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Zusammenstöße zu l^reiden. Nachdem sich der Hauptzug aufgelöst hatte, drängten sich zahlreiche Kommunisten auf die einzelnen Stahlhelmer. Die Kommunisten feuerten blind! ings indie Stahlhelmgruppen hinein, wobei ein un­beteiligter junger Mann getötet wurde. Die Kommunisten deckten ihren Rückzug durch Pistolenschüsse, wobei eine ganze Reihe Stahl- helmleute verwundet wurden.

Der Wiener Aufstand und die Bundesländer.

Wien, 24. Juli. (Wolff.) Die heutigeAr­beiterzeitung" behandelt mit Rücksicht auf die Ereignisse des 15. Juli und den darauf folgenden Generalstreik die dieser Tage hervor­getretenen Gegensätze zwischen Wien und den Ländern, die durch die Verschiedenheit des Verhältnisses der Parteien in 6taöt und Land bestimmt wurden. Das Dlatt schreibt: Als die Polizei in den Straßen schoß, riefen Tausende von Arbeitern nach Waffen, inn die Regierung zu stürzen, um deren Organe zu entwaffnen und um die Herrschaft des Prole­tariats aufzurichten. Sie vergaßen dabei eins: sie vergaßen die Länder. An dem Tage, an dem hier in Wien die Regierung ge­stürzt und unsere Regierung eingesetzt wäre, wäre in den Ländern die Arbeiterschaft unter­worfen und eine Gegenregierung eingesetzt worden. Der Bürgerlrieg der Lander gegen Wien und vielleicht der Einmarsch italienisch- ungarischer Truppen wäre die Folge gewesen. Wir haben es daher nicht toagen tonnen, den Demonstrationsstreik zum entschrndenden Kampf gegen die Staatsmacht zu steigern Aber auch die Faszisten in den Ländern haben es nicht wagen tonnen, sich auf ihre Heimwehren zu stützen und den enffcheidenden Kampf aufzunehmen. Beide Mächte mußten dem entscheidenden Kampf a u s - weichen Die proletarische Revoluttrm hat an den Ländern, die faszisttsche an Wien eine un­überwindliche Schrate gefunden, weil dem Pro­letariat und der Bourgeoisie, um den Untergang des Landes zu vermeiden, nichts anderes übrig blieb, als ihren Kampf auszufechten auf dem Boden und mit den Mitteln und in den Formen der Demokratie. Die Herrschaft der Bourgeoisie ist nicht zu brechen, so lange die Masse des Landvolkes in den Ländern ihr folgt. Der Sieg des Proletariats ist nicht zu verhindern, sobald diese Massen mit uns im Bunde sind: also kein wilder Streik, sondern unermüdlicher Kampf um die Seele de s Landvolkes, das ist der richttge, zwar langsame, aber allein zum -Ziele führende Weg der Macht.

Die Untersuchung in Wien.

Die Beteiligung der Kommunisten.

Wien, 23. Juli. (WTB.) Die Blätter melden, daß es der Polizei gelungen ist, den größten Teil der vor einigen Tagen aus einer geplün­derten Wache weggeschafften Waffen und Munition in ein em Vereinslokal der sozialdemokratischen Jugendorga­nisation wieder zu beschlagnahmen. Bei den polizeilichen Ermittlungen spielten einige von Photographen während der Unruhen aufgenom­mene Bilder eine bedeutsame Rolle. Die ,Photographien wurden stark vergrößert, wo­durch es möglich wurde, eine große Anzahl von Personen, die sich an den Ausschreitungen be­sonders als Brandstifter beteiligten, f est zu ­stellen. Interessant ist die F^tstellung, daß nahezu 50 Proz. der Verhafteten schwer vorbestrafte Verbrecher sind, darunter einer wegen Brandlegung mit fünf Jahren Ge­fängnis und ein anderer wegen Mordversuchs mit vierjähriger Kerkerhaft. Die Untersuchung der polittschen Zusammenhänge erstreckt sich auf die Agitation von kommunistischer Seite und auf die Hintermänner jener Pro­vokateure, welche bei der Demonstration die Arbeiterschaft verhetzt und durch ihr aggressives Vorgehen gegen die Wache deren Einschreiten veranlaßt haben. Diese Provokateure haben auch das Kommando zum Sturm auf die Wachstube und auf den Justizpalast sowie die Aufforderung zu den Brandlegun­gen gegeben. Es scheint klar, daß tatsächlich ein Putsch plan Vorgelegen hat. Eine Anzahl von Zeugen können bekunden, daß am vergangenen Freitag wie auch am Samstag ein regelrechter Stafettendienst zwischen den Schauplätzen der blutigen Ereignisse und gewissen bolschewistischen Personen organisiert war, die sich in Wien aufhalten.

