Ausgabe 
25.2.1927
 
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Nr. 47 Drittes Statt

Lietzener Anzeiger (Seneral-Anjeiger für Gderhesfen)

Steuug, 25. Februar 1927

Wirtschaft.

' Ueberzeichnung der neuen bpto* .5 e n t i g c n bayerischen Staatsanleihe. Sie <)eichnung aus die neue kprozentige bayerische Staatsanleihe im Gesamtbetrag von 75 Millionen Reichsmark hat einen vollen Erfolg gehabt Der größte Teil der Anleihe ist in Cperrftüdcn ge­zeichnet worden, so daß aus die für freie Stüde angemelbeien Zeichnungen durchschnittlich nur 65 Prozent dcS gezeichneten Betrages zugeleilt werben können.

Krantjurter Börse.

(Eigener Drahtbericht deS ..Gießener Anzeigers"^

Frankfurt. 25. Febr. Tendenz Abge- lchwächt, Siemens ft Halske fest. Dta Börse eröffnete sehr unsicher und an den Aktien­märkten in großer Zurückhaltung durch den erneuten Kurssturz der Anleihen. Hier verlautete, daß m Berlin verschiedentlich Reporigcld-Kündigungcn am Anleihemarkt zu er­warten feien, außerdem verweist man darauf, dah die Anleihe ein zinsloses Papier ist. also ein non valcur. Anleihe-Ablösung ging biS auf 25 zurüd. Schutzgebiet auf 13,4. Dadurch waren die Aktienmärkte verstimmt und zunächst sehr schwach Es blieb auch zu beachten, daß der Geldmarkt eine weitere Ver­knappung zeigte, sowohl für TageSgeld als auch für Termingeld D.ese dürste neben der gewöhnlichen Ultimo - Erscheinung der künsti- gen normalen Geldmarktlage entsprechen. Eine Sonberbewegung machten Siemens ft Halske durch, die mit 239 Prozent niedriger einsetzten, dann amtlich 241,75 (pluS 0,5 Prozent) notierten und hieraus rasch bis auf 247 Prozent stiegen. Auch die Vhein-Elbe-Gruppe konnte von ihrem AnfangSverlust von 2.5 Prozent im Verlaufe 1,5 Prozent wieder ausgleichen. Rhrinstahl blie­ben weiter beachtet, doch in Verbindung mit der Farben-Aktien schwankend um 224 Prozent, 3. G. um 312 Prozent. 3m übrigen setzten schwä­cher ein: Kali Aschersleben minus 4 Prozent. Mansfelder minus 3,25 Prozent. Mannesmann minuS 3 Prozent. Rheinische Braunkohlen minuS 5.25 Prozent. Phönix minils 2.5 Prozent. Groß- bankakiien um etwa 2 Prozent schwächer. Mittel­deutsche Eredit saft umsatzlos. Metallbank minus 2,25 Prozent. Elektroaltien lagen mit Ausnahme von Siemens u. Halske schwächer. Licht und Kraft minuS 1,5 Prozent, AEG. minus 2 5 Proz. Von Bauaktien blieben Holzmann gehalten. Zement Heidelberg minuS 2 Proz., Wayh u. Freytag minuS 1 Proz. Autowerke knapp behauptet. Me- 'all- und Zellstoff akticn nachgebend. MetaNgesell- schast minus 3 Proz.. Scheideanstalt minus 3,5 Prozent Zellstoff Waldhof minus 3 Prozent. Heimische Anleihen schwächer. Der Geld­markt zeigte eine weitere Anspannung bei an­ziehenden Sätzen. Tagesgeld 5'/, Proz., MonakS- geld 5' bis 7 Proz.. Warenwechsel 43 4 Prvz.. Privatdiskonten 48/* biS 4/» Proz. 3m De - visenverkehr lag Oslo fest. Pari- gegen London 123,98, Mailand 111,25. London-Kabel 4.8510. Die Reichsmark stellte sich gegen daS Pfund auf 20,4675, gegen Kabel auf 4,2185.

