Nr. 20 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Dienstag, 25. Zanuar 1927
Kanossa.
Sine Erinnerung an den 25. bis 28. Januar 1077.
Don Alberi Raetz.
850 Jahre sind vergangen, seil daS gewaltige Hingen zwischen dem mittelalterlichen Papst- und Kaisertum in Heinrich» IV. Kirchenbuhe zu Äa- noffa seinen berühmten Gipfelpunkt sand. Wie fommt es zu dieser Entwicklung?
Roch Heinrichs Vater, Heinrich HL, ist einer der machtvollsten deutschen Kaiser. Die deutschen • Fürsten sind sest In seiner Hand: seine Ober- । Herrschaft über daS Papsttum wird allgemein anerkannt. Zu früh stirbt er. Seine Witwe 2lgnes. die für ihren sechsjährigen Sohn Heinrich t».e vormundschaftliche Regierung übernimmt, ist i )rer schwieriaen Ausgabe nicht gewachsen, linier IJr erstarkt die von Heinrich III. niedergehaltene Bistliche und weltliche Fürstenmacht wieder. Erz- schof Anno von Köln raubt der Mutter dm i Lohn: von ihm, später vom Erzbischof Adalbert von Bremen wird der junge Heinrich erlogen; mit 15 Jahren wird er mündig gesprochen. Den -rstrn zehn 3ahren feiner Regierung geben feine -kämpfe mit dm Sachsen daS Gepräge. 3hr wech- lvoller Verlaus findet durch deS jungen Kaisers ; Fänzmdm Sieg bei Hohenburg an der Unstrut ! in Jahre 1075 seinen Abschluß. Rach dieser Schlacht ist Heinrich IV. Herr in Deutschland und ’ürebt nach der Wiedererlangung der Macht- (Teilung seines Vaters: die Fürsten dagegen sürch- lm die V^ieterlehr der Tage Heinrichs III. Dm ersehnten Vorwand, von Heinrich abzu- •idlm, bringt ihnen Heinrichs Kamps mit dem Tapst-
Seit 1073 hat Gregor VII. dm päpstlichm Stuhl inne, nachdem er schon vertrauter Berater Mner vier Vorgänger gerne kn ist. Ec ist eine ^--deutende Per'onlichkeit, klug, zielbewuht, von ,-ferner Energie. Der toskanische Bauernsohn Hildebrand ist einst Mönch in dem burgundischen Rotter ttlugnt) getoefm und hat es sich zum Htel gesetzt, die cluniacmsischm Reformen burch- » führen. Er gebietet durch Edikte die Ehelosig- hrit der Priester, daS Eölibat, und verbietet dm Maus geistlicher Aeinter. die Simonie. Darüber h nauS strebt er nach Beugung der Kaifermacht i' ater die päpstliche Gewalt, nach der päpstlichen Ulniversalherrschast. 3m 3ahre 1075 beginnt er b*n Kamps gegen Heinrich IV., indem er das Verbot der öaim-3nt>eftltur erläßt. Der Kaller tarf danach also nicht mehr die Bischöfe einseyen. Oie gelstlichm Fürsten in Deutschland haben ba- imals aber gleichzeitig die weltliche H-errschast iKber mindestens ein Drittel des Reichsbodens i: ne. Heinrich IV. ist nicht gewillt, sich durch , fcen Papst die Verfügung über ein Drittel des KelchcS entziehen zu lassm, und nimmt den € >i:mps auf. Als Gregor ihm ein anmaßendes SHreiben schickt und die römische Synode ihn Bugen Simonie vor chr Forum lädt, ruft er die deutschen Bischöfe zu einer deutschen Synode noch WormS zusammm, auf der Gregor für iTgcseyt erklärt wird.
