!tr. 146 Erster Blatt
UZ. Jahrgang
Samstag, 25. Zunf (927
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
ünid iwb ütrle): vrkhl'schc UniDerStäb-Bnd)- und Sicmönrferei H. Lange in Stehen. Sdiriftieitang und HefchäflrAele: 5chol»ratze 7.
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Dr. Jnebr. TDifi). Lange. BerannooNUch ftr Politik Dr Fr. Dilh. Canae; für IeviUeton Dr H.Tfrnriot; für ben übrigen Teil v r st Blamscheia, für ben 8ln» jetgenteil Jturl fit i mann, lAwrtlid) in Tietz en.
„Quo vadis Gallia?“
8t n -ftcrltnci ^Natt glaubt all Wesen ttichfvcn dtnbrud der auhenpol11Ischen Debatte tm Re.chS- lag ftÄlielleit zu können, bah bie all gemeine ötvmnung gegen ble Oecamopolttif sich in eine 8tnbeiitfronl fftr Locarno getranbeti habe. Deutschlands pokiri'che Situation kann kaum stärker Verkannt Derben. Denn heute ftnb nicht to t r oer bie Frage gestellt, ob vir einen Kurswechsel in btr Auhcüpoi.lik vornehmen wollen, sondern heute richte! sich an Frankreich die Frage, mit der auch der bauliche Retchsauhen- rrümfUrr am Donnerstag seine in dm wesentlichen Teilen sehr deutliche Rede schloß Quo vadie Oallia?, wohin gehst du Pomoar^?
DaS «raebntS Per Denker Mmifterzusammen- (unV war, fotoeit eS die Deutschland in elfter Linie Inurdhcrenbe Frage deS RheinlandregimeS anbelangt, ehte etniige bittere Enttäuschung. DaS bat bet Führer der deutschen Delegation selbst in klaren, dürren Worten -um Ausdruck gebracht, und er bat Daran anfnflpfenb unser augenblickliches Verhältnis zu Frankreich — da». tixi8 der ,^entrumSabgeoidnele KaaS fpäter bie KrisiS deS Cocarnogebantcni genannt hat - in markanten Slnchm und mit scharfer Betonung hoffen, waS Deutschland von feinem Vertragspartner enrarten mutz, heraus gearbeitet. Den» um überfällige Forderungm handelt eS sich schon längst, wenn wir immer wieder als Vorstufe zur Rheinlandräumung bie Herabsetzung her Driayungstruppen tm Rheinland verlangen, und eS entschieden ablehnen, die Zerstörung bet Oflfeftungcn mit der VesatzungSfrage im Westen zu berquiden. Man hat in Kreisen her Linken daraus hingewicsen, bah her Zurücksührung der sremden Bcsatzung auf die Rorrnalztssern. daS heiht auf ben Stand her deutschen FriedenS- garntfonen. nur untergeordnete Bedeulung zu- lonline, weil in wenigen Wochen doch bie Frage btr ®efamträMmung deS RheinlandeS aufgerollt worben müsse. Da« möchte hingehen, wenn bislang bte Abmachungen von Locarno von allen Vertragspartnern Zug um Zug durchgeführt worden wären, und man heute daS feste Vertrauen haben könnte, Deutschland bekommt, woraus eS kraft der Verträge rechtlichen Anspruch hat Dem ist nicht so. Deullchland ist vielrnehr i oiS Enttäuschung zu Enttäuschung geschritten. Immer wieder wurden ihm neue Beweise seines .guten Willens" ab verlangt, aber auf der Degen- feite ist dieser gute Wille auch in jedem kritischen Augenblick prompt auSgeblieben. Der Leiter der deutschen Autzercholitik hat deshalb recht getan, wenn er bte Besatzung-Verminderung zum Prüfst'tn dafür nahm, ob bie Karte Locarno noch sticht ober ob man jenseits deS Rheins ein anderes Spiel beliebt.
