Srettag, 24. 3uni 1927
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)
Rr. 145 Zweites Blatt
riffen. Per für CüMlanxen Io tri.
für frir QfcJgraber Regierung »lbamschen Seite unbehind«'
die Lektüre
Reichsversicherung sttägern
wurde das Westdeutsche Tuberkulosen
und
die Annahme nahe luberfuloft- und Auf Anregung
Kheuma-Forschungslastltuie. der Arbeitsgemeinschaft von
standen linb seit bcm Sturz von Pangalos g» chr.gc Calomfi* Parlament nicht
der Rheinprovinz
3n Polizei berichten lieft man recht häufig, bah der jugendliche Missetäter ein leidenschaftlicher Leser von Kriminalromanen sei. und schlechte * - inden ein
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Rerovsttä, in Beigrud steigt und allerlei tttihe Gerüchte im Umlauf sind
3n tiefer knnfchen Lail sieb« iich Set grub au' dem Balkan rech« isoliert. Die guteitz Beziehungen dre zrv'.'chen 'Belgrad und Griechenland noch im vorigen Jahr do-
eum as vr s chu n g S in st it u 1 ge-
Belgrads Albanienpolitik
Do« unterem 8 -Dericht erstatt er
Kunst und Wissenschaft.
Ein bedeutsamer Römerfund In Heidelberg.
3n Heidelberg wurde gelegentlich der Arbeiten zu der dritten Drücke auf der Reuenheimer Seite deS Schlosses, nahe dem Reckar-Us«. ein gröbere- Wohngebäude römischen Ursprungs angeschnitten und durch den Dev- treler der staatlichen Denkmalspflege. Pros. Dr. Wahle, geborgen. Der Fund lässt daraus schlie- hen. das, es sich um einen vornehmen Privatbau gehandelt hat. Da» Fortschreiten der Erdarbeiten zu dem Drückenbau verhinderte eine vollständig« Bergung des Fundes. Rur Scherben, gestempelte Lieget und Proben deS gemalten Verputzes wurde« dem Kurpfälzischen Museum überwiesen. — Dr« Wände deS Baues zeigten sich sauber auS Handquadern ausgemauerl. herumliegende weiter» Steine dieser Art und D.-ckenvcn puh bekunden.
Menschcnlennen gründen und begrü Schmutz- und Schundgesetz damit, daß d solcher Literatur die Jugendlichen auf verbrecherische Abwege bringe. AuS dem gleichen Grunde könnte man die Lektüre der Dibel und der Evan-
aründet. Zu der G ^ändungsveriammlung waren Vertreter deS ReichsarbeitSministeriumS. deS preußischen WohlsahrtSministeriumS. der medi- »in.'chen Wissenschaft und der Städte und Kreis« der beiden westlichen Provinzen anwesend. Mit den Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden erkannten die übrigen Kreise die Bedeutung der beiden 3nftitute für die DolkSgesundung an und erklärten sich zur Mitarbeit bereit. Da» Rheuma-Forschungsinstitut soll bei dem Lan- desbad Aachen errichtet werden, daS Tuberkulosen-Forschungsinstitut tn Düsseldorf. Die beiden Institute haben in der Hauptsache wissenschaftliche Arbeit ;u leisten und werden daS Ergebnis ihrer Tätigkeit den Heilstätten Krankenanstalten und Fürsorgestelle» miueileu.
Heller, weih, daß er mit einem Maximum von origineller Erfindung und mit einem Minimum von origineller Psychologie arbeiten muh. Und möglichst ohne Mord und Totschlag, derm das würde unS sittllch erregen, würde uns Partei ergreifen lassen. Wir wollen aber garnicht bei der Seele, beim Gefühl gepackt werden. Sondern bei unserer Intelligenz, unserm geistigen Vermögen, die Schürzung eines Knotens zu verfolgen und dessen Auflösung.