Als Antwort schleudert Gregor auf der W ^astenfynote in Rom im 3ahre 1076 dm Dann- tLuhl gegen Heinrich und alle Mitglieder der Dormser Synode, erklärt dm Kaiser für abgehetzt und entbindet alle seine llntertanm „fraft ipostollscher Vollmacht" von Eid und Gehorsam. , ist der erste Fall der Bannung eines Kaisers ! lunch einen Papst, und bald zeigt es sich, wie fc nLchtig und verwirrend diese durch dm Miß- t. >rmch noch nicht abgestumpste geistige Waffe auf T tl« Gemüter wirkt. Die deutschen Fürsten erheben ff sich gegen Heinriche die Sachsen empörrn sich aufs ■ reue; auch die meisten Bischöfe fallen ab und ge- ‘ (»cchen dem Banne: die allgemeine Dolksstim- I ruung Ist gegen den Kaiser. Rach kurzer Zeit steht ß Heinrich Tw völlig isoliert da. Der Fürstentag Iiu Tribur beschließt, daß der Kaiser abzuschm Li, wenn er sich nicht binnen 3ahrcSsrist vom Bonne löse. Gregor schreibt den Fürstm, daß er iam Frühjahr nach Deutschland kommen wolle, mit ihnen in Augsburg über ihren gebannten König endgültig zu entscheiden.
Dies persönliche Eingreifen des Papstes in I'eilten Streit mit den Fürsten will Heinrich unter iUen Umständen verhüten und beschließt, vorher bit Aushebung des Bannes herbeizuführen. Da Me Fürsten die Tiroler und Schw i;er Pässe durch L wippen veripcrrt haben, begibt ec sich von Bur- gunb aus mit seiner Gemahlin Berta, seinem lUnchen Konrad, den gebannten Bischöfen und ’J reuigen Dienern durch Savoyen, das Land seines
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Bon Dr. Philipp Kramer, Darmstadt.
ÄlS ich in Bulelcng landete, sand ich alle Schilde- jungen Balis viel zu schwach, zu farblos. Ganz mit Bläue befraditet fährt der tu ei fee gazellenartige Dump- in in dis stille Bucht. DaS gelbe Licht der Sonne (fallet über daS Gebirge und vergoldet die grünen Valmen. Balische Männer, die schönsten des Ostens, n 1 feinen, diskreten Bewegungen kommen an Bord. Eit haben die reichste Frau Balis an Bord, die eben h Landung auf Java bei der großen Tuchmesse für fPOOO Gulden in ihrem Hause gefertigte kostbare tzrwngS, Sains und Decken verkauft hat und nun Mmkprt, es aber nicht verschmäht, vor den mit- rijmben Arabern und Chinesen niederzuhocken und nn ihren schönsten Tuchen ihnen zum Verkauf an- töteten. CS ist Mak Palimah, im ganzen Osten be- tint, die Balische Prinzessin, die als erste Witwe eit der Art des Landes brach und sich mit dem toten Butten nicht verbrennen ließ, und die nun im Innern hxÜÄ sich nicht mehr sehen lassen darf. Denn erst leiben“ jenseits des Gebirges, über daS sie vor zwan- r>I Jahren in der Bollmondnacht mit zehn anderen rauen des Fürsten nach Buleleng geflüchtet ist, in im Schutz der holländischen Negierung, drüben erst (tg.nnt Bali. Ter Süden ist das Kulturzentrum, der keim undurchdringlicher Urwald, in dem der Tiger l'.ufL
2ber was hat es auf sich mit diesem Voll, das sanft - toic ein Reh und doch zerfleischende ftriege geführt lit> WaS hat es auf sich mit diesen Dörfern, die in den l'rib oder die Reisfelder eingebettet liegen wie Hlein-
- und in denen eine Kunst gepflegt wird seit Jahr- Linderten, die zur Bewunderung einfach zwingt?
es das sonst noch auf der Welt, daß jeder Bauer »im eigner Steinmetz ist und HauSmauem meißelt .410 Tore, von einer stilistischen Klarheit und einem recht um der Motive, in denen das Auge schwelgt? Gibt eS das sonst noch, daß, wenn vor dem Tempel das Cchmspicl stundenlang gedauert hat, und ein Schau- freier ermüdet ist, irgendein andrer Torfgenosse, kn ihm gerade zunächst steht, für ihn einspringt und
Schwiegervaters, auf beschwerlichen Wegen über den Mt. EenlS nach Italien. Gregor, der schon auf dem Wege nach Deutschland ist, wähnt ihn an der Spitze eines HeereS und sucht auf der Burg Kanossa bei der Markgräsin Mathilde von Tuscien, seiner treuen Anhängerin. Zuflucht.
