Nr. 501 Drittes Blatt
Samstag, 24. Dezember 1921
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gdcrhefsen)
Weihnachiöpreisrätsel.
Der Raiseionkrl spricht:
Hilf 3ahre wieder kommt der «ätselmann 3u artiger» Mädchen und drooen Buden Um btt »echaach»»Hdit i" die dämm rigen Stuben Und redet sie alle gar freundlich an:
Ihr »inderlein kommet.
So spnchl er und lacht.
Schaut her. wov euch frommet,
Ihr groben und Heinen, Ihr groben und feinen, 8n einen jeden hab' ich gedacht.
Still« «acht, heilige «acht —
,3ur jeden hab ich wa» mitgedracht 3um «alen und Bafteln und vuchftabieren, Aum «üffeknacken und Phanta fieren, (tiM Menge ftreuiöorter zu probieren, Ein „(Blutf im Winkel' zu studieren. Siele neue Wörter zu finden Und eine furchtbar fchroere Geheimschrift zu ergründen.
0 lonnrbQum, o Tonnebaum ...
Der Ratsrlonkel — ihr glaubt e» kaum — ar erringt noch mehr!
Site ihr, Haden wollte leicht oder fchwer. ar kommt zwar nicht zur Sommerszeit, , Nein, nur im Winter, wenn et fchneit. ar kommt bei federn Detter, Gchwarz aus weih find feine Blätter: am Silbenrätfrl. ein Zahlenrätsel, (Serfd)lungen wie eine ^oftenbrejel), «älfel in Reimen — ihrer vier. Wer eint geraten hak, rufe „hier"!
Morgen, Sinder, wird't wat geben Oder in Zwei Wochen auch. Wenn die Frist verstrichen ist.
Die't beim Onkel Brauch Westen Losung richtig war. Bei wem et gestimmt hat auf ein Haar, Hu dein kommt wie ein Rikoiaut (Ein Bote mit fchonen Preisen int -aut.
Sm Weihnochttbaum die Lichter brennen.
Und auch beim Ratselonkel find |e angebrannt. Und flUen, die ihn lieben und ihn kennen, Reicht er zum Abschied jetzo still die Hand Und spricht: Wir lehn unt wieder über» Jahr In alter yreundsä-ast, wie et immer war! Für heute sollt ihr gegrühet sein, Ihr «Inder alle, weil und breit, ytrid)l cuch die Hande und stimmt mit mir ein: D du fröhliche, o du selige, gnaden- bringende weihnachfzeitl
Bit zum S. Januar 1938 müssen alle Lösungen mit der genauen Angabe von Aor- und Zunamen, Alter, Schulklasse. Wohnort und St r a he de» (Einlenbert in einem g»lchlo'«enen Umschlag mit der Aufschrift „DeIhnach11 - Preisrätsel' bei der Redaktion bet „(B i e fj < n t r Anzeiger t' eingelausen sein. Die richtigen Losungen werden zugleich mit den Romen der Prei-träger nm Samrtag, 14. Januar 1928, im „«(ebener Anzeiger' veröffentlicht.
(Sitbenrätfet
Hut den 62 Silben;
a — □ — a — a — da — da — be — che — do — dar — de — bet — bl — e — eh — ek — ge — gen — I — |or — ka — ka — ke — kla —
so — Io — la — lat — le — II — lo — ma —
ma — me — mo — na — na — net — ni — no — nu — o — o — par — rau — re — re —
ren — ri — ri — rie — rat — sa — se —Jet —
ta — le — te — tri — iua — a>a — witsch
Rnb 17 mehrsilbige Marter zu bilden, die nach- ehende Bedeutung hoben: 1. «diätischer gürft;
2. norbamerilanildier Staat; 3. Musikinstrument; 4 italienischer Dichter; 5. griechischer Held; 6 alter- tümlith-t Fahrzeug. 7 militärischer Begriff; 8 Lzoheittzeichen; " Polizeitruppe; 10. rulsi'cher Rome 11 weiblicher Borname; 12. Stobt in Italien; 13 Stabt in Ruhlond; 14. bebeutenbe -asenflodt (Hltertum): 15. Zimmerpflanze; 16 Ati iptffabt bet Altertum»; 17. philosophischer Be griff- Die zweiten und die vorletzten Buch staben der gefundenen Wörter, beide von oben nach unten gelesen, ergeben den Anfang einet Welhnochttliedet. Hierbei gilt ch al» ein Buchstabe
(-eheimfchnft.