, lUdjbrud. auch mit Quellenangabe verboten'
Die Beunruhigung. die seit Abschluß des Tirana-Vertrages die Qeffentllchke-., im Ulg<- . .einen und Belgrad un besonderen ergriffen bat, kann in ihrer politischen Bedeutung am x^ii verstanden ©erben, wenn man bebenh Mfi Südflawien dadurch feine Balkan-Mon- roe «Doktrin, d. h. der Balkan den Dalian- oölkern. erschüttert, dah eS sei» Hoffnungen, seinen Anteil bei einer ci'enlueUen Aufteiluna Albaniens zu erhalten, schwinden sieht und dah jeder Umschwung im Re.che Achmed ZoguS für die serbische Innenpvltt k ernste Gefahren mit sich bringt Alba men nut feinen etwa 703 000 Einwohnern umfaßt nur eine Minderheit des albanischen Volkes, da etwa 500 000 Albanier in 'remben Staaten leben, und zwar meist in Jugoslawien. hauptsächlich tn den mazedon 'chen Gebieten Diese Albanier tn der Grenzprovinz bilden für die Delgrader Regierung eine Quelle bet ständigen Beunruhigung Da nun Achmed Zog u aerobe unter den in Mazedonien leben- den Albanern zahlreiche Verwandte und An- Mnaer hat '0 glaubte Belgrad ihn dadurch zu gewannen, dah eS lernerynt seine Kandidatur gegen den Kandidaten Italiens Fan Roll uetterstützke. Ab« Achmed <togu lohnte die serbische Hilfe mit Undank, nach längerem Schwanken manbte er sich an die zahlungskräftigere Groh- .nacht jenseits der Adria und begab sich unter ben Ginllutz Italiens Die alban.sche Armee vird durch einen italienischen General reorgam- •iett. und die vom niazcdom»chtti Komitee ge- -ilbeten Banden an der durch ein unzugängliches 'cbirge getrennten Grenze bilden einen ständigen Unruheherd für die Belgrader Regierung ba sie von der albanischen Seite unbehindert gestützt werden können.
Da eS da- vitalste Interesse SüdflawienS «ordert, zu verhindern, dah Italien, um seine albanische Machtposition zu stärken, die mazedonische Bewegung an der Grenze beeinflußt, so ernannte Belgrad in den Tagen deS Vertrage» lwn Tirana feinen ge'chick testen DerwaltungS- beamten D obrizza Markowitsch zum Schupo n von Bitoli lMonastir) und überliest es 'einer Initiative. Selbstwehrorganifa-
Der Kuhhandel um die „Zulassung" zum Kriege.
Don Victor Augustin Wroblewski.
Wenige Wochen ist eS her, dah der Präsident der französischen Rcpub.ll Doumergue in London erklärte, dah Großbritannien und Frankreich „im Jahre 1914 biS zur letzten Mnuds alles getan haben. waS zu tun möglich war, um den Ausbruch der Feindseligkeiten zu verhindern." Hätte diese Abneigung gegen den Ausbruch der Feindseligkeiten wirklich bestanden, so wäre eine logische Folge derselben gewesen, dah die Entente, nachdem ber Krieg nun doch zum Ausbruch gekommen war, alleS hätte drauseyeml müssen, um die Feindseligkeiten wenigstens auf die zu Anbeginn dcS Krieges beteiligten Mächte zu beschränken und Die Kriegs bauer nicht durch Hereinziehung neuer Staaten zu verlängern,
So wie bie leitenden Staatsmänner und Diplomaten Rußland». Frankreichs und Englands 1914 aber in Wirklichkeit nichtSoderfogut wie nichts getan haben, um den Krieg zu vermeiden, fo haben sie im Verlauf desselben fein Mittel unversucht gelassen, um möglichst viel neutrale Staaten in den Krieg hereinzuziehen und
sich weigerte, sind augenbllcklich die diplomati- Ichen und Konsularbeziehungen zwischen Belgrad und Tirana abgebrochen und wieder einmal burchschwirrten Kriegsgerüchte die Welt. Es gelang. die KrisiS d eSmal noch insofern zu beschwören. als trotz deS Abbruches Der Beziehungen mit feinen kriegerischen Handlungen gerechnet werden darf, aber dadurch ist ber Konflikt doch nur verschoben und nicht aufgehoben. Es ist nur zu natürlich, wenn die
gellen verbieten, well man diese Dächer in den Händen rellgiös Wahnsinniger findet. Es ist sehr wahrscheinlich, dah ein zu Verbrechen geeigneter Mensch lieber, wenn überhaupt ettvaS. einen Kriminalroman lieft, als Goethes Wahlverwandtschaften. Aber dah die Lektüre von Kriminalromanen einen harmlosen jungen Menschen auf den Weg deS Verbrechens bringt, ist eine leere Behauptung. Jeder junge Mensch wird bei gesunden Sinnen immer die Lektüre abenteuerlicher Bücher jenen vorziehen, in denen Liü»eSgeschichten oder p'ychologi'che Haarfpaltertien stehen. Er wird die Kühnheit, mit welcher der Held seine Sache auf nichts sonst stellt alS auf die Schärfe seines Verstandes, die Ent schlossenhell se'neS Willens und die Ausdauer seiner Körperkraft immer dem Sich-treiben-lassen eineS Milieumenschen vorziehen. Er wird es bewundern und lieben, dah ber Held Widerstände überwindet, die sich vor ihm auftürmen. Er wird es verächtlich finden, wenn der Held sich anpatzt. sich ctn'ügt, über nichts alS über jene kleine Schlauhell verfügt, die sich mit allem abfindet. Er wird eS langweilig finden, wenn der Held eine# Buches sein Dafein in keinen andern Dienst ft eilt alS den, sich glücklich oder unglücklich zu verlieben.
