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Nr. 146 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Samstag, 25 Juni 192Z

Baukosten und Finanzierung eines Einfamilienhauses. Don Beigeorbnetem Dr. Hamm. ®t<fccn.

Aus unterem L'eferfreife gingen uns-Die* berbolt önfra£<n über die Hohe der Äonen eines Hausbaues zu. Um den Wun- schen brr Lefer gerecht zu werden, haben wir uns an den Dezernenten des ft 8 b i t f d) e n Dauwefens gewandt, der uns ouf unfere Bitte die nachstehenden auf* schlußreichen Darlegungen zur Verfügung stellte. D. Beb.

L Baukosten.

Bei den Baukosten muh man unterscheiden zwi­lchen den ein maligen ft oft en. bte ein f) jus- bau mit sich bringt, und den iaufenben jähr* licken Ausgaben, die aus der Tatsache, daß man ein Hau» besitzt, geierstet werden müssen. Zu den einmaligen Kosten gehören: der CHrunb- erwerb mit flrunbereerbfleutr, die eigentlichen Baukosten, der otvofjentoftenbeilrog und dann eine Reihe von kleineren Gebühren und Steuern, wie z. B. staatlicher Baustempcl. Abnahme, und Schät- zungsgeduhren. Herstellung der Vagepläne durch das liermeflungsamt. Hypokheteneintroqungskosten. Zu den löhrlichen lause nben Kosten sind zu rechnen die Bauunterhaltung und die Betriebs­kosten l Steuern. Müllabfuhr, ctrafjcr.reiniaung, ftanalgebühr.n, Brandversicherungsbeitrage. Schorn- scheu Beispiel soll die ®riamllumme der Aufwen­dungen ge-eigt werden. Dabei ist angenommen, daß ein jtoe 'tuf-gcs Einfamilienhaus gebaut werden soll mit 2 Zimmer (je 2«i qm). Küche (16 qm), Speisekammer und Klosett (je 2 qm). Diele (10 qm) im Erdgeschoß, 8 Zimmer (2 je 20, 1 zu 16 qm) mit »ob (4 qm) Im Obergeschoß und einem Mäd­chenzimmer (16 qm) im Dach. Treppenhaus 10 qm. Das ganze Gebäude ist unterkellert, ftellerhöhe 2L0. 5toefroerf»boi)c 3,10 m. Das Gelände soll eben gc- dacht sein, so daß keine tiefen Fundamente und Stützmauern gebaut werden muffen. Der zu er* roerbeiAe Grund und Boden soll 700 qm umfassen.

) Einmalige ftoflen.

1. (Betänbcfoften, 700 qm zu 12 Mk. (bessere Mk.

Lage) 8400

2. (Brunbernu rbfkuer (Staat 1, Reich 3,

Stadt 3 Prozent, zusammen 7 Prozent au» 8400 Ml.) rund 600

(Vom 1. April 1927 ob wurde, da eine WertzuwichssttFier bei Verkäufen erho­ben wild, die (flrunbcruxrlftcuer wie folgt festgesetzt: Sjiat 1, Stobt 1. Reich 3 Prozent, zusammen 5 Prozent.)

3. Eigentliche Baukosten, berechnet nach dem Kubikmeter umbauten Raumes: bebaute Fläche 90 qm mal Gebäude hohe 8,70 rn 783 cbm umbauten Raumes zu 30 Mk. (einschließlich Architekten- Mk.

23490

für Planierung und Einfriedigung 1510 25000 4. Straßenkostenbcitrag. Im Durchschnitt für

für fo?n lsd. m Straßenfront 60 Mk., also bei 20 m Straßenfront 1200

5. Staatlicher vauslcmpel für je 1000 Mk. Rohhaukosten 4 Mk« also bei 12500 Mk.

RohLaukosten rund 50

6. Abnahmegebühren und Schätzungen rund 50

7. Cagepläne rund 25

8. hypolhekeneinlragungskoslen (Darlehen

aus der Sondergebaudcsteuer werden koftenlos eingetragen, Darlehen aus An leihemitteln verursachen ungefähr bei 6OO0 Mk. 100 Mk. Stoffen). 2Xi Hypo Ibeten (s. unten) in Höhe von 14950 Mk. eingetragen werden sollen, kostet die Hy- potpefeneinkagung rund 250

Somit einmalige Kosten 85575

b) Jährlich lausende Kosten.

