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hevgestellt. Da« ärztliche DehandllmgSmonopvl erftrerit sich also nidjt nur auf die ansteckenden, sondern auf alle Geschlechtskrankheiten.

Der Rest der Vorlage wird nach Ablehnung sozialderiwkralischer und kommunistischer Anträge in der Ausschußfassung cmgenommO Das Ge­setz foß am 1. Oktober 1927 in Straft treten.

Wirlschastssragen im HaushaltsausZchuh.

Berlin, 24. 3an. (DDZ.) Der Haushalt«. auSschuß des Reichstages setzte die Beratung des Etat- des Reick^wirtschastsministeriums fort AlS Beitrag zur Hebung der Wirtschaft- lia-keit der gewerblichen und in­dustriellen Produktion sind im Etat 1 200 000 Am. anaesordert. Bon der Regierung wurde hierzu erklärt, daß die weiteren Ar­beiten zur Hebung der Wirtschaftlich!« it für öle Verbilligung und Berbesserung der deutschen Produktion von größte-. Bedeutung seien. Di« Industrie wird sich, wie in den früheren Jahren, auch 1927 mit nam­haften Mitteln beteiligen. Die bisherigen Ersah» Dingen der Vereinigten Staaten von Rordame- rika haben bewiesen, daß durch planvolle Erzeugung die gesamt« Wirtschaft eineS Lan­des verbilligt und damit gehoben werden kann. Die Aögg. Dietrich-Baden (Dem.) und v. Rau­mer (D.Vpt.) verlangten Verdoppelung des im Etat ausgeworfenen Betrages. Abg. Le- jeune-Iuna (Dntl.) wollte die Sache mehr der Privatinitiative überlassen. Abg. Schlack (3.) war der Ansicht, daß in erster Reihe die 3 n ö u ft r i e selbst die Kosten aufbringen würde. ReichSwirtschastSminister Dr. Eurtius er­widerte, daß tatsächlich bi« Industrie den zehn­fachen Betrag wie daS Reich für di« Hinan- Aietung aufbringe. Der Antrag auf Dcrdoppe- Lung deS Postens wird dem ^Unterausschuß zur Beschlußfassung überwiesen. Jur Förderung deS deutschen Außenhandels. ingbe; entere zur Zinsverbilligung für Darlehen an deutsche Ex­porteure sind lm Etat neu 750 000 Rm. ange­fordert. Dir Beschlußfassung wurde ebenfalls dem Unterausschuß überwiesen.

Der Barmatprozetz.

Berlin. 24. Jan. (TU.) Im Baramatprozeß wurde heute Geheimrat R u g g e , der 1924 stellver tretender Staatsbanlpräsident war, als Zeuge ein- gehend vernommtti. Er schilderte das sichere Auf­treten der Barmats, die schwer zu überzeugen ge­wesen seien, daß sie die Kredite auch einmal z u rückzahlen mußten. Sie meinten im Gegenteil noch höhere Kredite beanspruchen zu können. Von einer Wciteroerleihung der Gelder durch die Anexima habe der Zeuge nichts gewußt. Barmat habe ihm einmal geraten, sich von der Ausdehnung und Sicherheit seiner Unternehmungen selbst zu überzeugen. Damit wurde aber Dr. Böttger. der Schwiegersohn des Zeugen, betraut, der alsdann den Posten eines Barmatschen Dertrauensmannes gegen­über den verschiedenen Konzernunternehmungen inne- batte.

Die pariser Verhandlungen.

Kriegsgerätcgesctz und Vstfcstungcn.