DaS deutsch-französisch« DerhällmS befindet sich im Stadium der DenrauenSkrisiS Deutschland hat nur allzu begründete Ursache, in die Ehrlichkeit der Abrichten seiner Vertragspartner von Locarno einige 3u>eifcl zu fetzen. 11m so mehr. alS wir in PonS sich jetzt bie deutliche Wendung von Briand z u Poincarö vollziehen schm Der Stern deS Mannes der Ber- siänbiaungS Politik verblatzi. Poincarö, her Vater deS Ruhrcinbrucho-. schickt sich an. erneut die Zügel her französischen Autzenpolitik zu ergreifen. Seine DonntagSrede von Luneville war ein Fanfare, laut und schneidend genug, der Welt ben Beginn einer neuen Aera anzukündigen. Potncare unternimmt ein gewagte- Cipcriment. Die politische Situation ist heute eine andere alS in ben 3anuarlagen deS fchicksalschwangerm IahreS 1923. Hnb auch Deutschland- internationale Stellung hat sich feit ben Dogen von Locarno und seit Deutschland- Gintritt in ben Dvl- kerbuiid sichtbar gewandelt DaS entwassnete, unter untragbaren Reparation-laslen schwer ächzmde Deutsche Reich ist politisch beute keine quantitö neßhßcablc mehr, hie man in feinen Berechnungen nicht in Ansatz zu bringen braucht, Deutsch- land alS Land der europäischen Milte, al# eine# der stärksten Wirtfchast-körper der Welt ist wie- der ein Faktor in der Weltpolitik. Wie sehr eS ha# ist. dafür legte StrefemamiS Bericht über die Grgebniffe der letzten Ratstagung und der Ministerbelprechungen in Dmf erneut Zeugnis ab.
Auf der Abrüstungskonferenz sowohl wie aus der WeltwiNscha^tekon e:enz vertrat Deullchland ben Gedanken des Fortschritt- gegenüber ben rdarbierenben Äräften, bie vor allem in Frankreich lebendig sind Deutschland ist in der 2b- rüstungSfrage au# einem Schulbner zum Gläubiger getoorben. der. selbst bis zur Rackcheit cnttDaffnct - um mit Strefemann zu sprechm —. nun auch von ben übrigen Unterzeichnern deS Versailler Vertrage# da# Ablegen tönej ge- waltigeil Ruftung-kleide- verlangt Auf der Weltwirtschaft-konferenz haben sich bie deutschen Delegierten für ben Abbau der Zollmauern und für Förderung langfristiger Han- delSverträge eingesetzt uni) die Reichsregierung hat alS eine der ersten die Beschlüsse der Welt- wirtschafkSkvnferenz sich voll und ganz zu eigen gemacht.
Luch bei der Behandlung der beiden Probleme, die den enropö»schon Frieden ernstlich bedrohen, hat man auf Deutschlands Mitwirkung nicht verzichten können. Deutschland» Stellung in Amt war heute stark genug, im dritifch.rusfischcn Äon- j( i f t an feiner durch die Pertrage von Locarno und Berlin befhramten Neutralität festzuhalten unö nach beiden Seiten hin einem Ausgleich in die Hände zu irbeiten. Such zur Beilegung der albanisch- erdischen Rontrooerfe erbet man in Kens Deutschlands Mithilfe. Schließlich ist noch die bevor- lohende Wahl Deutschlands in die Mandat«, r o m m i | f i o n des Pölkerbunbes als ein praktischer
Stbenu* ber Lüge von den dcutichen Rolonial- grrxln nicht hoch genug zu werten. 8b Mitglied de« üdlferbunbsrai» und dank seiner gefestigten autzenpolitischen Stellung ist f« Deutschland auch gelungen. ab Sachwalter b r deutschen Minberhetlen im 6u»4and und ber bur den Dersailler Vertrag vom deutschen Staalskitp.^ lorgerissenen Gebiete beren Rechte wirkungsvoll zu vertreten. Such hier kann nicht alle« mit einem Schlage drirchaesc; t werden. auch hier bebari es oeduldiger. -ober Arbeit, aber wenn wir an de eben aba HAI offenen 33er- Handlungen mit dem lila i'dwn Ministerpräsidenten Dokdemara» über die Beschwerden der Memelländer denken, so steht man doch, dah es vorwärts seht.