Es ist unfinnig, mit dem Schlagwort .Kriminalroman" eine ganze Gattung als Schund ab zu- hm. Man könnte daS ja gleich mit dem Schlag-
Kriminalromane.
Don Franz Dl ei.
Die am heftigsten gegen di« Kriminalromane sprechen, dürsten sie am liebsten lesen, ganz heimlich natürlich ES sind SnobS. die sich schämen und wissen eigentlich nicht warum. Ober au» Angst vor einem Schlagwort, daS sie aus ber Liste der geistig Hochstehenden streicht oder striche, wenn fte zugäben, dah fit sich gern .spannen" lassen. - .A .
Run besitzen die wenigsten Menschen <fcit und Phantasie genug, um mcht nur daS Leben, sondern ihr Alltagsleben sehr spannend zu finden. Sie bilden Gruppen um ein gestürztes Pferd, um einen Menschen, der in die Lust starrt. 6te bewundern den Trapezkünstler im Variete, mit Schauem übet der Seele, weil er ja doch stürzen könnte. Sie gingen in den Krieg, liehen ihn nicht zu End« kommen, der Spannung wegen, die da iröher war als hinter dem Ladenttsch. hinter der Maschine, dem Schalter. War nicht, psychologisch gesehen, der Krieg daS grvhe abenteuerliche ^ndianerbüchel. das man alS Mann wieder lesen wollte? ES war dieser Abenteuererrvman Höch- stens zu schlecht geschrieben, und er dauerte zu lang. Man versäumte zu viel Zell bei der Lek- türe und verlor, da Zell Geld ist. viel Geld mit der Zeit.
DaS alleS kann bei einem guten kurzen spannenden Kriminalroman nicht passieren. Sm solcher luter Roman, daS ist toie eine glänzend gelöste Schachaufgabe, ein Vergnügen für unfern ton- ftruhit»cn kombinierenden üerftanb. ilnfer Interesse an den Menschen solcher Bücher ist und muh gering sein. Denn nicht ihnen gilt unsere Teilnahme, sondern dem .Fall". Beim guten Kriminalroman wissen wir von vornherein. bah .alleS gut auSgeht". bah niemand von Reputation zu Schaden kommt. daS Verbrechen gesühnt wird. Unsere Moralltät ist bei der Lektüre gar nicht engagiert. Dell wir willen, dah ihr nichts passiert. Well sie gar nicfll zur Diskullion steht. Sondern .der Fall". Die Konstruktion einer Milletat und ihre Auflösung. Darin Hegt allein daS Mometll der Spannung. Jeder gute Erzähler von KriminalroTnanen. wie Slvestadt oder
Honen gegen die mazedonischen Banden in ganz Süds«dien >u bilden und zu bewaffnen. M die Truppen konzent rat io nsme lbu ng en an der Grenze sind offenbar auf den Ausbau dieser Selbstschutzorganisationen au» der örtlichen De- i'ölkerung zurückzuführen