1. Verzinsung für ausgenommene Kapita­lien (liebe unter II. Hausfinanzierung) und Zinsverlust für investiertes (Eigen- fajAat 2437

2. vauunterhallung, 1 Prozent der reinen

Baukosten = 1 Prozent aus 25000 Mk. 250

b)

c)

3. Betriebskosten:

) Steuern. (Dir Neubau ift frei von SonMrg.bäubriteuer, wenn er ohne öffentliche Mittel erstell ist. Baubar- leben fmb keine öffcnti.d-en Mittel. Die Reubauten sind aus die ersten füni Jahre von der ftaaibdxn Grundsteuer befreit (vom riansi Der Grund und Boden muß jedoch verfteuen werden, und zwar mit 12 Pi pro 100 Mk. des Steuerern» bA Platzes, also 8400 0,12 k

100

Die Gemeinden-, Kreis und Provin palumlagen werden vom gesamten Anwesen erhoben, und zwar vom ersten Ichre an. Eie betragen 22,25 )U. pro 100 Mk. Eteuereert, also

y 34000 Mk. - runb

rNüllabsuhr. x. Z. pro 100 Mk. Grund- miete 25 Pf, (;lrunbmicie Fric bensmiete minus 20 Prozent. Bei Reubauten wird die Friedensmiet durch das Wohinin.-:amt festgesc v Angenommen *6*Ä) Mk Friexnsmiet = 2000 400 = 1600 Srundmie.

1 600 x 0.25

100 "

igung. Pro Iqm Rein:

der halben Straßen breite ergibt dir Reinigungsfläche. Bei einer Straße von 15 m y x20(2ängc)150 qm

X 0.20 runb

d) Kanalgebühren. Pro 1000 Mk. Brand oersrcherungswcri l/i'< Mk. u. pro 1 qm der Liegenschaft 1 Pf. Brandvcrsiche rungswert 20ÖU0 Mk. 700 qm 200 0 ' 50

X 0,01 - 7 Hl + ---iööö

30 Mk. zusammen

e) Vrandversicherungsdeilrag. Pro 100 Mk. Brandvcrsicherungswert 8 Pf.

200C0 x 0.08

100 "

f) Sd?ornfldnfegergebührcn. Bei zwei

Schornsteinen 5 Mk. jährlich

g) Dafseroeid, 0,15 Mk cbm; richtet sich nach dein tatsächlichen Perbrauch. Z. B. bei 200 cbm im Jahr

oder rund

Der Hausbesitzer wohnt in seinem eignen Haus somit für Miete.

10

75

4

30

37

16

5

30

2894

2900

2900

Die angegebenen Kosten können sich zugunsten des Bauherrn verschieben, wenn er das Gelände von der Stadt gekauft hat oder im Erbbaurecht übernommen hat. Ist das Gelände von der Stadt getauft, so können auf Antrag die erleichterten Zahlungsbedingungen für das Raufgelb in Kraft treten, ras Raufgelb braucht bann nicht sofort be­zahlt au werden, sondern es ist mit 4 Prozent zu üerAinfcn und mit 1 Prozent zu tilgen. Ist das Ge­lände im Erbbaurecht von der Stadt erworben, dann ist es mit 2 Prozent (eines Wertes jährlich zu verzinsen.

IL Die Jlnanjierung.

Die Stadtverwaltung Gießen hat im laufenden Jahr die Bautätigieil dadurch zu fördern gesucht, daß sie jedes Wohnungsbauvorhaben mit Darlehen unterstützt hat. die mit 3 Prozent zu verzinsen und mit 1 Prozent zu tilgen sind, und zwar hat sie für eine

Drei-Zimmer-Wohnung 9000 Mk.