Reichrschulgefetz und Verfassung.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

B e r I i n, 25. Juli. Das R e i ch s k a b i n e t t HO bekanntlich zur Begründung seiner Auffas­sung, daß der Reichsschulgesehentwurf keinen verfassungsändernden Charakter trage, vom Reichsjustizministerium ein Gut­achten angefordert. Dieses Gutachten ist jetzt fertiggestellt und tritt der Auffassung des Reichs­kabinetts bei. 2m Reichsministerium des Innern ist man gegenwärtig damit beschäftigt, dies Gut­achten des Reichsjustizministeriums in die um­fangreiche Begründung des Reichsschulgesetzent­wurfes, die demnächst dem Reichsrat und den Länderregierungen zugehen soll, hineinzuarbeiten. Lieber die Auffassung in den Kreisen der Deut­schen Volkspartei hinsichtlich der Frage, ob das Schulgesetz verfassungsändernd ist oder mwt, verlautet, daß der Reichsschulgesetzentwurf nach Ansicht volksparteilicher Kreise nur dann nicht verfassungsändernd sei, wenn die süd- w est d e u t s ch e n S i m u I t a n s ch u l en u n be­rühr t bleiben, was nach dem Regierungsent- wurf b.^ich nicht der Fall ist. Sollte diese Auffassung tatsächlich in der Volkspartei vor­herrschen, so würde das Ergebnis, zu dem das Gutachten des Reichsjustizministeriums kommt, von der Volksparter nicht anerkannt werden.

Reichspräsident v. Hindenburg in Doberan und Rostock.

Doberan, 24. Juli. (WB.) Heute vormit­tag traf nut Sonderzug Reichspräsident v. Hindenburg hier ein. Rach der Begrü­ßung auf dem Bahnhof begab sich der Reichs­präsident, der von seinem Sohne, Major v. Hindenburg, und dessen Gatttn begleitet war nach dem Rathaus, wo eine feierliche Begrüßung stattfand. Alsdann setzte der Reichspräsident seine Reise nach Heiligendamm fort, wo im Kurhaus ein Frühstück eingenommen wurde

Am Rachmittag besuchte der Reichspräsident auf der Doberaner Bahn das Rennen. Rach i/»5 Uhr abends begab sich der Reichspräsident nach R o st o ck. Auf dem Bahnhof hatten sich u. a. der Bürgermeister und der Rektor der Uni- versität eingefunden. Bor dem Bahnhof hatten die Verbindungen und Korporattonen Aufstel­lung genommen. Die Straßen waren von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge ein» gesäumt, die den Reichspräsidenten stürmisch begrüßte. Um 5,53 Uhr verließ der Reichspräsi­dent mit dem Sonderzug Rostock, um sich nach Berlin zurückzubegeben.

Die Beisetzung des Ministers von Brentano.

Darmstadt, 24. Juli. (TU.) Heute vormittag 11 Uhr begannen die Beisetzungsfeierlichkeiten für den verstorbenen hessischen Minister des Innern und der Justiz, Otto v. Brentano di Tremezzo. Nach der Einsegnung durch Dekan G a stell in der Kapelle des Waldsnedhofes wurde die Leiche auf dem Vorplatz des Friedhofes aufgebahrt. Eine Hun­dertschaft Schutzpolizei erwies die Ehrenbezeugung für den verstorbenen Vorgesetzten. Staatsprä­sident Ulrich hielt die erste Ansprache an die zahlreich Versammelten, unter denen man die badi­schen Minister Trunk und R e m m e l e , den baye­rischen Innenminister Stütz! und den württem- bergischen Minister B e y e r l e bemerkte.