Arantfurtcr GeLrc»dc«»örfc.

Frankfurt a. M.. 25. Febr. GS wurden notiert: Wetterauer Weizen 29,25 Mk.. Roggen, inländischer 27, Sommergerste für Brauzwede 25 bis 26. Hafer, inländischer 21,75 bis 22,50, MaiS (gelb) 18.50 bis 18,60, Weizenmehl, in­ländisches. Spezial 0 40 bis 40,50, Roggen­mehl 37.75 biS 38.25. Weizenkleie 14 bis 14.25, Reggenkleie 14,25 biS 1450 Ml. Tendenz ruhig.

Börsenkurse.

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162

119

Zementwerk Heidelberg . .

Philipp Holzmann.....

169

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Anglo Laut. Guano.....

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154

312

Holzverkohlung.......

J G ^arben-Indiiflrie. .

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Rutgers wcrkc ......

136.5

136

138.25

137.5

Scheid anslalt . .

248

242.5

All«. Elektrijithlr-Gesellschaft

167

165

167

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Bergmann .......

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Glektr. t'ieicrmiqtn.....

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Licht unb Krall........

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Schlickert............

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239

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41

Siemen» & Halske......

Adlerwerke Äleyrr......

133 1

131

132

132

Daimler Motoren.......

Heyligensiaedt ........

123.5

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123,12

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Meguin.............

Mannheimer Motoren . . .

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Frankfurter Armaturen

Konservenfabrik >6raun

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*

Melallgesell'chast Frankfurt.

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Schuhfabrik Her, . . . .

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Zellstoss Aschaffenburg. . .

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179 5

274

270,5

173

274,5 1

269

Berliner Börse.

Berlin, 25. Febr. Am G eldmarkte ist heute eine erhebliche Verteuerung der Sätze eingetreten, womit eine Verknappung des Angebots verbunden war. Die Rach- frage erstreckte sich nicht nur auf Tagesgeld, baS mit 5,5 bis 7 Prozent gesucht wurde, sondern auch auf Reportgelder, die zu 7 biS 7,5 Prozent verfügbar waren. Für Geld auf einige Tage über den Ultimo verlangte man 7 bis 7,5 Proz., für Warenwechsel 4.75 Prozent. Diese Situation am Geldmärkte mußte am Effektenmärkte eine Verstimmung auslösen, die sofort bei Beginn den Verkehr beherrschte. Bei lustlosem Geschäst gaben die Kurse a u f der ganzen Linie nach. Auch später blieb die Tendenz auberordentlich unsicher. Die bekannten Spezial- werte wurden von der matten Tendenz am stärksten in Mitleidenschaft gezogen und erlitten

Märtyrer der Liede.

Roman von 3. Schneidc'-Förstl.

9 Fortsetzung Nachdruck verboten.

Ohne daraus zu hören, frottierte Hilbertt dessen Körper, bis ein stöhnendes Bitten kam:Hans Jörg, bu reibst mir die Haut vom Fleisch, ich verbrenne."

Während des Ankleidens kam wieder die An­wandlung zum Schlafen. Hilbertt brachte ihm Hut und Mantel und öffnete die Haustüre.

Du bist wohl nicht ganz normal?" kochte Reich­mann gezwungen.

,,3d) hab' mirs wohl verdient, daß du mich begleitest!" sagte Hitberft ernst. Er wollte sorgen, daß Reichmann vor einer Stunde nicht zum Schla­fen kam. Die Gefahr war noch nicht ganz über­wunden.

Draußen an der Ecke des Zaunes lehnte eine Frauengeftalt, das Haar wirr und ungeordnet, die Hände auf die Brust gedrückt. Die beiden Männer kamen dicht an ihr vorüber. Mit unsicherem Schritt trat sie heran.

Georg!"

Was willst du?"