Deutschlands moralische Stellung in der Dell ist
eine andere geworden Unb bas ist zweriello» ein Erfolg der Looomopcsitik. ben mir nicht unter* schätzen ober gar veraesten wollen in diesem Augenblick. wo wir alle Ursache haben, die unmittelbar Fmariischen Auswirkungen dieser Politik ab eine chmerzliche Enttäuschung zu empünben. Aber gerade diese moralische Stärkung Deutschlands ist vielleicht, mehr noch ab die veränderte politische Konstellation, ein wichtiger Aktivposten in dem lkrt)äUni.' zu Frankreich, wie es sich auch zwangsläufig entwickeln mutz, wenn bie Rede von Lunövtllc Richtschnur der französischen Autzenpolitik werben soll. Be.il'sichtigt Poincarö an die Stelle der Brianbskhen Verstand!- gungsbemühungen bie Mettzadrn de» Rubreinbru- che». wenn mich in dem durch bie Umstände gemilderten Formen zu setzen, so sei ihm bedeutet, dah
Deutschland heute andere Mittel hat. im stampf um 'ein Recht seine Stellung zu matten. Deutfck . - .d verlangt endlich in Erfüllung feierlicher Peri: e. die Wiederher fiellung seiner Souveränität. es wünscht darüber mit Franlre.ch me friebliche SkritänJu^una zu erztc.en aber es w.rd sich auch rüsten, sein Ziel auf affberen li egen zu erreichen wenn Vomeart fortfährt, die .. dm-« pen von Locarno zu ignorieren unb an bie Stelle eines ehriickien Bersländigungswillen« ben Geist >es Sofies und be» iPiihtrauen» z:i fef en. Da» nächste Stadium in dem deutsch-srai". 'i chei, tterbal'-il« wird von Pari« bestimmt Da» deutsche Polt sor- bert Antwort auf bie Frage seine» Sn en- Minister«: „Quo vadis Galli a?"
Das Echo der Stresemannrede.
Die Pariser Presse
PariS. 24. 3unL Jn französischen
politischen Kreisen Hl ho* UrtciL über hie Rede StresemannS im Reichstag nicht abfällig; obgleich man bisher noch eine starke Zurückhaltung bewahrt. bis ber endgültige Wortlaut vorliegt. 6o viel steht jedoch jetzt schon fest, hast man in den Ausführungen L-tresemannS kein Hindernis für eine Fortsetzung her b u11ch-sranzösischen Politik erblickt. Man betont bisher, hast zwischen der deutschen unb französiichen Aufsasfung kein unüberbrückbarer Gegensatz besteht. MU jedem einzelnen Satz der Ausführungen Strese- mann- könne man fick naturgemäß in Frankreich nicht einverstanden erklären, irdoch wir> mit Befriedigung anerkannt, dah hort, wo bie Auslastungen auSernandergehen. map ben ruhigen und nicht verletzenden Don StresemannS fest st eilen müste. 3m einzelneil wirb auSgeführi. hast die Locarno^ vertrage und der Berfailler Vertrag sich nicht widersprechen. Sine Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich auf Grund deS Locarnover- trageS dürfe tne Friedensverträge nicht aufheben. Die Herabsetzung ber Rheinlanbbe- s atzung würde eine Folge der Annäherur.gS Politik fein. Der Friedensvertrag feinerfritS biete bie Möglichkeit der Truppenverrr.inderung.
Auf französischer Seite sei man btr Anschauung. bcrtz Frankreich Deutschland eine größere Anzahl von Erleichterungen bereits gewährt habe. Aus ben Erklärungen Stresemanns sck>cine heroorzugchcn, dah sie veulfchland nicht genügten unb batz er ein schnelleres Tempo bei ber Befolgung bet Annöherungspolikik wünsche.
Entscheftenb für beide Staaten bleibe nach wie vor die Geistesverfassung, mit der bie deutsch» französischen Beziehungen gepflegt werben. Der ruhige Ion unb bie sachlichen Ausführungen in ber Strefemann Rede werben mich von den Gegnern der Locarnopolitik in Frankreich anerkannt. Gerade das macht den Organen der Rechtspresse in Fmnkreich am meisten zu schassen. Sie btlcnen, dah die Rede StresemannS bei der groben Mass« des französischen Volkes gerabe durch ihre Ruhe unb Sachlich k e 11 einen nachhaltigen Eindruck erweckt habe.
