Hreilag, 25. März 1927
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesien)
Nr. 7t Dritte; Statt
Der Gießener Femeprozeß.
guiammenstötze zwischen Verteidigern und Staatsanwalt. — Die Vernehmung Tillessens.
toefen. . habe nicht bdtanbcn. Vx» »ar nur auf bcm Papier eine* Entwurf« von Äapüan- kuinant Äauter verzeichne«. £ 111 e f f« n habe fich über dir Rauheimer Sache außervrbentltch cmrüfttt. Mit Kern habe er über den Vorfall gesprochen, aber er habe ihm nicht Bestimmtes
6*
Hobe er (Zeuge)
aus
22.
und Lütgebrune
Rechtsanwälte
Vom Montag, 28. März • Kostenlose Vorführung
bis Samstag, 2. April s Handarbeit
Seltersweg 81
28411
des Angeklagten v. S.. teilt mit, daß fein ihm nur von einer „Keilerei in Nauheim"
Bruder Bruder
und £er der
bei.
Die den
I in
getagt.
Aach einer weitcoen kurzen Zeugenvernehmung folgt die Mittagspause.
Dritter Tag.
Dießen. 24. Marz 1927.
~ 9 d.e burbe wie
Dichtl-Spitze“
Hoffnung und Liebe entgegenbringen dürfen muffen, denn .Gott ist bei ihr drinnen". Posaunenchor Stockhausen-Schadges und Mannergesangverein IlbcShausen trugen festlichen Ausgestaltung des Gottesdienstes
Staatsanwalt. Don .Feme'
und Pfarrer D. Wait). Darmstadt, über Durchführung der Demeindeorganisation in hessischen Städten". Den Abschluß bildet Gemeindeabend.
B. Do dheim v. d. H., 24. März. Am _ März fanden sich aus dem traditionellen To
heiße es oft, diese Frag würde die D betonen, da Ib< ^--chk habe wie '•fe oW'A. daß bei
gungäort, dem Salzerbrunnen (bei Großlarben«. die Geistlichen des evangel. Dekanats Aodheun zu einer Pfarrerkonferenz zusammen. Die Versammlung wurde von Pfarrer Fresenius- Rodenbach mit Schriftlesung und Gebet eröffnet und von Dekan H e u h e l-Altenstadt gekile.. An der Konferenz nahm auch der Superintendent für Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner-Gic- ßen, teil, der über die neuen Bestimmungen hinsichtlich der Einsichtnahme in den ReligionSunicr- richt Bericht erstattete. Dieser Punkt der Tag.S- ordnung nahm, insbesondere durch die sich anschließende rege Aussprache, den größten Rau.n unter den Verhandlungen ein. so daß der für den Tag vorgesehene Vortrag des Pfarrer Fresenius über die .Allianzbewegung und die tir- weclungSbewegung" auf die nächste, nach Ostern stattfindende Konferenz verschoben werd.'n mußte.