Dier-Zimmer-Wohnung 10000

Fünf-und mehr-Zimincrwohnung 11000

gewährt. In oorliegenbein Beispiel kam also ein Daudarlehen von der Stadt zu 11000 Mk. in Be­tracht. Die städtischen Darlehen werden hypotheka­risch gefidjert. Die Stadt Gießen tritt mit ihrer Hy­

pothek hinter anderen Hypoiheken zurück aber nur in'owei:. als die gel. inu Hypothekar >che Belastung «nfchi e st ch des s:adtischen Dariehe ,, n;..: mehr als 75 Prozent der 8e anubaukosten beträgt tBe

Mark. Lis Gkiamtbaufohen gelten d,e (Brunb* erwerb:koi.c.".. d.e reinen Bau!osten und d?e Ztr.: ßer.b.. losten. Für den Fall, bei« Baugrunbüud vom Bauherrn von der Eta!: im .:. -uredn oder zu den obengenannten erb hrten .abtun ed.n-

i erworben worden ist. so wird «...

r.chnung der Belcihingsgrenze von 75 Pro ent d- r Wert dec Grunds: cks an der 0 . . douko . n ob- gezo:.n E» ift also Bora -: ; daß 25 Prozent

der tSesamtbauko;en vom Bauherrn selbst auiae- bracht werden. Die Finanziert na wurde sich für obige» Beispiel darnach etwa folgendermaßen ge­stalten:

Gesamtbau'osteu Grunderwerbskosten 8400 plus reine P^mkosten = 25"00 plu: Straßen- kosten 12"" i

Die Finanzierung und die daraus sich e: ,;eben- den Zinsverpflichtungen g stallen sich folgender* maßen: Mk.

Gcfamtbaukostrn 34600

Finanzierung Zins

a) 1. Hnpoth.k. 4<* Prozent der ®< samtdaukoften von einer Bank zu 8 bis 10 Prozcnt (hier bc- Mk Mk.

rechnet mit 10 Prozent) 13840 1384

b) 2. Hypothek zu 12 Prozent 111" 133

c) Dari hen der Stadt J'J ' Prozent

3inkn und 1 Prozent I :mg 11>k) 440

e) Kdliclb des Bauherrn (kligen-

lapital = 25 Prozent der Ge- (amtbaufoflen 8tz'»< 432

(Dastir ist der Zinsoerluft ge­genüber anderweiter Inoeftie- rung mit ca. 5 Prozent ju rech* nen. also 5 Prozent aus 8650 M . = 182 RI ______

Zusammen 346"" 2389

Da'u die Kosten, welche nicht als Gesamtherstellungskosten gerechnet werden unter la Zisfer 2, 5, 6, 7 und 8, die als Eigenkapitai zu rechnen sind mit Zinsverlust von 5 Prozent = 600 plus 50 plus 50 plus 25 plus 250 = 975 Mk.) 975 48

35676 2437

Amtsgericht Gießen.

© i c 6 c n . 23 3uni. Der Ehinese Tfcheou < f)ou Chuen auS Lfcheki ang erschien als MntcrfudjungSßefangener vor den Schranken deS Gerichts Er hat in Dem sch! and hergestelltes Porzellan als .echt chinesisches" verkauft und dadurch (Betrug begangen. Der Student Wang San 6 en g war als Dolmetscher zugezogen. Die Verhandlung mit dem Angel lagt en gestaltete sich etwa- schwierig, zumal et .plattchinesisch" und der Dolmetscher .hvchchinesisch" sprach Strafe: 3 Wochen Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft verbübt sind. 3m übrigen warf die Verhandlung ein eigenartige« Streif­licht auf gewisse (Berliner Firmen, die nach- gemackües Ehina-Poi^ellan durch Ehinesen in Deutschland vertreiben. Die Firma bestreitet, ihre Verkäufer auS dem Reich der Mitte veranlaßt zu haben, die Ware als .echt" zu verkaufen. Für das nichtfachverständige Publikum liegt jedoch eine Täuschung schon dadurch nahe, day ein Chinese chinesisch auSsHendeS Porzellan ihnen anbiet et