Daher versucht auch der „T e rn p s" heute zu erklären. daß Strefemann nur deshalb diese Art für seinen Dortrag gewählt habe, um die Angriffe feiner Gegner in Deutschland au* ein Gebiet zu lenken, auf dem sie ihm nur schwer wider- sprechen könnten. Was ben „Temps" am meisten empört, ist, daß Strefemann erklärt, ein formelles Recht zu besitzen, die Verminderung der rhei- Nischen Besatzung zu verlangen. Das Blatt meint, bah in diesem Punkt der Gegensatz zwischen ber französischen unb deutschen Austastung in ber Aus- leg.ing des Satzes „normale Anzahl der Effektiobestänbe ber Okkupation«, truppen" zu suchen wäre indem man deutscherseits unter normaler Anzahl die Garnison» ft arte vor dem Kriege verstehe.
Strefemann könne cs nicht crnsl gewesen fein, als rr die Jraqe auswarf, ob die franiösischc Regierung die Politik ber Ruhr ober bie Politik von Cocorno verfolgen wolle. Denn Poin- carö habe in Lunöoille keinen Zweiset darüber gelasten unb In Narer Form entwickelt, dah Frankreich den Wunsch habe, mit Deutschland gute Brjlebungcn in tollem gegenseitigen vertrauen und ohne Oinlergebanfcn zu pflegen.
Ctrcfimann hat daran erinnert, bah baS gegenwärtige Kabinett bei her Uebemabme ber Geschäfte feierlich ben formellen Verzicht auf jeden Revanchekrieg auSaefprrchen hat. Die örtlärung 6:r;fcmann8, hast kein verant- wcr'ungSvoster Mensch in Deutschland verbrecherisch genug wäre, um daS Reich im Westen oder Oft en in einen Krieg zu treiben, ist sehr beachtenswert und bte Lunoviller Rede Pvin- rare« wäre nicht nutzlos gewesen, wenn sie kein anderes Ergebnis gehabt hätte, als Strefemann Gelegenheit zu geben, dieses Dort im Reichstag auszusprechen Damit bestätigt ber deutsche Auyemninister. dah daS Reich keinen Krieg führen will, inn zu vnluchcn. die abgetretenen Gebiete wieberzugewinnen. Allorbinas bedeutet baS noch nich: ben moralischen Verzicht daraus, bei Gelegenheit die Revision der territorialen Bestimmungen deS Frie- bcnsvcrtrageS herbeizuführcn. Aber man kann von einem deutschen Minister, bet. vor einer deutschen Versammlung spricht, nicht mehr erwarten alS er leisten kann, jedenfalls liegt hierin eine beachtenswerte Kundgebung deS Willens ber deutschen Regierung, bie Polilck ber । Entspannung unb Verständigung. wie sie in Lo- I carno eingeleitet wurde, forizmetzen. jn dieser
Hinsicht bat Stvesemann entschieden über seine tnnerpoliiifchen Gegner, bie bekanntlich Locarno und Dens seindlich gegenübersteben. aber bisher noch nicht zu reagieren wagten, einen Lieg davon getragen. Die Zukunft wird lehren, ob man hierin etwas Besseres zu erwarten bat. alS bie Wendung einer geschickten parlamentarischen Taktik und ob die Handlungen der Reichsregierung ben von Llrefemann gewünschten Eindruck eincS friedlichen unb verföhnlichen Deutschicmdbestätigen werben. —
Der Eindruck in London.
Conbon, 23. Juni. (WTB. FunkspruchZ Der diplomatische Korrespondent deS .Daily Telegraph" fchteibl: »LtrefemannS Reichstags- rebe hal>e insbesondere in bem Teil, der in ber Art einer biraften Antwort auf Poincarvs Ansprache gehalten ist. einen sehr guten Sin» brück in London gemacht. Seine Argumente waren fast durchweg, vorn britischen Standpunkt gesehen, ebenso einwandfrei im Ton wie dem 3n» halte nach, eine seltene Kombination von Festia- keit unb von Würde mit Mah. Seine Log.k taar ebenso uncuckechürnr. Leiber können de auf bem Spiele stehenden Streitfragen nicht burch oratorif che Wettbewerbe geregelt werben: lie werden jedoch immer mchr ein Gegenstand grosser Besorgnis in Europa. — Der Berliner Korrespondent der .T ime S" meint. eS habe feilen in einer Debatte über auhenpolitifch^ Angelegenheiten ein solches Bild ber Einmütigkeit gegeben, zrmächst einer Art resignierter Vinpimmigkeil und dann allgemeiner Zustimmung, als der Auhenminister zu einer nahezu leidenschaftlichen Grwsderung auf Pvincorös Rede überging.