Am 25. 3anuar 1077 erscheint Heinrich vor Kanossa. Er hat dm erbiferten Entschluß gefaßt, -dem Papst durch sittlichen Zwang die Lossprechung abzudringen". Er begibt sich auf das Gebiet der kirchlichen Bußdiszlpl.n, auf dem er den Papst in feinen Handlungm gebunden weih. Mit rückslchtslofer Energie unterwirft er sich der schärfsten persönlichm Demütigung. Die Schulter, die Purpur und Hermelin das Kaisers getragen, bedeckt härenes Büher- aewand. Barfuß in Eis und Schnee steht der kaiserliche Büßer — wie ihn daS bekannte Gemälde von Eduard Schwoifer im Maxlmilianeum in München zeigt — drei Tage und drei Rächte im Burghof von Kanossa und ertrotzt sich so die Lösung vom Banne. Acußerst ungern und nur auf die Fürbitte der Markgräfin und deS Abtes von Elugny gibt Gregor am 2 8. 3 a n u a r nach und löst dm Bann. Hätte er cs trotz Heinrichs Buße nicht getan, fo wäre damit aller Well erkennbar geworden, daß der Dann zu politischen Zwecken mißbraucht worden fei. Aus einem Bries Gregors an die deutschen Fürsten aus dieser Zeit gehl deutlich hervor, daß Gregor selbst Kanossa als einen Mißerfolg feinzr Staatskunst betrachtet hat. Und tatsächlich legte Heinrich IV. dadurch, daß er dem Papste den Rechtsgrund zu seiner Absetzung nahm, das Fundament zu seinem end- llchen Sieg — zwar nicht über das Papsttum, aber über die Person Gregors VII., der. 1381 von Heinrich abgesetzt, ein 3ahr später in Salerno In der Verbannung starb.
Aeußerlich gesehen ist Kanossa aber dennoch eine unerhörte schmachvolle Demütigung für das deutsche Kaisertum. Rach Schäfer eröffnet Ka
nossa einen neuen Abschnitt der Weltgeschichte. .Der länderreichste Herr der Christenheit hatte vor ihrem geistigen Oberhaupt: im Staube gelegen. Daß so große Autorität geübt werden konnte, ohne unmittelbar von Waffen gestützt zu werden, bedeutet einen gewaltigen Wandel der Anschauungen. . . Die christliche Weltauf- fassung hatte sich in die Herzen gelenkt bei hoch und niedrig.“
Seit das deutsche Volk Im Vertrauen auf die .14 Punkte" im Herbst 1918 die Waffen nieber- gclcgt hat und schmählich betrogen wurde, ist sein Weg mit Schmach und Demütigungen aller Art überiät worden. Besonders markante Stationen auf seinem Kanossa-Wege sind der .Friede" von Versailles, die Ruhrdes.tzung und neuerdings daS Schandurteil von Landau. Das Schicksal Heinrichs IV. lehrt auch uns Deutsche der G summart allerlei. Zum ersten: die VorauS'etzung für ein Kanossa ist immer das alte deutsche Erbübel der HneimgkU, der P.'rieilucht. Zum andern: Wie Heinrich müssen wir in zäher Energie suchen, dem Feinde „durch fittll^en Zwang die Lossprechung abzudringen". Manches ist barm schon gc an. tote z. B. die Oefsnung der deutsch m Archive, die Sammlung von Material zur Kriegstchuldsrage u. a.; manches bleibt noch zu tun. Mit der unbeirrbaren Ziel icherh it cir.cS Gregor VII. und der leidenschaftlichen Verdis e.chcit eines Heinrich IV. müßte jeder Deutsche an seinem Teile — statt sich in Innerpolitische Zänkereien zu verlieren — auf das allen gemeinsame Ziel Einarbeiten Baldigste Befreiung der deutseten Brüder am Rhein von fremder Besatzung! Sodann: Rückgabe der Kolonien! Wied rgu machung deS ilnrcd t5 von Ob.-r chl.sicn.' Fort mit der Kriegsschuldlüge! Und endlich- Revi'ion deS nunmehr seines Fundamentes b raubte i Versailler Vertrages! Erst dann wird für eine wirkliche Versöhnung zwischen dem deutschen und dem französi- schm Volke die Bahn frei fein!
Friderieus, Schiller, Pasteur und das Ausland.
Von unferem römischen ll-Korrespondent
Rom, 3anuar 1927.