Als vor einiger Zeit zwei Polizeiwachtmeister einen verhafteten Bettler über den Drandplah führten, widerletzte sich der Verhaftete heftig. Die Wachtmeister waren genötigt, dir Hilfe um­stehender Passanten anzurusen. Don diesen griffen drei ein und standen damit unter demselben strafrechtlichen Schutz wie die Polizeibeamten. Der Kaufmann W. 71. aus Dieben, der den ganzen Vorfall beobachtet hatte, rib den einen Zivi­listen zurück, da dieser den Tkrbafteten, der sich sehr wild gebärdete, geschlagen habe. Der (An­griff gegen den Zivilisten geschah in einem beson­ders kritischen Augenblick. TL war deshalb wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt angeklagt. Da er schon mehrfach vorbestraft und gerichts­bekannt ist als ein Mensch, der zu solchen De­

likten neigt er ift insbesondere wegen Wider« stands gegen die Slaatr. ewalt schon mehrfach verurteilt wurde er zu einer Gefängnis- ftrafc von zwei Wochen verurteilt.

Die beiden Studenten H. TJL un.> P. Sch. hatten un letzten Acre aber v xen näa?:ii4xn Zu« lamacr. io® mit yini ». l.zciwach. elftem, von deren |ie wegen Ruhe rung rtiert Word wa.»n. i'abei inaa ntc ven i . n <..« gegen die Beamten e* * * * scbrau.* Tie beiden An fiagten wcr.n v A ber Tat angetrunken Da Ne noch nicht vorbestraft lind, wurde ieber in eine Geldstrafe von 150 Mk. ger.m en. die t:n Sa.le der Nneini'r .glichkeit mii 15 Tagen SesängniS zu verbüßen ift.

Kleine Strafkammer Gießen.

Gießen, 24. Juni. Zl > > b.csige Skibbinter waren oom Ünusgendii zu (Belbflrafen von l< "" Mark oerurtetlt morden, veil fie r. en .lüeihbtnöenraifier. p 'en bar aus standurr.- zr.eid. nächtlicherweile überfallen und miszhai.r^lt halten. Einer der verurteilten legte gegen feine yerurtr* g Berufung em. bte aber .em if<n wurde.

r.<gen Unterschlagung eimr wollenen De^e wurde ein Berpminn au» Krumbach yi drei Wochen Gefängnis oeruritilt. Ein Freund von ihm kitte die Decke in einer Wirts»»ft l - eit s.elaslcn: der Lerurteitte nahm sie an sich unb ner» \ mbete sie für eine 3eehl.t nachde ' er t raeo* tich ver ich: hatte, sie -ibz .sten. Die Ser.:* ig gegen bcs Urteil wtirite verwor en.

Ein Hotelier au» Bob-Rouheim balle eine Geld* stra'e erhalten, weil er mehrere (Bolle über die auf 12 Uhr festgesetzte Polycittunde in naus in seiner Schankwirt schuf: geduldet hatte. Er li *tr Bart" > ig ein mit der -egrundung. c; habe re« xittq er* abend geboten, es könne ihm aber mit Rücksicht auf d>e besonderen Aerhäitnisl? des Nauheimer Fre u- benbetriebs nicht zuaemutet werden, seine Gaste durch Zwangstnittel (wie Lichtausloschen, Huf -bai der Stuhle u.a.) gum Serlaher. leine» Lokal» zu bewegen Die Strafkammer >ck( sich dieser *21 .il* s.issung nicht an imd wies dir Beruiung turütf. Eine Ausnahmestellung könne nicht anerkannt wer* den: da nachgewiesenermaßen die Gäste über zwei Stunden geduldet worden seien, so fei gegen das Gesetz verstoßen.

Wirtschaft.

213ocf)enberid)t

von vor Frankfurter Börse.

