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Nr. 275 SmeHes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheflen) vonnerrtag, 24. November (927

Der neue Rcichswirtschastsrai

Die 0Ui<b#«><Tlal1ung cvrlangl In Qlrtifd 1® »eben brr 9<>n Tklrt.bitäld au* Ne

m*?una eine« 3riM»<n«Mt«rate«. eneBor- schrill die nun» im Odfttt 191? zunächst durch die 3u1amEim|c6unfl de« Vorläufigen Reich*- Wr1|<*a1l«rai<* rtluUl*. 328 TRuAebn: Würben etnberuten. unter brn-n Ne 3rb.-Ug bcr an» die Arixttnehrn« in bdonberrn. dem © <r*e der TDirt'*ali mrtptr4x-nbee Gruppen Varl tätlich verirrten »atm Pa* Cbexrg nn^aU r Tkixit Md« Körperschaft lag udprilngli* bd der QMl- tHilammlung. N-3 enoeet h* ta* al« verfehlt OnMg* seiner hohen M.tgi.ederzahl »ar H dem Gremium nicht möglich, sei« r gm l *#n Auf- gaben, rdnu1.* die Begutachtung von «o i rt f ch a 11 l i ch e n und I vz i a l p o l i t i Ichen Gelegen,würfen, die »mgung zielend« Mahnahmen unb die Bornahme w n- Ichoflkicher und foztal« Erhebungen zu erfüllen ©ell 3uni 1W3 wurde deshilb die Vrilverlamm- lung. Ne bi« dahin In allerdings recht großen .^welchenrüunirn in Berlin getagt harte nidbt mehr tinberuten. 211 e 3rt»-tt-n erledig en die drei Au«lchü>le. d.< heem Rainen entsprechend Au wirllcha|lOpvtiri|chen. f«ialpolt:fck«n und sinanzpvliiUchen Aragen © dlung nahmen. Dar­über bin. u* schrieb da* bei der ©UbU ficnrng der Währung aulgeketUe Sparprogramm der Rnchsreg'-TU' g dem Reichswtrtlchaftsrat g »dl? Bereinlachungen leine« Appeal.-« vor. Io bah Ml vieler Zett Ne Körperichasi prall Ich nur noch au« 110 Mitgliedern zufam menge letzt tst.

Die Arbeit dides nur zu gutachtlicher Tätig- feil, nie zu geietzgeb ri'chm vri'lungn gjawl- fenen Partam.-7'i* hat in der Oeffentlichkeit nie Io rechten TviderhaU gefunden. Da* lag dnmil in der besonderen Art seiner Tätiatdt. zum anderem in der Vorschrift, alle Ausfchusz- schungen unter Ausschluh der Dessen t- »ichleit noniHKbmm eine Maßnahme, die im 3nlerdk der Geheimhaltung d r s hr oft zu eiuschiMdender 'SMrfung führenden Adlichten bet 'Regierung notwendig war Der Tori ivfige Rrichswinschaf.sra» Hal viel Ätii.l e.1 ähren miifsen auch zu seiner Ghre sei c« g-sugt <m« den 5treisen Ieiner 111 tgUrO.T. D <il id>t Hal gerade der (S.nlluh der Irit fch-n Deflentlichteit dazu beigetragen, daß man jetzt nach dein ihe acht Jahren au« dem nur in beschränktem llLifte arbeit«iühigen Geb.Ide eine neue Körper» fchas t errichtet. Der Rrichswirifchastsmm ster Hal dem Reich« age soeben einen Gntwurf ein.-g Gesetzes über den Rrichswirischassrat vorg^lgt. an dellen duftanMommen. der V.-rfasiunasau*. schuh der bisherigen Körperschaft erheblich mit» gewirkt Hal