ft dhbc tjdi bd$ ev d» ilju. ebta Ijo hlcpu wpo dn Ibjth In hvtuvt bvthjoh. ebn bmml xfmu hltdiblu.iu xvfsd
voe eifrf tdibfuavoh xbs ejf bmmfdsluf voe hfldibi t\ ds afju. eb dalojvt mboeqgmfhh jo tzsjfo xbs.
voe Idelsnboo hjoh. ebta h tjdi tdiblualo mjstas. Ijo Mhmjdil» jo tljol tubeu.
Die tfntvfferung der Gehelmschrist ergibt einen weihnachtlichen Text
Oas Glück im Dinkel.
Manche «eihnachtträtsel findet man durch Zu soll In ganz unweihnachtlicher Zeit. Sogar im Sommer, wo noch niemand an den (Thriftbaum denkt und an «reuzworter und an Rosiel und Zahlen- Ungetüme für die rateroüHge Jugend an langen Winterabenden Diese» fanden wir im 3ull, al» er am deihesten war — und hoben e» vorfichtia auf in der aebeimnitpaQen dicken Mappe, auf der „Weih- namt en" geschrieben steht und ein zierliche» Ton- nenzweiglein lustig und verheißungsvoll gemalt ift
Dot kam so: Wir gingen in der Mmagopoule durch die Setzerei. In der bi nitriten (Ede hockten zwei Lehrlinge Mit einem kleinen Setzkasten zwi- chen sich Bei einem durchau o<ru>eriiid)cn Gluck», piel. Der (Einsatz betrug auf Heiden Seiten — wie durch ein strenge» Verhör h.rautgebrachi wurde — zehn bäte Reichtpsennig Auherdern durste der, der gewonnen hatte, eine Wc-che lang sur die ganie Ge- ellichast da» Frühstück holen. Da» ein wichtige» Ehrenamt ist
Da» anmutige Spiet biefj „Do» Glück im »tnlel' oder „tat Halde Abc'. Nämlich: Die beiden hatten sich zw->ls Buchstaben au»gcsucht und probierten au» Leibeskrastev, wieviel Wörter man wrou» zusommenfetzen konnte Wer die meisten and, hatte gewonnen Da die Glocke ertönte, die Pause )u (snde war, der gestrenge»Metteur erschien und sehr dose wurde, konnten wir leider den Au»- gong der interessanten Partie nicht abwarten.
Dir schrieben un» aber, vorsorglich an Weihnachten denkend, die Buchstaben ab, baten um gut »etter für die zwei Gluck»spieler und taten die 3etlef in die Mappe mit dem Tannenzweig Darin haben wir sie jetzt wiedergefunden, neben sie hiermit prei» und sind begierig auf die Losung, (f» gibt auch mehr al» zehn Rcich-pfennig zu gewinnen. Die Buchstaben sind
d-n — i—k — n — o — p — » — t u — v — z.
Wer au» diesen Buch staben d I e meisten Dorier zusammensetzt, gewinnt. In den Wörtern können die vorstehenden Buchstaben m e h r m a I » vorkommen, andere Buchstaben dürfen aber nicht verwandt werden — Wir sind begierig? Aber bitte „richtige" Wörter! «eine Phantasie-
schopsungen" Wer etwa eint „Internationale Obst Versand Zentrale" gründen will — wir haben nicht» dagegen, aber wer mit dem »orte „Iovj^ ankommt, handelt gemeingefährlich und gegen die epietregeln!
JühlcnrätfcL
1) 1, 2, 8, 4. 5» 6, 6, 3, 2.
