenhang stehen. Die Regierungskommission betrachtet das Saargebiet ausschließlich als Etappe der französischen Rheinarmee und sieht ihre Aufgaben darin, die Aufmarsch- und Zufahrtstraßen für die französischen Truppen am Oberrhein zu sichern, obwohl ein Durchmarschrecht mit der Reutralität des lediglich dem Völkerbund als Treuhänder unterstehenden SaargebietS unvereinbar ist. Damit entfällt auch das Recht Frankreichs, in Saarbrücken wie bisher einen Eisenbahnausschuh zu unterhalten zur Sicherung der Milllärttansporte auf den Saarbahnen. Wenn der Bericht Der Re- gierungskommiffivn weiter vorschlägt, eine inter
nationale Schuht, uppe für die Bahnen zu bilden und zwei toditere Bataillone in Forbach und SaatgemünD gtt ichsam als Eingrissbataillone auszustellen, so widerspricht auch dieser Plan in allen seinen Seilen, dem klaren Wortlaut und den Absichten des Versailler Vertrags. Diese Schuhtruppen zur Sicherung der strategischen Bahnen zwischen ^Frankreich und dem Rhein würden natürlich notwiegend französische Soldaten fein. Lediglich Frankreich hat ja militärisches 3ntercffe an diesem Bahnschuh. Von örtlicher Gendarmssie kein Wort, alles nur auf dre noch dazu sehr. zweifelhaften Bedürfnisse der Besatzungsmächte 2) nD zwar hier ausschließlich Frankreichs zugesch, litten..
Kein Wunder wenn Dieser Plan nicht die Zustimmung des Haar ländischen Mitglieds der RegierungskommisfNrn gesunden hat und im Saargebut auf schiefste Itolehnung stößt. Auch die Aeichsregieruitg wird sich mit aller Energie gegen diese kaum verschleierte Absicht wenden die französische Mfilitärherrschast im Saargebiet unter, dem harmlotzrr klingenden Ramen .Bahn- fchutz zu verewigew. 3hr liegt es nun im Völkerbunds rat ob. als «Sachwalter Der saarländischen ?nteresfen diesen. Vorschlag Der Regierungs- tonumli.on so vom (Arund auf umzugestalten. Daß Des Saatgebiet nun* endlich nach mehr als acht Zähren- die fremde Besatzung restlos und enD» gültig tos tmrD. Ätze Lösung dieser Ausgabe wird mr Probt' aufs Exempel sein, ob Die
Plattform des VÄllerbunds Deutschland ausreichende MöglichkHiP gibt, die 3nteresfen Der ab» gesplitterten Gebiet 2 besser zu wahren als feit- Oer oder ob die Siegermächte von Versailles gewilft sind, unter: Fälschung des Wilsonfchen -vouerbundSgedacklSis. den Völkerbund auch in Zickunst zur Sichet Stellung ihrer Siegesbeute zu mißbrauchen.