Dich sehen!"

Er schüttelte ihre Hand, die sich der seinen be­mächtigen wollte, mit einem merklichen Ekel ab.

..Sie haben wohl gehofft, einen loten zu finden, gnädige Frau?" sagte er ironisch.

Ein leises Schluchzen klang den beiden män­nern noch.

Zwei volle Stunden führte Hilberft sein armes Opfer, wie Reichmann sich ausdruckte, durch alle Gassen und Gäßchen, durch den Stadtpark, den Fluß hinab, an den duster dräuenden Zuchthausmauern vorüber, welche nur Schwerverbrecher umschlossen.

Hans Jörg, laß es gut fein, meine Füße tragen mich nicht mehr", murrte Reichmann.

Nun erft schlug Hilbertt den Weg zu Reichmanns Wohnuna ein. Dort sollte dieser die Nacht über bleiben. Ihn allein zu lasten getraute sich Hilbert nicht. Er brachte ihn in seinem eigenen Bett zur Ruhe und legte sich selbst angefkibet auf die Otto­mane seines Studierzimmers nebenan. Die Türe stand weit offen. Nach kaum zehn Minuten kamen

regelmäßige Atemzüge zu ihm herüber. Er erhob sich noch einmal, trat an Reichmanns Bett, horchte aufmerksam, befühlte den Pulsschlag und war zu­frieden. Dann erft streckte er sich erschöpft aus dem Ruhebett aus.

Aber an Schlaf war nicht zu denken! Seine Gedanken wanderten Irrgänge. Er kam nicht hin- durch durch das Chaos. Alles tanzte in feinem er­müdeten Gehirn durcheinander. Immer wieder fuhr er empor. Mit bloßen Füßen schlich er in das Zimmer, in welchem Reichmann lag. Der schlief fest und tief.

Kaum legte er in seinem Studierraum den Kopf wieder auf das Kisten, jagten die Gedanken schon wieder unter- und durcheinander. Eine ganze Kette von Vermutungen schloß sich daran.

Warum batte Georg sich vergiftet? War es Absicht oder Zufall oder unglückseliges Verhängnis? Weshalb stand die Frau des Hüttenkönigs zu nachtschlafender Zeit an Reichmanns Gartentüre? Arme Elisabeth! Wenn dieses zarte, engelhafte Ge- schöpf unter Reichmanns Händen zerbrach? Wenn er sie warnen dürfte! Nur einen Wink geben, der sie zur Vorsicht mahnte! Nein, das wäre Schurken- arbeit, und sie würde ihm nicht glauben. Sie liebte ihn, und die schöne Regenbacherin auch. Ein Weib aber, bde zwei Wegstunden nachts den Hochwald durchlief, um zu sehen, wie es einem Manne erging, ein solches Weib liebte bis zum Aeußerften. Wenn sie ihn aber liebte, warum hatte sich Georg dann oergiftri?"

Die Augen brannten. Ein Streifen Mondsilber rann über den geblümten Teppich und tauchte bas Zimmer in ein weiches, phosphoreszierendes Licht. Das Leben war ein einziges Rätsel. Nur bas feine war so klar wie ein Bach. Jeder Kiesel lag bann sichtbar.

Schlafen zu können wünschte Hilbertt und schloß die Augen von neuem. Aber immer wieder sah ihm Elisabeth von Merkens tränenüberströmtes Gesicht unter den geschlossenen Lidern entgegen. Und sie war seines Freundes Braut und würbe übermorgen seine Frau fein. Und er mußte sich bescheiden und würde es können, wenn er sie nur glücklich machte.

Der Silberftreifen auf dem Teppich verblaßte. Dunkel erfüllte den Raum. In den Zweigen der Bäume, welche das Haus umschatteten, erhob sich

vielfach Kursverluste von 6 b.S 10 Prozent. Die illtimotorbcrciiunflcn kamen auch im De visen­verkehr zum Ausdruck, wo Mc Banken größere Dollarverkäuse Vornahmen. Die Reichsmark be­festigte sich daher gegen Kabel auf 4.2180. Die übrigen Valuten waren nicht wesentlich ver­ändert.

