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Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 21 5ro?itcs Blatt

Drei-DölKer-Kabinet» in der Tschechoslowakei.

Prag, Januar 1927.

Soeben ist in Prag eine bcbeutlame Äa» binetierctcnftruftlon vorgenommcn worden, in­dem zwei Slowaken in des Mini st e - 11um Echwehla ei n oe treten lind, dem derei s 3 : e i deutsche Minister anaehören. Bon den sechs Nationen, die die Tschechoslowakei umschlicht, sind nunmehr drei an der Regierung beteiligt. 3m Ministerium unvertreten bleiben die Ungar n. von denen eine Millron in der Tichccheslowakei an.ässig ist. sowie die zwei klei­neren Nationalitk.en. dir 430 003 Karpatbo- r u f f e n und die 150 OCO Polen. Die Aus­nahme drr Slowaken in die Regierung lag schon im Plane drS SystemwechsclS. der im vorigen -erbst v rgcnommen wurde, als an Stelle der verkrachten allt chechischen Koalition eine bürger­liche Regier/ ig trat. Die Stärkeverhältniise im Parlament beacht n eS mit sich, dah eine bürger­liche Regierung die Mehrheit nur erzielen konnte, wenn die bürgerlichen Gruppen der T.chechen, Deutschen uni) Slowaken sich zu'ammenschlossen. 3m Ok ber. als die neue Regierung ernannt wurde. drillen außer den ursprünglichen siche- chiich», glichen Regierungsparteien bloß die deutschen Bürgerlichen zwei Minister auf. Diese Sinigung l itte sich schnell vollzogen, weil die Deutschen keine Bedingungen für ihren Eintritt in'tue Regierung stellten und mit einem Blankowechsel auf die Zukunft in die Regierung gingen.

Ander« die Slowaken. Ihr Wunschzettel enthielt ein Dutzend Forderungen, darunter als schwerwiegendste da-Verlangen nach weitest­gehender Autonomie der Slowakei unter aus'chlichlich slowuki'cher Leitung. Das mar ein Begehren, dem sich die scharf zentra­listisch eingcfteltcrt Tsche^en nicht anpassen woll­ten und so blieben die Slowaken zunächst außer­halb des Ministeriums. Rur durch das Der- iprechen. daß über ihre Forderungen weiter .> e r b a n ö \ t werden würde, liehen sie sich letoegen, der Regierung bis auf weiteres ihre Stimmen zur Verfügung zu stellen, von denen bte Mehrheit deS Kabinetts abhing. Drei Mo- natc muhte verhandelt werden, ehe man zu Ver­einbarungen gelangte, die nunmehr den for­mellen Anschluß der slowaki'chen bürgerlichen Aruppe, der Hllngapattei, an die Regierung des Bürgcrbkdd gestattet haben. Die Vereinbarun­gen bringe^ den Slowaken eine teilweise Er- iflllung ihrer autononristiichen Wünsche.

DiefeS Ereignis ist vor allem deshalb be­merkenswert. tofil t3 ein weiterer toi 5 tiger Schritt auf Dem Wege zur Umwandlung des na - lionalpolitischen Charakters des Staates und zur Anpassung seiner äußeren Fas­sade an seine wahre innere Struktur ist. Die Tschechen haben der Republik die Form eines tschechischen Rationalstaates gegeben, indem fic behaupteten, daß Tschechen und Slowaken ein einheitliches Volk seien, das bloß zwei Mund- arten spreche. Sie haben Den staatsrechtlichen Begriff Des tschechoslowakischen Volkes gekauf­ten. das einen Block von neun Millionen Dar» stellte, und haben mit einem ganzen Arsenal Ton Beweisen bar au tun versucht, daß diese neun Millionen ein Recht befäfoen, viereinhalb Millio­nen anderer Volkszugehörigkeit zu beherrschen. Selbst wenn Die tschechischen Thesen sich als richtig erwiesen hätten, wäre wohl ein sogenannter Ra- nonalftaat mit einem Drittel fremDnatlonaler Bevölkerung auf die Dauer unhaltbar gewesen. Aber Die Entwicklung ist wesentlich beschleunigt worden durch Die sehr energische Ablehnung d e r S l o w a k e n, mit den Tschechen verschmolzen zu werden. Schon in den allerersten Jahren der Republik rückten einflußreiche slowakische Grup­pen von den Tschechen ab und sührten Klage über den Bruch der Vereinbarungen, die noch während des Krieges zwischen den Führern Der beiden Völker getroffen toorDen waren.