Berlin, 24. 3aru ($11.) LegationSrat Dr. Elodius, der in Berlin die Verhandlungen über baS KriegSgerätcgesetz mit den Sachver» ftänbigen der Interalliierten Militärkontrvll- kommission geführt und abgeschlossen hat. hat sich nach Paris begeben, um dort an den abschließenden Verhandlungen teilzunekmen, die zwischen dem Reichskommissar, General v. Pa­wel s z, und der Botschafterkonferenz über deck' Gesetzentwurf stattsinden. Ferner schreibt man, daß die Botschafterkonferenz dem Gesetz z u st i m m e n wird. Gleichzeitig mit den Ver­handlungen über baS KriegSgerätegeseh gehen in Paris die Besprechungen über bie Frage 'ter Ost fest ungen weiter, bie in den letzten fragen ins Stocken geraten sind, trotzdem über ihre juristische Seite bereits eine Einigung cr- .zielt worden ist. Wahrscheinlich wird man in wenigen Tagen schon so weit sein, ein fertig ousgearbeiteles und von den Beauftragten der streitenden Parteien unterzeichnetes Abkom­men der Botschafterkonferenz unterbreiten zu können, so baß diese noch vor dem 31.Ja­nuar Gelegenheit hat, ihre Zustimmung zu erteilen, womit dann die letzten beiden »Ver­fehlungen" auS der Welt geschafft wären.

Wie das Ostfestungsabkommen aussieht, wis­sen wir nicht. ES wird aber ebenfalls auf Kompromissen aufgebaut sein. Um Zu­geständnisse werden wir nicht herumkommen, schon deswegen nicht, weil wir ein starkes Interesse daran haben, den Weg für Verhandlungen wich­tigerer Ratur fveiftubdommen. Die Feinde einer T^rständigung jenseits unserer Westgcenze wissen natürlich sehr genau, welches Ziel die deutsche Außenpolitik in Zukunft mit noch schärferem KurS als bisher anfteuem wird. Ihre Massen­versammlungen für die Aufrechterhaltung der Rheinlandbesatzung bis zum Ausbau der franzö­sischen Festungen können wohl di« Lösung dieser sehr wichtigen Frage hinauSzogern, aber nicht unmöglich machen. Denn die Erkenntnis, daß die Besetzung deutschen Gebietes an Frank­reichs Finanzkraft zehrt, bricht sich immer mehr Dahn und muß und wird eines -tage» dazu führen, daß unser« Dolitik der 'Be­freiung der Rheinland« von Erfolg gefront wird. Die Wirtschaftslage Frankreichs. Steigerung der nationalen Produktion.

Pari«. 2t. Jan. (WTB.) Ministerpräsident Poincars prüft gegenwärtig in seiner Eigenschaft alS Finanzminister bie von den Ministern deS Innern, für öffentliche Arbeiten, der Landwirt­schaft. des Handels und der Kolonien auäg:arbei- leten Pläne für die Entwicklung der na­tionalen Produktion. GS soll sich im Prinzip darum handeln, den Einkauf im Ausland zu verringern und so zur Stützung deS Franken, zur Besserung der Han­delsbilanz sowie zur Bekämpfung der Arbeits­losigkeit beizutragen. Der Minister für öffent­liche Arbeiten, $ ar dien, erklärte, in seinem Ressort käme in Frage bie Rutzbringung der elek- irischen Kraft und der Transportmittel, und zwar In der Hauptsache die Kohlengruben, die Salzaruben, die Kaligruben, bie Elektrifizierung der Eisenbahn, ber Ausbau der Straßen und dec SchisfahrtSwege. Was die Düngemittel betrifft so will man Die Förderung ber Kaligruben und die Produktion deS synthetischen Ammoniaks stei­gern. Die französische Handelsflotte habe seit dem Waffenstillstand um 1800 000 Tonnen zu- genommen. Sie belaufe sich gegenwärtig auf 3.5

I Millionen Tonnen. DaS Ziel sei, 5 Millionen Tonnen zu erreichen, denn Frankreich zähle noch jährlich 500 Millionen Frank Gebühren für den Transport französischer Waren durch das Aus­land.

Dor dem Generalstreik in Schanghai.

