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Nr. 146 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, 25. Juni 1927

Don ®rof Ottokar «Bernin. L m. L Micrr. ungar Minister de» Aeuheren a. D. und ehern. Gesandten am Hofe

konnte, fo fanden wir un»

lene Tiumän im

u üben und eine

fei. göttliche Gerechtigkeit

en.

er meiner

Rumäniens war zu schließen. Hm

.»Ungar, zu be­

sprechen hatte

Zwischen diesen beiden Daten lieg» ein

Sostulate Hinweggeben irin. daß ich allein mit dem Äömg jufam- mentrrilen und verhandeln würde. Oester-

natürlich die Derhanblungen.

Die erste einschlägige Hnterrebung mit dem rumänischen Ministerpräsibenten DvareScu hatten her deutsche Staatssekretär Kuhlmann und ich am 24. Februar 1917 im Schlosse deS Prinzen 0ti rbch in Duslea. AIS Avarcscu au» Kühlrnan.i» Munde ha» ilubcnborffldie Dik­tat bftrte, erklärte er die Beranlworiung für einen solchen IHtiatfriebcn nicht übernehmen zu können und die Verhandlungen abzubrechen. Da­mit waren die Jriebensverhanblungen schon nach wenigen Minuten anscheinend gescheitert, und eS schien nichts al» die Fortsetzung deS Krieges ubrigzubleil<n Diese wollten die Politiker nicht, die Militär» aber schon gar nicht, da sie. wie gesagt, die Truppen im Westen brauchten.

MS AvareScu gegangen war sahen Kühl- mann und ich unS ziemlich ratloS an, und meine Donvürse beantwortete der deutsche Staatssekretär damit, hast eS tatsächlich unmöglich sei. mri Ludendorss gemeinsam Politik zu machen und daß dieser Qllann. wenn er nur einen Tag cu\

Ludendorfs gemeir

bah dieser Mann,... -- . -

einer verantwort 1 ichen Stelle stehen wurde, statt ununterbrochen hinter den Kulissen an den Dräh­ten zu ziehen baf» er dann selbst einsehen würde, wie unmöglich alle» da- sei. tva» er ver­lange So gerecht und vernünftig diese Dorwürfe waren, so halsen sie un» dennoch nicht weiter. Der FriedenSfaden war gerissen und muffte neu

reich-Hngarn und für mich beftanb feine 3er- pslichtung, mich nach den Weisungen der deutschen obersten Heeresleitung zu richten.

Es muh In er eingeschaltet werden, dah in einem der wichtigsten Punkte der rumänischen 5rage zwischen Deutschland und un» ein heftiger QOeinun gSunterschied bestand. 3a Berlin wollte man die Absetzung he» König» Ferdi- nand und seiner Dynastie, um ihn für den an den Mittelmächten begangenen Treubruch zu strafen. Wein Äailer und ich waren gegen diese Maß- regel Der Orunb. warum wir in dieser Frage anderer Meinung al» Deutschland waren, war im Wesen ein doppelter: Ersten» standen wir auf dem Standpunkte, dah c» nicht unsere Ausgabe

bte Ä11 ea l z u beenden, und dah

geknüpft werden. ...

34, schlug daher dein deutschen Staatssekretär vor. dah ich eine Hnterrebung mit dem

Rumäniens Niederlage im Weltkrieg.

Merne Begegnung mit König Ferdinand und der Weg zum Frieden von Bukarest

t;

wolliges Stück Geschichte: lurchtbar waren Atederlagen welche Rumänien in Siebenbürgen und in der Dobrudscha erlitten hatte, noch furcht-

Seine Majestät erariberte lebhafter al» sonst feine Art war. .Bessarabien wolle er nicht", und niemals würde Rumänien diese» Land in Besitz nehmen. Bessarabien sei .bolschewistisch verseucht" und dadurch nur eine Gefahr und