Siebener Konzertverein.

Mar Regers Streichaurrtett op. 74 (O-Moll) gehört Der Münchener Zeit Des Meisters an unD gibt Den Rachhall von Den Gärungen DeS Weide­ner Schaffens. Stellt man es in Gegensatz zu leinen späteren Werken, so tritt gerade bei ihm iod> das Impulsive stark hervor. Fast will es 'cheinen. als wären die Klangmittel des Streich­quartettes zu schwach für Die starken subjektiven Evolutionen in ihrer elementaren Größe. Andrer» -stitS aber treten Diesen Gefühlsausbrüchen im thematischen Verlauf Stellen von intimster Zart- -heit gegenüber, Aeußerungen seiner verträumten itoelten Ratur.

Wollte man Den thematischen Aufbau Des Werkes an Der Hand schulgerechter klassischer Beispiele nachprüfen, so toürDe man zunächst chwerlich eine Formel für fein Schaffen finden iönnen; denn die grundlegenden Themen sind bei aller charakteristischen Prägnanz derart mU lebendiger Energie geladen, dah sie sich nicht immer leicht bestimmten Formen fügen. Bei Der Wiederkehr nach der Durchführung haben seine Themen meist ein neues Gesicht gewonnen und erscheinen so nar.icrL Vielleicht könnte man bei ihm Die Themenaufstellung als einen Werde» rrozeß ansehen, in dem Das Thema Durch das Werden zur Erkenntnis seiner selbst kommt.

So wird Der Tonstrom sich nicht immer in gleichmäßiger Breite ergießen. Hemmungen, Ruhepunkte zum Bedenken, Aufwallungen. Inter­jektionen kennzeichnen einzelne Stadien des Wer­dens noch im fertigen Werke. Diesem Ausdehnen der Form gesellt sich c,ne AuSnützung harmom- scher und kontrapunktischer Mittel zu. wie sie nur Reger eigentümlich ist. Alteration der Akkorde zeugt reiche modulator.sche Möglichkeiten Ton starker Ausdruckskraft biS zu sammetweichen, weltentrückten Klängen, ohne jedoch Dem Alona- lismuS zu verfallen. Die scharfe Prägung der OrunDmotioe, ihre in sich gefestigte moDula« torische Struktur, läßt bei aller Freiheit Der Verarbeitung dennoch das Werk als ein in sich begründetes Ganzes erscheinen.

Durch Den Reichtum Der harmonischen Mittel wird auch die Vielgestaltigkeit seiner Stimmfüh­rung beeinflußt. Gern läßt er kontrapunkt siche Intermezzi organisch erwachsen. Ihren Höhepunkt «erreicht seine Poltzphonie in Den Variationen. Hier g-bt ihm das schlichte gesangliche Thema reiche Möglichkeiten. Die verschieDenen Stimmun­gen, unter Denen er Das Thema erlebt, festzu- hallen. Fast jede Variation steht in engster Be-

Der ge. ent artige Präsident Masaryk hatte während seiner Kr.egLpropcgandaahr.en in Rordame-.i-'a, r o eine Million ausgewanderter Slowaken anaefübelt ist. mit Den Dortigen slo­wakischen Führern den sogenannten Vertrag von Pitlsburg geschlossen, der von Der Gründung eine« gemeinsamen Staates der Tsche­chen und Slowaken handelte. Dieser Vertrag veranlaßte Di: nach Kriegsende in Turocs Szt. Marton tagende Versammlung hiesiger flowa- lischer Notaleln ihre Zustimmung zur Grün­dung eines gemeinsamen Staates zu geben, De-gleichen war der Vertrag von Be­lang, als Dir Friedenslonlere.iz die selbständige si^cchollopa siche Republik errich e.e. Run heißt s in jenem V.rtrag. daß D e Slowakei innerhalb vc3 gemeinsamen S:aa ei eine vollkommen autonome Stellung ein reimen werde mit einem eigeren slowakischen Landtag als gesetz» ? elendem Körper. Es war also an eine dua - istische Stcats'orm nach dem österreichisch- ungarischen Vorbild gedacht, an einen Bundes­staat. Statt dessen schuf der revolutionäre Ra- tionalkonvent. in Den von slowakischen Persön­lichkeiten nur ausgesprochene Tsche ' enireunde er­nannt irorDen waren, eine scharf zentra­listische Republik. Von eirem slo alischen CanDtag uar kci.e Rede, e3 wurde vielmehr ein Ministerium für Die Slo oakri errichtet, Das aus- schiirßlich nach Drage: W.i ungen Hande te, säst alle Beamtenstellen im Lande mit Tschechen be­setzte unD auf ei c mözl ch-.e Verschmelzung beider Völler hinarbeile.e.

