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An die

Iigarrenarbeiter und -arbeiterinnen!

Der Reichsverband Deutscher Iigarrenhersteller hatte es bisher mit Absicht vermieden, nachdem uns durch das Verhalten eines Vertragsbrüchigen Tarifkontrahenten, dem Deutschen Tabakarbeiter- verbande, die Gesamtaussperrung aufgezwungen war, die dadurch entstandene Lage durch Veröffent­lichungen oder Kundgebungen irgendwelcher Art zu verschärfen. Nachdem nun aber der genannte Verband dazu übergegangen ist, in der Oeffentlichkeit wahrheitswidrig zu behaupten, der Reichs­verband Deutscher Iigarrenhersteller habe seinerseits den Taris gebrochen, stellen wir zur Ausklärung der Oeffentlichkeit folgendes fest:

1. Es ist unwahr, datz der Reichsverband Deutscher Iigarrenhersteller nicht zum Tarifverträge gestanden oder ihn gebrochen habe. Der Reichsverband Deutscher Iigarrenhersteller hat sich vielmehr bis zuletzt bemüht, die Gesamtaussperrung zu vermeiden, indem er sogar für die bestreikten Orte Breslau und Dresden ein Entgegenkommen anbot. Dieses Entgegenkommen wurde vom Deutschen Tabakarbeiterverbande abgelehnt und mit der tarifwidrigen Forderung beantwortet, trotz des zur Zeit gültigen Reichstarifvertrages, die Löhne weiter ganz allgemein zu erhöhen.

2. Wahr ist vielmehr, datz der Deutsche Tabakarbeiterverband unter Nichtbeachtung des be­stehenden und bis Ende März 1928 gültigen Reichstarifvertrages die Propagierung von Lohn­forderungen am 18. September 1927 in seiner Ientrale in Bremen beschloffen hat. Die ungesetzlichen Lohnforderungen und wilden Streiks sind daher unter Bruch des bestehenden Verttages von diesem Verband veranlatzt worden. Dieser Verband hat damit den Arbeitsfrieden in unserer Industrie, den die Zigarrensabrikanten und die in den Betrieben tätigen Arbeitnehmer unbedingt wünschen, aus rein eigensüchtigen Gründen gestört. Wenn Unfriede herrscht, hofft dieser Verband dadurch Mit- glieder unter den Nichtorganisierten Arbeitnehmern zu erwerben.

Feder anständige Mensch steht zu dem Vertrage, der seine Unterschrift trägt. Wir müssen ver­langen, dah auch für die Gewerkschaft die gegebene Unterschrift gilt. Wir haben in den verfloffenen Fahren der schlechten Konjunktur die Löhne nicht abgebaut, sondern in jedem Fahr trotz der schlechten Lage der Industrie diese erhöht. Wir müffen verlangen, datz auch in Jetten besserer Konjunktur die Unterschriften der Arbeitnehmervertreter Gültigkeit solange behalten, bis der gesetz­lich festgelegte Tarifvertrag abgelaufen ist.

Die uns vom Deutschen Tabakarbeiterverband aufgezwungene Gesamtaussper­rung wird in dem Augenblick zu Ende sein, in welchem uns vom Deutschen Tabakarbeiter­verband erklärt wird, datz er zu dem Vertrage, der seine Unterschrift trägt, steht und datz er sich dafür einsetzt, datz die Arbeit zu den gesetzlichen Löhnen wieder ausgenommen wird.

Die Arbeitgeberfeite hat kein Interesse am Arbeitskampf, ebensowenig wie der im Betrieb tätige Arbeitnehmer. Sorgt dafür, dah auch der Deutsche Tabakarbeiter­verband wieder tariftreu wird, dann wird vielen fleihigen Arbeitern und Arbei­terinnen wieder Gelegenheit zu dauernder Arbeit gegeben sein.

Reichsverband

Deutscher Iigarrenhersteller (E.V.)

Bezirksgruppe Hessen-Untersranken

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