Sie an die allgemeine Befestigung der Sssc-k- tenbörfe in der vorigen qL.u.n

Hoffnungen lind nicht ganz in tfriuliung n gan­gen. Dco höbe« Kur^niveau konnte -war ün ganzen ziemlich behauptet werden, vereinz U stell­ten sich sogar für Spezialwerte weitere .Kursstei­gerungen ein. aber von einer allgemeinen weiteren Defestigung der Kurse, die man erwartet hatte, kann keine Rede sein. Fast tagtäalich setzte die Vörie etwas höher ein. aber die anfänglich erziel­ten Kursgewinne, die übrigen- sich immer in recht bescheidenen Grenzen bewegten, gingen Im Laufe des Börsengeschäftes fast regelmäßig wieder v. r- loren, weil sich die zweite Hand nicht einsteli'.a und die professionellen Dörsenlreise auf der aus­genommenen Ware nicht sitzen bleiben formen. D es« wird vielmehr zur Sicherstellung selbst der ki rst en Gewinne immer wieder rasch auf den Markt geworfen, so daß jeweils zum Borlv-nschlusi die kleinen KurSbesserungen wieder volikommen aus­gezehrt waren UebrigenS lagen auch in der De- ricptswoche keine anregenden Momenie vor. abge­sehen von der AuLlandSarckeihe für die Stadt Ber­lin und den Rachrichten. die von weiteren Aus­ländsanleihen für verschiedene deutsche Staaten und Städte etwa- wissen wollten. Im übrigen war der Geldmarkt einer Befestigung des Marktes sehr hinderlich. Der Privatdi^kont muhte von Tag zu Lag um 0,12 bis 0,25 Pr . .1

Sprechstunden der Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlosstn

Für unverlangt eingcsondte IN a n u f k r i p t e ohne belgelügtee Rückporto wird keine Gewähr übernommen

MtaMieftßOüMe

Roman von Sven Elve st ad.

Copyright bei Georg Müller, München.

16 Fortsetzung Nachdruck verboten

Der Rothaarige zog eine Brieftasche hervor, und entnahm ihr einen dichtbcscbriebenen Bogen Papier. Hier,' criiuterte er,habe ich die gestohlenen Gegenstände ausgeschrieben. Es sind viele hudlchc Sachen darunter.' Und nun fing er an auizuzähien. Ein Spiegel mit venezianischem Glas. Richt ganz heil...'

Der Polizeiches trommelte nervös mit den Fin­gern auf den Ti|ch.

(Er war vollkommen heil,' erklärte er.

Der Rothaarige rief:Ganz richtig. Der Umzug ift außerordentlich schnell vor sich gegangen. Ferner haben wir in unserem Besitz---

Der Polizeichef unterbrach ihn zornig:Das ist nicht nötig. Sie haben ja alles genommen, in Bausch und Booen.'

Und der Rothaarige machte wieder eine Derbeu* Sung, ganz wie auf dem Theater, und gab zur ntwort: ..Sehr richtig. Und was wünschen Eie nun zurückzubekommen?'

..Behalten Sie das Ganze,' sagte der Polizei- chef.Das ist ja eine widerwärtige Komödie. Ich deabüchtige nicht, mich daran zu beteiligen."

Asbjörn ftrag warf ein:Sie dürfen den Herrn Polizeichef nicht mißverstehen. Et meint nur, ent- .veder müssen Sie das Ganze behalten oder alles

Das ift ein starkes Ansinnen", erwiderte der Rothaarige.Ich bin nicht bevollmächtigt, darauf zu ontmorten."

Sie sind also nicht der Dieb?'

.Lisch, einer von ihnen.'

Aber nicht der wichtigste?'

Der Rothaarige lachte:Meinen Sie den. der stiehlt?"

Ich meine den geschickten Menschen, der alles in Szene setzt."

Der läßt sich nie sehen."

Dann sollte er Leute mit genügender Dollmacht an feiner Stelle senden!" Krag stand auf, öffnete die Tür und winkte einem Kellner.