In Der ersten nationalen Begeisterung ge­lang es Den Tschechen noch, bei den ersten Par­lamentswahlen Dir Kandida ur cL.ec eige en slo- waiischnatioralen ' a:lei zu verhindern. Die ver- schirdenen tschechischen Parteien bildet n slowa­kische Dependenzen und so fehlte im Parlament zunächst eine slowakische Partei. A er schon nach einem Jahr spaltete sich von der tschechischen katholischen Vollspartei. Die in dem frommen Lande Den Löwenanteil an Mandaten davonge­tragen hatte, Die Gruppe Des Paters Hlinka, deS streitbaren Pfarrers von Rosenberg, ab und bildete von da an die selbständige slowakische Volks-Partei mit einem scharf a u - tonomistischen Programm. Für die Stim­mung in Der Slowakei war es bezeichnend, dah bei Den nächsten Wahlen d.e Hlmkapartei die Hälfte aller flowa.i.chen Stimmen erhielt, Die nächstgrößten Erfolge hatten Die Kommunisten, Die in nationaler Beziehung ebenfalls Die Auto­nomie anstrelien, und nur ganz vereinzelte Man­date fielen tschechischen Parteien zu.

Auf diese Stimmung gestützt, stellte dieHlinga- Partei ein wcitgeh.ndes Autonomieprogramm auf, als sie im Herbst zum Eintritt in die Regierung ausgefordert wurde. Ihr Führer, Der zu den geschicktesten Taktikern des tschechischen Parla­ments gehört, stellte in kluger Benützung der tat­sächlichen Verhältnisse an die Spitze die Forde­rung, daß Das Ministerium für die Slowakei in die Hände der Hllnka- Partei gegeben werden solle. Damit wäre ohne schwierige verfassungsändernde Maßnahmen Der Autonomiewunsch Dec Slowaken in weitgehendem Maße erfüllt gewesen. Denn dieses Ministerium ist mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet, und ein Minister der Hlinka-Partei an seiner Spitze hätte im Handumdrehen jeden tschechischen Einfluß in Der Slowakei ausschalten können. Um Diesen Punkt gingen Dir Dreimonatigen zähen VcrhandlungcrrLns Kompromiß, mit Dem sie schlossen, ist zwar nicht ein voller Erfolg Der Slowaken, aber Doch ein Eingehen auf ihre Wünsche. Das Ministerium für Die Slowakei wird unter Aufsicht Der in Die Regierung eintretenDen slowakischen Minister liquiDiert, unD hierauf soll eine neue L a n D e s v e r w a l t u n g für Die Slowakei organisiert toerDen.

Diese Lösung ist nicht bloß für Die Slowaken, sonDern auch für Die S u D e t e n d e u t s ch e n äußerst interessant unD wichtig. Auch Die Deut­schen streben ia eine Umformung des Staates an, auch sie verlangen Die Anpassung des äußeren Aufbaues an die innere Zusammensetzung. Die

ziehung zum Thema dadurch, daß eS in irgend­einer Stimme seine Erwähnung finbet, so daß es sich durch das reiche dekorative Stimmgewebe wie ein leuchtender Faden hindurchzieht. Die Ent­faltung der freigeführten Gegenstimmen in über­aus kleinen Rotenwerten erinnert stark an die Struktur seiner Orgelwerke. In nie sich erschöpfen­der Formung weiß er jeder einzelnen Variation ihr besonderes Gesicht zu geben, indem er den einzelnen Instrumenten abwechselnd eine Führer­rolle zuweist und im reichen Tempowechsel Dem Thema immer wieder etwas Reues entlockt. Rach einer solchen kaleidoskopartigen Folge läßt er Die Reihe harmonisch verklärt verklingen.

In dem spukhaften Vivace des zweiten Satzes seht er ein kurzes Adagio an die Stelle des im Scherzo üblichen Trios. Welcher Ausdruckskraft er in diesen wenigen Takten fähig ist, das betä­tigte Die Aufführung am Sonntag.

