Ausgabe 
25.3.1927
 
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Vr. 71 Zweites Blatt

Die Rheinlandräumung.

Don unterem v. L. - Berichterstatter.

(Rachdruck auch mit Quellenangabe, verbotenI) Paris. Witte März 1927.

Dem tranzötltchen Minister - Präsidenten Poincare wirb die Aeuherung in den Mund gelegt, eine Räumung deS Rheinlandes könne nv:n tranzösilchen Kabinett nur unter der Dor- ausleyung beschlossen werden, batz er a u S d i e - l e ni Kabinett auSscheide Ob dieser Aus­spruch tatsächlich gefallen ist oder nicht, er bürtie jedenfalls die Anschauung Poincaris sinngemäst wiedergeben. Poincore steht mit dieser Äullat- trtng innerhalb seines KabinettcS nicht allein da. Don seinen zwölf Minifterkollegen teilen sie vier. Der schärfste Gegner der Rheinland­räumung ist der Pensionsminister Marin, der ein"!: noch intranttgenteren Standpunkt alSPoin- cau einnimmt, während die Minister Tar- d i e u und D o k a n o w s I i mit Poincare über- dnftimmen dürsten Auch der Kriegsminister P a i n l e o t, der seiner Vergangenheit und po­litischen Ueberzeugung nach durchaus nicht zu dieser Gruppe gehört, sieht gleichfalls auf einem ablehnenden S'andpunkt. be.influht durch die Ge­neräle feiner Umgebung GS wäre aber durch­aus lalsch, in den übrigen acht Mitgliedern dks Kabinetts Anhänger einer Räumung--Politik zu erblicken. Die lind vielmehr, unter ganz be­stimmten Doraussehungen, die bei den einen weiter, bei den anderen nicht so weit gehen, imr für einen langsamen Abbau der Besatzung zu haben.

Da ein Mehrheitsvotum des sranzösischen Ka­binetts aus einen deutschen Antrag in derRäu- mungslrage des Rheinlandes kaum in Frage kommt, wird man sich stets vor Augen halten müssen, dast die Reichsregierung mit der bis heute verfolgten außenpolitischen Taktik nur ge­ringe Aussichten auf Erfolg hat, solange daS sranzösische ftabtnelf in seiner jetzigen Zu- samrnen'ehung fortbesteht. Poincare bleibt aber am Ander, bis der Franken stabili­siert ist, da in Frankreich von allen Parteien den inneren und finanzpolitischen Problemen grö- fkre Bedeutung beigemessen wird, als den au- tzenpolitischen. Die Stabilisierung scheint Poin- carc aber andererseits hinausschieben zu wollen, bis er die R e n w a h l e n gemacht hat. D r i a n d wird daher einen schweren Stand haben. Gr wäre noch am ehesten zu einem Entgegenkommen bereit, um seine Lieblingsidee einer deutsch- französischen Annäherung zu retten. An seinem ehrlichen Willen, zu einer Verständigung zu ge­langen, braucht nicht ge,zweifelt zu werden Denn er die deutsch-sranzö'ische Verständigungspolitik an der Weigerung der Rheinlandräumung wird scheitern sehen welchen Ausweg wird dieser gewiegte Politiker dann suchen?

Aber nicht nur das Pariser Kabinett hat Su entscheiden Auch die Stimmung in den beiden Kammern ist von größter Vedeutung. Es unter­liegt keinem Zweifel, daß eine große Mehr­heit deS Senats gegen d i e Räumung -ft. In der Deputiertenkammer find nur die Sozialisten und die Stommuniften ihre Befür­worter. Bereit- die Radikalen sind sich durch­aus nicht einig. Für sie alle, die einen ent­gegenkommenderen Standpunkt einnehmen, ist die entscheidende Frage, ob Frankreich vor einer Rcuorganisation des Heeres und dem Ausbau feiner östlichen Befestigungen die Frage der Rhemlandräumung ernstlich diskutieren darf. 3,' vielfach geht man so weit, auch für P o - len eine ausreichende Zeitspanne zum Reubau von .nodernen Besestigungsanlagen an der deutsch-polnischen Grenze zu verlangen. Denn Sic Befürchtung iit sehr allgemein, daß nach einer Räumung des Rheinlandes Deutschland sich gegen Polen wenden werde Hier must ge­sagt werden, dast weite Kreise selbst gernäßtg- icr Richtung immer wieder betonen, die fran­zösische Rheinlandbesetzung fei eine Garantie des Friedens für Frankreichs Verbündete an den O-d ren Grenzen deS Reiches. Da man ernstlich

Knofpenwunder.