Auch der neue Rrichswirischastsrot erhält seinen ©<h in Berit» Die 3abl ferner Mit- I heblich herabgesetzt worden, statt 326 zählt er nur noch 151 Mitglieder. Die Berufung zum Beuchswirlfchasttzrat erfolgt auf Grund de* Bor- schlagsvechte« der beteiligten Bolkskreise. allo der grohen anerkannten Verbände, eine nicht sehr erhebliche Anzahl Mitglieder wird durch Aeichsregierung und A e I ch « r a t er­nannt X« besondere Ausgaben find ihm zuge- widen die Beratung der Regierung und der gesetzgebenden Körp«fchaften unter Brnicksichti- gung der bdanderen 'Dünsche der beteiligten Mi Ns chafi «kreise durch Anträge und Anregungen und die ©4>ofhmg von Vorschlägen, die zum Interessenausgleich und zur Milderung sozialer ©pannungen geeignet sind. An­regungen de« Rrichswir.schostsrate« muh die "Re­gierung auch bei ablehnender Sellungnahme dem Reichstage zur "Bdchiudfassung voricgen.

Meinung iten hatten

sich bei der Frage der ©türke

der Berus«aruppen ergeben, die endlich gefundene V6fung erscheint dennoch keineswegs glücklich. G* ergibt sich nämlich. dah insbesondere die Gruppen des Handels, der Danken, de« Ber- sicherung«we'ens und des Derkehrs gegenüber den Gruppen der Landwirtschaft und der In­dustrie nicht unerheblich bevorzugt sind. Reu» Dertre ungen lind geschaffen für da« öffrnt- Kche BerficherungsN'esen. die Sozialversicherung.

di« Zeiiungtzverkeger und da« Ausl and deut «ch- tum Für die Beratung von ©ix-vJfragen ist e« dem Reichswinschafsrat a - tKi-ng Urill. fach­kundige Personen als n.chtstä.iNge. aber ftinnn- berechtigte Mitglieder h«an»u»i:h.ir

Die Arbettsweile des n-u#n Rnchs- wirtlchaftsrate« wird sich von der leine* Vor- gängtr* vornehm.ich dadurch unter meiden dost die ihm oblegenden B-ratungen und Gntlchn- dungen In den mil dem Rechte 'ekdstä iDig.-r ilni» Schließung ausgestatteten Ausl chüssen er­ledigt werden. Die Dollo.rsammlung. die sich zur Abgabe von Gutachten al« ungeeignet er wiesen 5?1 wird in Zukunft nur in ganz be- fonderen und nur au* Antrag zulammcn- treten. Wich g ist die Bieber .r. chtung de« S r - mlttlungsau«schufse«. der In der bi*-

herigen Körperschaft zwei Ongueten au* dem Gebiete der Leder- und T ».ilw.rt'cha't veran- Hal lei bat und in Zukunft umfa'endere Au*- gaben zu erfüllen haben wird. Dies.-r Au«schust wirb zum <i»ed< der Linier uchung von .trogen der getarnten DtNlchaft oder eine« ein.zein7n Tvirtchaft«zweige* gelcUl lr kann von leber- mann mündliche und ichristliche Gu achten über die wirtschaftlichen und legalen D«hältn>«ie fow c die Borlage von Unterlagen r.tlangen. auch B-- sichtigungen find ihm zu erlauben. Zur Sriüllung feiner Aufgabe iH ihm auch Ne Vernehmung unter Ckb gestaltet Der Rcich-tag w.rd nunmehi zu beschließen haben, ob der ReichswiN'chafGrat weiterbestehen toll. Da der Gesetzentwurf die Borschriften der Reichsoerfastung abänbert. muh ihm eine Zweidrittelmehrheit zusttmmen.

Der Bai der Diechunderi.

Don unserem römischen E -Äorr Jponbentm

Hom, Ende Dovember.