Regers gewaltige EntlaDungen scheinen oft über Den durch den Klangkörper Des Etreich- quartetld gegebenen. Rahmen hinausgehen zu wollen und nur einer Vereinigung, Der eine so starke Plastik Der Einzelstimmen zu eigen ist, wie Dem Wendling-Quartett, wird eine rest­lose Ausschöpfung Dieses Werkes möglich fein. Die klanglichen Steigerungen, besonders in Den Varia­tionen, wuchsen in allen Einzelstimmen überaus llar heraus, trotz Der sich manchmal in Der Partitur fast überstürzenden Hot enf eigen. Cha­rakteristisch in seiner Auswirkung zog Der zweite Satz vorüber. Die Ecksätze waren in ihrer groß­zügigen Hera usar bei tun g unD übersichtlichen Ar­tikulation und feinen Pointierung schlechthin un­übertrefflich. Zeigte sich auch hier unD da ein Abweichen von Den in Den Stimmen vorgeschrie­benen Vortragszeichen, so Diente Das um so mehr dazu. Dem Werke Die Plastik zu verleihen. Die bei Der Reger eigentümlichen Klangstruktur un­umgänglich nottocnDig ist. Ein besonders Zeichen für das persönliche Einleben in das Werk und für die subtile Durcharbeitung des Ganzen.

Dem Reger-Quartett konnte kaum ein Werk besser angeschlossen werden, als gerade Schu­berts letztes Streichquartett OÄur (op. 161), das den Meister in seinem Quarlettschasien auf eigensten Dahnen erweist mil einem Aufbau der Form, den man schlechthin als kühn bezeichnen kann. Der erste Sah möchte fast als eine Aus­einandersetzungob Dur, ob Moll" erscheinen. Schwellende Durakkorde führen zum Mollakkord gleicher Stufe in den Anfangstakten: bei der Wiederkehr nach der Durchführung tritt das Hauptthew' zwar in Dur auf, aber die Entschei-

zentralistische Form kann Den nationalen Wün­schen der einzelnen Völker nicht gerecht werden. Deren Zufriedenstellung nur das {5DcratiDe Sy­stem hcrbcizulühren vermag. In dieser Richtung haben Die Deutschen bisher nicht den geringsten Erfolg zu erzielen vermocht Auch der bedingungs- löse Eintritt der aktivistischen Parteien in Die Regierung hat an Dem harren Zentralismus nichts geänDcrt, Der die tschechische Vorrangstel­lung nicht aufgeben will. Da ist es nun gewiß von weittragender Bedeutung, wenn zugunsten der Slowakei Ausnahmen geschaffen werden. Es ist die erste Dresche, die in den Zentralis­mus gelegt wird, es ist eine unverkennbare Schwä­chung deS Systems, von Der vielleicht auch Die Deutsche Politik wird Donell ziehen können. Ist doch der tschechische Widerstand g?gen Die slowaki­schen Forderungen nicht zum geringsten Teil Dar­auf zurückzufuhren. daß man sich auf tschechischer Seite Der Rückwirkungen bewußt ist, und voraussieht, um wieviel schwerer cS werden wirb. Die deutschen Forderungen zu ignorieren.obalD Den Slowaken eine freiere Stellung eingeräumt toorDen ist Den Tschechen kommt es schwer an, von Der Fiktion ihres Rationalstaates Abschied zu nehmen. Obwchl Die Umwandlung In einen Föde- rativstaat vermutlich das einzige Mittel ist, um diese national so scheckige RPublik bet Komplika­tionen, die im Laufe her Zeit kaum audbleibcn werden, vor sofortigen Katastrophen zu bewahren.

Regierungsbi Dung und Arbeitnehmer.

Von

F. 2 a l t r u s ch , M. d. ReichswirtschaftsratS.

Dei Der RegierungsbUDung werden u. a. auch die Arbcitnehnerorganisatisnen gefragt, welche Forderungei auf wirtscha -lichern und so­zialem Gebiete sie für vordringlich halten. Es Dürfte angeb.ahl fein, kurz auf die Stellung­nahme Der Ar^eitnehmeror.-anisationen, Die ein­zeln gehört wurden, e'.nzuge.-en. Von den Ver­tretern deS Deutschen Eewerischastsbundes wurde beispielsw.i'e in w'rtfchastiicher Hinficht die alt: einheitllche Forderung der gesamten Ge­werkschaften an die Spitze gestellt, den Art. 165 der Reichsversassung alsbald in Die Praris um­zusehen. Man will danach Die schleunige unD verantwortliche (Singlieteuu.ig her Arbeitnehmer in Die Handels-, Handwerks-, und Landwirt- schastSlammern, sowie die Schaffung des end­gültigen Rrichswirtschafts.a eS mit angemessener Deteillgung der Arbeitnehmer.