Strafe zu verhäng' denkbarst schnei

König» von Rumänien am 4. und 5. Februar hatte, wurde von diesem bi« Frage gestellt, ob alle Vierbundmächde sich dem in Rede ste­henden Schritte anfätfiefjen und ob da» besetzte Rumänien freigegeben werden würde. _Ich wurde von dieser Anfrage de» König» oerpänMgt, und teilte demselben daraufhin mit.

von den Mittelmächten geschlaaene Rn den Frieden wünschte und ich al» öftere. Minister de» Aeuhern die Bedingungen

mit dem legitimen Oberhaupte ein rascher und legaler Frieden _ diese» baldige Resultat zu erreichen, hatte ich schon von Brest-Litowsk au» dem Kaiser geraten, auf

Gemäldeausstellung Kraus).

Am Sonntag, dem 3.3uli, wird uns im Botanischen 3nftitut am Brandplatz 4 zum zwei­ten Male Gelegenheit gegeben. Bilder de» Mün­chener Maler» Han» Kraust zu sehen. Fast alle diese Porträt» sind in den letzten beiden 3ahren entstanden und zeigen, wie heimisch der Künstler in Gießen und Umgebung geworden ist. SS ist zu Hollen. dah er durch Hefe Ausstellung noch weitere Kreise für sich gewinnt.

Die Bilder haben von ihrer Werbekraft nicht» eingebüht. Selbst wenn man au» anderen Lagern kommt, wird man nickst kalt vorüber gehen tön- nen. Au» der Psychologie heraus entkanben, find sie Vertreter jener allen Sachlichkeit, die un» anheimelt schon durch die selbstvergessen« Hingegebenheit de» Künstler» an sein Modell. Die ablolutc Sicherheit in der Wiedergabe der Form, die seine Mobulationssähigkett. kann man besonder» an den jugendlichen Porträt» betoun- dern S» ist interessant, wie Krauh je nach dem Lharakter de» Kopse» die Farbe der umgebenden Luft nur au» Avancen variieren läht und da­durch die Harmonie mit der Person erzielt So unterstreicht da» Unruhige des Hintergrund» die starke Differenziert heil im Kopse ber Frau Pro­fessor G. und wird doch recht glücklich zur Ruhe gebracht durch den satten Ton de» Kleide» und Vorhanges. Dem gegenüber verstärkt sich die verträumte Ruhe de» Kopse» der ju na en Dame in Rot durch den Frieden der umgebenden Land- schast 3m allgemeinen wirken ja Kniestücke be­bet» im groben Ausschnitt noch günstiger vor bet Landschaft, wie da» grobe Bild der Dame irt Rofa zeigt, während Brustbilder belfer vor bet unbelebten Fläche stehen. Besonder» lieb sind mir die Bilder be» jungen v. Th und bet Frau Prof. Schultze-Icna. Die Seele de» Künstler» steht Per'LnllchltNen biefer Art Wohl recht nah« und ersaht und übermittelt sie beShalb scheinbar ganz mühelos

Ktauh ist kein Maler der Halbwelt oder be» Diabolischen 3ch fürchte, bah er das Bild von Prof. K., da» in bet Anlage einen recht glück­lichen Versuch zu letzterem wagt, durch dle Fertig-» Heilung liebevoll abfchwächen wirb. - Au» ban köstlichen Porträt seine» alten Vater» sieht man, wieviel Ktauh durch Kopien gelernt hat. und wa» für ein vortrettllcher Kopist er fern muh.

Elisabeth Älute.

einem geheimen Wege bem König Ferdinanb sagen zu lassen, bah er auf einen ehrenhaften Frieden rechnen könne, fall» er in Verhandlung^ einzutreten wünsche. Der Kaiser nahm diesen Rat an. und bet österreichifch-ungarifche Militär­attache. Oberst Ranba. hatte eine oder zwei Begegnungen mit einem Herrn au» der Um­gebung de» König», welcher seinem Herrn die kaiferluche Botschaft übermittelte.