Devisenmarkt Berlin-Frankfurt a. W.

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Frantosischc -.'Zoten ......

16.54

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HolländischeMolen......

168.28

169,12

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18.52

18.62

Oortvegilche Noten......

108.71

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Deutsch cesierr .it 00 »ronen

59, .'3

59,53

Numantsche Vloftn . . .

Schwedi,che Noten.....

112,02

112.68

Schwei,er Noten ......

80.90

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Spanische Noten......

70,62

70.88

Tschechoslowakische Noten . .

12.445

12.505

Ungarische Noten

73,44

73,80

Berliner Produktenbörse.

Berlin, 24. Fcbr. Bei allerkleinster Un- ternchmungslust sowohl für 3n- als Auslaud- getretde erfuhr bas Riveau im 'Berliner Pro- dukteuhandcl heute neuerlich eine ziemlich kräf- hgc Aufwärtsbewegung. 3n der Hauptsache wirkte wohl das stockende Mehlgeschäft auf die Tendenz ein, aber auch den ermäßigten Ausland- forderungen konnte sich der Berliner Platz n-.cht ganz entziehen. Andererseits drückte bann noch das 4chöne Wetter und damit das Wiederingang- kommen der unterbrochenen Schiffahrt auf die Marktlage. Weizen wurde bis 2 Mark, Roggen blÄ 2,75 Mark niedriger. Gerste bleibt still, für Hafer ist die Haltung schwächer. 3m übrigen be­liefen sich die Umsätze für Klrie und Hilfsfutter- stosse in mäßigen Grenzen. Auch hier sind die Preise keinesfalls fester. Es notierten (1000 Kilo­gramm): Weizen, märkischer, 259 bis 262; Roggen 242 bis 245; Sommergerste 213 bis 241; Winter­gerste 192 bis 205; Hafer, märkischer, 190 bis 200; MaiS, loco Berlin 187 bis 189; (100 Kilo­gramm). Welzenmehl 34,50 bis 36,75; Roggen­mehl 33,65 bis 35.65; Weizenkleie 15,75; Rog- genkleie 15,25; Diktoriaerbsen 50 bis 66; kleine

Speiseerbsen 33 biS 36; Futtererbscn 22 bis 25; Peluschken 21 biS 22; Wicken 23.50 bis 24.50; Lupinen. blau, 14,75 bis 15.50; Lupinen, gelb', 1625 bis 17.25. Serradelle, neu. 26 b..> 28; Raps­kuchen 1620 biS 16,50; Leinkuchen 20,70 bis 21; Trvdcnschniycl 11.70 biS 12; Soyaschrot 19.75 biS 20.30 Kartoffelstöcken 28.50 bi» 25,70 Mark.

IHalnjer Frühjahrs-Pferdemarkt.

DLR. Mainz, 24. Febr. Dem ersten Mainzer Pserdemarkt nach dem Kriege im vori­gen Herbst folgte heute der Mainzer Früh- lahrpferde markt, der aus den umliegenden Gebieten, besonders aus den benachbarten preußi­schen Landesteilen, gut beschick: war 365 Tiere, die meist einen vorzüglichen iSinbrud machten, waren aufgetrieben. Das Geschäft ist angesichts der immer noch gedrückten Wirtschaftslage als mittclmäßia bis gut zu be id)ncn. Erzielt wurde für erstklassige Tiere bis zu 1600 Mk. für Tiere zweiter Klane 1000 biS 1200 Mk. Fohlen wurden je nach Alter biS zu 700 Mk. verkauft

Buntes Allerlei.

Hysterische" Hunde.