Zur Diskussion stand ferner die Forderung der Pre ssenkung durch die Regierung, und zwar durch entsprechende Rege ung ter Zölle, Der Steu­ern, des Geldumlaufs, sowie Der Kartellgesetz- gebung und -Rechtsprechung in dem Sinne, haß hahurch Die freie Konkurrenz geförDert toirD. Die Rationalisierung soll und müßte Preissenkungen und Erhöhung der Arbeitseinkommen mit sich bringen, wenn sie sinnvoll sein foIL Eine wei­tere Forderung war die nach einer stärkeren Ein­flußnahme des Staates und der Arbeitnehmer in den Trust- und Kartellbildungen durch Aus­bau der Kartellgesehgebung und des Betriebs­rätegesetzes. Es wurde ein entsprechendes Kar- tellgeseh oder der planvolle Ausbau der jetzi­gen Kartellverordnung sowie die Anpassung des Detriebslälegesetzes an die veränderten Wirt­schaftsformen verlangt.

Um der weiter ansteigenden Arbeitslo­sigkeit zu begegnen, schlug man Die schnellere Durchführung des Arbeitsbeschafsungsprogram- rnes, Die Inangriffnahme größerer Rotstands- arbeiten, sowie Die größere Ausdehnung des so­genannten Russengeschästs vor. Da Der Schlüssel zur Beseitigung Der Arbeitslosigkeit zu einem sehr wesentlichen Teil beim verstärkten Woh­nungsbau liegt wurde die stärkere Her­anziehung der Hauszinssteuec für Den Woh­nungsbau, Die Erleichterung Der Hypotheken- beschafsung und -Verbilligung, sowie Die Be­kämpfung Der Spekulation mit Baugeländen und

Dung geben Die letzten Takte Des Satzes, wo Die Instrumente in zwei Gruppen Das Anfangsmo'.iv abwechselnD von Dur nach Moll führen, bzw. von Moll nach Dur, bis Dur In leuchtenher Kraft Den Triumph Davonträgt. Wie Die Form immer straffere Struktur gewinnt, wie Das Thema Dem geistigen Verlauf Des Ganzen sich einordnet, zeigt ein Vergleich der Themen des ersten Satzes vor und nach der Durchführung. Das Hauptthema mit seiner scharfen punktierten Rhythmik erscheint nach der Durchführung in milderem Lichte, statt Der Punktierung einfache Achtel. Die melodische Linie wird von Koloraturen lieblich umspielt: dem Seitenchema in seiner metrischen Erregung gefeilt sich eine Cellokantilene bei. Im Andante stellt sich einem weichen, srhnsuchtsvol en Gesangsthrma des Cello im Mittelteile ein Aufwallen mH düsterem Tremolo, aufgeregtem Rhythmus und Passagen entgegen; danach gewinnt das erste Thema wieder die Oberhand, jedoch diesmal durch kontrapunk- tische Führung der Stimmen in feiner Ausdrucks­kraft gestärkt. Dem huschenden Scherzo ist ein ländlerartiges Trio eingegliehert. Im Finale (Allegro assai) ziehen die Themen des Rondos an uns vorüber, spielend, emhaltend, sich stei­gernd. verschwindend, zum Schluß ein Auswachsen zum fff und ein Verlieren zum pp.

Daß Schubert ebenso wie Reger sein vollstes Recht durch die Aussührenden wurde, bedarf wohl nach dem oben Gesagten kaum der Erwäh­nung. Mit welcher Gestaltungskraft wurde der erste Satz in seinen Gegensätzen durchgeführt, welcher Zauber lag über hem zweiten Satze! Unb diese beschwingte Leichtigkeit des letzten Satzes mit Spiel und Gegenspiel der Instrumente!

in

Was der Nicaraguakanal bedeutet.