3n den einleitcnben Unterredungen, die Oberft Ranba mit dem Vertrauensmanne be»

an;uges an. Am Hut. Mantel, 3acke. Gürtel. Tasche und Schuhen, demnächst werden vielleicht die Schlafanzüge und Abendkleider mit Kalb­fell ober Schlangenhaut verziert. Auf den Renn­plätzen sieht man jetzt nur noch Pferde und Kälber, höchsten Falle» noch Kobra»! Buntaestickte Stulpenhandschuhe find grobe Mode, felbftoer- stänHich wird dieser örnsall in der Handfchuh- branchc sofort konfektioniert, wa» kommt dabei heraus? Stapelware in allen möglichen und unmöglichen billigen Mustern, die in ihrer bunten Farbenzufammenfetzung wahllo» getragen wird. Mit folch einem Handschuh billiger Ausmachung ist bereit» die Grenze be» Geschmackes über­schritten- der Lederhandschuh mit der einfachen, ruhiggehaltenen Stulpe (wenn es schon Stulpe sein muh) wird immer der vornehmste sein.

Gehen wir weiter, zum Knopf lochbukett. auch so eine Modetücke! Geschmackvoll gewählt, in eleganter Ausarbeitung, wird e» die gradlinige Sachlichkeit de» Jacken Neide» ober Mantel» auf» reizvollste unterbrechen und voll jugendlicher Kleidsamkeit bte Trägerin umschmeicheln. Aber, aber. wehe, wenn He losgelassen! Der grobe duftige Strauß wird immer schick und flott wirken, doch jetzt kommt da» Schild .Vorsicht Kurve!" Bitte, meine Damen, bremsen, sonst biegt sich infolge falscher Anwendung diele Mode- tbee zur Groteske um Man kann jetzt auf den 6traben in» Gigantische wachsende Anstecksträube beobachten SS wächst da» Riesenmah der Sträube, weit über» irdische hinau»? Da» sind schon keine Sträube mehr, da» find weihe und lila Detlchenaebüsche. ober bunte Gartenbeete, die oon zarter Hand an» Kleid und in» Knopfloch verpflanzt werden. Aehnlich gebt es auch mit den Handtaschen. Sin ziemlich grobe» Format ist vorgeschrieben, also wird in den meisten Fällen gedankenlos eine mächtige Tasche mit Rieien-Ewrnbügel zur Ergänzung de» Anzüge» gewählt. Leider neigt das Raturell der Frau nicht nur zur Kunst, sondern auch zu der Prunk- unb Der« chwenbungsl ucht ber Renaillancemen- schen. Hc vergibt aber babei ihre eigene Per- sönlichkeit mit den erwählten Gröbenmahen zu vergleichen Es wirkt lächerlich wenn eine über- Harfe, große Frau le» sollen immer noch welche. rrrt) erbitterster Hungerkuren. Vorkommen), wenn eine solche Frau eine Deine zierliche Tasche und eine Deine AnstetLlurne trägt. Wählt sie aber beide» zu grob, fo UTrterftrcüfct sie bannt nur

e» daher untere Pflicht fei. jede» Mittel zu er­greifen. um eine weitere Fortsetzung be» Kampfe» zu verhindern. Der zweite Grund ging bahin. bab Wir. um einen Frieden zu schlichen, einen vollwertigen DertragSkontrahen- ten in Rumänien haben muhten. Wenn wir den König abgesetzt hätten, so hätten wir Rumänien in zwei Lager gespalten und hätten im besten Fall nur einen illegitimen Frieden mit jener Richtung abschliehen können, welche die Entthronung be» König» angenommen hätte. Rur

Heberzeugung nach auch von den übrigen Mittel­mächten keine AKehnung schalten werde, fall» er sich zweck» Erlangung eine» ehrenvollen Frie­den» an dieselben wenden würde. Heber die Frage be» territorialen Besitzstandes erklärte ich mich vorerst nicht äußern zu können, ba bte» ber Gegenstand der einzuleitenden Verhandlungen bilden müsse.

Ich schlug aflo dem rumänischen Minister­präsidenten AvareScu vor, er möge feinem Könige eine Zusammenkunft mit uns Vorschlägen.