Paris, 24. 3art (WTB.) Nach einer Meldung desNeuyork Herold" aus Schanghai scheint der unmittelbare Ausbruch eines General- st r e i k s in Schanghai lm Bereich der Möglichkeit zu liegen, nachdem es den Straßenbahnern gelungen ici, nunmehr auch das Personal der Autobusgesell- schäften zur Niederlegung ber Arbeit zu bewegen. Zwischen streikenden Straßenbahnern und eingebo­rener Polizei sei es bereits zu blutigen Zusammen- ftößen gekommen. Am Montag wurden die briti­schen Banken und Geschäftshäuser in Han kau auf Ersuchen der britischen Behörden wieder er­öffnet, in der Hoffnung, daß eine solche Aktion einen beruhigenden Einfluß haben werde. Infolge der Niederlage Sunlschuanfangs in der Provinz Tschekiang haben die britischen Behörden den Mis- sionsstationen lm Bezirk von Ningpo Weisung er­teilt, diesen Bezirk zu räumen. In Amoy und Sroatau entwickelt sich eine antibritische B e - w e g u n g. Alle ameritanifd^en Missionsstationen aus dem Innern des Landes lind vorübergehend nach Sroatau übergesiedelt.

Ein Manifest

der Kanton-Regierung.

Paris, 24.3an. (WB.) Wie Havas aus Hankau berichtet, erk art die Kanton-Regierung in einem längeren Manifest, daß ein wirkliHer Friede solange nicht bestehen könne, a.'S Ehina seine Unabhängigkeit nicht wieder ge­wonnen habe. 3n dein Manifest wird weiter erk ä.t, daß die R e ch t e d e r ausländischen Staaisbürger ebenso wie die ihnen schuldige Gerecht gleit nicht außer acht gelassen werden dürften, daß aber ihr Schah nicht von den aus» ländischen Dajonet'en und Den ausländischen Ka­nonenbooten abhängig gemacht werden könne. Die Rcg.erung würde es daher vorziehen, wenn alle schwebenden Fragen durch Verhand­lungen anstatt durch bewaffnete Interventio- nen gcrege.t wurden. D e Kantonregierung er­biete sich, mit jeder der Mächte auf der Grundlage der wirtschaftlichen Gleich- he t und der gegenseitigen Achtung und der po­litischen und territorialen Souveränität zu verhandeln.

Englands Rüstungen.

London. 24. Jan. (TU.) Rach Meldungen aus Malta haben das vierte Bataillon des Bedford-Regimentes und das zweite Dataillon des Vordcx-Regimentes Befehl erhalten, sich für den Abtransport nach China bereitzuhalten.. 3nsgesamt stehen rund 14 000 Mann britischer und ind.scher Truppen mit Panzerwagen bereit, um nach Schanghai zum Schutz der dortigen bri­tischen Staatsangehör gen und Interessen beför­dert zu werden. Ihr Abtransport wird erfolgen, falls die chinesischen Behörden die Herrschaft über die Massen verlieren sollten, wofür bereits Bei­spiele vor! eg en. Der .Star" meldet, daß die britischen Streitkräfte nicht zur Verteidigung von Schanghai, sondern lediglich zur Abwehr von Angriffen auf britische Staatsangehö­rige und britische Interessen eingesetzt werden sollen.

Die Deutschen in der Tschechoslowakei.

N e i d) e n b e r g, 24. Ian. (WTB.) Aus dem Kreispartcilag des Bundes der Landwirte erklärte Arbeitsminister Dr. Spina: Die gerne in­fame wirtschaftliche N o t hat die deutschen und tschechischen bürgerlichen Parteien in wirtschaft­lichen Fragen zusammengeführt. Ein Schutz unseres Volkes und eine Besserung der Lage unseres Volkes in diesem Staate ist nur durch aktive Mit­arbeit am Staate zu erreichen. Der Eintritt der Deutschen in die Regierung soll aber auch die Grundlage sein für einen endgültigen Ausgleich zwischen beiden Bölkern. Wir Deutschen geben dem Staate und dem tschechischen Volke, was beiden ge­bührt, und wir verlangen nichts anderes, als unser Recht, aber unser ganzes Recht. Wir müssen gleichzeitig unsere tschechischen Landsleute aus dem tschechischen Negativismus herausführen, und das kann nur durch Zusammenarbeit der beut- schen mit den tschechischen Positivisten geschehen.

Die Durchführung der mexikanischen Landgesetze.