Don E. Dorrn. Berlin.

Auch die strengste Winterkälte vermag das Pilanzenleben nicht gänzlich stillzulegen: es pulst langsam und in unmerklich feinen Rhythmen weiter. Es lebt in der Wu' jd, die auch im winterlichen Erdboden nach Rahrung lucht, es strömt m den feinen, nur einen fünfzigsten bis einen hundertsten Teil eines Blillimeters im Durchmesser fassenden Zellschläuchen und sam­melt in den unscheinbaren Knospen die Stosse, die im Frühling die Blätter- und Blütenpracht aus den Hüllen sprengen sollen.

Bereits im vorigen Herbst hat die Ratur die Knospen ausS sorgfältigste vorbereitet und darum kann schon im Oktober jeder Obstzüchter sicher Voraussagen, welcher Baum im nächsten Jahre gut" und welcherlchlecht" blühen wird. In der stillen Vorbereitung auf den Frühling vollzieht sich das große Wunder: Während im Winter die Ratur zu schlafen scheint, bereitet fie schon das groste Entfalten im Frühling unsichtbar vor. Was ist nun eine Knospe? Mit einem recht schar­fen Messer schneiden wir eine Kastanienknospe (eine dxr prächtigsten Knospensormen!» der Länge nach von der Spitze bis zur Anwachsstelle auf. In einem weihflaumigen Haarbettchen wohlver- Vüci. auf den allerkleinsten Raum zusammenge- hrängt. erkennen wir mit Hilfe eines gewöhnlichen Bergröherungsglases die winziglleine Blüten- anlage. umgeben von den werdenden Blättern, kunstvoll aufgebaut auf dem zwar stark ver- fürsten, aber deutlich zu erkennenden Zweige. Ordnende Raturkräfte haben schon in der zweck­mäßigen Anordnung ein zweites Wunder ge- fchassen und die einzelnen Teile so angeordnet, daß es nur des Frühlings bedarf, um Blätter und Blüten hemmungslos zu entfalten!

Troy grimmigster Kälte erfriert die .ruhende' Knolpe nicht, obgleich sie bis ins Innerste durch- kältet und dem unbarmherzigsten Frost schutzlos vreisaegeden wird, denn die Ratur hält in weiser Zweckmäßigkeit das Waller in der Erde zurück. Wollte die Pflanze die Knospen jetzt schon mit Säften füllen, allotreiben lallen, so würden beim Gefrieren die zarten Zellwände gesprengt und ba$ lebentragende Protoplasma würde zer­stört werden. Darum sammeln sich in den Zweig- spitzen jetzt nur solche Stoffe, mit denen der Frost in dem feinen Lebensgetriebe der Knospen fein Llnheil anrichten kann

Sreitag, 25. März 1927

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

die militärische Lähmung Deutschlands auch m dielen Kreisen nicht bestreiten kann, darf man wohl behaupten dast der Hauptgrund dieses Widerstandes gegen die Räumung die Befürch­tung ist bet- Deutschland umschlichen de sran- zölische Bündnissystem beim Verschwinden des letzten französischen Soldaten aus dem Rbeinland zusammenbrechen zu leben.

Wie wenig es den Franzosen au' die ccd-t- liche Lage anlommt hat die Behandlung der Saarsrage vor dem Dölkerbundsrat bewiesen. Wenn man nicht will, dann will man eben nicht Di' Sicherheit Franlreichs. die nach dem § 429 deS Versailler Vertrages vor der Räumung deS Rheinlandes gewährleistet fein muh, und die b?n Franzosen, trotz des völlig abgerüfteten Deutschlands noch immer nicht ausreichend er­scheint, wird eben immer und immer noch zu wünschen übrig lassen". HeereSreform und Feftungsbau werden vorgelcaützt und die Ver­schleppungstaktik wird angehender werden. Man wird mit den militärischen Vorbereitungen nie­mals fertig sein. Das Odium. daS auf Frank­reich als WeltfriedenSstörer fallen wird, neh­men die Franzosen auf die leichte Achsel. Letzten Endes werden eS wieder die Deutschen sein, die durch ihre ..unberechtigten Forderungen" den Weltfrieden stören.