Ich traf den König am 27. Februar in einer Deinen Station in der besetzten Moldau.

Die Ankunft erfolgte mittag» in F o cl an t, von da ging es per Auto bi» zu den Linien, an denen auf der rumänischen Seite Oberst Reste! und einige rumänische Offiziere zu meiner Begrüßung erschienen waren.

In den mir zur Verfügung gestalten deut­schen Kraftwagen durchfuhren wir die deider- feitigen Stellungen, und die Fahrt wurde bis

Könige anregm würde, aber selbstverständlich ohne bte unfinniaen Forderungen Ludenborff» zu oerttetin. Da Kühlmann dank de» Adhängig- keitsverhältnlNes. in Weichem er sich von den Militär» befand, nicht über Ludendorss und seine

Der neue Lhorzow-prozeh.

Dor bem Internationalen Gerichts- hvs t m H a a a wird zum zweitenmal ein Prozeh abgerollt, in Dem sich Deutschlanb und Polen gegenüberstehen. Der deutsche Rechtsanspruch aus Herausgabe be» Stick st vffwerke» Eh vr z ow und auf Ersatz der Vorräte und sonstigen Besitzstücke de» Werke», die sich Polen angceignet ober durch deren Minderung Polen ba» Besitztum be» Werke- geschäbigt hat. ist seinerzeit vollkommen anerkannt worden Für baS normale Rechtsempfinden ist dieser Prvzeh unverständlich. Denn der Haager Internationale Gerichtshof ist die höchste und einzige Inst a n z zur $ntfd>*ibung derartige Differenzen -wischen Bolle rbundsmächtcn, und dieser Ge­richtshof hat bereit» im Mai 1926 eindeutig und vermeintlich endgültig zugunsten Deutsch­land» entschieden und Polen auf erlegt, ba» Werk den Dvrbesitzern zurückzuerstaiten und für die Schäden Wiedergutmachung zu leisten

Modekurven und Entgleisungen.

Frau Mode schreibt ihren Untertaninnen vieler­lei vor. sie bat die kapriziösesten Launen und son­derbarsten Ginfälle und ihre Diktionen find meist äußerst willkürlich. Die Mode spricht und den Frauen bleibt die mehr ober weniger geschmack­volle Umsetzung be» jeweiligen Riodegebankcns in die wieberum mehr ober weniger Dcibfame Tat selber überlassen. Unb hier stellt e» sich nun her- au», wer zu den Bugen unb wer zu den törichten (3ung)frauen gehört. Dom Erhabenen bi» zum Lächerlichen ist nur ein Schritt, bei ber Mode macht eine Deine Geste den Unterschied au». Er­laubt Ist. wa» gefällt, aber noch lange nicht gefällt alle», was erlaubt ist! Do sind eine ganze Menge sogenannter Kleinigkeiten. Wobenüancen welche bestimmend auf ba» ganze Aeuhere der Frau wir­ken. Es gibt Modekurven, an welchen manche schöne Frau scheitert, denn hier ist ba» Bremsen da» Wichtigste. Zur rechten Zeit am richtigen Platz den Motor abzustellen, ist eine Kunst, bte noch lange nicht jede Frau anzuwenden versteht. Sein oder Richtsein ist auch hier die Frage, näm­lich elegant, oder unelegant sein! S» gibt sollen, bcimlüdiidx. boshafte Fallen, welche Tyrannin Alode den armen Frauen stellt Die grobe Linie ist ja mit ziemlicher Sicherheit nach bestimmten Richtungen festgelegt, aber da» bereits erwähnte .Drum und Dran-, wie steht e» damit?