N e u t) o r t, 24. Ian. (WTB. Funkspruch.) Nach einer Meldung der Associated Preß aus Washington wird die Aufhebung der Bohrrechte der amerikanischen Oelgesellschaften, die sich weigern, die neuen Gesetze anzunehmen, durch die mexikanische Regierung vom Staatsdepartement als gleichbedeu­tend mit der Konfiskation von Privat­eigentum betrachtet. Die diplomatischen Ver­treter der britischen, französischen und nieberlänbb schen Regierung haben sich informell über die weite- ren politischen Absichten ber amerikanischen Regie­rung unterrichtet. Ueber neue Schritte ist bisher kein Beschluß gefaßt worden.

Aus aller Wett.

BcrbandStag der deutschen Post, und Telegraphenbeamtcn.

Unter Leitung des VerbandSvorsitzenden C u r w y wurde Montag nachmittag die erste Dollfitzung des Verbandes deutscher' Post- und Telegraphenbeamten eröffnet. Die Vertreter der einzelnen Ober-Postdirekl.onsbezirke betonten die Rotwendigkeit eines Konzentrations- Pro z e f f e s ber Pochbeamtcn. da gerade eme Reuordnung des Besoldung-- und BeförderungSwrsens geplant fei, und hier­bei die Gruppe der mittleren Beamten vernachlässigt werde, obgleich sowohl die unteren Druppen wie die höheren Beamten in letzter Zett in chcen Bezügen verbessert worden seien. Durch zuviele Prüfungen werde den mitt­leren Beamten die AufstiegSvröglichkeit sehr stark erschwert, obgleich man bei ihrer Einstellung außerordentlich hohe Anforderungen hinsichtlich

verwaltungscheoretischer und allgemeiner Schul­bildung stelle; auch feien gleichwertige Gruppen in anderen Ministerien wesentlich besser dotiert, obgleich sie in bezug auf die Berufsausbildung keinen höheren Anforderungen zu genügen hät­ten. Zu gleicher Zeit wie der Deamten-Verband hielt auch der Bund der Post» und Telegraphen­beamten (Zivilanwärttr) eine Delegiertentagung ab, bie sich mit den gleichen Fragen beschäftigte.

Deutsche Legler in Paris.

Seit einigen Tagen hat auf ber Seine In der Rähe der Brücke Alexandre III. ein deutsches Segelschiff von 16 Meter Länge, 4.20 Meter Breite und 2 05 Meter Tiefgang Anker geworfen. Es ist das Hamburger Segelschiff Blankenese 2, dessen Kapitän und Besitzer Erich v. D r a n c o n i ist. Die Besatzung besteht aus vier Mann und einem Belgier, der sich in Zeebruggc der Fahrt angeschlossen hat. Das Segelschiff, das auch mit einem 23-P. 8.-Diesel- hilssmotor ausgestattet Ist, hat am 23. Oktober 1926 Blankenese verlassen und sich über Hoek van Holland, Vlis ingen, Zeebrugge, über die Schelde die französischen Rordkanäle nach Paris begeben. Von hier aus wird das Boot nach Reparaturen an dem Motor seine Fahrt nach dem Mittel­meer fortsehen. Botschafter v. H o e s ch hat dem Kapitän einen Besuch abgeftattet und bet Be­satzung feine Anerkennung für ihre sportliche Leistung ausgesprochen. Die D.'sahung erklärt, daß sie von allen französischen und belgischen Behör­den mit der größten Zuvorkommenheit behandelt worben sei.

Universität and höhere Schule.

Wie man uns schreibt, hat die Universität Mün­chen gelegcnllich ihrer Hundertjahrfeier dem Vor­sitzenden des Bayerischen Philologenverbandes, Dberftubienrat Wahrer, die Würde eines Ehrendoktors verliehen. Dieser seltenen Aus­zeichnung kommt zu einer Zeit, wo der Wert der verantwortungsvollen Arbeit des Philologen in manchen Kreisen immer noch verkannt wird, eine ganz besondere Bedeutung zu: Die Universität MÜN- chen bekundet durch Jie ihre hohe Achtung vor der an den höheren Schulen geleisteten Blldungs- und Kulturarbeit.