Welchen Standpunkt kann Deutschland dieser sranzösischen Haltung gegenüber einr.ehmen? Die Reichsregierung ist im Begriffe, durch einen für Frankreich nicht ungünstigen Handelsvertrag die beste Waffe au# der Hand zu geben. AIS eines der wenigen Druckmittel bleibt unS nur noch der ernste und nachdrückliche Hinweis darauf, dah eine deut'ch-französische Verständigungspolitik nur unter der Voraussetzung fortgesetzt werden kann, dah fie als erstes greifbare# und positives Re­sultat die Rheinlandräumung bringen müffe. Der Hinweis, dah es für Deutschland nach seinem Wiedereintritt als gleichberechtigte Grohmacht in den Kreis der übrigen europäischen Staaten auch andere politische Orientierungsmöglichkeiten gibt es sei nur auf Italien und Rußland hinge­wiesen wird auf Briand seinen Eindruck nicht verfehlen, und ihm den Rücken für seine Ver­ständigungspolitik stärken. Die Franzosen glau­ben leider immer noch, dah Deutschland nur als Bittender zu ihnen kommen könne, dah für Deutfchland die deutsch-französische Derstän- bigung die einzig mögliche und gangbare Politik sei. Gerade diejenigen Deutschen, die die deutsch­französische Verständigung am wärmsten befür­worten, sollten Frankreich klar zu machen suchen, dah am A n s a n g aller Verständigungspolitik die Lösung des Rheinlandproblems steht und dah wir Deutschen, wenn Frankreich sich ihr widersetzt, uns andere Freunde zu suchen gezwungen sind!

Die deutschen Generale im Weltkriege.

Von Henn. v. Detten, Major a. D.

Wer die Ehrenranglifte, die vom DOD. her- ausgegeben wurde, zur Hand nimmt und die Listen der Regimenter, naturgemäß vor allem der Infanterie, durchblättert, dem wird man vom Sterben deS deutschen Ossizierkorps für das Vaterland kaum noch etwas zu sagen brauchen! Bei flüchtigem Durchblättern in bezug auf die Regiments- und selbständigen Bataillonskom­mandeure fand ich allein unter diesen mehr als 300 Gefallene. Aber diese Rangliste berichtet nur über Tod unb Leben. Was es dazwischen an Kriegsopfern gibt im alten Ossizierkorps, die in­folge Verwundungen und Krankheiten noch heute nicht leben und nicht ft erben können, muhte dieses Buch verschweigen. Die Gegner der alten Ar­mee haben sich in ihrem Kampfe besonders mit den hohen Führern, unseren Generalen beschäftigt. Es ist eine Pflicht zur Feststellung der geschicht­lichen Wahrheit, wenn wir in bezug auf untere hohen Führer, die gesamte deutsche Generalität, einmal die Tat lachen sprechen lassen! Unser Generalfeldmarschall von Hindenburg wurde be-

Welche großen Verschiedenheiten zeigt doch das Aeuhere der Knospen unserer Gehölze! Schon in der bescheidenen Knvspenform entwickelt die schöpferische Ratur einen großen Formenreichtum, bei dem sie sich nie wiederholt. Es bedarf schon einiger Kenntnisse, um das Rätsel zu raten: Welchem Baum gehören diese und welchem Strauch jene Knospen an? Da finden wir alle Niedergänge von fchlantfpindeligen Formen (Rot- buche) bis zu den fast kugeligen (Weißdorn Linde'. Dann die Stellung der Knospen: Hier stehen sie paarweise genau sich gegenüber, oft kreuzweise wechselnd (Flieder. Esche» dort schein­bar regellos, meist aber gleichmäßig verteilt zu Spiralen angeordnet. Alle Farben vom tiefsten Schwarz (Esche) bis zum leuchtenden Rot (Linde» sind vertreten. Ferner die Haltung der Knospen Einige legen sich dicht an den mütterlichen 'weig (Pappel. Weide), andere sind sparrig abiteheno (Rotbuche). Sin kleines Wunder für sich ist der verschiedenartige Bau des Schuppenkleides. Da besitzt die Eiche etwa 20 trinzigkleine Schuppen, während sich die Linde mit zwei großes begnügt, und beim Faulbaum. Holunder und Schneeball unserer Parkanlagen und Gehölze stehen die Mei­nen Blättchen nackt und bloß da ohne die schüt­zenden Knospenschuppen. Immer sind sie hart, dachziegelartig fest aneinanderzelegt und bei der Pappel und Roßkastanie mit einem dicken Harz- Überzüge fest verklebt. Er schützt den Trieb ebenso vor lüsternen Schädlingen, wie es die abscheulich schmeckenden Bitterstoffe in den Fliederknolven und die gummiartigen Schleimstolle in der Lin- denlnofpe tun. wovon wir uns durch das Zer­beißen leicht überzeugen können.