Erst zaghaft und vereinzelt, flattern l e uns nun in Schwärmen ins Haus, die lieben Voten aus der Heimat. Die neuen Briefmarken wie man sie dort heißt, sachlich und kühl. Und aber sind sie mehr. Wie uns die Flagge mehr ist. Sagen läßt sich das nicht, wieso und warum. das weiß nur der, kann nur der nach- sühlen, der nicht ständig von Heimat umgeben, für den sie folglich mehr ist als Alltäglichkeit. Will man's unbedingt in die Zeitformel der Parteizugehörigkeit zwängen, so kommt das Bekenntnis heraus: Der Ausländsdeutsche kennt nur eine Parte.: die deutsche.
3ch habe mir daher weiter nichts dabei gedacht, als mir Friderieus, der König, zum erstenmal von meinem postino vorgestellt wurde, präsentiert, man muh wohl sagen, aus terPrä- smtlerplatte eines Brieses, den mir ein deutscher Verleger schrieb, ein guter Republikaner und Demokrat Es war die erste neue Briefmarke und meine italienischen Freunde rissen sich darum. Erst später erfuhr ich durch die deutschrn Zeitungen, daß sich daS nicht schickt. Von, dm Italienern alS Ausländem nicht, vom Postminister Siingl, meinem enge.en Landsmann nicht, und von einem deutschen Verleger nicht. Dies den 3talienem begreiflich zu machen, den Schweizern, Engländern und Franzosen, den Demokraten, den So^iallsten und Mllartel.em der deutschrn Linkspresse, wie sie in meinem Hause als Gäste verkehren, habe ich mich seither redlich bemüht. Aber weiß der Himmel, woran es liegt, ich habe keine ileberrebungSfunft. Wie sie auch verschieden sind nach Raße, Ralion, Religion und Partei, sie finden den Friderieus ganz in der Ordnung. Einer, der in der linlesten Ecke des deutschen Reichstages eine gute Figur machen würde, brummte sogar etwas von „Hanswursterei da droben."
Ach, die ewig bibLernten Lämmerschwänzchen! Schlotterten ihnen die Knie, als der Kronprinz nach Deutschland zurückkehrte: fiel ihnen das Herz in die Hosen, als Hindenburg gewählt wurde: sahen sie den Feind schon am Branten-
bie Rolle zu Ende spielt? Gibt cs noch Tempelfeste ohne Priester, weil a le Priester sind, und bas Laien- Priestertum das Selbstverständliche »st? Und fängt bie große LanbcSurkunbe, die Magna Charta Balcs nicht mit dem Satz an: Die Erbe gehört Gott, bie Tessagenosjen haben sie nur von ihm zur Verwaltung?
Der Osten ist reich an bunten Geweben, aber bie Basischen Stoffe sind aus tausend Stücken sofort her- auszufinden. Tie Chinesen sind kaum zu übertreffende Holzschnitzer. In Mitteljava, im Palast des javanischen Residenten von Temak, sah ich eine holzgeschnipte Saalwand, die ihresgleichen auf dem Archipel sucht. Aber eine balische Figur, ein Wandschirm, den ich beim Punggawan von Ubub sah, bie Gamelange- ftelle in Gjanjar und Bangli, verraten eine unnachahmliche Gehaltenheit, eine Zucht selbst noch in der Groteske, einen Erfindungsreichtum der Motive und eine Rückbeziehung zur Geschichte, die sie bald zu den gesuchtesten Kunstwerken europäischer Völkermuseen macken werden. Und welche Literatur? Wie lebt das Sanskrit hier noch. Mit tiefer Bewegung sah ich in der Bibliothek zu Ubub, einem Balischen Petit Trianon, inmitten eines kleinen Teiches gelegen, den man auf einem schmalen Bambusstamm überschreiten mußte, die auf Pisangblötter geritzten heiligen Texte die am Abend reihum gesungen wurden mit einer Melancholie, bie alle religiösen Urgefühle mächtig erregt.
Tic ganze Kultur Balis i" nur religiös zu vcr'lehern ES hegt eine eschatologische Stimmung über der Insel, nicht die av.alnolle Melancholie Vorderindiens, sondern eine schövferische, eine vita activa erzeugend, die alle Märchen von der reinen vita contemplativa deS Ostens entschleiert. Bali ist die Insel der Feste. Zwanzig Schauspiele sah ich in einem Monat. Und wenn wir abends, oft tief in der Nackt, von einem Schattentheaterspicl nach Gjanjar zurückfuhren, dann kamen wir durch fünf ober sechs Dörfer, aber in einem davon gewiß war dac-Bolk unter den großen SSaringin- bäumen versammelt, von Fackelschein überstrahlt, bie eine Rembrandtische Bildwirkung erzeugten, der Gamclan erüa.ia, b,e Tänzerinnen drehten sich im Tanze dazu, und die gewaltige Flöte von süß klagendem Ton erfüllte denPlatz, und das Volk saß lauschend. Klunkung^st der kulturell reichste, fiintamani der
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bürget Tor, als Fcitericus auf ter Briefmarke erschien, älm Oot.e5ro.Len, was würde nur das Ausland dazu sagen!