Rücktritt de» Mainzer Iheaterintendanten.

WSN. Mainz, 24. Jan. Der Intendant des Mainzer Stadttheaters, Hans I s l a u b , hat aus Gesundheitsrücksichten um Versetzung in den Ruhe­stand nachgesucht. Der mit Ende dieser Spielzeit aus dem Amte ausscheidende Intendant steht ini 60. Le- bensjahr. Nach langjährigem Wirken als Opern­sänger und Regisseur hat er die Mainzer Bühne fast 13 Jahre lang geleitet, zuerst als Pächter und feit Uebernahme des Instituts in städtische Regie als beamteter Intendant.

Explosion einer Höllenmaschine in Straßburg L E.

In der Rächt zum 24. explodierte in Straß­burg in ber Rähe dec früheren Kaserne Rouger be l'Isle eine Höllenmaschine. Personen kamen nicht zu Schaden, dagegen wurden mehrere Häuser schwer beschädigt. Es soll sich um den Racheakt eines Mannes handeln, der kürzlich aus seiner Wohnung ausgewiefen wurde. Die Explosion war so gewaltig, daß die seiSmo- gcaphischen Instrumente auf dem Straßburger Observatorium auf die Erschütterung reagierten.

Neuer Dauunsall in Rummelsburg.

Im Berliner Großkraftwerk Rummelsburg er­eignete sich Montag abend ein schwerer Betriebs­unfall. Ein 19jähriaer Schlosser war auf einer acht Meter hohen Kranschiene mit der Verlegung eines Starkstromkabels beschäftigt. Der Kranführer nahm in fahrlässiger Weise plötzlich den Kran m Betrieb und der Kran drückte den Schlosser mit voller Kraft gegen eine Wand. Mit schweren inneren Verletzungen und einem doppelten Becken­bruch wurde der Verunglückte in hoffnungs­losem Zu st and nach dem Krankenhaus ge­bracht.

Lisenbahnkalaslrophe in den Karpathen.

In den Karpathen fuhr ein Pers'onenzug gegen einen Güterzug. Vier Eisenbahnbeamte und ein Passagier wurden getötet, 10 Personen schwer und zahlreiche andere leicht verletzt. Die Schuld an dem Zusammenstoß tragen Lokomotivführer und Heizer des Personenzuges, die beide betrunken waren. Sie befinden sich unter den Toten.

Erdbeben in Schottland.

Montag früh kurz vor 5 Llhr wurden in verschiedenen Teilen Schottlands und auf den Orlneh-Inseln heftige Erdstöße wahrgenommen. die unter dumpfem Getöse von 20 Sekunden biS V/i Minuten andauerten. Wenn auch kein Schaden angerichtet wurde, so ergriff doch die Bevölkerung große Unruhe. Viele Men­schen verließen die Häuser und hielten sich einige Stunden im Freien auf.

Erdrutsch in 3lallen.

Rom, 25. Jan. (WTB. Funkspruch)Po- polo bi Roma" berichtet, baß infolge ber starken Regengüsse der letzten Woche bei Spezia sich ein Erdrutsch ereignet habe, ber eine Fläche von etwa 1 qkm. umfaßte. Eine große Reihe von Bauwerien wurde zerstört. Menschenleben sind nicht zu beklagen. 3n einem Dorfe bei Cosenza wurde durch Aeberschwernrnung einegrone Anzahl von Häusern so schwer beschädigt, baß sie geräumt werden mußten.

Große Kälte in Rumänien.

3n Rumänien ist durch den strengen Frost der Verkehr fast völlig lahm gelegt. Die Telephon- und Telegraphenverbindungen sind empfindlich gestört. Aus ber Donau mußte ber Schiffsverkehr wegen Eisganges eingestellt werden.

Das Hochwasser der Ober.

Die Oderhochwasserwril« hat jetzt bie 01et­il n e r Gegend erreicht. Von Schwedt bis Stettin sind alle üferfeen überschwimmt. In den Oberstädten oberhalb Stettins reicht daü Wasser vielfach bis an die Häuser. Mehrere Land­straßen sind überflutet Bei Ripperwies« durch­brach die Flut einen Schuhdeich.