Aber neben der tiefsten Winterruhe gibt es in der Knolpenwelt auch lvrühend<s Lebe» Ende Februar blühen unsere Hatelbrllche als erste Frühlingsboten. Der rauhe Wind schüttelt aus den niedlichen Kätzchen den gelben Blütenstaub heraus auf die sich jetzt schon nach Befruchtung sehnenden winzigen Ruhknofpen t te an ihren blutroten, feinen Rarbenpinlcln kenntlich lind, mit denen sie den Pollen festhalksn Aus ihnen entstehen die Halelnüsfe. die Ende des Jahres unfern Weihnachtstisch zieren.

Draußen in der Ratur aber will alles seine Zeit haben, darum keimt die Kartoffel nie im Herbst ^xnb Obstzwnge. in der angegebenen Weife behandelt treiben im Rovember schwer in Januar ziemlich leicht, im Februar lehr leicht aus In Ruhe und Tätigkeit durch Sommer un^

reift 1866 verwundet, Generalfeldmarschall von Wovrsch desgleichen und Generaloberst v. Älud wurde sowohl 1870. tote als Armeesührer 1915 schwer verwundet. Don General v. Ludendorff ist bekannt, wie er bereits in den ersten Tagen des Weltkrieges im Kampfe um Lüttich persönlich cingtiff und Proben höchst en Mutes in rücksichts­losem Einlay ferner Perfönlichkeit gegeben hat. Auch Generalseldmarlchall Frhr von der Goltz war bereits .m ersten Vierteljahr des großen Krieges verwundet worden Don ihm schreibt General d Ins. a D. v. Kuhl in feinen Gedenk­tagen des Weltkrieges, als er d.e Kämpfe der Türkei in Armenien. Mesopotamien und am Suezlanal im Jahre 1916 schildert .Es ist er­staunlich. waS b.cler 72jährige passionierte Soldat körperlich und geistig zu leisten vermochte, der leider für zu alt befunden worden war. um ihm eine deutlche Armee auf den entscheidenden Kriegsschauplätzen in Frankreich oder Rußland anzuvertrauen. Schon Die Hinreise von Konstanti­nopel nach dein 3rai stellte nach der Schilderung, die lein Sohn auf Grund von Aufzeichnungen veröffentlicht hat. hohe Anforderungen an die körperliche Le.ftungsfähigkeit deS Feldmarfchalls Am 15. Rovember brach er von Konstantinopel auf. am 12. Dezember erst traf er im türkischen Hauptquartier vor Kut el Mara ein. Wieder­holt war er gezwungen, unter einem Zelt zu nächtigen, obwohl das Thermometer biS auf den Rullpunkt fiel warme Verpflegung konnte an manchen Tagen wegen Mangel an Brennstoff nicht beschafft werden Am schlimmsten ging es auf dem Dampfer her -der von Bagdad nach Kut el Mara benutzt wurde. Dort hatte der Marschall eine kleine Kammer, in der es von Ungeziefer wimmeltedas Deck war überfüllt von türkifchen Soldaten, die nach ihrer Genesung von Verwundung oder Krankheit zur Armee zu­rücklehrten. Es war unmöglich, an Bord einige Ruhe zu finden oder sich etwas Bewegung zu machen." Roch ein Beispiel sei aus dem Auf­satz deS Sohnes angeführt. Der Fekdmarschall hatte sich Ende des Jahres 1915 nach Kerman-