Staatspräsident Ulrich begann mit den Wor­ten:Wir stehen am Sarge eines Großen" und schil­derte Brentanos Bedeutung als Mensch >)nd Poli­tiker, der in Deutschlands schwerster Zeit an führen­der Stelle fast Unglaubliches geleistet habe. Obgleich entgegengesetzter Weltanschauung habe er (der Staatspräsident) mit dem Verstorbenen seit Jahr­zehnten zusammengearbeitet. Der neuen Zeit habe er seine wertvollen Dienste bis zum Tode gewidmet. Namens der Staatsregierung legte dann der Staats­präsident einen Kranz nieder und rief dem Verstor­benen den letzten Abschiedsgruß zu.

Minister Kirnberger, der zur Zeit die Ministerien der Justiz und des Innern verwal­tet, kam auf die besonderen Verdienste Brentanos als Minister unb Politiker zu sprechen, der, ob­wohl der Revolutton von 1918 innerlich gänzlich abgekehrt, im Bewußtsein seiner Verantwortung in die neu gebildete Regierung eintrat, um dem deutschen Volk in seiner größten Rot zu seinem Teil nach Möglichkeit zu helfen und Ordnung zu schaffen. Romens des Reichs­kanzlers und der Reichsregierung sprach der Präsident des Landesfinanzamtes, Dr. G l ä s - fing, der betonte, welche Verdienste sich von Brentano als Vertreter des hessischen Volkes im Reichsrat und als Reichstagsabgeordneter, als Mitglied der Rattonalversammlung sowie durch seine unermüdliche Arbeit als Minister für das ganze deuffche Volk erworben habe. Daraus legte er den Lorbeerkranz der Reichsvegierung nieder. Der Präsident des Heffischen Landtages, Adelung, sprach namens des Landtages, dem der Verstorbene über 30 Jahre lang angehörte. Gr ehrte in ihm den unermüdlichen Vorkämpfer für die Interessen seines Volkes und den allseits beliebten Abgeordneten. Domkapitular L e n - hart-Mainz legte den Kranz der Landtags­fraktion des Zentrums nieder, dessen Führer von Brentano jahrzehntelang gewesen ist. Er betonte die Tatkraft und Unermüdlichkeit, mit der der Verstorbene sich für die Ideen des Zentrums einsetzte. Rechtsanwalt D o ck i u s - Mainz sprach namens der Zentrums Partei des Reiches und Hessens, die in Brentano einen der Besten» verloren haben. Er sei der letzte in Hessen ge­wesen, der noch aus der alten Zeit herübergeragt und gleichsam wie ein Fels im Meer zwischen den sich umkämpfenden Ideen gestanden habe. Weiter nahm noch das Wort Bürgermeister Müller für die Stadt Darmstadt, Abgeord- neter Schül (Z.), der Präsident der Landwirt­schaftskammer Hensel und die Vertreter der Verbände, Vereine und Verbindungen, zu denen der Verstorbene in Beziehung stand. Rach Cho-' täten der Musikkapelle geleitete der Trauerzug den Sarg, der von sechs Schutzpolizisten getragen wurde, zum Grabe. Dort sprach Dekan Ga stell die letzten Worte über das Thema:Wir haben hier keine bleibende Statt, und unsere Werke wirken fort.

Die Beisetzung König Ferdinands.