Eine rätselhafte Krankheit sucht seit einigen Wochen die englischen Hunde aller Rassen heim. Die Tierärzte stehen vor einem GehetmniS und haben keine Erklärung für daS Aus treten dieser Erscheinungen, gegen die sie keine Heilmittel kennen. Man bezeichnet die Krankheit alSHy­sterie"; sie äußert sich bei allen Hunden, die über zwei Monate alt sind, in derselben Weise. Die armen Tiere werden von surchtbaren Schmer­zen gepeinigt, reiben ihre Köpse gegen eine Mauer oder sonst einen festen Gegenstand, und in vielen Fällen haben die Hunde auf diese Weise Selbstmord verübt. Die Augen entzünden sich und sie werden zeitweilig blind. Die Tier­ärzte glauben, daß diese Krankheit zuerst vor etwa zwei 3ahren auS Amerika eingeschleppt sei; sie tritt aber erst seit 2 Monaten massen­haft auf und wurde von den Besitzern der Hunde vielfach für Tollwut angesehen. Biele Tiere sind deswegen getötet worden. Sektio­nen nach dem Tode ergaben keinen Anhalts­punkt für den Erreger der Krankheit, und man hat auch noch keine Behandlung gesunden, durch die man dieser furchtbaren Seuche zu Leibe gehen könnte.

Frösche als Hauskapelle.

Der eintönige Orgelchor der Frösche kann an heißen commerabenben vielleicht ganz stim­mungsvoll sein, aber niemand wird ihm so Hove musikalische Reize beimessen, daß er gerade Frösche zu seiner Hauskapelle ausersehen würde. Dennoch gibt es eine Dame, die diesen seltsamen Geschmack besitzt. Es ist Lady Byng, die Gattin des früheren GeneraIgouverneurS von Kanada. DaS besonders melodische und tiefe Geguake der kanadischen Sumpf-Baumfrösche hat es ihr so angetan, daß sie sich jetzt eine Anzahl dieser Tiere auS Kanada schicken läßt, damit sie in ihrem prächttgen Heim zu Thvrpe Hall in Essex die Hausmusik über­nehmen. Der große Garten ihre« HeimS ist ganz im kanadischen Stil angelegt und mit ka­nadischen Pslanzen auSgestattet. 3n dem See, der den RomenKanadische Bay" führt und von kanadischem wilden Geflügel bevölkert wird, sollen auch die Frösche ihr Heim erhalten. Sie machen die Reise über den Atlantischen Ozean in Zinn­kästen, in denen sie in nalleS MvoS gebettet sind, und man hofft, daß sie sich ihre Stimm­gewalt, nach der sich die Herrin des BesifeS so sehnt, in vollem Umfang bewahren werden

ejn Raunen und Rauschen. Ein Blitz zuckte für eine Sekunde hellfarben auf. Donner rollte finster nach. Sich blähend, flatterten die Vorhänge auf und nie- der. Leise, kaum hörbar, tippten die Regentropfen auf die Blätter der Bäume und Sträucher und schlu­gen gegen das weiße Fenstersims: deng-deng-deng.

Dieses gleichmäßige Fallen schläferte Hilbertt rin. Die Türe, welche von feinem Zimmer in den ©arten führte, stand nur angelehnt. Ein Windstoß legte sie offen zurück. Doll und ftisch strömte die Nachtlust herein. Der einsetzende Sturm rüttelte an dem Gestänge der Spaliere, welche das Haus um- Zogen. Ein Apfel fiel! Ein dürrer Ast brach knackend.

Leise knirschte der Kies.

Eine Frau, ganz durchnäßt, kam die Stufen herauf, tastend, daß sie nicht strauchle und an nichts stoße in dem undurchdringlichen Dunkel. Ein matter Blitz erhellte für einen Moment den Raum. Leise rann der Regen. Wolkenfetzen jagten am Himmel hin. Nun trat der Mond aus einer dunklen Wand hervor. Der breite Silberstreifen floß wieder den Teppich entlang.