2) 1. 2. 3, 4, 5. 6, 7, 8, 9, 3. 7. 10. 4. 6, 5. 3.
3) 1. 2. 3. 4, 5. 6, 7. 8. 8.
4» 7. h. y, 10, 5, 6, 11.
5) 3, 11, 10, 12. 13. 14. 15. 14
* 6) 5. 9. 10, 11, 4
7) 12, 13, 12. 5. 14, 1, 3. 15, 2.
8) 14, 11. 3, 2, 3, 5.
9» 4. 5. 4. 12, 10, 9
10) 4. 16, 17, 17, 8, 11. 4, 5, 11.
11) 5, 3, 16, 14. 3, 4. 17, 7, 16.
12) 13, 10, 14, 6, 15, 9, 7, 3, 4
13) 15, 18, 3, 6, 19, 11
Die vorstehenden Zahlen sind durch Buchstaben zu ersetzen Jede Zahl fleht immer an Stelle eine» gleichen Buchstaben». Da» Rätsel enthalt d r • i o e r • fchiedene BuchstobenschIusseI, und zwar für die Zahlenreihen Rr 1, 4, 7, 10, 13, für Nr 2, 5, S, 11 und für Rr. 3 6, 9, 12 je einen anderen Schlüssel Die für die ,Zahlenreihen sich ergebenden Wörter haben folgende Bedeutung: 1 Scho «platz einer modernen Seeschlacht; 2. technischer Betrieb; 3. Dichter; 4 Bolksstamm; 5 Airchensonnlag; 6. Dichter; 7. Musikinstrument. 8. biblischer Name; 9. tue* kische Stadt. 10. deutsche Stadt; 11 Mischung. 12. sportliche Veranstaltung; 13. antike wogen- gestalt. — Die Ansang», und Endbuchstaben der Wörter ergeben, beide von oben nach unten gelesen, den Anfang eine» Weii)nacht»liede».
Kreuzwort-Gilbenräisel.
In die leeren Quadrate de» vorstehenden Kreuz- roorträtfrts sindSiIben elnzufctzen. |e zwei Silben ergeben ein Wort. Die Wörter haben folgende Be- beutung:
Don link» nach recht»:
1. Deutfche Stadt; 2. männlicher Vorname; 3. griechische Saaengeftalt; 5. dichterische Gattung; 6. Tanz. 7 Blume; 8. Säugetier; 9. Singvogel; 10. europäischer Staat; 11. volk»rasse; 12. Raubtier. 13. nautische» Instrument. 15 männliche» Säugetier; 16. literarischer flrtbegriff; 17. Wohnungseinrichtung; 18. Baumaterial; 19. Gebäck; 20. Kartenspiel; 21. nordeuropäische Insel; .22. Jagd- gerät; 23 Münze; 25. osteuropäische Großstadt; 26. «leidungrstück 27 Handwerkszeug. 28. Säugetier: 29 Teil des menschlichen Körpers; 30. Inlett; 31. Goethefche Dramenfigur; 32. deutsche Stadt; 33 deutscher Dichter.
Don oben noch unten
1. Gebäudeteil: 2 biblische Gestalt. 3. deutsche Stahl 4 Ibsensche Dramenfigur: 5. mythologische Gestalt; 6 Brennmaterial. 7 deutsche Sagengestalt: R Stapelplatz; 9. Teil der Uhr; 10 Hohlweg: 11 Naturreich mung. 12. itoNenischer Fluß; 13. Satzzeichen; 14. Sommunalbeamter. 15 englische Stadt. 16 Spieszeuo 17 Sleidungsstück: 18 Aau»geräl. 19 mathematischer Begriff; 20 kaufmännische Be Zeichnung. 21 deutscher Fluß: 22 weiblicher Borname: 23 Verzeichnis; 24 Brettspiel. 25 amerikanischer Staatsmann; 26 deutscher ffrmvorlft; 27 lanbmirtkboftl *•« Gerät 28 griechischer Weiser. 29 deutscher Dichter; 30. Raubvogel.