Italien kann gern al) dem § 1 de» Ber- laxae* von Tirana proktifch jederzeit mit bewaffneter Hmid in Albanien eingreifen. Die Grohmächte erkennen scheinbar ein solche» Recht iichi an Dos bedeutet aber nur. dah Italien bri seinen wetteren Schritten auf di« jeweilige internationale Laste Rücksicht zu .iehmen bat Mussolini ist es iedvch gelungen, den Sinfluh ItollenS an di« Grenze Ma,ze- doniens vorzuschieb«n. und das ist «in ernster Gesahrpuntt. der sich nicht so ohne weileveS burch Interventionen und diplomatische» Sin- greisen au» dem Dege räumen läht. So sind denn auch bisher alle DermittlungSver- luche mehr ober weniger erfolglos geblieben, ber Konflikt schwelt in latenter Form fort unb Durch die Löschungsversuche wird der Branb- berd selbst nicht au» der Welt geschasst. Der Plan einer UntersuchungSkornmillion. der zwilchen den Mächten erwogen worden war, muhte fallen gelaffen werden. Die englische Intervention zielte daraus hin. dah Belgrad die Rettunvverträae. die vor einem Jahr abgeschlossen. aber nicht ratifiziert wurden, annimmt unb bah Italien bafür dem Tirana- nertrage durch eine feierliche Sillärung oder durch Einbeziehung Jugoslawien», die unmittelbare Spitze nimmt. Ab« Mussolini dachte gar- nich» daran. Zugeständnisse zu machen. Und für Belgrad sind die Verträge von Rettunv. die Rttllschisch seinerzeit zur Förderung de» guten Verhältnisse» zu Rom adschloh. eine böse Erinnerung, denn sie hätten, im Fall ihr« Notifizierung. Dalmatien der italienischen wirtschaftlichen Grplotativn unb Deeinflullung se
ist ber erstrebenswerte Zustand, und von b efem Standpunkt au» betrachtet ist Spanien «in» D« am meisten bevorzugten Land« Ich brauche nur auf untere ridige Produktion an Früchten Weinen unb Gelen h.nzuweisen. von denen wir bereits grob« Mengen auifübren. Die bcfpiv bere Aufmerksamkeit d«s Auslände» mochte ich aber auch 4. B. auf bi« Möglichkeiten be» Daumwoilanbaue» h.n'.nken. Zwar lauft Spanien heute noch grobe Mengen von Baumwolle m 3u»Ianbt. doch könnten wir nach dem Urteil erst« Fachleute A n b a l u s i e n leicht in ein Baumwollgeb. er verwanbeln. ba» halb ebenso probukttv sem würbe wie etwa Aegypten Diele Pläne werden sicherlich einmal burchgefudr: werden, doch erfordern sie Zeit unb vor allen Pingen stabile politische Verhältnisse
In gleich günstiger Lage befinbet sch Spanien bezug, ich Erschießung feiner Mi- neralschäye. Auch hier bleibt zwar noch -nel zu tun. doch tnc Vorbedingungen lind durchaus günstig. Wir besitzen genügend Kob len- unb Eise n vorkommen um uns vom AuSlanbe unabhängig zu machen Wir verfügen sogar ub« E r b ö l Vorkommen in unterem Land« unb unsere Industrie ist. 'owert sie vorhanden ist recht leistungsfähig. Ich wünfch« jedoch n.d)t bah Spanien etwa ein Inbustrielanb wirb. Pu* Gefahr groher Schwierigkeiten aus dem sich mehr unb mehr verschärfenden Wettkampf der Industrieländer untereinander, tm Zusammenhang .nit dem oben angebeuteten sozialen Problem oeranlaht un». unser Zukunftsheil vor allen Dingen in ber Entwicklung b« Landwirtschaft zu suchen.