-schleichenden Schrittes ging die Frau zu dem Ruhebett. Sie beugte sich tief herab.

Nein, dos war er nicht, das war der andere.

.^Elisabeth", sagte Hilbertt traumbefangen.

Sie schrak zurück.

Sic verhielt sich noch einen Augenblick reglos. Dann tastete sie weiter zu der geöffneten Türe. Schritt um Schritt, bis an das weiße Bett, das an der Fensterfeite stand.

Dos hier war er, der Mann, den sie liebte, wie nur ein Weib einem Manne zugetan fein konnte. Unb er lebte. Das Mondlicht lag weiß und still auf feinem Gesicht. Sie fuhr fachte über feine Brust, d'« das Hemd fest umschloß, und berührte nach kur- zem Zögern seine Lippen mit den ihren.

Er erwachte nicht.

Für eine Sekunde legte sie ihre Wange an die seine, dann an sein Herz, ob es schlüge.

Der Duft von Flieder, welcher ihren Kleidern entströmte, sog sich in dem Raume fest. Reichmann atmete schwer. Er regte sich. Lautlos trat sie von 'hm wea. Sie roagte nicht ein zweitesmal den Weg durch Hildertts Zimmer au nehmen. Gewandt schwang sie sich auf das Fenstersims und verschwand im Dunkel.

Hans Jörg?"

Hilbertt hörte es im Traume und antwortete lallend.

Hans Jörg!"

Da sprang dieser auf. Das Licht flammte hell in der großen Stehlampe.

Was ist, mein Lieber?" Er stand bereits vor Reichmanns Bett.

Hast du sie nicht gesehen?"

Nein! Du hast geträumt."

Trag den Flieder hinaus, Hans Jörg!"

Hilbertt fah ihn besorgt an und blähte die Nasen­flügel.Der Duft kommt vom (harten!"

..Nein!" Jetzt blüht kein Flieder mehr. Sie war da! Leg' dich schlafen, Jörg! Ich bin Der- loren. Mich rettet feiner mehr!"

Denk an dein junges Weib morgen!"

Es wird zugrunde gehen an mir!"

Nein, ihre Liebe wird dich reiten!"

Ein Zucken der Achseln, schmerzlich und hassend zugleich, war die Antwort.

, Hast du dich Nellas wegen vergiftet?" frug Hilbertt zögernd.

Wenn du Elisabeth warnen willst vor mir!" fagte Reichmann langsam,bann tus, solange es "och Zeit ist! Ich werde dir nichts nachtragen."

Hilbertt wehrte leicht mit der Hand.

..Willst du mir Antwort geben auf meine Frage von vorher?"

,La!" Reichmann sah ihm voll in die Augen. -Es war nicht Absicht! Warum sollte ich dich be- lügen! könntest es ruhig wissen, auch wenn es anbers gewesen wäre. Ich wollte 'Hella einen Schlaftrunk geben, benn sie war furchtbar erregt, unb ich hatte Sorge, sie könnte noch einmal von einem Herzkrampf befallen werben, wenn sie nicht in Bälde zur Ruhe kam. Wahrscheinlich habe ich zuviel von dem Opium erwischt. Nur ein Glück, baß fie nicht baoon getrunken hat. Sie wäre g?ftorben daran. Dann würbe Elisabeth niemals mehr meine t'rrau geworben fein, benn an einen Mörber hätte sie sich nicht gekettet!"

Wer weiß!" sagte Hilbertt in lautem Denken.

, Glaubst bu?"

Hilbertt würbe jeher Antwort enthoben, benn Rrichmann schlief bereits roieber.

_________________(Fortsetzung folgt)

Aufarbeiten von WMMeln u. Betten sowie alle lapeileroröeilen in bekannt guter Ausführung. Hei­mo Material, anae- mesfeneSteife. M,D

Franz Bock, Polsterer u. Tave- Lle btg f?r. 93 Te L 2432.