stimmigen Beschlusses der Strasonftalts-Ober- beamlen und der Geistlichen konnte ein Gnadengesuch Salomon« befürwortet werden, da» Gesuch war aber wohl zu früh gestellt und wurde infolgedessen adgelehnt. (Angell. v. Salomon bricht bei der für ihn außeiordmrtlich günstigen Auslage des Strafanstaltsdirektors in Tränen aus > Der Zeuge gibt auch in der Schilderung mehrerer Einzelheiten ein außerordentlich günstiges Zeugnis über v. Salomon
Zeuge Wurster, vom Vorsitzenden sehr eindringlich zur Wahrheit ermahnt, sagt über Schmidt aus. Dieser habe Koloin genommen, weil er .ohne das nicht mehr leben" könne. Seit 1923 habe Schmidt seinen Lebensunterhalt durch Handlaschcnraub im Tiergarten bestritten: er (Zeuge) hält den Schmidt auch für fähig dazu. Für die .Schwarze Reichswehr" gesammelte Gelder habe Schmidt für sich selber verbraucht. Das sittliche Leben Schmidts sei ebenfalls sehr schlecht gewesen. Schmidt habe seine Feme- Sachen durch einen Mittelsmann an den Reichs- kommissar für öffentliche Ordnung verkauft. Das sei in den letzten Tagen im Berliner WilmS- Prozeß durch Antworten des Schmidt auf Fragen von Justiziar Hahn in der Gerichtsverhandlung fcftqcftcllt worden. Von einer ,Ra- tionalen Armee" sei ihm (dem Zeugen) nichts bekannt. Hierauf richtet der Staatsanwalt eine lange Reihe von Fragen an den Zeugen, die auf dessen frühere politische Tätigkeit Bezug haben. Es kommt dabei mehrfach zu lebhaften Szenen zwischen dem Zeugen und dem
Fragestellung in glu<?, der «taatsanwalkfWrfl aerichtcdirektor (f r Verteidigung ist von r hindert worden. Wern
richte
alle
Fr
nicht,
genau dasW und er nwi
Zur Richtigstellung.
In einem Teile unserer gestrigen Ausgabe ist an einer Stelle in bezug aus den Zeugen Schmidt versehentlich das Wort .A n g e k l a g - t e r" gebraucht worden. Es muh selbstverständltch richtig .Zeuge" heißen.
* ■ .' «sfe nie, Land- MMck'kt bicsu „Die B*ÄTji7finerl3ci|e be»
Vierter Tag.
Gießen, 25. März.
was im bisherigen Verlaufe dcr Verhandlung nur erst zweimal geschehen ist — so kann die Verteidigung an das Gericht appellieren und einen Gerichtsbeschluß verlangen. Von diesem Recht hat die Verte,digung bisher auch nur erst zweimal Gebrauch gemacht. Ich loste auch die Verteidigung vollständig zu Worte kommen. Im übrigen wollen wir doch im Intereste der Lache alle solche persönlichen Dinge beiseite lassen."
TicLachvcrständigcn über dcnCoraingcnutz.
Hieraus äußern sich die Sachverständigen. Medizinalräte Dr. S c r i b a - Gießen und Dr. Schäfer- Friedberg, über die Frage der Auswirkung des Kokaingenusfes auf die geistigen Fähigkeiten dahin, daß dcr Genuß deS KokainS die geistigen Funktionen vermindere und diese Auswirkung auch noch nach Jahren völliger Abstinenz von Kokain zutage trete.
Tic weitere Zcugcnvcrnclnnunq
Die Zeugen Rothsuchs. Tauber und I e n t s ch können über den Besuch Schmidts und Salomons in Wetzlar nichts besonderes aussagen. Ieutsch stellt Schmidt für die Zeil deS vierwöchentlichen Beisammenseins in Obcrfchlesien ein gutes Zeugnis aus. über die spätere Zeit ihrer Bekanntschaft äußerl ct sich aber in sehr ungünstigem Sinne für Schmidt. Ebenfalls ein schlechtes Urteil über Schmidt gibt der Zeuge Enders ab. der sich aus sittlichen Beweggründen von Schmidt zurückzog. Zeuge erklärt, daß Schmidt Kokainist gewesen fei. Zeuge Schröder- Frankfurt stellt den drei Angeklagten ein gutes Zeugnis aus. Von der Rauheimer Sache und der Dittmarbesreiung habe er erst später aus den Zeitungen erfahren. Don .absolutem Gehorsam". Verleihung von Radeln für besondere Leistungen, und von .Feme" ist dem Zeugen nicht- bekannt. Zeuge Kohlbecher spricht sich sehr günstig über Heinz aus. Schwing sei nicht der Mann, der einen Mord begehen könne. 3m gleichen Sinne wie die Vorhergenannten äußert sich auch der Zeuge S ch i p e l l e r - Frankfurt. Die Eltern des Zeugen Schmidt, wohnhaft in Wetzlar, sollen über ihren Sohn aussagen. Bemerkenswertes tritt dabei jedoch nicht zutage. Der Bruder des Angeklagten Schwing. Anton Schwing, unb dessen Frau verweigern die Auskunft. Zeuge Herbert Liebe- Elgershausen gibt sehr ungünstige Auskunft übet Schmidt und sagt u. a.. Schmidt habe ihn (Zeugen) zu einem Einbruch in das Wetzlarer Postamt aufgefordert, worauf er jedoch zu Schmidt bemerkt habe. .Du bist ja verrückt!" Von der Rauheimer Sache weiß Zeuge nichts.