Aus einem seiner geüebtrn Ausflüge in die Anttlc ist Mussolini nun auch nach Hella« gekommen und dort ©ölen bcg.*gn.*t. Der weile Staatsmann must grohen (tinbruJ auf ihn gemacht haben denn was der Mlchsolger Julius Lälars leinen Römern als Rdseand.mk.-n m.tbrachte. ist aittfche« ©aU die Timokrati«. G.n ©taat. in dem der Bürger nach feinem Berdienst gewertet wird, nicht wie in brr modernen Demokratie nach der Kopfzahl feiner Partei. Derart oeral de ©oftemo da« p .rlamentarische voran, paffen nicht mehr in die Zeit de« lZalz s- mu* ©olon hat da« grahnt und einen .Rat der Bi er hundert" ge'chajsen.

3n Rom wachte man auf und las dah der falztfti'che Grvhrat in ein« Rachll.Yung d.e Ab­schaffung des bi«b«igcn Mahllvstems und der üblichen DoHsvertr-Nung befchloffcm habe. An die ©teile des Adgeordnelenhauf.« tritt als nationale Vertretung ein Rat der Vierhundert. Diese vierhundert MLnn« werten nicht mehr wie die früheren 563 Abgeordnrten auf die alle lärmende und ränkevolle Bcife vom Bolle nach dessen Laune gewählt, sondern zum Teil vo:n safzistilchcn Groh rat ernannt, zum Teil von den dreizehn Tvirtfchastsoeroänden der Arbeitnehmer und Arbeitg brr vvrgeschlagen. Pxr Grvstrat unterzieht jeden einz In n dieser Äanbibotm ein« genauen Prüfung auf feine fafzistische Gesinnung unb öignung, bestätigt, dct- wirsl und crgänAt als oberste unb einzige Instanz. C« kann insclgeoelfen nur einen Wahlkreis, nur eine Partei nur eine Liste grben. bie na­tionale Al* Zeichen trägt sie da* Ruten- bünM. und led g.ich für da* Ji-it

man oder man stimmt nicht. Wahllämpse find alfo fortan nicht mehr denkbar, weil nicht mehr mög­lich Richlstuer können keine ©rssrlpolitik mehr trdben. weil nur solche Männer wahlber.chtigt und wählbar sind, die sich durch ihren Gewerk- schasts beit rag al* Arbeiter aus weisen ober pu* ihrem Arbeitskreis heraus ernannt »erben.

©olon stellte über den Rat ber Vierhundert den Areopag, den Hof der Mächtigen, der Die Dberauflicht über jeden Bürger führte, ©itten und Gebräuche überwachte, die Religion wie die Er­ziehung, Faule xum Arbeiten, ©chlemm« zur ©parfamkeit. Lüstlinge zu einem tugendhaften Lebenswandel anhalten konnte. Genau wie im heutigen Rom, wo er nur ander« heiht Grost » rat Regieren toi in Athen in Wirllichke.1 nur einer: ©olon. Wie In Rom Muffvlini.

Obwohl nun ©olon« Berfaffung schon mehr als rin Menschenalter, üb« zweilausendfünf- bunbert Jahre all ist. gibt e3 Römer, die in Heller Begeisterung au«rufen: Rie dagewrienl Der Du rg er , st geboren'Gestern ha! . mus ber Gdchichte bie neu? Figur des cittadino Stfchenkt! Das bedeute die Srh.bung de« zwanzig- en ZahrhundertS. die Grhebung der Vernunsk. des Rechts, der fokalen Gerechtigk-ill ©o steht das schwarz auf weist in den 3e.hingen zu lesen, und wer etwa denkt, sich ähnllcher Töne schon um nicht bis Hellas zurückgehen zu müssen aus der sranzöllschen RevÄution erinnern zu

können, wird foforl eines Bellerm brlehrl: Rein, bie Grund,ätze vcm h^S sind überwunden, über­holl! Sine blir.be Reaktion war da» bimals. Zetzt aber hat ber gdunbe ethisch', wirtschaftliche, politische Realismus über den ob'lralim 2Ulu- ralismus gesiegt. Auf die Auswüchse folgt das "Verständnis, die Ruhe, das Gleichgewichl Das grobe Drama, das leit dvristig Zahrhunderten. mindestens, bie Men chhrit beweg', das getoal.igc Drama ist zu <3nbe!