Auch wegeii unserer politischen Zukunft brauchen wir un» keine Sorgen zu machen. Spanien lornmk seine auherordentlich günstige geographisch« Lag« zugute. Zwischen dem Mittel- mrer unb dem Atlantischen Gzean gelegen, fo- zusagen als Bindeglied zwilchen Europa. Afrika und Amerika hat es den enormen Vorteil, dah es sich von den schwirr.gen Problemen fenthalten kann, die den übrigen fontinentol-euro* päischen Ländern oft da» Leben schw« machen Wir haben daher den Vllck frei für unsere spanischen Brüder in Amerika, mit denen wir durch die heiligen Bande gleicher Sprache verbunden sind, unb beten Religion. Kultur und Irabition wir teilen. Ohne die Sonderinteressen ber Vereinigten Staaten in Rord- unb Südamerika zu unterschätzen, werden Wit un» bemühen, unsere freundschaftlichen De- Ziehungen mit unseren Schwesterrepublilen in Südamerika aus kulturellem unb wirtschaftlichem Gebiete zu verstärken. Ein erst« Schritt in dies« Hub hing ist bereit» durch den Verlaus zwei« Kreuz« an Argentinien und die Gewährung einer Anleihe von 100 Millionen Peseten an dieses Land getan.
SS erscheint vielleicht eigentümlich, dah Spanien anfängt, al» Kreditgeber aufzutreten: wir dürfen jedoch nicht vergehen — und daS ist für mich eine Quelle grober Befriedigung — dah sich Spaniens Finanzen in den Iahten meiner Diktatur erhcblich gebessert haben. Seine schwebende Schuld ist konsolidiert worden. Seine Schulden im Auslande sind im Vergleich zu beniemflen anderer Länder unbedeutend. Das Defizll ferne» Budgets ist wesentlich zurück- Sangen. und sobald einmal die Marokkosrage ist ist, wird dieses Defizit vollkommen ver« jtnben.
Alles in allem ist die gegenwärtige Wirtschaftslage Spaniens durchaus günstig und geiund, und wir dürfen daher auf eine glückliche und aussichtsreiche Zukunft rechnen.
Es vergeht kaum eine Woche, ohne dah der latente Konflikt zwischen Italien und Jugoslawien. od« richtiger zwischen Jugoslawien unb 'Albanien, waS im Grunde dasselbe ist. in der einen od« in der anderen Form wieder auf- slammt, um Wied« beigelegt zu werden, ohne dah man dem Grundübel nähertreten kamt. Wegen her Verhaftung deS jugoslawischen DragomanS d« Gesandtschaft, der übrigens ein albanisch« Staatsbürger ist, und den Albanien zu befreien
wort .Roman" für den Roman überhaupt tun. Es gibt innerhalb diel« Oattimg, wie auch sonst Schund und Richl-Schund. Weil ein Roman ein Kriminalroman ist, deshalb ist er nicht schon schlecht. Dell ein Roman kein Kriminalroman, sondern ein Familienroman ist, deshalb ist « nicht schon gut. Solches Vorurteil yerrichl auf vielen Gebieten, zumal ber Kunst. Dell etwa- eine Oper ist, ist'S nicht schon mehr und bell« als eine Operette. Ralüriich gibts, wie auch sonst in ber Literatur, weit mehr schlechte alS gute Kriminalromane. wie «S weit mehr schlechte als gute Gedichte gibt, weit mehr schlechte als gute Walzer. Man soll sich da nicht durch den .hohen Anfpruch" Irreleiten lallen, den ein Verfass« damit stellt, dah « Gott unb bie Welt bewegt, um sie tn sein Romanwerk zu bringen, das bei mangelndem Talent trotz alledem ein Schund bleibt. Der hohe Anspruch allein genügt eben nicht. Hätte sich d« Verfall« wenig« oorgenommen, wäre ihm vielleicht mehr gelungen.
Jene Erzählungen Poes, in denen « als erst« unb mit größter Meisterschaft kriminelle Stoffe behanbelt. smb bie Musterbeispiele ihr« Art geblieben: scharfsinnig «dacht, spannend erzählt, überoaschend in der Entknotung. Darauf kommt e» an, nicht, wie der Lchundverfall« dieser Gattung meint, auf Ströme von Vlut auS gehäuften Morden. Kein« uni« den Heutigen versteht es Heller, einen Fall zu konstruieren, sachgemäh. neuartig, faszinierend, alS Slvestad. Mtt einem leisen unaufdringlichen Humor, der bei fernem LandSmann Hell« oft übermütigste Laune wird. Holl« ist sozusagen der Spaßvogel der Kriminalistik. Elve- stad ihr eigensinnig« Stratege. Ich nerme nur diele beiden alS die charakteristischesten tmb populärsten Autoren der serg^ältig c7uSgeti»hllen Re-he. die d« Georg Müll« Verlag in Zwei-Markbü- chern h«auSgibt. Die andern sind aus dem gleichen Riveau gewählt, Amerikan«. Deutsche, Eng- länd«.