Bukarest, 25. Juli. (TU.) Am Sonntag fand die feierliche Beisetzung König Ferdinands in der Meinen rumänischen Stadt Eurtea de Arges statt. Schon vom frühen Morgen an war der fünf Kilo­meter lange Weg vom Schloß Cotroceni bis zum Bahnhof dicht gedrängt von einer unübersehbaren Menschenmenge umsäumt. Auf beiden Seiten der Straße hielt ein Truppenkordon die Menge zurück. Um neun Uhr vormittags setzte sich der Leichen- z u g , angekündigt von 101 Kanonenschüssen, in Be­wegung. Den Zug eröffnete der Polizeipräsident, ihm folgte eine Eskadron königlicher Garde zu Pferde, der Kirchenchor, die Geistlichkeit, sodann die Kriegsinvaliden, Vertreter der Knegervereine, die Fahnen aller rumänischen Regimenter. Ihnen folg­ten der Generalissimus der rumänischen Armee wahrend des Krieges, General Prefa.n mit der Königskrone und General Mararesco mit dem Marschallstab des Königs. Dann kam die von sechs Pferden gezogene Lafette mit dem Sarg des Königs. Sinter dem Sarge schritten Ministerpräsident Bra- t i a n u und die Minister, die Parlamentspräsiden­ten und sodann der König von Jugoslawien, Prinz Nicolaus, unb eine Reihe anderer Ver­wandter. Ihnen folgten alle früheren Minister­präsidenten und Parlamentspräsidenten, das diplo­matische Korps, die Abgeordneten und Senatoren und wieder eine Abteilung königlicher Garde. Der Zug brauchte bis zum Bahnhof 2i Stunden. Don dort aus brachten vier Sonder,siige die Leiche und die -Lrauergemeinbe nach dem 150 Kilometer ent­fernt liegenden C u r t e a. i> e Arges. Auch an der Eisenbakwstrecke hatten sich große Menschenmengen emgefunben. Um 4.10 Uhr traf ber Zug mit der Leiche des Königs, empfangen von 101' Kanonen­schüssen m Eurtea be Arges ein. Der Sarg wurde von König Alexander, von Prinz Nikolaus und von Offizieren vom Wagen auf die Lafette gehoben Dom Bahnhof bis zum Kloster, wo sich die königliche Gruft befindet, hatten Abordnungen aller rumäni­schen Regimenter Aufftellung genommen. Um 5 Uhr traf ber Zug am Kloster ein, wo unter freiem Himmel ein Gottesbienst abgehalten wurde. Als der Sarg auf die Gruft gesetzt wurde, wurden in allen rumänischen Garniso. je 101 Kanonenschüsse ab* gefeuert, in den Dörfern läuteten die Glocken unb in

allen Kirchen Rumäniens würben Trauergottes- bienfte abgehalten.

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In der Berliner Ludwigskirche fand am Samstag für den verstorbenen König von Rumänien ein T.-auergottesdienst statt. Der Feier wohnten die Botschafter und die Vertreter der in Berlin aklreditierten fremden Mächte bei, darunter der Doyen des diplomatischen Korps, Runtius P a c e ll i. Als Vertreter des Reichs­präsidenten nahm an der Feier Ministerialrat Dr. Döhle, als Vertreter der Reichsregierung Staatssekretär v. Schubert teil. Im Mittel­schiff der Kirche war ein mit der rumänischen Königsstandarte bedeckter Katafall aufgestellt.

Neue schwere Unwetter.

In Schlesien.

In ber Gegend von Trachenderg sind neuerdings schwere Unwetter niedergegangen, von denen besonders die Bartschniederung betroffen wurde. Trachenderg selbst und seine nächste Um­gebung sind schwer heimgesucht. Es ging dichter Hagelschlag nieder, von starkem Gewitter begleitet. Auf den Chausseen wurden fast sämtliche Bäume umgeknickt und zahlreiche Obstbäume wurden ent­wurzelt. Ein Wirbelsturm hat einen mit Baumate­rial beladenen Wagen samt Pferd unb Fahrer in den Straßengraben geworfen. In Trachenderg hat der Sturm Mauern umgerissen, Dächer abgeworfen und Scheunentore durch die Luft getragen. Die nie­dergegangenen großen Wassermengen Haden das schon bestehende Hochwasser noch verstärkt, so daß die ganze Umgegend wiederum unter Was - s c r steht. Alle Hoffnungen auf die Ernte sind zer­schlagen.

Im- Frankenland.