Die Hintergründe für das Eingreifen der Vereinigten Staaten in Ricaragua Durften wohl in erster Linie wirtschaftspolitischer Ratur fein, unD Dabei spielt Der feit längerem geplante Ricaragua-Kanal hie wichtigste Rolle. Dieser Plan, Der im Zusammenhang mit Den FeinDselig- leiten zwischen Mittelamerika und RorDamerika viel besprochen wirb, erscheint auf den ersten Blick ganz ungeheuerlich. Wieso sollten die Ver­einigten Staaten nach einer künstlicher Schisf- sahrtsstrahe streben, die 300 Kilometer lang ist unö sechs bis neun Schleusen braucht, wenn sie in hem Panama-Kanal einen nur 57 Kilo­meter langen und nur mit zwei Hndschleusen

Mittwoch, r>. Zamtar 1927

mit Baustoffen sowie Die Verbilligung DeS Bau­ens auf jede geeignete W.ise angeregt. Dabei wuldrn Die aUba.hige Vorlegung Des Wo a- heimstättengesetzes und die SRaffung eineS so­zialen Reichswohnung-toi:t!cha,tsge etzcS als Dauerrecht in Den Vordergrund gestellt. Um den so notwendigen stärkeren Ansch. Deutschlands an Den Welthandel zu crre.chen, soll e eine Zoll- und eine Einfuhr- und Aussuhrpolittk be­trieben werden. Die dieses mög.tch macht.

In sozialpolitllcher Hi sicht wurde Die schien- nigung Srl.'h gung der ArbeitSzeilsrage. be on- drrS in der Schwerindustrie und in Den gesund- he tSfchäd.ichen Industrien geordert. R.bea her vorgcschlage. en Zw.sche lüfung wird die Ve.ab- fch'.edung des Arbxüs chun,'e!ehes. in daS auch hie Lanh- unb Forstw.rtscha t sowie hie Re.chS- arbe ter und Lohnemp ängcr der Reichsbahn ein- bezogen werden sollen, verlangt Ferner rich­ten sich die Wünsche Der Gewerkschaft auch auf die Durchsührung Der vollen Soni tagsruhe tn Handel und Gewerbe sowie aus daS balDtgc Jn- kra ttreten der Arbeitslosenver.ickx ung, für Deren Durch ührui.g zweckentsprechende Vorlch.äge ge­macht wurden. Vordringlich erschien auch die Vorlage des arigclünhigten BerufSschulge- seheS sow.e die Verabschiedung deS HauS- gehilsengeseheS. Bezügllch des HauSar- be tsgesehea wurde vorgeschlare.n. daß Den im Gesetze vorgesehenen Fachausschüssen bezüglich ter Durchführung Der Ri ndestentge.ie wei e. gehende Vollmachten als bisher zuerkannt werden.

Es ist gar kein Zweifel, daß diese vor­stehenden Wünsche Der großen Arbeitnehmerorga- n'.fatlonen sowohl bei der Regierungsbildung wie auch nach der Bildung der neuen Reichsregie­rung im öffentlichen Leben eine erhebliche Rolle spielen werden.

Das amerikanische Etnwanderungsgefetz. Don der Hamburg-Amerika Linie werden uns in dieser Sache folgende Mitteilungen genracht: Aus Grund her zahlreichen Meldungen in den Zeitungen über hie bevorstehende Neuregelung des amerikanischen EinwanderungSge etz«S meh­ren sich die Anfragen um Auslunst über Den augenblicklichen Stand her diesbezüglichen Ver­handlungen in den Bereinigten S.aaten. Eine kurze zusammcnfassenhe Darstellung her gegen­wärtigen Lage, so weit sie von hier aus zu übersehen ist, dürfte daher einem allgcmcir.cn Bedürfnis entsprechen. In Dem mit Dem l Juli 1924 in Kraft gctre.enen amerikanischen Cinwa..- Derungsgesetz war vorgesehen, Daß Die Ge­samtzahl Der In die Vereinigten Staaten jähr­lich zuzulassenden Einwanderer mit dem 1. Juli 1927 von etwa 162 030 auf 150 000 herab- gesetzt werden sollte. Während in dem big* erigen Einwanderungsgeseh hie Quoten her ein­zelnen ßänher ^wei Prozent her im Jahre 1890 in ben Vereinigten Staaten ansässigen Ange­hörigen hieser Länder betrugen, sollten für die Zeit nach Dem 1. Juli 1927 Die Quolen der ein­zelnen Staaten auf der Basis Der Abstam - mung her Bevölkerung der Vereinig­ten Staaten im Jahre 1920 errechnet werben. Bei der Festsetzung dieser Quoten hat sich jedoch ergeben? Daß dieser Schlüssel eine sichere Grund­lage hierfür nicht DarftelU. Zugleich hat sich gezeigt, daß diese Neufestsetzung der Quoten praktisch aus eine nicht unbeträchtliche Ver­minderung der Quoten Der nördlichen Länder mit Ausnahme Englands zu Gunsten der östlichen u. südlichen Länder hinauSkommt, Infolgedessen haben hie Deutsch-Amerikaner. Skanhinavisch-Anierilaner unb Jrlsch-Ameli.aner, hie in gleicher Weise von bet Herabsetzung ber Quote betroffen werden, schärfsten Pro- t e st ge^en diese Heuieje.ung des Einwande.ungS- gesetzes erhoben. In bem Gesetz war vorge­sehen, daß die- neuen Quoten durch eine Ver­ordnung Des Präsidenten ohne weileres In Kraft treten sollten. Inzwischen hat jedoch der Prä­sident auf Grund eines Initiativantrages deS