Ich bin nur ein sehr schwach« Ce1« d« schönen Lit«atur von heute. Ich bin mit mein«, an solche Lektüre hingegebenen Zeit etwa» grizia. Ab« ich lese mit Leidenschaft Marcel! Proust. Und mit größtem Vergnügen Kriminalromane, toerm sie fo gut sind wie dreie Reih«.
Ja ben letzt« Wochen .st m b« spamscher. Presi« lebhaft bie Frage erörtert worden, au» »reiche De.se man a*obl am besten bie gege wärtige Diktatur di« ja doch nur aU t nc Zwi'chenlö'ung gedacht ist. N q » i d i e r « n könnte. Die Zenlur gestaltete b« Presse, bei b« D »- kullion bieftt Frage volle Kritik an b« Diktatur zu üben. . ,
Ich selbst gebe ganz offen yr, daß bie gegmwärnge Regirrungsform keinesfalls al» 0 nb I öf ung zu betrachten ist .früher ob« später wirb Spanien zu normalen Verhältnissen zurückzukehren haben. Dieie Rückkehr wird «ich aber ander» gestalten müssen al» etwa durch einfache Dieberein'ubrung de» »arid- mentar fchen Svstems. wie ich e» vor bet Mcber- akne der Regierung votfanb. Sm folch« Schritt j)ürbc nämlich keinesfalls gesunde Verhältnisse dringen, sondern neben d« Schwächung un»«« W.nfchast eine Rückkehr zur Unordnung unb ju inneren Spannungen bedeuten. In Span.en war ber Parlamentarismu» in d« Tat vor ber Hebern ab me meiner Regi«ung in Agonie Versalien und bildete eine ernste G«sahr für bas Lanb
Denn -ch daher behaupte, bah Spanier, nicht auf ben Status quo zuruckkehren kann, tocu er die Griahr wirtschaftlicher unb nnerpvlltischer Schw-erigieiten mit sich iringen würde, so muh ,ch aus d« anderen Seite zugeben, dah ich noch nicht die Einzelheiten des neuen System» aus- gearbeitet habe, ba» ben Parlamentarismus « setzen soll. SS ist bähet möglich, dah e» noch ein. fle Zeit bauern wirb bi» ba» neue Parlament — bie Rationalversammlung ober xrrt sonst die neue Regierung heihen soll, in d« bie Dirtjchafti« eine große Rolle spielen to«bcn — ins Leben gerufen wird.
Den ilngebutbigen in unserem Lande kann ich daher nur zurusen. dah eine Diktatur von wenigen Jahren nicht» bedeutet im Vergleich zu ein« Jahrhunderte währenden Anarchie. Eine untüchtige Regierung, die hundert Iahte lang bestand, sollte von einer starken Regierung abgelöst w«den. bie wenigsten» für 50 Iahte am Ruder bleibt
Die wirtschaftlichen AuSfichtcn Spanien» hängen ron d« weieren Entwicklung seiner Landwirt s ch a s t und von d« Möglichkeit b« AuS- beutung seine» Minetalreichtum» ab. Man darf nicht vetgesten. bah Spanien verholtniS- inäß g bunn bevölkert »st. Es tommen etwa 43 Einwohner auf einen Quabtattilomet«. wäh- renb Frankreich, dessen Vevvlk«ung Spanien leicht «nähren könnte. 72 Einwohner auf ben üuabrattilomet« zählt. Sicherlich werben also noch viele Jahre occgchen. bevor wir die Bevölkerungsdichte Frankreich» erreicht haben, ein Umstand, der wohl am besten erkennen läht. dah wir noch längst nicht am Endpunkte unserer Wirtschaftsentwicklung angelangt sind. Dir haben nicht wie andere Länder ein Leberbevöl- fcrungtproblem zu lösen, wir leiden im Gegenteil an Mangel an Menschenmaterial. So unerfreulich diese Tatsache an sich ist, so hat sie aus ber anderen Seite doch den großen Vorteil, dah die Lösung der sozialen Frage, die allen anderen, insbesondere ben hochinbustri- ati fiert en Länbern große Schwierigkeiten macht, für un» erheblich erleichtert ist.