In den Kochbüchern heiht e»: man nehme: in den Modejournalen: man trage! Für beide Fälle gilt die AntwvN: .Denn igr » nicht fühlt, ihr werdet» nicht erjagen! Also, wie ist e» mit dem ominösen .man trüge? Zum Beispiel, man tragt kurze Röcke. Im Kochbuch steht: man nehme soundso viel Sier, aber ba» genaue Zentimetermah des Rocke» ist nicht vorgeschrieben und damit nimmt schon ba» Verhängnis seinen Laus. Leider ist oft die energischste Frau, in Bezug auf ihre geliebte Persönlichkeit, unselb­ständig unb schwach wie ein Zögling de» Kinder­garten». Aus Angst, unmodern zu erscheinen, trägt sie den Rock kurz, kürzer, am kürzesten. Sodann. Kalbfell ist Mode, die moderne Frau glaubt in diesem Felle auf der ganzen Linie zu siegen, folglich bringt sie e» an allen mög­lichen und unmöglichen Stellen de» Straßen-

Rachdruck auch im Auszug verboten.

Da» letztemal hatte ich den König aefpro- chen. al» ich in meiner Eigenschaft al» ofterr- ungot Gesandter am 26. August 1916 am Tage vor der rumänischen RncgSerliärung bei ihm in Bukarest in Audienz war. unb er mir dle wettere Neutralität 'eines Lande» ver­sicherte Am 26 Februar 1917. allo genau sechs Monate später, sprach ich ihn wieder, weil ba»

von Bukarest.

e n Rächte.l für Rumänien. r.'2raus ich ripvstierte, dah er tben'ogut sagen könne, in Bessarabien herrsche fre iSuo.cra und er wolle die Provinz deshalb nicht Der Boischewtrmus sei eine poli­tische Krankhet. b.e vorapergeden werde.

Der Äönig änderte sodann da» Thema und begann über dte .Greueitaten" unserer Truppen ;n seinem Lande zu klagen unb über die da­durch so .erregte L ttm n.mg" der 2\u nänen zu sprechen: unter diesen Bed.ngungen iretbe we er Äratianu noch irgenbcui anbei e. Minister für ben von mir vor geschlagenen Frieden zu haben sein. Ich wie» darauf hin. dah sich Ri ne Maje­stät tm letzten Punkte im Irrtum b tnde ich baue bereit» mit Rllarghil oman gesprochen, der bereit sei. aus dieser 'Basis die neue Regie-

. , La r p - auch bereit . dah "Brotui in nicht der Geeignete sei. sei auch unsere Anllchi llxa» unsere sog .Greuel taten" an belange, fo sei e» hielleiw ielfer, da» Thema fallen zu lassen, denn sonst müsse ich meine Rechnung präfcntieren und

Kindern aufgesührt hätten.

Damit geriet die Hnterrebung auf einen toten Punkt. Der König oarixrtc das Thema .non

der bereit» vor gebrachten Argumente die Hn- Möglichkeit meiner Vorschläge zu i^eweisen, wor­aus ich seiner Majestät eine 48ftünbigc Bedenkzeit gab. nach deren fruchtlosem Ikr» lauf der erste Kanonenschuh fallen werde. Wir trennten un». wie wir uns gesunden, mit gegen« feitigen stummen Verbeugungen, ohne uns die Hand zu reichen.

43 Stunden daraus nahm ber König unsere Bedingungen an unb ernannte das Ministerium Margytloman. wenige Wochen später schlossen die Mittelmächte mit diesem Ministerium den Frieden von Bukarest.

Wenn auch kein Frieden auf ewig geschlossen wird, so muh doch zugegeben werden, dah dieser Bukarester Frieden eine abnormal kurze Lebensdauer hatte, denn die Tinte aus bem Vertrage war noch nicht trocken, so galt bulgarische Front, sodann die Westfront brachen zusammen, ba» ganze militärische Gebäude der Mittelmächte stürzte ein. und diese veränderte Lage befreite Rumänien au» feiner Situation. Heber Rocht wurde es Sieger, ihm gab» der Herr tm Schlaf

Vor den Jahrtausenden ber Weltgeschichte ist es ziemlich ernerfd, ob ein Friede ein paar Wochen ober ein paar Iahre dauert

zur Dahnstat.on P a b u r e n i fortgesetzt Dorr car ein S .ionwogen bereitgestellt n we.chem d c FohN r:i Hacaciuni fortgeSut wurde, wo tr.r noch 5 Hhr cintrasen.