Da der Angeklagte Schwing sich ermattet suhlt, wird die Sitzung gegen 7 Uyr abgebrochen und die Weiterverhandlung aus Freitag früh vertagt.
Das Gericht fährt in der Zeugenvernehmung fori. Zeuge Horst o. Salomon, der
In der RachmittagSversammluna hielt Prälat D. Dr. Diehl einen Vortrag über »Die Bedeutung der Konfirmation und unsere Pflichten gegen die Konfirmanden". Aus seinen reichen geschichtlichen Kenntnissen heraus zeigte er. wie die Konfirmation einst vor etwa 350 Jahren entstanden sei vor allem im Kamps gegen die Absplitterungen von der neu entstandenen evangelischen Kirche, gegen die .Wiedertäufer": wie eS ihr damals tatsächlich gelungen sei, größere Zerspaltungen zu vermeiden und daS Leven der Kirche selbst au verliefen und zu stärken. So sieht Prälat Diehl auch heute in unserer Ähnlichen, aber unendlich viel schwierigeren Lage die Hauptausgabe der Konfirmation und deS Konsirmanden- unterrichtS darin. daS kirchliche Bewußtsein der Heranwachsenden Gemeindeglieder, die Freude an der Zugehörigkeit zur Kirche Shristi zu wecken und zu stärken. Daraus ergeben sich die Pslichten der Kirchenvorsteher und her ganzen Gemeinde: Die ganze Konfirmandenzeit und den Tag der Konfirmation in jeder Hinsicht fo zu gestalten, daß die Heranwachsenden Kinder dadurch auf die Bedeutung dieser Zeit, auf die Bedeutung der Konfirmation für ihr ganzes Leben hingt- wiesen werden.
In der anschließenden Aussprache, an bet sich auch KreiSdirektor Dr. Michel beteiligt», wurden dann noch einzelne Fragen, befonberf her Heilighaltung deS Konsirmationstages. besprochen. Mit einem Dank deS Leiters an alle Mitwirkenden und die Gemeinde Ilbeshaufen. mit Gebet und gemeinsamem Gesang: .Run danket alle Gott", schloß die Tagung.
Rßcinhcssischcr Kcmcindctag.
Wie Oberhessen neulich In Butzbach, fo wird Rheinhessen am kommenden Sonntag inWorinS seinen evangelischen Gemelndetag haben Der Tag wird mit einem Festgottesdienst in der geräumigen Dreifaltigkeitskirche eröffnet, in der Pfarrer Mahr, Gießen, die Predigt übernommen hat. Um 2.30 llhr beginnt im Gemeinde- Haufe her eigentliche Gemeindetag. ES sprechen UniversitätSprosessor D. Dr. 6 o r hier, Gießen, über .Gemeindegottesdienst und Gemeindeleben"
nie etwas gehört.
Rach einer kurzen.Paule, während der das Gericht über verschiedene Beweisanträge berät, teilt der Vorsitzende mit. daß auf Antrag her Verteidigung noch als Zeugen geladen werden: Parteigeschästsfilhrer Weißer, Gießen, Leutnant Schröder und Kapitänleutnant a. D. Kauter. Offenbach.