Am vergangenen Freitag nachmittag ging Über dem badischen und bayrischen Frankenland ein schweres Unwetter nieder, das für die be­vorstehende Ernte außerordentlich verhängnis­voll würde. In den meisten Ortschaften wurde die Ob st ernte vollkommen vernich­tet, die Obstbäume sind teilweise von dem Wir­belsturm umgeworfen worden. Bäume mit einem Durchmesser von 11V2 m wurden entwurzelt und machten die Straße teilweise unpassierbar. Telephon- und Telegraphenleitungen wurden ver­schiedentlich zerstört. Mehrere Häuser wurden ganz und teilweise abgedeckt. Ueberall bietet sich dem Auge ein trostloser Anblick dar.

In Mecklenburg.

In Mecklenburg sind große Heber» schwemmungen eingetreten, wodurch vor allem der Ort Reu-Brandenburg betrof­fen ist. Kilometerweit sind die Felder über­schwemmt. Am Oehlmühlenbach ist beim Abfluß d<ts Tollensees der Deich gebrochen.

In Norditalicn und Südfrankreich.

Die Blätter berichten auch von schweren Unwet­tern, die in Norditalien großen Schaben anrich­teten. In Mailand würben Kellerräume über­schwemmt. In Cremona würben viele Häuser und eine Kirche obgedeckt unb eine Kokonzüchterei fast vollständig verwüstet. Vier Tote und etwa 50 Verwundete sind zd beklagen. Die Felder sind schwer in Mitleidenschaft gezogen, lieber Venedig ging ein schweres Gewitter und Sturm nieder, wo­bei die Basilika von San Marc» leicht beschädigt wurde. Im Krankenhaus schlug ein umgewehter Schornstein das Dach ein. Zwei Kranke wurden un­ter dem Schutt begraben, drei Aerzte unb zwei Kin­der finb verwunbet. In Sübfrankreich haben schwere Unwetter ebenfalls dettächllichen Schaben angerichtet. Vor allem ist das Departement Ifere heimgesucht worden. Unweit Vienne entgleiste der Schnellzug MarseilleParis. Personen sind nicht zu Schaden gekommen.

Aus aller Wett.

450-Zahrfeier der Universität Tübingen.

Die auf drei Tage berechneten Festlichkeiten zur Feier des 450jährigen Bestehens der württem- bergischen Landesuniversität wurden am Sonntag vormittag mit Festgv11esdienst in der evan­gelischen Stiftskirche und in der katholischen Kirche eingeleitet. Daran schloß sich eine Kundge­bung am Gesallenen-Denkmal auf der Eberhardshöhe. Rachmittags fand die Einweihung der neuerbauten Kinderklinik statt, bei der auch u. a. Staatspräsident Bazille und Finanz- mimster Dr. Dehlinger Ansprachen hielten. Die Stadt prangte in festlichem Gewände. Außer­ordentlich groß ist die Zahl der auswärtigen, Gäste. Unter den Ehrengästen befanden sich Reichs­minister des Innern v. K e u d e l l, das württem- bergische Gesamt-Ministerium, als Vertreter des Reichspräsidenten der Reichskommissar Kuen- z e r und zahlreiche Vertreter von Regierung, Be­hörden und Hochschulen, so für die hessische Lan­desuniversität Gießen der Rektor Professor Dr Zwick.

Wassereinbruch

auf der Zeche Auguste Viktoria.