Run, daS Ausland hat gar nichts gesagt. Die lronprinzliche Liebers-ed'.ung war eine Ci..tagssenfation. nicht der „Anfang vorn Ente". 3n 5)1 Öen bürg begrüßt: die ausländische Presse „den würdigsten Deutschen", n.cht die brutale Verkörperung des preußischen Militarismus", und di: Fridericusmarke tourte, al.e.dings, erwähnt, aber nur als Reuerscheinung in der Rubrik „Für Briefmarkensammler". Selbst In Paris konnte sie die Volksseele nicht zum Kochen bringen. Leiter, leider gibt es aber in Deutschland Leute, die, zeige sich das Ausland angelichts ihres Hasenpaniers noch so höflich, partout daraus bestehen, sich lächerlich zu machen. Also umrahmen sie Zridericus, kleben ihn verkehrt, werjen Papierp,eile gegen den Lehrer Stingl und was solcher Schülerstreichc noch mehr sind. Darüber nun, das ist freilich wahr, quittiert das dankbare Ausland mit herzlicher Heiterkeit. „Als Reuestes haben die deutschen Republikaner jetzt ausgeheckt — —", so kann man in der Lustigen Ecke ter internationalen Presse lesen.
Sage man nicht, die Briefmarken verdienten keine^Kritik. O nein, cs läßt sich sogar manches darüber sagen, wie wir gleich sehen werden, nur daß die Kritik gerate am verkehrten Ende aufgezäumt wird, diese Dotwendigkett leuchtet nicht ein.
Sie Hütte bei Schillern einsetzen sollen. Verzeihung, bei von Schiller. Alm Verwechslungen zu verhüten. Die Ausländsdeutschen sind durch die Bank reaktionär, sie wollen nämlich einen ft ar len Staat, aber sie sind demokratisch bis auf die Knochen, wo fie Vorrechte der Geburt wittern. Llnd sie sind so ungeschliffen, daß sie das Atelsprädikat vor ihrem Schiller nicht als Verzierung empfinten. 3fenen genügt das eine große Wort, das rund um den Erdball Halit. Auch unter dem Kopf ter französischen Propagandamsarle steht einjach Pasteur.
Propaganda — da stehen wir den Köpfen
landwirtschaftlich schönste Platz auf ©alt. An ben Flüssen, im Walde, sind die herrlichsten Badcplätzc. Tort geben die Menschen ihre schönen Leiber, diese ungriechischen, von weickerer Plastik geformten malaiischen Leiber, dem Wasser und dem Lickte preis, und die Männer spielen mit ihren stampfhahnen, die sie waschen und streicheln, während-adonishaste Änaben mit bronzenen Leibern den Fischen nachjagen. Tie Mädchen und Frauen haben ihre eigenen Bade platze, die sic täglich aufsuchen.
Wie gehen die Frauen in Bali aufrecht und stolz- Tie Lasten, die sie auf dem Äopfe tragen, haben sie zu einem schlanken Aufrecken des Körpers, zu einem federnden Gang und zu bestrickendem Spiel der balancierenden Arme erzogen. Hintereinander gehen sie auf den Straßen, ec. ist die letzte Erinnerung an den Urwald mit seinen schmalen Pfaden. So schreiten sic >oie Priesterinnen allabendlich in der kurzen Tämme- rung mit Blumen im Haar und Opferfrüchten auf dem Kovf zu den Tempeln, im Gebete niederkniend vor den Altären und Tabernakeln, von keinem Priester betreut. Und die Jünglinge kommen mit weißen unö bunten Schirmen. Und am Ende ordnet sich das Ganze zu einer Prozession durchs Dorf zu den Häusern, in denen einer nach dem anderen verschwindet. Tiese Hindus sind die konservativsten, die sich denken laf'ca. Sie haben allen Missionkerungsversuchungen widerstanden, und seit Jahrzehnten hat kein christlicher Missionar mehr den Boden Balis betreten. Ja, er darf es nicht, im Volksrat in Batavia ist ein Gesetz darüber angenommen worden. Bor 500 Jahren, als der Islam wie ein sengender Brand über Java fegte und die alte aristokratische ftultur dieser Insel von Grund aus zerstörte, da sind die heutigen Balier aus Lstjava ausgewandert und haben mit einer Zähigkeit ohnegleichen die alte Tradition aufrecht erhalten. Bali ist, was Java hätte werden können. Und alle Bestrebungen von Jung-Java können das Berlorene nicht wieder Einbringen.