schah in Persien begeben, da beunruhigende Rach richten über das Vorgehen der Ruffen von dort eingetroffcn waren. Meldungen, die am 3. Januar 1916 über einen erneuten Vormarsch der Eng­länder zum Erian von Kut el Mara eingingen, bewogen ihn zur schleunigen Rückkehr nach Bag­dad. .Während der Rückreise schlug daS bis dahin günstige Wetter um. Es regnete in Strö­men. und die an sich schon sehr schlechten Wege waren in kurzer Zeit in Moräste verwandelt Bei Schachrabau blieb der Kraftwagen im Schlamm stecken. Kurz entschlossen setzte sich der Marlchall aus das Pferd eines Gendarmen und erreichte, nur begleitet von seinem Adjutanten Major von Restorss, in 40 Kilometer langem Rachtritt Bakuba." Generalseidmarschall Frhr. von der Goltz starb am Flecktyphus an der Front von Kut el Mara am 19. April 1916.

Die vorstehenden C.nielbeiten von bedeutend­sten Führern im Weltkriege mögen genügen um zu zeigen, wie in dieser hohen Führerschicht nicht nur rücksichtsloser Einsatz der Perlönlichkeit lr<i benb. sondern jener eigene KampfeSgeist lebendig war, der die Voraussetzung und Vollendung echten FührertumS von jeher toar. Beseelt von diesem Geiste haben sich zu Kriegsbeginn zahl reiche ältere Generale a. D. darunter Prinzen und regierende Fürsten, die in Selbslbescheidung erkannten, daß eine ihrem Range entsprechende Verwendung mangels Hebung und Erfahrung nicht für sie in Frage mehr kam, freiwillig unter das Kommando erheblich Jüngerer gestellt und Regimenter vor dem Feinde geführt, um nicht zu Hause bleiben zu müssen. In einem Alter, in dem der Beamte längst der wohlverdienten Ruhe zu Hause genoß, vergaßen diese Feuer­herzen die Last der .Jahre und standen mit ihrer Infanterie in Schlamm und Sturm am Feinde. Das war der Geist unserer Generale, vor dem ein Volk sich, ohne sich etwas zu ver­geben. in Ehrfurcht beugen darf. Vor dem Feinde fielen insgesamt 88 deutsche Generale Rid zwei Admirale. Es starben im Dienste sür daS Vaterland außerdem 185 deutsche Generale

Die Ferngasversorgung.

Von August S t e d l n g, Direktor des städtischen Gaswerkes in Gießen.*)

Die Wirtschaftlichkeit der Fernversorgung in Verbindung mit bestehenden Gaswerken scheint außer Frage zu stehen und die Ausführung wenn vorerst auch teilst reckenweise kommt zum Marsch, sobald die bestehenden Schwierigkeiten (Deaerechte usw.) überwunden sind und übet die Verteilung des Gases unter den Erzeugern, sowie über die abzufchltestenden Verträge ®inig- feit erzielt ist.

In technischer Beziehung bestehen noch De- denken über die Güte und Gleichmäßigkeit des Gases, denn Kokereigas fällt nicht gleichmäßig an und Braunkohlengas ist mit inerten Gasen ver­mengt, di» es schwer machen und die Heizkraft vermindern. Das auf den verschiedenen Kokereien erzeugte Gas müßte gründlich durchmischt, ge­reinigt und vielleicht veredelt werden, so daß es in allen Verbrauchsst eilen mindestens 4200 Wärmeeinheiten hat. In jedem Falle ist das Problem eines Ferngases von gleichmäßigem Heiz­wert noch restlos zu lösen.

Um die Verluste in den Fernleitungen mög- liehst gering zu gestalten, sollen die Verbindungs­stellen der Rohre geschweißt werden. Richt nur Stahlrohre können geschweißt werden, sondern auch Gußrohre, die durch das sog. Schleuder- versahren heute in ausgezeichneter Qualität her- gestellt werden. Die Berechnung der Lichtweite der Rohrleitungen, die unter einem Uebctbrud von 30 Atmosphären stehen sollen, hat ergeben, daß z. B. die geplante Fernleitung Hamm Berlin von etwa 500 Kilometer Länge einen Durchmesser von 300 Millimeter erhalten müßte und bei einseitiger Belastung und unter Berück-

*) Vgl. 9tr. 68 vorn 22. Mär; unbJlr. 70 vom 24. März desGießener Anzeigers".