ausgestalteten Kanal zur Verfügung haben? Bei näherer Betrachtung aber erscheint das Stre­ben der Vereinigten Staaten gerechtfertigt, Denn es Dürfte in nicht allzu langer Zeit nottocnDig fein. Den Verkehr im Panamakanal, der sich über alles Erwarten entwickelt hat, durch eine neue Schiffahrtsstraße zu entlasten. Der fiärkste Ver­kehr, der Durch Den Panama-Kanal betoäitigt werden kann, beläuft sich auf 45 Schiffe pro« Tag. Schon nach zehn Jahren war der Schisss- verkehr Im Panamakanal 1924 auf 5000 Schiffe jährlich, h. h. täglich auf 15, gestiegen. Es ist daher wahrscheinlich, daß in einem oder zwei Jahrzehnten Der Kanal Die Ansprüche nicht mehr besrieDigen wirb. Außerdem hat man auch nicht vergessen, daß währenb dec Kriegszeit Erdrutsche hie Benutzung des Panamakanals monatelang unmöglich machten und Damit Die gewinnbrin­genden Kriegslieserungen nach Wladiwostock un- terbanDen. Der Plan deS Ricaragua-Konals wird also immer dringlicher, zumal Die größere Länge dieses Kanals im Verkehr zwischen ber Ost- unb Westküste Rordameritas dadurch wett gemacht wird, daß er 400 bis 500 Kilometer näher an Nordamerika liegen würde, als Der Panamakanal. Wie in Der LeipzigerIllustrier­ten Zeitung" mitgeieili wirb, hckben die ameri­kanischen Ingenieure in Den letzten Jahren Die Planungen unb Vermessungen sehr geförDert. Der Verlauf Des Kanals ist so geDacht, baß vor allem Der große, 163 Kilometer lange Ri- caragua-See, dessen Spiegel nur 32 Meter über dem Meeresnioeau liegt, für ihn nutzbar gemacht werden soll. Die'er See ist vom Stillen Ozean nur durch einen 33 Kilometer breiten Isthmus getrennt, dessen Wasserscheide den Seespiegel nur um 12 bis 15 Meter überragt; mit ihn, wirb hie heutige Technik verhältnismäßig leicht fertig werben, unb Dedenken muß nur bie Nähe von Vulkanen unb bie Häufigkeit von Erbbeben erregen, bie ben Sch.eusen leicht verderblich wer­den könnten. Schwieriger ist der weit längere Abstieg zum Atlantischen Ozean, obgleich hier her Abfluß des Nicaragua-Sees, der San Juan- Fluß, benutzt werden kann; sein geringes Ge­fälle ist jedoch nicht gleichmäßig verteilt, bie at­lantische Seite, bie bicht mit tropischem älr- walb bewachsen ist, hat ein sehr ungesundes Klima, unb so Dürfte ber tückische Fluß den Ingenieuren manche Nuß zu knacken geben. Die Stromschne'llen sollen dadurch unschädlich gemacht werden, daß man einen Stausee bildet, unb Der Unterlauf soll durch einen abkürzenden Sei* tenlanal ganz abgeschnitten werden. ,