Durch starken Wasserbruch ist der Schacht 3 der ZecheAuguste Viktoria" in Hüls bei Essen zusammengebrochen. Der ganze Schacht 3 und die damit in Verbindung stehenden Schacht­anlagen 1 und 2 der gleichen Zeche haben durch den Einbruch gelitten. Die dritte Sohle steht unter Wasser. Das Wasser dringt nach der zwei­ten Sohle vor, ist aber gegen Mittag zum Still­stand gekommen. Der Wassereinbruch ist auf einen Druch der Tübbinge zurückzuführen. Der Schacht 3 gilt als verloren. Zu dem Zusammenbruch er­fährt das W.T.D. weiter: Der neue Schacht ist Z00 Meter tief. Die mit den Schachtausbauarbei­ten beschäftigte Rächt schicht von 15 Mann bemerkte am Ende der Schichlzeit starke Feuchtigkeit in der Anlage, die sie zunächst aus ein Unwetter zurückführte und deshalb nicht ausfuhr. Die Leute bemerften unter sich ein gewaltiges Krachen eilten schleunigst zum Förderkorb und ließen sich rasch zutage fördern. Hierbei 'stellten sie fest, daß in etwa 200 Meter Tiefe durch Bruch der Tübbinge ein Wasser- einbruch erfolgt war. Die Rachtschicht sowie die ganze Belegschaft über Tage von etwa 30 Mann verließen fluchtartig die Anlage, die innerhalb einer Viertelstunde unter lautem Ge­töse vollkommen zusammenbrach und in einem Krater von etwa 200 Meter Durchmesser versank. Von dem Förderkorb, den Maschinen­anlagen und sonstigen Uebertagsanlagen ist nichts mehr vorhanden. Alles bildet ein wüstes Ehaos, ein Gewirr von Eisen- und Maschinenteilen. Zwei in der Rähe gelegene B e- amtenwohnungen mußten schleunigst ge­räumt werden, da die Ränder des Kraters

dauernd nachstürzten unö sich in den Mauern der beiden Häuser schon Risse zeigten. Die Un­glückstelle ist in einem Umkreise von einem Kilo­meter abgesperrt, da bcä Betreten der Stelle mit Lebensgefahr verbunden ist. Ein Pserde- junge auf der dritten Sohle wird ' # -rschein- lich durch den Wassereinbruch ums fielen ge­kommen fein. Ein Steiger und vier OHann, die.in die dritte Sohle einzudringen versuchten, um den Einbruch zu dämmen, sind vom Was­ser abgeschnitten worden. Arbeiten zu ihrer Rettung sind sofort ausgenommen worden.

Junkers Rekordversuch gescheitert.

Der Versuch der beiden Junkersflieger Rißicg und Loese, den von Chamberlin ausgestellten Weltrekord im Langstreckenflug zu brechen, ist Freitag abend infolge Benzin st örungen mißlungen. Das Flugzeug mußte ge^en 412 Uhr nachts in un­mittelbarer Nähe des Flughafens von Leipzig. Mockau auf freiem Felde n o t ( a e n. Dabei wurde die Maschine leicht beschädigt, die.Piloten find aber unverletzt geblieben. Mit dieser Notlandung ist die Generalprobe zu den kommenden deutschen Ozeanflügen entgegen allen Erwartungen, die man gehegt hatte, mißglückt. Das ist um so bedauer­licher, wenn man bedenkt, daß das Flugzeug bereits annähernd 2500 Kilometer zurückgelegt hatte und be­reits die Strecke LeipzigDessau zum 24. Male um­rundete. Der Weltrekord im Dauerflug steht zur Zeit auf 51 Stunden. Das deutsche Junkersflugzeug hat also etwa in der Halbzeit niedergehen müssen. Es hatte sich ein Fehler in der Betriebs­stoffzuführung eingestellt, bei einem Umschatten des Motors versagte plötzlich die Benzinzuführung, ob­gleich der Motor ohne jede Storung gearbeitet hatte unö auch hinterher kein Fehler an feiner Konstruk­tion entdeckt werden konnte. Wie es heiß:, wird die notgelandete Maschine, die inzwischen nach Dessau abgeschleppt wurde, nach erfolgter Reparatur von neuem aufsteigen, um das einmal gesetzte Ziel zu erreichen.

kardinal Czernoch f.

In Budapest verstarb Montag früh der Kardinal Johannes Czernoch, Erzbischof von Gran und Fürst- primas von Ungarn, im 75. Lebensjahre. Der Verstorbene, der früher auch ungarischer Abgeord­neter gewesen war, war 1907 Kanonikus an der Domkirche in ©ran, 1908 Bischof von Chänad, 1911 Bischof von Kaloesa, 1912 Erzbischof von Gran und 1914 Kardinal geworden.

vierfacher Mord.