Winter, in Frost und Hitze schwingt das Pendel des Lebens in ewigem Rhythmus wir leben ihn auch im Knofpenwunder!

Wie Beelhoven aussah.

Der Beethoven-Kopf, dies Sinnbild des dämo­nischen Genies, blidt uns in diesen Tagen, da sich die ganze Welt zur Feier seines hundertsten Todes- tages rüstet, überall entgegen; es gibt kein bekann­teres, kein einprägsamerem Gesicht als die Züge des großen Komponisten, und doch wie Detfdne- öenartig sind seine Bildnisse, sind besonders die Idealporträts, in denen sein Antlitz in daS eines unwirklichen Visionärs umgestaltet wird! Gerade weil wir alle Beethovens Aeuheres so gut zu kennen glauben, erhebt sich die Frage: wie sah er wirklich aus? Wie cnttoidelte sich das Btld seines Aeuheren im Laufe dieses an ungeheuren Werken so reichen Lebens? Die einzige getreue Antwort daraus können unS die zeitgenössischen Bildnisse geben, aus denen unS seine Erscheinung von seinen Iüng- lingstagen bis zur letzten Reite lebendig entgegentritt. Das erste Bildchen aas uns Beethovens Züge bewahrt, ist ein Schattenriß aus dem Jahre 1786. Der Sechzehnjährige ist hier als .Hcllorganist" im engen Staatskteid mit Spitzenjabot und sorgsam gestochtenem Zopf dargestellt, eS ist ein unschuldig ernsthaftes Kindergesicht, daS aber in der vorge­bauten Stirn der breiten Rase, im vollen Mund die spätere Ausprägung dieser noch weichen Züge ahnen läßt und in dem kurzen Hals auf eine ge­drungene untersetzte Figur hinweist. Schon damals entstellten häßliche Podennarben sein Gesicht. In Wien Fiel der junge Beethoven in den zierlichen Rokokokreilen durch das Wilde" feines Aussehens auf. .Beethoven,' o schildert ihn Ezernv aus jener Zeit, .war in eine Jade von langhaarigem dunkel- grauem Zeug und gleiche Beinkleider getleiöet, so dah er mich an die Abbildung des Eampfchen Robinson erinnerte. Da 3 oechfchwarze Haar sträubte sich zottig, ä la Titus gedmitten, um seinen Kopf.' Die Bildnisse aus den ersten Jahren des 19. Jahr- bundcrts drücken dann dem Gesicht den dämonischen Leidenszug auf. den fein stets schlimmer werdendes Gehörleiden vertiefte, wie wir aus der Tragik seines .Heiligenstädter Testaments' ahnen. Das unor- dentliche. wirr flattern he Haar, der dunkle, ziemlich tie* herabreichende Battcnbark, die buschigen Augen- brauen geben dem Gesicht etwas Düsteres.

Aus der Zeit der . Sroica" stammt ein Bildnis im Besitz der Fanulie Brunsvik der bekanntlich

'ichtigung der Zwischenentnahmc etwa l Milliarde Kubikmeter Gas im Jahr leisten würde. Diefe Fernleitung würde nebst den dazugehörigen An­lagen 40 biS 50 Millionen Mark kosten: sie erhält einen verhältnismäßig geringen Durch- meffer. weil Gas im Gegensatz zum Wasser sich bedeutend pressen läßt: das Volumen des Gases nimmt bei steigendem Druck ab.