Der Staats anwalt gibt hieraus eine Erklärung ab, daß seine Besprechungen mü den Angeklagten, Zeugen usw. natürlich geiehlich gestattet seien und von dem Bestreben eingegeben waren, die Angeklagten auch menschlich näher kennen zu lernen.
Tic Vernehmung TillefcnS.
Hieraus wird unter allgemeiner Spannung Kapitänleutnant a. D. Tillessen. zur Zeit Kaufmann in Koblenz, als Zeuge vernommen. Er gibt zunächst Auskunft über den Aufbau des D. n. S. und über seine Tätigkeit als Führer. Aus seinen Eid nehme er, daß niemals in der Brigade oder im Reudeutschen Bund ein Feme-Fall vorgekommen fei; feine Stellung fei fo gewesen, daß er das hätte erfahren müssen: ab und zu sei wohl einer mal verdroschen worden, aber eine Femetat sei das nie gewesen Don . Seme" könne vielleicht nur insoweit gesprochen werden, als den Aufzunehmenden gesagt wurde, „Verräter verfallen her Feme." Das sei aber nur zur Abschreckung geschehen und niemals in eine Tat übergegangen, jeder hätte sich darunter denken können, waS et wollte. Eine .Rationale Armee" habe nur in der Idee des Heinz bestanden. Don der Rauheimer Tat sei ihm nach seiner Rückkehr von einer Reise von Salomon und Schwing zum erstenmal erzählt worden. Später habe Kern zu ihm einmal davon gesprochen und sich darüber etwas luftig gemacht, Schwing sei davongelaufen, der sei gar nicht daran beteiligt gewesen. Später habe er auch mit Wagner darüber gesprochen, der für die Körperverletzung eine Entschädigung haben wollte, diese aber nicht erhielt. Für eine Schlägerei sei ihm die Sache doch zu ernst erschienen. Zeuge T i l l e f s e n äußert sich hierauf über die Angeklagten. Heinz sei sehr geistreich, besitze aber auch viel Phantasie. Salomon sei ihm von Frankfurt bekannt, er habe ihn gern gemocht. Schwing fei ein guter Mensch, aber sehr schwäherisch veranlagt und wolle immer gerne etwas scheinen. Ti liessen sagt weiter auS, er wisse von Kern, daß Wagner bei der Organisation Escherich Erpressungen versucht habe. Kern habe ihm (Zeugcn) daraus einmal gesagt, dem Wagner, der mit Dcrrat gedroht habe, müsse daS Handwerk gelegt werden. Es fei dann in Aussicht genommen worden. Wag n e r eine Stellung zu verschaffen. Heinz sei der Leiter vom D. n S. in Frankfurt gewesen, er (Zeuge) habe den Gau geleitet. ES werden hieraus verschiedene Ding« erörtert, die in die Rathenau- und die Scheibe- rnann-Sache hineinspielen. Hierzu wird auch Schmidt gehört. T illes se n nimmt dabei auf seinen Eid. daß die von Schmidt gemachten Angaben über Besprechungen in Frankfurt zur Ermordung Rathenaus und zum Attentat auf Scheidemann, bei denen Heinz, Salomon, Wagner. Schwing, er (Tillesfen) usw. beteiligt gewesen fein sollen, in keiner Weise den Tatsachen entsprechen, sie seien völlig aus der Luft gegriffen. Soweit er (Zeuge) im Bilde sei, habe die Organisation E. nur auf dem Papier bestanden Kern fei eine sehr starke, suggestive Persönlichkeit gewesen, und dadurch habe er wohl auch einen so starken Einfluß auf Salomon ausgeübt. Die Absicht. Wagner zu ermorden, halte er bei dem Angeklagten nicht für gegebener glaube an die Absicht einer .Abreibung", nur sei diese sehr ernst geworden. Eine Aussöhnung zwischen Kern und Wagner nach der Rauheimer Tat bestreitet der Zeuge mit Entschiedenheit. Am Schlüsse der Dernehmung wird der Zeuge vereidigt.