Zum Glück befinbet sich unsere Lanbwirt- schast in Durchaus günstig« Entwicklung. Unser Voben ist genügend fruchtbar, um unsere Debütf- nisse an Zerealien licyerzustellen. 2m allgemeinen ist eS ja bas Ibeal eine» jeden Lande», soviel zu produzieren, als es selbst verbraucht od«. um mich sachwissenschaftlich auSzubrücken. die Autarkie
Spaniens Zukunft.
Bo« General Primv de Rivera Igl. spanftchem Min-.strrpräftdenten.
ein»lullen es uy.xb keinen Gew^ilttvruch g«arn Italien tun uitb tun können
fron all« Autteaung will man m Belgrad gewiß feinen Krieg Ichon au» dem Grunde nicht, da man ireb« loirtschaftllch, noch Niilttärifch vorbereitet ist. aber man befürchtet, daß raatk ohne es verhinderii zn können, in einen b* iDüffneten Zufammenstoh hereingezogen totrfX denn an ber maz«boni>chen Grenz« herrschen andere Begriffe üb« Krieg und Waffenaängtz, als in den Zentren Europas Ein flüchtiger Blick auf die Karte lehrt, daß die 2luSf-.cht«a <mc» Krieges mit 3tollen für Jugoslawien im voraus nicht lehr gimstige sind. Es hätte nur die etwa 200 Kilometer lange Dvenze gegen Albanien zu verteidigen, ohne daß e» Truppenlandungen der 3tali<ai« verhindern könnte, es müßte auch eine ettoa 150 Kilomd« brettx? Front an sein« westlichen Grentze von Triglaw dis Fiume verteidigen. Dazu ist man tn Belgrad davon überzeugt, bah 3talien im Kriegsfall« die öfterreichifche Reutralität her» letzen unb auch üb« Villach Vordringen pmrb«. Das sind heute leere Schreckgespenster, aber fit flößen doch Furcht ein unb beunruhigen bie öffentliche Meinung um fo mehr, ba auch die innere Politik Serbien» nicht konfolidi«! ift Der letzte Sieg Wukilfchewilsch» üb« Me Gruppe von Usunowilsch. die Reubildung de» Kabinett» und die Auslösung der Skuptschina haben daran nicht viel geändert. D« albanisch-ma.zebonisch« Gesahrenb«d bleibt nach wie vor bestehen, bie Gegensätze mit Italien lind nicht ausgeglichen. DaS lajUinine ift. bah niemand woih, auf welche Art ui.b wann diese Gegensätze au» der Welt geschasst werden können, die sich leid« tounä mehr zu verschärfen drohen und gefährlich« toerben.
dah d« obere, nicht mehr vorhandene Teil deS Raumes ebenso forgfältig gebaut gearesen fein muß. D« Putz selbst ift verschiedenartig, so dah liegt, dah er bemalt war.
oertrag wurde vom griechischen Parlament nicht null ziert Ebenso »mb bie noch im Dezember des Vorjahres «trogenen gemeinsamen Mahl'ahm en SüdllawienS und d« Türkei hur- fällig geworden nachdem cs d« italienischen Auhenj^liNk gelang, sich mit der Xürfd zu ixr- ständige* unb bie Vermutungen Angoras übet italienr'che Aspirationen auf bas sübwestana- loli’äx* Daaniwvllengebiet von Adana unb M«- fina zu zerstreuen. Auch von Rumänien kann Beiarab keine Unterstützung fein« Politik gegen Italien «warten, ba Rom im p»vch 1^'ch günstigen Moment die rumänische Anneivam Bellara- bien» ratifizierte Denn Frankreich Jugoslawien in den Tageit al» sich italienische Truppen an der französischen Grenze ansammelten, in fernen Ambitionen auf Albanien den Rücken steifte so lucht .1» heute nur t*e Belgrader Politik Aum Einlenken unb Rachgeben zu be-