Mm es noch einmal zu sagen: so steht das da. Trotzdem wäre es verfehlt, über den neuesten ©chachzug Mussolinis m.t e nrm Lächeln, m.t dein Lächeln, das die Kenntnis der GZchichte verl.iht, hinwegzugehen. Denn mag ähnliche* auch schon einmal vor Tausenden von Zähren dtg-wrien fein, wir wollen nicht oergdlen. dast die Mensch­heit. was Politik und © oatstorm bclnffl. feilst« rocht oft rückwärts, vielleicht immer nur i m Äretlc herum gegangen ist. Trotz ©olon, dessen Jime heute niemand In Rom n nnt. un- geachio: der Beibehaltung des gewohnt^ii Rah­mens für bas neue .Parlament", stoben wir vor einem iSrperiment. ba« ein* ernste Beobachtung verdient. Denn wer möch e Inign.nt. bah selbst in ber besten unserer mobrmen Demokratien ober verfassungsrnästigen Monarchien mandx* verbcsse« nmg*beburfttfl tft? Glücke nun ber Versuch ob« nicht in Rom. jeder © aat kann daraus lernen.

Was am meisten In die .1 igen sticht, ist die Ausschaltung der Parteimanöver. der bi« zur Entartung gediehenen Kuliss nschle- berci, ber Int«rifenlämpse verschie­

denen. zur Macht ob« nach "B.lehnung strebenben Gruppen oder Kamarillen. Gowlh liegt In dem Rocht der ©yndikate. Kandidaten vorzuschlagen, noch eine Art von Wahlsystem, aber das ist angriichts be« Vetorechts des Arevpags mehr eine Formsache, praktisch stimmt nur da « Re­gime selber. Dio Regierung wirb au« ihvrm eigenen ©chosie gehör m Auf den ersten Blick also nichts als rin ©chrinmanöv«. eine Äarce geradezu, ab« man darf den faszistischen ©taat eben nicht mit den Augen de« mittel> urvpäifchen ©taarsbürgevs, des Wektbürgevs schon gar nicht, betrachten, sondern must bedenken, was oornui* gegangen ist: die Konstruktion eine« korporativen Claate«, der keine Sinzei- und ©onderrnteressen mehr kennt, sondern nur noch Arbeit Im Dienste und zum Wostle des ©taate«. d« Infofgebefkn weder Streit noch Aussperrung duldet und mit spartanischer Strenge verfolgt, was ihm nicht frommt. Wenn bie borizehn Wirlschaftsverbänbe Männer für den Rat der Bi«Hundert Vorschlä­gen. um diese Bezeichnung zu gebrauchen, bl« eine amtliche für bas Reue gefunden Ist -, so versuchen sie nicht riwa Vertrauensmänn« In bie Regierung zu bekommen, bie sich lediglich für Ihre Lohninteresfen einsehen, sond-rn sie empsehken Muslolini Mitarbeiter, bie sie haft per­sönlich« Kenntnis für geeignet für Irin Werk «achten.

Wählen bars nur, fo tautet ber Grundsatz, wer produktiv im Sinne de« Staate« tätig ist, alfo nur her Arbeitende. Richt aber, wie in Rustlanb, jeder nächstbeste Handlang« unb nur

der Arbeit«, wählbar gar ist nur Ne Quali­tät. nicht bie Quantität. De« Mallenpetnzrp tmrb da« Auswatzlprinzip entgegen- ?stell! Ne <ttä*ngflm an bi.* Rud«. bie re c en an > ©le^e . N. Best n an Kommandv!

Da« Par.a non. -oll nich m.or Z.o . sondern nur Berhrug l.nn, mchi Regim . sondern b ralonde Stelle Wo der © imm*rt!d Anfang unb Ont* rin« ©taa sgew.il ist. da ist o* auch. Io glaubt Mulloltni. bald zu Snde m.t dem Staat.