In Raabs an ber Thaua hat im Gebäude des dortigen Bezirksgerichts der 13jährige Hilfs­arbeiter Johann Sourada, der sich wegen Rot­zucht und Einbruchsdiebstahls in Haft befand, den Gefangenenaufseher, dessen Frau und zwei Kinder ermordet und ist flüch- ttg geworden. Der Mörder hat aus dem Besitz> des Gefangenenaufsehers einen Betrag von 10000 Schilling geraubt.

Gattenmord.

In Stendal wurde die Frau eines Delika- tessenhandlers In ihrer Wohnung von der Polizei tot aufgefunden. Unter dem Verdacht, seine Frau ermordet zu haben, um sich in den Be­sitz einer hohen Lebensversicherungs­summe zu setzen, wurde der Ehemann verhaftet. An seiner Schuld ist kaum zu zweifeln.

Drei Personen beim Paddeln ertrunken.

Am Sonntagnachmittao wurde auf der Havel Müschen der Gttenicker Brücke und Moorlake ein mit drei Personen besetztes Paddelboot durch ein plötz­liche Bo zum Kentern gebracht. Zwei der Insassen, ein 25jähriger Kaufmann unö ein siebzehn­jähriges Mädchen, ertranken, während der dritte, ein achtzehnjähriges Mädchen, gerettet wurde. Auf dem Zeulhener See schlug ein Paddelboot,. das sich von einem Motorbtiot schleppen (affen wollte, um. Die beiden Insassen, zwei Geschwister, stürzten ins Master. Das Mädchen konnte gerettet werden, während der Bruder ertrank.

Vier Todesopfer einer Schrapnell-Explosion.

In dem polnischen Dorfe Eiche bei Rowy Tara (Reumarkt) explodierte plötzlich ein Schrap­nell, das ein Bergmann nach Artillerie-Schieß­übungen gesunden und irrs Dorf mttgebracht hatte. Vier Personen wurden getötet und fünf ver­wundet.

Cholera in Bafra.

3n Abadam am Persischen Golf ist die Cholera ausgeb rochen. Der Verehr zwischen Abadcnn und Basra ist eingestellt worden. In Basra haben sich fünf Todesfälle ereignet.

Zollhinterziehung französischer Weinhändler.

Dor dem französischen Kriegsgericht in Landau entrollte sich ein interessantes Bild über die Art und Weise, wie seit Jahren französische und spanische Weine in das Deutsche Reich zoll­frei eingeführt werden, wodurch dem deutschen Weinbau schwerer Schaden erwächst. Zwei fran­zösische Weinhändler Marc und Chassarh betrie­ben in Kehl einen umfangreichen Weinhandel. Sie führten etwa 400 000 Liter französische und spanische Weine nach der Pfalz ein, angeblich für Zwecke der Desahungsbehörde. Den 12proz. Wein verschnitten sie in 9prozenttgen, wodurch die Menge bedeutend vermehrt wurde. Die Zollbehörde kam schließlich den beiden auf die Spur und beschlagnahmte die in Kehl und Maikammer lagernden Weine. Zum Schaden des Reiches wurde eine Zollhinterzie hung von 71 000 Mk. errechnet. Das Kriegsgericht stellte sich auf den Standpunkt, daß die Angeklagten sich deshalb strafbar gemacht hätten, weil sie unter dem Deckmantel der Desahungslieferung die deutsche Zollbehörde betrogen Ijätten. Einer der Verteidiger beantragte Frei­sprechung, da die Angeklagten ja nicht den fran­zösischen Staat, sondern das Deutsche Reich betrogen hätten: das Gericht sollenicht päpstlicher als der Papst" fein. Das Urteil lautete wegen Uebertretung gegen die Ordonnanzen auf 250 bzw. 350 Mk. Geldstrafe. Das von der deutschen Zollbehörde eingeleitete Verfahren nimmt jedoch feinen Fortgang.

Wettervoraussage.

Wechselnd bewölkt, auch zeitweise Auftlaren, mäßig warm, zunächst noch meist trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 19,8 Grad Celsius, Minimum: 11,8 Grad Celsius. Son­nenscheindauer: 2$ Stunden. Niederschläge: 0,5 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 15,9 Grad Celsius.

Witterungsaussichten für Mittwoch: Wolkig und Uebergang zu einzelnen Regenfällen.