Zeuge Blaß leistet den Eid nach der Verfassung. d. h. ohne die religiöse Formel. Er außer: sich zunächst über die Angeklagten; Schwing sei ein übedbann ter, wichtigtuerischer Mensch gewesen, der .'ich immer an die Rock- schöße gehängt" habe, mit Salomon und Hein- Habe man gerne verkehrt, sie feien beliebt ge-
ES werden hieraus zahlreiche Episoden dem Rathenaumord, dem Attentat auf. Scheide mann, bcm Wirken her Verbände usw besprochen. Hierbei steht Schmidt im Mittelpunkt der ganzen Auseinande.:sehung, und er macht babei eine Fülle von Angaben, bie start burcheinanberlaufen und nur von einem Spezialisten auf dem Gebiete der Femeprozesfe richtig vedolgt werden können. Im Verlause dieses Hin und Her nimmt R.-A Lütgebrune scharf Stellung gegen Schmidt und bezeichnet dessen Ausführungen als P h a n t a ft e r e i lediglich zu dem Zweck, sich hier interessant zu machen. Der Staatsanwalt protestiert gegen diese Aeuherung deS Verteidigers, einem Zeugen .Phantasterei" vorzuwerfen. RA.L ü t ge b r u n e weift den Protest des Staatsanwalts in scharfem Tone zurück und erklärt, er taffe fich in keine« Weife das Recht zur Kritik von dem Staats-
Buntes Allerlei.
Ein 87jähriger Doktorand.
Sin Prüfling, der mit 87 Jahren den Doktorgrad erwirbt, ist gewiß keine alltägliche Erscheinung. und noch merkwürdiger ist e-. wenn er ein Examen nachholt, zu dem er fich bereit» vor 65 Jahren vorbereitet hat. Dieser Fall ist jetzt an der Sorbonne, der Pariser Universität, eingetreten. LouiS Andrieur erwarb hier als Greis die Doktorwürde der Literatur, die er als Student m Lyon 65 Jahre früher nicht erlangt hatte. Andrieux mußte damals and Famllien- grünben fein Studium plötzlich abbrechen, nachdem et feine juristischen Gramen gemacht aber nicht doktoriert hatte. Er wurde dann Staatsanwalt, Polizeivräfett in Paris und war schließlich französischer Gesandter in Madrid. Jetzt hat er sich im hohen Alter noch einmal auf da- Doktorerarnen vorbereitet und es glücklich bestanden.
Lesen Sie bitte unsere morgige Anzeige
HausderKandarbeit
Die Nachmittagssitzung.
Zu Beginn der Sitzung teilt der Vorsitzende mit. daß der Gerichtshof bem Antrag der Staatsanwaltschaft belr Gutachten über den SccstcSzuftand des Angeklagten Heinz insofern ftattgibt, als der Sachverständige. Medizinalrat Dr. Schäfer, bei seinem allgemeinen Gutachten auch über Hrinz Geisteszustand sich äußern soll, da er Heinz im Gefängnis in Butzbach Lmneugelcrnt habe, ileoer die Dezi Hungen ,zlrtkchen Eocaingenuß und geistige Fähigkeiten «Antrag her Qterteibigung betreffend Schm idt-.Halb Ichuh") sollen sich die Sach- verständigen generell äußern
Um dcn Zcugcncid