Ob mit der Ablcha'sung d« .Tyrannei ber Parteien auch das »ersetzend.' Slemm'. all» ein natürliche* au*gri4)teben w«d.m tonn, tot heute Ne Itegiubelnben Reuerer glauben, das fr.'tlich kann erst Ne Zen lehr.n Wahr ch i dich kling' es keinem, d« im Gdchicht*i'up b än rt Schon erheben sich lvr.in.Ml« Mnv in dem Bahlrechi b« Arbei.sv r.xtnde «ne ®riabr tNli«n und e* als ein Glük bozrichnen. hast Mussolini nicht, tote es udpranglt 6 gedacht war. lediglich den 'Beru'siände'i d«e .Bo ksv«» irctung" finrüumt, lonN-n- lolort rin Gc,en- gewicht und rin Mebergewich: schul durch Ne unkontrvlli«bare Ernennung verNenl« Köpfe au« d« fafzi iilchon H evirhi^ D.e Gewerk- Ickbifien, fo wirb das entlchu Mgi. find noh nicht rrif für Ne Poetik, f e können noch L- n.- fichere Grundlage für rtne Parlamentarifche Jteucr'nung bilden, sie sind .unfähig, jene h.-ro fche Atmo- fpk»äre ständig aufre4Xiu«ballm, Ne für Ne geistige Snlw.<llung be* mach voll aufstr.d.nden Italien* unerläßlich ist" Auch denken die Ge­werkschaften naturgemäß rrin materiell, wahr nb Ne neue Kamm« vor allem moralisch? Kräfte braucht Heißt e«. Irgend etwas ist da nicht ganz Rar.

Zm Grunde bleibt e* allo, wie e« schon b;e lebten Zahrv Nr gew s n ist Sin Parlam «t Hai e« ja schon seit dem Läge nicht m.'br ge­geben. wo bie Mehrheit in b« Kamm r. bo* Mehrhritspnnzip mit grausig« Konsequenz zu Tode reitend. Der Minderhril Ne Aßg ^rdneten- rnandate en'zog 3n Nr neuen Kan, ntr wer­den auch Ne Reliquien bei se ien 3tal n. die Giolitli. bie ©übtirol« Abgeordneten, verschwun­den fein, da« ist N*r ganze Mnterschied Die wahre Macht liegt nicht beim Rate d« Bi «hundert, sondern nach wie vor in b e n Händen eine« einzigen Manne«. Orst dann, wenn Rom diesen ©olon verloren haben wird, erst bann fchlägi Ne © unbe be# .Reuen", und es wäre seltsam, wenn Ile bann nicht Mral es anfagen würde: baJ Einbringen ber zersetzenden Sl m nte. bi? Zwie rächt unt« den Rachlolgern. Wie tm nachlcninifchen Ruß­land. Wie imm« in d« Geschichte.

Aus der Provinzialhaupistadt.

Gießen, den 24. Rovemb« IW».

Gietzeuer Wocheumarktpreise.

O« lofteien auf dem heutigen Wochenmarkt Buller 200 bU 210 Pfennig. Matte 30 bi« 36, Käse (10 ©!ück) CO bU 130. Wirsinz 10 bl« 15, Weißkraut 8 bi« 10, Rotkraut 12 bi« 20. gelbe Rüden 10 ti« 15. rv:e Rüben 10 bU 15, Spinat 25 bis 30. Rdmischkohl 10. Un cr ohlradi 8 bi« 10, Grünkohl 15 bis 25. Rosenkohl 43 bis laial 80 Me 100. Tomaten 40 bi« 50. Zwiebeln 10 bis 51. Woerre'.tich 40 bi« 83. Schwarzwurzeln 40 bU 60. Äar;o'feln 4L bl« 5 Aeplel 1t bis 20. Birnen 10 bU 20. Düll» 50 bi« 90. junge Hähne 90 bis 110. Suppenhühner 100 b s 120 Gänk 100 bis 110 das Piund S « 18 bis 20. Blumen­kohl 60 bis 130. Sndivien 10 bl« 25. Lauch 5 bis 15. Rettich 10 bi« 15, Sellerie 10 bl« 50 Pf da« Stück.