Heber den Umfang der vorgesehenen Fern­leitung ist zu bemerken, dah von Hamborn nach Hamm eine Sammelleitung geplant ist, die, nach Passieren dec dortigen Reinigungsanlage, als Fernleitung über Bremen. Hamburg nach Lübed und Kiel verlegt werden und später vielleicht über Stettin nach Berlin fortgesuhrt toerben soll. Diese Leitung soll die englische Gaskohle, die an der Küste und in Berlin mit der Ruhrkohle immer »stark konkurriert hat. auS dem Felde schlagen Die Ausfuhr nach deutschen Küstenplätzen ist im Steigen begriffen, ganz besonders macht sich aber in den umstrittenen Gebieten der englische Wett­bewerb fühlbar. In Berlin wird heute wieder englische Kohle billiger angeboten als deutsche Weiter sind Fernleitungen von Hamm über Han­nover. Braunschweig. Magdeburg nach Berlin, eine weitere von Hamm über Kassel nach Thü­ringen und Sachsen und schließlich von Hamm dem Rhein entlang nach Hessen. Baden Württemberg und Bayern geplant Bon Oberschlefien aus ist eine Fernleitung über Breslau. Riederschlesien und Dresden nach Berlin vorgesehen. Aus dem sächsischen Steinkohlenrevier soll eine Fernleitung in Verbindung mit der auS Oberschiellen kommen­den Leitung nach Berlin und eine über Zwickau nach Süddeutschland geführt werden. Weiter soll eine Fernleitung von den vorgesehenen Groh- schwelanlagen des mitteldeutschen Braunkohlen-

die .unsterbliche Geliebte' angehört haben soll. Das Heldenhafte und Starke bricht nun aus diesem Kopf hervor mit dem stolzen schwarzen Haar und langen Bart, den kühnen, majestätisch blidenben Augen, den befehlenden Mund, der mächtigenLlirn. Diesem Beethoven trauen wir das große Wort zu, das er über Rapolevn gesprochen haben soll: .Schade, daß ich die Äriegjlunft nicht so verstehe wie die Tonkunst: ich würde ihn doch besiegen!" Auf einem späteren Porträt von W I. Mähler ist Beethoven, im Freien sitzend, mit einer Lyra dar­gestellt : aus dem in gesunder Fülle getöteten Ge­sicht sprechen mildere Stimmungen, unb in den weichen Schatten der Stirn, in der gütigen Herz- lichkeit des Mundes scheint die Musik des .Fidelio" aufzuklingen, die ihn damals bewältigte. Zu An­fang des zweiten Iabrzents des 19. Jahrhunderts bilden sich bann allmählich jene .zyklopischen" Formen des Hauptes, jene gefurchte Tragik der Züge, die wir mit dem Beethoven-Bilde verbinden unb die zuerst in der Büste KleinS von 1812 auf­treten. Kleins Werk geht auf die vom Antlitz deS Meisters gewonnene Maske zurüd unb bildet den eigentlichen Maßstab für die Aehnlichkeit aller Bildnisse. Die .himmlische Stirn, die von der Har­monie fo edel gewölbt ist, daß man sie wie ein herrliches Kunstwerk anftaunen möchte", so hat Bettina geschwärmt verleiht diesem Antlitz feine Verklärung Je älter Beethoven wird, desto mehr vertiefen sich die Wesenszüge seines Gesichts. Seit 1816 beginnt fein Haar zu ergrauen, unb nun fin­den feine Besucher immer häufiger etwas Ge­spenstisches an ihm: .Das Ansehen eines Zauberers, der sich von den Geistern überwältigt suhlt, die er selbst beschwor." Zum .entgeisterten" Schöpfer stili­siert zeigt ihn das theatralische Gemälde Stieiers ober wie wenig hier der wirkliche Beethoven gegeber ist. sieht man schon aus den seinen durchsichtiger Händen, die nichts mit den groben, stark behaarter .Tatzen" deS Meisters gemein haben. 3m Jahrc 1823 hat dann der größte Maler Wiens, Wald- müller, ein Bildnis von ihm geschasten, daS seine Vollendung offenbart. Wohl wetterleuchtet dunkel Menfchenhah unb Schwermut in den düster bilden­den Augen, in dem qualvoll gepreßten Mund Aber das Erhabene dieses früh gealterten Antlitzes überstrahlt den mürrischen Ausdruck: in den flat- temben weihen Haaren, der toeltentrüdten Er- Icheinung, in dem wilden Tiefsinn und der unend­lichen Güte dieses stillen Gesichtes liegt eine Stimmung, die mit den Svhärenklängen der .Miss.^ folemnis" gen Himmel schwebt.