Bet dec Fortsetzung der Vernehmung des Zeugen S ch m t d t - _H a l b s ch u h" bringt RA. Schlink zunächst zur Sprache, daß Schmidt geäußert hat. wenn er von den Rechtsverbänben kein Geld bdominen werde, müsse er .so aus- fagen". RA Schlink bcnei.nl al« Zeugen dafür den als Berichterstatter für ein Berliner Blatt am Prelletisch anwesenden Kaufmann K o st o r z - Gießen. Da« Gericht beschließt dessen Vernetz- mung. Zeuge Kostorz - Gießen, zur Eidesleistung aufgerufen, verweigert den Gib. da er nicht schwören wolle. Er fragte, ob ein Versprechen genüge. Vom Vorsitzen den darüber belehrt, daß er den Eid nur aus religiösen Gewiffensbebenken verweigern könne, schwort der Zeuge schließlich, ba derartige Bedenken nicht vorliegen Er erklärt dann, gestern vormittag habe er mit Schmidt auf dem Korridor des GerichtsgebäudeS gesprochen; er habe Schmidt gefragt, waS er für Sachen mache, und dabei Hobe Schmidt gefügt: ..Wenn die mir nichts geben, so bleibt mir nicht« andere« übrig." Zeuge Koftorz hat das Wort .die" auf die RechtSverbändc bezogen. Zeuge Schmidt erklärt hierzu, er habe gemeint, wenn die Rechts- nerbänbe ihm Geld gegeben hätten, dann hätte er in« Ausland flüchten können, und da brauchte er hier nicht auSzusagen
Zufamrncnllotz cincs Bertcidigcrs mit hem Ltaatsanwalt
anwalt beeinträchtigen.
Hierauf äußern sich die Angeklagten Heinz und Schwing zu Angaben Schmidts, die dahin gegangen sind, die Rathenaumorber hätten durch Pralinenzuftellung aus den Reihen brr Rechtsverbände vergiftet werben sollen. Heinz und Schwing bezeichnen biese Angaben al« Lüge und gemeine Verleumdung.
Lcharfcö Vorgchcn dcr Verteidigung gcgen Schmidt«„Halbschuß".
RA. Schiink bemerkt, wenn ba« Gericht den Aussagen Schmidts Glauben schenken sollte, so stelle er jetzt schon vorsorglich den Anttag. den General Ludendorf uni) den Prinzen Eitel Friedrich als Zeugen zu lcchen.
Die weitere Vernehmung des Zeugen Schmidt dreht sich um allerlei Dinge innerhalb der Rechts organisationen. RA. Lütgebrune fragt dabei den Zeugen S ch m i d t • a l b f d) u h": „stehen Sie im Dienste der Berliner politischen Polizei? Zeuge: „Nein". RA. Lütgebrune. „Haben Sie früher Geld von dieser erhalten oder erhalten Eie heute noch welches daher?" Zeugte: „Nein".
RA. S ch l i n k fragt nun den Zeugen Schmidt: ..Von was leben Sie?" Zeuge. „Ich bin schriftstellerisch tätig." RA. Schlink: „An wen schreiben Sic, wie oft und welches Einkommen haben Sie?" Zeuge: „Ich schreibe für das Berliner Tageblatt, die Voss. Ztg., die Wellbühne und kleinere Zeitungen.-Ich erhalte für die Zeile 40 Pf." RA. Schlink: „lieber sein Einkommen sagt Schmidt bis jetzt nichts. Ich behaupte, der Zeuge lebt davon, daß er überall zu den Prozessen l)e rumreift." Zeuge: ,Lch habe monatlich 200 bis 300 Mk/
DcrVcrkcidigcr R. ASchlink bcschrncrk sich.
In die Auseinandersetzung über die Einkommens-
Kirche und Schule.
Dorskirchenvorsteherragung in Ilbeshausen.
• Ilbeshausen. 23. März. Am Montag.
21. d. M.. fand hier eine der von dem Dorf- lirchenverband für Oberhessen veranstalteten Dorf" kirchenvorsteher-Tagungen statt. Schon der Sonntag war für die Gemeinde Ilbeshausen ein besonderer Feiertag durch den Dvrmirlagsgottes- bienft. in dein Pfarrer D e o r g i - Ermenrod predigte, und durch den Geineindeabetrd, der als Pestalozzi- Feier gestaltet war. Eine besondere Bedeutung für Die Gemeinde erhielt der Abend durch bie Anwesenheit des Superintendenten von Oberhessen, Oberkirchenrat Wagner.