Straßen Iperre Wegen Herstellung eines Rabelgrabens ist Vie Wolkengosse bl* ouf weitere* für jeglichen ssuhroerkehr gelprrrt.

DieStromabnehmer beimUeber- lanbroerf O b f r b 11 i r n , die in den Jahren 1922 und 1923 zum Ausbau ber Ikbertonöcnlagen Gelder darlehensweise zur Bersügung gdielll Haden, feien Darauf Hingewi Zen. baß (le ihre Dotierungen auf Hulroertuna Ipoteftrn* bi* zum 14. Januar 1 928 unter Dorloge des Schuldschein» bei der

Gießener Gtaötiheaier.

vntao -rank: ..^wölstauscnD

Wie man hört, ist bas ©chaulplel .Zwölf- laufend' nunmehr von 130 deul'chen Bühnen zur Aufführung erworben worden, wenn man das Buch'- liest und fehea muß. daß e« sich hi« um rin szenisch tadellos gebautes, haarscharf aufs Parkett berechnetes, ab« dichterisch schwache« Stück handel:, so findet man zwar den unge­wöhnlichen. äußeven 8rfolg begründet findet jedoch zugleich auch, daß Frank sich Ne ©ache hi« etwa* lehr leicht gemacht unb recht billige Lorbeers baDongetragen habe. Sr hätte c* gar nicht nölig gehabt Nes.-r feine und g nm «begabte SrzÜhler, mit einem glatten unb unN-Nutrnben ©fid fo leichte Triumphe zu feiern: mit einem fast peinlich sicherem Tsrftänbnl« bofür, 6>i« Ne große Malle heute frhen unb hören will, was ihr schmeichelt und brr herrschenden Mei­nung erck gegen kommt.

Da« Motiv, bu« bei Schill« in rnrr ein­zigen knappen unb leidenschaftlichen Szene (.Kabale und Liebe" II. 2) angeschlagen und trieb« fallen gdaffm wirb der schandbare ©»Ibatenbanbel deutlchcr Duodezfürst?n im 18. Zahrhundert. füllt bei Frarck drei Akte. Der Herzog sulch« näh« bezeiDnett verkauft unter schmählichen BeNngungen 12 000 Mann an den englischen Unterhändler Faueilt. gegen Amerika. Sekretär Pideri:, Hrid des Slückes, hintertrerbt den Handel durch einen Brid an den König von Preußen. Dee verbietet den Durchzua d« >Svöll- tausend durch fern Gebiet, rettet durch seinen zum Herzog grichickten Obersten Ne armen Lan­deski nN-r vor Nr Verschickung den m:t dem Rade bedrohten Verrät« unb Volksretter Piderit vor der Wut be« rache«chnaubenden Herzogs, unb bietet logor ber Matorife (Ne eine zweite Lady Milford isti galant den Arm al« sie den Hof Dcrläftt Sie gibt den Ho» und den Hersog auf, da sie, durch Piderit. sich an ihr gute# H«z Unb ihre einfache Herkunft mmxT: fühlt unb an dem Verrat der ganzen ©chuftigkeU mug.-hollen hat. ©ie wiril den fakichen und teuer bezahleen Glattz einet Gräfin Spangenberg von sich unb

) 121 ©eiten 8»; geb. 4,50 OHL: Srnst Ro- Wvhlt, V«lag. Berlln 715

ist wieder da« sntrpls Fräulein Rapp, bie Mhr- macherStocht«, bie sie ehedem war Piderit mit feinen beiden Brüdern (Ne auch unter den Zwölftaufend waren) wandert au« nach Amerika, wo man soeben die Menschenrechte proklamiert hat. MtxD der Herzog und fän Mimst« (rin .feil« Sllav der Tyrannei") schauen zähne­knirschend. al« betrübte Lohgerber, dem vielen schönen davongeschwommenen (Selbe nach Die XugenD hat gesiegt Da« Last« verkriecht sich, schw« gebemütigt. Fehll bloß noch, daß sie sich gekriegt hätten, d« Pid-nl unb bie Rapp, (ie hätten rin schönes Paar gegeben unb gut zu- fammen gepaßt. . unb hätten # beide verdient.