Der rumänische Hoszug traf einige Minuten später ein unb ich ging tos ort zum König hin­über.

Meine Hnterrebung mit König Ferdinand dauerte beiläufig 20 M.nuten und war eigen­artig genua Der König begann die Hntcr- rebung nicht. Wir standen durch die ganze Länge des Salonwagen» voneinander getrennt unb blickten un» schweigend an. Gs schien mir nicht passend, die Hnterrebung zu beginnen unb ich empfand auch keinen Wunsch, seiner Ver­legenheit zu Hlse zu kommen, al» aber b.e brach, so erössnete ich doch endlich da» Feuer unb erklärte dem Könige, er möge sich über den Wunsch nach dieser Hnterrebung keinem Irr­tum hingeb-en Mein Kaiser habe .n seiner hoch­herzigen Art den Beschluh gesaht. trotz de» Ver­rate» Rumänien» Milde und Schonung walten zu lassen unb ihn aus dem Throne zu belaHrn, wenn er sofort unter den von un» beschlosse­nen Bedingungen Frieden schlösse, tm entgegen- gefetzten Falle jedoch hätte ich ihm bekannttu- geben, dah er abgeseyt werden würbe. Wir seien genau über die Laye ber rumänischen Armee unterrichtet. Hnfere militärische Hebermacht fei evident. Rumänien habe auherdem keine Muni­tion mehr unb könne sich auch keine neue ver­schaffen. in längsten» 6 Wochen allo würde ein weiterer Krieg zu unfern Gunsten entschieden sein. Ich entwickelte chm sodann in grchen Zügen die Zriebensdedingungen. ohne natürlich die Forberungen Ludendorfs» zu erheben.

Der König erwidert« in der ihm eigenen Art und Weise unzusammenhängend, von einem Thema zum anderen übergehend, unb ohne klar auszusprechen. waS er eigentllch finde und wolle. Ungefähr entwickelte er folgendes: Die Bedin­gungen seien sehr hart, vor allem aber mühte er dagegen protestieren, dah ich al» Gesandter laut dem von meinem Amtsvorgänger veröffent­lichten Rottmch nach Wien gemeldet hätte: ..(St der König set ein Werkzeug in ben Händen feine» Ministerpräsidenten Bra 1 ianu" ba» sei nicht wahr: er habe seine eigenen Ansichten. Allerdings habe er den Krieg gegen uns sehr ungern begonnen und fei gctcnfkrma6cn nur dem Zwange Bra- tianu» gefolgt kam Dann wieder auf meine Friedemlbasi» zu sprechen und meinte, über bte Abtretung deralten Dobrudscha an Bul­garien liehe sich sprechen, aber ohne Zugang zum Meere feerneRumänien nicht atmen". Letzteren Satz wiverholte bet Stöntg mefrrmalfl.

Meine Antwort war. dah meiner Ansicht noch zwischen seinen Thesen, er sei nicht abhängig von Brcrtianu unb er habe den Krieg unfrei­willig begonnen, ein Widerspruch bestände, es sei aber wohl zwecklo». jetzt hierüber zu streiten. Dah ber Friebensvorschlag hart sei, könne ich nicht finden, ich sei tm übrigen bereit, Rumänien einen Zugang zum Moeve zu garantieren, und unsere diplomatische Unter« stützung zweck» örlangung Bessarabien» anzubic- ten. Ich entwickette dah Rumänien bamu die Dobrudscha unb einen Streifen Grenzvektisikation an der ungarischen Grenze verlöre, dafür über ein grofceä Land (Bessarabien) gewänne, also mehr gewinne wie verliere eine Vorgangsweisc, welche nach einem verlorenen Kriege immerhin nichck die Regel sei.

barer die gänzliche Isolierung, in welche da» Land durch ben Sturz be» rullischen Zaren unb ben A.isbruch be» Bolschewismus geraten war. am fuchtbarstcn aber die tiefe Depression unb Hoffnungslosigkeit welche ganz Rumänien ergriffen hatte. Rumänien wollte ben Frieden.