Die eigentliche Tagung am Montag, zu der mehr als 200 Teilnehmer erschienen waren, wurde durch einen Gottesdienst eröffnet. Oberkirchenrat Wagner predigte im Anschluß an Psalm 46. D. 5 und 6 über die Kirche als unsere Heimat, der wir trotz all ihrer Schwächen dennoch Glauben,
rügen, daß der Staatsanwalt nicht nur mit den Angeklagten (Schwing), sondern auch mit den Zeugen und sogar der Mutter noch nach Eröffnung des Hauptvedahrens gesprochen hat. RA. Lütge- b r u'n c beantragt, den Gießener Gesängnisinspek- tor als Zeugen Dafür gegen den Staatsanwalt zu laben. Die Mutter Salomons habe fich bei dem ltzefängnisinspektor entrüstet über das Vorgehen des Staatsanwalts geäußert. RA. L u l e i) bringt eine gleiche Beschwerde über den Staatsanwalt in bezug auf eine Unterredung mit der F ra u des Angeklag- ten Schwing vor.
Staatsanwalt Weidemann erllärt. es sei ausgeschlossen, daß er in der vom Tcrlcibiger beanstandeten Weise zu Frau Schwing gesprochen habe. (Das Bemühen des Staatsanwalts soll nach den Worten der Verteidiger dahm gegangen fein, die Angeklagten zu Auslagen gegen Heinz zu bewegen.' Zeuge Gerte, Wetzlar, äußert sich gleichfalls sehr ungünstig über Schmidt. Zeuge Landgedchtsrat G r a ß k e. Berlin. Untersuchungsrichter in Berlin, äußert sich über Schmidt, den er in dem Landsberger und dem Berliner Zemeprozeß eingehend ver- hat. Im großen und ganzen hätten fich d) m i b t vorgebrachten Tatsachen als «.ausgestellt, wenn er auch feine Mit- Ira la Feuilleton aufzog. Daß er Kofel. habe Schmidt dem Zeugen gegen- f entschieden be ft ritten. Ihm idem Zeugen) habe Schmidt zugegeben, daß er der Polizei gegenüber absichtlich falsche Angaben gemacht habe. — Die Verhandlung geht weiter.
Strasanstaltsdirektor Tränt sch. Sttiegau. bezeichnet v. Salomon aus Grund sehr ein- gehender Beobachtungen als einen gutmütigen und tief veranlagten, außerordentlich wahrheitsliebenden Menschen. Auf Grund eines ein-
Verhältnisse Schmidts greift der Vorsitzende wiederholt ein, um die Fragestellung mehr auf die Behandlung der eigcnllichen Prozeßsache zu richten. Dcr Verteidiger RA. S ch l i n k gibt hierauf eine Erklärung ab. daß er sich durch den Vorsitzenden in der VertzMigung beschränkt fühle. Der Staatsanwalt " ragen an Zeugen und Angeklagte, würden. Wenn aber die Serie
berichtet hat, ohne Einzelheiten zu nennen. Weiter gibt der Zeuge sehr ungünstige Auskunft über Schmidt. Ferner teilt Zeuge Salomon mit, feine Mutter habe ihm mit großer Entrüstung erzählt, Staatsanwalt Weidemann habe ihr gejagt, sie solle auf ihren Sohn (den Angeklagten) einwirken, daß er gegen Heinz aussage, denn nur dadurch könne er seine Lage erleichtern. Staatsanwalt Weidemann bemerkt, von einer Seern» fluffung der Mutter Salomons könne keine Rede sein, er habe nur empfohlen, der Angeklagte Salomon solle durch bereitwillige Auskunft seine Lage erleichtern, auch durch Aussagen gegen Heinz. Die