Vier Rätsel in keimen.
l.
vom fitmmel hoch, da komm' ich her: Errätst du meine Erste
Der aber ohne die Zweite mär'. Dem wäre da» Allerichwerste.
Drei — vier durch Winterweiter und Ei»
(Ich täte e» sicher um keinen Preis') — Doch da» Ganze ist ein vergnügen: 3m hoben vocelsberg, wenn'» schneit.
Auf fröhlicher Fahrt zur Weihnachtszett Rote Backen und Hunger zu kriegen.
II
Die beiden ersten wachsen In einem fremden Land, 3n jeder Suche werden sic al» ein Gewürz verwandt. Die beiden letzten findest du bei uns an Baum und Strauch.
Man schüttelt sie, man ißt sie roh und reibt sie manchmal auch.
Da» Ganze kommt zur Weihnachtszeit braunknusprlg auf den Tisch:
Ein jeder «reift zu und beißt hinein — am besten schmeckt e» frisch.
III.
Die ersten beiden, wie man weiß, täten vor grauen , Jahren
Einmal ein ganze» stolze» Volk vorm Untergang bewahren —
Doch leben sie, wie wunderbar. Auch heute noch und sind nicht rar — Man findet sie allerorten.
Wenn, sie jedoch gestorben sind und waren gut geraten.
Und hast du Gäste zum Drei — vier am Weih nachlslag geloben. Dann werden die Gäste nicht blöde sein. Und loben da. Ganze samt Ein» — Zwei — klein Mit schmeichelhaften Dorten.
IV.
Die erste nennt euch ein Metall.
Richt selten — man findet » fast überall;
Eine Stadt bezeichnen die zweite und dritte;
Da» Ganze ist eine fröhliche Sitte: Man pfieat sie nach alter Baterweise ?!l» Gesellschaftsspiel im 3cmifienfreife, Al» einen prophetischen Zeitvertreib Für jung und alt und Mann und Weib, Hür Urahne. Großmutter, Mutter und Sind — Und ob auch ihrer gleich viele sind, E» vergeht ihnen allen im Fluge die Zeit, Bi» auf einmal die Glocken weit und breit Die großen und Heinen, mit Schwingen und «fingen Dem neuen Jahre willkommen singen.
Erweitertes
Schöffengericht Gießen.
Das Schöffengericht Gießen hatte fick» bider Lage mit einem Falle zu beschäftigen, der unter Ausschluß der Oeffentlubfeit verbände.: wurde; gegen 43 Zeugen und 2 Sachverständige waren von der Staatsanwaltfcha't und der Verleid:- gung geladen, dem Angeklagten standen 2 Der- terdiger zur Seite. Ein Einwohner von H. hatte Im Jahre 1922 ein neun Jahre altes Mädchen in feine Familie ausgenommen und erzog eS als Pflegetochter. Er wurde beschuldigt, feit bidem 3aij:e in daS Jahr 1927 hinein an dem Mädchen sträfliche Handlungen rorgenommen und eS auch zur Verübung fvlcher Handlungen ver
leitet zu haben. Derbrechen gegen die Paragraphen 174 Ztst. 1 und 176 3 StGB. Der
Angeklagte hat die 'BedeÖlungen immer abgestritten und blieb auch ;n der UnteduchungA- hart und in bet Hauptverhandlung bei leine« Leugnen. Ss land eine um'angre.che und eingehende Beweisaufnahme statt, nach deren Ab» schlusi der Staatsanwalt in längeren Aus'üstrun- gen die Derurteilung bes Angeklagten forderte. Er beantragte mit Rücklicht auf - d.e älnbestraft- heit des schon im vorgerückten Alter bdendlichen Angeklagten und den guten Seumunb. der ihm von allen Seiten ausgestellt wurde, ihm trotz der Schwere der Verbrochen mtlbembe 11m- ftänbe zuzubilligen und chn zu 2 Jahren Gefängnis »u verurteilen. Da- Gericht sollte nach fast zehnstündiger Verhandlung und längerer Beratung sein Urteil Da der Angeklagte keine
Reue gezeigt und bl- zum Schluffe geleugnet habe, verneinte e- da-Dorliegen mildernder Umstände und sprach eine Zuchthau-strafe von 2 Jahren au-, sowie die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Ihren. In der Verhandlung hatte auch ein Hoch'chulprosesfor al- psychologischer Sachverständiger fungiert
Meine Strafkammer Wehlar.