Drei Grippe-Sterbefälle in einer Familie.

In der Familie eines Schmiedes in Heinrichsau (Schlesien) starben drei Familienmitglieder, die Ehefrau, die Mutter und der Vater des Schmiedes an der Grippe.

Wettervoraussage.

Derhältnismäßiy milde, ohne Nachtfrost. meist bedeckt, südliche bis westliche Winde und leichte Niederschläge.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 2,3 Grad Celsius, Minimum: 1 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 1.4 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhaupifiadt.

Gießen, den 25. 3ai|aar 1927. |

Tierseuchen im Kreise Stehen im Jahre 1926.

Die Viehbestände unseres KveiseS sind im Laufe des vorigen Jahres oft von Seuchen heim^ucht worden. Insbesondere war eS die Maul- und Klauenseuche, die start verbreitet war. Um ein Bild über bas AuSmaß der S e u ch e n « r k r a n k u n g au bekommen, haben wir unS an zuständiger Stell« erkundigt und dort folgende Mitteilungen erhalten:

Maul- und Klauenseuche. Bei Be­ginn dcs Iahr-s 1926 herrschte sie in 7 Ge- memden (14 Gehöfte verseucht). 3m Lause deS 3ahres wurde die Seuche in weiteren 49 Ge­meinden amtlich sestge,teilt, so daß amtlich ins­gesamt 70 Prozent der Gemeinden des Krci'eS Gießen ver eucht waren. In Wirkiichtett dürste der Prozentsatz ein höherer sein, da Verheim­lichungen feilend der Landwirte nur zu ost vor­kommen, weil vielen von ihnen die große votts- wirtschastiiche Bedeutung der Seuche und die Wichtigkeit ber Te ämpsung nicht klar zu machen ist. Von den 56 Gemeinden waren 19 zweimal, 3 dreimal, eine viermal (Ritthgos) und eine fünfmal (Oicßen) verseucht. Die Zahl der als verseucht genreldeten Gehöfte .-'rüg356. Am stärksten war der Kre.s im ersten und letzten Vierteljahr von der Maul- und Klauenseuche heimgesucht. Die direkten Verluste wa­ren am größten in den Mona.en September, Oktober urb Rovember. Hauptsächlich betroffen würben bie Gemeinden Burkhardsfelden (70 Gehö>te verseucht, 2 Kühe, 23 Iungrinder. 5 Kälber und 2 Ziegen verendet, 2 Iungrinder notgeschlachtet): Reiskirchen (70 Gc^ö.ie ver­seucht: 21 Iungrinder, 7 Kälber und 1 Ziege verendet). Hattenrod (49 Gehöfte verseucht: 2 Rinder und 19 Kälber verendet). Stein- heirn (bei der zweiten Verseuchung 26 Ge­höfte betroffen; 2 Kühe, 3 Rinder. 11 Kälber verendet; 1 Dulle notgeschlachtet). Der Ge- farntverlust an Tieren im Kreise Gießen beträgt: 2 Kühe, 70 Iungrinder, 75 Kälber und rund 100 Ferkel verendet: 7 Bul­len, 21 Kühe, 7 Rinder und 2 Kälber not­geschlachtet.

Lungenseuche. Die Hein.tückische und ge­fährliche Seuche wütete unter den Rindvieh- beständen in Lich. Betroffen wurden 24 Ge­höfte. 135 Rinder wurden auf polizeiliche An­ordnung getötet, 47 von ihnen waren mit 2un# genscuche behaftet. Die Tilgung ist noch nicht abgeschlossen.

Milzbrand wurde in drei Gemeinden sest- gestellt. 4 R nder sind der Seuche zum Op,er gefallen. Bei ber Roi'chlachtung des einen in­fizierte sich der Metzger an den Armen, wurde aber geheilt.