Vas Ende ber außenpolitischen Aussprache Tcr Reichstag lehnt die kommnnisfischcn Mitztranentzvolcn ab.
Berlin. 24. 3uni. Präsident Löbe er- öffnet bie Sitzung um 14 Uhr. Die Aussprache über bie auswärtige Politik wirb sortgefeyt. Ab- georbneier Graf Bcrnftvrff (Dem.) gibt feiner Genugtuung Ausdruck, bah bie gegenwärtige auswärtige Politik eine fo starke Mehrheit im Reichstag gefunden hat. Es muh erreicht werden, dah möglichst daS ganze bcutfcheVolk fich hinter diese Auhenpolitik stellt. ES ist gar- nicht möglld'. heute eine andere Politik zu machen. Die Demokraten werden nur dann Opposition machen, wenn von der Heuligen Außenpolitik abgegongen werden sollte. Für unS war die Erklärung StresemannS eine große Drruhi- fung. daß sich die Beziehungen zwischen Sng- anb unb Runlanb nicht mehr verschlechtern. Für und ist her Völkerbunh bic Grundlage der nnn-.c:’ auswärtigen Politik 73.r begrüßen auch bic hculfchen Bemühungen, ben albanifch-jugo- llawifchcn Konflikt zu lofcn unb 6a^ Eintreten für hie Befchlüfc der Weltwirtschaftskonferenz. Wir müssen noch einmal an die Weltöffentlichkeit appellieren, um die große Aufgabe der Abrüstung endlich einen Schritt weiterzu- bringe.!. Das stärlstc HmderniS ist bie vielleicht unbegrünbete Furcht vor R u H l a n b. Die Rcichöregierung sollte heshalb ber Sowjetregie- rung ben freundschaftlichen Rat geben, an ber Abrüstungskonferenz tcilzunehrnen unb auw bem Völkerbund berzutreten. Wir rnüslen in der KolonialmandatSkornrnifNon mxtatbcüen, weil wir ein Omeresfe an der Stärkung deS Völkerbünde- haben. Die- Rhein- lanbbefetzung ist nach allem, waS geschehen ist. eine äl n m ö g (i d) l c 11.
Inzwischen ist em MihtrauenSantrag der Kommunisten gegen ben ReichSauhenminister Dr Snefcmann etngegan.*,cn.
Abg Dr. Brebt (Wirtfch. Dgg.jt Wenn jetzt baS Zentrum in bie schärfere Trompete stößt, fo zeigt daS. bah auch das Zentrum enttäuscht ist. 3n der Tat stehen wir an einem Wendepunkt in der Auhenpoltnl. Wir haben die großen Hoffnungen nie in dem llmsange geteilt. Die Räumung deS Ruhrgebietes hai>-n wir erkauft mit den Annahme des Dawrsplanes, die der ersten Zone mit bem Loca mosert rag Wir fstvchten, dah auch bie Räumung der zweiten Zone gekauft werden soll und lehnen alle solche Verhandlungen ab. Der Berliner Vertrag ist bas ganz notwendige Korrektiv für unsere Mitwirkung im Völkerbund. Die vollständige Rheinlandräumung muh selbstverständlich als notwendige Folge der ßoearnoab- machungen gefordert werden. Der Beitritt
Deutschland- zur Kolonialnxandal^kommifsivn hat für unS nur r.nen probletnatischen Werl Bi. - her ist der Völkerbund kein Staatoitbund son em höchsten- ein Bund der Reg erun ten. Wir m .' ?n versuchen, einen wirklichen Bund der Völker zu schaffen ber ben Dentfchen ihr Recht in her Welt verschafft.