O Gin Polizeibearnter von Schwal - hach war in erster Instanz vorn Amtsgericht Metzlar wegen Beleidigung in Tateinheit mit Bedrohung zu 40 Mk Geldstrafe, hilf»- weise acht Tage Sefängni-. verurteilt werden. Er hatte hiergegen Berufung eingelegt 70ie die Verhandlung ergab, wollte der An
geklagte eines Tages im April In einem Rau- borncr Geschäft rückständ gc Steuer einziehen. Da der Inhaber de- Gefchalles abwesend war. bat bie Frau den Beamten, doch ein andermal w ederzukommen da ihr Mann befkr orientiert sei 0# entwickelte sich dann ein Wortwechsel, der schlteßstch in Beleidigungen ausariete. Der Angeklagte brbauMet nun, korrekt porgeganjen au letn. ?ia4) Schluß der Betveisaustiahn-e verkündete da» Gericht. daß es Bedrohung nicht all vorliegend aniteht dagegen wegen Beleid.gung au* bie gleiche Strafe wie der Vorherrscht« ertennt.
Durch bie gleiche Angelegenbell in Mit- lelbenkt jh gezogen war eine Tochter der SefchuUsfrau Sie war Zeugin der Ausein- anderfedungen zwischen ihrer 2llutter und dem Beamten unb halte auch erregt, in die Debatte eingegriffen, wa» zur Folge bulle, daß he sich wegen Beleidigung des Beamten verantworten mußte Cie wurde in 1 Instanz I reigcfpro- chen. Auf die Berufung des Beamten, der als Tlebenlkiger m d.esem Ber ähren auftrat gelangte da» Gericht zur Verurteilung der Angeklagten wegen Beleidigung zu 1 0 M k GeIdir a f e. evenluell für [e 5 Mk. eine Ersatzsvel- »ellsstrafe von 1 Tag Hast.
Mittelrheinischer Fabrikanten-Verein.
Der Verein hielt dieser Tage in Mauvz unter dem Vorsitz des Gehetmrals Dr. H a e u s e r eine zahlreich besuchte Mitgliederversammlung ab.
Ss sprach zunächst Oberbürgermeister a. D. Dr. Most- Duisburg. M. d. A.. über
Derwaltungsrefor«.
n5c führte dabei folgendes auS: Die Fragen der Verwaltung-- unb Vers ass ungsrel orm sinb letzten In starke Bewegung getommen. 29at noch vor etwa zwei Iahren nur sehr vereinzelt vertreten wurde, ift jetzt fast Allgemeingut für bie Mehrheit des deutschen Volkes geworben: die llcbcrftcugung von ber llnbaltvarfett der gegenwärtigen Zustande unserer staatlichen Organisation, sowie die Forderung nach ihrer gründlichen unb bolbtgflen Aenbc- rung. Daß von ben verschiedensten Seiten positive Vorschläge, namentlich In der Richtung besänftigen .Siichett-staates" gemacht worden find, ift zur Älarung ber Dinge erfreulich, doch sollte man sich davor hüten, sich allzusehr aus den einen oder anderen IDcg sestzulegen. DasMesent- liche ist. daß bad Ziel zur Idee ber Nation gemacht unb basür gesorgt wirb, daß seine Erreichung aus keinem ber in Betracht kommenden Wege verbaut oder gehemmt werbe. Bei der Beurleilung jedes einzelnen Weges sind zwei Ges ähren im Auae zu bebalten: Die erste ist, baß nicht eine Verstärkung der Reichbemalt zu einer übermäßigen Zentralisierung ber Verwaltung führt Die anbete ist. daß bat Ergebnis nicht statt einer Stärkung de- Danzen bellen Schwächung, insbefonbere eine ®nt| rembung zwischen Vörden und Süden wird; habet ift allerdings zwischen vorübergehender Mißstimmung, auch wenn sie einmal oder gar sehr oft kräftigste Worte gebraucht unb dauernder Entfremdung ein himmelweiter Unterschied.