Was beabsichtigen Sie, zu tun?' fragte der Rothaarige.

Ich möchte doch eine Erfrischung bestellen", tagteIch finde die Unterhalt C-bncn nicht gerade anregend." Er erteilte dem eintretenben Kellner einen Befehl, und dieser entfernte sich wie­der. Kurz darauf kam er mit Flaschen unb Gläsern zurück unb setzte beibes auf ben Tisch.

Sobald er bamit fertig war, legte er bie Hände um bie Änne des Rothaarigen mit ben Worten: Mein Herr, gestatten Sie"

In bemfelben Augenblick zwang er bie Arme hintenüber, unb ein deutliches Knacken gab au er­kennen. baß ber Rothaarige sich in einem Schraub- stock befanb. Der Kellner sah fragenb nach Asbjörn ftrag, bet ihm bloß zuwinkte, er solle gehen.

Der Polizeiches unb ftrag blieben allein mit dem Rothaarigen, der merkwürdigerweise nicht im min­desten nerblüfft ober wütenb darüber war. plötzlich gescl'elt worden zu sein. Er scherzte unb lachte sogar. Er behauptete i cd och. erstaunt zu sein.Wel­ches Mißverständnis'.' rief er.Run sind Ihre- bei flötengegangen. Herr Polizeichef.

,,Jlein, nun dürfen Sie uns nicht länger em- schüchtern wollen", sagte Asbjörn ftrag zu ihm. ..Da Sie zetzt für hoffentlich lange Zeit von Ihren Kost legen getrennt sind, kann ich Ihnen mitteilen. bah bie Lande sich bereits verraten hat.'

Wirklich!" entfuhr es dem Griesselten. ..Dors ich fragen, wann meine Freunde sich verraten haben. Lielleich: in der Betrunkenheit heute nacht auf dem Drammen 5 weg?"

Asbjörn ftrag merkte die Finte und belächelte sie liebenswürdig.Rein," erwiderte er,da wußte ich noch nichts. Aber schon da war ich entschlossen, bie Einladung ins Lontinenral-Hotel anzunehmen, ob­schon ich ahnte, was für eine Absicht dahin'.ersteck.e. Schon um neun Uhr heute morgen habe ich alles verstanden.'

Dann haben Sie eine gute Rach' verbracht.

Jawohl, bc'onders nachdem mich einer der Her­ren Diebe seiber im Automobil der Bande nach Hause gefahren hatte.'

Der Polizeiches und ftrag konnten beide 'ehen. daß diese Thieiltmg Eindruck auf ben Rothaarigen machte. Er stutzte.

Run werden Sie einiehen." fuhr ftrag fort, daß ich heute nacht nicht tnei geschlafen habe.

Erstens mußte ich ja bas Auto wieder zurück zur Statt begleiten und das war eine anstrengende Sache, ich mußte hinten dran hängen, mitten im Benzingestank. Aber ich fand mich in die unvermeid­lichen Leiden, weil sie mir einen kleinen Einblick in Ihre neue Arbeitsmethode und Ihre Pläne verschafft haben.'

Auch in unsere Pläne?' fragte der Rothaarige ironisch.

Auch Pläne!' anttoortcte ftrag.Sie können ja zum Beispiel schen, daß ich mich schon jetzt gut vor­bereitet aezeigt habe. Und was die übrigen Pläne betrifit, so weiß ich, daß Sie, mein Herr, zum Opfer ausersehen worden sind."

Wie?" Der Rothaarige wurde offenbar immer erstaunter.

Eie sollten geopfert werden. Brauche ich noch mehr zu sagen? Bon ihren Kollegen oder richtiger: den Dieben. Sie haben einen allmächtigen, allwissen­den Ches unb Besehlrhaber. Er Hut einen schönen Handstreich geplant, ber heute erfolgen soll. Der Plan ist erstaunlich frech in feinen Doraussetzungen, aber gcrabe darum hat er Aussicht zu gelingen. Da- mit ber Coup vor sich gehen konnte, war es von Dichtigkeit, daß ber Polizeiches und ich in ber Zeit zwischen brei unb vier Uhr vom Totyeibureau fern- gehalten wurden. Darum ist biefe Zusammenkunft festgesetzt, unb barum sind Sie als Opfer auserkoren worden, als berjenige, ber am entbehrlichsten war. Lus diesem Grunde ist unsere Zusammenkunft auch nicht so interessant, wie mun hatte erwarten können."