Adg. Graf zu Reventlow «Rat -Soz.) br- zeichnet baS ErgebmS ber Genfer Derhandlu ;en als eine vollständige Niederlage D.ul'.k andS. Die Sntenle habe ihre Politik nicht g^ndre! S-.e habe Deutschland zvxir in Losarno Phr'fe i ge.ze- l>cn, Ql»er keine Gegenlei st ungenf ür bic deutschen Opser Ein verl rouen-volie.'. gleichbcrcchiiglc- 2lrb'it<m mit Frankrcich sei säst schämt um bic Gunst Pvincar- Strcsemann unb Briond feien beibe Freimaurer unb Brüder des Groh-Orients Das fei Londe-verrat. (Der Redner erhält einen Ordnungsruf)
Abg. Frau Volke (Ruth Fischer l nke Komm.) erklärt, die beiden Sozialdemokraten Breitfcheib und Stocker (Heiterkeit) hätten gar kein Recht, ben Deutfchnationalen einen Vorwurf auS ihrem Umfall in ber Locarno-Po itlk zu machen. Die Deutfchnationalen Hnb Flüict alS Breitfcheib (Heiterkeit >. sonst hätten sic nicht bic Machtposition, über bie sie jetzt verfügen. Die Deutschnatlonalen wollen jetzt im Bunde mit den kap talistischen Döllerbund-mächt. :i den EntscheidunaSkamps gegen das Proletariat u 'ch seine russische Vormacht führen. Selbstverständlich wird Deutfchland in b.e Bundesmmolsen'chaft gegen Ruhlanb gezwungen, trotz aller Beteuerungen StresemamxS. Der jetzige Bürge .ock ist nur bie Quittung für hie burch bie coxial- bemoh-aten verpfuschte Rovember-Revoluti?,-
Abg. v Graefe (Völk.) nrnnt eS bez.ich- nenb, bah bte Deutfchnationalen fich nld)t durch einen eigenen Rcbner an der Debatte beteil *,t haben. Sie fürchten wohl, sich durch eine Bil I» gung der Ltrcfcmann-Politik in W.berfpruch zu fetzen zu bem, waS He brauhen im Lande vvebigen. Dr Strefemann habe in Genf alle Trümpfe verspielt, bte er in ber Hanb hatte.
Damit schlicht bie AvSfprachc Der kommunistische Antrag gegen den Eintritt Dcutfchlan 's in bie KolonialmandatSkommifsion wirb abgelehnt. Da- kommunift fche Mihtrauenst'olum wirb in einfacher Abstimmung gegen bie Stimmen her 5<Dmmumften und Völkisichen bei Stimmenthaltung ber Sozialdernokralen abgelehnt. Der bcmokratifch-foz.albemokratlfche Antrag auf Verlängerung deS Sperrgcsetzes zur Fürstenabfindung wirb ohne Debatte bem Recht-auöfchuh überwiesen.
Montag 15 Uhr Kriegsgerätegesetz, Pacht- schutzorbnung und Neinere Vorlagen.
Die Besichtigung der zerstörten Ostbefestigunyen.
Berlin, 25. 3unl (Prlv.-Iel.) Wir der „Demokratische jeitungsbienfr rriührt, wird Gene - to l von PaweIsz die simlabung an die Sachverständigen der alliierten Mächte In ben näd)ffen Tagen Heraurgehen lassen. Der Besuch der jerfiörlen llaterflände s oll etwa Mille der nächsten Woche erfolgen. Die Lcslchtiguvgs- teife dürfte etwa zehn Tage in Anspruch nrijmrn. voraussichtlich wird cis Vertreter Frankreichs Major Duranl an der vefichtigungsrcife trll- nehmen.
Die Lage in China.
Schanghai, 24. 3uni. (Wolff.) (Reuter.) General Feng-Huhfiang 'r,at mit Tfang- kaifchek eine Vereinbarung getroffen, die Rord- truppen anzugreifen, sobald bie Provinz Hvnan vorn Feinde gesäubert ist. Ferner hat Feng- yuhfiong bie Hankauer Reaierung aufge o.oert, ben ko.mnuniftilchen Ratgeber Borodin unb andere Mitglieder der (Reg crung sofort aus- Autoeifen. Die übrigen Möglicher ber Ha^ lauer Regierung sollten nach Ranling kommen, um sich Fcna-yuhHang unb Tschang-kaischck an» Auschliehen. cts wird gemeldet, bah Feng-yuhfiang her. Vormarsch gegen Peking entlang der Cifenbahnlinjc Hcmkau—Peking letten wird, während General Tlchang-lat'chek weiter durch Sch antung rorstvhen wird.
3n Kanton Haden Hunderte von Arbeitern sich an den Kundgebungen im Fremdenviertel Schamien beteiligt. Da- Kanonenboot .ArguS' hat eine klein« Anzahl seanzöfifcher Sce^oldaten. bie die Stellungen in der fran* zösi'ch'en Konzession besetzten, gelandet. Lbines.Iche Polizei bewachte die Hauptstraßen von Scharnier, mit einem Panzerkrastwagen unb mit Feuerwehr-