Der Balier fühlt sich dem Eurooäer gegenüber ald bet freundlich Ueberlcgene und läßt tick nicht imponieren von ihm. Tie Bohrnehmheit seiner Umgangsformen beschämt ben Westen. Seine Religiosität ist echt und kindlich. Göttliche Offenbarung ist für ihm das selbstverständliche. Als 19P zum letzten
der QSkltumlcglet Aug« in Auge. Glccchgültig, ob die Post Verwaltung an dir gute deutsche Sache gedacht hat ober nicht, als fie sich von dem gerupslen Adler lossag:e. iebenfalls wirke» sich die Marken propagandislifch au». Sie (mb für daS Ansehen des Reiche» nicht nur, sondern bcÄ gesamte' Deutschtums von weit größerer Wichtigkeit < iS die Zusammenletzuna einer r übergetenten Berliner Regierung älnb da ra : eS sich wieder einmal, daß daS Ausland sei.. in seiner gegebenen Vertretung durch daS Aus- landsteutfchtum nicht gefragt zu werten Pflegt. Sonst wäre man bei ter Auswahl tez in jede Hütte dringenden Vertre er teS Deutschtums sicher z.T. auf andere Männer verfalle i.
Hand au's Herz — wer weiß in Deut:ch- land, den Durchschnitt genommen. etwaS von Leibniz? Ober, um sinnfälliger au (ragen, v. . Hume oder DeScartes? Wao allo kann umgekehrt dem Richtteutschen Leibniz fein?
Fridericus. gut. Wie nun aber, wenn die Franzosen jetzt bergefeen und Rapolcon auf ihre Marken setzen? Gewiß, ter Große schnitte neben ich! schlecht üb, er brauch! v.'ülit« lich keinen Vergleich zu scheuen, jedoch wir gerieten auf diese Weise mit einer Aktualltä', wie sie nun einmal die Briefmarke sein soll und ist, in zurückliegende Zriten, die unS svöttisch anfdjaucn: 3hr Heutigen habt wohl kei e Kövse auszuweisen? Lind wenn man sich un:<r dicsein Gesichtswinkel die Marlenreihe unseres nüchternen, aber auch kühn vorstürmenden Ma- (chinenzeitallers tetrach.e, bann läill sie unangenehm anachronistisch auf: nichts als Zöpfe und Perücken!
Wo ist dagegen ter GeniuS, vor dem sich der ärgste Deutschensrösser beugt, wo ist Richard Wagner? Wo Röntgen? ES galt doch, bad wollen ult nicht leugnen, ter Pasteurpropaganda etwas Ebenbürtige» entgegenzustellen. Röntgen kennt im Ausland jedes Kind, sein Rame ist in viele Sprachen sprichwörtlich übergegangen, di.' X-Strahlen sp c en bei der Bewertung deutschen Könnens sicher eine größere Rol e als Les i.igs Lehrwc..heit. Womit weder gegen den philo ophischen Erfinder ter Differentialrechnung noch gegen den we.sen Rathandichter etwas getagt sein soll. Die Losung mußte einfach lauten: d.e für den Zweck geeigneten Großen au»toä;lenl Eine Briesmarlenreihe ter Rcpräsenta i ndgattung darf weder z^eckws noch zwecks ibrig fein.