In steigender Verblüffung hatte ber Rothaarige zugehört. Sein Gesichtsausdruck war Beweis genug barür, daß ftrag die Wahrheit sprach.Angenom­men, daß das richtig ift," sagte er,so wißen Sie doch nicht oteL*

Ich weiß noch mehr. Gehen Eie von ber Tür weg!' befahl ftrag plötzlich,es ift uns nicht damit gedient, daß Eie ftlopsiignale im Hause versenden. Ich letze voraus, daß Sie im Einverständnis mst noch mehreren hier stehen. Aber wie Sie sehen, habe auch ich meine Leute aufgestellt."

ftrag wandte sich nun zum Polizeichesi und, wieder auf seine Uhr sehend, sagte er:Ich denke, die Zeit ist jetzt um. Es ift vier Uhr. Denn Eie in Ihr Bureau telephonieren, werden Eie eine gute Reuig, feit hören."

Der Polizeichef legte bie Hand auf das Telephon.

Fragen Sie den Wachhabenden,' sagte ftrag, wann Sie das Bureau verlassen babenl

Wie? Das ist doch eine sonderbare Frage! Ich bin ja vor gut einer Stunde fortgegangtm."

Fragen Sie trotzdem"

Der Polizeiches klingelte an und rief ben Wach, habenden.Herr Eoendsen," sagte er,haben Eie sich vielleicht gemerkt, wieoiei Uhr es war, als ich da» Bureau verließ?'

Die Antwort, bie der Polinichef erhielt, über­raschte ihn aufs höchste. Er legte das Hörrohr hin.

Was hat er gesagt?" fragte ftrag lächelnd

Er sagt, ich wäre eben, vor kaum fünf Minuten, zur Tür hi naus-gegangen."

Der Rothaarige war während des Telephonie- rer.s unb ber letzten Repliken auffallend nervös ge» worben. Er rückie unr chig auf dem Stuhl hin unb her und verspürte offenbar bie größte Lust fort- zurennen. Aber am erstauntesten war doch ber Pott- »eiche' Mit der Hand auf Dem Telephon blieb er ssi'en, seine Finger zitterten schwach, und seine Augen hotten einen Ausdruck von (Erbitterung unb lieber» raschuna angenommen.

Er sich ftrag an unb fragte:Dünichen Sie. daß wir uns noch länger von diesen Buben nasführen lassen sollen?"

ftrag lächelte. ,Hch kann Ihren Merger ver­stehen," antwortete er,aber ich fmbc bie Situation nicht so schlimm. Sie müssen doch zugeben, bah sie etwas Unterhaltenbes hat."

Aber währenb wir hier sitzen unb diesen rot­haarigen Burschen festhalten, wandert also wahr- scheinlich ein Mensch in meiner Gestalt in der Stabt umher. Sie werden mir zugeben müssen, daß das seine Gefahren bat.*

.Zugegeben," erwiderte ftrag,aber ohne Risiko können wir nicht» erreichen.'

Unb nun h-ben Sie eine Erfrischung kommen lasten. Finden Sie, daß wir Zeit dazu Haven?"

,Va, es ist mir ein Fest, etwas zu mir zu nehmen. Ich bin seit acht Uhr tätig gewesen."

Gestern abend?'

Rein, gestern morgen, Herr Polizeiches. fest acht Uhr gestern morgen. Mir tut eine kleine Erfrischung not. Wahrscheinlich auch unterem lieben Freund hier. Soviel ich verstehen kann, muß er heute nacht schlecht geschlafen haben.'

(Fortsetzung folgt)