Rotlaus ber Schweine trat 1926 sehr stark unb auch bösartig auf. Genaue Zahlen lassen sich nicht angeben, da ber gesetzlich vor­geschriebenen Anzeigepslicht nur In den wenig­sten Fällen nachgelommen wird. Es kann den Besitzern von Schweinen nicht dringend genua «ns Herz gelegt werden, ihre Schweine fchutzimpfen zu lassen. Rur so können empfindliche Verluste vermieden werden.

Schweinepest. Gemeldet ist die Seuche nur aus drei Gemeinden deS Kreises, in denen zusammen 12 Schweme verendeten. ES steht je­doch fest, daß die Seuche viel weiter oerbrei.et ist, als man allgemein annimml. Häu ig tritt sie auch zusammen mit Rotlauf auf. Die Ge­fährlichkeit ber Seuche erfordert im Derdachls- fall sofortige Benachrichtigung des zuständigen beamteten Tierarz.es, damit rechzri.ig Maß­nahmen zur Abwehr getroffen und Impfungen vorgenommen werden tonnen. Dem Sleroen ber Ferkel ist größere Aufmerksamkeit zu widmen.

Schafräude wurde in zwei Wanderichaf- berden festgestellt. 6t.

Gieszcncr Wochenmarktpreisc.

SS kosteten auf dem heutigen Wcchenmarkt: Butter 140 bis 150, Matte 30 biS 35, Wirsing 12 bis 20, Weißkraut 8 bis 10, Rotkraut 12 biS 20, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 40, Unter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 120 bis 200; Zwiebeln 10 bis 20, Meerrettich 35 biS 60, Schwarzwurzeln 35 bis 50, Kartoffeln 6, Aepfel 15 biS 30, B.rnen 10 bis 25, Russe 60, Honig 50. junge Hahnen 100 biS 120, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund; Käse 10 Stück 60 bi« 140 Vf.: Eier 17 bis 18, Blumenkohl 80 bi« 150. Lauch 5 bis 15, Retttch 10 bis 15, Gelierte 20 bis 40 Ps. daS Stück.

Äornotizcn.

T a g e S t a l e n D e r für D ienStag, Stadttheater: 7Vt üfjr,Boccaccio" (Ende gegen 10 älhr). Bezirksverband Gießen des Hess, Vaterländischen Blocks: 8 Ahr, Kath. DeretnS- haus, Reichsgründungsseier. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: ^Bismarck", 2. Teil. Astocia- Lichtspiele: .Sumpf und Moral".

Reichsgründungsseier. SS sei nochmals aus die heute abend seitens der vater­ländischen Verbände veranstaltete RcichS- gründungsseier hingewiesen, zu der die vater­ländisch gesinnte Bevölkerung eingeladen ist

Gießener Konzertverein. Mittwoch, 2. Februar, abends 7.30 Uhr, in der Stadtkirche, zum Gedächtnis an Professor Gustav Trautmann ein deutsches Requiem von Ioh. Brahms. (Siehe gestrige Anzeige.)

Konzerte zum «Besten ber hie­sigen Schwesternhäuser vecanstaitet die Klavierschule von Minna Korner am kommen­den Samstag und Sonntag. Räheres ist au« der gestrigen Anzeige ersichtlich.

Der Goethe-Bund hat zu seinem nächsten Dichterabend am kommenden Samctag Walter von Molo eingeladen. Der Dichter wird aus feinem RomanIm ewigen Licht" vor- lesen. Waller von Molo gehört bekanntlich dem Arbeitsauöschuß der jüngst gegründeten Sektion für Dichtkunst der Akademie der Künste an. (Siehe heutige Anzeige.)

* Eine öffentlich« Stadtverord- neten-Sihung findet am Freitag dieser Woche im Sitzungssaale der Stadtverordnelen. Stadthaus Bergstraße, statt. Di« Tagesordnung wird noch mitgeteilt.

Militärische Winterübung. Da« hiesige Bataillon 15. 3ns.-R«gt. wird heute, Dienstag, nachmittag zu einer Winterübung in Gemeinschaft mit den Garnisonen Marburg, Kassel und Göttingen auSrücken. Die Hebung findet in ber Gegend von Wabern statt. Das