Aedner besprach im einzelnen die Vot- Wendigkeiten und Möglichkeiten der VerwaltungSreform, wobei er seinen schon vor Iahren gemachten, neuerdings vielsoch ausgenommencn Vorschlag einer stärkeren ilnab- hängigkcil der Regierungen von Parlamenten durch eine verfassungsmäßige Bestimmung, wonach die ^Regierungen arundsätzlich so lange im 2lmte blelven, a l s das ihr das erste Vertrauensvotum erteilende Parlament selbst fungiert, stark unterstrich. Regierungen, bte jeden Tag durch knappe Parlamentsmehrhert verjagt werden können, vermögen die zu einer gründlich.'N Derwaltung-resorm gegenüber dem Parlament erforderliche Tatkraft nicht aufzubringen, ebenso bleiben alle Rechte be« Einspruch« der 'Regierungen gegen finanziell unverantwortliche Par- lament-be'chlüsse bei Aufrechterhaltung de« gegenwärtigen VersasfunaSzustande» leicht nur Geste.
Gegen bie vielfach geforderte Verstärkung der Rechte des R e l ch - p r ä I i d e n t e n lin-besondere Ernennungen und Gntlaffungen der Regierung fachlich unabhängig vom Parlament) äußerte ber Redner da» Bedenken einer allzu starken Hineinziehung dieser einzigen über den varteipoutifchen Kämpfen stehenden Stell« in Deutschland eben in diese Kämpfe. Die ersten gefetzgeberifchen Ausgaben großen Stils seien Im übrigen . Abänderung der Reichs- verfaffung Artikel 6 bi» 11 zwecks klarer Grenzziehung zwischen Reichs- unb Länder-Gefetz- gebung; Beseitigung be» 5 35 des Finanzau»- gleichsgeseye». Verstärkung ber Reichsauificht gegenüber ben L'anvcrn. namentlich sow Relch-au'gaben aussühren. Die kommunale Selbstverwaltung werbe bei stärkerer Entwicklung »um Reich hm erhöhte Ausgaben erhalten müf en; Voraussetzung bafür fei. baß bie kommunale Selbstverwaltung sich wieber das Vertrauen bort sichert, wo e» selber heute zum Teil verloren gegangen ift; auch eine GZc^- gebung. die bte Herstellung eine» gefunden Verhältnisses von Rechten und Pflichten innerhalb ber Gemeinde unablä'’ig im Auge hat, werde sich nicht, wie «äfichlich behauptet wird, als Feindin, sondern vielletchi geradezu als Retterin der Selbstu.'- waltung unb ihrer Bedeutung im Gelamtorganls- mu» be» Staat-Wesens erweisen. Bei ber Behandlung des Gesamtkompleffes dieser Fragen gilt es nicht theoretische Srtreme zu vertreten; Die Größe der Aufgabe verlangt aber andererseits. daß. wenn guter Wille unb Vemunst bei ben ßänbem zu der bringondst nottoenbigen Beseitigung des heutigen Rolstanbes unterer offent* lieben BerwaltungSorganifation nicht ausreichen, ba» Reich im Bewußtsein feiner Verantwortung für das politische Gefamtfchick'al Teut'chsanb» die gesetzgeberischen Folgerungen für fein Verhältnis zu den Ländern und deren Umgestaltung zieht. Aber bald! (Lebhafter Beifall.)
Der Vorsitzende unterstrich die AuSfuhrunaen des Redner-, indem auch er davor warnte, ben aufgeworfenen Problemen mit vorgefaßten Meinungen gcgTnäberzutteten. Woraus es anfomme, fei. daß in unterem Volk da- Bewußtsein dafür geweckt werben müffe, daß dem Ziel einer einheitlichen 2tu6geftaltung unfereS Staatswesen-