Das war an Rachdenkltchem zu sagen, teS Erfreulichen schenkte uns zunt Glück d.e Heimat *mei)r. Heber jeder Kritik sieht die Tat, und ist es nicht eine Tat, eines Poeten würdig, einmal den Amtsichimmel bei seiner troclc. c.i l.ejcr- lieferungsk ippe stehe' zu .'assen und dafür daS geflüge tc Roh zu besteigen, Goethe schon in bie An.ä '.geralbumS ><,t ca.nscher Schüler, auf die Schre bt.sche malayckcher Würde..t.ä^,er, inS Teehaus ter Geisha, in die Morgenpost ter Oelbatone toi? des Sch.e bec.elns, Eyainlerla.nS und Poincarcv zu schmuggeln? Ob fein Besitzer will oder nicht, in manches kunstfeindliche Gedankenreich tritt Plötz ich ungesagt Dürer. Beethoven tönt, es orgelt Bach — Deutschlands Atem weht über die Erbe. Ri«, nie, den werdet ihr n.c zu Boten zwingen!
Begreisl ihr nun, warum ein Auslands- deutfcher die Hand aufs Herz preisen kann vor Erschütterung, wenn so ein kleines buntes Ding dahergeflattert kommt?
DerRaubmordinFrankfurLa.M.
2 000 Mark Belohnung
für die Ermittlung der Täter.
WSTl. Frankfurt a. M, 21. 3an. Der Polizeipräsident von Frankfurt a. M. ha! auf die Ergreifung der Täter, die den 3uwelier Grebenau in der Kaiserstrahe ermordet haben, eine Belohnung von 2000 Mark ausgesetzt. Arn Tatort wurde wählend b:8gan.,eit Tages die Untersuchung fortgesetzt. Die an Öen Kassenschränken vorgefundenen Fingerabdrücke wurden genau ausgenommen, und man hofft, daß es dadurch ermöglicht werde, die Verbrecher, in denen man gerichtsnotorische Spezialisten ihres Faches vermutet, zu entlarven. Der Gesamtwert der geraubten Sachen wird auf 48500 Mark angegeben.
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mal der Götterbcrg ausbrach und viel Unheil an- richtete, da zog die Prozession zum Baturtempcl, betend, singend. Der glühende Lavastrom machte vor dem Tempel halt. Es war ein sichtbares Zeichen.
Bor einer Schauspielaufführung in Ubub sagte mir der Punggawan, daß es am Schluß des Spieles regnen werde, wenn der Tjauk erschiene. Ich war nut dem ganzen Rationalismus des Westens gefeit. Aber als der Djauk erschien — man möge cs glauben oder nicht — beyann ein leichter Regen zu fallen. Und man erinnere sich, was Regen in ben Tropen in der regenlosen Zeit bedeutet. Zu ben herrlichsten Erlebnissen religiöser Art, bie ich auf Bali hatte, zähle ich bas Tanzfest in einem Totentempel. Die beiben, mit erlesenen Gewändern geschmückten, mit goldner «tone gezierten Tempeltünzerinnen,zierliche jlinber von höchstens 14 Jahren, knieten vor dem Altar. Es war Nacht . Das Volk fang einschläfernde Weisen. Ter Ranch stieg aus Weihebecken. Tie Tänzerinnen beugten sich darüber und atmeten ben Weihrauch ein, bis sie betäubt waren. Nun waren sie im Trance. Auf vergolbete Tragsessel würben sie gehoben. Und nun setzte sich der Zug inBewegung nach einem benachbarten Tempel durch die fternfunfelnbe Tropennacht, beim Fackelschein, sodaß die Tragsessel über ben Köpfen der singenden Menge dahinschwebten wie goldne Gondeln. Und dort, in dem anderen Tempel begann der Tanz der Mädchen zum Gamelan, zu Gesängen von Männerchören, von Lnabenchören, von Frauen. Und sie tanzten, immer im Schlafzustcmd, immer verzückt, die ganze Nach hindurch, den folgenden Tag noch und länger, bis sie wie tot zusammenbrachen und ihre Seele aus der Ewigkeit wieder zu ihnen zu- rückkehrie, m der sre während des Tanzes geweilt hatte. Und nun werden sie nie mehr tanzen m ihrem Leben. Sie sind geweiht.
Zweifellos: Bali ist ein jtulturphänomen ersten Ranges. Ein Sletnob. Aber es ist ein gefährdetes Kleinod. Ist es nicht wie eine Mahnung an daS Weltgewiisen, hier etwas zu tun zur Erhaltung dieses Slleinote? Bali ist eine Forderung, ein Kulturprogramm für Holland. Was wird es tun? Ich fordere nichts weniger, als diese Insel unter Naturschutz zu stellen.
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