Man muß gerecht fein: das Stück ist technisch fdir gut gebaut, im Szenischen, im Dialog federnd, voll Spannung, ohne 'Bruch, ohne Lücke. Ab« verstimmend unb im tielften Grunde unkünstlerisch ist Ne ertrrme Schwatzwrißmani« in der Be­handlung b« Sharakteoe ber edle Pibtit. bi« gute Span gen b«g. der wackere Oberst aus Pots­dam ... ber hundsgemeine Herzog und ber wider­liche Mimst«, wie d« Herr, fo« Gricherr, und bann, das Stück soll im Zähre 1176 spielen: gut Man sieht Ne Kostüme man hört etn Menuett .. da# ist alles. Die Sprache. Ne hi« gesprochen wirb, hat mit dem 18. Jahrhun­dert nichts zu schaffen. Ss ist Ne nüchterne Prola von 1927; wie denn da# Ganze überhaupt oft wenig« um der Historie willen grichr.eben. al# zum gegenwärtigen Publikum mit erhoben« Stimme gesprochen scheint.

Die Ausführung, von T e l e k h Nrtgiert, war soweit wir Ihr beiwohnen konnten ge­schloffen unb wirksam, man hatte die theatrali­schen Cuafitäten de« ©chaulpiels ersaht unb wohlpvfn:iert b«au#gearb«itet Auch das Büh­nenbild war st liecht unb stimmungsvoll.

Tanner: den Srfrctär Piderit $u

spielen. Den Verräter am Herzog. Den Rritcr d« Zwölf:aulerid. Sr sand einen starken, befreiten unb erföfmben Ausbruch am Snde be« MUtel- attis. wo b« Potsdam« erschnnl. auf Den er schon nicht mehr hoffen lonn e... reche gut: ab« bas meiste, was man vorher fach, entsprach nicht Nri« plötzlichen Cirigcruag und Snlladung, da war vieles so malt unb blaß in d« Dar­stellung. wie bas mehrfach in letzt« Zeit an Tanncrt auf gefallen ist. Sr hat eine Doppelrolle

zu spielen, muh zwei Gesicht« zeigen geto.ft; ab« hinter der Maske muß doch Ne hetzende Angst und bie fiebernde Srwartung sich bergen, unb man muh da« spüren. Ab« man spurte es kaum

Gräsin ©panaetib«g. Fräulein Rapp. Lady Mllsorb. Franzista von HoheTiheim al'.ti In rin« Person Harty la Ba umann; heben«» würdig, charmant, lrichtfertig unb gutherzig, ©ehr hübsch, man sollte ihr öfter (oI4k Rollen geben, (belfer« war der Herzog; « hatte e« an Ndem Abend am schiveriten einen g -malten Wüterich mit An stand unb In empörender Ron- chalance zu mimen, ein wandelndes, warn-nde« Brifptri zu geben: nie wieder Absolutismus! S:ne undankbare Sache... auf der Bühne. mit solchen Mitteln. Reben ihm T e l e k y als Minist« von Treysa: rin glat ei, charakterlose«, höfisches Wefen, etikettierte Schachfigur mit gefährlich« Machtl-esugnis. Sine markante Sharge ßcferte Gehre, ber ben englifchen Hnt«hänbier machte; b« martialische Pveußeiivberst war Schu­bert; Piderits Brüder, unterdrückte Slends- aeft alten, Wortführer ber Zwölf auf .mb, Ne man yinirr der Szene marfdhterm hört mit Trom­meln unb Pfeifen: Wehr! unb Hennig; beide lebendig unb glaubwürdig

Der Srlolg be« ©chrn?p.rir (b« mit feinem Wert nichi* zu tun hat) bürste hi« nicht ge­ring« fein, aU anberswo; e« wird volle Häuf« geben Dr. Th.