Auf ber andern Seite war die Lage der Mittelmächte nur eine scheinbar günstige Der Krieg mit Ruhland war beendet, wenn Ru­mänien ausschicd. so warb die gesamte Ostsroitt frei und gctpaltigc Truppenmatten konnten nach bem Westen geworfen werben, aber dafür war eine Macht am Kricgsschauplatze erschienen, welche schwerer wog als Ruhland und Rumänien zu­sammen : 2 m e r i I a.

Die Leitungen ber österreichisch-ungarischen unb ber beutschen Armee schätzten bte Traa- weite biefen neuen Faktor» richtig ein. unb drängten auf raschen Abschluß be» rumänischen Frieden», um mit dem Abtransport der Truppen nach dem Westen beginnen zu können: babei machte sich General Luden b orss auch po- . lttisch bemerkbar, inbem er ein Jrieden-Prv- gramm entwarf, welche» weit von den Ab­sichten der deutschen unb österreichisch-ungari­schen Regierung abwich, vor allem badurch. dah er Gvnstanza al» beutschen ..Flottenstützpunkt" zu annektieren wünschte, unb barauf beftanb. daß Rumänien noch durch fünf Jahre von ben deutschen Truppen besetzt zu bleiben habe. Diese sinn- unb zwecklosen Bedingungen erschwerten

das Monströse ihre» Aussehens, der Mittelweg ist der Beste. Das Gleiche gilt von einer kleinen Frau. Zu spielerische, nieoltche Dinge stören, zu groß gewählte Gegenstände fordern Vergleiche berau» und wirken knallig, die goldene Mitte ist immer, auch in ber Mode ba» Richtige.

Von der Hüten kann man ein gleubllingeudev Lied fingen, auch sie bergen Gefahren, die zu (Begleitungen führen können. Der zu Große, ber zu Kleine, der zu Hohe, der zu Riedrige, nicht die Wirkung eine» solchen Modelle» hinter der Grkerscheibe ist maßgebend, sondern die auf dem Kopfe der Interessentin. Hier spielt wiederum die ganze Figur und vor allem da» Profil eine wichnge Rolle.

Bei dem Kapitel ber Hüte darf auch die blitzende Schmucknabel nicht vergessen werben, die glihernbe Gesahr! Diese Rabeln können hervor- heben und unterstreichen, können einen raffi­nierten Effekt ergeben, man bringt sie auch an Kleidern an. Am verkehrten Fleck können sie die Gesamtwirkung gründlich verderben und einen aufdringlich schreienden Eindruck hinterlassen. Da» gleiche gilt von zu dicken Perlenketten, zu langen Ohrringen und zu bunten Armbändern. Manche Frauen sehen au», al» hätten sie den glühenden Ehrgeiz e» der Königin von Saba, dieser bekanntlich sehr reich geschmückten Dame, gleich zu tun. Auch ba» sklavische Hebernehmen von Wrdvfarben. ohne persönlichen Geschmack babei zu entwickeln ist gefährlich genau, wie bas Tragen ber wieder in Schwung kommenden Apachentücher

Die Mode bringt die Idee auf. vielmehr die die Mode machenden (Elemente bringen die ständig wechselnden Einfälle und neue Linien- 'piele auf » Tapet, die Frauen aber sollten ihre Persönlichkeit stärker in den Vordergrund' rücken, nachdenllicher auf diesem Gebiete werben, sich nicht beherrschen lassen, sonbern die Idee be­herrschen unb so ba» ewig neue Thema .Mobe" nach persönlichen Richtllnien und persönlichem Ge'chmack fiel» variieren. Allerdings kämpfen bte Götter leider auch gegen bte Geschmacklosigkeit vergeben», folglich kann man nur vor ben ge­fährlichen Kurven ber Mode warnen. Entglei­sungen sind schwer zu verhüten! Zu beachten ist. im Falle der Mode heiht e» nicht, wa» bem einen recht ist, ist dem anderen billig, sondern ganz tm Gegenteil! L. W.