Goeche-Bunö.

Bortrafleflbaib von Zrauz ticrfel.

Die große Aula war dicht beseht; sehr viele wa­ren gekommcn. Fran; Werfel sehen, ben Dichter der ndtorx von Huarez und Maximilian, den eben inich mit dem Schill«rprerse Gekrönten. Sie saßen stumm, in langen Keihen stopf bei stopf, keiner regle sich, während der Tochter sprach und loufchHen klopfenden Herzen*, bewunbernd. er- r" ";<n.

Da* Driondere ist: jo hat man wohl noch keinen Dichter Irin Werk oortragen hören, rmt ioichrr Leidenscha't, mit jolcher Hingabe an Das Wort unb an da* Werk, ha* aus einer großen und mitleidigen Menschlichkeit geboren ist. X-erd «st rin nicht zu übertreffender Mittler seines Schaffens; dos wird

auch der zugestehen müssen, der Heb« seiber lieft, al* doh er sich vortrogen Iaht. Werfel* Stimme ist grob, tief und welch, füllt schwingend und hallend den weiten '.Raum; j>e wird glanzend beherrscht. Ist voller Musikalität, Wandelbarkeit und Gewalt kx* 8u«t)ru(fs. Die Dortrag*we«se wirkt ganz schau- spielerisch, fast btjrrmbmb am Bonrogsiiich, ab« d. zwingend unb yinreihend. weil man fühil. daß hier nicht* um be» äußeren Bilde* und Beifall* willen geschieht; sondern, wer nur rin paar Mi­nuten hmyon, muh da* empfinörn weil hier jede* Wort aus dem Herzen kommt, au* dem Blut, au* einem Erlebnis, bo» seinen Nchterischen Gestalt« noch in der geprägten iZorm auf» neue zu be­drängen unö zu überwältigen scheint.

Der einleitende Adschnttt de« Dortrage« galt einem Profawerk. der SrzLhlung vom ..Tode des Kletnbür e.s". Wer el f.izz er e zurächst den Inhalt de« «iten TtLH. um danach den zweiten zu Iden ...zu sprechen und zu gelal en In t ntr fo Di ionäcm 8inbringlichteil unb e n« fo hu>- r<i;,enben Sprqchrnäch igf.it. bah man selber do- sitzend. verstrickt wur.e in Da* gioulame Qriebni« die« von phan'.astifch-fpukha ter D r l-chlZi «- füllten Totentanzes hlnemgezwungm w röf in bas Schicksal be« kleinen, fast namenlosen Bür­gere. Der ci.«n ve zweifel en Kamp« lämpft gegen ba* Sietben, um Die ©einen zu retten... Bericht von einem meOizintfchen Fall, von einer meo'ev- lichen Heber r en schlich .'eit unD Hngeheu«Ilch- lei:... Bericht vorn Ä einbür^er ber ncht s'erben wollte, konnte unb Der tc vor einem un-crrü<T>ot festaesetzten läge. well, wenn « nur e nrn Tag srüh« starb. Die Versicherung erlosch unD Die FamUie unversorgt war ... der erü zwei volle I-Gje nach Dem sestgrietz en Datum V7k- IchieD unb In bellen Be:t man al« Hinterlassen­schaft ri"tn Äalenb<t lanb.

3ün« Gedichte als Ausklang, eil ganz irühes. au« der Zeit einer .verbotenen unD u modernen Roman ll". .Lächeln, Armen. Schre :en". wunter- voll schrringend in Rhy hmu* unb V:rsme ob.e. Zwei Zeirgedutzte barnach. b igenb von satirificher Schär e unb üb«leYenern Witz Das schöne, oe- banlenvolle61 em.t b unö en ekstatischerLe- berrshymnus" ganz zuletzt.

Der Abend wird Ian:e unvergessen bleiben als das feien oe'chrr e Erlebnis Lbenbier Be­gegnung mit einem Dichter von hohen Gnaden.

1-